Archive for März, 2018

Dabei zu sein, ist schon längst nicht mehr alles

“Ein Olympiasieg ist für einen Sportler ein Jackpot!”
(Sportmanager aus Salzburg)

Die Olympischen Winterspiele von Südkorea sind Geschichte und auch die Paralympics von ihren Spielen gut und wohlbehalten wieder zurückgekehrt! Es waren durchaus goldene Spiele – für Deutschland (14x/7x Paralympics)!

“Wir sind mehr als zufrieden, Pyeongchang scheint ein guter Boden für die österreichische Olympiamannschaft!”

(ÖOC-Präsident Karl Stoss nach den ersten 61 Bewerben)

Auch die Österreicher stellten mit ihren 5 Goldenen (0 bei den Paralympics) wenn auch Ihren ÖOC-Präsidenten halbwegs zufrieden – so jedoch nicht den ÖSV-Präsidenten, scheint doch die jahrzehntelange Dominanz bei den Alpinen endgültig vorbei. Und die Eidgenoss(en)-innen kamen mit einem Rekordergebnis von 15 Medaillen (darunter ebenfalls 5 Goldene/3 bei den Paralympics) aus dem Jubeln nicht mehr heraus. Gratulation nochmals an dieser Stelle an all jene, die sich für Olympia und die Paralympics qualifizieren konnten, denn der Weg dorthin ist sehr hart und dornenreich.
Für so manchen unter ihnen stellt die Olympiamedaille auch sportlich das höchste erreichbare Ziel dar. Für viele anderen hingegen ist es ein Investitionsfaktor. Im Spitzensport regiert schon längst nicht mehr der Sport – es regiert das Geschäft. So kann ein guter Spitzensportler, der zuvor noch keinen internationalen Wettkampf gewonnen hat, dann jedoch einen extrem guten Tag erwischt und die Goldmedaille holt, seinen Marktwert vervielfachen – allerdings nur kurz, da er auch im Anschluss Leistungen bringen muss um nicht als One Hit Wonder wieder vom Parkett zu verschwinden. Ein Ausnahmesportler mit einem schlechten Ergebnis (“traurige Helden”) hingegen den Manager einige graue Haare kosten. Marcel Hirscher etwa musste ausgerechnet in seiner Paradedisziplin, dem Slalom, klein bei geben – er machte es dann mit Gold in der Kombi und im Riesentorlauf wieder wett.
Die Sensation allerdings gelang einer Tschechin und zwei eingebürgerten Deutschen. Die 22-jährige Ester Ledecka ist eigentlich mit ihrem Board verheiratet, doch schnappte sie ausgerechnet im alpinen Super-G der Österreicherin Anna Veith eine Hundertstelsekunde und damit die Goldmedaille vor der Nase weg. Im Ziel starrte sie wie gebannt auf die Anzeigetafel, da sie einen Fehler vermutete, die Interviews gab sie mit Schibrille, sie hatte kein Make-up aufgetragen – darauf war die Tschechin nicht vorbereitet.
Und im Eiskunstlauf gewannen die beiden Deutschen Aljona Savchenko und Bruno Masso mit der “besten Kür, die jemals in dieser Disziplin gelaufen wurde” (DSV-Chef Alfons Hörmann). Gerne zitiere ich den Kollegen Daniel Weiss aus der ARD:

“Sie brechen mit dieser Kür alle Gesetze der Schwerkraft!”

Chapeau für alle die es geschafft haben. Im Hintergrund liefen bereits die Verhandlungen ihrer Manager mit Sponsoren und Veranstaltern, schliesslich wirkt sich die Olympia-Goldmedaille wie eine Rakete beim Marktwert eines Sportlers aus – auch wenn Marcel Hirscher einst meinte:

“Für mich hat das nicht so viel Wert, wie in Schladming vor 40.000, 50.000 Leuten zu gewinnen. Daheim, bei meinem Heimrennen, meiner Heim-WM. Wir sind hier irgendwo, es sind keine Leute und fahren halt ein Rennen.”

Damit meinte er jedoch nur die Atmosphäre, das persönliche Feeling! Nicht den finanziellen Aspekt! Wobei: Hirscher ist ein Ausnahmetalent. Die Sponsoren stehen bei ihm ohnedies Schlange! Berechtigterweise, erklimmt doch keiner so oft das Stockerl/Siegertreppchen wie er. Und da ist der Griff zur Getränkedose während der Interviews schon mal eine fünfstellige Summe wert.

“Hirscher ist die begehrteste Sportleraktie auf dem heimischen Markt!”
(Leodegar Pruschak, Geschäftsführer der zentralen Raiffeisenwerbung Österreich 2013)

Im Standard war schon 2015 zu lesen, dass sich Hirschers Bruttowerbewert nach Berechnungen von Sportsponsoring-Wintersport auf 4,7 Millionen Euro beläuft. Inzwischen ist die mediale Präsenz einer Marke, die von Hirscher in die Kameras gehalten wird, nahezu unbezahlbar. Sei ihm gegönnt!
Es ist ein wahrhaft exquisites Konzert der Grossen – der Sponsoring-Markt. Audi (über 20 Mio Euro), Red Bull (knapp unter 20 Mio), Raiffeisen (über 12 Mio)! Bei den Ausrüstern matchen sich Sommer- und Wintersport: Adidas (über 30 Mio), Uvex (über 27 Mio), Nike (über 22 Mio). Leider allerdings nur in jenen Sportarten, die Zuschauer vor die Fernseher locken: Schi Alpin, Fussball, Nordische Kombination, Motorsport. Welch ein Schock muss doch damals die Aussage Marcel Hirschers für den Brillen-Ausrüster gewesen sein, als dieser meinte, er habe das Rennen wegen einer innen beschlagenen Brille verloren. Dabei hatte nur der Servicemann das Glas verkehrt eingesetzt. Aber: Vorbei und vergessen, schliesslich war es Hirscher, der das sagte. Würde der Vertrag mit ihm aufgrund dessen gecancelt, kostet das den Ausrüster Millionen, die er nicht einnehmen könnte.
Auch die Veranstaltungen selbst werden inzwischen nach ihrem Werbewert bemessen: So hat die Hahnenkamm-Abfahrt in Kitzbühel einen Bruttowerbewert von 15,9 Mio Euro (Zahl: Marktforschungsinstitut Focus). Der Sieger der Gams erhält ein Preisgeld von 75.000,- €. Vor lauter Werbung rechts und links der Piste ist der Sportler zeitweise visuell gar nicht mehr auszumachen! Der Auftakt der Vierschanzentournee in Oberstdorf bringt es auf 10,2 Mio € (Zahl: Marktforschungsinstitut Focus). Die Olympischen Winterspiele von Sotchi hatten einen Markenwert von 285 Mio US-Dollar! Da kann es all zu schnell geschehen, dass bei all diesen Summen der Sportler auf der Strecke bleibt. Einige trainieren inzwischen nicht mehr, um das in der Vergangenheit ideell Wertvollste, die Olympiamedaille, in Händen zu halten, sondern um das meiste aus dieser herausholen zu können. Zum Jubel ihrer am Umsatz beteiligten Manager. Für viele ist dabei der gallische Zaubertrank zu verlockend (nachzulesen in meinem Blog zum Thema “Doping”).

“Aber das harte Training muss ich für mich durch Siege und Höchstleistungen rechtfertigen. Wenn ich merke, dass ich die Fähigkeit zu tollen Leistungen nicht mehr habe, dann höre ich auf.”
(Markus Rogan, ehemaliger österr. Schwimmstar 2004)

Auch der mehrfache Olympiasieger, Weltmeister und Weltcup-Sieger bei den österreichischen Kombinierern, Mario Stecher, meint:

“Der Sportler steht nicht mehr im Mittelpunkt”

Er spricht vom “Tunnelblick”, den der Sportler während seiner aktiven Zeit hat: Am Ende steht immer das Ergebnis – die Seiten rechts und links werden ausgeblendet. Stecher betonte zudem in einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung Kurier, dass Olympia wieder zurück zu den Wurzeln müsse. So darf der Sportler seine Sponsoren nicht zu Olympia mitnehmen, auch muss seine Homepage während der Zeit der Spiele werbefrei sein. Hält er sich nicht daran, wird er disqualifiziert. IOC-Preisgelder oder gar Anteile an Sponsorgeldern allerdings werden nicht ausgeschüttet. Den grossen Schi-Alpin-Stars ist das an sich egal. Doch gibt es viele Teilnehmer aus den Randsportarten, die sich die Saison meist aus eigener Tasche finanzieren müssen. Die wären froh über ein paar Euro!

“Per se ist ein Olympiasieg nichts wert!“
(Hartmut Zastrow vom Institut Sport+Markt)

Die Siegerprämien, die in Südkorea ausbezahlt wurden, sind von Land zu Land unterschiedlich – hier ein kleiner Auszug aus 2017:
.) Schweden Ein Olympiamaskottchen und ein Händedruck des Königs
.) Südkorea 1 Mio Won/Monat (747,- €) für den Rest des Lebens und Wehrpflichtbefreiung
.) Österreich – ein Philharmoniker-Münzenset im Wert von rund 17.000 €
.) Deutschland 20.000 €
.) Niederlande 25.500 Euro für das erste Gold/ 16.830 Euro für das zweite Gold und 8.415 Euro für das dritte Gold eines Mehrfachgewinners
.) USA 37.500 US-Dollar (sie hatten bis vor kurzem noch eine 50 %-Siegsteuer hierauf, wurde unter Obama abgeschafft)
.) Polen 50.000 € und eine monatliche Rente von rund 620,- € – ab dem 40. Lebensjahr – steuerfrei
.) Russland vier Millionen Rubel (knapp 56.300 Euro) und ein Luxusauto
.) Litauen 115.800 € und ein Auto
.) Bulgarien 127.000 €
.) Lettland 140.000 €
.) Italien 150.000 € + 4x 30.000,- €

Von diesen Prämien wird niemand so richtig reich und der Wert der zumeist aus Silber gefertigten und mit Gold überzogenen Medaille hält sich in Grenzen (in Rio etwa 540,- $). V.a. Sportler aus dem Osten versuchen, sehr rasch ihre Medaillen zu Geld zu machen. Deshalb ist bekannt, dass neuere Olympiamedaillen in Online-Versteigerungen gerade mal 50,- € bringen, eine Goldmedaille aus dem Jahr 1936 in Berlin jedoch bei 1.600,- bis 10.000,- € liegt, je nach Gewinner und Sportart. Die bislang teuerste ersteigerte Goldmedaille stammte von den Winterspielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen und brachte 25.000,- €; mal von den 310.000,- US-Dollar abgesehen, die ein Bieter ungewöhnlich hoch bezahlte – für ihn offenbar ein Liebhaberstück. Es handelte sich hierbei um eine Goldmedaille des Eishockeyteams der USA, das 1980 den Erzrivalen Sowjetunion im Finale niederringen konnte. Und jene Million Dollar, die bei einer Versteigerung der Goldenen von Wladimir Klitschko für einen wohltätigen Zweck erzielt wurde – der Bieter gab dem Ukrainer jedoch die Medaille nach der Versteigerung zurück!

