Archive for April, 2018

Burn out – wenn Stress krank macht

“Ein Mensch sagt – und ist stolz darauf – er geh´ in seinen Pflichten auf.
Bald aber, nicht mehr ganz so munter, geht er in seinen Pflichten unter.”

(Eugen Roth)

Psychische Erkrankungen haben in unseren Gesellschaft leider nach wie vor noch nicht den Stellenwert, der ihnen zusteht. Ist ein Mensch psychisch krank, kann dies nicht unmittelbar von einem Mediziner festgestellt werden, da er unter Zuhilfenahme von CT, MRT etc. nichts erkennen kann. Erst später kommen dann auch die körperlichen Auswirkungen zur Geltung, dann aber ist es in den meisten Fällen bereits zu spät – der Betroffene trägt bleibende Schäden davon. Deshalb ist es gerade bei psychischen Erkrankungen umso wichtiger, die ersten Anzeichen zu erkennen, damit entsprechende therapeutische Schritte gesetzt werden können. Auch wenn diese Anzeichen bei einem Nicht-Workaholic auftreten, ist höchste Vorsicht geboten und psychisch/ medizinischer Beistand empfehlenswert. Denn inzwischen ist bekannt, dass nicht nur ein grosses Arbeitspensum krank macht. Und mal ehrlich: Wenn die meisten Arbeitgeber grossen Wert auf eine ausgeglichene Work-Life-Balance legen, dann geschieht dies meist für teure Fachkräfte, die der Chef nicht der Konkurrenz gönnen möchte. Alle anderen müssen sich auf ihre Art durchkämpfen.

https://www.youtube.com/watch?v=MhF41zzy2RE

Burn-Out ist leider kein Schlagwort mehr, sondern immer mehr im Kommen. Gerade bei der an sich gesunden und zufriedenen 50+-Generation, aber auch – wie Umfragen immer mehr beweisen – in der Gruppe der 30 bis 49-jährigen. Inter Burn-out versteht man einen tiefen körperlichen und psychischen Erschöpfungszustand. Jeder 5. Österreicher klagt über erste Anzeichen von Erschöpfung. Schätzungen gehen sogar davon aus, dass tatsächlich jeder zehnte Erwerbstätige unter dem Burn-out leidet, Tendenz steigend aufgrund des stets wachsenden Leistungs-drucks. Weitere 30 % gelten als gefährdet. Auch Schüler können unter Umständen davon betroffen sein. Nach Berechnungen des Wissen-schaftlichen Instituts der deutschen AOK sind seit 2004 die Burnotu-Fehltage um nahezu das Neunfache auf 1,8 Mio angestiegen. Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz sprach bereits 2010 von jährlichen volkswirtschaftlichen Folgekosten des Burn-outs in der Höhe von nicht weniger als 20 Milliarden Euro europaweit.
Ursprünglich stecken zahlreiche Gründe dahinter, wie der Psychiater und Chefarzt der Schloss Park Klinik Dirmstein/Pfalz, Thorsten Bracher, zu berichten weiss: Die Angst, den technischen Voraussetzungen im Job nicht mehr Folge leisten zu können, die ständige Erreichbarkeit oder etwa die Angst vor einer Kündigung. Gerade letzteres ist bei 50+ umso schwerwiegender, sind doch jene Arbeitskräfte nurmehr sehr schwer zu vermitteln. Eine Kündigung bedautet in den meisten Fällen den sozialen Abstieg. Auch wenn es die Regierungen in Deutschland und Österreich nicht wahrhaben wollen und das Pensionsalter auf 67 Jahre hinaufsetzen. Zu den Wechseljahren der Frau, aber auch zur Frage des Mannes, ob das denn schon alles im Leben gewesen sei (Midlife Crises) kommen also noch existentielle Ängste hinzu. Das verursacht grossen Stress, der die Reserven schon innerhalb kürzester Zeit aufgebraucht hat. Körper und Geist wirken ausgebrannt, es mangelt an Motivation. Auch wenn sich das ein 30- oder 40-Jähriger nicht vorstellen kann – es geht sehr rasch! Klar trifft dies in erster Linie jene Menschen, die einem hohen Druck aufgrund grosser Erwartungshaltung standhalten müssen. Risikofaktoren sind deshalb ausgerechnet jene Eigenschaften, die den Angestellten als einen für das Unternehmen wertvollen Mitarbeiter auszeichnen: Die Identifizierung mit den beruflichen Aufgaben und das besondere Engagement. Dennoch trifft es auch die anderen: Arbeitslose, pflegende Angehörige oder Mitglieder einer nicht rund laufenden Familie (Beziehungsstreit etwa).
Sobald das Abschalten während der Erholungsphasen nicht mehr funktioniert, sinkt die Leistungsfähigkeit, der Antrieb fehlt, eine innere Unruhe geistert durch den Körper – die Nächte werden schlaflos. Nach einiger Zeit folgen die korperlichen Erscheinungsformen wie Rücken- oder Magenschmerzen, Verdauungsstörungen, Sodbrennen oder beispielsweise auch der Tinnitus. Durch den Dauerstress wird das Immunsystem angegriffen, sodass der Patient anfälliger für Infekte wird.
Sepp Porta von der Universität Graz entwickelte mit dem “Clinic Strees Assessment” (CSA) eine Methode zur Messung des Stresses. Dabei unterscheidet er zwischen dem “Positiven Stress” (Eustress), der für die Leistungsfähigkeit und die Spannkraft verantwortlich zeichnet. Und dem “Negativen Stress” (Distress), der den Körper im Sprintzustand, also auf Hochtouren laufen lässt. Beide Stressarten werden über den Hypothalamus im Gehirn und das Limbische System gesteuert. Stress bewirkt einen biochemischen Zustand, bei dem vermehrt Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol ausgeschüttet wird. Durch die erhöhte Adrenalinproduktion läuft der Zuckerstoffwechsel auf hohem Niveau. Das wiederum steigert den Milchsäuregehalt im Blut – es wird sauer. Der Körper reagiert nun gegenwirkend um durch stärkere Atmung mehr der gasförmigen Säure loszuwerden. Dadurch aber wird auch mehr Wasserdampf ausgeatmet. Das wiederum führt zu einer Verdickung des Blutes. Aufgrund des höheren Energieverbrauchs nimmt das Gewebe mehr Kalzium auf, das sich in den Knochen ablagert und im Extremfall zu Osteoporose führen kann. Einher geht alsdann ein erhöhter Magnesiumverbrauch. Das beeinflusst den Mineralstoffhaushalt des Körpers negativ. Diese eklatanten Veränderungen im biochemischen Haushalt können gemessen werden. Erfolgt hier nicht sehr bald eine Wiederherstellung der Balance, beschränkt sich der Körper auf die Versorgung der wichtigsten Organe, wie Herz, Hirn, Leber und Niere um einen Exodus hinauszuzögern. Das alles geht dann auf Kosten der anderen Körperfunktionen.
Mag. Regina Nicham, die Leiterin der Arbeitspsychologie in der IBG Innovatives Betriebliches Gesundheitsmanagement GmbH. stellt hier folgende Fragen, die jeder für sich selbst beantworten soll:
- Ich finde es oft schwierig, abzuschalten.
- Ich ziehe mich vermehrt zurück.
- Ich nehme oft Arbeitsprobleme mit in meine Freizeit.
- Ich empfinde oft starken Widerwillen gegen meine Arbeit.
- Ich habe den Spaß an den meisten Dingen verloren.
- Ich leide unter Konzentrationsschwäche und Vergesslichkeit.
- Ich erreiche mit immer mehr Energie immer weniger.
- Ich brauche sehr viel Zeit, um mich zu erholen.
- Ich fühle mich ausgelaugt und kraftlos.
- Ich fühle mich seit mehr als sechs Monaten erschöpft.
Die Antworten können erste Hinweise geben, ob Sie sich intensiver mit dem Thema befassen und vielleicht gar weitere Tests absolvieren sollten.
Der klinische Psychologe und Psychoanaltytiker Herbert J. Freudenberger machte als erster im Jahre 1974 entsprechende Beobachtungen. So fiel ihm selbst auf, dass ihm der Job nicht mehr so viel Freude bereitete wie früher und er zunehmend müder wurde. Derart sensibilisiert beobachtete er auch seine Arbeitskollegen und -innen. Sie wurden zusehends missmutiger, zynischer und behandelten Patienten lieblos und abweisend. Während seiner ehrenamtlichen Arbeit in einer US-amerikanischen Free Clinic, die Patienten in Anspruch nehmen können, die sich ansonsten keine medizinische Hilfe leisten können, entdeckte er noch wesentlich mehr dieser Fälle: Schlaflosigkeit, Konzentrations-schwierigkeiten, Niedergeschlagenheit, Stimmungsschwankungen. Davon betroffen waren vornehmlich Personen, die mit anderen Menschen arbeiten: Lehrer, Pflegerinnen, Ärzte; pflegende Angehörige aber auch Mitarbeiter des mittleren Managements, da sie versuchen, den Untergebenen, aber auch ihren eigenen Vorgesetzten entgegen zu kommen. Diese Beobachtungen veröffentlichte Freudenberger in seinem Buch “Staff Burn-Out”. Er und seine Kollegen/innen gingen damals noch von den stressbezogenenen Faktoren als Ursache aus. Dabei unterscheidet er zwischen 12 unterschiedlichen Phasen (siehe am Ende des Blogs), die bei jedem jedoch unterschiedlich auftreten können, wie etwa übertriebener Drang des Sich-beweisen müssens, extremer Leistungsdruck, Vernachlässigung persönlicher Bedürfnisse und sozialer Kontakte etc.
In der “Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten” (ICD-10-GM-2018) ist das Burn-out im Kapitel “Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung” (Z73) zu finden – es gilt also eindeutig als psychischer Zustand – nicht jedoch als eine Krankheit. Ich verwende dennoch in weiterer Folge das Wort “Erkrankung” zur Charakterisierung. Burn-out beschreibt an sich auch dieses Fehlverhalten: Ausgebrannt, innerlich leer. Auslösende Faktoren sind Kontrollverlust, Macht- und Sinnlosigkeit, aber auch Mobbing. Die Frühsymptome sind zumeist komplett unauffällig. Der Krankheitsverlauf zeigt sich undifferenziert. So listet Matthias Burisch von der Universität Hamburg in seinem Buch “Das Burnout-Syndrom. Theorie der inneren Erschöpfung” nicht weniger als 130 Symptome auf: Apathie, Depression, Depersonalisierung oder Frustration, um nur wenige zu nennen. Jeder Patient zeigt dies anders vor.
Neben den bereits bekannten “exogenen Faktoren” (wie ständiger Arbeitsstress, Termin- oder Leistungsdruck) kann auch die Eigenschaft des Perfektionismus ursächlicher Faktor sein oder man ist außer Stande, Abgrenzungen zwischen belastenden und unbelastenden Phasen setzen zu können (Abschalten). Beschrieben wird der Zustand als “Zustand der totalen Erschöpfung”.
Detaillierter hingegen beschreibt es die Sozialpsychologin Christina Maslach von der University of California. Sie entwickelte gemeinsam mit Susan E. Jackson 1981 das sog. “Maslach Burnout Inventory (MBI)” als Messinstrument zur Erfassung des Burn-out-Syndroms. Die Antworten des Patienten auf 22 Fragen nach Intensität und Häufigkeit dienen der Zuordnung des Burn-outs! Sie unterscheidet dabei zwischen drei Erkrankungsdimensionen:
- eine überwältigende Erschöpfung, da sowohl körperliche als auch psychische Ressourcen aufgebraucht wurden
- Distanziertheit von der beruflichen Aufgabe und Zynismus anderen gegenüber (Depersonalisierung)
- Wirkungslosigkeit und nurmehr geringe Leistungsfähigkeit (persönliche Ineffektivität)
Diese Testdiagnostik wurde durch das “Trierer Inventar” und das “Copenhagen Burnout Inventory” leicht modifiziert.
Eine andere Testsituation bietet der “Fragebogen zur Erfassung beruflicher Gratifikationskrisen” (Effort-reward-imbalance Model, kurz ERI) von Johannes Siegrist. Durch ihn sollen die Ursachen des Burn-outs ausfindig gemacht werden. Dabei muss der Patient Fragen wie etwa “Ich habe permanenten Zeitdruck”, “Ich werde bei der Arbeit häufig gestört.” oder auch “Ich werde von meinen Vorgesetzten nicht mit dem nötigen Respekt behandelt.” beantworten. Aufgrund des Ungleichgewichtes zwischen “Effort” (Anstrengung) und Reward” (Belohnung) werden Schlüsse auf die Verausgabungsneigung als unabhängiger Einflussfaktor gezogen. Dieser ERI-Fragebogen ist inzwischen ein anerkanntes Mittel im Bereich des Arbeitsschutzes, wodurch zudem innerbetriebliche strukturelle Massnahmen abgeleitet werden können.
Und dann gibt es noch das 1979 vom US-amerikanischen Soziologen Robert A. Karasek entwickelte “Anforderungs-Kontroll-Modell”. Er unterscheidet zwischen
- dem Ausmaß an Anforderungen und
- dem Ausmaß an Kontrolle
Das grösste Risiko besteht im Ungleichgewicht zwischen hoher Anforderung bei Arbeitsverdichtung und niedriger Kontrolle oder Entscheidungsbefugnis, bei sog. “High strain jobs”. Somit gehören beispielsweise Fliessbandarbeiter, Verkäufer bzw. Call Center-Angestellte zur gefährdetsten Burn-out-Zielgruppe. Wird nun dieses Ungleichgewicht dadurch ausgeglichen, dass die eigene Kontroll- oder Entscheidungs-möglichkeit erhöht wird, so nimmt auch das Erkrankungsrisiko ab.
Erwähnt seien hier der Vollständigkeit noch die weiteren Tests:
.) Oldenburger Burnout Inventar (OLBI, 2006) – 16 Fragen, Online-Test (engl., erstellt für Ärzte)
.) Hamburger Burnout Inventory (HBI, 2006) – 40 Fragen, 10 Skalen

