Archive for Mai, 2018

Venezuela – Es ist fünf nach zwölf

“Das Land ist unregierbar.”
(Luis Salamanca, Politikwissenschaftler)

Erlauben Sie mir zu Beginn dieser heutigen Zeilen bitte einen kurzen Blick zurück in alte glorreiche Zeiten. Viele möchten es ja nicht glauben: Aber – auch ich war einmal ein Kind! Eine unserer Lieblingsbeschäftigungen damals war es, auf dem Fahrrad Rennen zu fahren. Während sich meine Kumpels irgendwelche Formel I-Fahrer auswählten, war mein Favorit Johnny Cecotto! Zu jenen Zeiten wusste ich noch nicht wirklich, wo denn sein Herkunftsland lag, geschweige denn, dass ich es richtig aussprechen konnte: Venezuela! Und damit nun zum Thema.
Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen vom vergangenen Wochenende wurde in diesem südamerikanichen Land der Ausnahmezustand verhängt, das österreichische Aussenministerium und das Auswärtige Amt in Bonn haben eine partielle Reisewarnung ausgesprochen. Was ist nur aus diesem herrlichen und einstmals so reichen Land geworden!? Venezuela verzeichnet eine der höchsten Mordraten weltweit, Caracas ist seit einiger Zeit eine der gefährlichsten Hauptstädte der Welt! Raubüberfälle, Bestechungsgelder, Entführungen, Piraterie, Morde – es sind verheerende Bilder, die sich jeden Tag einem Besucher auftun. Auch auf der Autobahn oder gar im Flughafengebäude selbst ist niemand sicher. Der Internationale Währungsfonds spricht von einer Wirtschaftskraft von minus 15 % und einer Inflationsrate von 13.800 %. 20.000 VEF (Bolivar Fuerte) können pro Tag an Banknoten aus den Geldautomaten gezogen oder per Scheck ausbezahlt werden – eine kleine Flasche Mineralwasser kostet im Vergleich dazu 65.000 VEF! Die Pro-Kopf-Kaufkraft entspricht jener von Swasiland. Im Index der wirtschaftlichen Freiheit belegt das Land von 180 Staaten dieser Erde Platz 179. Kappen die Russen die Kredite, ist Schicht im Schacht. China hat dies bereits getan. Ich denke, das sagt alles über die derzeitige Situation vorort aus. Das Trinkwasser muss vor dem Konsum abgekocht werden – Stromausfälle gehören mehrfach am Tag zu den Herausforderungen. Bis zu vier Millionen Einwohner sollen Venezuela bereits verlassen haben. Auch übrigens die Kollegen von der ARD – sie berichten aus Mexico-Stadt.
Dabei verfügt das Land die grössten Erdölvorkommen weltweit! Noch im Dezember 2012 bezeichneten sich die meisten Einwohner im Rahmen einer Gallup-Umfrage als die glücklichsten Menschen der Welt. Das Land besitzt einen der höchsten Anteile an Naturschutzgebieten Südamerikas, die indigenen Volker werden als “Kultureller Reichtum der Nation und der Menschheit” respektiert. Ein Gefolgsmann des ehemaligen Präsidenten Chavez und jetziger Kritiker des wiedergewählten Präsidenten Maduro meint, dass in den letzten 15 Jahren nicht weniger als 500 Milliarden US-Dollar in’s Ausland geschafft wurden.
Christoph Kolumbus betrat an der Mündung des Orinocos in Venezuela bei seiner dritten Reise 1498 erstmals amerikanisches Festland. Am 05. Juli 1811 erklärte sich die spanische Kolonie für unabhängig, doch erst 1821 gelang es unter Simon Bolivar als Folge der Unabhängigkeitskriege tatsächlich die Autonomie zu erlangen. Allerdings sollte es bis zum 14. Dezember 1947 dauern, als mit Rómulo Gallegos der erste tatsächlich durch das Volk gewählte Präsident als Sieger aus der Wahl hervorging. Schon 1948 putschte das Militär, danach übernahm der Diktator Marcos Pérez Jiménez. Erst nach seinem Sturz im Jahre 1958 wurde das Land eine Demokratie. Vor allem unter Präsident Carlos Andrés Pérez (1974–1979) stieg Venezuela zu einem der führenden erdölexportierenden Länder auf. Der wirtschaftliche Fall begann allerdings 1983, als der Ölpreis zum ersten Mal einknickte. Zu diesem Zeitpunkt gab es am Orinoco keinen weiteren gut entwickelten Wirtschaftszweig, weshalb Schulden angehäuft wurden. Es folgten Einsparungsmassnahmen, Aufstände und landesweite Hungerrevolten. Zwar gelang es dem wiedergewählten Perez das Land politisch zu stabilisieren, die wirtschaftlichen Probleme aber konnte auch er nicht mehr bewältigen. Am 6. Dezember 1998 wurde Hugo Chávez Regierungschef. Sechs Jahre zuvor hatte dieser schon einmal gegen Perez geputscht, blieb damals aber erfolglos. Chávez leitete die bolivarische Revolution ein. Dabei erklärte er der Korruption den Kampf, versuchte die wirtschaftliche Unabhängigkeit des Landes wieder herzustellen und änderte auch das politische System in ein direkt-demokratisches Partizipationsmodell. Demnach können sowohl die Parlamentsab-geordneten als auch der Präsident nach der Hälfte der Amtszeit durch ein Referendum abberufen werden – Neuwahlen müssen folgen. 2002 kam es zu einem ersten Putschversuch unter Beteiligung hochrangiger Militärs. Zudem ein durch die Gewerkschaft nicht anerkannter Streik der Angestellten des mittleren Managements beim staatlichen Ölkonzern Petróleos de Venezuela (PDVSA). Nachdem die Opposition 2,5 Millionen Unterschriften gesammelt hatte, stellte sich Chávez 2004 einem Referendum, das er mit 59,25 % für sich entscheiden konnte. Auch eine erneute Stimmenauszähluung unter internationaler Beobachtung erbrachte kein anderes Ergebnis, nachdem die Opposition dem Präsidenten Wahlbetrug vorgeworfen hatte. Am 03. Dezember 2006 wurde er bei der Präsidentschaftswahl erneut mit 62,89 Prozent im Amt bestätigt. Selbiges am 7. Oktober 2012. Während dieser Amtszeit jedoch verstarb Hugo Chávez am 5. März 2013. Ihm folgte Nicolás Maduro nach. Seine Kritiker und unabhängige Beobachter bezeichnen ihn als Auto-kraten, da unter seiner Führung ständig demokratische Prinzipien gebrochen werden – Einschränkungen bei der Gewaltenteilung etwa; auch fanden bis zum 20. Mai nicht immer wirklich freie Wahlen statt. So etwa am 14. April 2013. Diesen Urnengang gewann Maduro denkbar knapp mit 50,78 %. Das Parlament liess er durch den Obersten Gerichtshof entmachten, Opositionspolitiker wurden inhaftiert. Im Februar 2014 startete die Protestwelle gegen den Präsidenten, die nach wie vor anhält. Sie forderte bereits hunderte Tote, tausende Verletzte und tausende Festnahmen. Die hohe Inflation, Korruption und Kriminalität versetzen das Land seit dem Tod Chávez wieder in die Vergangenheit zurück. 2014 warf Maduro den USA vor, die Ölpreise künstlich niedrig zu halten. Er brach die diplomatischen Beziehungen mit Obama-Amerika aber auch Europa ab. Die USA haben jedoch bis 2017 auch weiterhin rund 50 % der Erdölproduktion des Landes abgenommen. Jetzt wurden die Bürger der USA von Washington aufgefordert, mit den Militärs aus dem südameri-kanischen Land keine Geschäfte mehr zu machen. 2015 schob Maduro den Schwarzen Peter für die prekäre Lage der rechtsextremen Opposition zu. Bei den Parlamentswahlen 2015 erklärte der dem Präsidenten hörige Oberste Gerichtshof die Wahl von vier Politikern (drei davon aus den Reihen der Opposition) für ungültig. Damit verlor das siegreiche Oppositionsbündnis auch die Zweidrittel-Mehrheit. Lebensmittel wurden knapp, Medikamente gingen aus. Im Juli 2016 übernahm praktisch das Militär die Regentschaft, nachdem das Land zu kollabieren drohte. Maduro und sein Verteidigungsminister Vladimir Padrino López übernahmen “das vollständige Kommando über die Versorgung des Landes”. Die Opposition hatte bereits im April innerhalb von nur zwei Tagen 1,5 Millionen Unterschriften für ein Abberufungs-Referendum gesammelt. Durch politische Schachzüge der Regierung wurde das Ergebnis des Referendums bis zum Oktober hinausgezögert. Dadurch kam es zu einer Terminüberschreitung, weshalb es nicht anerkannt wurde. Ein zweites Referendum im Februar 2017 wurde abgesagt. Inzwischen versuchte auch der Vatikan zwischen den verhärteten Fronten zu vermitteln. Ergebnislos. Nachdem am 09. Januar 2017 das Parlament den Präsidenten nach Artikel 233 der Verfassung als abgesetzt erklärte, da er sein Amt nicht ausführe, hob der Oberste Gerichtshof die Immunität der Abgeordneten im März auf, löste das Parlament auf und übertrug ale Kompetenzen auf sich selbst. Auch wenn dieser Schritt kurze Zeit später aufgrund des internationalen Drucks wieder rückgängig gemacht wurde, blieb die auf den Präsidenten übertragene Macht bestehen.
Inzwischen wurde nicht nur das Militär verstärkt (1993 noch 50 Generäle, 2016 4.000), sondern auch die paramilitärischen Milizen Colectivos, die Chávez damals eingerichtet hatte. Maduro wollte sie auf eine Stärke von 500.000 Mitgliedern aufstocken (ursprünglich 100.000). Sie sind es auch, die immer wieder Demonstrationen blutig auflösen. Das Militär ist nach gezielten Säuberungsaktionen von Chávez sowie der machtpolitischen Einbindung in die Wirtschaft der Regierung durchaus loyal. Chavez war es auch, der bereits fleissig bei den Russen einkaufte: AK-Sturmgewehre, Kampfpanzer, U-Boote, Hubschrauber und MIG-Kampfbomber.