“Ein Olympiasieg ist das Höchste, was ein Athlet erreichen kann, die Erfüllung eines Traums.”
(IOC-Präsident Thomas Bach)

Sprechen wir also vom Marktwert des Sportlers nach dem Sieg und damit dessen Brutto-Werbewert!!! Schliesslich sind die Sieger in unzähligen TV-Studios zu Gast, sind in allen möglichen Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen abgebildet – der Bekanntheitsgrad und damit auch der Imagewert kann bei so manchem vergoldet werden. Kopfsponsor, Brustsponsor, Ausrüster, TV-Werbung, Radio-Werbung, Printwerbung,… Doch dafür müssen sie bereits während der Spiele in den Social Medias aktiv werden. So hat beispielsweise die WSB Werbeagentur in Leipzig das Social Media Verhalten der deutschen Sportler/-innen während der Spiele in Sotschi analysiert. Absolut führten Felix Neureuther und Maria Höfl-Riesch zwar das Like-Ranking an, doch steigerte die Schispringerin Carina Vogt ihre Likes um 1.506 %, auf Platz 2 der Rennrodler Felix Loch (+569 %) und die Snowboarderin Amelie Kober (+310 %). Verantwortlich dabei sind v.a. die “hautnah-dabei”-Fotos! Kommt dann hier noch eine Goldene dazu, dann läuft die PR-Maschinerie perfekt. Carina Vogt etwa gewann mit ihrem Sieg innerhalb nur eines Tages 10.000 neue Fans dazu! Das drückt sich in Zahlen bei Vertragsverhandlungen aus. In den USA bezeichnet dies der Experte als “Facebook-Vermarktung” – hier bestimmt der Sponsor vertraglich, wie häufig der Sportler mit der Marke oder dem Namen am besten mit Bild in der Social Media-Plattform zu erscheinen hat. So war beispielsweise ein Tweet von Roger Federer anno 2015 8900,- US-Dollar wert! Doch ist das nur ein kleiner Teil.
Wird bei den Top-Stars zumeist Stillschweigen vereinbart, so sind die Preise im Mittelfeld häufig bekannt. Was aber unterscheidet den guten vom schlechten Sponsoren-Sportler? Der Sportvermarkter Stephan Peplies nennt hierfür folgende Faktoren:
.) Der Vermarktungsstatus des Sportlers vor den Spielen
.) Sein Bekanntheitsgrad
.) Seine Medienpräsenz
.) Werbemöglichkeiten und anderes
Damit beispielsweise ein Sportler als Testimonial für ein Produkt oder eine Marke auftreten kann, sollte er in der Zielgruppe über einen Bekanntheitsgrad von 60 bis 80 % verfügen. Eine Snowboarderin wäre für die Bewerbung von Blasentee sicherlich nicht glaubwürdig. Auch ist ein Curler in unseren Breiten nicht wirklich werbewirksam, in Kanada sind sie Volkshelden. Stefan Peplies bewies ein gutes Händchen, als er den Nordischen Kombinierer Eric Frenzel an Land zog. Die Sportart bekommt immer bessere TV-Quoten, der Sportler des Jahres in Deutschland ist ein Nordischer Kombinierer und Eric Frenzel gewann Gold in Sotschi, vier Jahre später auch in Pyeongchang. Ein Vertrag mit einem grossen Schweizer Uhrenhersteller und einer japanischen Bank lassen derzeit die Kassen klingeln (neben anderen zusätzlichen Kleinigkeiten).
Die meisten Zuschauer schalten ein “wo es überraschende, emotionale deutsche Erfolge gibt!”, betont der Kölner Marketingexperte Stephan Schröder. Somit wären die beiden neuen deutschen Eiskunstlauf-Superstars jetzt am Höhepunkt ihrer Karriere angelangt: Ein überraschender Olympiasieg, gleich danach eine Weltmeisterschaft, gewonnen mit Weltrekord – und dann dankt Savchenko ihrem Partner Masso in der Vergangenheitsform. Ist das vielleicht das sportliche und auch wirtschaftliche Aus der beiden? Schliesslich wurde in Oberstdorf alles auf diesen Olympia-Finaltag hin gedrimmt und nun bereits wieder abgebaut, der Trainer ist schon nach Berlin umgezogen. Stephan Peplies zieht hier einen Vergleich: Den Gewichtheber Matthias Steiner kannte vor seinem Erfolg 2008 niemand, die Zuschauerquote beim Gewichtheben war nicht der Rede wert. Als er nach seinem Sieg unter Tränen das Bild seiner verstorbenen Frau in die Kameras hielt, bewegte dies ganz Deutschland, was sage ich: Die ganze Welt! Allerdings hielt dieser Bekanntheitsvorsprung nicht lange an – heute fragt sich so mancher erneut, wer Matthias Steiner ist. Das Traumpaar des Eislaufs kann möglicherweise mit einem Traumvertrag bei Holiday on Ice rechnen – bei den Sponsoren hingegen ist nicht der grosse Reibach zu erwarten! Schliesslich kommt bei Ihnen noch ein entscheidendes Manko erschwerend hinzu: Sie haben keine Werbeflächen!!! Tour-Manager Marc Lindegger vom “Art on Ice”-Team in der Schweiz betont, dass Siegläufer im Eiskunstlauf für rund vier bis fünf Jahre nach ihrem Triumph auskommen – dann sollten sie sich ein zweites Standbein erarbeitet haben. Ausgezeichnet vermarktete sich hingegen der deutsche Turner Fabian Hambüchen, der am 02. Dezember 2017 seine aktive Laufbahn beendete. Turnen ist nicht wirklich eine quotenträchtige Sportart und läuft – wenn überhaupt – nur zu Randzeiten im Fernsehen. Trotzdem war der “Turnfloh”, wie er mit Spitznamen genannt wird (1,63 m Körpergrösse), immer wieder im Hauptabendprogramm zu sehen, nicht zuletzt aufgrund seiner markigen Sprüche. Mit nur zwei Werbeverträgen (Waschmittelkonzern und Kreuzfahrtgesellschaft) hatte er dennoch sechsstellige Werbeeinnahmen im Jahr! Auch Franziska von Almsick holte sich gute Sponsorenverträge – ohne Olympia-Goldmedaille!
Dennoch: Eine Goldmedaille sorgt für eine weitaus bessere Verhandlungsposition der Sportler-Manager, da sich mehr Unternehmen für ihren Schützling interessieren – das steigert den Marktwert. Hier einige Vergleiche in Sachen Werbewert (2017/2018), allerdings unter Vorbehalt, da aus unterschiedlichen Quellen und zumeist geschätzt:
.) Marcel Hirscher 6,1 Mio/7,2 Mio €
.) Stefan Kraft 4 Mio/noch keine Zahlen
.) Lindsey Vonn 2,5 Mio/noch keine Zahlen
.) Anna Veith 2 Mio/noch keine Zahlen
.) Lara Gut 1 Mio/noch keine Zahlen
.) Mikaela Shiffrin nicht bekannt/2,5 Mio

Zur Draufgabe noch einige zusätzliche Zahlen für sog. “High Potential Sportler” (Siegläufer):
- Kopfflächen Schi alpin zwischen 150-250.000 € pro Saison
- Werbeflächen Biathlon 5-6 x 100.000 € pro Saison
- Klassische Werbekampagnen bis zu 1 Mio €

Lesetipps:

.) Sportsponsoring: Grundlagen, Konzeption und Wirkungen; Stefan Walzel; Springer Gabler 2018
.) Sportsponsoring: Möglichkeiten und Probleme; Daniel Bartel; Grin Publishing 2010
.) Sponsoring – Wirtschaftliche, rechtliche, steuerliche, kommunikative Aspekte; Aigner/Aigner/Bitter; Linde Verlag 2012
.) Sportsponsoring: Entwicklung eines Sportsponsoringkonzepts: Begriffe und Definitionen, Bedeutung, Probleme und Lösungsansätze; Georg Haß; GRIN Verlag 2007
.) Sportsponsoring im Internet; Thomas Weiser; Universität Wien 2011
.) Sport-Branding; Nicholas Adjouri; Springer Gabler 2015
.) Sportsponsoring als Instrument des Marketing-Mix; Lena Brückner; Grin Publishing 2013
.) Sportsponsoring als Kommunikationsinstrument im Marketing; Kristina Damm-Volk; Roderer Verlag 2002
.) Sportsponsoring. Prestigefrage oder Erfolgsfaktor?; Jasmin Wilke; Grin Verlag 2017
.) Sportsponsoring: Wirkung und Erfolgsfaktoren aus neuropsychologischer Sicht; Jens Falkenau; Kindle Edition 2013
.) Sportsponsoring als Kommunikationsinstrument im Rahmen des Luxusmarkenmanagements; Georgios Papadopoulos; Grin Publishing 2012

Links:

- www.olympia-medallien.de
- www.netzathleten.de
- www.ispo.com
- www.bso.or.at
- www.bildak.com
- www.wsb-werbeagentur.de
- www.focus-institut.com/
- www.globalsportsjobs.de
- www.sportspromedia.com
- www.marktmeinungmensch.at
- www.sport-oesterreich.at
- www.sportmarketing-sponsoring.biz

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Heilig’s Blechle!!!

Der österreichische Bundeskanzler Kurz spricht von “Schwachsinnig-keiten”, der deutsche Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier schnappt sich gleich den erstbesten Airbus “Made in Europe”, um in den USA Gespräche abzuhalten, sein US-amerikanischer Amtskollege fliegt ebenfalls – allerdings raus, weil er höchstwahrscheinlich Trumps Pläne der Einführung von Strafzöllen kritisiert hat. Anlässlich seiner Entlassung schrieb beispielsweise Stefan Kornelius von der Süddeutschen Zeitung, dass es um Rex Tillerson als höchstwahrscheinlich schlechtesten US-Aussenminister nicht schade wäre, doch hatte er durchaus seine Berechtigung: “…als Korrektiv für den wohl schlechtesten Präsidenten in der Geschichte der USA”! Trump ist ein Populist und als solcher – das kennen wir von Vertretern der SVP in der Schweiz, der AfD in Deutschland und der FPÖ in Österreich, ein Krakehler und Tagespolitiker ohne Weitblick.