https://www.youtube.com/watch?v=699iMFcQfAo

Burn-Out bedeutet nach ICD keine Berufsunfähigkeit und muss deshalb klar von Erkrankungen wie etwa der Neurasthenie, Panikattacke und Depressions-Ermüdung abgegrenzt werden. Nicht selten versucht der Burn-out-Patient mit Überreaktionen über die Erkrankung hinweg zu kommen. Das kann die Sexualität, das Essen, den Alkohol oder auch Drogen betreffen.
In Deutschland muss seit 2013 nach § 5 Abs. 3 Nr. 6 des Arbeitsschutz-gesetzes (in Österreich ASchG § 4 Abs. 1) bzw. nach der Bild-schirmarbeitsverordnung eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen als Eigenschaft des Arbeitsplatzes angelegt werden. Eine solche Beurteilung erfolgt genormt nach EN ISO 10075. Der Arbeitgeber muss sich alsdann dazu verpflichten, durch entsprechende Präventions-massnahmen sicherzustellen, dass der Arbeitnehmer durch die mit dem Arbeitsplatz verbundenen Belastungen keine gesundheitlichen Schäden davonträgt. Wichtig in diesem Zusammenhang sind Unterstützung und Wertschätzung durch Kollegen und Vorgesetzten. Jeder Einzelne kann auch selbst vorbeugen, indem er sich genügend Zeit für sich selbst nimmt um in der Freizeit Aktivitäten wie etwa Sport umzusetzen. Auch Supervision kann hilfreich sein.

“Ich habe gelernt, auch einmal Nein zu sagen, und versuche, mich mit Menschen zu umgeben, die mir guttun.”
(Alexander Pointner, ehemaliger ÖSV-Cheftrainer)

Ist es dennoch geschehen, so gilt: Je früher erkannt, desto einfacher zu behandeln. Standardlösungen durch eine einheitliche Therapierungs-möglichkeit gibt es nicht. Dem einen hilft eine Auszeit im Kloster (Retreat), andere nutzen Sport, Yoga, Feldenkrais, Meditation, autogenes Training, Tai-Chi, Qigong oder Progressive Muskelentspannung. Zuerst müssen jedoch alle anderen Folgeerscheinungen wie körperliche Gebrechen entsprechend versorgt und der Körper wieder in Schwung gebracht werden. Einige konzentrieren sich hierbei durch die Zugabe von Mikronährstoffen (etwa Quercetin, aber auch Vitamine, Mineralien, Spurenelemente, das Coenzym Q10, L-Carnitin etc.) auf die kleinen Kraftwerken in den Zellen, die Mitochondrien. Dann erst kann das eigentliche Krankheitsbild behandelt werden. Fakt ist, dass der Patient Erfolgserlebnisse benötigt, die seinen Zufriedenheitsfaktor steigern. Zudem müssen Belastungsgrenzen eingerichtet werden, die nicht überschritten werden dürfen. Nach jeder Belastung sollte eine Ruhephase folgen. Hierzu müssen Entspannungstechniken und Bewältigungs-strategien erlernt und Zeitmanagement (Rhythmisierung des Alltags – kein Multitasking mehr!) gelernt werden. Auch wichtig während dieser Zeit ist die Unterstützung durch andere Menschen – soziale Kontakte ausserhalb des Berufes. Andere Betroffene machen einen kompletten Schlussstrich und steigen aus, der Investment-Banker etwa, der auf einer Almhütte ohne Handy, Computer oder Auto lebt.
Burn-out ist heilbar! Über 90 Prozent sind wieder in das Berufsleben zurückgekehrt. Mancher durch einen Neubeginn, andere in das alte Leben. Nur muss der Betroffene lernen, ehrlich gegenüber sich selbst zu sein! Dadurch wirkt er dem Syndrom mittels Schutzmechanismen entgegen. Ansonsten kann es recht leicht zum Rückfall kommen.

Info-Box:
Die 12 Stadien des Burn-outs nach Herbert J. Freudenberger:
- Der Zwang, sich zu beweisen
- Verstärkter Einsatz
- Vernachlässigung eigener Bedürfnisse
- Verdrängung von Konflikten
- Umdeutung von Werten
- Verleugnung der auftretenden Probleme
- Rückzug
- Offensichtliche Verhaltensänderungen
- Depersonalisierung
- Innere Leere
- Depression
- Völlige Burn-Out-Syndrom Erschöpfung
(Diese Stadien laufen bei jedem unregelmässig, teilweise auch parallel zueinander ab)

Lesetipps:

.) Stress verstehen – Burnout besiegen; S. Porta/M. Hlatky; Verlagshaus der Ärzte 2009
.) Burnout und Achtsamkeit; M. E. Harrer; Klett-Cotta Verlag 2013
.) Burnoutprävention im Berufsfeld Soziale Arbeit; Irmhild Poulsen; VS Verlag 2009
.) Burnout bei Frauen. Über das Gefühl des Ausgebranntseins; Herbert Freudenberger/Gail North; Fischer-Taschenbuch-Verlag 2008
.) Burn-out praxisnah; Ferdinand Jäggi; Thieme Verlag 2008
.) Das Burnout-Syndrom: Theorie der inneren Erschöpfung; M. Burisch; Springer 2006
.) Leistung und Erschöpfung. Burnout in der Wettbewerbsgesellschaft; Hrsg: Sieghard Neckel/Greta Wagner; Suhrkamp 2013
.) Differentialdiagnostik des Burnout-Syndroms; Dieter Korczak u. a.; Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information 2010
.) Healthy work, stress, productivity, and the construction of the working life; R. A. Karasek/T. Theorell; Basis Books 1990
.) Trierer Inventar zum chronischen Stress; Peter Schulz/Wolff Schlotz/Peter Becker; Hogrefe Verlag 2004
.) Job Demands, Job Decision Latitude, and Mental Strain: Implications for Job Redesign; Robert A. Karasek Jr.; Administrative Science Quarterly Vol. 24, No. 2 1979
.) Ist die Burnout-Forschung ausgebrannt? Analyse und Kritik der internationalen Burnout-Forschung; Ina Rösing; Asanger Verlag 2003
.) Subjektivierung von Arbeit: Freiwillige Selbstausbeutung. Ein Erklärungsmodell für die Verausgabungsbereitschaft von Hochqualifizierten; Jeanette Moosbrugger; Springer Verlag 2012

