Archive for Oktober, 2017

Wo ist er denn, der Herr Doktor???

Herbstzeit ist Schnupfenzeit! Ist so, war schon immer so! Steigert sich jedoch der Schnupfen zu einer starken Erkältung oder einem grippalen Infekt, so sollte auf jeden Fall der Hausarzt aufgesucht werden, da die Folgeerscheinungen einer solchen nicht behandelten Krankheit (etwa Lungenentzündung, …) in der Tat sehr unschön sind. Und stolpert man dann wie im Traum, mit Kopf- und Gliederschmerzen, Husten, verstopfter Nase samt Nebenhöhlen in das Wartezimmer der Ordination, so hat es sich schon so mancher überlegt und ist wieder nach Hause oder zur Arbeit gefahren. Zeitweise gibt es nicht mal mehr einen Sitzplatz, für eine fünf minütige Untersuchung müssen schon mal Wartezeiten von 1 1/2 bis 2 Stunden in Kauf genommen werden. Nachdem die “Frau im Spiegel” aus dem Jahre 2004 komplett durchgelesen und der Onkel Doktor endlich Hand aufgelegt hat, hält man beim Verlassen der Praxis ein Rezept für Medikamente in der Hand, die es auch rezeptfrei in der Apotheke gegeben hätte. Doch wäre die Wartezeit wesentlich kürzer gekommen!
Stellt sich nun die Frage: Weshalb? Denn – einen Ärztemangel gibt es weder in Deutschland noch in Österreich! Im Jahre 2015 waren zwischen Emden und Freilassing rund 370.000 Mediziner berufstätig gemeldet, 1990 hingegen nur 240.000. Auch in Österreich kommen auf 1.000 Einwohner laut einer OECD-Studie nicht weniger als 4,9 Ärzte – ein Topwert für Europa. Nur Griechenland hatte vor dem Finanz-Kollaps mehr – die aber sind inzwischen nach Deutschland umgesiedelt! Also muss wohl ein anderer Grund dahinterstecken. Und ich werde Ihnen jetzt im Anschluss gleich mal drei sehr schwergewichtige Gründe nennen.
.) Die Patienten haben sich geändert. Wurde in früheren Zeiten so einiges nicht wirklich ernst genommen, so kursiert nun die grosse Angst – nicht zuletzt auch durch Dr. Google, da viele lesen können, was das Unwohlsein tatsächlich sein könnte: Eine schwere und möglicherweise gar tödliche Erkrankung! Eine Untersuchung aus dem Jahre 2015 zeigt auf, dass jeder deutsche Bundesbürger pro Jahr rund 19 mal den Arzt besucht, in Österreich sind es 6,9 statistische Male. Auch ich war 2017 ganze viermal beim Hausarzt. Dreimal davon habe ich auf der Schwelle zum Wartezimmer wieder kehrt gemacht. Der Grund: Zu viele vor mir! Ich wollte nur die Kombinationsimpfung haben. Für ein Prozedere, das innerhalb von nur zwei Minuten erledigt ist und ich oben drauf noch selbst bezahlen muss (in diesem Sinne ein Privatpatient!), dermassen lange zu warten, ist nicht unbedingt das Meine. Tatsächlich bewirkt der demographische Wandel, dass die Menschen immer älter werden – trotz der Krankheiten. Doch gehören gerade ältere Menschen zu den bevorzugten Risikogruppen für Bazillen und Viren. Soll heissen, dass sie sozusagen die Krankheiten mit in’s Alter nehmen. Bestes Beispiel: Die Lungenentzündung! Heute relativ leicht zu behandeln – früher sind viele daran gestorben. Die Krankheitsbilder haben zudem zugenommen. Die sog. “Zivilisationskrankheiten” werden immer mehr, hinzu kommen viele psychische Erkrankungen wie Burn out oder Depression, bei welchen auch der Hausarzt die erste Anlaufstelle darstellt. Und schliesslich wurden die Krankheitsfälle einerseits durch Antibiotikaresistenzen, andererseits durch die Globalisierung wesentlich gefährlicher und mannigfaltiger, sodass – um es krass auszudrücken – bei einer Erkältung nach einem Ägyptenurlaub schon beinahe der Seuchenmediziner herbeigezogen werden muss.
.) Auch Ärzte sind Menschen und möchten im Rahmen einer funktionierenden Work-Life-Balance einen Feierabend geniessen und nicht noch Wochenends-, Nacht- oder Notfalldienst schieben müssen. Selbstverständlich sei ihnen dies auch eingestanden, schliesslich haben die meisten unter ihnen ebenfalls eine Familie. Doch ist das ein schwerwiegender Grund dafür, dass sich die Dichte an Allgemeinmedizinern am Land desaströs nach unten verringert. Da haben es die Kollegen/-innen in der Stadt wesentlich besser: Fixe Ordinationszeiten, für alle Notfälle sind die Notfall-Ambulanzen der Krankenhäuser zuständig. Entsprechend hoch ist auch die Ärztedichte in den deutschen Stadtstaaten: In Hamburg betreut ein Arzt 143 Patienten, in Bremen 169 und in Berlin 173. Im Vergleich: Bayern 212, Sachsen 243 (Alle Zahlen aus 2015)! Nach einer Richtlinie aus 2013 soll ein Hausarzt in Deutschland nicht weniger als 1671 Einwohner versorgen – in Österreich war es im selben Jahr ein Verhältnis von 1:2.200! Alsdann auch hier: Die meisten Praxen finden sich in den Städten!
.) Und schliesslich ist das Kassensystem selbst verantwortlich dafür, dass es immer weniger Kassenärzte gibt. Die Medizin wird hier zum schlecht bezahlten Fliessband-Job: 70 Patienten in sechs Stunden sind keine Seltenheit. Viele Ärzte finden nicht mal mehr die Zeit, Krankengeschichten zu lauschen. Der Patient wird zum Durchlaufposten, der möglichst schnell wieder aus dem Untersuchungszimmer raus muss, damit das Stunden-Soll erfüllt wird. Ansonsten muss der Laden dicht gemacht werden. Hinzu kommt der unheimliche bürokratische Aufwand. Da haben es die Kollegen/-innen aus der privaten Zunft schon besser: Sie vereinbaren Termine und sind zu Feierabend fertig, während bei den Kassenärzten noch das Wartezimmer leergeräumt werden muss. Den Aufwand mit der Kasse hat dabei der Patient, nicht der Arzt. Keine Bereitschaftsdienste, die Wochenenden frei. Da treten dann durchaus unmögliche Situationen auf. Etwa in einer kleinen Tiroler Tourismusgemeinde, die über drei Ärzte verfügt: Ein Kassen- und zwei Wahlärzte. Der Kassenarzt steht kurz vor seinem wohlverdienten Ruhestand – doch will niemand seine Ordination übernehmen. Auch die beiden Privaten wollen lieber Wahlarzt bleiben! Ein durchaus ernstzunehmendes Problem vor allem für die österreichischen Bundeshauptstadt: Die Zahl der Wahlärzte nimmt zu, während jene der Kassenärzte kontinuierlich zurückgeht. Mehr als 2.800 Wahlärzte sind gemeldet (ein Plus von 340 gegenüber 2010), allerdings ging die Anzahl der Kassenärzte im selben Zeitraum auf 1.577 zurück – ein Minus von rund 90 Ärzten! In der Ärztekammer werden hier zudem die sog. “paramedizinischen Behandlungen” in’s Spiel gebracht. Homöopathie und Akupunktur beispielsweise übernehmen die Kassen mehr als ungern (wenn überhaupt), trotzdem verkaufen sie sich gerade im Alpenstaat sehr gut, da die Therapie bei vielen tatsächlich wirkt.
Bedenkt man, dass in Deutschland bis 2020 nicht weniger als 50.000 Mediziner in den Ruhestand wechseln werden, in Österreich bis 2030 gar dreiviertel aller, stehen wir durchaus vor einem Denksport-Projekt.
Da fällt mir noch ein weiterer Grund ein: Der Allgemeinmediziner ist ein hoch angesehener Arzt. Schliesslich muss er in allen Bereichen der Medizin relativ sattelfest sein. Die Überweisung an den Facharzt oder an das Krankenhaus ist für die meisten die letzte Möglichkeit, wenn sie nicht mehr selbst weiter wissen oder helfen können. Und da schlägt Schildburga beispielsweise in Hessen zu: Hier muss der Allgemeinmediziner vor der Einweisung des Patienten wissen, welches Krankenhaus über Behindertentoiletten verfügt oder ob eine ambulante Behandlung machbar und wenn ja wo zielführender wäre. Schliesslich kostet jedes belegte Krankenhausbett Geld! Und bei den Fachärzten verhält es sich wie bei den Privatärzten: Fixe Arbeitszeiten, die manchen sogar noch Operationen in Krankenhäusern erlauben.
Ganz allgemein entspricht es der Tatsache, dass das Gros der Medizinstudenten eine Anstellung in Krankenhäuern oder Gemeinschaftspraxen einer eigenen niedergelassenen Praxis vorziehen. Besonders schlimm ist derzeit die Situation in Nord-Rhein-Westfalen. Hier sind nach Stand September des Jahres nicht weniger als 660 Hausarztsitze unbesetzt – nahezu alle am Land. 2016 wechselten dort 357 in den Ruhestand, allerdings erhielten nur 219 Mediziner die Anerkennung zum “Allgemeinmediziner” (nach dem Medizinstudium noch die fünfjährige Facharzt-Ausbildung zum Allgemeinmediziner). Hier einigte sich die Regierung aus CDU/FDP, dass künftig zehn Prozent der Studienplätze an Bewerber vergeben werden sollen, die sich nach Ihrer Ausbildung für einige Jahre dazu verpflichten, eine solche Landarzt-Praxis zu führen. Diese Landarzt-Quote wird auch in den Bundesländern Bayern und Niedersachsen – aber auch in Südtirol geplant. Bayern fördert zudem Haus- und Fachärzte sowie Psychotherapeuten und vergibt an jene Medizinstudenten Stipendien, die sich bereit erklären, auf dem Land tätig zu werden. Seit 2012 seien auf diese Weise nicht weniger als 27 Mio in die medizinische Zukunft des Freistaates investiert worden. Eine dringende Massnahme, schliesslich sperrt im Schnitt jede Woche eine Hausarztpraxis im Lande Fredl Fesels zu. Stipendien zahlt auch die Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA) an Studenten bundesweit aus, die sich nach dem Studium zu einem Umzug nach Sachsen-Anhalt verpflichten.
Eine weitere, schwergewichtige Hürde sollte allerdings nicht ausser Acht gelassen werden: Nicht wenige Spezialisten sehen einen Grund für die medizinische Landflucht v.a. in der Ausbildung: Viele frisch von der Uni abgegangenen Ärzte trauen sich schlichtweg die medizinische und finanzielle Verantwortung nicht zu!
Eine Möglichkeit, mehr Mediziner zu erhalten, wäre sicherlich die Abschaffung des Numerus Clausus, wie es derzeit in Deutschland diskutiert wird (Grundrecht auf freie Berufswahl Art. 12 GG, Absatz 1). Auch mit einer Abi-Note von 1.0 ist es schwer, einen Studienplatz zu ergattern. Schliesslich gibt diese Zensur keinerlei Auskunft darüber, ob aus dem Vorzugsschüler der Oberstufe auch wirklich ein guter Arzt wird. Unbestritten ist, dass Medizin v.a. ein Lernfach ist, also wäre die Schulnote durchaus ein wichtiges Kriterium! Zudem hat die Vergangenheit aufgezeigt, dass ausgezeichnete Schüler weniger häufig das anschliessende Studium abbrechen. Ist also eine solche NC-Streichung wirklich zielführend? Schliesslich melden sich trotz NC auf jeden Ausbildungsplatz mindestens 10 Bewerber! Die Deutsche Bundesärztekammer fordert deshalb seit einigen Jahren mehr Ausbildungsplätze (mindestens 1.000 bei jährlichen Kosten von 300 Mio €), die nach einem einheitlichen Assessment-Center besetzt werden sollen. Bislang wanderten viele Abiturienten in Richtung Österreich ab (“NC-Flüchtlinge”). Aufgrund der hohen Zahl der Interessierten wurden dort Aufnahmetests eingerichtet. Doch wird auch im Alpenstaat inzwischen heftigst diskutiert: Viele geniessen zwar dort die Ausbildung, doch sind sie kurz nach Studienende wieder verschwunden um in Deutschland zu arbeiten (auch Österreicher). In der Steiermark geht Gesundheitslandesrat Christopher Drexler (ÖVP) einen sehr paradoxen Weg: Er bezahlt Medizinstudenten an Privatuniversitäten ein Stipendium, wenn sie sich verpflichten, nach Studienabschluss noch einige Jahre im steirischen Spitalsdienst zu bleiben. Ein Zeichen des Versagens der Bildungspolitik? Was bleibt ist der schale Nachgeschmack, dass die Deutschen den Österreichern die Studienplätze wegnehmen und die Situation zwischen Boden- und Neusiedlersee noch tragischer machen. Schon seit geraumer Zeit warnen die Gesundheitsspezialisten vor dem Zusammenbruch des Systems, da sehr viele der praktischen Ärzte in der Alpenrepublik demnächst in die Pension wechseln und schon jetzt jede Menge Praxen leerstehen. Viele Hausärzte haben dort ein wesentlich grösseres Einzugsgebiet als die Kollegen in Deutschland. Allerdings gibt es in Österreich mit 273 Krankenhäusern und 900 Spitalsambulanzen eine Dichte, von der Deutschland nur träumen kann. Doch wirft auch das wieder ein Problem auf: Die medizinische Erstversorgung obliegt eigentlich den Haus- bzw. Fachärzten. Nur Notfälle oder Überweisungen von Patienten sollten an Krankenhäusern oder Notfallambulanzen durchgeführt werden! Die rinnende Nase eines Verschnupften ist hier komplett fehl am Platz. Seit 2014 nun bemüht sich das Gesundheitssystem im Lande des “Bergdoktors” sog. “Primärversorgungszentren” aufzubauen. Dabei handelt es sich um eine Gruppenpraxis mehrerer Fachärzte und jeweils eines Allgemeinmediziners. Sie könnten gerade auf dem Land die Misere abfedern, damit nicht allzu lange Wegzeiten in die nächste Stadt in Kauf genommen werden müssen. Ausserdem sollen die Ambulanzen dadurch entlastet werden. Dieses Modell wird bereits in Grossbritannien, den Niederlanden und auch in Dänemark mit sehr grossen Erfolg betrieben!
Ein Studienplatz für Medizin kostet in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 32.000 € pro Jahr (ein Sprach- oder Kulturwissenschaftler macht im Vergleich dazu nur zirka 5.000 € aus). Bund und Länder scheuen sich davor, dieses Geld in die Hand zu nehmen, da sie sich nicht sicher sind, ob dadurch tatsächlich eine Besserung eintreten wird. Weitaus günstiger kommen die schon fertig ausgebildeten Mediziner, die nach Deutschland drängen. Im Jahr 2016 waren es alleine nahezu 42.000 (11 % der Ärzteschaft), die hier einer Beschäftigung nachgehen. Auch in der Provinz. Allerdings können sie fast vorerst ausschliesslich als Assistenzärzte in Krankenhäusern eingesetzt werden. Zudem sind die Zulassungsgepflogenheiten recht hart! Nicht zuletzt kann ein verbales Missverstädnnis etwa im OP tödliche Folgen haben. Mehr als 50 Ärzte und Ärztinnen, die aus ihrer Heimat geflüchtet sind, mögen zwar fachlich top ausgebildet sein, doch konnten sie vor ihrer Flucht nicht Deutsch lernen und sind deshalb hierzulande noch nicht einsetzbar – nur 5 Flüchtlingsärzte erhielten bislang ihre Approbation. Medizinern aus Russland oder der Ukraine helfen inzwischen eigene Agenturen bei all den Formalitäten eines Umzuges nach Deutschland.
Jedenfalls muss sich die Politik so rasch als möglich Gedanken machen, was sie in den Jahren zuvor verabsäumt hat und wie dieses System v.a. auf dem Land aufrecht erhalten werden kann. Allerdings: “Man braucht einen langen Atem und kann die Hausärzte nicht aus der Hosentasche zaubern.” (Dieter Geis, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes). Viele Gelder flossen in die vermeintlich praxisorientierten Fachhochschulen, da die Universitäten oftmals unter dem Ruf zu leiden haben, dass sie am Markt vorbeiproduzieren. Das muss sich nun ändern. Der derzeitige Zustand wird nämlich hauptsächlich auf dem Rücken der Patienten und Versicherten ausgetragen.