” Wir fordern die Sicherheitskräfte dazu auf, umzukehren und sich auf die Seite der Menschenrechte zu stellen!”
(Bischof Mario Moronta 2017)

Im Sommer letzten Jahres nun liess Maduro gegen die bestehende Verfassung eine “Verfassungsgebende Versammlung” wählen. Auch Beobachter aus dem Ausland sprachen von eindeutiger Wahlverschiebung durch alle möglichen Manipulationen. Die Generalstaatsanwältin Luisa Ortega Díaz, die Ermittlungen wegen Wahlbetruges einleiten wollte, wurde kurzfristig entlassen, die Gerichtsbarkeit auf Militärgerichte über-tragen. Vor den Gouverneurswahlen im Oktober 2017 liess der Präsident zahlreiche aussichtsreiche Kandidaten der Opposition verhaften. Nur fünf Bezirke gingen deshalb an die Opposition. Einer dieser fünf Gewählten weigerte sich, den Eid auf die “Verfassungsgebende Versammlung” abzugeben – er wurde sofort entmachtet.
Nachdem sich inzwischen China als Investor zurückgezogen hat und nurmehr Russland übrig geblieben ist, gibt es nicht mal mehr Geld für die Grundnahrungsmittel. 1,3 Millionen Menschen waren 2017 unterernährt, fünf von sechs Kinder sterben pro Woche wegen Mangelernährung. Soweit der Bericht des UN-Hochkommissariates für Menschenrechte vom Februar 2018. Die meisten Menschen ernähren sich inzwischen in den sog. “Volksküchen”, ihre Kinder werden in der Schule versorgt. Wenn sich nicht rasch etwas ändert, bekommen die Armenhäuser auf der Weltkarte wohl Zuwachs.

“Dieses Volk leidet Hunger, aber es bleibt loyal!”
(Fernando C. aus Caracas)

Die Präsidentenwahlen wurden absichtlich auf den 20. Mai vorgeschoben, da sich die Opposition nach den zuletzt stattgefundenen Bürgermeister-wahlen neu registrieren muss. Hier erwartete man sich grosse Vorteile für den regierenden Maduro. Die Wahl selbst glich einer Farce. Auf Amtsinhaber Maduro sollen nach seinen Angaben 5,8 Mio Stimmen entfallen sein, auf den einzigen Gegenkandidaten Henri Falcón 1,8 Mio. Maduro spricht von einem “Sieg des Volkes”! Schon zuvor hatten die USA, die EU und auch andere lateinamerikanische Staaten erklärt, die Wahl nicht anerkennen zu wollen. Das wichtigste Oppositionsbündnis MUD schloss sich dem an und verweigerte den Urnengang, die Wahlbeteiligung lag bei 46,1 % – nach offiziellen Angaben, die Opposition spricht von weniger als 30 %). Allgemein wird nicht nur von Unregelmässigkeiten bei dieser Wahl gesprochen. Wahlbeobachter waren nicht zugelassen, tausende Personalausweise gefälscht, damit mehrfach gewählt werden konnte, Wähler sollen unter Druck gesetzt worden sein, Betrügereien an der Tagesordnung. So hatte der Präsidentenpalast beispielsweise direkten Zugriff auf das elektronische Wahlsystem, das – nachdem Grossbritannien wegen Manipulationen ausgestiegen ist – von einer dubiosen Firma aus Argentinien geliefert wurde. Das Oppositionsbündnis boykottierte die Wahl, Oppositionellen wurde das passive Wahlrecht entzogen (etwa Henrique Capriles), sie wurden unter Hausarrest gestellt oder wie Leopoldo López inhaftiert. Zudem erhielten die Maduro-Wähler direkt vor dem oder gar im Wahllokal sog. “Vaterlandsausweise”, die ihnen alle paar Wochen ein Lebensmittelpaket ermöglichen.

“Wieder haben wir gesiegt, wieder triumphieren wir. Wir sind die Kraft der Geschichte. Mit allen Herausforderungen.”
(Nicolás Maduro 2018 bei seiner Siegesrede)

Maduro kämpft – wie er selbst immer wieder betont – für die “Bolivarische Allianz für die Völker unseres Amerikas”, einem vereinten sozialistischen Lateinamerika mit Venezuela als Vorreiter und möglicherweise ihm als obersten Diktator-Präsidenten. Länder wie Kuba, Nicaragua oder Bolivien sind auf das Billig-Erdöl aus Venezuela angewiesen und dem Bündnis beigetreten. Im August 2017 distanzierten sich hingegen 17 amerikanische Regierungen von Maduro. Auch wenn er den US-Präsidenten Trump nun beschimpft wie ein Rohrspatz und ihn für die Probleme im Land verantwortlich macht, so kann Maduro nicht leugnen, dass der staatliche venezolanische Raffineriekonzern Citgo für die Amtseinführung des Herrn Trump im Jahre 2016 500.000 Dollar gespendet hat.
2010 – noch während der Amtszeit von Hugo Chávez – lag Venezuela im Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) der Transparency International an Position 164 (von 178 überprüften Ländern). Trotz des selbsternannten Korruptionswächter Chávez war Venezuela somit das korrupteste Land Nord-, Mittel- und Südamerikas! 2016 wurde gar nur der 166. Platz belegt.
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt: Cecotto war 350ccm-Motorradweltmeister, er wechselte dann auf vier Räder in den Touren-wagenzirkus und fuhr auch hier unzählige Erfolge ein.

Filmtipps:

- El Sistema – Dokumentarfilm von Paul Smaczny und Maria Stodtmeier 2009

Lesetipps:

.) Von Bolívar zu Chávez. Die Geschichte Venezuelas; Michael Zeuske; Rotpunktverlag 2008
.) Medien und Demokratie in Lateinamerika – Rosa- Luxemburg-Stiftung Manuskripte 95; Hrsg: Hanno Bruchmann u. a.; Karl Dietz Verlag Berlin 2012
.) Venezuela as an Exporter of 4th Generation Warfare Instability; Max G. Manwaring; Verlag Lulu.com 2013
.) Vom Orinoco zu den Anden (Humboldt-Gedächtnis-Expedition 1958); Karl Mägdefrau; Buchdruckerei Gebr. Fretz 1960

Links:

- www.gobiernoenlinea.ve
- www.presidencia.gob.ve
- www.botschaft-venezuela.de
- www.monedasdevenezuela.net
- www.portalcomunicacion.com
- www.guia.com.ve
- www.cia.gov
- amerika21.de
- www.eluniversal.com
- venezuelanalysis.com
- latina-press.com
- www.transparency.org
- www.imf.org
- www.unodc.org
- www.heritage.org

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Werte Spammer!

Habe soeben 1.100 Spams aus meinem Blog gelöscht – seit Februar von nur 2 IP-Adressen!
Beide wurden zur Anzeige gebracht. Ich werde ab sofort jede Woche die zwei grössten Spam-Versender melden! Habe sinnvolleres zu tun, als Spams löschen zu müssen!!!
Vielen Dank für Ihr Verständnis!

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Superfood – wirklich so super???


“Lass die Nahrung deine Medizin sein und Medizin deine Nahrung.”

(Hippokrates von Kos, 460 bis 370 v. Chr.)

Das Leben eines jeden Einzelnen ist ständigen Trends unterworfen oder zumindest ausgesetzt. Die Einen machen sie mit, die Anderen interessieren sich weniger dafür. Daß aber hinter den meisten dieser Must-Dos eine Geschäftemacherei steckt, das ist wohl den wenigsten bewusst. Aktuell gibt es nahezu keine Küche ohne die vielgerühmten „Superfoods“. Listige Marketing-Experten versuchen damit, die Ernährungsgewohnheiten der Europäer und Nordamerikaner komplett umzukrempeln. Bei vielen Konsumenten reicht hierfür bereits das Wort “Gesundheit”. Ergo: In jeder Werbung sind diese angeblichen gesundheitsfördernden Phrasen enthalten. Teils gar in Verbindung mit wissenschaftlichen Studien. Mag ja durchaus der Fall sein, dass derartige Untersuchungen durchgeführt wurden: An Tieren, unter Labor-bedingungen, mit sehr hohen Dosen, möglicherweise auch an Menschen. Niemand will bestreiten, dass so manches eine positive Wirkung auf den Menschen ausübt. Ich möchte ja keine Spass-Bremse sein. So schreibt etwa das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel:

“…und obwohl wissenschaftliche Studien oft positive gesundheitliche Wirkungen ergeben, lassen sich die Resultate nicht unbedingt auf die reale Ernährung übertragen.”