Links:

- www.dgppn.de
- www.burnout.at
- www.lebenswertearbeitswelt.at
- www.plattform-burnout.at
- www.psychosozialeberatungwien.at
- www.telefonseelsorge.at
- www.wienerpsychotherapeut.at
- www.gesundheit.gv.at
– www.psyonline.at/
- alleszuviel.at
- www.aktivgegenburnout.net
- api.or.at
- www.hilfe-bei-burnout.de
- www.betriebsgesundheitsmanagement.com
- www.promente-v.at
- www.leben-ohne-burnout.de
- www.oevs.or.at
- www.health-consult.at
- www.burnoutzentrumbonn.de
- www.ibg.co.at

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Schon längst Teil des Establishments


“Pöbel bleibt Pöbel, auch wenn junge Gesichter darunter sind. Intoleranz und Terror, ob sie von links kommen oder von rechts, dürfen die Freiheit nicht benutzen, um sie zu zerstören.”

(Willy Brandt)

Wir schreiben das Jahr 2018! Der Kommunismus hat sich selbst überwunden und zu Grabe getragen, der Kapitalismus blüht in seiner vollsten Pracht. Die westliche Welt lebt auf Kosten der Entwicklungsländer im alles verschlingenden Wohlstand. Ein Jeder versucht sich selbst durch’s Leben zu schlagen. Die Einen schaffen es mit reichlich Rückenwind, die anderen gehen unter. Vom vielversprochenen sozialen Netz scheint nicht mehr viel übrig zu sein. Die Schere zwischen arm und reich klafft immer weiter auseinander. Der Zugang zur Bildung orientiert sich zunehmend am sozialen Stand. Die ersten Wirtschafts- und Finanzkrisen liessen Millionen Menschen von einem auf den anderen Tag verarmen. Viele jener Menschen, die in den 40ern und 50ern wie die Trümmerfrauen Europa nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufbauten, müssen heute – sofern sie noch leben – Flaschen sammeln, damit sie sich vom Pfand Nahrung kaufen können. Es gibt unzählige Parallelen in der Geschichte. Die Chronobiologie spricht hierbei vom grossen “O” – alles wiederholt sich und kommt irgendwann wieder. Dazu müssen wir gar nicht mal so weit zurückgehen.
Neben Donald Trump, AfD und Syrien ist DAS große Thema in diesem Jahr 2018 das Jubiläum “50 Jahre 68er Generation”. Vor genau einem halben Jahrhundert brannte es in Europa – lichterloh! Die Älteren unter Ihnen können sich sicherlich noch daran erinnern, manche standen sogar in den Demos ganz vorne, andere warfen Steine, sangen Lieder, rauchten Hasch, versuchten sich in der sexuellen Befreiung oder revoltierten auf ihre Art. Die Jüngeren aber können mit dem Begriff der “68er” rein gar nichts anfangen. Was war damals los? Was brachten uns die Unruhen der Studentenbewegung? Was wurde aus den Rädelsführern damaliger Tage?

https://momentedergeschichte.zdf.de/clip/537

Als am 11. April 1968 Schüsse vor dem SDS-Büro am Berliner Kurfürstendamm durch die Luft peitschten, wusste wohl jeder, dass all das, was in den Wochen zuvor stattfand und in den Jahren danach folgen sollte, sehr viele Opfer kosten wird und nicht nur Deutschland in zwei Lager teilen sollte. Ein junger Hilfsarbeiter hatte drei Schüsse auf den Rädelsführer der Studentenproteste, Rudi Dutschke, abgefeuert. Zwei davon trafen ihn in den Kopf, einer in die Schulter. An den Folgen dieser schweren Hirnverletzung starb Alfred Willi Rudolf “Rudi” Dutschke elf Jahre später im dänischen Aarhus (ein epileptischer Anfall an Heiligabend). Der Marxist und politische Aktivist aber war nicht das einzige Opfer, doch neben Ohnesorg das wohl prominenteste dieser Zeit. Dazu mehr etwas später.
Ein kluger Kopf meinte einst, dass die meisten Revolutionen damit beginnen, dass die Bevölkerung nichts mehr zu essen hat. Die meisten Revolten aber finden ihren Anfang in den geheiligten Hallen so mancher Alma Mater – auf den Universitäten. In den 60er Jahren des vorherigen Jahrhunderts wurden nahezu täglich Protestkundgebungen abgehalten: Befreiung der Sexualität, Emanzipation, kapitalistische Ausbeutung, Vietnamkrieg etc. Viele Studenten dieses Jahrzehnts verbrachten mehr Zeit demonstrierend auf den Straßen als in den Hörsälen oder Seminarräumen. Hotspot dabei war Berlin, wo ein Wall die Bevölkerung der Ostzone vor den kapitaistischen Ausbeutern schützen sollte; in Wahrheit sollte die dortige Bevölkerung an der Flucht in den Westen gehindert werden. Die Mauer war kurz vorher hochgezogen worden und teilte Deutschland, trennte Bundesländer, Städte, Gemeinden und Familien. Doch gingen die Proteste nicht etwa vom letzten verbliebenen Rest der Rechten aus, sondern wurden vornehmlich durch die Neuen Linken angeführt und vom Osten nach Leibeskräften unterstützt um dadurch Unordnung im wirtschaftlich wesentlich besser laufenden Westteil, der Bunderepublik zu stiften. Nicht Ideologisch! Den ideologischen Hintergrund bildete der Neomarxismus der sog. “Frankfurter Schule” (Horkheimer, Adorno, Marcuse,…) und damit die Abspaltung der Neuen Linken vom Realsozialismus und der Sozialdemokratie. Es sollte Kritik an der Gesellschaftspolitik der jungen Bundesrepublik geübt werden. Als Vorbild dienten die Proteste der Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner und der Students for a Democratic Society in den USA sowie die intellektuellen Kreise und Zirkel bzw. die Neuen Linken in Frankreich und Großbritannien. Die Nebenschauplätze in deutschen Landen waren die Hochschul- und Bildungsreform sowie der immer grösser werdende Machteinfluss des Axel Springer Verlages. Gefordert wurde u.a. eine Entnazifizierung und ein klares Nein zu rechts.

http://www.ardmediathek.de/tv/Comedy/Die-verr%C3%BCckten-68er-Ein-Jahr-stellt-di/WDR-Fernsehen/Video?bcastId=15355648&documentId=51643746

Die bekanntesten Demonstrationen bis zum Jahre 1967 waren die Ostermärsche der Rüstungsgegner ab 1958, die Schwabinger Krawalle 1962 (Proteste gegen das Verbot von Strassenmusikanten in Schwabing) und die Subversive Aktion (ab dem Jahr 1962). Organisiert wurden viele dieser Aktionen durch den Sozialistischen Deutschen Studentenbund SDS. Dieser wehrte sich gegen die Verjährung der Kriegsverbrechen der Nationalsozialisten – so auch mit der Ausstellung “Ungesühnte Nazijustiz” einiger Berliner FU-Studenten. Kurze Zeit später schloss die SPD die Initiatoren aus der Partei aus. Der SDS aber organisierte auch weiterhin Kundgebungen – dabei ging es teils ziemlich ruppig vonstatten. Mit dem ersten Todesopfer nahm die Bewegung aber eine traurige Wende. Im Rahmen einer friedlichen Demo gegen das blutige Regime des Schahs Reza Pahlavi im Iran wurde am 2. Juni 1967 der Student Benno Ohnesorg hinter der Deutschen Oper in West-Berlin erschossen. Die sog. “Jubelperser” (Angehörige des iranischen Geheimdienstes) sind mit Eisen-stangen und Knüppeln auf die Demonstrierenden losgegangen. Die Polizei löste die Rauferei auf, dabei kam es zu dem tödlichen Schuss aus der Waffe des Polizisten Karl-Heinz Kurras, eines – wie ebenfalls inzwischen bekannt ist – inoffiziellen Mitarbeiters der Stasi. Die Polizei und Stadtregierung Berlins sprachen offiziell von “Erschiessung in Notwehr”. Dies kann allerdings aus heutiger Sicht ausgeschlossen werden – er war absichtlich und somit vorsätzlich. Für die Jungen Linken war es eine “faschistoiden Verschwörung des Senats” und “geplanter Mord”.

