Archive for September, 2018

Grosswildjagd – der zweifelhafte Weidmann


“Es ist völlig absurd, dass Wilderei als Vebrechen geahndet wird und trotzdem ganz legal jede Menge Jagdtrophäen von streng geschützten Tieren nach Deutschland importiert werden dürfen!”

(Steffi Lemke, naturschutzpolitische Sprecherin der Grünen)

In letzter Zeit tauchen wieder vermehrt ekelerregende Trophäenbilder von Menschen in den Social Medias auf, die kurz zuvor ein Tier erlegt haben. Allerdings nicht irgendein Tier, sondern einen Löwen, einen Elefanten, ein Nashorn, einen Leoparden – Grosswild! Gerade erhielt ich eine Mail mit der Bitte, eine Petition zu unterschreiben, mit der ein Massenabschuss von Flusspferden in Sambia verhindert werden soll.

https://www.regenwald.org/petitionen/1149/massentoetung-von-hippos-verhindern?t=4389

Angeblich habe deren Population dermaßen zugenommen, dass sie zurückgetrimmt werden soll – 2.000 Tiere innerhalb von fünf Jahren im Tal Luangwa werden das wohl mit ihrem Leben bezahlen. Fragt man sich, weshalb es die dortigen Behörden nicht selbst schon erledigt haben und ein Abschuss satte 14.000,- US-Dollar kostet (inkl. Safari)! Die dortige Regierung hat die Aktion zwar bestätigt, betont aber, dass pro Jahr maximal 250 Tiere geschossen werden dürfen. Meine mathematischen Fähigkeiten reichen leider nicht soweit, dass ich hier einen Zusammen-hang zwischen den Zahlen herstellen kann. Ausserdem wurde ein Nachweis für eine Überpopulation bisher nicht erbracht. Es geht also einmal mehr darum, zahlungskräftige Touristen anzulocken. Und damit die anderen Touristen nicht verschreckt werden, wird die biologische Notwendigkeit in’s Spiel gebracht. Dabei scheinen die Veranstalter jedoch komplett vergessen zu haben, dass nach dem Washingtoner Artenschutz-konferenz (CITES Anhang I – vom Aussterben bedroht/Anhang II – gefährdet) das Hippopotamus amphibius (Großflusspferd) als gefährdet und das Hexaprotodon liberiensis (Zwergflusspferd) als stark gefährdet eingestuft sind. Auch die Republik Sambia hat dieses Abkommen unterzeichnet – nur bei zwei Krokodilarten hatten deren Vertreter Einspruch erhoben. Zum Artenschutzabkommen gibt’s etwas später ausführliche Informationen.
Mittels derartiger Massnahmen soll also erneut durch den Geltungswahn einiger Reichen eine Tierart nahezu ausgerottet werden, die sicherlich ansonsten überleben würde. Übrigens: Nicht der erste Versuch: 2016 musste ein solcher Plan nach starkem internationalen Protest fallen-gelassen werden. Weltweit leben derzeit noch rund 125.000 bis 140.000 Grossflusspferde und nurmehr 2.000 bis 3.000 Zwergflusspferde.

“Die Trophäenjagd ist unnötig und weder im Interesse des einzelnen Tieres noch der gesamten Art.”
(Ainsley Hay, Südafrikanische Gesellschaft zur Verhinderung von Tierquälerei)