“Die Europäische Union, wunderbare Länder, die die USA beim Handel sehr schlecht behandeln, beschwert sich über die Zölle auf Stahl und Aluminium.”
(Donald Trump auf Twitter)

Posaunt er doch freudestrahlend bei einer Wahlkampfveranstaltung in Pennsylvania in die Welt: “Wir werden Mercedes-Benz und BMW mit Zöllen belegen!”, so hat er wohl übersehen, dass BMW mit der Tochtergesellschaft BMW US Manufacturing Company LLC in Greer/South Carolina seit 1994 mit 8.000 Mitarbeitern täglich rund 1.400 Fahrzeuge der Modelle X3, X4, X5 und X6 selbst vorort fertigt – vom Z3 wurden bis 2002 297.087 Exemplare in den USA hergestellt. Auch Mercedes produziert über die Tochter Mercedes-Benz U.S. International (MBUSI) in Vance/Alabama vornehmlich SUVs der M- und R-Klasse, den GL und seit 2014 auch die C-Klasse für den US- und Weltmarkt. Mercedes investierte am Standort rund 1 Millarde US-Dollar und fertigte dort seit 1997 etwa 571.000 Stück der M-Klasse, danach auch die R- und GL-Klasse. Wertmässig zwei Drittel der verarbeiteten Teile stammen von US-Zulieferern, im Werk arbeiten rund 3.700 Mitarbeiter – mehr als 286.000 Fahrzeuge verliessen im Jahr 2017 das Fliessband. Mit einer Wertschöpfung von 1,5 Milliarden US-Dollar und einem Exportvolumen von 1 Milliarde jährlich ist das Unternehmen sogar der grösste Exporteur Alabamas, der zweitgrösste Automobil-Exporteur der USA. Somit geht es bei diesen beiden Unternehmen – sollten sie in Runde 2 Schaden aus den Plänen Trumps erleiden – um heimische Arbeitsplätze in zwei Bundesstaaten aus dem Süden der USA – aus dem Gebiet der Stammwählerschaft der Republikaner. Es ist also grösster Nonsens, wenn Trump mit der Einfuhr von Strafzöllen ausgerechnet diesen beiden Herstellern schaden möchte.
Andere Studien hingegen zeigen auf, dass dies mit Vorsicht zu geniessen ist. So hat beispielsweise das CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen ausgerechnet, dass eventuelle Strafzölle eine Mehrbelastung der deutschen Autoindustrie im US-Geschäft in der Höhe von 3 Milliarden Euro jährlich bedeuten würde – und BMW treffe es am meisten, da die in den USA produzierten Fahrzeuge “nicht gegengerechnet werden könnten”! Soll heissen, dass alle anderen Modelle (bei BMW beispielsweise auch der Mini) importiert werden müssen. Hierzu einige Zahlen aus 2017 für die Produktionen und Verkäufe in den USA:
- Audi 50.000 Fahrzeuge gebaut, 225.000 verkauft, 170.000 importiert, erwartet 655 Mio € Mehrausgaben
- BMW 370.000 Fahrzeuge gebaut, 350.000 verkauft, 250.000 importiert, erwartet 1 Mrd € Mehrausgaben
- Mercedes (inkl. Smart) 335.000 Fahrzeuge gebaut, 375.000 verkauft, 150.000 importiert, erwartet 600 Mio € Mehrausgaben
- VW 600.000 Fahrzeuge gebaut, 340.000 Fahrzeuge verkauft, 5000 importiert, erwartet 11 Mio € Mehrausgaben (Porsche zusätzlich 480 Mio € Mehrausgaben)
Auch VW lässt in Chattanooga bzw. Mexiko für den US-Markt produzieren. Mexiko ist ja vorerst ebenso wie Kanada von den Trump’schen Strafplänen ausgenommen, da auch sehr viele US-Auto-produzenten aufgrund der niedrigeren Löhne dort produzieren lassen. Ausserdem sind beide Staaten ja auch Mitglieder des nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA), doch soll auch das überarbeitet werden. Und zudem gibt es da noch die Free Trade Area of the Americas (FTAA) – die amerikanische Freihandelszone!
Aber – fairerweise muss erwähnt werden: Aus den USA in Europa importierte Fahrzeuge werden hierzulande mit einem Strafzoll von 10 % belegt! Die USA verlangten bislang für europäische Fahrzeuge nur 2,5 %. Etwas anders zeigt sich jedoch die Situation bei Lastwagen und Pickups – die USA verlangen 25 %, die EU hingegen nur 14 %. Ein ähnliches Prozedere auch bei Schuhen, Textilien und Erdnüssen.
Im Automobilbereich sieht Trump das grösste Problem. Strafzölle hingegen will er für die Einfuhr von Stahl (25%) und Aluminium (10 %) einheben – “zum Schutz der nationalen Sicherheit”! Damit trifft er die EU weitaus weniger hart als beispielsweise Brasilien und China. Deshalb schwenkt er zuletzt auch wieder ein: Europa ist vorerst von den Strafzöllen ausgenommen! Nicht etwa wegen der angedrohten Klage bei der Welthandels-Organisation WTO. Dieser wurde ohnedies nicht viel Erfolg vorhergesagt, da sie sich in die Nationale Sicherheit der Mitgliedsstaaten nicht einmischt. Sondern weil die EU angekündigt hat, weitere US-Waren mit Strafzöllen zu belegen: Harley Davidson, Jack Daniels, Levis, Marlboro, … – Produkte im Wert von rund 2,8 Milliarden US-Dollar. Eine zweite Liste, die nach der Entscheidung der WTO in’s Auge gefasst werden solle, enthält weitere Waren im Gesamtwert von 3,6 Milliarden Euro. Das bedeutet dann Krieg, Handelskrieg! Schliesslich hängen zigtausende Arbeitsplätze vom EU-Import amerikanischer Waren ab. Wie war das noch vor zwei paar Jahren mit TTIP???
Etwas gelassener sieht es die Stahlindustrie in Deutschland. Hier werden vornehmlich Rohre für US-Pipelines exportiert – nachdem das Fracking-Geschäft aber dermassen abgestürzt ist, ist auch dieser Bereich rückläufig. Sollten die Exporte über den Atlantik ausfallen, tut’s zwar weh, verursacht aber keine wirklich grossen Hühneraugen, da die entsprechenden Unternehmen zudem aufgrund von Dumping-Verfahren, die bereits 2016 eingeleitet wurden, die Exporte stark gedrosselt oder gar gestoppt haben. Auch der grösste österreichische Stahlerzeuger, die voestalpine lukriert etwa zwei Drittel ihres Stahlumsatzes mit den USA (1 Mrd. €) als lokale Produzenten in den USA selbst (Angaben: Wolfgang Eder, Vorstandsvorsitzender VOEST).
Einzig: Der Umleitungseffekt wird zu Problemen führen. Jene Grobbleche, die nicht mehr in die USA exportiert werden, drängen auf den europäischen Markt. Und der kränkelt ohnedies seit Jahren schwer. ThyssenKrupp hat beispielsweise 300 Arbeitsplätze in der Grobblechproduktion gestrichen. Anfang Mai gehen tausende deutsche Stahlarbeiter auf die Strasse um zu demonstrieren. Grobbleche werden beispielsweise für die Motoren- oder Röhrenproduktion benötigt. Hier ist der Markt schon seit längerem heiss umkämpft, da diese in China und Korea unter den dortigen Produktionskosten eingekauft werden können. So werden Überproduktionen abgebaut, aber auch Konkurrenten vom Markt gewischt. Ist dies geschehen, werden die Preise auch wieder erhöht. Die EU unterdrückt das Prozedere seit Jahren durch Importzölle oder Anti-Dumping-Massnahmen. Im Vergleich zu den USA gehen die Europäer jedoch nur gegen einzelne Produkte (etwa nahtlose Edelstahlrohre) oder Staaten vor und begründen dies auch entsprechend. Trump rechtfertigt seine umfassende Massnahme mit “nationaler Sicherheit” und geht gegen alle vor.
Hier ein kurzer Blick auf das Stahlimport-Ranking der USA nach Herkunfstländer (Zahlen: Steel Imports Report)
1.) EU 20,7 %
2.) Kanada 17 %
3.) Brasilien 14 %
4.) Südkorea 10 %
China rangiert erst auf Platz 9. Damit ist klar nachgewiesen, dass Trump nicht China an den Kragen will, er schädigt damit vornehmlich die Handelsbeziehungen zu Verbündeten! Soll heissen, er will dadurch mehr rausholen. Und das hat wahrlich nichts mit der nationalen Sicherheit zu tun – auch wenn die Stahlindustrie in den USA schlecht dasteht – das aber ist hausgemacht!
Damit die EU dauerhaft hiervon ausgenommen wird, verlangen die USA noch mehr:
- Einfrieren der EU-Stahlexporte in die USA auf dem Niveau von 2017
- Erhöhung der Antidumping-Abgaben auf chinesisches Stahl
- Erfüllung der vereinbarten Rüstungsanstrengungen
Mein lieber Schorle – jetzt will Trump seine Waffengier auch in Europa durchsetzen!!!
EU-Ratspräsident Donald Tusk hingegen schlägt nun von sich aus ein Freihandelsabkommen wie TTIP mit den USA vor. Jetzt beginnt also das ganze Brimborium erneut – wie es ausschaut mit noch höheren Auflagen durch die USA als damals bei den TTIP-Verhandlungen. Und stets der Drohung im Hintergrund, dass die Stafzölle ja auch auf Europa ausgedehnt werden können. Diese Erfahrung machte auch die EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström nach Ihrem ersten vierstündigen Gespräch mit dem US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer in Brüssel. Die Regierung Trump zeige mangelhaftes Entgegenkommen. Wieso hat Mr. Trump dann kurz vor der Deadline einen Zoll-Interruptus gemacht??? Und dass derartige Abkommen nur beschriebenes Papier sind, zeigt der US-Präsident ja gerade am Beispiel Aluminium aus Brasilien Das Land am Amazonas gehört ebenso zur FTAA!
Nach dem Treffen der beiden Finanzminister Frankreichs und Deutschlands, Le Maire und Scholz, wurde eine deutliche Antwort auf die Handelspolitik der USA versprochen. Trump seinerseits versucht beim G20-Treffen in Buenos Aires ein Triumvirat gegen die Handelspolitik Chinas auf die Beine zu stellen. Handelskriege seien “gut und leicht zu gewinnen”! Anderer Meinung hingegen ist die US-Handelskammer:

“Zölle könnten zu einem zerstörerischen Handelskrieg mit ernsten Konsequenzen für das US-Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen führen”"
(Thomas Donohue, Präsident der US-Handelskammer)

Bei den Republikanern gibt es ferner Gegenwehr: Jeffrey Flake, ein republikanischer Trump-Gegner aus Arizona, brachte im Kongress ein Gesetz ein, wonach derartige Strafzölle sofort wieder gekippt würden. Der Präsident riskiere, alle jüngeren wirtschaftlichen Erfolge der USA zunichte zu machen. Da auch einige Demokraten Strafzölle befürworten, wird dem Gesetz jedoch nicht viel Erfolg zugesagt, macht doch Trump von seinem Vetorecht Gebrauch. Dann bräuchte Flake eine Zweidrittel-Mehrheit im Kongress.
Die US-Notenbank FED hat inzwischen verlauten lassen, dass die langsam anlaufende Konjunktur durch einen Handelskonflikt wieder zunichte gemacht würde. Sie will die behutsamen Zinserhöhungen vorerst verlangsamen.
Auch Australien hat seine Bedenken gegen Strafzölle offen kundgetan. So spricht Ministerpräsident Malcolm Turnbull von einer Sackgasse, in die Protektionismus führe.