Lesetipps:

.) Von der Ärzteschwemme zum Ärztemangel; Dr. Angelika Stapf-Ringwald; Kindle Edition; Vindobona Verlag 2017
.) Ärztemangel: Neue Ärzte braucht das Land; Anja Schneider; Gbi-Genios Verlag 2015
.) Deutschland – ein Land ohne Ärzte? Über den Ärztemangel und dessen Auswirkungen; Martin Hochheim; disserta Verlag 2015

Links:

- www.hausaerzteverband.de
- www.hausaerzteverband.at
- www.hausaerzteschweiz.ch
- www.kbv.de
- www.aerztekammer.at
- www.aok.de
- www.hauptverband.at
- www.gesundheit.gv.at
- www.arztakademie.at
- www.fomf.at
- www.aerzteblatt.de
- www.1a-aerztevermittlung.de
- www.doc-to-rent.de
- www.docfinder.at

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Weshalb essen wir eigentlich diesen Müll???

“Wir alle haben die Wahl. Es ist unsere Entscheidung, die uns fett macht. Nicht McDonald’s!”
(John Cisna)

Ich wurde kürzlichst gefragt, wann ich denn den letzten Burger gegessen habe!
“Ähm – na ja also, das war am …!”
Pause!
Verlegenheit!
Ich konnte es nicht sagen!
Es muss wohl vor einigen Jahren beim Burger King in Offenbach/Main ein Doppel Whopper gewesen sein, denke ich! Aber so genau – wer weiss das schon! Nun – ich halte es da wohl mit jenem bekannten Schriftsteller, der einst meinte, er gehe alle drei Jahre einen Burger essen, versuche diesen zu geniessen, wisse aber dann, weshalb er drei Jahre lang keinen gegessen habe. Doch zu Weihnachten werde ich mir wohl wieder einige machen – aber auf meine Art: A la Stock! Pizza – ok, da sag’ ich nicht nein! Und ab und zu ein Döner (aber nur bei jenen, die ihn selbst aufstecken), ist auch etwas gutes, mit scharfer Sauce im Fladenbrot! Und die Currywurst mit selbst gemachter Curry-Sauce? Ein Gedicht!
Sie werden’s erraten haben: Es geht um Fast Food! So gut wie niemand kommt daran vorbei. Schliesslich müssen während der Mittagspause die Kinder vom Kita oder der Schule abgeholt, Einkäufe gemacht und private Treffs eingehalten werden. Da fehlt dann die Zeit, in diesen 30 Minuten etwas richtig gutes zu essen. Also wird nurmal rasch ein Happen eingeworfen. Nach einer Umfrage essen über 90 % der Deutschinnen und Deutschen regelmässig in einem Schnellrestaurant, 50 % der Österreicherinnen und Österreicher stillen regelmässig mit Fast Food ihren Hunger. Nur in der Schweiz tun sich die Ketten schwer: Subway, Kentucky Fried Chicken, Burger King wagten nach einem ersten misslungenen Versuch einen zweiten Anlauf – Pizza Hut hat die Lust dazu verloren. Kein Wunder, ist doch ein Preisunterschied von 100 bis 200 % im Vergleich zu einer Filiale derselben Kette in Deutschland nichts aussergewöhnliches, weiss die Zeitung “Blick” in einem Preisvergleich.
Haben Sie gewusst, dass es möglicherweise die Amerikaner erfunden haben (sieht man mal von der Frikadellen-Stulle ab), den grössten Burger jedoch gibt es in Bob’s BBQ in Chon Buri/Thailand: 35,6 Kilogramm. Uff!!! Klingt etwas komisch, wenn der Arbeitskollege am Montag fragt: “Und – wo ward Ihr gestern essen?” Und Sie antworten: “Bei Bob’s! Mit der ganzen Meute – 40 Leute hoch – es gab aber nur einen Burger!” Na, habe die Ehre!
Erwähnt man heute Fast Food, so denkt wohl jeder als erstes an den Burger – in allen möglichen Variationen. Doch gibt es weit mehr als das. So hat wohl nahezu jedes Land irgendeine Mahlzeit, die nicht zum Bleiben einlädt, die erfunden wurde um auf der Parkbank oder beim Gehen verdrückt zu werden. Eines allerdings haben sie alle gemeinsam: Viel Fett als Geschmacksträger, dadurch auch viele Kalorien, keine wirklichen Sattmacher (ein Sättigungsgefühl tritt erst nach 15 bis 20 Minuten ein, alsdann wird viel mehr gegessen), viel Salz und gesund sind sie schon gar nicht. Einzig ein gut zusammengestellter Döner kann unter Umständen empfehlenswert sein. Sofern mit Kraut und Gemüse angemacht. Das Fleisch ist zumeist Schaffleisch und die Sauce freut sich über Chili und Pfeffer um etwas Würze in das Ganze zu bringen. Somit kommen die Vitamine über das Grünzeugs, die Proteine aus dem Fleisch sind gesünder als jene vom Schwein oder Rind und die scharfen Gewürze regen die Verdauung und die Durchblutung an. Negativ: Das Brot! Weissbrot besteht aus weissem Mehl (Weizen): Ausser Kohlehydraten alsdann nichts gewesen. Übrigens: Haben Sie gewusst, dass der Döner zwar angeblich von einem Türken erfunden wurde, jedoch nicht aus der Türkei stammt? Der aus Anatolien nach Deutschland eingewanderte Kadir Nurmann behauptete, das gute Stück erfunden und den ersten 1972 am Berliner Bahnhof Zoo verkauft zu haben.