Es ist erschreckend zu sehen, wie einfach es ist, sogar einen Tiger- oder Nashornabschuss zu buchen. Geht alles online – nur eine Frage des Geldes. Mit einem Click fand ich offenbar einen Grossanbieter. So ist die Jagd auf Antilopen und Zebras bei diesem mit 2.050,- € während eines achttägigen Jagdaufenthaltes ein richtiggehendes Schnäppchen. Und eine Begleitperson ohne Gewehr ist bei der Safari sogar kostenlos dabei. Etwas teurer ist mit 4.500 € die Giraffe oder mit 11.395,- € (inkl. sieben Tage) der Elephant. Der Löwe kostet 25.000,- € (inkl. zehn Tage). Wahre Liebhaber, wie jener US-Zahnarzt, der den weltweit bekannten Löwen Cecil mit Pfeil und Bogen jagte, oder der Berliner Jäger, der den letzten grossen Elefantenbullen in Simbabwe niederschoss (alleine seine Stosszähne wogen 109 kg), zahlen selbstverständlich auch gerne ein kleines bisschen mehr! Der Amerikaner beispielsweise 45.000,- Euro! Fakt ist, dass jährlich mehr als 100.000 Wildtiere von rund 18.000 Grosswildjägern erlegt werden. Während der eine seinen Kick bei der Braunbärjagd sucht, mag es der andere doch lieber bei den schnellen Geparden. Und wie die Statistik beweist, schiessen Deutsche ganz vorne mit: Alleine 2017 wurde die Einfuhr von Trophäen von nicht weniger als 615 Tieren durch Genehmigungen des Bundesamts für Naturschutz (BfN) erlaubt. Darunter auch Nashörner, Elefanten und Leoparden. Nur in den USA und Spanien waren es noch mehr. Nachzuweisen ist lediglich, dass es ein Privatabschuss, kein kommerzieller war und dass die Jagd “nachhaltig” sowie legal stattfand. Ähm – wie bitte? Wie kann der Abschuss des letzten Bullens nachweislich dem Erhalt der Rasse dienen? Auch wenn kontrollierte Abschüsse von so manchen gutgeheissen werden, bleiben alsdann die vielen nicht legalen Abschüsse, die Wildereien. So wurde die Elefantenpopulation (zahlenmässig bestätigt!) im vergangenen Jahr um ein Drittel nach unten reduziert! Erst wenn die Tiere zu einer Landplage werden (wie in Australien die Wildkaninchen, da die natürlichen Feinde fehlen) oder dem Menschen gefährlich werden ( zum Beispiel die Menschenkiller unter den Tigern) sind solche Pseudoausreden gerechtfertigt. Ansonsten sind und bleiben sie eine Geldmacherei auf Kosten der Tiere und damit der Umwelt.
Alljährlich zeigt es die Jagdmesse “Jagd & Hund” in Dortmund in aller Tragik auf: Spezialisierte Reiseveranstalter lassen keinen Wunsch offen, wenn es darum geht, ihre Kunden zufrieden zu stellen. Die “Big Five” Steppenelephant, Spitzmaulnashorn, Büffel, Löwe und Leopard sozusagen auf dem goldenen Tablett. Internationale Jagdverbände vergeben sogar Medaillen für die grössten Abschüsse. Dadurch werden nicht etwa die kranken oder alten Tiere erschossen, sondern die grössten und kräftigsten, die zum Erhalt der Art immens wichtig sind. Steht plötzlich eine Herde oder ein Rudel ohne Anführer da, kann dies schlimme Folgen haben. Den “Infantizid” beispielsweise. Wird das mächtgsten Männchen abgeschossen, übernimmt dessen Position ein Jungtier. Das aber tötet den kompletten Nachwuchs seines Vorgängers. Bei Löwen und Bären gang und gebe. Somit hat der Jäger mit einem Bullen-Abschuss nicht nur ein Tier, sondern viele auf dem Gewissen.
Im Mai 2017 gelangte eine Gruppe von Jagdtouristen “während eines Spazierganges” in eine kleine Herde trächtiger Elefantenkühe. Es ist bekannt, dass Elefanten beim Schutz ihres Nachwuchses sehr gefährlich werden können. Drei Tiere wurden geschossen. Die vierte Kuh griff angeblich die Jagdgemeinschaft an. Auch sie wurde geschossen, begrub aber den Jagdführer Theunis Botha beim Fall unter sich – er wurde zerquetscht. Der Vorfall ereignete sich in einem Wildschutzgebiet in Simbabwe! So hart das nun vielleicht für sie klingen mag: Ich weine ihm keine Träne nach!
Dabei wäre es doch so einfach – andere Staaten sind hier um Meilen voraus: Frankreich belegte die Einfuhr von Löwen-Trophäen bereits im Jahr 2015 mit einem grundsätzlichen Verbot, die Niederlanden folgten ein Jahr später mit einem Einfuhrverbot von Trophäen jeglicher geschützten Art. Ähnliches auch in Australien. Kenia und Botswana haben die Grosswildjagd gänzlichst verboten.
Auch Prominente setzen sich inzwischen gegen den Abschuss in der Savanne ein:

“Since the reason to bring a trophy back is to show off to other people how ‘manly’ and ‘exciting’ you are, banning trophies would immediately remove this disgusting motive.”
(John Cleese)