Man weiss also nichts genaues. Zudem ist eine derartige Bewerbung mit den sog. „Health-Claims“ an ein an sich recht genaues Überprüfungs- und Zulassungsverfahren gekoppelt (Health Claims-Verordnung der EU). Muss es jedoch sein, dass diese Ernährungsergänzungen eigens aus Asien, Südamerika oder auch Afrika über tausende Kilometer angekarrt werden, wenn dieser Effekt ganz einfach auch mit heimischem Obst, Gemüse oder Kräutern erzielt werden kann??? Wir nehmen den Ländern der Dritten Welt also nicht nur deren Wasser sondern auch deren Nahrung!`Deshalb möchte ich dem Ganzen in diesen heutigen Zeilen auf den Grund gehen und einen Vergleich mit heimischen Produkten anstellen. Sie werden überrascht sein, wie gesund unsere land-wirtschaftlichen Produkte sein können.

https://www.youtube.com/watch?v=LQPzMZeAvqM

Mexiko ist den meisten Menschen wohl aufgrund des Tequila und Mezcal vertraut – anderen auch als Drogenparadies. Bei den Superfoods geht es jedoch vornehmlich um die Chiasamen. Sie besitzen einen hohen Ballaststoffgehalt, mehrfach ungesättigte Fettsäuren (darunter Omega-3-Fettsäuren) und Proteine, Kalzium, Zink und Eisen. Veganer verwenden die Chiasamen anstelle der Eier als Bindemittel. Das kann selbst-verständlich positive Auswirkungen auf die Verdauung und damit den Magen-Darm-Trakt haben. Denselben Effekt erzielen Sie jedoch mit dem heimischen Leinsamen oder Hanfsamen (reich an Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren)! Zudem ist der Hanf hypoallergen sowie nuss- und glutenfrei!
Das Anti-Aging-Mittel schlechthin soll jedoch die Goji-Beere sein. Die Chinesen verehren sie als “Beere des Lebens”. Neben Vitaminen und Mineralstoffen besitzt sie einen hohen Anteil an Antioxidantien. Sie regen die Produktion von Cholin an oder binden selbst die freien Radikale im Körper, die für viele Krankheiten verantwortlich gemacht werden. Zudem beinhalten sie nicht weniger als 19 Aminosäuren, davon sind zehn essenziell. Die Werbung preist die Goji-Beeren als “Königin der Superfoods” an. All das ist jedoch durchaus in vielen Früchten der heimischen Obstbäume zu finden – oder auch im Gemeinen Bocksdorn! Untersuchungen der Universität Granada haben dies wissenschaftlich bestätigt. Weintrauben mit Kernen haben übrigens denselben Effekt. In den Kernen finden sich die sog. “Oligomere Proanthocyanidine (OPC)”, die Haut und Gewebe reparieren, das Haarwachstum anregen, die Augen pflegen und gegen Krebs helfen.
Ein Name, der im Zusammenhang mit den Superfoods ebenso immer wieder fällt, ist die Açai-Beere. Obgleich – wie bereits beschrieben – die wirklich gesundheitsfördernde Wirkung noch gar nicht wirklich nachgewiesen wurde. Diese Beere ist reich an Antioxidantien, die ja gemein hin als Allheilmittel für alle möglichen Gebrechen und v.a. dem Krebs eingesetzt werden. Auch durch ihren hohen Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen und essenziellen Fettsäuren (wie auch Omega-3-Fettsäuren) sollen diese Beeren als Turbo-Booster für die Leistungsfähigkeit gelten. Denselbe Zweck jedoch erfüllt eine ganz spezielle heimische Beere: Die Heidelbeere! Auch sie besitzt einen sehr hohen Anteil an Antioxidantien, die etwa im Einsatz gegen den Gedächtnisschwund im Alter beachtenswerte Erfolge vorweisen können. Zudem besticht sie durch eine hohe Konzentration an Anthocyanen, die, wissenschaftlich erwiesen, das Wachstum krebsartiger Zellen im Dickdarm nicht nur unterbinden, sondern diese Zellen gar in den Selbstmord zwingen können. Auch die bereits von heimischen Anbietern gezüchteten Shiitake-Pilze gelten als Krebskiller schlechthin. In Japan wird der Pilz als “König der Heilpilze” verehrt.
Das Triumvirat der Super-Strauch-Früchtchen macht die Aronia-Beere voll. Ihre Vorteile: Viele Vitamine (wie etwa die komplette B-Palette), jede Menge Mineralstoffe und Polyphenole, die ebenso als Antioxidantien wirken. Die Aronia-Beere soll v.a. die Durchblutung und das Immunsystem anregen. Übrigens bindet auch die Tomate die Freien Radikalen und macht dazu noch glücklich, da sie mit der Aminosäure “Tryptophan” aufwarten kann, dem Grundbaustein des Serotonins.
Bereits die alten Inkas sollen die Wirkung der Yakon (Inkawurzel) gekannt haben. Ihr Vorteil: Inulin! Das unverdauliche Kohlenhydrat regt die Produktion guter Darmbakterien an und unterstützt dadurch den Stoffwechsel. Besonders die Knollen werden vornehmlich in der japanischen Diätküche verwendet, die Stengel als Gemüse verzehrt. Wer es hingegen lieber etwas rustikaler mag, kann ebenso auf Sauerkraut zurückgreifen. Roh gegessen beinhaltet es grosse Mengen an probiotischen Kulturen, die bereits im Magen wirken: So mag beispielsweise der Erreger der Magengeschwüre oder Magenschleim-hautentzündungen Heliobacter pylori kein Sauerkraut. Ist es im Darm angelangt, so unterstützt es die Darmflora; die Darmschleimhaut kann sich regenerieren, das freut auch das Immunsystem.
Apropos Inkas: Sie griffen bei Libido-Problemen gerne nach der Maca-Knolle. Aber auch Sportlern ist die Maca-Knolle durchaus bekannt, soll sie doch eine Leistungssteigerung unterstützen. Verantwortlich dafür zeichnen die über 60 Vitalstoffe wie Proteine, Omega-3-Fettsäuren und natürlich die Antioxidantien. Hinzu gesellen sich Sterole. Diese gleichen dem Hormon Testosteron. Die meisten dieser Öle und Vitamine sind jedoch auch in der Artischocke, dem Kürbis, Spargel und nicht zuletzt dem Rettich enthalten. Außerdem werden die Mandeln immer wieder unterschätzt. Neben ihren ungesättigten Fettsäuren sind sie reich an Ballaststpffen und prebiotischen Wirkstoffen, die v.a. dem Darm zugute kommen. Die Mandel wirkt ferner gegen zu hohen Blutdruck und gleicht den Blutzuckerspiegel aus.
Viele dieser positiven Eigenschaften vereint alsdann der ostasiatische Ingwer – über ihn allerdings habe ich an dieser Stelle schon ausführlich informiert.
Kakao! Viele kennen ihn vornehmlich als Glücklichmacher, als wichtigen Bestandteil der Schokolade. Die Kakaobohne ist zudem bekannt für ihren hohen Gehalt an Flavinoiden. Diese senken den Blutdruck und können somit die Gefahr einer Herzerkrankung senken. Wissenschaftler allerdings warnen, dass ein regelmäßiger bzw. sehr hoher Konsum von Kakao geschehen muss, damit dieser Effekt tatsächlich eintritt. Dabei jedoch kommt es zu einer Überdosierung anderer Nährstoffe, die nicht mehr gesund ist. Es nutzt also nicht viel, wenn Sie täglich drei Tafeln Schokolade essen. Sie werden es einerseits an Ihrem Gewicht merken, andererseits steigt auch das Risiko an Diabetes zu erkranken. Und zudem gilt: Je frischer und unbehandelter die Kakaofrucht ist, desto mehr dieser angesprochenen Inhaltsstoffe besitzt sie. Biele gehen durch die Rüstung verloren.
Und schliesslich gibt es noch das Moringa-Pulver. Gewonnen wird es auch dem nordindischen Meerettichbaum (Moringa oleifera – Baum der Unsterblichkeit), der jedoch inzwischen auch in Afrika und Lateinamerika wächst. Er gilt gemeinhin als nährstoffreichster Baum, weshalb er sich großer weltweiter Beliebtheit erfreut. In den Entwicklungsländern gelangt er deshalb im Kampf gegen die Unterernährung zum Einsatz. Dies wurde im Rahmen einer Ernährungsstudie der Organisationen Church World Service und AGADA im Jahre 1997 im Senegal ausgetestet. Nach alter indischer Überlieferung soll der Moringabaum mehr als 300 Krankheiten heilen können. Hierzulande wird das Pulver zumeist als Nahrungsmittel-Ergänzung vertrieben, beworben wird dabei vornehmlich das Antioxidans bzw. Wachstumshormon Zeatin. Es soll bei der Hautregeneration helfen und dadurch den Alterungsprozess verlangsamen. Allerdings: Ein überdurchschnittlich positiver, ernährungswissenschaftlicher Effekt konnte nicht nachgewiesen werden. Zudem fanden Lebensmittelchemiker Pestizid-Rückstände und mikrobiologische Erreger. Die Werbung vergleicht gerade in diesem Fall gerne Äpfel mit Birnen, wenn sie einen wesentlich höheren Kalium-, Eisen-, Kalzium- und etwa auch Betakarotin-gehalt in’s Spiel bringt. Der Apfel ist hierbei das Pulver, die Birnen frische Lebensmittel wie Milch, Bananen etc. Würde man diese Lebensmittel ebenfalls in Pulverform zu sich nehmen, wäre das Verhältnis mehr als ausgeglichen. Ein Beispiel gefällig? Unser Körper produziert aus Betakarotin das v.a. für die Augen und Schleimhäute so wichtige Vitamin A. Der Tagesbedarf an Betakarotin ist mit bereits 100 g Karotten gedeckt (1.700 mg). Korrekt ist, dass in den frischen Moringa-Blättern der vierfache Gehalt an Vitamin A enthalten ist; im Pulver jedoch nur knapp mehr als das Doppelte. Isst man somit anstelle von nur 100 g Karotten die doppelte Menge oder mehr, so sind auch diese Werte ausgeglichen. Das aber ist nicht mal notwendig, da die Tagesdosis an Moringapulver gerade mal 10 g ausmachen sollte – das sind alsdann 360 mg Vitamin A! Und im Vergleich dazu kosten 100 g Moringapulver bis zu 22 Euro. Da sind mir doch die Karotten des Gemüsebauern meines Vertrauens wesentlich lieber. Im Karottenpulver wären – so die Aussage der Wissen-schaftler – 16.000 mg Vitamin A auf 100 g des Pulvers enthalten! Eine reine Augenauswischerei! Mit den anderen Mineralstoffen und dem Vitamin C verhält es sich ebenso! Einzig der hohe Vitamin B2- und E-Gehalt macht das Pulver interessant. Während Vitamin E durch Weizenkeimöl mehr als ausgeglichen werden kann, siegt Moringa beim B2 tatsächlich. Aber auch das kann andersweitig wesentlich günstiger aufgenommen werden. Ebenso die für das Abwehrsystem so wichtigen Senfölgylkoside – die essen Sie völlig unbewusst mit dem Senf oder Meerrettich! Ernährungswissenschaftler empfehlen somit frisches heimische Gemüse oder wenn es denn sein muss: Gersten- oder Weizengraspulver anstelle des Moringapulvers.
Ähnliches gilt übrigens auch für den afrikanischen Affenbrotbaum (Baobab). Seine Früchte, Blätter und Samen sollen die Heilung bei Infektionskrankheiten unterstützen, die Produktion von Endorphinen anregen und gegen Heisshunger helfen.
Selbstverständlich gibt es auch angebliche Superfood aus dem Wasser: Die Spirulina-Alge! Bereits die Azteken hielten grosse Stücke von ihr. Auch bei dieser Alge ist es der grosse Nährwert, die vielen Enzyme und anderen Vitalstoffe, ihr hoher Chlorophyllgehalt und ihre basische Wirkung auf den menschlichen Körper – das alles soll die Selbst-heilungskräfte des Körpers ankurbeln. Mit einem Proteingehalt von 60 bis 70 Prozent ist die Spirulina-Alge eine der wohl eiweisshaltigsten Lebensmittel. Eine Studie des Osaka Center for Cancer and Cardiovascular Diseases in Japan zeigte zudem eine vermehrte Tätigkeit der Fresszellen (Makrophagen bzw. T- und B-Zellen) nach dem Konsum der Alge. Diese Fresszellen gelten als die erste Notmassnahme des Körpers beim Eintritt von nicht wirklich erwünschten Mikroorganismen, wie auch Infektions-bakterien. Die Viren, die zumeist durch die Makrophagen nicht abgetötet werden können, bleiben an den Kaliumsalzen der Spirulina kleben, sodass sie nicht mehr in die Zellen eindringen können. Dann erst kommen die Fresszellen wieder in’s Spiel. Aufgrund dieser Studie konnte eine positive Wirkung gegen Herpes Simplex-Viren, Cytomegalie-Viren, Influenza A-Viren, Mumps-Viren sowie Masern-Viren nachgewiesen werden. In einer weiteren Studie an HIV-Patienten aus dem Jahr 2012 wurde eine Besserung der Lebensqualität dieser Menschen erzielt. Die Viren vermehrten sich nicht weiter – ihre Anzahl im Blut blieb während der Testphase von drei Monaten stabil. Eine Besserung bei Allergiepatienten (Rhinitis, Heuschnupfen, Hautallergien) konnte ebenfalls in einer Studie aus dem Jahre 2005 nachgewiesen werden. Auf Histamin wirkt die Alge zudem hemmend. Bei Diabetikern (Diabetes Typ-2) wurde eine Senkung der Blutzuckerwerte und ganz allgemein auch des Cholesterin-LDL-Wertes bei gleichzeitigem Anstieg des HDL-Wertes bemerkt. Dies liegt v.a. am Phycocyanin, einem Pigment der Alge, das im menschlichen Körper als Antioxidans wirkt. Es steigert zudem den Adiponektin-Spiegel, sodass der Patient weniger Hunger verspürt. Zudem ist die Spirulina reich an Vitamin C, E, Selen und schliesslich Chlorophyll, das aufgrund seiner chemischen Zusammensetzung mit dem Hämoglobin verglichen werden kann. Ausserdem wirkt es antikarzinogen, da es Enzymkomplexe blockiert, die für Zellveränderungen verantwortlich sind und die Anzahl von Aflatoxine (stark krebserregende Gifte des Schimmelpilzes) senkt. Das Chlorophyll regt ferner die Produktion des Hämoglobins an, sodass mehr Sauerstoff im Blut transportiert werden kann, ein nicht unwesentlicher Pluspunkt für den Stoffwechsel. Und – als ob dies nicht schon alles gewesen wäre: Der hohe Anteil der Aminosäure L-Tryptophan regt die Produktion der Neurotransmitter Melatonin und Serotonin an, wodurch der Wohlfühlfaktor und das Denkvermögen gesteigert werden kann. An letzterem ist auch die Glutaminsäure beteiligt. Die Tagesdosis liegt bei 3-4 g, sofern die Spirulina zur Vorbeugung eingenommen wird. Bei Patienten, die blutverdünnende Medikamente einnehmen müssen, sollte zuvor der Hausarzt befragt werden. Ein enormer Vorteil der Spirulina-Alge liegt auch darin, dass pro angebauter Fläche wesentlich mehr Nahrung als bei einem anderen Lebensmittel produziert werden kann. Damit könnte die Spirulina-Alge tatsächlich das einzige Superfood sein!
Ähnliches übrigens ist auch von der Mikroalge Chlorella zu erfahren. Sie besticht allerdings durch ihren unschlagbar hohen Chlorophyllgehalt.
Der Vollständigkeit halber zu erwähnen:
- Der Granatapfel – Reich an den Vitaminen C und K, an Folsäure und Kalium. Das fördert vornehmlich die Durchblutung und den Blutzuckergehalt. Die enthaltenenn Polyphenole hemmen die Metastasen-bildung von Krebserkrankungen, die hormonwirksamen Stoffe aus den Ölen können Beschwerden während der Wechseljahre lindern. Aber – er sorgt sich auch um Ihr Blut. So wirkt er blutdrucksenkend und gleicht zu hohe schädliche Cholesterinwerte aus. Ja, er kann sogar Ablagerungen in den Blutgefässen (Arteriosklerose) reduzieren. Essen oder trinken Sie den Granatapfel stets mit Datteln gemeinsam – das potenziert nochmals dessen Wirkung. Keiner dieser Paradiesäpfel zur Hand? Macht nichts – es helfen auch Knoblauch, Weissdorn, die Shiitake-Pilze, Chili oder Kurkuma.
- Papayakerne – Neben dem Schutz von bakteriellen Infektionen oder Parasiten helfen sie zudem bei der Entgiftung der Leber. Zweiteres kann aber ebenfalls durch Löwenzahn, die Artischocke oder die Mariendistel erzielt werden.
- Physalis – Durch den hohen Eisen- und Phosphorgehalt gilt dieses Nachschattengewächs als wichtiger Lieferant des Provitamins A. Es wird somit bei Harnwegserkrankungen, Gicht und bei Immunerkrankungen empfohlen. Zudem kann es durch den Wirkstoff Melatonin bei Schlaf-störungen eingesetzt werden. Viele dieser Effekte liefern allerdings auch nachgewiesenermaßen die heimischen Kürbiskerne.
- Acerola-Kirsche – Sie ist reich an Vitamin C, Eiweißen, Magnesium und Kalzium. Das kann beim Zellschutz und in Stresssituationen helfen. Wahre Vitamin C-Bomben sind jedoch auch die Hagebutte und der Sanddorn aus dem heimischen Garten.
- Die Avocado – Obwohl sie zu über 20 % aus Fett besteht, beeinflusst sie nicht den Cholesterinspiegel oder das Gewicht. Sie wird deshalb gerne bei Herz-Kreislauf-Problemen, Osteoporose oder Entzündungen und Krebs verwendet.