“Wenn die USA ihr Handelsdefizit reduzieren wollen, müssen sie die Amerikaner dazu bringen, härter zu arbeiten. Und sie müssen Reformen in Einklang mit der internationalen Marktnachfrage durchführen, statt den Rest der Welt aufzufordern, sich zu ändern.”
(Leitartikel in der chinesischen Zeitung Global Times)

Die eigentlichen Pläne des Präsidenten: Das Handelsbilanz-Defizit mit China soll um rund 100 Milliarden Dollar reduziert werden. Deutschland etwa hat ein riesiges Handelsbilanzplus – das hat den Neid des Präsidenten geweckt. Doch: Trump wird sich an China die Zähne ausbeissen. Schliesslich war die Volksrepublik 2017 mit nicht weniger als 636 Milliarden US-Dollar Einfuhren der wichtigste Handelspartner der Vereinigten Staaten. US-Exporte nach China erreichten gerade mal 375 Milliarden. Alleine im Telekom- und Technologiesektor will Trump Strafzölle in der Höhe von 60 Milliarden $ durchsetzen. Das aber lässt wiederum Apple-Produkte teurer werden, da Apple auch Teile in China produzieren lässt.
Aus der EU-Kommission heisst es, dass für die Einfuhr von US-Waren in die EU im Schnitt 3 % Zölle verlangt werden, die USA liegen bei 2,4 %. Damit hat Trump also die Rechtfertigung für seine Pläne verloren! Zu laut gebrüllt Löwe. Und wenn die Amis nun mehr für das von Ihnen heiss geliebte Red Bull bezahlen müssen, da das Aluminium der Dosen höher verzollt wird, fällt das ja auch wieder auf den kleinen US-Bürger zurück! Vorher besser kundig machen!!! Was geschah doch noch gestern in Schweden???

Lesetipps:

.) The Globalization Paradox – Why Global Markets, States, and Democracy Can’t Coexist; Dani Rodrik; Oxford University Press 2011
.) Internationale Wirtschaft – Theorie und Politik der Außenwirtschaft; P. R. Krugman/M. Obstfeld; Pearson Studium 2006
.) Volkswirtschaftslehre 2; Werner Lachmann; Springer-Verlag 1995
.) Makroökonomie; Olivier Blanchard/Gerhard Illing; Pearson Studium 2006
.) Auf Kosten der Freiheit: Der Ausverkauf der amerikanischen Demokratie und die Folgen für Europa; Josef Braml; Bastei Lübbe 2016

Links:

- www.trade.gov
- americastradepolicy.com
- www.zoll.de
- eur-lex.europa.eu
- www.bmwi.de
- www.bmdw.gv.at
- www.stuttgart.ihk24.de
- www.bmwusfactory.com
- press.bmwgroup.com
- www.mbusi.com

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Putin – ein Schritt zurück???

Als Wladimir Putin im August 1999 zum russischen Ministerpräsidenten ernannt wurde, freuten sich viele Russland-Beobachter im Ausland: Ein junger Präsident, der sich weltoffen und gesprächsbereit zeigt und sicherlich die Politik der Öffnung, die Michail Gorbatschow eingeleitet hatte, weiterführt! Denn Gorbatschow war mit dem Abstauben des Kremls vom Staub, der sich seit der Oktoberrevolution angesammelt hatte, noch nicht richtig fertig. Nahezu euphorisch wurden etwa die Deutschen nach der Rede Putins im Bundestag. Nach 9/11 unterstützte er den US-amerikanischen Präsidenten George W. Bush. Nun – wie sich inzwischen herausgestellt hat: Leider fehlgedacht! Russland hat sich beleidigt wieder zurückgezogen!

https://www.youtube.com/watch?v=9jyLQmyg9hs

Es wird wahrlich sehr schwer werden, die am 18. März anstehenden Wahlen zu verlieren – schliesslich ist Putin der einzige ernst zu nehmende Kandidat um das Amt. Kommt das den Älteren unter uns nicht irgendwie bekannt vor? Zu Zeiten des sowjetischen Kommunismus gab es ebenfalls nur einen Kandidaten, der – wie auch in Nordkorea oder China – mit 100 % der Stimmen gewählt wurde. Böse Zungen behaupten, dass das Kreuz auf dem Wahlzettel bereits schon vorgedruckt war. Putin regiert nun bereits seit 20 Jahren – in der Zeit als Medwedev angeblich das grosse Sagen hatte, in den Jahren 2008 bis 2012, zog der Autokrat im Hintergrund nach wie vor die Fäden. Das ging sogar soweit, dass bei Verhandlungen mit Deutschland Putins Entscheidung am Telefon eingeholt wurde.
Wladimir Putin trauert als ehemaliger KGB-Offizier den vergangenen sowjetischen Zeiten nach. Jenen Zeiten, als die Partei und deren Parteichefs das grosse Sagen hatten und sich das ganze Volk vor ihnen fürchtete. All das sollte eigentlich seit der Gorbatschowschen Glasnost und Perestroika der Vergangenheit angehören, doch stemmt sich Putin mit aller Macht dagegen. Allerdings haben sich die Zeiten inzwischen geändert: In Moskau regiert das grosse Geld der liniengetreuen Oligarchen und die Politiker kassieren ab, als hätten Sie ihr Leben lang nichts anderes gemacht. Das Land selbst liegt nahezu brach. Regt sich irgendwo Widerstand, so werden die Urheber raschest möglich weggesperrt, damit sie nicht noch Schlimmeres anrichten können (für Alexej Nawalny etwa soll angeblich eine fixe Zelle reserviert sein, sodass er seine Zahnbürste nicht bei jeder Entlassung mitnehmen muss). Oder wie in alten KGB-Zeiten einfach umgebracht (Nikolai Glushkov?/Sergej Skripal?). Putin möchte am Liebsten die alte Sowjetunion wieder auferstehen lassen – doch kämpft er dabei gegen die Uhr. Ein jeder von uns kennt das, wenn er mal wieder die alten Kumpels oder Freundinnen aus der ehemaligen Clique trifft – inzwischen Eltern mit Haus und Hof und Job. Vieles, was damals mir nichts dir nichts auf die Füsse gestellt wurde, erscheint heute als nicht mehr machbar. Putin hat trotzdem diese Machtpyramide wieder aufgebaut, die ihn zum alleinigen Herrscher macht. Vergessen sind inzwischen Jelzin’s Demokratisierungsversuche.
Russland ist zum Staat der persönlichen Kontakte geworden betont etwa Angela Stent, Russland-Expertin und Professorin an der Georgetown Universität in Washington D.C. Wer hier die mächtigen Entscheidungen trifft, weiss niemand mehr. Institutionen, wie damals die Partei, das Sekretariat oder auch das Zentralkomitee gibt es on dieser Form nicht mehr. Was geschah in den letzten knapp 20 Jahren? Jelzin hatte eigentlich relativ gute Vorarbeit abgeliefert. Mit seinen Reformen brachte er einiges auf Schiene und kam der richtigen Richtung schon um viele Schritte näher. Allerdings geschah alles zu flott, sodass er selbst den Überblick verlor. Nach ihm kam bereits auch schon Putin. Die Duma macht heute wieder das, was ihr der Präsident anschafft, eine unabhängige Justiz ist ebenso ein Fake wie der Begriff “Rechtsstaat Russland”. Experten bezeichnen dies als “gelenkte Demokratie”. Eine ökonomische Modernisierung des Landes vermeidet Putin ebenso wie all seine Vorgänger, da diese zum Machtverlust der Eliten führen könnte. Doch braucht Putin diese zum Machterhalt. Das ist ihm in vollstem Umfang bewusst. Reformen können all das bislang Aufgebaute instabil werden lassen. Das prangert er auch als den grössten von Michail Gorbatschow begangenen Fehler an: Dieser habe die politischen noch vor den ökonomischen Reformen betrieben.
Und es gibt ihn nach wie vor – oder wieder: Den KGB! Ob dieser nun “Sluschba wneschnei raswedk” (SWR – der russische Auslands-nachrichtendienst) oder “Federalnaja sluschba besopasnosti Rossijskoi Federazii” (FSB – der gefürchtete russische Inlandsgeheimdienst) heisst, ist vollkommen egal. Beide machen dasselbe, was der KGB seit seiner Gründung im Jahre 1954 auch tat. Ist hier vielleicht die Macht zu finden? Die meisten Personen im Umfeld Putins kommen aus diesen Reihen, Igor Iwanowitsch Setschin etwa. Und die sind es gewohnt, nach Befehlen zu handeln. Die Werte, die damals die Partei vorgab, gibt heute nurmehr ein Mann vor (“Vertikale der Macht”). Entscheidet er sich morgen anders, so ändern sich auch diese Werte. Wird in Folge dessen einer der Befehlsempfänger zu mächtig, so ist er seinen Job los.
Und das mit der Demokratie? Das war niemals wirklich das Ziel Putins. Er arbeitete ehedem im Büro des Bürgermeisters von St. Petersburg, Anatoli Alexandrowitsch Sobtschak, als dieser 1996 die Wahlen verlor, nachdem er mit Korruptionsvorwürfen überhäuft wurde, die jedoch bis heute nicht nachgewiesen sind. Zu diesem Zeitpunkt dürfte sich Putin seine eigene Vorstellung von Demokratie zusammengebastelt haben.