http://videos2.focus.de/wochit2/2014/10/14/61216464-1280×720.mp4

Auch das Brathuhn vom Grill schneidet halbwegs vernünftig ab: Weisses Fleisch – damit bestückt mit magerem Eiweiss, Vitamin B sowie Magnesium und Zink. Anstelle der Pommes einen gemischten Salat? Perfekt! Nur bitte: Finger weg von den frittierten Teilen. Hier weiss man einerseits nicht, wass sich unter der Panier versteckt. Andererseits muss es in einer Fritteuse gebraten werden. Anstatt – wie am Grill – überflüssiges Fett loszuwerden, saugt es sich dort mit eben diesem voll. Tja – und über den positiven Nebeneffekt des Frittierens wissen ja die meisten ohnedies bescheid!
Nicht? Lassen Sie es mich anhand der auch von mir heiss geliebten, dennoch wenig gegessenen Pommes Frittes erklären. Attila Dogudan (der “erfolgreichste Caterer der Welt” – SZ-Magazin) meinte einst, er gehe nur wegen der Pommes zu McDonalds. Hier werde täglich das Frittier-Fett gewechselt. Und ein Interview, das ich mit der Leiterin Unternehmenskommunikation Österreich dieser Kette einst führte, kam zu dem Schluss, dass die verwendeten Kartoffeln zumindest in Österreich AMA-Qualität haben. An sich also gute Grundvoraussetzungen. Trotzdem warnen US-Forscher nach Abschluss einer achtjährigen Langzeitstudie, nachzulesen im „American Journal of Clinical Nutrition“: Wer öfter als zweimal die Woche Pommes isst, hat ein doppelt so hohes Sterberisiko als jene, die dies nicht tun! Es liegt nicht an der Kartoffel – sie ist ein natürliches und gesundes Nahrungsmittel. Es liegt am Frittierfett! Und – je dünner eine Pommes ist, desto mehr dieses Fettes saugt sie auf. Nicht weniger als 4.000 Probanden wurden bei ihren Essgewohnheiten beobachtet und untersucht. Allerdings mussten auch die Wissenschaftler eingestehen, dass jene, die mehr als zweimal die Woche zu frittierten Kartoffelprodukten griffen, sicherlich auch andere, ebenso ungesunde Essgewohnheiten als die anderen Versuchspersonen haben. Wir als Kinder freuten uns immer, wenn es am Sonntag selbstgemachte Fritten zuhause gab. Doch geschah das recht selten, da für das Frittieren Kokosfett verwendet wurde. Muttern war der Überzeugung, dass es weniger spritzt als das andere Fett. Dass sie uns dadurch etwas Gutes getan hat, dürfte ihr damals wohl auch nicht bewusst gewesen sein. Häufig werden gehärtete, billige Öle oder Fette in die Fritteuse gegeben. Palmöl etwa! Wird dieses dazu noch wiederverwertet, so schlägt die Biogift-Keule aber sowas von zu. Besser sind da auf jeden Fall die Ofen-Pommes – auch wenn sie durch das fehlende Fett einen wichtigen Geschmacksträger verloren haben und somit meistens fad schmecken. Wird das nun durch noch mehr Salz oder gar Glutamat ausgeglichen, werden die ansonsten gesünderen Rohr-Pommes zu wahren Rohr-Krepierern. Zudem haben Gewürzmischungen mit Geschmacksverstärker, Trennmitteln oder anderen Zusätzen hier nichts zu suchen. Sollten es dennoch die Fritteuse-Pommes sein, so muss stets frisches, hochwertiges Pflanzenfett und eine nicht zu hohe Temperatur verwendet werden, da ansonsten das Krebsrisiko steigt (Glycidyl-Ester) und auch das Erbgut geschädigt werden kann (Acrylamid). Ausserdem verabschieden sich alle guten Nährstoffe wie etwa Vitamine sehr rasch mit steigenden Temperaturen. Und nochmals: Gegen eine Portion Pommes die Woche sollte niemand etwas einzuwenden haben. Das gilt selbstverständlich auch für alles andere, das schwimmend im heissen Fett zubereitet wird. Übrigens – die besten Pommes soll es nach einer Testung von Stiftung Warentest bei McDonalds geben, da hier eine Mischung aus Sonnenblumen- und Rapsöl zum Frittieren verwendet wird, bei Burger King hingegen eine Mischung aus Sonnenblumenöl und Palmfett.
Es gab einst Zeiten, als ich mindestens drei Pizzen die Woche vertilgte. Ist ja auch etwas leckeres, eine scharfe Diavolo oder eine Calzone mit Schinken, Salami und Pilzen oder auch nur eine Margherita. Und da lag ich offenbar voll im Trend, sagt zumindest eine Studie aus Mailand aus dem Jahr 2004, nachzulesen im „European Journal of Clinical Nutrition“. Mehr als 900 Menschen wurden untersucht, mit dem Ergebnis: Wer mindestens zweimal die Woche Pizza auf dem Speisezettel hatte, erkrankte nur halb so oft an Herzinfarkt wie die anderen! Also – - damit in den Supermarkt und die Grosspackung Margherita geholt. An dieser Stelle sei erwähnt, dass sich die klassischen italienischen Pizzen sehr von den hierzulande üblichen unterscheiden. Auf dem Stiefel wird nämlich der Teig nur dünn geworfen und mit viel Gemüse belegt. Von der Artischocke über Spinat bis hin zu Zucchini und Brokkoli sowie selbstverständlich den Tomaten. Bei diesen Pizzen ist auch weitaus weniger Käse drübergestreut. Eine Quattro Formaggi hingegen schlägt nicht nur aufgrund der Kalorien in die Figur, sondern auch aufgrund des Käses. Viele der heissgeliebten tiefgefrorenen, aber auch gastronomisch hergestellten, italienisch belegten Fladenbrote haben weder Mozzarella, noch Emmentaler und schon gar keinen Edamer gesehen. Sie werden nämlich mit Analog-Käse zubereitet. Analog-Käse ist eine Mischung aus Pflanzenfett, Milcheiweiss, Stärke, Geschmacksverstärkern und Wasser. Lecker schmecker! Eigentlich wurde das für jene Länder erfunden, die keine oder kaum Milchwirtschaft vorzuweisen haben. Dass aber grosse Teile der 100.000 jährlich produzierten Tonnen im herstellenden Deutschland verbleiben, wissen viele erst seit kurzem. In der Pizzeria ist es recht schwer, sich vorher kundig zu machen, ob Analog-Käse verwendet wird. Auf den Verpackungen im Supermarkt muss dies jedoch als “Käseimitat” oder “überbacken” bzw. “Pizza-Mix” angeführt sein. Im Jahr 2009 sorgte die Verbraucherschutzzentrale Hamburg für einiges Aufsehen, als sie eine Liste mit Produkten veröffentlichte, wo zwar Käse draufstand, aber keiner drinnen war. Das mag sich zwischenzeitlich möglicherweise (hoffentlich!) gebessert haben – oder auch nicht. Wer hat denn die Zeit im Supermarkt die Zutatenliste eines Tiefkühlproduktes durchzulesen! Auch beim Kochschinken wird immer wieder gemogelt. Die Alarmglocken sollten Sturm läuten, wenn auf der Verpackung “Kochpökelfleischimitat” oder “Pizzabelag nach Art einer groben Brühwurst aus Schweinefleisch” steht – dann handelt es sich um sog. “Klebeschinken” (mehr zu diesem Thema in einem der vorhergehenden Blogs)! Hinzu kommt bei der Pizza noch der Umstand, dass Öl auf die Pizza geträufelt wird, bevor sie in den holzgeheizten Pizzaofen geschoben. Dadurch wird zwar die Teigunterseite knackig resch, die Oberseite hingegen flaumig. Verwendet der Pizzabäcker Ihres Vertrauens hierfür Olivenöl? Oder ebenso billiges Palmöl?! All das gilt übrigens auch für das französische Fastfood: Dem belegten Baguette! Brian Northrup aus New Jersey ass ein ganzes Jahr jeden Tag Pizzen, an manchen auch schon mal zwei (“Pizzapocalypse”). Nach eigenen Angaben habe er drei Kilo abgenommen. Fairerweise muss erwähnt werden: Er hat daneben auch die Jahreskarte für das Fitnessstudio täglich genutzt.

https://www.sat1.at/tv/15-dinge/video/18-warum-liegt-fast-food-so-schwer-im-magen-macht-aber-so-kurzzeitig-satt-clip