“Ulbrichts Bürokraten-Regime erschießt Menschen an der Mauer. Albertz’ Polizei-Regime unterdrückt jetzt die ernsthafte politische Opposition gegen seine Politik, die Westberlin den Ruin bringt, durch MORD!!!”
(Humanistische Studentenunion)

Aus einzelnen Hotspots wurde plötzlich ein grossflächiger Brand! Bundesweit protestierten die Kommilitonen gegen den vermeintlichen Aggressor: Die Grosse Koalition in Bonn. Dadurch sollte eine “Ausserparlamentarische Opposition” (APO) gebildet werden. Die Stasi hatte also gute Arbeit abgeliefert. Ab sofort wurden die Demos radikalisiert. Steine flogen gegen Polizisten, Knüppel schlugen auf Demonstranten ein. Viele kleinere Gruppen wie etwa der “Zentralrat der umherschweifenden Haschrebellen” zogen von Demonstration zu Demonstration und agitierten, wiegelten die Linien gegeneinander auf. Parallel dazu wurden vermehrt akademische Feiern gecrasht (wie die Rektoratsübergabe in Hamburg 1967 oder die Rektoratsfeier im selben Jahr in München). Als am 17. und 18. Februar 1968 Rudi Dutschke als Gastredner auf dem Vietnamkongress der TU Berlin sein Konzept der “provokativen direkten Aktion und begrenzten Regelverletzung” vorstellte, sprachen viele der 15.000 Anwesenden vom Beginn der Revolution. Dutschke liess erstmals von sich aufhorchen, als er nach dem Tod von Ohnesorg aufgrund der Berichterstattung die Enteignung des Springer-Verlages in Berlin forderte. In seiner Person sind sich auch heute viele uneins: War er der Studentenanführer, der Sozialist, der Demonstrant oder war er bereits einen Schritt weiter: Der erste Terrorist, der Erfinder der Stadtguerilla, wie es der Sozialwissenschaftler Wolfgang Kraushaar bezeichnet, der bereits Sprengstoffattentate plante und kurz vor dem Abtauchen war. Dutschke floh kurz vor dem Mauerbau nach Westberlin, nachdem er im Osten aufgrund seiner Wehrdienst-verweigerung praktisch stets mit einem Fuss im Stasi-Gefängnis stand. Hochintelligent und rhetorisch perfekt wusste er die Massen zu begeistern. Am 11. April 1968 schliesslich schoss der Hilfsarbeiter und Neonazi Josef Bachmann dreimal auf den Anführer der Studentenrevolte. Dutschke überlebte zwar, wurde aber schwer verletzt. Er musste mühsam und langwierig wieder sprechen und gehen lernen. Dem Ganzen voraus ging eine eindeutige Berichterstattung der Springer-Zeitungen mit etwa dem Titel “Stoppt den Terror der Jung-Roten jetzt!” am 07. Februar in der Bild-Zeitung. In der National-Zeitung war zu lesen: “Stoppt den roten Rudi jetzt” – eine Ausgabe wurde bei Bachmann gefunden. Unzählige Strassenschlachten an den darauffolgenden Oster-Feiertagen verliefen grossteils sehr brutal und blutig. In diesem Attentat sehen die Spezialisten allerdings den Wendepunkt der 68er-Generation. Ein grosser Teil besann sich und kehrte zum parlamentarischen Reformismus zurück. Mit deren Hilfe gewann übrigens Willy Brandt 1969 die Bundestagswahlen. Andere allerdings taten sich in Kampfgruppen oder als Stadtguerillas zusammen, die sich in weiterer Folge zur Bewegung 2. Juni bzw. der Roten Armee Fraktion zusammenschlossen (siehe hierzu auch der Blog zum RAF-Terrorismus an dieser Stelle). Die Gruppierungen waren untereinander dermassen damit beschäftigt, sich die Führungsrolle anzueignen, sodass das eigentliche grosse Ziel, die Kritik am System als solches, in der Versenkung verschwand. Im Februar 1970 löste sich der SDS auf.

“Mir erschienen die Bundesrepublik, die D-Mark, die Soziale Marktwirtschaft, die Westbindung und die sozialen Sicherungssysteme als ein gut funktionierendes, plurales Gebilde, ein demokratisches, freiheitliches Land. Man musste dieses Land und seine Systeme nicht bekämpfen, schon gar nicht mit Gewalt.”

(Angela Merkel)

In Österreich präsentierten sich die 68er im Vergleich zu Deutschland wesentlich harmloser. Bereits 1965 demonstrierten Studenten an der Universität Wien gegen den Hochschulprofessor Taras Borodajkewycz, der in seinen Vorlesungen einen klaren antisemitischen Standpunkt vertrat. Auch fanden kleinere Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg und den Schah von Persien statt – allerdings nicht wirklich Nennenswertes. Nach dem Attentat auf Dutschke solidarisierten sich die österreichischen Studenten mit ihren deutschen Kommilitonen. So wurde etwa der traditionelle SP-Aufmarsch zum 1. Mai durch die Jusos gestört. Auch bei Demonstrationen gegen Werksschliessungen beteiligten sich die Studenten. Allerdings stets mit einem starken liberalen und katholischen Hintergrund – Marx stand also weniger im Mittelpunkt als bei den deutschen Nachbarn. Zudem verlief die Streitgeneration vornehmlich auf künstlerischer Ebene. Das Ganze gipfelte in der Uni-Ferkelei-Aktion am 07. Juni 1968 im Hörsaal 1 des neuen Institutsgebäudes bei dem etwa die Künstler Brus, Mühl, Weibel und Wiener durch die Zur-Schau-Stellung des Bruchs mit so vielen Tabus wie möglich zu schockieren versuchten. Das nannten sie “Kunst und Revolution”. Sehr viel mehr tat sich im Alpenstaat nicht. Die “Arena-Besetzung” fand erst 1976 statt.
Was blieb also von der 68er-Generation? Die meisten haben sich zu dem entwickelt, das sie damals bekämpft haben: Friedliche Spiesser im Rentenalter als Teil des Establishments! Viele Parolen von damals sind längst vergessen, viele in Pamphleten niedergeschriebenen Ziele niemals erreicht worden. Die Welt wurde zwar liberaler, jedoch nicht besser, der Kapitalismus noch brutaler, der Imperialismus noch grauenhafter, die Antiautorität dauerte nur kurz an, Atomwaffenlager wurden ausgebaut, Kriege toben nach wie vor. Manche Gruppierungen gehen auch heute noch den Ideen nach: Ökologie- und Frauenbewegungen etwa, Bürgerinitiativen oder pazifistische Gruppen. Auch hat sich der Antizionismus von links weiterentwickelt. Zu Zeiten des SDS stand vornehmlich der militärisch-politische Machtapparat Israels mit seinen Auseinandersetzungen gegen die Palästinenser im Mittelpunkt der Proteste. Daraus wurde zunehmend der bestehende linke Antisemitismus der Gegenwart. Einige Proponenten wechselten sogar das politische Lager und wurden rechtsextrem: Horst Mahler, Bernd Rabehl, Günter Maschke und Reinhold Oberlercher um nur die berühmtesten zu nennen.

http://tvthek.orf.at/profile/Archiv/7648449/Club-2-1968-Das-Jahr-des-Aufstandes/9614234/Club-2-1968-Das-Jahr-des-Aufstands/9614235

Daß aber die 68er die Gesellschaft tatsächlich grossflächig veränderten, diese Meinung ist wohl nur dem konservativen Lager zuzuordnen, das allerdings im selben Atemzug betont, daß die 68er versagt haben! Ein Anachronismus? So gibt so mancher Moraltheologe der katholischen Kirche den 68ern die Schuld für die derzeitige Verwahrlosung der Gesellschaft und die vielen Ehescheidungen. Deshalb einen Aufruf zur Rückkehr zu konservativen Werten und Moralvorstellungen zu starten, wie es Helmut Kohl bei seinem Amtsantritt machte oder in der jüngsten Vergangenheit der CSU-Abgeordnete Alexander Dobrindt eine “konservative Revolution” einforderte, scheint gar weit hergeholt zu sein. Die Jungen Linken der damaligen Zeit haben sich selbst ad absurdum geführt – so wurde dem SDS zuletzt von der Frauenbewegung Frauenfeindlichkeit vorgeworfen.

“Der individuelle Terror ist der Terror, der später in die individuelle despotische Herrschaft führt, aber nicht in den Sozialismus. Das war nicht unser Ziel und wird es nie sein. Wir wissen nur zu gut, was die Despotie des Kapitals ist, wir wollen sie nicht ersetzen durch Terrordespotie!”
(Rudi Dutschke)

Der RAF-Terrorismus hat sich selbst als beendet erklärt, viele der Aktivisten sind tot oder leben heute selbst als Ex-Knackis von Hartz-IV und sind alsdann vom System abhängig, das sie anno dazumals bekämpften. Aus den Revoluzzern von damals wurden Chefs, Wirtschaftsberater, angepasste Mitarbeiter – ja sogar ein Vizekanzler. Zudem gibt es die “Volksparteien” nicht mehr in diesem früheren Sinn. Die rechten, bürgerlichen und linken Flügel machen sich in jeder Partei selbst das Leben schwer. Weshalb also ausgerechnet die Rechtspopulisten die 68er bis auf’s Blut bekämpfen wollen, entbehrt jeglicher Grundlage. Schliesslich wurde nur wenig übernommen und die steinewerfenden Demonstranten von einst Rentner, die sich vor langer Zeit bereits dem System eingegliedert haben. So schrieb etwa auch der bekannte Kritiker der 68er-Bewegung, der ARD-Journalist Prof. Detlef Kleinert in einem Artikel für die österreichische Tageszeitung “Die Presse”, dass die 68er “politisch total gescheitert” seien, “… ihr Ideal einer kommunistischen Diktatur blieb Deutschland erspart.” Und wenn nun eine Werte-Diskussion angestrebt wird, da den entsprechenden Kräften von rechts offenbar die Verteidigung der deutschen Werte gegenüber der Ausländer nicht ausreicht, so stelle ich mich in vollster Überzeugung dagegen: Ich halte meine Werte sehr hoch – alle, die mich kennen, können dies bestätigen! Doch ist mir der derzeitige Zustand wesentlich lieber als jener in den 30er und 40er Jahren des vorhergehenden Jahrhunderts, als in Nazi-Deutschland jedem die Werte einiger weniger aufgezwungen wurden, die zum grössten Teil nicht mal einen geschichtlichen Hintergrund haben!!! Und dabei bin ich kein Sozialist und partout kein Marxist!