https://www.youtube.com/watch?v=73pPfHLBsQg

Zurück zur Wahl: Alle Oppositionelle, die Putin gefährlich werden könnten, sind entweder nicht mehr in Russland oder wurden unter irgendwelchen Vorhalten weggesperrt. In der Riege der Gegenkandidaten ist u.a. Xenija Sobtschak, die Tochter von Putins Ziehvater. Beim ehemaligen IT-Girl ranken sich die Gerüchte, ob sie nicht vom Kreml selbst in die Position einer Gegenkandidatin vorgeschoben wurde (“Spoiler-Kandidatin”) – ihre Mitstreiter traten selbst zurück oder wurden festgenommen. Putin’s Vorstellung der demokratischen Wahlmöglichkeit des Volkes an der Wahlurne!
Betrachten wir uns die einzelnen Bereiche etwas genauer, die im Vorgehen Putins wieder die alte Sowjetunion erkennen lassen.
.) Grenznahe Aussenpolitik
Das Vorgehen auf der Krim und in der Ost-Ukraine spiegelt dies wohl am besten wider. Der grosse Unterschied: Damals marschierte die Sowjetunion mit ihren Partnern vom Warschauer Pakt ein (Tschecho-slowakei, Ungarn) – heute macht er es durch die Hintertüre, da die Verbündeten des Paktes inzwischen bei der NATO sind oder zumindest Beisitzerstatus dort haben.
.) Atomwaffen
Trotz Übereinkommen präsentiert Putin mit stolz geschwellter Brust die eigentlich nicht mehr erlaubten trägerfähigen Mittelstreckenraketen, die auch Deutschland erreichen könnten. Ganze Batterien davon waren während des Kalten Krieges mit dortigen Zielen programmiert und ausgerichtet. Gleichzeitig wird gedroht: Wir machen keinen Erstschlag – der Vergeltungsschlag jedoch wird allesvernichtend ausfallen. Die Weiterentwicklung atomarer Waffen wird gerechtfertigt mit dem Ausstieg der USA aus dem Abkommen zur Raketenabwehr.
.) Gas- und Ölexport
Wie die Sowjetunion setzt auch Putin auf Erdgas und Erdöl. Um sich abzusichern, lässt er gleich zwei Leitungen bauen: Den Nordstream nach Deutschland und den Turkish Stream im Süden. In den 70ern hatte die Sowjetunion die Transgas-Pipeline durch die Ukraine errichtet. Sie lieferte Sibiriengas ebenfalls bis nach Deutschland und Italien. Einerseits gute D-Mark und Lire der Kapitalisten, andererseits ein hervorragendes Mittel um Druck auszuüben: Läuft etwas nicht nach den Vorstellungen des Obersten Sovjets, wird der Gashahn zugedreht. Diese Pipeline wurde ab 2005 wegen des ukrainisch-russischen Gasstreits zu unsicher.
.) Syrien
Die bruderschaftliche Unterstützung des Assad-Regimes in Syrien – gegen alle Konventionen – soll einerseits den letzten russischen Satellitenstaat im Nahen Osten und damit den politischen Einfluss in dieser Region retten. Andererseits jedoch auch eine militärische Machtdemonstration gegenüber den islamischen Staaten und des Westens darstellen. Diese Waffenbruderschaft war der Grundstein des Warschauer Paktes.
All das aber kostet viel Geld. Geld, das Russland nicht hat.

“Lassen Sie uns ruhig hinsetzen, reden und alle Fragen lösen. Ich denke, dass der jetzige US-Präsident gewillt ist, dies zu tun. Es gibt aber jene Kräfte, die ihm nicht ermöglichen wollen, dies zu tun. Wir sind bereit, beliebige Fragen zu besprechen, darunter auch die Fragen in Bezug auf Raketen, Cyberraum und Anti-Terror-Kampf.”
(Wladimir Putin im US-amerikanischen TV-Sender NBC)

https://www.youtube.com/watch?v=z1pPkAOZI50

Alles in allem kann gesagt werden: Russland ist anders als alle anderen. Russland will es auch sein, meint Putin, der genauso wie seine sowjetischen Vorgänger ein abgeschottetes Reich, einen eigenen Kosmos aufgebaut hat. In den Grenzen der ehemaligen Sowjetunion – nicht der Russischen Föderation, was für grosse Angst bei den baltischen Staaten, Polen und natürlich der Ukraine sorgt. Daran wird sich auch bei einer zu erwartendenden Wiederwahl Putins nichts ändern. Der Westen ist nach seiner Ansicht zu schwach geworden, zu zerstritten. Das wird durch solche Massnahmen wie der Beeinflussung der US-amerikanischen Wahl oder der Finanzierung der europäischen Rechtspopulisten fleissig durch die Russen ausgenutzt. Kein anzustrebender Partner für den starken sibirischen Bären!!! Allerdings ist dieser nicht wirklich mehr so stark, die Wirtschaft liegt am Boden. Sollte er sich tatsächlich nach der kommenden Legislaturperiode zurückziehen, wie es in der Verfassung geschrieben steht, so wird es sein Nachfolger nur schaffen, wenn er den von Putin begangenen Weg beibehält und nur peu à peu Reformen angeht. Ansonsten wird Russland auseinanderbrechen. Zu stark sind die Unabhängigkeitskonflikte inzwischen, die Putin mit starkem Schwert bekämpft. Doch wurde die Verfassung schon mehrere Male nach seinen Vorstellungen geändert. Wird das in den kommenden sechs Jahren erneut geschehen???

Lesetipps:

.) Aus erster Hand; Wladimir Putin / Natalija Geworkjan / Andrei Kolesnikow / Natalja Timakowa; Heyne 2000
.) Wladimir Putin. Wohin steuert er Russland?; Boris Reitschuster; Rowohlt 2004
.) Russland verstehen: Der Kampf um die Ukraine und die Arroganz des Westens; Gabriele Krone-Schmalz; C.H.Beck 2017
.) Bücher über Russland. Russland unter Putin; Aschot Manutscharjan; Konrad-Adenauer-Stiftung 2005
.) Die russische Antwort – Reihe: Politik und Gesellschaft; Alexander Lapin; Frieling Verlag 2012
.) Rivalen des Jahrhunderts. Deutschland und Russland im neuen Europa; Angela Stent; Propyläen 2000
.) Wladimir Putin: Präsident Russlands – Partner Deutschlands; Alexander Rahr; Universitas 2002
.) Putin: Innenansichten der Macht; Hubert Seipel; HOFFMANN UND CAMPE VERLAG GmbH 2015
.) SPIEGEL Biografie 5/2017: Wladimir Putin; Der SPIEGEL (Autor); SPIEGEL-Verlag 2017

Links:

- www.bpb.de
- www.ssoar.info
- de.rbth.com
- www.pw-portal.de/
- de.sputniknews.com

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Laminat – die heimliche Gefahr?

Das Leben eines Häuslebauers ist wahrhaftig nicht einfach. Einerseits soll es rasch gehen, andererseits gut aussehen. Es soll möglichst zum Selbermachen geeignet sein, gleichzeitig aber ein gutes Wohn- und Raumklima schaffen. Da eignet sich doch im Bodenbereich ausgezeichnet Laminat. Besonders der Klick-Laminat geht sehr schnell, ist einfach zu verlegen, kann jederzeit wieder entfernt werden und ist aus Holz!
Mag insgesamt ja gar nicht mal so falsch sein, doch sind hier bereits tausende selbsterklärte Hauswerkerkönige einer Mär aufgesessen. Der erste Laminat wurde 1977 in Schweden entwickelt, setzte sich jedoch erst in den 80ern so richtig durch. Er sieht zwar aus wie Holzparkett, bei genauerer Betrachtung aber tun sich hier allerdings Welten auf. Der Laminat-Fussboden ist ein Produkt, das aus mehreren Schichten zusammengesetzt ist: Einer Trägerschicht und einer dünnen Dekorschicht, die beide miteinander versiegelt werden. Einfach ausgedrückt: Aus einer Spanplatte, einer oder mehreren Schichten Papier und einer Schicht Kunstharz. Aufgrund des nur wenig enthaltenen Holzes darf nach geltenden Normen nicht von einem Holzboden gesprochen werden. Es gibt ihn in unterschiedlichen Stärken und Abriebfestigkeiten, hier spricht der Fachmann von Nutzungsklassen. Je günstiger ein Laminat ist, desto dünner ist er auch. Dies macht sich beim Abrieb und den Stosskanten (dem Übergang zweier Paneele) bemerkbar. Hochwertigere Böden besitzen eine V-Fugen zwischen den Paneelen. Laminat darf im Vergleich zum Parkett niemals abgeschliffen werden, da unter der dünnen Dekorschicht sofort die Trägerschicht erscheint. Deshalb sollte der Boden auch – wenn überhaupt – nur nebelfeucht gewischt werden. Ansonsten riskiert man das Lösen der Dekor- von der Trägerschicht. Bei der Herstellung der Böden kommt stets Kunstharz zum Einsatz.