Des Deutschen liebstes Fastfood (neben des Döners!) ist hausgemacht: Die Currywurst. Als Viel- und Langarbeiter war ich immer wieder froh, wenn noch der eine oder andere Imbissstand nach Büroschluss geöffnet hatte. Doch – was in Deutschland nahezu Pflicht (Currywurst mit Fritten), wird einem in Österreich rasch abgewöhnt. Bei manchen Standbetreibern gab es das Objekt der Begierde wie folgt: Burenwurst (die günstigste österreichische Wurst) vom Grill, aufgeschnitten, Tomatenketchup und Curry drübergestreut. Na klar – in Österreich ist die “Eitrige” (Käsekrainer) das Must-Have am Würstelstand – dazu gleich mehr. Meine damalige Freundin war genau aus demselben Grund kein wirklicher Currywurst-Genussspecht. Bis ich sie in Frankfurt auf eine einlud (eine ha – ich musste mir eine neue nachbestellen, da sie sich auch auf die meinige sturzte). Ab diesem Zeitpunkt stand die Wurst mit selbst gemachter Currysauce auch regelmässig zuhause auf dem Speiseplan. Herbert Grönemeyer widmete ihr einen eigenen Song – pro Jahr werden zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen rund 800 Millionen gegessen. Und sie erobert zunehmend auch andere Länder, die fein zerstückelte Brühwurst mit der lecker rotbraunen Soße!. Die übrigens wurde von Herta Heuwer anno 1949 erfunden. Sie wollte an ihrem Berliner Imbissstand die “Spandauer ohne Pelle” etwas aufpeppeln und brachte nach mehreren Versuchen die Tunke aus Ketchup und Chili sowie einer geheim gehaltenen Würzmischung heraus. Wer mehr hierzu in Erfahrung bringen möchte, dem sei das Currywurst-Museum in Berlin an’s Herz gelegt. Während die österreichischen Erfahrungen mit dieser Wurst doch sehr zurückhaltend sind, werden beim Nachbar in Deutschland bereits drei Varianten unterschieden: Die Berliner, die Ruhrgebiets- und die Volkswagen-Currywurst. Und eins mal vorneweg: Das Gesunde an allen Dreien ist das Curry bzw. der Pfeffer! Bei der Wurst handelt es sich um eine Bock – oder inzwischen auch Geflügelwurst. Sie wird gebrüht, danach entweder frittiert oder gebraten. Schliesslich in die kleinen Häppchen zerschnitten. In der Soße ist viel Ketchup – sehr beliebt bei den Ernährungswissenschaftlern aufgrund des hohen Zuckeranteils und der anderen Inhaltsstoffe, die nicht unbedingt immer natürlich sein müssen. Die Bockwurst ist auch nicht wirklich Anlass für Jubelschreie eines Ernährungsexperten. Die Bockwurst kam bereits Anfang des 19. Jahrhunderts bei Bockbierfesten in Bayern auf den Tisch. Heute gibt es sie in allen möglichen Variationen. Die Grundzutaten legt das Deutsche Lebensmittelbuch mit Schweinefleisch und Speck fest. Rindfleisch kann, muss aber nicht dabei sein. Hinzu kommt Nitritpökelsalz, Kutterhilfsmittel und Gewürze wie Pfeffer, Paprika, Ingwer, Macis und Koriander. Auch hier sind die Gewürze wohl das Gesunde an dem Ganzen. Was wirklich drinnen ist, weiss meist nur der Metzgermeister (etwa Milch oder sonstige Fleischerzeugnisse, die durch den Fleischwolf gejagt wurden). Nichts anderes auch bei der österreichischen Käsekrainer. Hier die Zutatenliste der Käsekrainer von Radatz (in den Produkten anderer Hersteller ist nahezu dasselbe zu lesen): Schweine- und Rindfleisch, Emmentaler, Speck, Speisesalz, Stabilisatoren: E451; Traubenzucker, Gewürze, Knoblauch, Antioxidationsmittel: E300; Zucker, Konservierungsmittel: E250; Gewürzextrakte, Aroma, Natursaitling, Buchenrauch. Durch den Käse kommen hier noch einige Kalorien im Vergleich zur Bockwurst hinzu. Apropos zum Überdenken: Eine Portion Currywurst mit Pommes und einer Cola – macht 64 Gramm Fett und satte 950 Kalorien. Anders formuliert: Eine Portion entspricht fast der kompletten Tagesration an Fett und der halben Tagesration an Energie, die der Mensch braucht!
Wechseln wir kurz den Kontinent. Auch das asiatische Fast Food hat’s wahrhaft in sich, denn in Südostasien, in Ländern wie Thailand, Vietnam oder auch Malysia wird ständig und überall gegessen. Möglich machen das die Garküchen auf Rädern. Sind nun mehrere dieser mobilen Garküchen beieinander (eine ist immer mit Entengerichten, eine indisch mit vielen Gewürzen dabei), ergänzt durch einige wenige Stühle und Tische, so spricht der Kenner von “Food Courts”. Allerdings sitzen hier meist nur europäische oder amerikanische Kunden – die asiatischen haben hierfür keine Zeit: Gegessen wird im Gehen. Und das hier unterscheidet die kulinarische Kultur von der unseren: Gekocht wird sehr häufig in Woks, also fettarm. Die Zutaten sind immer frisch, da sich niemand eine Kühltruhe oder Kühlschrank leisten kann. Mit Schärfe und damit Gewürzen wird nicht gegeizt, schliesslich soll ja Magen-Darm-Infekten vorgebeugt werden – die Bakterien und Viren werden regelrecht abgefackelt. Und die Getränke sind meist ebenso frisch gepresste Obst- oder Gemüsesäfte. Wer übrigens denken sollte, dass es an diesem Ende der Welt nur Reis gibt, der liegt völlig falsch. Die asiatische Nudelküche to go ist weithin bekannt. In Singapur ist die Garküche von Chan Hon Meng mit seinen 180 Hühnern pro Tag in allen erdenklichen Variationen sogar mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet worden. Das ist der grosse Unterschied: Dieses asiatische Fastfood ist meist gesund, regional, frisch und natürlich. Durch die Expansion der westlichen Fastfood-Ketten bekommen allerdings die Bewohner all das Schädliche, das die westliche Küche dermassen degenerieren lässt. Mediziner warnen bereits seit einiger Zeit: Diabetes wird in Asien zur Zeitbombe!
Etwas nördlicher finden wir Japan. Na klar: Sushi! Roher Fisch – nicht jedermann’s oder jederfrau’s Sache, doch schwören die Ernährungsexperten: Es ist gesund! Eigentlich kommen diese allseits bekannten Reisröllchen ja aus Südostasien, doch hat sich dies in den letzten rund 300 Jahren zur japanischen Nationalspeise entwickelt. Der Fisch muss stets frisch zubereitet werden. Der Reis wird meist mit etwas Essig verfeinert. Hinzu kommt Gemüse. Dann wird das alles in ein Blatt getrocknete Nori-Alge eingerollt, in Scheiben geschnitten, mit Saucen und Gewürzen verfeinert und sofort gegessen. Je nach Geschmack stehen Sojasauce, Wasabi (grüner Meerrettich) oder eingelegter Ingwer (“Gari”) zur Verfügung. Sushi gibt es in den unterschiedlichsten Formen – als dicke Rolle (Futomaki), dünne Rolle (Hosonaki), von innen gerollt (Uramaki) usw. Hier entscheiden zumeist die Füllungen, wie Lachs, Avocado, Gurke, Meeresfrüchte, … Der Meeresfisch liefert viele wichtigen Nahrungsbestandteile, die der Mensch benötigt: Hochwertiges tierisches Eiweiss, Omega3-Fettsäuren, Jod, Vitamin D, usw. Da er roh gegessen wird, entfallen auch die zumeist schädlichen Fette oder Öle. Vorsicht: Es wird auch Wal- oder Delphin-Fleisch gereicht! Das Gemüse ist klar – das Schädliche ist eigentlich der Reis. Er wurde nach der Ernte geschliffen und poliert, besitzt somit ausser den Kohlehydraten kaum mehr Nährstoffe wie Spurenelemente, Vitamine etc. Sushi mit Vollkornreis wäre perfekt! Die Nori-Blätter gleichen dieses Manko jedoch mehr als aus. Reich an den Vitaminen A, B12, C, E und an Zink, sind sie nahezu fettfrei und reich an Eiweissen sowie Ballaststoffen. Auch die Sojasaucen sind richtiggehende Gesundbrunnen: Wenig Kalorien, wenig Fett, dafür reich an Aminosäuren, Eiweiss und Antioxidantien. Nicht so gut ist der hohe Würzungsgrad an Salz. Und Wasabi gehört in Japan zum guten Ton – äh pardon: Zum guten Essen! Die enthaltenen Senfölglycoside wirken antibakteriell und entzündungshemmend! Zuletzt noch der eingelegte Ingwer – reich an Mineral- und Bioaktivstoffen! Sollten auch hierzulande wesentlich mehr Menschen regelmässig essen! Sushi ist somit also das gesündeste Fast Food! Tja – wäre da nicht das Risiko für immungeschwächte Zielgruppen, wie Säuglinge und Kleinkinder, Schwangere, ältere Menschen etc. Der Fisch wird nicht gekocht, damit sind auch Bakterien, Viren, Pilze und Würmer wie Fadenwürmer oder Fischbandwürmer enthalten. Auch Salmonellen oder Vibrionen machen so manchen schwer zu schaffen. Zusätzlich kommt die Verschmutzung der Meere auch mit Schwermetallen hinzu. Das alles hielt mich bislang ab, diese rohen Fischvariationen auch nur mal zu probieren.
In Russland gibt es neben der McDonalds- und der Burger King-Kette die hausgemachte Teremok-Kette, die zuletzt aufgrund der Sanktionen gegen die Regierung Putin immer mehr Zulauf bekam. Michail Grobatschow hatte die Idee anno 1998 – inzwischen gibt es rund 240 dieser Schnellrestaurant-Filialen. Zubereitet werden traditionelle russische Speisen wie Bliny oder Getränke wie Kwas. Weiteres russisches Fastfood wäre etwa Blinčiki, Pelmeni, Olad’i oder Tschebureki. 2015 wurden auch in New York zwei Teremok-Standorte eröffnet. Allerdings ist die traditionelle russische Küche nicht unbedingt für so manche lukullisch westlich geprägte Geschmackspapille geeignet. Blin ist eine Art Hefe-Eierpfannkuchen, eingerollt mit unterschiedlichen Füllungen wie geräucherter Fisch, Hackfleisch, Quark oder für die Reichen auch mit Kaviar. Gereicht wird dazu Tee. Oder gezuckerte Kondensmilch, Käse, Honig, Konfitüre, saure Sahne etc. Sie merken, in den kalten Regionen dieser Welt benötigt der menschliche Körper viele Kohlehydrate, damit die Körpertemperatur den Minusgraden strotzen kann. Die Bliny werden in einer Art Pfannkuchen- oder Crepes-Pfanne mit Speiseöl angerichtet. Sind sie fertig, werden sie gestapelt und mit Butter bestrichen. Normalerweise werden Bliny als Häppchen vor der Suppe gereicht. Pelmeni oder auch die Warenniki sind vergleichbar mit den gekochten oder gegarten Maultaschen, Tschebureki sind ebenfalls Teigtaschen, die gefüllt mit Käse oder Fleisch frittiert werden. Kwas ist ein gegärtes Brotgetränk. Die ursprüngliche Version wird mit Brot bzw. Zwieback hergestellt, inzwischen gibt es aber auch andere Geschmacksnoten, wie Birne, Beeren und vieles andere mehr. Kwas ist am ehesten mit Malzbier vergleichbar, besitzt jedoch einen leichten Geschmack nach Zitrone und hat einen Alkoholgehalt von max. 1,44 Prozent. Da die Gärung nicht auf Hefe sondern auf Milchsäurebakterien beruht, regt das Getränk die Verdauung an. Interessant zu wissen ist, dass Kwas im Sommer in gelben Tankwagen auf der Strasse verkauft wird. Es gibt es aber auch in Plastikflaschen oder Dosen. Mit über 800 Mio Liter pro Jahr verdiente es durchaus die Bezeichnung “Nationalgetränk” der Russen! In der DDR produzierte nur eine Brauerei in Magdeburg das Getränk, eine Markteinführung in Westdeutschland scheiterte.
Im südlichen Russland bzw. den ehemaligen sowjetischen Teilrepubliken rund um den Kaukasus gibt es den auch bis nach Deutschland bekannten Schaschlik. Das Wort ist eigentlich gebräuchlich für jedwede Art von Fleischspiess, der je nach Region unterschiedlich bestückt wird: Mit zuvor mariniertem Fleisch von Hammel, Lamm, Schwein, Rind, Fisch, ergänzt durch Gemüse (Tomaten, Zwiebeln, Paprika) und/oder Meeresfrüchten. Aber auch Innereien wie Nieren oder Leber werden aufgespiesst. Zubereitet über offenem Feuer oder Glut wird der Spiess ohne Saucen oder anderen Gewürzen direkt vom Spiess gemeinsam mit Brot, Kartoffeln, Reis oder Gemüse-Rohkost gereicht. Mit dem Schisch Kebap gibt es derartige Grillspiesse auch in den orientalischen Ländern, die allerdings nur mariniertes Lammfleisch, Fisch oder Geflügel, Tomaten, Auberginen und Paprika hierfür verwenden. Da das Fleisch fettfrei ist bzw. über der Glut abtropft, ist dieses Fast Food gesünder als so mancher Burger. Auch in Kroatien und Serbien (Ražnjići) oder Griechenland (Souvlaki) erfreuen sich derartige Spiesschen grosser Beliebtheit.
Das Fast Food in Lateinamerika sind die Empenadas. Diese halbmondförmigen Teigtaschen mit einer Füllung aus Käse (de queso) oder Hackfleisch (con carne) bzw. Meeresfrüchten (con mariscos) gibt es in den Häfen auf Meereshöhe oder auch ganz oben in den peruanischen Anden. Gewöhnungsbedürftig sind noch die anderen Zutaten, die von Rosinen über Oliven bis hin zu Zwiebeln gehen können. Nicht zuletzt aufgrund der scharfen Gewürze sind die Empenadas ebenfalls weitaus gesünder als die Currywurst hierzulande. Wenn auch nicht unbedingt kalorienärmer. Daneben gibt es noch Aji de Gallina, Cazuela, Ceviche, Humitas, Pachamanca, Sopaipillas usw., die allesamt jedoch nicht unbedingt in der Fast Food-Version erhältlich sind.
Bei all diesen leckeren und halbwegs gesunden Speisen kehren wir dann wieder zurück in die USA bzw. Grossbritannien, zu den nichtssagenden und nichtsschmeckenden Sandwiches. Meist Toastbrot (also Weissbrot), belegt mit Wurst, Käse etc. ist das einzig gesunde das Blatt grüner Salat oder die Tomate. Alles andere hat einen Nährwert bzw. Sättigungsgrad, dass es so manchem Koch die Genickhaare aufstellt. Dafür allerdings Kalorien und Fette – so manches Subway-Sandwich bringt es auf mehr als ein einfacher Burger.