https://www.youtube.com/watch?v=FEkwK3Lxdf8

Zusammenfassend gehört somit betont: Durch die Verwendung von Brokkoli, Kraut, Spinat, Kohl, Kren und beispielsweise auch Buchweizen lässt es sich wesentlich gesünder (da frischer) leben als durch das Schlucken dieser exotischen Superfoods. Wenn Sie dann noch die Früchte der Saison verwenden (“Iss den Regenbogen!” – wie Brennesseln, Bärlauch, Löwenzahn, Oregano…), sind Sie immer gut versorgt mit dem, was Ihr Körper gerade benötigt. Zudem werden die Transportwege klein gehalten und die regionale Bauernschaft unterstützt! Wenn Sie dennoch auf Superfood zurückgreifen, so sollten Sie sich zuvor genau bei Ihrem Arzt, einem Ernährungsberater oder im Internet neutral erkundigen, da jeder Hersteller seine Nahrungsergänzung als die Beste bezeichnet. Während der eine in höchsten Tönen von Moringa spricht, ist der andere vom Gerstengras überzeugt. Auch die relativ neue “GoGreen-Überzeugung” ist sicherlich nicht als nachteilig anzusehen, da durch das Chlorophyll viele positive Effekte erzielt werden können, wie Sie ja inzwischen gelesen haben. Und eines sollten Sie nicht vergessen: Superfood wird nur dann Superfood, wenn es in großen Mengen regelmässig eingenommen oder in den Speiseplan integriert wird. Und das geht vor allem bei den exotischen Superfoods dann schon mal gewaltig in die Geldbörse!!!

Lesetipps:

.) SCHWARZBUCH SUPERFOOD – Heiße Luft und wahre Helden; Daniela Grach/Caroline Schlinter/Marlies Wallner/Nicole Zöhrer; L. Stocker 2016
.) Heimische Superfoods: Natürlich. Regional. Gesund; Barbara Fuchs; Kindle Edition
.) Die Heilkraft der Pflanzen. Heilpflanzen von Abuta und Acerola bis Yohimbe und Yucca: ein Kompendium für die Praxis; Anne Simons; MayaMedia 2013
.) Superfoods “Regional”: Powerfoods vor unserer Haustür; Michael Iatroudakis; Kindle Edition
.) Superfood: Natürlich. Heimisch. Saisonal; Barbara A. Schmid/Aaron Waltl; Pichler 2016
.) Gesundheitswunder Chlorophyll – Gespeicherte, gesundheitsspendende Sonnen- und Heilkraft; Günter Albert; Ulmer Verlag 1997
.) Spirulina. Das blaugrüne Wunder: Die sensationellen Heilwirkungen der natürlichen Mikroalge bei Immunschwäche, Infektionen, Anämie, Allergien, Krebs, Aids und vielem mehr; Marianne E. Meyer; Windpferd Verlag 2006
.) Das Buch der Superfood Smoothies: 100 gesunde Smoothie Rezepte für leckere Powerdrinks; Julie Morris; Königsfurt Urania 2014
.) Genial gesund: Superfood for Family & Friends; Jamie Oliver; Dorling Kindersley 2016

Links:

- www.gesundheit.gv.at
- www.eufic.org
- www.cvuas.de
- www.ncbi.nlm.nih.gov
- www.verbraucherzentrale.de/superfood
- www.nhs.uk
- www.loewenzahn.at
- ich-lebe-vegan.de
- www.veganblatt.com
- www.ichkoche.at

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Karl Marx – Der Kampf gegen die Windmühlen

“Im Kopf sind wir alle Marxisten!”
(Neue Zürcher Zeitung)