https://www.youtube.com/watch?v=4Ezvv6MYBCc

Laminate werden nach verschiedenen Kriterien unterschieden:
.) Aufbau
Der Volllaminat hat nicht etwa einen höheren Holzanteil – ganz im Gegenteil: Er besteht nahezu vollständig aus faserverstärkten Kunststoffen. Deshalb kommt dieser vornehmlich bei viel beanspruchten Stellen zum Einsatz, da er widerstandsfähiger ist. Beim Sandwichlaminat hingegen wird zwischen zwei Laminatschichten aus faserverstärkten Kunststoffen eine schubfeste Lage eingezogen. Diese kann aus Holz, Hartschaum, Nomexwaben oder auch Aluminium sein. Die Zwischeneinlage sorgt für die Stärke und Steifheit des Endproduktes. Solche Böden sind jedoch gegen punktförmige Drucklast empfindlicher als der Volllaminat, dafür allerdings leichter.
.) Material
Hartpapier oder auch Pertinax ist ein Faserverbundwerkstoff aus Papier und einem Phenol-Formaldehyd-Kunstharz (Phenoplast). Es isoliert elektrisch ausgezeichnet – wurde deshalb auch als erster Stoff in der Leiterplattenherstellung eingesetzt. Das gilt übrigens auch für den Glasfaserlaminat (GFK). Er besitzt zudem die beiden Eigenschaften der Wasser- und UV-Licht-Beständigkeit. Das ist die eher preiswertere Klasse. Wesentlich teurer ist da schon der Kohlenstofffaserlaminat (CFK). Er gelangt vornehmlich dort zum Einsatz, wo die Optik passen muss, da durch das Material eine ausgezeichnete Oberflächenstruktur geschaffen werden kann. Man spricht hier von der “Sichtkohle”. Der Nachteil: Er leitet Elektrizität und ist sehr schlagempfindlich. Der Kevlarlaminat hingegen ist relativ unempfindlich, dämpft sehr gut Vibrationen wie jene von Schritten ab und wirkt elektrisch isolierend. Sein Nachteil: Er speichert Feuchtigkeit und ist empfindlich gegenüber der Einstrahlung von UV-Licht.
.) Ausrichtung der Fasern
Laufen die Fasern nur in eine Richtung, so nennt man dies “unidirektional”. Der Vorteil des Ganzen liegt in der Aufnahmefähigkeit von Zugkräften. Die Schichten sind in unterschiedlichen Richtungen ausgelegt, dadurch kann dieser Laminat auch grössere Lasten aufnehmen. Das ist beim Gewebelaminat komplett anders. Durch die gerade verlaufenden Schussfäden werden Kettfäden gewoben. Diese können sich bewegen, wodurch der Boden weniger steif und schlechter für Belastungen ist. Keine fixe Struktur hingegen besitzt der Fasermattenlaminat. Hier liegen die Fasern kreuz und quer, das macht den Boden überhaupt nicht widerstandsfähig. Der Vollständigkeit halber sei auch noch der Spritzlaminat erwähnt, da er eigentlich kein Laminat ist. Hier wird Kunstharz mittels Spritzpistole aufgesprüht und in Form gebracht. Zusätzlich werden kurze Faserstücke beigemischt. Es ist die billigste Herstellungsvariante, der Boden hat deshalb auch viele Nachteile: Er ist schlecht belastbar, auftretende Mikrorisse sorgen zudem immer wieder für die weitere Zerstörung des Materials.
.) Harz
Selbstverständlich liegt es auch am verwendeten Kunstharz, was Sie mit Ihrem Boden anstellen können. Vornehmlich wird Polyesterharz verwendet. Es ist günstig und gut zu verarbeiten, da es rasch aushärtet. Allerdings nicht wirklich widerstandsfähig, bildet recht häufig Mikrorisse und sollte deshalb nur für optisch wichtige, nicht jedoch für stark belastete Stellen verwendet werden. Etwas hochwertiger, da weniger spröde und somit widerstandsfähiger ist das Vinylesterharz. Und die finanziell besser Bestückten greifen zu Laminat mit Epoxidharz. Es härtet wesentlich länger aus, kann somit auch lange bearbeitet werden. Durch ein sog. “Nachhärten” unter recht hohen Temperaturen bekommt der Boden weiters eine hohe Elastizität und wird gleichzeitig sehr fest und belastbar. Auch hier der Vollständigkeit halber erwähnt: Das Phenolharz. Es wird weniger für die Bodenherstellung als vielmehr im hitzebeständigen Bereich (Bremsklötze oder Hitzeschilder) verwendet. Kunstharze werden übrigens auch bei HPL-Platten verbaut. Bei diesen High Pressure Laminaten werden mehrere Schichten Papier, die zuvor in Melamin und Phenolharze getränkt wurden, unter hohem Druck und Temperaturen miteinander und mit einer Deckschicht zusammengepresst. Das Endprodukt ist ein extrem belastbarer Grundstoff, der für die unterschiedlichsten Bestimmungen verwendet wird (Tisch- oder Küchenplatten, Möbel, Türen,…) – der wohl bekannteste Markenname ist “Resopal©”. Das Ganze gibt’s übrigens auch in der umweltfreundlichen Version als ECO-HPL mit Recyclingpapier. Dessen Herstellung kommt ohne Phenol-Formaldehyd-haltigen Kunstharzen aus.
Und damit sind wir beim Thema: Laminatböden dampfen aus! Flüchtige Verbindungen aus den Materialien selbst, den verwendeten Klebstoffen oder gar aus der Reaktion der beiden miteinander können sich lösen und dabei nicht nur das Raumklima empfindlich stören, sondern die Luft sogar gefährlich werden lassen. Daneben sondern eingefärbte Teile aber auch Materialien aus Kunststoff durch den Abrieb feinste Schwermetallteile an die Umgebung ab. Als Feinstaub werden sie eingeatmet und im Körper angehäuft. Beides muss nicht unbedingt als Geruch wahrgenommen werden, sondern ist zumeist geruchsneutral. Bei Teppichen können dies Insektizide als Schutz gegen Motten und Käfer sein, in alten Parkettböden wurden nicht selten schwarze Teerkleber (polyaromatische Kohlenwasserstoffe PAK) verwendet, die krebsauslösend sein können. Asbesthaltige Bodenbeläge, die vornehmlich in den 80er Jahren verwendet wurden, geben bei unsachgemässer Verwendung die hochkrebs- erregenden Asbestfasern frei (enthalten in Cushion-Vinyl-Belägen oder auch in PVC-Bahnenware). Beim Laminat ist es vornehmlich das Gas Formaldehyd, das ausdampft. Es sorgt für Reizungen der Schleimhäute von Augen und Nase, führt zu Kopfschmerzen, Hustenreiz und Atembeschwerden. Auch wenn im Vergleich zur Spanplattenproduktion der 70er Jahre die Ausdünstung weitaus geringer ist, sollten trotzdem die Räume häufig gelüftet werden. Gefährlich können solche Abdampfungen auch für Kleinkinder sein, deren Spielplatz vornehmlich der Wohnzimmerboden ist. Die Gase treten zumeist aus älterem Laminat aus, bei welchem die Versiegelung bereits brüchig ist.

https://www.youtube.com/watch?v=S8KMfG9Fj0Q

Übrigens sollten Sie auch bei Parkett darauf achten:
- Schwimmend verlegen
- Ansonsten hochsiederfreie Klebstoffe mit dem Kennzeichen EMI-CODE EC 1 verwenden
Nach dem Abschleifen und der anschliessenden Versiegelung dampfen die Chemikalien oftmals noch Wochen mit unter gar Monate danach aus. Experten empfehlen deshalb das Augenmerk auf das Siegel des ECO-Umweltinstitutes zu legen. Unversiegeltes und mit Öl behandeltes Parkett trägt im Gegensatz dazu aufgrund seiner Offenporigkeit entscheidend zum gesünderen Raumklima bei. Die Versiegelung beim Laminat besteht übrigens zumeist aus Melaminharz. Dieses lädt sich beim Darübergehen elektrostatisch auf. Das wird einem spätestens dann bewusst, wenn man die Türklinke berührt oder in’s Auto einsteigen will.
Untersuchungen mit Zimmerpflanzen etwa der US-Raumfahrtbehörde NASA (“Clean Air Study”) oder auch jene südkoreanischer Wissenschaftler führten zu einem überraschenden Ergebnis: Einige unter diesen Pflanzen filtern die giftigen Dämpfe und führen alsdann zu einem besseren Raumklima durch gereinigte Luft. Hier nun eine kleine Auswahl:
.) Die Grünlilie (Chlorophytum elatum)
Sie ist recht pflegeleicht – jedoch giftig. Im Test der NASA filterte sie in einem geschlossenen Raum innerhalb von 24 Stunden nicht weniger als 90 % des Formaldehyds (etwa von Laminatboden) aus der Luft.
.) Der gemeine Efeu (Hedera helix)
Dieser verträgt keine beheizten Räume. Deshalb sollte er im Winter möglichst in weniger beheizten Gängen oder Räumen aufbewahrt werden. Er filterte ebenso in nur einem Tag rund 90 % Benzol und 11 % Trichlorethylen aus der Luft eines Raumes.
.) Die Friedenslilie (Spathiphyllum)
Ein pflegeleichter, dafür aber ausgezeichneter Schadstofffilter – etwa für Ammoniak, Benzol und Trichlorethylen (23 %). Nachteil: Manche Menschen reagieren allergisch. Für Hunde und Katzen allerdings in keinster Weise geeignet, da giftig!
.) Die Chrysantheme (Chrysanthemum morifolium)
Auch sie reinigt die Luft von mehreren Schadstoffen und macht auch optisch einiges her. Nachteil auch hier: Giftig für Hunde und Katzen.
.) Der Drachenbaum (z.B Dracaena marginata)
Er filtert nicht nur 70 % des Formaldehyds, sondern ebenso Benzol und Trichlorethylen aus der Luft.
Auch Efeutute, Zimmeraralie oder Birkenpfeife leisten mehr als gute Dienste für ein gesünderes Zuhause.
Die Wissenschaftler empfehlen eine dieser Pflanzen jeweils für 9 m² Wohnfläche. Und: Je grösser die Pflanze, je mehr Blätter sie hat, desto grösser ist auch ihre Reinigungsarbeit, da die Gase tagsüber durch die feinen Spaltöffnungen der Blätter absorbiert werden; in der Nacht nur über die Wurzeln.

https://www.youtube.com/watch?v=hDF2gO938wk

Sofern Sie nach alledem dennoch am Laminat festhalten, so sollten Sie dabei den Begriff “E1-Qualität” im Auge behalten. Dieser drückt nämlich die Emissionsklasse aus: Hier wird der zulässige Grenzwert von 7 mg Formaldehyd auf 100 mg unbearbeitetem Holz nicht überschritten (EN 120/92).
Wer es mit dem Boden richtig machen will, verwendet jedoch am besten Linoleum aus Leinöl – ohne PVC-Deckschicht. Denn: Auch Korkböden beispielsweise dampfen ab, sofern sie verleimt sind!!!

Lesetipps:

.) Wohngifte : Handbuch zur krit. Auswahl der Materialien für gesundes Bauen und Einrichten; Friedrich Kur / Wulf-Dietrich Rose; Eichborn 1986
.) Die Blacklist der Wohngifte; Manuela Strähle; Kindle Edition
.) Laminat und Parkett. Richtig einkaufen, professionell verlegen, dauerhaft pflegen; Dino Oberle; Ulmer Verlag 2011
.) Fertigparkett & Laminat; Thomas Pochert; Naumann & Göbel 2002
.) Selbst Parkett, Holz- und Laminatböden verlegen: Mit Profi- & Sicherheitstipps; A. Ehrmanntraut; Compact 2013
-) Böden verlegen: Parkett, Dielen, Laminat; Pabel-Moewig 2001
.) Bodenbelag – Laminat und Parkett – Holzdielen – Teppich- und PVC-Boden; Werner Bomans / Ulli Bomans; Dähne Verlag 2014
.) Generation Laminat: Mit uns beginnt der Abstieg … – und was wir dagegen tun müssen; Kathrin Fischer; Albrecht Knaus Verlag 2012

Links:

- www.umweltbundesamt.de
- www.pneumologenverband.de
- www.atemwegsliga.de
- www.umweltmedizin.de
- www.umweltinstitut.org
- www.schadstoffberatung.de
- www.blauer-engel.de
- www.holzfragen.de
- www.warentest.de
- www.agoef.de
- www.oekocontrol.com
- www.muenchen.de/umweltmedizin
- www.lgl.bayern.de
- www.verbraucherzentrale.de
- www.test.de
- www.verbraucher.org
- www.baubiologie.net
- www.eco-world.de
- www.umweltlexikon-online.de
- www.allnatura.at
- heimtest-schnelltests.de

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Wer zuerst zieht…!

“An jeden Politiker, der Spenden von der NRA annimmt: Schande über euch!”
(Die 18-jährige Emma Gonzalez, Überlebende des Amoklaufs von Parkland)

Als der Pistolero den Saloon betritt, verstummt das Klavier, alle schauen gespannt zum Eingang, es ist so leise, dass man eine Nadel fallen hören würde. Doch – ein richtiger Cowboy hat niemals eine Nadel dabei!!!
Diese Szene kennen wir alle aus unzähligen Western. Jeder von uns Kindern wollte wie dieser Pistolero sein: Gefürchtet und geschätzt. Dass jedoch die meisten unter diesen vornehmlich von hinten erschossen wurden, das versuchten wir damals auszublenden. Die Vereinten Staaten von Amerika – ein Land der Wunder. Ein Land jener, die alles haben konnten, wenn sie nur fleissig gearbeitet haben. Was jedoch die Pistoleros angeht – das hat aufgrund der tragischen Ereignisse jüngster Vergangenheit einen sehr schalen Beigeschmack.
Am 15. Dezember 1791 wurden insgesamt 9 Zusatzartikel zur US-amerikanischen Bill of Rights, der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika, im Kongress verabschiedet. Vor allem der 2. Zusatzartikel (“Second Amendment”) sorgt auch heute leider noch für grosses Unheil: Er verbietet der Bundesregierung das Recht auf Besitz und Tragen von Waffen zu verbieten – nicht jedoch es einzuschränken!