Auf der Jagd nach dem grossen Geld kennen die verantwortlichen Politiker und Beamten vorort keine Hemmnis. 2017 waren auf dem afrikanischen Kontinent nicht weniger als 1.028 Elefanten zum Abschuss freigegeben; in Namibia offenbar bis zum letzten Exemplar. 20.000 Löwen leben noch in freier Wildnis. Tendenz: Sinkend!
Immer wieder verweisen die Befürworter der Grosswildjagd auf das Geld, das der ansonsten armen Bevölkerung zugute kommt. Eine Studie der Weltnaturschutzunion IUCN beweist das Gegenteil. Jene Bevölkerung, die an derartigen Jagd-Safaris beteiligt ist, erhält alsdann im Durchschnitt 0,3 US-Dollar pro Person. Jährlich! Wahre Wohltäter also, diese Reichen und Reiseveranstalter. Oftmals finden die Jagden auf Privatgelände statt, sodass die arme Bevölkerung so oder so durch die Finger schaut.

https://www.youtube.com/watch?v=ijeFe9OVUKI

Besonders erschreckend und verurteilenswert ist meines Erachtens der Abschuss eigens herangezogener Tiere, die den Kontakt zum Menschen gewohnt sind und oftmals unbedarft zahm auf ihre Henker zumarschieren. Vor allem Löwen werden auf Löwenfarmen herange-züchtet (“canned lions”) und meist erst kurz vor der Jagd in die Wildnis entlassen. Bei der Fütterung erfolgt dann der Abschuss! Ist das weidmännisch und somit auch ethisch vertretbar? Derzeit warten etwa 6000 Tiere alleine in Südafrika in derartigen Farmen auf ihren grossen, aber auch letzten ungleichen Auftritt in der Arena.
Anders hingegen die Situation bei den Fotosafaris. Das haben besonders Kenia und Botswana erkannt. Kenia erwirtschaftet jedes Jahr eine runde Milliarde Dollar aus Fotosafaris – bei Jagdsafaris wären es 30 Millionen. Zigtausende Arbeitsplätze werden dadurch gehalten. Doch – was soll fotografiert werden, wenn es keine Nashörner, keine Elephanten und Löwen mehr gibt? Korruption, Missbrauch von Gesetzen und die Gier nach der grössten Trophäe lassen die Jäger und die Wilderer dabei keinerlei Grenzen kennen. Bei letzteren kommt leider noch die nicht enden wollende asiatische Nachfrage nach dem Horn der Elephanten und Nashörner hinzu. So werden alsdann auch in Nationalparks Tiere geschossen. Der Löwe Cecil etwa trug als Teil eines Forschungsprojektes der Universität Oxford einen GPS-Sender und befand sich zum Zeitpunkt seiner Verwundung durch den Pfeil des Zahnarztes im Hwange-Nationalpark in Simbabwe. Erst 40 Stunden später wurde das blutende Tier gefunden und getötet. Die begehrtesten “Safari Areas” für Grosswild-jäger sind die privaten Rinderfarmen in Südafrika und Namibia (“Privat conservancies”), gefolgt vom “Communal Land” in Sambia, Simbabwe und Tansania. In anderen Ländern ist es weitaus schwerer an Abschuss-lizenzen zu kommen, doch mit dem nötigen Geldschein auch hier nicht unmöglich. Die privaten Ländereien sind meist von unüberwindbaren hohen Zäunen umgeben, sodass dem Wild nicht mal die Möglichkeit der Flucht geboten wird (“Gatterjagd”). Bei solchen verachtenswürdigen Jagden werden auch immer öfter aufgezogene oder eingekaufte Tiere geschossen. Heiss begehrt sind derzeit die Spezialzüchtungen: Weisse Löwen etwa oder goldenfarbene Gnus.