https://www.prosieben.at/tv/galileo/videos/2017163-gesundes-fast-food-aus-dem-kuehlregal-geht-das-clip

Können Sie mir sagen, weshalb der überlegene und zivilisierte Westen (Selbstbehauptung) dermassen ungesunde Nahrung zu sich nimmt und dadurch selbst verantwortlich ist für Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf, Diabetes, hoher Blutdruck und Übergewicht? Fett, Salz und Kohlehydrate! Es gibt so leckere Gerichte, die ebenfalls schnell gemacht und weitaus gesünder wären und unseren Körper nicht dermassen in Geiselhaft nehmen. Kochbücher zu diesem Thema gibt es zur Genüge. Wichtigster Grundsatz sollte jedoch immer sein: Frische Zutaten, Gemüse und Salat einplanen und öfter mal auf Vollkornprodukte zurückgreifen. Es muss nicht immer mit Fleisch oder Wurst sein – und vor Fett triefen, das ist keineswegs notwendig. Fett macht süchtig! Das merken in zunehmenden Maße auch die Länder Südostasiens und Lateinamerikas, die nach und nach fastfoodianisiert werden. Ein riesiger Fehler! Denn hier kommen nun schlagartig jene Erkrankungen auf, die auch unser Leben seit Jahrzehnten schwer machen: Mexiko hat inzwischen darauf reagiert und eine Sondersteuer auf abgepackte Lebensmittel wie Kartoffelchips sowie auf zuckerhaltige Getränke in 1 Liter-Gebinden erlassen. Peru, Uruguay und Costa Rica haben Junk Food sogar gänzlich verboten.
Hier nochmals die Folgeerscheinungen oder Erkrankungen, die ungesunde Ernährung auslösen kann:

- Diabetes mellitus (um 104 Prozent mehr Erkrankungs-Risiko)
- Übergewicht
- Gefässerverkalkungen durch zu viel LDL-Cholesterin
- Herzerkrankungen (Infarkte und Schlaganfälle)
- Allergien durch Geschmacksverstärker
- Verdauungsprobleme (zwischen Bestelltung und letztem Bissen liegen meist nur 4 Minuten, am Imbiss sieben)
- Gedächtnisverlust (Studie der University of New South Wales)

Wir alle kennen die Erfahrung, die der Journalist Morgan Spurlock 2004 mit seinen Fressorgien bei McDonalds machte. Doch geht es auch anders. Der Biologielehrer John Cisna hat die McDonalds-Diät über 90 Tage durchgehalten (eine Wette mit seinen Schülern) und dabei sogar 17 Kilogramm abgenommen. Sein Geheimnis war ein strenger Menüplan, der morgens mit McMuffins mit Käse und Schinken, einer Tasse Vollkorn-Müsli mit braunem Zucker und einem Glas fettreduzierter Milch begann. Zu Mittag gab es dann Salat und gegen Abend Burger und Kollegen. 2000 Kalorien durften niemals am Tag überschritten werden und ein besonderes Augenmerk galt den Proteinen. Das liess sogar den Cholesterin-Spiegel jubeln, der sich um ein Drittel reduzierte. Das aber setzt eines voraus: Mündige Esser, die genau auf das schauen, was sie zu sich nehmen. Und mal ehrlich: Wer macht das, wenn er vor der Burgertheke steht???

Abschliessend einige gesunde Fast Food-Produkte:

- Vollkorn-Burger mediterrane Art (mit Zucchini, Karotten, Paprika, Zwiebeln und Champions)
- Vollkorn-Fischburger mit beispielsweise Seelachs (nicht frittiert!!!)
- Wraps aus Vollkornmehl mit Salat, Beeren, Äpfeln, Paprika und Ziegenfrischkäse
- Gebackenes Gemüse mit Kräuter-Quark oder Dip
- Frühlingsrollen ohne Hackfleisch aus dem Backrohr
- Pizza mit Vollkornteig und frischem Gemüse sowie Ricotta
- Gemüse-Pommes aus Karotten, Süsskartoffeln, Gurken, Rote Beete, Knollensellerie und Kohlrabi
- Butterbrot mit Salat, Gemüse, Tomaten oder Obst (wer will kann die Butter durch Schmand, Frischkäse etc. ersetzen)
- Sesam-Bagel mit Thunfisch oder Pute und Tomaten, Gurken, Radieschen, Parika, Kresse,…,

Möglich, dass es derartiges schon recht bald auch beim grössten Fast Food-Anbieter der Welt gibt. Schliesslich schreibt McDonalds auf der Ratgeberseite an die eigenen Mitarbeiter, dass sie sich nicht von Fast Food sondern etwas Gesundem ernähren sollen. Nichtsdestotrotz boomt das Geschäft auch weiterhin – Pizze und Fritten werden sogar inzwischen in SB-Automaten angeboten! Doch bleibt es dabei: Fette, Kohlehydrate, Geschmacksverstärker, Farbstoffe, … Das alles kann eine vollwertige, ausgewogene, gesunde Nahrung niemals ersetzen.

Literatur

.) Junk Food – Krank Food; Hans-Ulrich Grimm; GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH 2014
.) Real Fast Food; Nigel Slater; Penguin Books Ltd. 2013
.) Slow Food statt Fast Food; Anne-Sophie Fleckenstein/Martin Porstner; Teneues Media 2016
.) Ultimate Food Journeys; Dorling Kindersley; DK Eyewitness Travel 2011
.) The World is Fat; Barry Popkin; Avery edition 2009
.) The Oxford Companion to Food; Alan Davidson; Oxford 1999
.) Kochbuch der zauberhaften orientalischen Rezepte; Anne Graves; Neobooks Verlag 2013
.) Schaschlik: Grillen einmal östlich; Stalic Khankishiev; Leopold Stocker Verlag 2014
.) Nationale Küchen. Die Kochkunst der sowjetischen Völker; W. W. Pochljobkin; Verlag MIR 1988

Film:

.) “Supersize me” von Morgan Spurlock

Links:

- www.deutsche-lebensmittelbuch-kommission.de
- www.dge.de
- www.efsa.europa.eu
- www.em-tum.de
- www.vzhh.de
- www.vis.bayern.de
- de.rbth.com
- www.bdm-verband.org
- www.slowfood.de
- das-ist-drin.de
- eatsmarter.de
- www.doppelherz.de
- essen-und-trinken.de
- www.gesuender-leben.info