Lesetipps:

.) Die 68er Bewegung. Deutschland – Westeuropa – USA; Ingrid Gilcher-Holtey; Beck 2001
.) Achtundsechzig: Eine Bilanz; Wolfgang Kraushaar; Propyläen 2008
.) 1968 – die unverstandene Weichenstellung; Stefan Bollinger; Dietz 2008
.) Die Tagebücher: 1963-1979; Hrsg: Gretchen Klotz/ Autor: Rudi Dutschke; Kiepenheuer&Witsch 2003
.) Rudi Dutschke, Andreas Baader und die RAF; Wolfgang Kraushaar/Karin Wieland/Jan Philipp Reemtsma (Hrsg.); Hamburger Edition 2005
.) Rudi Dutschke. Revolutionär im geteilten Deutschland; Bernd Rabehl; Edition Antaios 2002
.) Der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS). Vom parteikonformen Studentenverband zum Repräsentanten der Neuen Linken; Willy Albrecht; Dietz Nachfolger 1994
.) Unser Kampf. 1968 – ein irritierter Blick zurück; Götz Aly; Fischer 2008
.) Erfahrungshunger; Michael Rutschky; Kiwi Bibliothek 2017
.) Auf dem Weg zur Zivilgesellschaft? Mythos und Realität der 60er und 70er Jahre in Ost und West; Rainer Eckert/Bernd Faulenbach; Klartext 2003
.) Time is on my Side. Konsum und Politik in der westdeutschen Jugendkultur der 60er Jahre; Detlef Siegfried; Wallstein 2006
.) Vögeln ist schön. Die Sexrevolte von 1968 und was von ihr bleibt; Ulrike Heider; Rotbuch 2014
.) Zur Entstehungsgeschichte des Marxschen ›Kapital‹; Roman Rosdolsky; Europa Verlag 1968
.) Der eindimensionale Mensch; Herbert Marcuse; Deutscher Taschenbuch Verlag 2004

Links:

- www.bpb.de
- www.fu-berlin.de
- www.kas.de
- www.zeitklicks.de
- bz.nuernberg.de
- www.hsozkult.de
- www.oesterreich100.at
- www.demokratiezentrum.org
- www.demokratiewebstatt.at
- homepage.univie.ac.at

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Gelogen und betrogen

Selten zuvor wurden dermaßen viele Menschen so skrupellos über den Tisch gezogen wie in den letzten Jahren. Doch trifft die Automobilindustrie alleine nicht die ganze Schuld. Hätte die Politik das gemacht, für das sie eigentlich da ist, wären die Amerikaner als Aufdecker von Dieselgate gar nicht notwendig gewesen. Über den Feinstaub habe ich an dieser Stelle bereits ausführlich berichtet. Heute möchte ich mich auf das zweite riesengrosse Manko konzentrieren, das Dieselmotoren derart gefährlich macht: Die Stickoxide! Das giftige NO2 beispielsweise kommt in der Natur nur in sehr geringen Konzentrationen vor – erhöhte Werte sind zumeist das Resultat von kalorischen Kraft-werken oder Dieselmotoren! In Verbindung mit Wasser entsteht aus den Stickoxiden Salpetersäure – der saure Regen, der in den 70ern und 80ern hauptverantwortlich war für das Waldsterben und die Beschädigung vornehmlich historischer Baudenkmäler! Vonseiten des deutschen Umweltbundesamtes ist zu erfahren, dass die Stickoxid-Belastung seit 1990 um 60 % zurückgegangen ist. Das bedeutet ein Minus von 1 Mio Tonnen. Dennoch: Auch heute noch trägt dies zum Ozon- und Sommer-smog bei.
Wie weit die Emission bereits fortgeschritten ist, zeigt eine Messstudie der Deutschen Umwelthilfe e.V. (“Decke auf, wo Atmen krank macht”) in all ihrer Brisanz auf: Während eines Monats wurden gemeinsam mit unzähligen freiwilligen Helfern an 559 Orten der Bundesrepublik die NO2-Werte in der Luft gemessen. Das mehr als ernüchternde Ergebnis brachte zu Tage, daß bei 89 % der Messungen die Werte über dem gesundheitlich bedenklichen Wert von 20 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Atemluft und bei 67 Messstellen sogar über dem gesetzlichen Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter liegt. Das ist erstgradig gesundheitsgefährdend – vor allem, wenn man dieser Luft ständig ausgesetzt ist. Und dennoch bewegt sich die Politik so schleppend wie nur möglich weiter. Im Juni sollen weitere 500 Messungen durchgeführt werden – derzeit geht es um die Finanzierung.

https://www.duh.de/fileadmin/user_upload/download/Projektinformation/Verkehr/Abgasalarm/Alle_Messstellen_sortiert_nach_Messergebnis_2018-03-28.pdf

Auffallend im Vergleich zur Messkarte des Deutschen Umwelt-bundesamtes ist die grössere Anzahl und die wesentlich höhere Konzentration der Problembereiche etwa im Rhein-Main- oder Ruhr-gebiet.

https://p5.focus.de/img/fotos/origs7385191/0081574302-w630-h887-o-q75-p5/20170616-nox.jpg

Die Messungen der DUH weisen zudem nach, dass starke Belastungen nicht nur in den Grossstädten sondern auch in kleineren Städten oder gar Gemeinden vorhanden sind: Alsfeld, Aschaffenburg, Wetzlar und Marburg etwa, um nur einige der angeführten zu nennen. Die DUH betont, dass die Messwerte tatsächlich noch um bis zu 10 % höher liegen – der Kälteeinbruch im Messmonat Februar führte zu diesen Schwankungen im Vergleich mit den Referenzmessungen an den offiziellen Messstellen der UBA bzw. der Interpretation von Wissenschaftlern des Schweizer Analyselabors Passam AG.
Die meisten Stickoxide (NOx) entstehen durch den Verkehr, insbesondere durch Dieselfahrzeuge, da bei den kalorischen Kraftwerken schon seit den 70er Jahren Filteranlagen eingebaut sind. Die Abgasnorm legt den Grenzwert auf 0,08 g NOx/km fest (bei Benzinern auf 0.06 g/km). Messungen der Deutschen Umwelthilfe im Rahmen deren Emissionen-Kontroll-Instituts (EKI) kamen jedoch zu einem ernüchternden Ergebnis: Euro 6-Diesel-PKW (die derzeit aktuellen) stossen im Schnitt das Fünf- bis Sechsfache davon aus. Das ist in etwa das 50-fache des NOx eines Euro 6-Benziners. Einige Modelle, wie etwa der Fiat 500 gar um das 150-fache! Diese Realemissionen sind den Kraftfahrzeug-Typisierungsstellen in Deutschland und Österreich bekannt. Dennoch wurde nichts dagegen unternommen. Stellt sich die Frage: Weshalb? Geht es wirklich nur um die Arbeitsplätze, die bei jeder Gelegenheit durch die Hersteller vorgeschoben werden oder steckt mehr dahinter!?
Seit dem Jahre 2010 gelten verbindliche Grenzwerte für Luftschadstoffe, die durch die EU vorgegeben sind (EU-Richtlinie 96/62/EG zur Beurteilung und Kontrolle der Luftqualität und die EU-Richtlinie 2008/50/EG über Luftqualität und saubere Luft in Europa). Diese liegen gar über den empfohlenen Werten der Weltgesundheitsorganisation WHO! In Deutschland wird die Richtlinie durch die “Verordnung über Luftqualitätsstandards und Emissionshöchstmengen” (39. BImSchV) umgesetzt, in Österreich durch das “Immissionsschutzgesetz Luft (IG-L)”. Während Ruß- und Feinstaubpartikel-Filter seit zehn Jahren serienmässig eingebaut werden müssen, wurde das NO2 lange Zeit ungefiltert rausgeblasen. Deshalb droht nun der EU-Umweltkommissar Karmenu Vella mit einer Klagewelle vor dem Europäischen Gerichtshof wegen der Überschreitung der Grenzwerte für Stickoxide und Feinstaub. Die Folge: Exorbitant hohe Strafzahlungen der betroffenen Mitgliedsstaaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien, Tschechien, Ungarn, Rumänien und die Slowakei nach Brüssel. Bereits im Januar erfolgte die Aufforderung Brüssels an die Mitgliedsstaaten, Lösungen zu präsentieren – Polen wurde schon verklagt und verurteilt.