Am 05. Mai 1818 wurde Karl Marx in Trier geboren. Der spätere Sozialphilosoph sollte die Welt wie wohl kaum ein anderer Intellektueller verändern. Deshalb denke ich: Zeit für einen Stock’schen History-Blog! Aber keine Angst: Die folgenden Zeilen werden kein Loblied auf einen Kommunisten der ersten Stunde; auch keine philosophische Abhandlung! Es soll vielmehr einen Denker auch jenen Menschen vorstellen, die sich nicht unbedingt durch sein Lebenswerk “Das Kapital” quälen wollen!
Apropos Kapital: Haben Sie eigentlich gewusst, dass Marx ein überzeugter Anhänger des Kapitalismus war?! So bezeichnet er etwa die “Bourgeoisie” (also die kapitalistische Schicht der Bevölkerung) als mit einer “höchst revolutionären Rolle” versehen. Ihr ist es möglich, durch die ständige und rasche Weiterentwicklung der Produktionsmethoden selbst die “barbarischsten Völkern” in die Zivilisation zu führen. Nun – wer das nicht glauben sollte, der muss sich dann wohl trotzdem durch seine gesammelten Werke durchlesen. Bevor Sie dies tun, würde ich mich allerdings freuen, wenn Sie noch etwas in diesem Blog verweilen.
Das, was damals für Stürme der Entrüstung gesorgt hat (“Die 10 Massregeln” etwa), das ist schon längst Teil der heutigen Politik geworden: Kostenlose Erziehung der Kinder, Geldmonopol der Nationalbank, erweiterte Fiskalquote als Zeichen der Kollektivierung der Wirtschaft, … Nur vier Forderungen, die Karl Marx in seinem “Kommunistischen Manifest” aufstellte, die schon längst zum Bestandteil der Sozialpolitik auch der rechten Parteien geworden sind. Das wird heute als “Semimarxismus” bezeichnet. Der gemeinsam mit Friedrich Engels entwickelte “historische Materialismus” gilt schlichtweg als der Vorläufer der heutigen Soziologie. Karl Marx hat den Lauf der Weltgeschichte entscheidend verändert!
Doch – bevor ich genauer auf derartige Überlegungen eingehe, möchte ich Ihnen vorerst den Menschen Karl Marx vorstellen. Ja, es gab ihn tatsächlich! Der kleine Carl wurde als drittes von neun Kindern 1818 in Trier geboren. Die Geburtsurkunde unterschrieb damals der zweite Bürgermeister von Trier, Emmerich Grach – ein UrUr-Grossvater des TV-Moderators Günther Jauch. Sein Vater war der Rechtsanwalt Heinrich, seine Mutter Henriette Marx, geborene Presburg. Nachdem der Vater seinen Job als Advokat-Anwalt unter der preussischen Herrschaft nach den napoleonischen Kriegen aufgrund seines jüdischen Glaubens nicht hätte weiterführen können, konvertierte die gesamte Familie zeitversetzt zum Protestantismus. Dieser Glaubenswechsel war durchaus prägend für den späteren Philosophen. Die ersten 17 Jahre seines Lebens verbrachte Karl in Trier. In Bonn und Berlin studierte er Rechtswissenschaften und Kameralistik. In Bonn übrigens wurde er wegen “nächtlichen Lärmens und Trunkenheit” sowie des Tragens eines Säbels verurteilt. Das lässt den Schluss zu, dass er Mitglied einer Studentenverbindung (Landsmannschaft) war. 1841 promovierte er mit einer Arbeit zur Differenzierung der demokratischen und epikureischen Naturphilosophie zum Doktor der Philosophie an der Universität Jena. Als Journalist gründete er in Köln die “Rheinische Zeitung”, ein linksliberales Blatt, das sich zum Sprachrohr der demokratischen Opposition in Deutschland entwickelte. Nach seinem Umzug in’s vermeintlich liberalere Paris arbeitete er dort bei der Zeitung “Vorwärts”. Aufgrund des deutschen Drucks auf die französische Regierung musste Marx die Stadt der Liebenden im Jahr 1845 verlassen – sein Weg führte ihn nach Brüssel. Nachdem er wegen angeblicher Waffenkäufe 1848 verhaftet, aufgrund mangelnder Beweise aber wieder freigelassen wurde, musste er auch diese Stadt verlassen. Danach kehrte er für kurze Zeit nach Deutschland zurück, wurde jedoch nach der Niederschlagung der Oktoberrevolution 1849 mitsamt seiner Familie in’s Exil nach London ausgeweisen. Hier verfasste er 1859 das Werk “Zur Kritik der politischen Ökonomie” und schliesslich sein Hauptwerk “Das Kapital”. Daneben schrieb Marx für einige internationale Zeitungen, wie der “New York Daily Tribune”, die “Neue Oder Zeitung” aus Breslau und “Die Presse” aus Österreich. Am 01.August 1874 beantragte Marx die britische Staatsbürgerschaft. Nur 16 Tage später erhielt er die Absage mit der Begründung, er sei ein “notorious agitator, the head of the International Society, and an advocate of Communistic principles. This man has not been loyal to his own King and Country.” Am 14. März des Jahres 1883 verstarb Marx, zwei Jahre nach dem Ableben seiner Frau. Begraben ist er auf dem Highgate Cemetery.

“Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern!”
(Inschrift auf dem Grabstein von Karl Marx)

Anfänglich von Hegel und Feuerbach inspiriert, entfernt er nach und nach wichtige Aspekte ihrer Lehren aus der seinen. Einzig die Hegelsche Dialektik und der Feuerbachsche Materialismus bleiben zur Gänze in seinen Ausführungen erhalten.
Im Alter von 30 präsentierte er gemeinsam mit seinem Sponsor, dem Fabrikantensohn Friedrich Engels, das “Kommunistische Manifest”. Dies geschah vornehmlich im Eindruck der industriellen Revolution. Wohl ein jeder kennt den Ausspruch “Proletarier aller Länder vereinigt Euch!”. Marx bezeichnete damit die Fabriksarbeiter, die es vor der industriellen Revolution noch gar nicht gab. Er war also seiner Zeit weit voraus. Viele kommunistische Diktatoren berufen sich auf dieses Manifest – Marx war u.a. auch direkt neben dem Gründer der Volksrepublik, Kim Il-sung, überlebensgross mit seinem Konterfei auf den Wänden der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang vertreten und blickte auf die Einwohner hernieder. Der jetzige Machthaber Kim yong-un liess das Denkmal nach seinem Amtsantritt entfernen. Die Machtkommunisten rechtfertigen ihr Tun stets mit den philosophischen Lehren von Marx, obgleich diese tatsächlich nur Lehren waren. Theorie, teils sehr fern der Praxis. Karl Marx ist somit ganz eindeutig nicht für die Greueltaten eines Lenin, Stalin, Maos oder anderer kommunistischer Diktatoren verantwortlich zu machen.
Marx ordnete sein gesamtes Leben nach seiner philosophischen Überzeugung, in welcher er die bestehenden Verhältnisse schlicht anders interpretierte. Daran musste sich auch seine Familie halten. Sein Respekt galt der Bourgeoisie, die “ganz andere Wunderwerke als ägyptische Pyramiden” vollbringen kann, da sie unvorstellbaren Reichtum generiert, der die Menschen aus ihren Fesseln aus Tradition und Herkunft lösen kann. So kann aus dem armen Bauernsohn sobald er den Eintritt in die Bourgeoisie geschafft hat, trotzdem ein reicher und vornehmer Mann werden. Eine zuvor unvorstellbare Überlegung, da das Geld zu dieser Zeit beim Adel lag und nur sehr wenigen die Möglichkeit geboten wurde, emporsteigen zu können. Ein Jeder bekommt alsdann eine eigene ökonomische Position in der Gesellschaft, eine Stellung im produktiven Prozess – Marx bezeichnet dies als “Klassenzugehörigkeit”. Das alles betrachtet der Denker aus Trier als durchaus positiv. Negativ ist nur der Bougeois, der auf der faulen Haut liegt und alle anderen für sich arbeiten lässt. Also eine Art privilegierter Schmarotzer. Jeder muss arbeiten, um sein Leben und das Leben im Alter (nach dem Arbeitsprozess) finanzieren zu können. Wer nur nimmt ohne zu arbeiten, also zu geben, hat auch nur den Spott verdient. Bedingungloses Grundeinkommen? Nö, würde Karl Marx sagen – nur wenn auch die Empfänger dafür arbeiten! Aufgrund des Konkurrenzdrucks jedoch würde immer mehr des bislang durch Menschen abgeleisteten Produktionsfaktors der Arbeit durch Maschinen ersetzt. Dies führe zu einer Verarmung der Arbeiterklasse. Die logische Folgerung: Aufstand und Umsturz – erst danach wird durch die Vergesellschaftung der Arbeit, der Produktionsmittel etc. die richtige Lösung gefunden werden. Das Marx’sche Paradies auf Erden! Dieser Kampf des Proletariats gegen die Bourgeoisie nennt Marx “Die Diktatur des Proletariats”! Sie verläuft in den meisten Fällen gewaltsam – allerdings schliesst er etwa in der Haager Konferenz auch eine gewaltfreie “Enteignung der Enteigner” beispielsweise in den USA, England und möglicherweise auch Holland nicht aus. Vor allem während seiner Londoner Zeit beteiligte er sich immer wieder an den Gründungen von Arbeiterbewegungen und -parteien.

“Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus!”

(Das Kommunistische Manifest von Karl Marx und Friedrich Engels)

Karl Marx hat zeit seines Lebens viel über Geld geschrieben. So erkannte er, dass die Gesellschaft am Gegensatz zwischen Arbeit und Kapital scheitern wird. Dennoch konnte er selbst nicht mit Geld umgehen, weshalb er auf die Unterstützung von Friedrich Engels angewiesen war, den er erstmals im Alter von 26 Jahren getroffen hatte. Engels blieb der beste Freund von Karl Marx bis zu dessen Tod. Jenny von Westphal, Karl’s Frau, musste immer wieder das Familiensilber im Pfandhaus versetzen. Auch Marx’ Gehrock war öfters dabei, sodass er das Haus nicht verlassen konnte.

“Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen.”
(Karl Marx)

Einer der wichtigsten Ökonomen während des Jahrhundertwechsels 1899/1900, der Tuchfabrikant Joseph Schumpeter, betonte bereits damals, dass Karl Marx weiterwirken werde, da seine Lehren mehr als nur Lehren waren. Eine ähnliche, obgleich politische Ansicht vertritt übrigens auch der ehemalige griechische Finanzminister Yannis Varoufakis, der 2018 im Vorwort einer neuen englischsprachigen Ausgabe des “Manifests der kommunistischen Partei” schrieb, dass zwar die kommunistischen Parteien inzwischen von der Bildfläche verschwunden sind, der “Geist des Kommunismus” aber weiterleben wird.

https://www.zdf.de/dokumentation/dokumentation-sonstige/karl-marx—der-deutsche-prophet-100.html

Nach wie vor raufen sich Ökonomen an der Marx’schen Arbeitswerttheorie die Haare. Wie kann etwas Wert haben und gleichzeitig Wert sein? Die Arbeit des Menschen verschafft einem Produkt seinen Wert und gleichzeitig seinen Mehrwert. Seine Kritiker bringen hier die Arbeit des Kapitals als Gegenargument in’s Spiel. Nur ein Unternehmer, der auch das Risiko trägt, verschafft den Menschen Arbeit! Heute allerdings wird dies gerade von der Finanzwirtschaft falsch verstanden – oftmals wird die Arbeitskraft unfair ausgenutzt. Ein Beispiel: Wie etwa bei Anne Will am 06. Mai 2018 in der ARD zu sehen, gerade heute wieder ein brandheisses Thema. So sprach Sahra Wagenknecht von der Linkspartei eine Putzfrau an, die nach mehr als 20 Jahren ihren Job verlor. Die ihr jedoch vermittelten und angebotenen Jobs gehen vom Mindestlohn aus, der in keinster Weise dem Tarifvertrag entspricht. Lohndumping innerhalb Deutschlands durch Deutsche an Deutschen? Ist die Arbeits-Erfahrung aus über 20 Jahren tatsächlich nur den Mindestlohn wert, der auch an einen Neuling in diesem Job bezahlt wird??? Als “genial” werden auch die Denker-Gedanken zur Kapitalakkumulation und den Konjunkturzyklen bezeichnet sowie die Unterkonsumption mitsamt ihren Auswirkungen. Bei vielen hat der Ökonom Marx einen wesentlich höheren Stellenwert als der Philosoph! Der erste Band des “Kapitals” erschien 1867, die beiden anderen nach seinem Tod, obwohl das Manuskript für Band 3 schon vor dem ersten Band fertiggeschrieben war.

“Wenn etwas sicher ist, dann dies, dass ich kein Marxist bin. Marx ist tot. Lang lebe Marx!”
(Karl Marx)

Die 5,50 Meter hohe Bronze-Statue des chinesischen Künstlers Wu Weishan, eine Anspielung auf den Geburtstag am 5.5., übermittelte die Volksrepublik China als offizielles Geschenk an Trier, der Geburtsstadt von Karl Marx. Sie wurde in der Stadt selbst, aber auch in Deutschland nicht unbedingt positiv aufgenommen. Verdient hätte er sich diese. Das “Kommunistische Manifest” erschien bislang in 247 Ausgaben in 59 Sprachen. Dieses und das “Kapital” sind zudem von der UNESCO in das Weltdokumentenerbe aufgenommen worden.
Viele Denkansätze des Philosophen und Ökonomen Marx waren ausgezeichnet, andere Humbug! Doch: Bin ich nun ein Kommunist, da ich dies behauptet habe???

Filme:

- “Karl Marx – Der deutsche Prophet”; Regie: Christian Twente 2018 mit u.a. Mario Adorf
- “Der junge Karl Marx”; Regie: Raoul Peck 2017 mit u.a. August Diehl

Lesetipps:

.) Gesamtausgabe (MEGA). Werke, Artikel, Entwürfe: Manuskripte und Drucke zur Deutschen Ideologie; Karl Marx; Friedrich Engels; Bearbeitung: Ulrich Pagel; De Gruyter Akademie Forschung 2017
.) Gesamtausgabe (MEGA). “Das Kapital”; Karl Marx/Friedrich Engels; De Gruyter Akademie 2011
.) Dr. Karl Marx. Vom Studium zur Promotion – Bonn, Berlin, Jena; Hrsg.: Ingrid Bodsch; Verlag des StadtMuseum Bonn 2013
.) Das Menschenbild bei Karl Marx – Marx als Mensch; Erich Fromm; Europäische Verlagsanstalt 1963
.) Marx lesen – Die wichtigsten Texte von Karl Marx für das 21. Jahrhundert; Robert Kurz; Eichborn Verlag 2000
.) Marx und Engels. Die philosophischen Grundlinien ihres Denkens; Helmut Fleischer; K. Alber 1974
.) Die Dialektik der gesellschaftlichen Praxis. Zur Genesis und Kernstruktur der Marxschen Theorie; Wolfdietrich Schmied-Kowarzik; Alber 1981
.) Karl Marx: Grundlagen der Entwicklung zu Leben und Werk; Heinz Monz; NCO-Verlag Neu 1973
.) Die Wissenschaft vom Wert: die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie zwischen wissenschaftlicher Revolution und klassischer Tradition; Michael Heinrich; Westfälisches Dampfboot 2017
.) Entstehung und Entwicklung der ökonomischen Lehre von Karl Marx; Ernest Mandel; Rowohlt 1983
.) Geschichte und Klassenbewußtsein. Studien über marxistische Dialektik; Georg Lukács; Malik 1923
.) Neue Marx-Lektüre. Zur Kritik sozialwissenschaftlicher Logik; Helmut Reichelt; ça-ira-Verlag 2013
.) Natur gegen Kapital. Marx’ Ökologie in seiner unvollendeten Kritik des Kapitalismus; Kohei Saito; Campus Verlag 2016
.) Geschichte des Marxismus; Predrag Vranicki; Suhrkamp 1974
.) Marx in Köln; Heinrich Billstein/Karl Obermann; Pahl-Rugenstein 1983
.) Thesen des Zentralkomitees der SED zum Karl-Marx-Jahr 1983; Dietz Verlag 1982
.) Friedrich Engels. Eine Biographie; Gustav Mayer; Julius Springer 1920
.) Karl Marx in Wien. Die Arbeiterbewegung zwischen Revolution und Restauration 1848; Herbert Steiner; Europaverlag 1978
.) Familie Marx privat. Die Foto- und Fragebogen-Alben von Marx’ Töchtern Laura und Jenny. Eine kommentierte Faksimileausgabe; Hrsg.: Izumi Omura/Valerij Fomičev/Rolf Hecker/Shun-ichi Kubo; Akademie-Verlag 2005

Links:

- www.marx-engels-stiftung.de
- www.marx-gesellschaft.de
- marxforschung.de
- www.bundesarchiv.de
- www.bpb.de
- www.karl-marx-ausstellung.de
- marx200.org/
- marxists.org
- www.rheinische-geschichte.lvr.de
- www.fes.de
- www.rosalux.de/
- www.comunista.at

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Naturnah und ökologisch – trotzdem schön

Mit den ersten Sonnenstrahlen und zweistelligen Temperaturen beginnt es jedes Jahr auf’s neue: Das Gewusel in den Gärten. Ich für meinen Teil habe in diesen Wochen des Frühjahrs die Baumärkte und Gartencenter zur Stock’schen Sperrzone erklärt: Was ich brauchen sollte, habe ich bereits im Winter besorgt – nurmehr jene Kleinigkeiten, die sofort verarbeitet werden müssen, finden den Weg über den Kassenscanner. Der Schlacht um die schönsten Pflanzenstecklinge soll schon so manch Einer zum Opfer gefallen sein, wird hinter vorgehaltener Hand erzählt.
Dann jedoch teilen sich die Geschmäcker. Bei der Antwort, wie ein schöner Garten auszusehen hat, gab, gibt und wird es immer geben: Teils wüsteste Beschimpfungen von Nachbarn, die sich ansonsten in allen anderen Dingen recht gut verstehen. Der Eine bevorzugt einen englischen Garten, in dem mit der Schere der Rasen auf die richtige Wimbledon-Länge gebracht wird, die Andere einen französischen, die Nachbarn drei Häuser weiter gar einen japanischen – und der Outsider auf der anderen Strassenseite einen Bauerngarten. Jedem das Seine, sofern viel Natur erhalten bleibt. Schliesslich sollte ein Garten Ort des Rückzugs sein, Spielplatz für die Kinder, die frischen Salate für die Küche bringen, … Dass viele dabei jedoch auch im Kleinen die Fehler der industriellen Landwirtschaft machen, die Natur mehr zugrunde richten als sie wachsen zu lassen, ist den meisten nicht bewusst! Da wird fleissig über das Bienensterben geschimpft, im eigenen Garten aber fleissig weiter-gesprüht. Das aktuelle Modeschimpfwort ist “Glyphosat”; trotzdem verwenden viele möglicherweise die Produkte “Glyfos Dakar”, “RoundupTurboplus” oder “Unkraut frei”, dabei beinhalten diese jeweils 680 g Gly pro Kilogramm des Produktes – die höchste Konzentration des Giftes, die für den Garten erlaubt ist (zumindest noch bis zum 31.12.2020). Doch dazu mehr etwas später.
Zunächst gilt es die Frage zu klären, was unter “schön” überhaupt zu verstehen ist, damit wir von einer gemeinsamen Basis ausgehen können. Jene Personen, die sich beruflich mit dieser Frage beschäftigen, sind die Landschaftsästheten. Sie verfolgen einen Grundsatz:

“Landschaften sind nicht erneuerbare Ressourcen. Das Landschaftsbild ist Teil dieser Ressourcen.”