“Unsere Kunden kommen, um ein afrikanisches Abenteuer zu erleben, von dem sie lange geträumt haben!”
(Stan Burger, Mitglied des südafrikanischen Berufsjägerverbandes PHASA)

Reiseveranstalter ködern Interessenten mit einem “einmaligen Erlebnis” und nicht für jederman geeignet, da im Umgang mit einer speziellen Büchse, mit eigens hierfür produzierter Munition (wie dem SuperPenetrator von Dr. Norbert Hansen) und schliesslich mit Schüssen auf kurze Distanz (in der Leopardenjagd beispielsweise). Wer will heutzutage schon jederman sein!? Und bei den Elefanten werden offiziell ohnedies nur Lizenzen für alte, grosse Tiere vergeben, die kurz vor ihrem natürlichen Tod noch etwas Geld in den Naturschutz bringen sollen. Zudem soll das Fleisch der erlegten Tiere noch im Rahmen eines grossen Dorffestes zerlegt und verspeist werden! Unwahrheiten, die immer wieder durch entsprechende Bilder widerlegt werden.
Nur ganz wenige Jagdgebiete bieten eine tatsächlich “nachhaltige Jagd” an – eines davon ist der Etosha-Nationalpark in Namibia. Die hier praktizierte, kontrollierte Quotenregelung wird seit dem Dezember 1988 durch eine Spezialeinheit überwacht, die mit kriminellen Wildererbanden kurzen Prozess macht. Das Geld, das durch den Abschuss reinkommt, bleibt bei der Bevölkerung, die dadurch selbst daran interessiert ist, dieses bewährte System auch künftig beibehalten zu können. Nur aufgrund dieser Massnahmen konnte beispielsweise die Zahl der Spitzmaulnashörner erhöht und die Tiere möglicherweise vor dem Aussterben bewahrt werden. Der Abschuss eines solchen Exemplars kostet ansonsten bis zu 280.000,- €! Die Erfahrungen zeigen zudem, dass solche kontrollierte und zertifizierte Abschüsse (“Weidgerechtigkeit”) durchaus im Sinne vieler Grosswildjäger wären. Würden sie denn auch angeboten!

“Die Ressource Wild hat durch die Bejagung einen Wert, und das schafft Anreize, das Wild zu schützen!”

(Klaus Hackländer, Institut für Wildtiermanagement der Uni Wien)

Jagdverbote, wie in Kenia oder Tansania, führten zu einer Ausweitung des Acker- und vor allem Weidelandes für die Rinderzucht, was wiederum verantwortlich war für den Rückgang der Wildtierpopulationen, da der Boden zu stark ausgebeutet wurde.

https://www.youtube.com/watch?v=LIow2-dmVDo

Grosswildjäger (ausser jene, die ethisch korrekt jagen) sind beileibe keine Wohltäter, die ganze Dörfer vor dem Verhungern retten und Geld für den Wildschutz einspielen. Sie töten für den eigenen Adrenalinspiegel, zur Befriedigung des Egos, zum Beweis, wie grossartig und mutig sie sind (Trophäe). Erst ein grundsätzliches Einfuhrverbot der Jagdtrophäen aus nicht zertifizierten Abschüssen kann dieses mafiöse System stoppen. Schliesslich ist ein Grosswildjäger ohne Jagdtrophäe vergleichbar mit einem Politiker ohne Verdienstkreuz oder sonstigem Ordenszeugs! Diese Nachweise werden aber zumeist auch bei Einzel-Einfuhrgenehmigungen nicht kontrolliert.
Neue Projekte vorort, wie jenes im Etosha-Nationalpark, sollen der Bevölkerung aufzeigen, dass ein Grosstiermanagement durchaus funktionieren und jeder Einzelne durch beispielsweise der Schaffung von Arbeitsplätzen am Umweltschutz verdienen kann. Bei den meisten Jagdsafaris aber streifen nur die Veranstalter das Geld ein.

“Es ist ein Geschäft, das sich weit über den Köpfen jener abspielt, die sich nicht einmal ein Stück Land kaufen können, um dort Ackerbau zu betreiben!”
(Joseph Maramba, Journalist aus Simbabwe)

Steht nun eine Tierart auf der sog. “Roten Liste” (CITES Anhang I und II) des Washingtoner Artenschutzabkommen, so ist der Handel mit Trophäen oder anderen Körperteilen verboten. Der Zoll aller Einfuhrländer ist hier angehalten, derartige “Produkte” zu beschlagnahmen und Anzeige zu erstatten, sofern keine Einfuhrgenehmigung des Bestimmungslandes und Abschussgenehmigung des Ursprunglandes vorliegt. Die US-amerikanische Regierung unter Donald Trump allerdings hatte 2017 ein solches Einfuhrverbot für Elephantentrophäen aufgehoben, nachdem zwei Söhne des Präsidenten selbst gerne zur Jagdsafari auf den afrikanischen Kontinent fliegen. Diese Aufhebung des Importverbotes galt allerdings tatsächlich nur einen Tag – weltweite Proteststürme veranlassten Trump dazu, seine Entscheidung wieder zurückzunehmen. Schliesslich wäre dadurch der offizielle Import von Elfenbein in die USA genehmigt worden.