“Ich werde dem Kollegium vorschlagen, Ende April mit einer Reihe dieser Fälle als Teil des nächsten Vertragsverletzungsverfahrens der Kommission fortzufahren!”
(Karmenu Vella)

Vermeidbar ist dies nurmehr durch sofortige Fahrverbote v.a. der älteren Dieselautos, aber auch neuerer Klassen. Zudem scheint die Umrüstung des öffentlichen Personennahverkehrs auf O-Busse oder Strassenbahnen als unbedingt vonnöten. Zukunftsmusik ist hingegen noch der Kaufzwang von E-Cars oder Benzin-Hybridautos von innerstädtischen Fahrzeugbesitzern. Zu hoch ist derzeit der preisliche Unterschied zu normalen Verbrennungsmotoren, da sich die umweltfreundlicheren erst nach einigen Jahren amortisieren – auch mit noch so vielen Vergünstigungen.
Entsprechend der ständigen Rechts-sprechung des Bundesverwaltungs-gerichtes können Städte jederzeit ein Dieselfahrverbot verhängen. Euro 4 und älter ab sofort, Euro 5 ab September 2019. Da nun aber Euro 6 ohne dieser NOx-Filterung mehr Abgase als die Kollegen aus der 5er-Klasse ausstossen, werden wohl viele Euro 5-Besitzer vor Gericht gehen. Dann droht ein grundsätzliches Dieselverbot in den Städten. Deshalb stimmen jetzt auch die Hersteller der blauen Dieselplakette zu! In 70 deutschen Städten wird ein derartiges Fahrverbot auch demnächst wohl der Fall sein, da in 20 davon die bislang getroffenen Gegenmassnahmen nicht fruchten.
NO2 greift v.a. die Schleimhäute und Augen an. Dadurch kann es zu Atemwegserkrankungen wie Bronchitis oder Athma, aber auch zu Herz- und Kreislauferkrankungen (Gefässverengungen, Verklumpung der Blutplättchen, Abnahme der Pumpleistung des Herzens) sowie Schädigungen der Lunge vornehmlich bei älteren Menschen, Kleinkindern und Vorerkrankten kommen. Die Studie der Universitätsklinik Jena zeigte etwa auf, dass bereits ein kurzfristiger Anstieg um 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Aussenluft und Tag das Infarktrisiko um 50 % höher werden lässt. Nach Angaben der Umwelthilfe sind jährlich 12.860 Todesfälle (EEA 2017) in Deutschland auf das Dieselabgasgift NO2 zurückzuführen Auch in Österreich sind keine anderen Zahlen zu erwarten, da im Alpenstaat die Anzahl der Dieselmotoren im Schnitt gar noch über jener des deutschen Nachbarn liegen, obgleich nach Angaben der Statistik Austria im ersten Quartal 2018 ein Rückgang von 18,6 auf einen Anteil von 41,9 % zu verzeichnen war. Zum Vergleich: In Deutschland sank der Anteil neuzugelassener Diesel-Fahrzeuge im Januar um 17,6 auf 33 % (Angaben: Kraftfahrt-Bundesamt). Hier spricht man inzwischen vom “freien Fall”!

https://www.youtube.com/watch?v=iflTF091XWo

Doch – wie bereits erwähnt – ist das nicht nur ein Problem der Gross-städte. Aschaffenburg beispielsweise liegt an einer der deutschlandweit am meisten befahrenen Autobahnen, der A3 von Würzburg nach Frankfurt. Marburg liegt an der ebenfalls stark befahrenen B3, die – wenn es nach dem Willen der Stadtregierung geht – schon sehr bald zur A 485 umgebaut werden soll. Und die Bewohner des Tiroler Unterlandes (A12) bzw. des Wipptals (A13) wissen ein Lied davon zu singen. Sie fühlen sich am Sonntag wie neu geboren. An Schwerverkehr-Fahrverbotstagen wird um 50 bis sogar 75 % weniger NO2 gemessen.
Stickstoffmonoxid (NO) entsteht während Verbrennungsprozessen bei hohen Temperaturen, wenn sich die Abgase danach rasch wieder abkühlen. G-Katalysatoren (DreiWege-Katalysatoren) wandeln dieses, ebenso wie die anderen Abgase zu Stickstoff, CO2 und Wasser um – der grosse Unterschied zu U-Katalysatoren, die Stickoxide ungefiltert abgeben. Deshalb auch die Namensgebung “DreiWege”: CO zu CO2 (Oxidation), HC zu H2O und CO2 (Oxidation), NOx zu N2 (Reduktion). Derartige Katalysatoren zählen bei Benzinern inzwischen zur Standard-Ausrüstung. Die Effektivität (Konvertierungsrate) liegt inzwischen bei über 90 %. Diesel-Motoren arbeiten allerdings mit einem Luftüberschuss, weshalb hier keine DreiWege-Kats verwendet werden können – sie benötigen einen zusätzlichen Oxidations-Kat. In Selbstzündern oder Benzinern mit Direkteinspritzung werden häufig DeNOx-Katalysatoren verwendet. Diese funktionieren jedoch nur bei schwefelarmem Treibstoff und aschefreiem Motoröl. Im Kat befinden sich Metallträger mit kleinem Querschnitt. Durch regelmässiges Aufheizen des Kats erfolgt eine Entschwefelung (Desulfatierung), wodurch Schwefelwasserstoff freigesetzt wird, das sehr streng riecht. Gerade beim Kaltstart ist dieser Kat wirkungslos. Deshalb sind in einigen Modellen V-Katalysatoren eingebaut. Dieser Voroxidations-Katalysator erhöht den CO2-Anteil der Stickoxide wodurch die Oxidation der Kohlenstoffpartikel, aber auch die Reduktion der Stickoxide erzielt wird. Im Verbund dahinter befindet sich ein Harnstoff-Katalysator und ein Oxidations-Katalysator. Im Harnstoff-Kat (SCR-Kat) nun erfolgt die tatsächliche Reduktion der Stickoxide. SCR steht für “selektive katalytische Reduktion”. Dabei wird dem Abgas Ammoniak (NH3) zugeführt. Durch die sog. “Komproportionierung” entstehen in dieser chemischen Reaktion Wasser und Stickstoff (patentiert 1974 durch die japanische Firma Kurabo Industries Ltd.). Eingesetzt wurde dieser Prozess vorerst bei kalorischen Kraftwerksanlagen, ab 2001 auch bei schweren Nutzfahrzeugen. Dabei gelangen drei unterschiedliche Arten von Kats zum Einsatz: Einerseits ein solcher mit Titandioxid, Vanadiumpentoxid und Wolframdioxid, andererseits einer mit Zeolithe. Oder auch ein weiterer mit Aktivkohle. Bei allen werden zudem Dioxine und Furane abgebaut und das elementare Quecksilber abgetrennt. Die erste Tankstelle, bei der auch Harnstoff mitgetankt werden konnte, wurde durch die OMV im Jahre 2003 ausgestattet. Knackpunkt: Der Gefrierpunkt dieser Harnstoff-Wasser-Lösung (31,8–33,2 %-Lösung) liegt bei -11,5 Grad C. Somit muss im Winter der Vorratsbehälter stets beheizt werden. Zudem müssen auch die Leitungen nach dem Abschalten der Zündung automatisch entleert werden – die Tauchpumpe im Vorratsbehälter pumpt das Harnstoffgemisch wieder in diesen zurück (revers). Chemisch betrachtet wird in einer Thermolyse Ammoniak und Isocyansäure gewonnen. Danach folgt die alles entscheidende Hydrolyse durch etwa die Standard-SCR bei Temperaturen über 350 Grad C:
4 NO + 4 NH3 + O2 –> 4 N2 + 6 H2O
Dieser Vorgang geschieht ohne Beeinflussung der motorischen Verbrennung (im Gegensatz zum Partikelfilter), wodurch der Wirkungsgrad der Diesel-Motoren erhalten bleibt. Seit dem Jahr 2004 und damit der Euro4-Abgasnorm findet diese SCR-Reinigung bei LKW-Motoren Anwendung. Je höher Drehzahl und Drehmoment des Motors, desto mehr Harnstoff wird auch verbraucht (ca. 2-8 % des eingesetzten Dieseltreibstoffes). Durch ein recht komplexes Zusammenspiel von Temperaturmessverfahren (wie u.a. der akustischen Gastemperatur-messung) mit den Einspritzdüsen soll das richtige Mischverhältnis gewährleistet werden. Sollte es dennoch zu einer Überkonzentration an Ammoniak kommen (Ammoniak-Schlupf), wird dieses im abschliessenden Oxidations-Kat wieder zu Stickstoff und Wasser abgebaut.
Erstmals bei einem PKW kam diese SCR-Abgasnachbehandlung beim Mercedes Benz E320 in den USA ab 2007 zum Einsatz, ab 2008 dann ebenfalls mit Harnstoffeinspritzung. 2009 folgte der Audi Q7 3.0 TDI “clean diesel”, etwas später dann der A4 und der Q5. Auch VW setzte diese Technik ab 2009 im Passat BlueTDI ein.
Wie Sie sich allerdings vorstellen können, ist diese Technik zwar sauber, jedoch sehr aufwendig und teuer. Deshalb setzten viele Hersteller lange Zeit noch grosse Stücke auf den NOx-Speicherkatalysator. Zudem muss regelmässig Harnstoff nachgetankt werden. Dieser Behälter befindet sich direkt neben dem Dieseltank. Im Rahmen der US-Studien 2015 wurde nun bekannt, dass Volkswagen einen Abschaltmechanismus in der Motorsteuerung installiert hatte, damit der Verbrauch dieser Harnstofflösung minimiert wird. Die Folge: Der SCR-Katalysator läuft nicht wie er sollte – die Stickoxide werden rausgeblasen. Die Software erkannte allerdings, wenn sich das Fahrzeug zum Zwecke der Testung auf einem Rollenprüfstand befand und schaltete die Harnstoffzerstäubung ein, damit die Grenzwerte eingehalten werden konnten. Selbiges wurde später auch bei anderen Marken gefunden. Seit September 2017 nun sind die Euro6-D Fahrzeuge zertifiziert. Sie verbrauchen zwar etwas mehr Treibstoff, dafür sind die Abgastemperaturen höher. Stickoxide werden nämlich erst ab 180 bis 200 Grad C durch das Ammoniak gebannt. Die Vorgänger-Modelle Euro6-C wurden deshalb in der Software upgedatet!
Es geht also auch anders: Diesel-Fahrzeuge könnten relativ sauber fahren – doch wollte das die Automobil-Industrie bei uns nicht. Dann nämlich würde offiziell, dass Diesel nicht die preisgünstigere Alternative zum Benziner ist! Die Deutsche Umwelthilfe hat seit 2005 durch mehrere Musterklagen die Möglichkeit geschaffen, dass betroffene Bürger das Recht auf saubere Luft und damit einhergehenden Massnahmen einklagen können. Die Urteile wurden 2007 durch das Bundesverwaltungsgericht und ein Jahr später durch den Europäischen Gerichtshof bestätigt. Werden also die Grenzwerte für NO2 überschritten, kann jeder, der einen Grossteil seiner Zeit im Risikogebiet verbringt, seit 2010 vor Gericht gehen. Als Nachweis gilt die Nähe zur Messstation, bei welcher die Werte gemessen wurden. In nicht weniger als 70 deutschen Städten wurde im vergangenen Jahr der Grenzwert überschritten (im Jahresmittel max. 18x für eine Stunde auf bis zu 200 Mikrogramm/Kubikmeter Luft). Am schmutzigsten sind übrigens Köln, München und Stuttgart.
Wenn also mit einer Flut von Prozessen gerechnet werden muss, stellt sich die Frage: Wieso hat die Politik noch nichts entsprechendes unternommen? Schliesslich werden die Strafgelder und Prozesskosten aus Steuergeldern bezahlt.