Schönheit ist subjektiv – wir kennen das aus der Kunst: Was dem Einen gefällt, ist für den Anderen keines Blickes würdig. Gerade in der Natur verwenden wir nahezu all unsere Sinne um etwas empfinden zu können. Da kann das Auge in höchsten Tönen jubilieren, wenn ein Gestank von Moder durch die Luft zieht, wird wohl nicht von “schön” gesprochen werden. Hier muss wirklich alles passen: Das Bild blühender Blumen, der Geruch von Sommerlavendel, die Musik der fleissig zwitschernden Vögel, unterbrochen vom Brummen der vorbeifliegenden Hummel, die Pro-portionen zueinander, … Hinzu kommt noch, ob die Landschaft im Urlaub oder auf dem Weg zur Arbeit erblickt wurde, ob währenddessen Mann eine wunderschöne Frau im Arm hielt usw. – die emotionale Beziehung als Teil des Gesamteindrucks! Deshalb haben die Landschaftsästheten einige Qualitätskriterien aufgestellt:
- Vielfalt
Je vielfältiger eine Landschaft ist, desto mehr werden auch unsere Sinne angesprochen. Wechseln sich die unterschiedlichsten Vegetationstypen, Nutzungen, Oberflächen usw. ab, umso mehr Spielraum gibt es für die Aufnahme der Reize. Kann auch im Wechsel der Jahreszeiten einen hohen ästhetischen Wert haben! Für mich beispielsweise ist ein englischer Garten monoton und somit langweilig.
- Eigenart
Dieses Kriterium ist kulturgeschichtlich verankert. So wird jemand, der in den Bergen aufgewachsen ist, die Stadt oder Hügellandschaft nur schwerlich mit dem Begriff der Heimat und Schönheit verbinden. Auch für den Obstverkäufer von der spanischen Costa Brava werden die Berge nicht einen solchen Eindruck hinterlassen wie die unendliche Weite des mediteranen Horizonts!
- Geschlossenheit
Hierunter versteht der Experte die “naturraumtypische Landschafts-kammerung”. So wirkt für den Grössstädter etwa eine Schlucht oder Klamm als bedrohlich, manche bekommen gar Platzangst. Fahre ich hingegen von Würzburg in Richtung Lindau, so erwecken die schweizerischen und österreichischen Berge, die ab Ulm/Memmingen zu sehen sind, heimatliche, schöne Gefühle. Dafür wirken die Bankentürme in Frankfurt etwas bedrohlich! In der Psychologie weiss man, dass vertraute Orientierungspunkte intensive Emotionen auslösen können. Ähnlich der Seemann, der seine Heimatküste mit dem Leuchtturm durch’s Fernglas erblickt.
- Naturnähe
Versuchen Sie mal folgendes: Stellen Sie sich an einem schönen Tag auf eine Wiese inmitten einer menschenleeren Landschaft. Danach versuchen Sie es ebenfalls an einem schönen Tag auf einem grossen, geteerten oder mit Platten versehenen Platz. Bei welchem dieser beiden Bilder bekommen Sie wozhl mehr das Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit?
- Visuelle Verletzlichkeit
Landschaften sind verletzlich. Manches Mal sind es gar nur Kleinigkeiten, die den speziellen Flair ausmachen, sog. “Schlüsselelemente”. Entfällt auch nur einer dieser prägenden Elemente, so bekommt die Landschaft ein komplett anderes Bild, der Betrachter einen komplett anderen Eindruck. Häuserfronten bleiben zumeist über Jahre hinweg gleich!
- Schutzwürdigkeit
Ist eine Landschaft einzigartig, etwa der Naturpark Schwarzwald, das Global2000-Tal des Tiroler Lechs oder die Pommersche Seenplatte, so soll durch den Schutz dieser Region zu einem späteren Zeitpunkt daran erinnert werden, wie schön diese Landschaft und dessen Umland einst waren!
- Subjektives Erleben
Auch wenn diese Eigenschaft unterschiedlich wahrgenommen wird, so kommt ihm dennoch ein schwergewichtiges Entscheidungskriterium zu. Wird beispielsweise eine Schnellstrasse mitten durch’s Ried gezogen oder eine Seilbahn durch ansonsten naturgeschütztes Gebiet errichtet, so empfinden wohl die meisten die Schönheit dieser Landschaft als ruiniert! Dorfbilder, ja die komplette Infrastruktur muss der Landschaft angepasst werden. Gelingt dies, dann ist das Dorf für den überwiegenden Teil der Betrachter schön.
Aufgrund des soeben gelesenen kann alsdann gesagt werden: Je natürlicher ein Garten ist, desto schöner wird er empfunden. Auch ich hatte nach unserem Hausbau Sportrasen gesäht! Doch bereits ein Jahr später verbrachten wir Stunden mit dem händischen Entfernen des Unkrauts. Also liessen wir das Gras mitsamt aller Kräuter und Blumen natürlich nachwachsen. Andere verwenden die Chemiekeule. Somit war – so dumm das nun klingen mag – für mich ein Triumph, als ich eines Tages Maulwurfshügel in meinem Garten entdeckte – keinen einzigen hingegen bei den Nachbarn! Als mich ein Bekannter fluchen hörte, meinte er, ich möge doch froh sein: Der Maulwurf ist ein Zeichen für einen guten Boden!