Filmtipps:

.) Safari – Der Preis fürs Töten; Die Veguerilla; ORF Weltjournal
.) Safari; Regie: Ulrich Seidl

Lesetipps:

.) Auf den Fährten der Big Five: Drei Jahrzehnte Jagd in Afrika; Rolf D. Baldus; Franckh Kosmos Verlag 2008
.) Wildlife – Ein Leben für die Elefanten; Richard Leakey; S. Fischer 2002
.) Grosswildjagd im alten Afrika – Das Leben des Wildhüters Brian Nicholson; Brian Nicholson; Neumann-Neudamm 2017
.) Abenteuer Großwildjagd. Packende Erlebnisse in Steppe, Berg und Dschungel; Hrsg.: Franz. Kurowski; Arena Verlag GmbH 1986

Links:

- www.ifaw.org
- www.prowildlife.de
- lionaid.org
- www.traffic.org
- www.regenwald.org
- www.wwf.at
- www.bfn.de/
- www.grosswildjagd.de/
- huntexperts.com

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Ist bald Schluss???

“Zeige mir einen Wissenschaftler, der behauptet, es gebe kein Bevölkerungsproblem, und ich zeige dir einen Idioten.”
(Paul Ehrlich)

Steht die Erde unmitelbar vor ihrem 6. globalen Massensterben? Dieser Frage möchte ich heute nachgehen – Anlass hierzu liefert ein Interview des renommierten emeritierten Stanford-Professors Paul Ehrlich in der britischen Zeitung “The Guardian”.
All jene unter ihnen, die ihn kennen, werden sagen: Na ja – der Biologe hat für die 70er- und 80er-Jahre ähnliches vorausgesagt, das dann nicht so eingetroffen ist. Doch dieses Mal geht Ehrlich seine Überlegungen von einer anderen Perspektive aus an: Der Chemiekeule! Dazu mehr etwas später. Dass aber derartige Theorien durchaus ernst zu nehmen sind und zumindest etwas geändert werden sollte, dürfte klar sein. Denn: Das berühmte “5 vor 12″ ist schon längst überschritten. Das werde ich im Folgenden aufzeigen.
Der letzte Kollaps liegt rund 750 Millionen Jahre zurück. Der Grund dafür war die Teilung des riesigen Kontinents Rodinia. Zugleich erreichte die Konzentration an Kohlendioxid seinen historischen Tiefststand. Es fand also der gegenteilige Effekt des Treibhauses statt: Die Vereisung, da die auf den Planeten aufteffende Strahlung nahezu ungehindert wieder in’s Weltall reflektiert wurde. Gletscher bedeckten einen Grossteil des Planeten. Verantwortlich dafür war das Basaltgestein, das durch dieses tektonische Auseinanderbrechen der riesigen Landmassen freigesetzt wurde. Es verwitterte und entzog dadurch der Atmosphäre das CO2. Zuvor herrschte ein extrem trockenes Klima auf diesem Superkontinent. Nach der Trennung ergossen sich allerdings die Fluten über den Planeten. Nach Berechnungen des “Centre national de la recherche scientifique” reichten damals durchschnittlich knapp mehr als 8 Grad Celsius weniger, um diese eiszeitliche Katastrophe auszulösen. Jetzt bekommen Sie auch einen Anhaltspunkt, was die immer wieder erwähnten “2 Grad mehr” für die Zukunft bedeuten werden.

“Während einige in der Gesellschaft darauf hinweisen, dass wir auf einen Kollaps zusteuern und grundlegende Veränderungen einfordern, um das Schlimmste zu verhindern, sind es die Eliten, die genau diese Veränderungen verhindern.”
(Studie der NASA)