“Wir sollten aber nicht zulassen, dass eine führende deutsche Technik gezielt schlechtgeredet wird, nur damit bestimmte Gruppen einen Symbolerfolg verbuchen können.”
(Michale Fuchs, bis 2017 MdB für die CDU)

Immer wieder wird mit dem Wirkungsgrad der Dieselmotoren argumentiert. Es ist korrekt, dass dieser bei niedrigen Motorleistungen besser ausfällt als bei Benzinern. Dieser Vorteil ist allerdings bei höheren Leistungen (Überlandfahrten oder Autobahn) rasch dahingeschmolzen. Zudem sind Dieselfahrzeuge, wie beispielsweise SUVs, auch wesentlich schwerer als Benziner. Deshalb wurde mit allen Mitteln getrickst: Laborergebnisse bei optimalsten Bedingungen haben rein gar nichts mit den Realwerten auf der Strasse gemein; getürkte Software sorgt dafür, dass die Werte während der Messung (NEFZ) künstlich unten gehalten werden; Filter werden ein- und ausgeschaltet,… Der Experte spricht hierbei von “cycle beating”, das durch die Verordnung (EG) 715/2007 eigentlich verboten ist. Somit entsprechen bei den NOx die Testwerte bei Euro5-Fahrzeugen um den Faktor 4-8, bei Euro6-Fahrzeugen gar um den Faktor 6 nicht den Realwerten. Ist allerdings das Modell dann einmal zugelassen, gilt dies für alle entsprechenden Fahrzeuge desselben Typs. Seit September 2017 kommt europaweit ein neuer Testzyklus zur Anwendung: Das Worldwide Harmonized Light Duty Test Procedure (WLTP). Es soll Motoren auch im realen Fahrbetrieb (RDE) testen! Seit diesem Datum darf der Realausstoss von NOx bei 3 bis 30 Grad Celsius Lufttemperatur und bis zu 700 Höhenmeter um max. 110 %, ab Januar 2020 nurmehr um 50 % des Labor-Grenzwertes überschritten werden.

“Neu im Markt eingeführte Abgastechnologien brauchen in der Regel 13 Jahre, bis sie ihre Wirkung vollständig entfalten, erst danach sind neun von zehn Autos aus dem Fahrzeugbestand ersetzt.”
(Norbert Heeb, Chemiker Empa Schweiz)

Hier wurden somit nicht nur die Behörden, sondern v.a. die Konsumenten über’s Ohr gehauen. Die guten Werte machten sich auch in der Geldtasche bemerkbar, da abgasarme Fahrzeuge steuermässig niedriger eingeordnet werden. Wenn schon die Politik offenbar mit Euro 6 Ziele gesetzt hat, die technisch nicht umsetzbar waren, Überprüfungen jedoch auslässt und dadurch den Herstellern eine Grauzone hinterlässt, die viele rechtlich nicht richtig gelöst haben, so sollten sich doch möglichst viele betroffenen Fahrzeughalter zusammentun und mittels entsprechender Sammelklagen das Versprochene vor Gericht erstreiten. Hält ein Produkt nicht das, was es verspricht, so nennt man dies “Mogelpackung” und kann vor Gericht gebracht werden – v.a. dann, wenn der Betrogene dadurch einen Schaden erfährt (etwa durch Fahrverbot oder plötzlich höhere Abgaben bzw. durch Nachzahlungen unberechtigt erhaltener Vergünstigungen). Durch den aktuell letzten Vorschlag der deutschen Bundesregierung, der Einrichtung eines Fonds, damit ältere Dieselfahrzeuge aufgerüstet werden können, wird ohnedies wieder der Steuerzahler (auch der Fussgänger, Radfahrer, Öffis-Benutzer, E-Mobil-Fahrer oder Benziner) zur Kasse gebeten, obgleich die Autoindustrie den grössten Batzen dafür bezahlen soll. Diese aber weigert sich bislang standhaft.
Die Deutsche Umwelthilfe führt derzeit eine Mailaktion durch, die sich zwar hauptsächlich auf den viel zu hohen Spritverbrauch im Vergleich zu Werksangaben bezieht, jedoch im Grossen und Ganzen das Übel im Kern anpackt: Man sollte den Hersteller-Angaben keinen Glauben mehr schenken, da sie meist etwas versprechen, das niemals eingehalten werden kann.

https://www.duh.de/spritluege/

Zuletzt noch ein Hinweis des TÜV-Rheinland: Vorsicht beim Anschleppen eines Dieselfahrzeuges, wenn es nicht anspringen will. Dadurch können unverbrannte Treibstoffe in den Katalysator gelangen, die diesen schädigen können. Feststellbar ist dies aber erst bei der nächsten Abgas-Überprüfung.

Info-Box:

NOx-Grenzwerte
- Aussenluft 40 Mikrogramm/Kubikmeter Luft
- Büroräume 60 Mikrogramm /Kubikmeter Luft
- Industriebetriebe 950 Mikrogramm/Kubikmeter Luft (Technische Regeln für Gefahrenstoffe TRGS)

Verantwortlich bei NOx-Langzeitbelastung nach Berechnungen des deutschen Umweltbundesamtes 2014 für
.) 6.000 Todesfälle (vorzeitige Herz-Kreislauf-Erkrankungen)
.) 8 % Typ-2-Diabetes
.) 14 % der Asthma-Erkrankungen
Insgesamt rund 1 Mio Krankheitsfälle!

Lesetipps:

.) Manipulation von Abgaswerten: Technische, gesundheitliche, rechtliche und politische Hintergründe des Abgasskandals; Kai Borgeest; Springer-Vieweg 2017
.) The Dieselgate – A Legal Perspective; Hrsg.: Marco Frigessi di Rattalma; Springer International Publishing 2017
.) Katalysatoren zur Nox-Minderung von Kraftwerksabgasen, Abschlussbericht zum BMFT-Forschungsvorhaben 03E-6363-A; Hartmut Kainer et al; Didier Werke AG 1991
.) Handbuch Dieselmotoren; Hrsg.: Klaus Mollenhauer / Helmut Tschöke; Springer-Verlag 2007
.) Dieselmotor-Management – Systeme, Komponenten, Steuerung und Regelung; Hrsg.: Konrad Reif; Vieweg+Teubner Verlag 2012
.) Wachstum über alles: Der VW-Skandal; Jack Ewing; Droemer HC 2017
.) Kraftwerkstechnik. Zur Nutzung fossiler, regenerativer und nuklearer Energiequellen; Karl Strauß; Springer 1998

Links:

- www.umweltbundesamt.de
- www.duh.de
- www.helmholtz.de
- www.umweltbundesamt.at
- www.ccem.ch/gasomep
- www.empa.ch
- www.kein-diesel.at
- www.umwelt-pickerl.at
- www.kfztech.de

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Der Vordenker

“Our dangerous reliance on carbon-based fuels is at the core of all these problems – economic, environmental, national security. The answer is to end our reliance on carbon-based fuels.”
(Al Gore 2008)