https://www.youtube.com/watch?v=e2Ejanac6d4

Und damit zurück zur Chemiekeule: Alleine in Deutschland gibt es 17 Mio Haus- und Kleingärten. Auch in Österreich spricht die Agrarmarkt Öster-reich von 86 % der Haushalte, die einen Garten, eine Terasse oder zumindest Balkon besitzen. In deutschen Landen wurde 2001 eine Studie durch das Bundesverbraucherschutzministerium in Auftrag gegeben, deren Ergebnis erschreckend war: 90 % der Kleingärtner und ca. 73 % der Hausgärtner setzten Pestizide ein. Hinzu kommen die “Pflanzenschutz-mittel”. Zum Stand Dezember 2017 waren nicht weniger als 105 glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel am Markt erhältlich – 51 davon auch ohne Zusatzausbildung für den Hobbygärtner! Im Jahre 2014 landeten somit 95 Tonnen Pflanzengift in den heimischen Gärten! Zur Erinnerung an meinen damaligen Blog: Das Mittel zerstört alle Pflanzen – mit Ausnahme jener, die gentechnisch durch den vertreibenden Konzern resistent gemacht wurden. Zudem dürfen Herbizide, v.a. aber Pestizide nach Pflanzenschutzgesetz gar nicht dort ausgebracht werden, wo dies meist der Fall ist: Versiegelte Flächen, Park- oder Schulanlagen, Gehwege, Hauseinfahrten,… Testeinkäufe des Umweltinstitutes München ergaben im Jahr 2014, dass entweder wissentlich falsch von den Verkäufern beraten wurde oder sie hatten gar keine Sachkenntnis von gly-haltigen Mitteln. Deshalb fordern die Umweltexperten, dass glyphosathaltige Produkte gänzlich verboten werden sollen und sie ab sofort nicht mehr an Privatkäufer ohne Berechtigungsnachweis verkauft werden dürfen.
Im Natur- und Landschaftsschutzgesetz in Österreich bzw. dem Landschafts-gesetz in Deutschland ist ganz eindeutig der Hinweis enthalten, dass die landschaftstypische Vielfalt von Pflanzen und Tieren erhalten bleiben muss. Je mehr Pflanzen aus anderen Teilen dieser Erde im Garten gehalten werden, desto mehr wird gegen diesen Grundsatz verstossen. So wissen beispielsweise sehr viele nicht, dass der Buchsbaum gar nicht in Mitteleuropa heimisch war, sondern aus dem Mittelmeerraum bzw. ozeanischen Bereich stammt.
Der Oxforder Althistoriker und Garten-Guru Robin Lane Fox schreibt in seinem 2010 erschienenen Buch “Thoughtful gardening” vom “sorgsamen Gärtnern”. Soll heißen, man sollte immer wissen, was man wofür im eigenen Garten tut. Aktuell bestes Beispiel ist der Baum, den die beiden Präsidenten Trump und Macron im Garten des Weissen Hauses in Washington als Zeichen ihrer Freundschaft pflanzten. Nach zwei Tagen war er nicht mehr dort vorzufinden. Falscher Platz? Falscher Baum?
Wie sieht er nun wirklich aus, dieser “ökologische Garten”? Eigentlich eine Schande, dass es auch unökologische Gärten gibt! Was Herr Fox meinte, ist, dass in einem ökologischen Garten jede Pflanze an dem für sie richtigen Platz steht – im Gegensatz zum designten Garten, der vornehmlich für’s Auge gestaltet wird. Diese Entscheidung muss also bereits vor dem Gang in das Gartencenter gefällt werden. Fox spricht in diesem Zusammenhang vom “Beobachten des Gartens”: Wo siedelt sich was an und wie gedeiht es dort! Ein ökologischer Garten besticht durch seine Pflanzenvielfalt. Deshalb ist der Einsatz von Glyphosat grundsätz-lich abzulehnen. Fox nennt drei Grundregeln für den perfekten nachhaltigen Garten:
.) Erhalten Sie die Bodenfruchtbarkeit
Hierzu ist keine Chemiekeule erforderlich. Ein gesunder Boden ist die Basis für einen gesunden Garten. So sollte zu Beginn des Gartenjahres der Boden gelockert werden, damit das Wasser nicht an der Oberfläche abfliesst, sondern in den Boden versickert. Zudem benötigen auch die Bodenorganismem Luft. Darüber eine Mulchschicht aus Kompost, Rasenschnitt oder anderem organischen Material sorgt einerseits dafür, dass wichtige Nährstoffe wieder in den Boden zurückkommen und andererseits dass die Humusproduzenten wie Regenwürmer ständig genügend Nahrung bekommen. Einige Stellen sollten sich selbst über-lassen werden – etwa am Gehölzrand. Wichtig ist auch: Pflanzen mit unterschiedlicher Fruchtfolge schonen nicht nur den Boden, sondern freuen auch die Insekten. Werden nur Pflanzen gesetzt, die gemeinsam blühen, geht den Bienen die Nahrung aus. Zudem ermüdet der Boden. Gerade im Obst- oder Gemüsebeet sollte öfters ein Wechsel erfolgen. Das hilft übrigens auch beim Kampf gegen die Schädlinge, die sich ansonsten mit ihrem Nachwuchs häuslich einrichten, wenn Jahr für Jahr dieselben Pflanzen an denselben Stellen gesetzt werden.
.) Weg mit der Chemie
Dünger, Pflanzenschutzmittel und Pestizide gefährden auch die Nützlinge. So wurde etwa nachgewiesen, dass Glyphosat die wichtigen Regenwürmer negativ beeinflusst. Düngen geht auf ganz natürliche Art – etwa durch den Anbau von Hülsenfrüchten wie Bohnen oder Lupinen bzw. Schmetterlingsblütlern. An deren Wurzeln sammeln sich Knöllchen-bakterien (Rhizobien) an, die mit der Pflanze in Symbiose leben und aus dem Luftstickstoff den Düngerstickstoff herstellen. Dadurch wird ferner der Humusaufbau unterstützt. Auch Jauche (etwa Brennessel-Jauche), Stallmist oder Kompost sind hervorragende Düngemittel. Doch ist hierbei Vorsicht geboten: Nicht alle Pflanzen brauchen gleich viel Dünger! Im Gemüsebeet darf’s etwas mehr sein, bei Zierpflanzen etwas weniger. Übrigens eignet sich auch Kaffeesatz hervorragend als Dünger bzw. im Buchsbaum selbst verteilt als Mittel gegen den Buchsbaumzünsler! Und: Die Schnecken mögen Kaffee überhaupt nicht!
.) Pflanzen benötigen Schutz
Für das Pflanzen oder die Aussaat müssen unbedingt die richtigen Termine eingehalten werden. Dadurch lernt die Pflanze selbst ihre Abwehrkräfte aufzubauen. Ausserdem sollten die Nützlinge bei Ihrer Arbeit unterstützt werden. Insekten, Spinnen oder Vögel fressen Schädlinge, der Igel auch Schnecken. Sollte der Schädlingsbefall doch zu heftig werden, so hilft nur das Einsammeln oder das Abspritzen mit einem Wasserschlauch. Auch Köder- oder Pheromonfallen sind hierbei sehr hilfreich. Erklären Sie aber nicht den Garten bei nur geringem Schädlingsbefall bereits zum Kriegsgebiet, da in einem schädlingsfreien Garten auch keine Nützlinge zu finden sind! Unkraut muss ebenfalls samt der Wurzeln händisch entfernt werden – in vielen Fällen kann jedoch auch Mulchen helfen!
Im ökologischen Garten kommt der Bewässerung eine ganz entscheidende Bedeutung zu. An einem sonnigen Tag im Sommer verdunsten schon mal bis zu 4 l Wasser pro Quadratmeter Rasen. Das spürt am ehesten das flachwurzelnde Gras (bis max. 15 cm Wurzeltiefe). Wegerich und Habichtskraut sind weniger anspruchsvoll – sie nutzen trockene Bodenflächen und entziehen dem Gras, das der Trockenheit bislang strotzte, noch das letzte Wasser und Nährstoffe. Deshalb sollte dem durch die richtige Bewässerung vorgebeugt werden. Bereits braunes Gras kann nicht mehr gerettet werden. Verwenden Sie zum Giessen wo möglich Regenwasser, da das Leitungswasser einerseits sehr kalkhaltig und andererseits mit Chlor, Fluor oder Ozon aufbereitet ist. Beim oberirdischen Bewässern erspart Ihnen eine Sprinkleranlage, gesteuert von einem Bewässerungscomputer mit Regensensor viel Arbeit und Zeit. Welchen der unterschiedlichen Sprinklern Sie verwenden, bleibt Ihnen überlassen:
- Impuls- oder Schwinghebelregner
- Getriebe- oder Versenkregner
- Viereckregner
- Sprühregner
Der Perlschlauch mit seinen kleinen Poren ist vornehmlich für grosse Rasenflächen oder auch Gewächshäuser gedacht. Durch die Poren gibt er ständig Wasser ab und sorgt auf diese Art für ein feuchtes Oberflächenklima.
Beim unterirdischen Bewässern sollte bereits bei der Gartenplanung die Lage der Tropfrohre berücksichtigt werden. Diese Bewässerung ist für kleinere Flächen oder auch Hecken gut verwendbar. Durch Sensoren kann die Feuchtigkeit des Bodens gemessen und das System automatisiert werden.
Bei allen Varianten sollte das Wasser bis zu 15 cm tief in den Boden versickern, da der Rasen ansonsten noch flacher wurzelt und damit noch anfälliger bei Trockenheit wird. Bei lockerem Sandboden sind hierfür alle drei bis vier Tage 10 bis 15 Liter Wasser auf den Quadratmeter notwendig (bei lehmigem Boden pro Woche 15 bis 20 Liter). Grundsätzlich sollte während der Nacht- oder sehr frühen Morgenstunden bewässert werden, da die Verdunstung aufgrund der abgekühlten Bodentemperatur geringer ausfällt. Apropos: Bleibt das Gras nach dem Mähen liegen (Mulch mähen), senkt auch dies die Verdunstung. Kaliumdünger (etwa abgebrannte Holzasche – empfehlenswert vornehmlich bei sauren Böden) verstärkt zudem die Wasseraufnahme der Pflanzen. Bewässern Sie ausserdem stets bodennah, da feuchte Blätter rascher von Pilzen befallen werden. Zudem wirken Wassertropfen auf Blättern bei starker Sonneneinstrahlung wie ein Brennglas. Schnecken übrigens fühlen sich im nassen Rasen am wohlsten! Vermeiden Sie nicht nur deshalb auch durch portionsweises Giessen Staunässe. Bei dieser erhalten die Wurzeln zu wenig Luft – sie ertrinken. Ferner benötigen die Pflanzen auch im Herbst oder manche während eines trockenen Winters Wasser.

https://www.youtube.com/watch?v=bIrAqaHUONk

Pflanzen Sie in Ihrem ökologischen Garten nur regionaltypische Pflanzen. Seit dem vorletzten Jahrhundertwechsel sind rund 75 % aller Kulturpflanzensorten verschwunden. Alte Obst- und Gemüsesorten liefern einen wichtigen Beitrag zur genetischen Vielfalt unserer Pflanzen, sie sind robuster und werden immer mehr auch in Gourmetküchen wiederentdeckt. Durch den Einsatz glyphosatresistenter Pflanzen vernichten Sie einen wichtigen Teil unserer biogenen Kultur.
Grundsätzlich sei erwähnt, dass ein naturnaher, ökologischer Garten weitaus weniger Arbeit als ein Designergarten verursacht. Nicht jedes Unkraut oder Ungeziefer muss sofort entfernt werden, da es als Nahrung für die Nützlinge dient. Den Gras- oder zerkleinerten Heckenschnitt können Sie liegen lassen – durch das Mulchen gelangen die Nährstoffe wieder in den Boden. Komposterde ersetzt den Torf und versorgt den Boden mit notwendigen Kleinorganismen, die wiederum das Bodengefüge selbst wesentlich verbessern. Verzichten Sie bitte auf alle Fälle auf Torferde – sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Moore! Pflanzenjauche oder Spritzbrühen sind um ein Vielfaches besser als chemischer Dünger. Ausserdem wirken diese auch als hervorragendes Mittel gegen so manches Ungeziefer.
Der Mensch muss sich auf die Einheit mit der Natur rückbesinnen – ansonsten zerstört er den wohl wichtigsten Faktor, den er zum Leben braucht!

Lesetipps:

.) Öko-Gärten als Lebensraum. Grundlagen und praktische Anleitungen für einen Naturgarten; Michael Lohmann; Bertelsmann Club 1983
.) Thoughtful Gardening; Robin Lane Fox; Basic Books 2010
.) Mischkultur im Ökogarten. Vorteilhafte Pflanzengemeinschaften; Ina Jung; ADMOS Media GmbH 1992
.) Schöne Wege im Naturgarten – Wege, Plätze und Einfahrten als Lebensräume; Ulrike Aufderheide; pala Verlag 2015
.) Mischkultur im Hobbygarten; Schwester Christa Weinrich OSB; Verlag Eugen Ulmer 2015
.) Schön wild!: Attraktive Beete mit heimischen Wildstauden im Garten; Brigitte Kleinod/Friedhelm Strickler; pala verlag 2017
.) Pflanzenschutz im Ökogarten: Für ein Umdenken im Gartenbau; Engelbert Schramm; FISCHER Taschenbuch 1985
.) Auf gute Nachbarschaft: Mischkultur im Garten. Gemüse – Kräuter – Zierpflanzen; Natalie Faßmann; pala verlag 2017
.) Rasen und Wiesen im naturnahen Garten: Neuanlage – Pflege; Ulrike Aufderheide; pala verlag 2016
.) Das Mulchbuch: Praxis der Bodenbedeckung im Garten; Dettmer Grünefeld; pala verlag gmbh 2008
.) Der sanfte Schnitt: Schonend schneiden im Naturgarten. Obstbäume, Rosen, Wildgehölze und mehr; Ulrike Aufderheide; pala verlag 2015
.) Das Kompostbuch: Gartenpraxis für Selbstversorger und Hobbygärtner; Agnes Pahler; pala verlag 2016
.) Landschaftsästhetik. Über das Wesen, die Bedeutung und den Umgang mit landschaftlicher Schönheit; H. H. Wöbse; Verlag Eugen Ulmer 2002
.) Thema: Landschaftsbild – Landschaften lesen. Impulse zur Landschaftsästhetik, Naturwahrnehmung und Landschaftsbildbewertung für die norddeutsche Kulturlandschaft; U. Franke; Oceano Verlag 2008

Links:

- www.dib.boku.ac.at
- www.donau-uni.ac.at
- landespflege-freiburg.de
- www.obg.uni-bayreuth.de
- www.arche-noah.at
- www.biologischevielfalt.at
- www.nabu.de
- naturschutzbund.at
- www.umweltdachverband.at
- www.naturtipps.at
- www.bluehendesoesterreich.at
- www.argechance.at
- www.naturgarten.org/
- www.kleingarten-bund.de
- www.winkenbach.net
- www.kleingaertner.at
- www.oegg.or.at

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