Der Biologe Paul Ehrlich nun hat gemeinsam mit seiner Frau Anne vor 50 Jahren den Bestseller “Die Bevölkerungsbombe” auf den Büchermarkt gebracht. Dort prognostizierte er für die 70er und 80er-Jahre des vorhergehenden Jahrhunderts gewaltige Hungerkatastrophen mit hunderten Millionen Todesopfern. Auslöser dafür sollte vornehmlich die Überbevölkerung des Planeten aber auch der grenzenlose Konsum sein. Ehrlich könnte Recht gehabt haben, doch bezog er einige Parameter in seine Theorie nicht ein. Die “grüne Revolution” beispielsweise. Dieser Fachbegriff beschreibt den Anstieg der Nahrungsmittelproduktion durch den Einsatz von Agrarchemikalien, wie dem synthetischen Kunstdünger, und der Entwicklung ertragreicher Getreidesorten. Dennoch: In den Jahren zwischen 1968 und 2010 verhungerten 300 Millionen Menschen!
Diese daraus hervorgegangene Intensivlandwirtschaft jedoch hat auch seine Nachteile, die der heute 85-jährige kürzlich in diesem Interview offenbarte. Die eingesetzten Chemikalien haben unseren Planeten vergiftet!

“Es gibt Anzeichen dafür, dass die Gifte die Intelligenz von Kindern verringern!”
(Paul Ehrlich, Professor an der Stanford University)

Auch damit hat Ehrlich nicht so ganz unrecht. Betrachtet man sich das in vielen Nahrungsmitteln inzwischen nachgewiesene Glyphosat und die angebliche interne Mail des Monsanto-Konzerns, wonach das Mittel entgegen vorher veröffentlichter Untersuchungsergebnisse doch die Entstehung von Krebs begünstige, so ist es nurmehr eine Frage der Zeit, wann sich die Menschheit selbst ausgerottet hat. Durch die Hunger-katastrophen und die Klimaänderung wird dies noch beschleunigt. Allerdings, so Ehrlich, werden die meisten dumm sterben. Viele der eingesetzten Chemikalien beeinflussen die menschliche Intelligenz. Negativ! So verwies der emeritierte Professor auf den republikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2016 und die anschliessende “Kakistokratie” – die Herrschaft der Schlechtesten!
Die beiden Neurowissenschafter Philippe Grandjean (Universität von Süddänemark in Odense) und Philip Landrigan (Harvard University) haben nachgewiesen, dass mindestens elf Chemikalien bei bereits früher Belastung zu Entwicklungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern führen können. Darunter sind mehrere Pestizide und Lösungs-mittel, aber auch Produkte, die Blei, Mangan, Quecksilber und Fluor- bzw. Chlorverbindungen beinhalten. Grandjean und Landrigan betonen, dass bereits jedes zehnte Kind von Geburt an eine Entwicklungs- oder Verhaltensstörung wie Autismus, Hyperaktivität, geistige Defizite aufweist und zudem später beispielsweise eine wesentlich höhere Aggressions-stufe hinzukommen kann. Dabei sind aber nur 30 bis max. 40 % durch genetische Defekte verursacht. Bei den restlichen müssten viele bereits im Mutterleib mit solcherlei Neurotoxinen in Kontakt gekommen sein. Das sich entwickelnde Gehirn ist gerade beim ungeborenen Kind besonders empfindlich. Durch die Versorgung mit mütterlichem Blut werden derartige Gifte direkt übertragen. So konnten im Jahr 2006 im Rahmen einer Überblicksstudie mehr als 200 Chemikalien aus dem Nabelschnurblut herausgefiltert werden. Darunter das vorhin bereits angesprochene Blei und Quecksilber, aber auch Arsen, polychlorierte Biphenyle sowie das Lösungsmittel Toluol. Sind auch solche Vergiftungen nicht unmittelbar feststellbar, so führen sie zu grossen Problemen im Sozialverhalten, motorischen Störungen, eine geringere geistige Leistungsfähigkeit und möglicherweise zu einem kleineren Hirnvolumen. Andere Studien aus Kanada und Bangladesch zeigten unmittelbare Auswirkungen von Mangan auf die mathematischen Fähigkeiten und einer Hyperaktivität der Kinder auf, in Frankreich und den USA Tetrachlorethylen auf aggressives Verhalten, Hyperaktivität und psychische Erkrankungen. Bei drei weiteren Untersuchungen wurden Auswirkungen von Organophosphat-Pestiziden auf den Kopfumfang und Defizite in der geistigen und sozialen Entwicklung bestätigt. Sicherlich stehen auch schlechtere schulische Leistungen, Konzentrations-schwierigkeiten und eine verlangsamte Entwicklung in Korrelation mit Chemikalien – das jedoch ist derzeit noch nicht wissenschaftlich untermauert. Schäden, die das Kind durch eines oder mehrere dieser derzeit 214 Neurotoxine, die zumeist in grossen Mengen ausgebracht werden, aufweist, bleiben ein Leben lang bestehen. Volkswirtschaftler schätzen etwa die IQ-Einbussen in der EU nur aufgrund der Quecksilberbelastung auf jährlich 600.000 IQ-Punkte – ein ökonomischer Schaden von zirka zehn Milliarden Euro – ebenfalls pro Jahr! Und dieses Problem besteht nicht erst seit den letzten Jahren, da in den 70er Jahren mit dem Verbot des Pestizids DDT, das im Verdacht stand, bei Säugetieren Krebs zu erregen, beispielsweise fieberhaft nach neuen Mitteln gesucht wurde. Und die Babies dieser damaligen Zeit sind die Erwachsenen von heute!
Neben solchen neurotoxischen Pestiziden werden auch Herbizide, Fungizide, Düngemittel, Wachstumsregulatoren, Vorratsschutzmittel etc. in grossen Mengen auf die Felder und Äcker gesprüht. Wir atmen somit – v.a. im Umkreis von Ackerflächen – mit jedem Atemzug auch Giftstoffe ein, die der Körper (wenn überhaupt) nur sehr schwer abbauen und ausscheiden kann. Das Augenmerk gilt dabei vornehmlich den Insektiziden, die zwar auf ihren unmittelbaren Schaden bei Säugetieren, nicht jedoch auf pränatale oder schleichende Negativwirkungen hin überprüft sind. Ergo: Professor Ehrlich hat durchaus recht mit seiner Annahme, dass wir zuerst dumm werden und dann sterben.