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Kurkuma – Die Wunderwurzel

Die Pflanze, die heute Inhalt meiner Betrachtungen sein soll, haben sicherlich viele schon in dem einen oder anderen Rezept gefunden und sich dann geärgert, dass er oder sie diese nicht im Supermarkt bekommen hat: Kurkuma, auch als Gelbwurz bekannt. Dabei ist die gelbe Knolle bereits seit dem frühen Mittelalter im nördlichen Afrika bzw. südlichen Europa in Verwendung. In der ayuverdischen und damit Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gar seit mindestens 5.000 Jahren. Die Inder sprachen dem Ingwergewächs eine reinigende und energiespendende Wirkung zu, weshalb sie auf dem Subkontinent als “indischer Safran” lange als heilig verehrt wurde. Er verleiht dem Curry die für ihn so typische Farbe und den leicht moschusartigen Geschmack. Anlass also genug, die Gelbwurz auch als Heilpflanze der breiten Öffentlichkeit vorzustellen.
Die Pflanze selbt erinnert durch Ihre charakteristischen langen Blätter etwas an Schilf. Sie wächst bis zu einem Meter hoch – das Gewürz wird ausschliesslich aus dem Wurzelstock gewonnen. Einige Tage luftgetrocknet wird er schliesslich mit einem Mörser gemahlen. Die Wurzel breitet sich fingerförmig im Erdreich aus – auch hierzulande kann die Pflanze im Biogarten eingesetzt werden.
Kurkuma ist bekannt als Lieferant von nicht weniger als 90 aktiven Inhaltsstoffe. So erwa Eisen, Magnesium, Mangan, Kupfer, Polysaccharide, Ferulasäure, Kaffeesäure, Vitamine (A, C, E, B1, B2 und B3), Mineralstoffe und Spurenelemente wie Kalzium, Phosphor, Chrom, Kalium, Selen und Zink, Karotinoide, Eiweiss, Limonen etc etc. Der menschliche Organismus schätzt an der curcuma longa, die ursprünglich höchstwahrscheinlich aus den Gebirgsregionen Südasiens stammen dürfte, hauptsächlich den Bestandteil “Curcumin”. Die Pflanze produziert diesen Wirkstoff vornehmlich zum Selbstschutrz gegen Fressfeinde. Für den Menschen zeigt dies durchaus vorbeugende, fördernde Wirkung auf die Lunge, den Darm und die Leber.
Das hat inzwischen auch die Pharmakologie erkannt und setzt die Curcuminoide als primären Wirkstoff in vielen Medikamenten ein. So ist es beispielsweise in seiner Funktionsweise ähnlich dem Hydrokortison, dem Rheumamittel Phenylbutazon oder auch dem Paracetamol sowie Ibuprofen®. Mit dem grossen Vorteil: Keine Nebenwirkungen!
Das Geheimnis: Curcumin besitzt durch die enthaltenen Polyphenole eine stark antioxidative Wirkung. Es bekämpft somit die Freien Radikale, die für sehr viele Entzündungen verantwortlich zeichnen. Das lässt es wirksam werden gegen beispielsweise die Arthritis. Doch verhindert es auch die Oxidation von Cholesterin, das ansonsten zunehmend die Blutgefässe schädigt und im Endeffekt zur Arteriosklerose führt. Die Gelbwurzel ist reich an Vitamin B6. Gemeinsam mit seinen B-Komplex-Kollegen B12 und der Folsäure (B9) wird der Homocystein-Spiegel geregelt, der ebenfalls zu Gefässschädigungen führen kann und damit auch als Auslöser für so manche Herzerkrankung gilt.
Im Kampf gegen Alzheimer besitzt möglicherweise Curcumin eine ganz entscheidende Eigenschaft: Es durchdringt die Blut-Hirn-Schranke. Im Gehirn angelangt, wirkt es schliesslich gegen den Abbau der weissen Hirnmembran, den Myelinschichten. Dies hält das Gehirn über längere Zeit leistungsfähiger. Als Auslöser für Alzheimer gilt ganz grundlegend fragmentiertes Protein, das sich in den Hirnzellen bildet. Dort führt es zu Entzündungen und sog. “oxidativem Stress”. Dabei werden zu viele reaktive Sauerstoffverbindungen, wie das Superoxid-Anionenradikal O2·−, Wasserstoffperoxid (H2O2) und das Hydroxylradikal OH gebildet. Entdeckt wurde das Phänomen 1985 durch Helmut Sies. Die Zellen regeln normalerweise selbst das Gleichgewicht bzw. die Neutralisation dieser reaktiven Sauerstoffverbindungen. Werden jedoch zu viele davon produziert, so ist die Zelle überfordert – sie wird vergiftet. Die darauf folgende Zerstörung der Zellen und Molküle wird als oxidativer Stress bezeichnet. So etwa bei der Lipidperoxidation, bei der die Zellen wesentlich mehr Energie aufbringen müssen als im Normalzustand. Das führt zu einer vorzeitigen Alterung und verbunden damit einer geringeren Lebenserwartung. Curcumin nun wirkt als Fänger dieser freien Radikalen. Auf andere Erkrankungen des menschlichen Körpers ist dieser oxidativer Stress noch nicht wissenschaftlich untermauert. Vermutet werden jedoch Einflüsse auf nahezu alle neurodegenerativen Erkrankungen, wie dem Schlaganfall, Parkinson, Alzheimer, Huntington und der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS), aber auch etwa bei der Koronaren Herzkrankheit. Im Vergleich zu Europa beispielsweise fallen die Alzheimer-Erkrankungen in Indien mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Kurkuma sehr gering aus. Die Spezialisten des Kariya Toyota General Hospitals gingen gar noch einen Schritt weiter: Alzheimer-Patienten wurde über ein Jahr hinweg täglich ein Gramm Kurkuma verabreicht. Auffallend war, dass sich diese Patienten beim Wiedererkennen von Familienmitgliedern leichter taten, die sie vor Beginn der Therapie nicht mehr kannten. Da jedoch nur wenige Probanden in die Studie eingebunden wurden, gilt diese nicht als wegweisend. Ansonsten zeigt sich zudem die Medizin noch etwas vorsichtig, da die positive Wirkungsweise von Antioxidantien noch nicht vollkommen belegt ist.

https://www.youtube.com/watch?v=OI5Z6tA4o1Q

Erste Untersuchungen aus der Krebsforschung haben den Hinweis ergeben, dass Kurkuma beispielsweise bei Brustkrebs die weitere Metastasenbildung und dadurch eine Ausweitung des Tumors auf die Lunge verhindern kann. Vermutet wird, dass Curcumin die Transkriptionsfaktoren der Tumorbildung schlichtweg ausschaltet. Das Wachstum des Tumors wird alsdann gestoppt. Es fördert sogar die “Apoptose”, den Selbstmord des Krebses. So zeigte eine US-amerikanische Studie auf, dass Curcumin in die Zellmembran von gesunden Zellen eingebaut wird und diese vor Krankheitserregern schützen kann. Bei Krebszellen wirkt diese Funktionsweise konträr – die Membran wird durchlässiger und verliert hierdurch an Stabilität. Daneben konnten durchaus positive Wechselwirkungen mit Chemotherapeutika festgestellt werden.
Einschlägige Studien haben nachgewiesen, dass Curcumin ausserdem bei unterschiedlichen Lungenerkrankungen ausgezeichnet funktioniert. So wurde bei Tieren beobachtet, dass der Wirkstoff die Symptome jener Lungenfibrose mildert, die durch Giftstoffe, Chemotherapie oder Bestrahlung ausgelöst wird. Positive Wirkungen werden etwa bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung COPD, dem akuten Atemnotsyndrom ARDS und der akut-inflammatorischen Lungenerkrankung (ALI) vermutet. Auch könnte es bei allergischem Asthma eingesetzt werden, das bislang nur schlecht durch Kortikosteroide behandelt werden konnte. Die Experten vermuten dahinter ebenfalls die stark antioxidative Wirkung des Curcumins. Ausserdem wird mehr überschüssiges Stickstoffmonoxid gebunden – das lässt den Patienten leichter durchatmen. Doch ist auch dieser Bereich noch nicht gänzlichst wissenschaftlich belegt.
Eine Untersuchung allerdings sorgte für Aufsehen: Im Molecular Nutritional Food Research konnte bei Mäusen festgestellt werden, dass ein seit fünf Tagen zuvor verabreichtes höheres Ausmass an Curcunin einen darmschädigenden Faktor gänzlichst ausschalten konnte. Hier zeigte sich, dass neben der antioxidativen Wirkung das Curcumin auch in der Lage ist, die Aktivierung des Regulatormoleküls NFkappaB zu unterdrücken. Dieses spielt eine nicht ganz unwichtige Rolle bei der Entstehung von Entzündungen. Daneben konnte auch beobachtet werden, dass bereits bestehende Darmpolypen stark reduziert wurden. Sie können über die Jahre hinweg mutieren und zu Darmkrebs führen.
Apropos Verdauung: Kurkuma regt die Produktion von Gallenflüssigkeit und Magensäure an. Dadurch können sowohl Fette als auch Kohlenhydrate besser abgebaut und resorbiert werden, wodurch alsdann die Aufnahme von Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen steigt. Gerade bei der Behandlung von Adipositas wurden teils ausgezeichnete Erfolge damit verbucht, da Curcumin zudem den Stoffwechsel anregt und dadurch ein Abnehmen unterstützt. Auch bei der Behandlung des Reizdarmsyndroms oder bei Blähungen setzen inzwischen viele Ernährungswissenschaftler auf die gelbe Wunderknolle.
Die Wirkung von Curcumin auf glukose-intoleranten Patienten wurde 2012 in einer Studie mit 240 Probanden überprüft. Diese Menschen haben ein grösseres Risiko an Diabetes Mellitus zu erkranken. Die Versuchsgruppe erhielt pro Tag 1,5 Milligramm Curcumin. In dieser Gruppe erkrankte kein einziger Proband innerhalb von 9 Monaten an Diabetes Mellitus – in der Kontrollgruppe, die anstatt dessen mit Placebos bestückt wurden, hingegen 9 Patienten. Auch bei Diabetes-Typ II vermutet die Wissenschaft deshalb positive Effekte.
In Rattenversuchen konnte zudem festgestellt werden, dass bei Nagern, bei welchen 70 % der Leber operativ entfernt wurde, durch die Verabreichung des Hormons Erythropoetin und Curcumin eine wesentlich bessere Leberregeneration erzielt wurde. Sollte dies auch beim Menschen möglich sein, könnten unzählige Lebererkrankungen geheilt oder verhindert werden, wie etwa die Leberzirrhose, da Curcumin die Bildung von Fibroblasten unterdrückt, die schliesslich zu Narben in der Leber führen. Ausserdem wiesen die Forscher nach, dass Curcumin die Ausscheidung von angesammeltem Quecksilber erleichtert (Journal of Applied Toxicology). Dadurch verbessern sich ganz allgemein die Leber- und Nierenwerte. Auch beim Cholesterin-Verhältnis, das ebenfalls in der Leber geregelt wird, konnte durch unzählige voneinander unabhängige Studien aufgezeigt werden, dass das schlechte LDL-Cholesterin verstärkt abgebaut wird, wenn vermehrt Curcumin zum Einsatz kommt.
Das Öl der Gelbwurz besitzt ebenfalls diese antioxidative, antimikrobielle und antineoplastische Wirkung – jedoch nicht in jener Konzentration des Curcumins. Beides jedoch regt das menschliche Immunsystem an. So haben Wissenschaftler der Orgeon State University rund um Studienleiter Dr. Adrian Gombart aufgezeigt, dass der Wirkstoff die Produktion des Proteins Cathelicidin im Körper ankurbelt. Dieses antimikrobielle Peptid ist eine Verbindung mehrerer Aminosäuren, die v.a. bei bakteriellen Infektionen und Erkrankungen helfen. Parallel dazu wurde auch die Wirkung von Omega3-Fettsäuren hierauf überprüft. Es zeigte sich, dass Curcumin dreimal stärker funktioniert als das Omega3. Wird noch zusätzlich Vitamin D eingenommen, so gleicht dies einer Wunderwaffe gegen Krankheitserregern.
Kurkuma wird ferner für die Mundhygiene verwendet. So wirkt es gegen unerwünschte Keime auch im Zahnfleisch bzw. nach Wurzelbehandlungen und bei bereits bestehenden Entzündungen. Mediziner aus Indien empfehlen hierzu eine spezielle Mundspülung, die jeder selbst herstellen kann: Zwei Teelöffel Kurkumapulver mit zwei Gewürznelken und zwei getrockneten Guaveblättern aufkochen und täglich damit den Mund spülen. Die Guaveblätter können Sie auch weglassen, wenn Sie diese nicht bekommen. Bei Zahnschmerzen kann Kurkumapulver an der betroffenen Stelle einmassiert werden. Gegen Zahnfleisch-Entzündungen hilft eine Paste aus einem Teelöffel Kurkuma, einem halben Teelöffel Salz und einem halben Teelöffel Senföl. Und noch ein Tipp: Wie bereits vorher beschrieben, leitet Kurkuma Quecksilber aus. Es kann deshalb hervorragend nach der Entfernung von Amalgam-Füllungen verwendet werden (Journal of Applied Toxicology 2010).