“A well regulated Militia, being necessary to the security of a free State, the right of the people to keep and bear Arms, shall not be infringed.”

Damals nannten auch die meisten Männer eine Waffe ihr eigen, die sie – egal ob gross oder klein – in Würde stets sichtbar mit sich tragen durften. Es war sozusagen ein alteingesessenes Naturrecht, das aus der Überlegung heraus entstand, dass im Jahr 1685 in England ein Katholik auf dem Thron zu sitzen kam. Hier wurde nun befürchtet, dass dieser die anglikanischen Milizen, also die Vorgänger der heutigen US-Nationalgarde, auch auf dem Neuen Kontinent entwaffnen könne. In diesen Zeiten hatten hierzulande sehr viele noch einen Degen oder Säbel umgeschnallt. Gottlob haben sich zumindest in dem von den Amerikanern immer abwertend als Altes Europa bezeichnete Kontinent die Sitten geändert. Jenseits des grossen Teiches jedoch nicht. Dort geben mehr als 40 % der Bürger an, zumindest eine Waffe zu besitzen oder in einem Haushalt zu leben, in dem es zumindest eine Waffe gibt – und hierbei geht es nicht um den Kartoffelschäler! Noch 2008 betonte der Oberste Gerichtshof des Districts von Columbia, dass dieses Waffentragerecht nicht unbedingt mit der Zugehörigkeit zur Miliz, also einer militärischen Organisation zusammenhängt. Das Recht sei bereits im englischen Königreich ein individuelles Recht gewesen.

https://www.stern.de/politik/ausland/ar-15–us-kirche-haelt-gottesdienst-fuer-sturmgewehr-ab-7881828.html?utm_campaign=stern_fanpage&utm_source=facebook&utm_medium=posting

Auch in den USA gibt es Gegner dieser Auslegung. Sie meinen, dass ein Gesetz stets im historischen Kontext gesehen werden müsse. Die Befürworter hingegen sprechen von “living constitution” und somit von einer zeitlosen Gültigkeit. Trotzdem wird dabei zumeist ein Fakt übersehen: Im 2. Zusatzartikel ist von Milizen die Rede. Er erlaubt also die Bewaffnung von einzelnen Personen, wenn sie Mitglieder einer dieser Milizen sind. Somit wird immer auch das Tragen von Waffen mit einer militärischen Ausbildung bzw. einer Armee-Zugehörigkeit interpretiert. Das war damals bei nahezu jedem männlichen Bürger der Fall – heute wehrhaftig nicht mehr. Andere sehen in dem Wortlaut “the people” das Recht für alle, Waffen zum Zwecke der Verteidigung tragen zu dürfen. In der Kriegsführung jedoch gilt auch ein Präventivangriff als eine Art der Verteidigung. Der Angriff also, bevor dies der Gegenüber macht. Deshalb wird diese Problematik immer auch von Richter zu Richter unterschiedlich beurteilt.
Andere Diskussionen wirft der Waffenbegriff “bear arms” auf. Damals gab es neben Degen und Säbel sowie Bajonette die Vorderladergewehre, die gerade mal einen Schuss abgeben konnten und dann neu befüllt werden mussten. Heute hingegen gehören Faustfeuerwaffen, halbautomatische und automatische Gewehre, Bomben, Granaten, Raketen zum Stand der Dinge. Wo also hört diese Waffentrage-Erlaubnis auf?
Der Bericht des Gun Violence Archive weist für das Jahr 2017 zum Stichtag 06. November in diesem Jahr nicht weniger als 13.185 Tötungen von Menschen mittels Schusswaffen in den USA auf. Hinzu kommen noch jährlich im Schnitt 22.000 Suizide durch Faustfeuerwaffen oder Gewehre! Ein anderer Vergleich veranschaulicht es besser: In den Jahren zwischen 1968 und 2015 starben in den USA mehr als 1,5 Millionen Menschen durch Schusswaffen. Das sind mehr als zusammengerechnet die US-Todesopfer in allen Kriegen mit US-Beteiligung!!! Die Schätzungen betreffs Waffen im Privatbesitz schwanken zwischen 270 und 310 Millionen – statistisch gesehen besitzt demnach jeder US-Bürger eine Schuss-Waffe!

“Der einzige Weg, einen bösen Kerl mit Knarre zu stoppen, ist ein guter Kerl mit Knarre!”

(Wayne La Pierre, Präsident der NRA)

In den USA bestehen mehr als 20.000 Gesetze, die den Besitz, Gebrauch und die Verwendung von Waffen regeln sollen. Die drei wichtigsten bundesweit sind: “The National Firearms Act” aus dem Jahr 1934, “The Gun Control Act” aus 1968 und eben dieser leidbringende 2. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten (1791).
Der National Firearms Act wurde nach dem Valentine’s Massaker durch Al Capone am 14. Februar 1929, bei dem sieben Personen ermordet wurden, in Kraft gesetzt. Es regelt vornehmlich den Gebrauch von vollautomatischen Waffen, Granaten, Sprengstoff-Munition und Schalldämpern. Auch diese können unbegreiflicherweise von Privatpersonen besessen werden. Allerdings gelten als Auflagen:
.) Vorherige Untersuchung durch das FBI
.) Unterschrift des “Hauptverantwortlichen des Exekutivorgangs” im District des Wohnsitzes
.) Übertragungsgebühr von 200 $
Diese Waffen sind beim Bundesamt ATF eingetragen.
Der Gun Control Act regelt den Verkauf von Feuerwaffen. So dürfen diese nur unter Auflagen per Post verschickt und nicht an Schwerverbrecher verkauft werden. Zudem muss jeder Waffenhändler lizensiert sein. Ausserdem dürfen Waffen nur in jenem Bundesstaat verkauft werden, in dem der Käufer seinen ordentlichen Wohnsitz vorweisen kann. Und schliesslich dürfen nur US-Bürger oder Inhaber einer Green Card, also einer ständigen Aufenthaltserlaubnis Feuerwaffen erwerben. In vielen Bundesstaaten gilt zudem der “Brady Handgun Violence Prevention Act”. Das Gesetz ist nach dem beim Attentat auf Ronald Reagan verletzten Pressesprecher James Brady benannt und wurde durch den Demokraten Bill Clinton eingeführt: Jeder Käufer wird zwischen dem Kauf und der Aushändigung einer Waffe innerhalb von fünf Tagen überprüft (gilt nicht für Nevada). Zudem sind Magazine mit mehr als zehn Schuss verboten (gilt nicht für Nevada). Bundesweit wurde es nach bereits vier Jahren vom Supreme Court abgeschafft – in Nevada brauche ich nur Geld um eine Schusswaffe zu kaufen!
Daneben bestehen in jedem Bundesstaat unzählige weitere Gesetze – jenes in Kalifornien etwa ist das “California Firearms Laws”. Zwei entscheidende Urteile gab es inzwischen durch den Obersten Gerichtshof, dem Supreme Court: Jedem Bürger der Vereinigten Staaten ist der Besitz einer Waffe zum Zwecke der Selbstverteidigung im eigenen Heim gestattet. Und: Dies gilt für alle Bundesstaaten! In einigen Bundesstaaten nämlich war das Tragen von Waffen verboten, in anderen hingegen nur das verdeckte Tragen. Anno 2013 lehnte der Senat mit vornehmlich republikanischen Stimmen ein vom damaligen Präsidenten Barack Obama auf den Weg gebrachtes schärferes Waffengesetz ab. Im Jahr 2016 erliess Obama ein strengeres Massnahmenpaket mit besserer Überprüfung von Waffenkäufern, der personellen Aufstockung des FBI und der Waffenbehörde ATF und mit einem Verkaufsverbot an Menschen, die wegen schweren psychischen Erkrankungen ihre Rentenversicherung nicht mehr selbst verwalten konnten. Im Februar 2017 allerdings beschloss de Senat die Aufhebung der Regelung. Die Konservativen sind es alsdann, die extrem hohe Zuwendungen durch die National Riffle Association (NRA), also der Waffenlobby erhalten. Auch der derzeitige Präsident Donald Trump wurde tatkräftig und finanziell durch die NRA im Präsidentschaftswahlkampf unterstützt (54,4 Millionen Dollar). Dafür versprach er den Waffenherstellern, dass er ihnen politisch nicht an’s Leder gehen werden.

“Der achtjährige Angriff auf dieses Verfassungsrecht, er ist vorbei!”

(Donald Trump im Wahlkampf bei einer NRA-Veranstaltung)

Dafür erhielt er zudem die Stimmen von Millionen schiessender Mitglieder der NRA. Wenn er nun – nach dem Massaker von Parkland/Florida – fordert, die Lehrer zu bewaffnen, so würde dies ein Milliardengeschäft für die NRA bedeuten. Schliesslich geht es ja nicht nur um den Verkauf der Waffen und Munition, sondern auch um die Schiessausbildung (“Firearms Safety Training”), die ebenfalls durch die NRA angeboten wird! Umso erfreulicher ist deshalb die Aktion unterschiedlichster US-amerikanischer Firmen, Vergünstigungen für Mitglieder der NRA zu streichen – vom Versicherungskonzern MetLife, über den Autoverleiher Hertz, verschiedene Hotelketten bis hin zum Internet-Riesen Symantec. Die First National Bank des US-Bundesstaates Omaha liess ebenso vermelden, dass ab sofort die NRA-Kreditkarte nicht mehr über ihre Filialen vertrieben werden soll.
Folgend nun einige Vorfälle mit anschliessendem Gerichtsverfahren – das jedoch zumeist nichts einbrachte:

.) Colfax-Massaker 1873
Im Rahmen der Gouverneurswahlen von Louisiana massakrierten die Rassisten der dem Ku-Klux-Klan nahestehenden Gruppierung White League nicht weniger als 100 Afro-Amerikaner. Der Anführer Cruikshank und weitere Beteiligte wurden wegen 32 Verstösse angeklagt. So u.a., weil sie den Ermordeten das Recht auf Waffenbesitz verwehrten, selbst jedoch Waffen besassen. Nachdem sich der Supreme Court mit dem Fall befasste, wurde dieser Anklagepunkt durch einen Enforcement Act fallengelassen und das Urteil gegen den Ku-Klux-Klan wegen Einschränkung der Grundrechte aufgehoben. Zudem habe es das Recht auf Waffenbesitz bereits vor der Verfassung gegeben – auch hier gingen die Mörder unverurteilt von der Anklagebank. Der Staat Louisiana musste somit das ausgesprochene Verbot des Waffenbesitzes gegen die White League zurücknehmen, da es nur dem Kongress erlaubt sei, derartige Einschränkungen zu tätigen.