Erwähnt man heute “Amerika”, so denken 99,99 % wohl als erstes an Donald Trump, der derzeit auf dem besten Wege ist, das Land komplett zu zerstören. Seiner Entscheidung, Nationalparks für die Nutzung freizugeben, könnten auch die bis zu 3.200 Jahre alten Riesen-Mammut-Bäume in Kalifornien zum Opfer fallen. Doch will ich diese heutigen Zeilen einem positiven Menschen widmen, der im Jahre 2000 zwar ebenfalls US-Präsident werden wollte, bei der Wahl aber schliesslich George W. Bush den Vortritt geben musste, obwohl er um 543.000 Stimmen mehr als sein Kontrahent bekam! Im entscheidenden Bundesstaat Florida unterlag er – zwar sehr umstritten und knapp – aber dennoch, sodass die Wahlmänner an Bush gingen.
Albert Arnold “Al” Gore Jr. feierte am 31. März seinen 70. Geburtstag – herzliche Gratulation auf diesem Wege nachträglich. Der Demokrat war in den Jahren 1993 bis 2001 US-amerikanischer Vizepräsident unter Bill Clinton und kämpft seit jeher für eine bessere Welt. 2007 erhielt er gemeinsam mit der “Zwischenstaatlichen Sachverständigengruppe über Klimaänderungen” (IPPC) dafür den Friedensnobelpreis. Seine politische Laufbahn begann bereits 1976, als er in Tennessee als Abgeordneter zuerst in das Repräsentantenhaus (bis 1984), dann in den Senat gewählt wurde (bis 1993). 1988 trat er erstmals als möglicher Präsidentschaftskandidat auf, scheiterte jedoch in der parteiinternen Vorwahl aufgrund einer vernichtenden Schlappe in New York.
Al Gore entstammt einer Politiker-Familie. Sein Vater, Albert Arnold Gore Sr. war lange Jahre Senator des Bundesstaates Tennessee. Somit wuchs er sowohl in der Hauptstadt, als auch auf der Farm seiner Eltern in Carthage auf. In Washington absolvierte er die Eliteschule St. Albans. Das Harvard College schloss er schliesslich 1969 mit dem Bachelor of Arts ab. Seine Kumpels damals waren übrigens der Schauspieler Tommy Lee Jones, mit dem er sich eine WG teilte, und Erich Segal. Das anschliessende Studium an der Vanderbilt University in Nashville (Theologie und Jura) brach er ab. Mit seiner Schulfreundin und späteren Frau “Tipper” Mary Elizabeth Aicheson hat er insgesamt vier Kinder. 2010 trennten sie sich nach 40 Ehejahren.
Al Gore liess erstmals aufhorchen, als er nicht wie andere Sprösslinge die Verbindungen seines Vaters nutzte und zur Nationalgarde ging. Gore trat in den Militärdienst ein und wurde – obgleich wie sein Vater Gegner des Vietnamkrieges – nach Fernost-Asien beordert. Allerdings erst, nachdem Gore Senior die Wahlen zum Senat verloren hatte, da dieser nicht davon in Form von Wählerstimmen zehren sollte, wenn sein Sohn sich zum Kriegshelden entwickelte oder im Kampfeinsatz verstorben wäre. Dort wurde er u.a. als Militärjournalist eingesetzt. Als er sich in Uniform von seinen Harvard-Professoren verabschiedete, wurde er von den anderen Studenten ausgebuht. Später schrieb er voller Hochachtung über seine damaligen Kriegsgegner in Vietnam, dass diese für etwas kämpften, “das sie Freiheit nannten”. Al Gore betonte immer wieder, dass er nicht direkt in das Kampfgeschehen eingebunden war und somit nicht mit anderen Soldaten verglichen werden dürfe.
Gore ist aber auch wirtschaftlich sehr erfolgreich. So gründete er die Alliance for Climate Protection, die Generation Investment Management sowie Current TV und bekleidet die Positionen eines Aufsichtsratsmitgliedes bei Apple sowie eines hochrangigen Beraters bei Google. Zudem ist er Gesellschafter an dem Investmentunternehmen Kleiner Perkins Caufield & Byers.
Und da kommt nun eines hinzu, das viele ansonsten als Oxymoron bezeichnen: Sein Engagement für den Klimaschutz und die Umwelt. Gore schrieb und schreibt nach wie vor unzählige Werke zum Thema “Umweltschutz”, ist gern gesehener Referent bei Veranstaltungen und schliesslich 2007 Oscar-Gewinner. Die Dokumentation “Eine unbequeme Wahrheit” baut auf einer seiner Multimedia-Präsentationen zur globalen Erderwärmung auf. Der Friedensnobelpreis wurde im selben Jahr für die Bemühungen um die Bewusstmachung der Klimakrise und der damit verbundenen globalen Gefahren zuerkannt. Zahlreiche Ehrendoktortitel und Gastprofessuren deuten zudem auf eine rege Vortrags- und Lehrtätigleit an den Universitäten hin. 2009 startete er eine Kampagne zur Energiewende. Die PR-Aufwendungen dafür beliefen sich auf rund 300 Mio Dollar. Der jetzige Präsident macht alles mit einem Handstreich zunichte.

“We’re borrowing money from China to buy oil from the Persian Gulf to burn it in ways that destroy the planet. Every bit of that has got to change.”
(Al Gore 2008)

Zwei Programme haben es Al Gore besonders angetan: Das GLOBE-Programm und die Live-Earth-Konzerte!
.) GLOBE-Programm
Das “Global Learning and Observations to Benefit the Environment”-Programm wurde am 22. April 1994 gestartet. Dieses Programm hat es sich zum Ziel gesetzt, durch Geo-Wissenschaft und Ökologie sowie Bildung auf die Dringlichkeit des Schutzes unserer Erde hinzuweisen. Inzwischen beteiligen sich nicht weniger als 17.000 Schulen in 100 Ländern an diesem weltweiten Netzwerk aus Wissenschaftlern, Lehrern und Schülern. Vor allem die Schüler sollen das System Erde besser verstehen lernen, indem sie einen eigenen Beitrag dazu leisten können. Die Idee wurde in Deutschland durch die DLR, das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung aufgegriffen und gefördert. Die Geldzuwendungen liefen 2008 aus. Das Projekt allerdings lebt im eingetragenen Verein GLOBE Deutschland weiter. In Österreich werden nach wie vor jährlich die Energy Globe Awards für ausgezeichnete Umweltprojekte vergeben. Auch bei den Eidgenossen ist GLOBE Schweiz vor allem an den Schulen sehr aktiv, um den jungen Menschen ein besseres Umweltbewusstsein zu vermitteln.
.) Live Earth
Die Live Earth-Konzertreihe fand weltumspannend am 7. Juli 2007 statt. Auf allen sieben Kontinenten spielten Musiker aller Genres für 24 Stunden auf und machten damit das Event zur grössten Musik- und Benefizveranstaltung der Geschichte. Von Linkin’ Park, Shakira, Metallica, Bon Jovi, Rihanna bis zu James Blunt, Yusuf Islam (Cat Stevens), Red Hot Chili Pepers gaben sich internationale Topgrössen die Backstage-Klinken in die Hand. Madonna landete mit “Hey You” einen Chart-Hit. Er stand für eine Woche kostenfrei zum Download bereit. Al Gore erhielt damals Unterstützung durch den Musikproduzenten Kevin Wall, der dadurch auch auf sein eigenes Klimaschutzprojekt “Allianz Save Our Selves (SOS)” aufmerksam machen wollte. Mit den Erlösen wurde eine Stiftung begründet, die Klimaschutzprojekte unterstützt. Free Concerts gab es nur an der Copacabana in Rio (400.000 Zuschauer) und in Washington D.C. – die Konzerte im japanischen Kyoto und der Antarktis (Rothera-Station auf der Adelaide-Insel – wegen des Antarktischen Winters konnte nur die Hausband der britischen Wissenschaftler spielen) waren nicht öffentlich zugänglich. Die Übertragungen gelangten in 130 Staaten dieser Erde vornehmlich in Public Viewings zur Ausstrahlung. Beim Live Earth-Konzert in Hamburg wurde eine CO2-Abgabe von 30 Cent pro Eintrittskarte eingehoben. Mit dem Geld sollten auf der südlichen Halbkugel Bäume gepflanzt werden – als Ausgleich für den CO2-Ausstoß, den Live Earth verursachte. Leider allerdings kamen von den 45.000 erwarteten Fans nur 29.000, sodass ein Minus von 950.000,- € entstand. Insgesamt aber konnten 75 Millionen Dollar an Spendengelder gesammelt werden.

“We’re building up CO2 so rapidly that we’re seeing the consequences scientists have long predicted. And the only way to take responsible action is to get at the heart of the problem, which is the burning of fossil fuels.”
(Al Gore 2008)

In seinen Büchern, wie etwa dem Bestseller “Earth in the Balance: Ecology and the Human Spirit” im Jahre 1992 beschreibt Gore einige Lösungsansätze für eine umweltfreundliche Wirtschaft – offenbar jedoch keine Literatur für politische Entscheidungsträger!
Al Gore geht auch weiterhin als Beispiel voran. Den Strom auf seinem Anwesen gewinnt er seit Jahren aus erneuerbaren Energien – seit 2013 lebt er zudem vegan. Als Vorsitzender von Generation Investment Management fördert Gore durch den Ankauf von Firmenanteilen Unternehmen, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben haben. In der Interessensgemeinschaft Alliance for Climate Protection versucht er uidem, “die globale Erwärmung und den Übergang zu einer nachhaltigen und sicheren Energiewirtschaft zu einer dringenden nationalen Priorität zu machen”. 2008 forderte er die USA gar dazu auf, bis 2018 den kompletten Strombedarf mit erneuerbaren Energiequellen abzudecken. Wie wir inzwischen wissen, geht der derzeitige Präsident wieder Meilen zurück in der Geschichte und den Bemühungen Obamas.

“Wenn man so viel durchgemacht hat, ist das auch eine Chance viel zu lernen.”
(Al Gore)

Schade, dass es nicht mehr Menschen dieser Sorte in Entscheidungspositionen gibt! Mit der Begründung zur Verleihung des Friedensnobelpreises an Al Gore möchte ich meine heutigen Über-legungen auch schliessen. Ole Danbolt Mjøs, der Vorsitzende des Nobelausschusses des norwegischen Parlaments, meinte am 12. Oktober 2007:

“He is probably the single individual who has done most to create greater worldwide understanding of the measures that need to be adopted.”

Filme:

.) Inconvenient Truth; Paramount Pictures 2007
.) An Inconvenient Sequel: Truth to Power 2017

Lesetipps:

.) Wege zum Gleichgewicht: Ein Marshallplan für die Erde; Al Gore; S. Fischer Verlag 1992
.) Wir haben die Wahl. Ein Plan zur Lösung der Klimakrise; Al Gore; Riemann Verlag 2009
.) Die Zukunft. Sechs Kräfte, die unsere Welt verändern; Al Gore; Siedler Verlag 2014
.) Eine unbequeme Wahrheit: Die drohende Klimakatastrophe und was wir dagegen tun können; Al Gore; Riemann Verlag 2006
.) Angriff auf die Vernunft; Al Gore; Riemann Verlag 2007
.) Lust auf Macht: Wie (nicht nur) Frauen an die Spitze kommen; Andrea Och / Katharina Daniels; Linde Verlag 2013
.) High: Die James-Blunt-Story; Michael Fuchs-Gambock/Thorsten Schatz;

Links:

- algore.com
- www.globe.gov/
- www.globe-deutschland.de
- www.energyglobe.at
- www.globe-swiss.ch
- www.generationim.com
- umweltschulen.de
- www.plant-for-the-planet.org/de
- www.climaterealityproject.org
- www.muttererde.at
- www.oekosystem-erde.de
- www.globalisierung-fakten.de
- www.klimagerechtigkeit.de

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