Hier nun nochmals die Erkrankungen, die durch Kurkuma-Genuss gelindert oder gar komplett bekämpft werden können:

Krebserkrankungen (u.a. Brust-, Haut-, Prostata- und Darmkrebs)
Alzheimer-Krankheit
Schmerzmittel und Entzündungshemmer
Reizdarm-Symptom
Rheumatische Arthritis
Mukoviszidose (zystische Fibrose)
Hepatitis-C
Verbesserung der Gallen- und Leberfunktion
Senkung des Cholesterinspiegels
Senkung des Blutzuckers
Schutz der Herzkranzgefäße
Menstruationsbeschwerden
Blähungen, Völlegefühl und Bauchkneifen
Kurbelt den Stoffwechsel an und kann beim Abnehmen helfen
Zahnfleischentzündungen und weißere Zähne

Kurkuma sollte ausschliesslich in nicht-bestrahlter, biologischer Qualität verwendet werden. Zwar ist es – wie bereits erwähnt – auch in der Gewürzmischung Curry zu finden, doch sind die beschriebenen gesundheitlichen Effekte wohl nur mit reinem Kurkuma zu erzielen. Besonders gut schmeckt der indische Gelbwurz übrigens auf Reisgerichten, zu Kartoffeln und Gemüse. Auch als Tee getrunken (mit Kokosöl oder Sahne, da es ansonsten nicht resorbiert wird) oder in der Mischung mit Quark und Leinöl (Budwig-Diät) entfaltet es seine komplette Wirkung. Diese kann noch verstärkt werden, wenn das Curcumin gemeinsam mit dem Wirkstoff des schwarzen Pfeffers, dem Piperin (bis zu 200 % bessere Resorbtion) oder Ingwer eingenommen wird.

https://www.youtube.com/watch?v=uAm60AW7t-k

Kurkuma ist keine Wunderpflanze, die ewige Jugend verspricht. Dennoch ist die Knolle im Westen in ihrer Wirkungsweise lange unterschätzt worden. Zudem bedarf es nicht teurer Zusatzernährungen – jeder kann sich die Pflanze selbst züchten! Und auch eine Überdosierung stellt insofern kein Problem dar! Reines Kurkuma enthält rund 3-5 % Curcumin. Wer dennoch zur Kapsel greifen möchte, dem sei ein Produkt empfohlen, das möglichst frei von chinesischen Inhaltsstoffen ist. Zudem gibt es hier Produkte, die recht hohe Dosen aufweisen. Vor und während einer solchen Therapie mit hohen Dosen sollte auf jeden Fall der Hausarzt Ihres Vertrauens zu Rate gezogen werden, da eine zu hohe Konzentration zu Sodbrennen und bei Schwangeren zu einer Stimulation der Gebärmutter führen kann, was unter Umständen mit einer Frühgeburt endet. Vorsicht geboten ist zudem bei Curcumin in Mizellenform, da hier noch Untersuchungen wie etwa jene zur Langzeitwirkung fehlen.

Abschliessend für all jene, die selbst anbauen oder Zugriff auf frisches Kurkuma haben, hier noch zwei Rezepte, die Wunder wirken sollen.

.) Goldene Milch

Zutaten:
1 EL Kurkuma (in Pulverform) – besser frisch gerieben
120 ml reines Wasser
Frisch geriebenen Ingwer
Eine Prise Muskatnuss
Eine Prise Zimt
Frisch geriebener schwarzer Pfeffer
1 TL Kokosöl
350 ml Kuh- oder Pflanzenmilch (etwa Mandelmilch, Kokos-Reis-Milch oder Hafermilch)

Das Wasser in einen Topf giessen und das Kurkuma-Pulver hinzugeben. Ein daumengroßes Stück frischen Ingwer schälen und auf einer Reibe kleinreiben. Dann ebenfalls in den Topf geben. Nun die Prise Muskatnuss beimengen und alles unter Rühren langsam für etwa zehn Minuten aufkochen lassen. Die entstandene leicht flüssige Paste am besten in einem Einmachglas lagern.
Jetzt die Pflanzenmilch erwärmen und je nach Geschmack von der Paste einrühren. Zuletzt noch das Kokosöl, den Zimt und Pfeffer hinzugeben. In einer Tasse unter ständigem Rühren (da sich ansonsten die festen Inhaltsstoffe absetzen) geniessen.

.) Indisches Lebenswasser

Zutaten:
1 Kurkuma-Wurzel
1 Ingwer-Wurzel
1 Petersil-Wurzel
1/2 l Wasser
Kokosnusswasser

Die Wurzeln schälen und einzeln reiben. Jeweils einen Esslöffel der Wurzeln in rund einen halben Liter Wasser geben und gut 30 Minuten kochen. Durch ein Sieb giessen und mit Kokosnusswasser (je nach Geschmack) aufgiessen.

Links:

- www.kurkuma-superfood.info/
- www.kurkuma-wirkung.de
- ddz.uni-duesseldorf.de
- www.heilpflanzen-welt.de
- www.zentrum-der-gesundheit.de
- www.menschtierumwelt.com
- www.phcog.com
- www.sciencedaily.com
- onlinelibrary.wiley.com
- www.lifeextension.com
- academic.oup.com/journals

Lesetipps:

.) Kurkuma: Die heilende Kraft der Zauberknolle; Klaus Oberbeil; Heyne Verlag 2012
.) Wunderwurzel Kurkuma; Dr. Jörg Conradi; Kopp Verlag 2015
.) Kurkuma: Entzündungshemmer, Zellschutz, Schlankmacher; Bettina-Nicola Lindner; VAK 2015
.) Kurkuma: Das Wundergewürz mit Heilwirkung (Superfood, Entgiftung, Gewürz / WISSEN KOMPAKT); Michael Iatroudakis; Kindle Edition
.) Kurkuma: Rundum gesund mit goldgelben Wohlfühlrezepten; Christina Wiedemann; GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH 2017
.) Koch mit – Kurkuma; Sabrina Sue Daniels; Edition Michael Fischer 2017

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Korruption – Die Natur verliert immer

Schreckliche Meldungen kamen dieser Tage über den grossen Teich: Der brasilianische Staatspräsident, gegen den ein Verfahren wegen Korruption im Amt läuft, hat tausende Hektar Amazonas-Regenwald für den Bergbau freigegeben! Damit wird eines der letzten wirklich grossen Naturschutzgebiete der Erde der Zerstörung preisgegeben.
Der Amazonas entspringt in 5.170 m Seehöhe in den peruanischen Anden im Gletscher-Massiv Nevado Mismi in der Region Arequipa. Bis zu seiner Mündung in den Atlantik legt er nicht weniger als 6.992 km zurück (offizielle Länge). Mehrfache Vermessungen etwa der Shuttle Radar Topography Mission (SRTM) der NASA im Jahre 2000 oder der Feldexpedition der peruanischen National Geographic Society im Juni 2007 kamen zu durchaus unterschiedlichen Ergebnissen. Er bestimmt auf beinahe sechs Millionen Quadratkilometern das Leben von Mensch, Tier und Pflanze. Nach wie vor gibt es neuentdeckte Arten, die bislang völlig unbekannt waren – wie etwa auch der rosarote Amazonasdelphin (Inia geoffrensis; port. Boto cor-de-rosa), der vom Aussterben bedroht ist. Rund 10.000 Nebenflüsse münden in den Strom, 206.000 m³ Wasser pro Sekunde werden von ihm in der mittleren Wasserführung in Richtung Ozean gespült – das ist rund 70mal mehr als der Rhein an Wasser führt. Im Vergleich dazu benötigt eine dreiköpfige Familie max. 200 m³/Jahr im Haushalt. 1,2 Milliarden Tonnen an Sedimenten werden stromabwärts verfrachtet – doch landen nur rund 75 % davon auch tatsächlich im Atlantik. Sie kommen zum grössten Teil aus den peruanischen Anden und sind für die braune Färbung des Wassers verantwortlich. Die restlichen werden auf den letzten 800 Kilometern bis zur Mündung abgelagert. Hier beläuft sich das Gefälle auf gerade mal 30 Meter für die gesamte restliche Strecke. Das kann auch in Kanälen, die sich der Fluss im Laufe der Zeit selbst angelegt hat, zu umkehrenden Fliessrichtungen führen – je nach Wasserstand. Im Amazonas fliessen rund 20 % des kompletten Süsswassers dieser Erde. Diese Wassermassen werden direkt nach deren Einmündung in den Atlantik durch den Äquatorialstrom in Richtung Norden geflutet. Das Süsswasser übrigens reicht bei der Mündung weit über 100 Kilometer in den salzigen Atlantik hinein. In den Monaten Februar und März kommt es einige Male zu einer richtiggehenden Springflut, die von den Indios “Pororoca” bezeichnet wird – “großer, zerstörerischer Lärm”. Mit ein bis vier Meter hohen Wellen zieht sie weit gegen die Stromrichtung in’s Landesinnere. In diesen beiden Monaten führt der Strom weniger Wasser. Hinzu kommt ein stark ausgeprägter Gezeitenwechsel aufgrund von Voll- bzw. Neumondphasen. Diese Springfluten sind – obgleich immer wiederkehrend – sehr gefürchtet in der Bevölkerung.

https://www.youtube.com/watch?v=N7RjGGizGDc

Auf einer Breite von bis zu 60 km überschwemmt der Amazonas angrenzende Waldflächen und sorgt dabei für die sicherlich fruchtbarste Region auf dem südamerikanischen Kontinent. Doch ist der Amazonas nicht nur ein regionaler Strom, er gilt mit seinen tropischen Regenwäldern als die grüne Lunge dieses Planeten. 80 bis 120 Milliarden Tonnen Kohlenstoff sind hier gespeichert, Millionen Tonnen Sauerstoff werden innerhalb kürzester Zeit hergestellt. Und durch die Fähigkeit der Infrarot-Speicherung des Sonnenlichtes sorgt er auch für ausgeglichene Temperaturen. Nicht nur im Amazonas-Becken!
Auch wenn mit dem ersten europäischen Entdecker, dem Spanier Vicente Yáñez Pinzón zu Beginn des 16. Jahrhundert, der Fluss schon sehr früh erkundet wurde, so sind grosse Regionen noch gar nicht erforscht, da sie unzugänglich sind. Hier zu finden sind die letzten indigenen Völker ohne Jeans, Coca Cola und CNN. Rund eine Million Ureinwohner leben entlang des Amazonas. Um sie ranken sich auch die meisten Sagen und Legenden. Etwa über die “sehr hellhäutigen und groß gewachsenen Frauen, die ihr sehr langes Haar zu Zöpfen geflochten um den Kopf gewickelt tragen und sehr stämmig gebaut sind.“: Die Amazonen, die möglicherweise dem Fluss auch seinen Namen gegeben haben, verliehen vom Entdecker Francisco de Orellana.