.) Die Presser-Parade 1879
Hermann Presser war der Anführer der als Miliz bezeichneten deutschsprachigen Bürgergruppierung “Lehr und Wehr Verein”. Am 24. September 1879 zog er mit 400 bewaffneten Männern im Rahmen einer Parade durch die Strassen von Chicago. Der Staat Illinois verfügte daraufhin ein Waffenverbot, das jedoch durch den Supreme Court mit Hinweis auf das Cruikshank-Urteil wieder aufgehoben wurde. Zudem sei dies eine Miliz gewesen, die nach dem 2. Zusatzartikel bewaffnet sein darf, da diese jederzeit vom Gouverneur zur Sicherstellung der öffentlichen Sicherheit beauftragt werden können.

.) Miller’s Flinte 1939
Die wegen Bankraubes verdächtigten und deshalb durch die Polizei observierten Jack Miller und Frank Layton wurden beim Überschreiten des Bundesstaatengrenze festgenommen, da bei der Durchsuchung des Fahrzeuges eine abgesägte Schrotflinte vorgefunden wurde. Diese war nach dem National Firearms Act meldepflichtig. Miller klagte gegen die Festnahme, da er einen Widerspruch des entsprechenden Gesetzes mit dem 2. Zusatzartikel ortete. In der ersten Instanz bekam er sogar noch recht. Auf Anweisung des damaligen Justizminsters nahm sich der Supreme Corut der Sache an. Er urteilte, dass der 2. Zusatzartikel nur jene Waffen betrifft, die in einer Miliz eingesetzt werden (militärische Ausrüstung). Die “doppelläufige Stevens-Schrotflinte, Kaliber 12, mit einer Lauflänge von weniger als 18 inch, mit der Identifikationsnummer 76230″ habe jedoch niemals einen solchen Verwendungszweck gehabt (welch’ Schwachsinn!!!, Anm. des Schreiberlings).

.) Heller’s Schiesseisen 2008 (vorher schon kurz angesprochen)
Dick Heller war ein Sicherheitsfachmann aus Washington D.C. Er suchte um die Genehmigung an, zuhause eine Pistole aufbewahren zu dürfen. Dies aber wurde ihm nach dem “Firearms Control Regulations Act” aus dem Jahr 1975 verwehrt. Finanziell unterstützt durch das Mitglied des Cato-Institutes, Robert A. Levy, ging der Fall bis zum Supreme Court. Levy suchte nur nach einem Fall, damit er dieses Waffengesetz zum Fall bringen konnte. Der Supreme Court übrigens urteilte, wie vorhin angesprochen, mit 5 zu 4 Stimmen für die Besitzerlaubnis. Ein Verbot – wie damals in Columbia – widerspreche dem 2. Zusatzartikel der Verfassung, da die Handfeuerwaffe der Selbstverteidigung diene. Hierauf folgte eine Klagewelle gegen Waffenverbote in Bundesstaaten und Städten.

.) McDonald gegen Chicago 2010
Ganz gewieft hatte es die Stadt Chicago organisiert. In einer Verordnung aus dem Jahre 1982 wurde der Waffenbesitz nur jenen Menschen erlaubt, die im Besitz einer durch die Stadt herausgegebenen Lizenz waren. Gleichzeitig wurde aber das Erteilen der Lizenz für nahezu alle Waffenarten verboten. Dagegen klagte Otis McDonald 2008 und verlor in allen Instanzen. Nur der Supreme Court entschied für ihn. Die Begründung? Kennen Sie schon!

Nach dem Massaker an der Marjory Stoneman Douglas High School von Parkland fordert nun auch der Gouverneur des Bundesstaates Florida, Richard Lynn “Rick” Scott ein strengeres Waffengesetz. Und – hört, hört: Scott ist Republikaner! Allerdings: Bei der ersten Sitzung des Parlaments von Florida wurde nach einem Gebet für die Opfer des Schulmassakers gegen das Verbot von halbautomatischen Gewehren gestimmt! Am 24. März werden Schüler und Schülerinnen aus Parkland in Washington bei dem Protestmarsch “Marsch für unsere Leben” demonstrieren. Auch George Clooney und seine Frau unterstützen diese Aktion – mit 500.000,- US-Dollar. Ebenso übrigens wie Oprah Winfrey, Steven Spielberg und der Produzent Jeffrey Katzenberg.
Die Lehrer reagieren inzwischen auf die Forderung Trumps nach einer Bewaffnung mit der Internet-Kampagne “Bewaffnet uns – mit Büchern, Zeit und Geld” (Hashtag #ArmMeWith)! Amerikaner, wie der durch YouTube bekannt gewordene Scott Pappalardo zerstören ihre Waffen vor laufender Kamera (Hashtag #oneless – Christian Cammas, Amanda Meyer uvam.) um damit zu verhindern, dass diese Waffe bei einem Amoklauf zur Anwendung kommt. Pappalardo hat sich den 2. Zusatzartikel sogar eintätowieren lassen. Eine solche halbautomatische AR-15 verwendete übrigens der Amokläufer von Parkland.

“Es wird immer Menschen geben, die andere töten wollen und das auf irgendeine Weise machen werden. Aber sie werden es nicht mit dieser Waffe machen!”

(Scott Pappalardo)

https://www.youtube.com/watch?v=9JHqJxtr4rI

Auch andere Aktionen sollen erwähnt werden – wie etwa die “GunBuyback”-Aktion in Los Angeles oder die “Gun X Gun”-Aktion von Ian Johnstone und Eric King in San Francisco, die mit Spendengeldern Waffen aufkaufen, um sie anschliessend zu vernichten. Johnstone verlor im Alter von zehn Jahren seinen Vater. Dieser wollte Geld auf einer Bank abheben, als diese von einem 17-jährigen überfallen wurde.
Bei all diesen Diskussionen wird offenbar vergessen, dass auch John Wesley Hardi oder Billy The Kid an manchen Orten die Waffe abgeben musste. Weil sie dies nicht taten, da sie Angst hatten, wehrlos erschossen zu werden, haben Pistoleros gewisse Städte und Saloons eben gemieden. Auch vor der Hochblüte des wilden Westens waren Waffen in manchen Städten verboten.
Um Einseitigkeit zu vermeiden: Auch in Deutschland und Österreich hat jeder Bürger das Recht, eine Waffe zu besitzen. Ist er Jäger, kann er sofort nach der Jagdprüfung in’s nächste Waffengeschäft gehen. Bei den Sportschützen ist eine 12-monatige Zugehörigkeit beim Schützenverein erforderlich. Als Weder-Noch-Bürger kann ein Waffenschein oder Waffenbesitzkarte beantragt werden. Dazu wird ein gründlicher Check im Polizei- und dem Bundeszentralregister durchgeführt. Durchleuchtet werden die letzten 20 Jahre. Auch der Verfassungschutz und die Staatsanwaltschaft führen eine solche Kontrolle durch. Dann wird kontrolliert, ob ein Tresor vorhanden ist: Ein B-Schrank für Kurz- oder Faustfeuerwaffen bzw. ein A-Schrank für Gewehre. Ähnliches gilt auch für die Alpenrepublik. Übrigens: Der Waffenpass berechtigt zum Tragen einer Waffe, die Waffenbesitzkarte nur den Besitz – nicht dem Tragen. Hier müssen – etwa auf dem Weg zum Schiessstand – Waffe und Munition getrennt und nicht unmittelbar zugriffbereit im Auto (Kofferraum beispielsweise) aufbewahrt werden.
Ausgeschlossen sind Kriegswaffen, also vollautomatische Waffen wie Maschinengewehre. Auch die Polizei darf diese in Deutschland nur aufgrund einer Ausnahmegenehmigung des BKAs tragen.
Ein Gutes hat dieser Waffen-Präsident: Neben dem traditionellen Gewehr-Hersteller Remington müssen immer mehr Waffenhersteller Insolvenz anmelden. Unter Obama wurden schärfere Gesetze befürchtet – da wollte noch rasch jeder Waffen kaufen. Jetzt schreiben Smith & Wesson oder Sturm, Ruger etc. rote Zahlen. Dass sich in den USA nichts ändern wird, bekräftigte der Fraktionschef der Republikaner im Repräsentantenhaus, Paul Ryan, dieser Tage nach einem Treffen mit Schülern der Parkland High. Es habe sich bei diesem Massaker um einen “kolossalen Zusammenbruch” der örtlichen Kontrollsysteme gehandelt! Somit bleibt also nichts anderes über, als auf das nächste Massaker eines Amok-Irren zu warten, damit die Verantwortlichen nur mit Gedanken bei den Hinterbliebenen sind und ein Gebet anbieten. Und das kommt sicher, wie das “Amen” in diesen Gebeten! Traurig, aber wahr!!!

Lesetipps:

.) Das Waffenrecht in den USA: Eine Darstellung und Bewertung der Argumente der Waffenlobby sowie der aktuellen Situation; Felix Grünewald; GRIN Verlag 2014
.) Bewaffnetes Amerika: Waffenbesitzer und ihr Zuhause im Portät; Kyle Cassidy; Schwarzkopf & Schwarzkopf 2008
.) Frauen und Waffen in den USA; Lea Lorena Jerns;
Grin Verlag 2017
.) SHOT: 101 Survivors of Gun Violence in America; Kathy Shorr; powerHouse Books 2017
.) The Founders’ View On The Right To Bear Arms: A Definitive History of the Second Amendment; David Young; Golden Oak Books 2007
.) Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten; Books LLC, Reference Series 2011
.) Waffenrecht: Waffenmissbrauch, 2. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten, District of Columbia v. Heller, Waffengesetz, Schusswaffengebrauch, Jagdschein, Automatische Schusswaffe, Laseraufsatz, Waffenpass, Waffenbesitzkarte; General Books LLC 2011
.) Ohne Gnade – Polizeigewalt und Justizwillkür in den USA; Bryan Stevenson, Piper-Verlag 2016
.) Waffenrecht: Waffengesetz, Beschussgesetz, Sprengstoffgesetz, Gesetz über die Kontrolle von Kriegswaffen und Durchführungsvorschriften; dtv Verlagsgesellschaft 2015
.) Waffengesetz; Reto Sutter / Nicolas Facincani; STÄMPFLI VERLAG AG 2017

Links:

- www.atf.gov
- www.americanet.de/
- oag.ca.gov/firearm
- usa.usembassy.de/etexts/gov/gov-constitutiond.pdf
- www.foundingfathers.info
- www.fwr.de/home/
- aagunv.org
- wagv.org
- www.cagv.org
- www.ricagv.or
. home.nra.org
- www.guns.com/
- handgunlaw.us/

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