https://www.youtube.com/watch?v=aJKf_DbsjtY

Entlang des Stromes finden sich nur ganz wenige grössere Städte, etwa Pucallpa oder die grösste Stadt im brasilianischen Bundesstaat Amazonas Iquitos bzw. flussabwärts Parintins oder Manáus. Somit kann also durchaus von einem der wenigen wirklich naturbelassenen Regionen gesprochen werden. Rund 2.200 unterschiedliche Fischarten, darunter auch die bereits genannten Delphine (sorry – keine Fische!), ja sogar Haie, Piranhas und Rochen sind bekannt. Von der pflanzlichen Vielfalt (ca. 40.000 unterschiedichen Arten) ganz zu schweigen.
All dies ist seit bereits geraumer Zeit bedroht. So entsorgten etwa Goldgräber in den letzten zehn Jahren nicht weniger als 2.000 Tonnen Quecksilber in den Fluss, das selbstverständlich durch die Nahrungskette auch wieder auf den Tellern der Bevölkerung landet. V.a. durch den grössten Fisch des Amazonas, dem Pirarucu. Der bis zu 200 kg schwere Fisch ist in vielen Teilen des Stromes inzwischen nicht mehr zu finden. Davor versorgte er die Bevölkerung über Jahrhunderte hinweg mit Fleisch. Daneben gibt es immer mehr Dürreperioden, die vornehmlich aufgrund der grossflächigen Abholzung der Regenwälder entstehen. Ab einer Abholzung von bereits 30 % ist die Wasser-Selbstregulierung des Waldes gefährdet. Bislang wurden bereits etwa 25 % abgeholzt. Alsdann wird die Wärme nicht mehr im Wald verteilt sondern bleibt auf dem kahlen Boden stehen. Hinzu kommt die brasilianische Fleischproduktion. In etwa 70 % der gerodeten Waldfläche werden als Viehweiden verwendet, die restlichen 30 % für den Futtermittelanbau (wie für Soja).
Die indigenen Völker leben zumeist in eigenen Indianergebieten, die zudem unter Naturschutz stehen. Allerdings dringen immer wieder Goldgräber ein, Viehbarone treiben sie immer mehr zurück, die Holzindustrie hinterlässt tiefe Wunden im Regenwald.

https://www.youtube.com/watch?v=SiECGS44nPw

Und nun kommt ein weiteres Treiben hinzu: Der Bergbau, der das empfindliche Ökosystem wohl vollends zum Kippen bringen wird. So verkauft der brasilianische Präsident Michel Temer derzeit – angeblich für politische Gefälligkeiten – grosse, unter Schutz stehende Regenwaldgebiete. Eines davon war nahezu halb so gross wie Deutschland. Temer hat erst vor rund einem Jahr Dilma Rousseff nach einem Amtsenthebungsverfahren wegen Verflechtungen in den staatlichen Petrobras-Konzern (Korruption, Veruntreuung, Parteienbestechung) ersetzt. Nun steckt er selbst bis zum Hals im tiefsten Korruptionssumpf. Erst Anfang August hat Temer eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Rahmen eines Amtsenthebungsverfahrens im Parlament angeblich mit erkauften Stimmen gerade noch verhindern können. So sollen nach einem Bericht der Tageszeitung Estado, nur in den beiden Monaten Juni und Juli rund sechs Millionen US-Dollar die Besitzer gewechselt haben. Und gestolpert ist Temer aufgrund einer Anzeige des Fleischbarons Joesley Batista, der nach jahrelangen Schmiergeldzahlungen nun Anzeige erstattet hat.
Mittels eines simplen Dekrets hat Temer die Region Reserva Nacional do obre e Associados (Renca) in den Bundesstaaten Amapa und Para in der Grösse von zirka 46.000 Quadratkilometern (grösser als Dänemark) für den Bergbau freigegeben. Völlig unerschlossen, 1984 zur Sperrzone für den Bergbau erklärt, stehen inzwischen rund 70 % davon unter Naturschutz. Hier sollen künftig Gold, Kupfer und Mangan abgebaut werden. Temer rechtfertigt dies mit neuen Arbeitsplätzen und einem Einkommen für die Bevölkerung. Ausserdem sollen Nachhaltigkeitsregeln eingehalten werden. Die Opposition und die unterschiedlichsten Naturschutz-Organisationen laufen dagegen Sturm. Die Folge wäre “eine demografische Explosion, Abholzung, Zerstörung von Wasserressourcen, Verlust von Biodiversität und das Entstehen von Landkonflikten”, warnt Maurício Voivodic vom brasilianischen WWF. Auch der oppositionelle Senator Randolfe Rodrigues spricht vom “grössten Angriff auf die Amazonasregion in den vergangenen 50 Jahren”. Präsident Temer kontert zwar, dass die Naturschutzzonen unangetastet bleiben – wer jedoch die Bilder aus Brasilien gesehen hat, der wird wissen, dass die Bauarbeiter keinen Unterschied zwischen jenen Bäumen machen, die freigegeben wurden und jenen, die staatlich geschützt sind oder vielleicht gar einer der unzähligen Regenwald-Stiftungen gehören und somit möglicherweise mit dem einen oder anderen Euro meiner Grossmutter aus Europa geschützt werden. Norwegen beispielsweise hat seine Zahlungen zum Schutz des Regenwaldes um 50 % auf 45 Mio Euro heruntergefahren.
Was auf eine Freigabe folgt sind illegale Geschäfte. Dafür werden derzeit Tür und Tor geöffnet. Ende August hat ein Gericht vorerst zumindest die Bergbau-Pläne des Präsidenten gestoppt. In der Urteilsbegründung von Richter Rolando Valcir Spanholo ist zu lesen, dass nur der Kongress über die Auflösung von Indianer-Schutzzonen entscheiden könne. Die Generalstaatsanwaltschaft hat sofort Berufung gegen die einstweilige Verfügung eingelegt. Ausserdem: Schaut man sich den Kongress etwas genauer an, so finden sich hier unglaublich viele von Unternehmen unterstützte Abgeordnete, die mit der Zerstörung des Regenwaldes bare Münze verdienen (von 513 Abgeordneten angeblich mindestens 230 – zudem sind die Stimmen ja käuflich, wie der Misstrauensantrag gezeigt hat).
Und das ist noch lange nicht alles: Im Gebiet rund um das Tapajos-Flussbecken sollen nicht weniger als 43 Staudämme entstehen.
Ohne den brasilianischen Regenwald entlang des Amazonas ist ein Klimawandel weltweit nicht zu schaffen. Wenn man sich vorstellt, wieviel Kohlenstoff in diesen 350.000 Hektar, die Temer insgesamt freigegeben hat (immerhin ein Viertel des Jamanxim-Schutzgebietes), gespeichert sind, und wieviel Photosynthese hier für neuen Sauerstoff sorgen würde, ist dies der grösste Frevel, der an der Natur gemacht werden kann und der grösste Rückschritt in der brasilianischen Umwelt- und Klimapolitik. Forscher haben berechnet, dass bereits jetzt rund 400 Mio Tonnen CO2 pro Jahr durch die Abholzung und Verrottung der Bäume an die Atmosphäre abgegeben werden – sollte der komplette Amazonas-Regenwald abgeholzt werden, würde dies rund das 400-fache der Jahres-CO2-Emissionen Deutschlands bringen. Deshalb gehört Brasilien zu den weltweit sechs grössten Treibhausgas-Erzeugern – trotz des Regenwaldes. Daneben muss vorort mit riesigen Naturkatastrophen durch die Erosion der Kahlflächen gerechnet werden. Ist kein Wald mehr als Wasserspeicher vorhanden, der das Wasser wieder nach und nach verdunsten lässt, so versickert es und führt zu riesigen Murenabgängen oder es fliesst sofort über die Flüsse in’s Tal, was dort zu katastrophalen Überschwemmungen führt. Südostasien ist leider das beste Beispiel hierfür – doch gibt es dort den Monsum. In Brasilien??? Bleibt der Regen aus, da kein selbstreguliertendes System mehr vorhanden ist, entsteht eine riesige Savanne. Mehr hierzu entnehmen Sie bitte meinem Blog über die Regenwaldabholzungen im Allgemeinen. Biologen befürchten alsdann das Aussterben sehr vieler Pflanzen- und Tierarten. Und schliesslich wird rund einer Million Indianern das Zuhause genommen. Von den 1.940 Schutzgebieten und 672 indigenen Territorien sind rund die Hälfte bedroht.

https://www.youtube.com/watch?v=HvBaMFlPtug

Das sollten wir nicht zulassen! Bereits 2012 hat die Organisation Avaaz nicht weniger als 1,95 Millionen Unterschriften gegen die Änderungen des Waldgesetzes gesammelt. 2015 haben sich nicht weniger als 50.000 Menschen aus Deutschland an der Unterschriftenaktion des WWF beteiligt – die Unterschriften wurden an die Vertreterin der indigenen Bevölkerung, Sônia Guajajara, übergeben. Damals konnte der Bau eines Riesenstaudammes mitten im Amazonasgebiet erfolgreich verhindert werden. Derzeit sammelt der Verein “Rettet den Regenwald” Unterschriften gegen diese Abholzungsfreigabe – auch Sie können sich daran beteiligen – wie bereits 120.000 andere Menschen und auch ich:

https://www.regenwald.org/petitionen/1107/47000-quadratkilometer-amazonaswald-retten

Sollte die Abrodung weiterhin in diesem Ausmass vorangetrieben werden, könnte der paradoxe Fall eintreten, dass Grosskonzerne dafür bezahlt werden, damit sie den Regenwald stehen lassen. Dadurch sollen ihre Gewinne abgedeckt werden, die sie ansonsten durch den Verkauf von Holz, Soja oder Rindfleisch gemacht hätten! Somit würden die Reichen noch reicher – direkt mit Steuergelder! Wollen wir das???

Lesetipps:

.) Der Amazonas; Tom Sterling; Time-Life Bücher 1979
.) Abenteuer Amazonas. Mit Kajak und Floss von den Quellen zum Atlantik; Václav Kubícek; Bucheli 1989
.) Wir bezwangen den Amazonas. Bericht über die einzige internationale Expedition von der Quelle bis zur Mündung; Joe Kane(Übersetzung: Andrea Galler); Knaur Taschenbuch 77042 1993

Links:

- amazonas.de
- www.greenpeace.de
- www.wwf.de
- www.regenwald.org
- www.klimaretter.info
- www.erlebe-brasilien.de

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