“Wir müssen weg von der irrigen Annahme, nach der neue Chemikalien und Technologien solange als ungefährlich gelten, bis das Gegenteil nachgewiesen wird.”
(Grandjean/Landrigan)

Zudem nehmen wir Giftstoffe auch über die Nahrung auf. So wurde beispielsweise Glyphosat bereits im Trinkwasser so mancher Region entdeckt. In einer Untersuchung des eidgenössischen Bundesamtes für Gesundheit aus dem Jahr 2013 wird darauf verwiesen, dass 92 % aller Giftstoffe über Nahrungsmittel tierischen Ursprungs aufgenommen werden (Milchprodukte beispielsweise 54%). Diese Gifte (“persistente Umweltschadstoffe”) werden auch noch eine ganze zeitlang in der Nahrungskette bleiben. Schliesslich sind sie weiterhin im Boden oder Tierkörper, auch wenn eine spontane Absetzung erfolgt ist. Dennoch sollten alle Anstrengungen unternommen werden, langfristig auf derartige Chemikalien zu verzichten.
Wer nun denken sollte: “Na ja – dann bekommen die Kleinen eben Fisch!”, macht genau einen Schritt in die falsche Richtung. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität Granada/Spanien. Die Studienleiter haben einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem vermehrten Konsum von Meeresfischen und der geistigen Leistungsfähigkeit bei Vorschulkindern im Alter von vier Jahren festgestellt. In den Haaren der Kinder wurden teils unwahrscheinlich hohe Quecksilberkonzentrationen nachgewiesen. Das wirkte sich v.a. bei den Gedächtnisleistungen und dem sprachlichen Ausdrucksvermögen aus. Diese Untersuchungen wurden durch die Kollegen von der Universität Barcelona untermauert. Kinder mit viermaligem Fischkonsum pro Woche enthielten wesentlich höhere Quecksilberkonzentrationen in den Haaren. Das gilt übrigens auch für Neugeborene, deren Mütter während der Schwangerschaft viel Fisch aßen. Die deutsche Meeresstiftung veröffentlichte kürzlichst eine Untersuchung, wonach in den Meeren rund um Europa nicht weniger als 114.000 Tonnen atomarer Müll in teilweise bereits verrosteten Fässern lagern. Die Meere müssen immer mehr als Müllkippe herhalten. Durch die Fische gelangen schliesslich diese Schadstoffe auch wieder auf den Mittagstisch.

“Kurz gefasst, bisher wurde noch nichts wirklich Relevantes unternommen, um das Schlimmste zu verhindern!”
(Arne Mooers, Professor für Biodiversität Simon Fraser Universität/Kanada)

Was bleibt also zu tun? Sofortiges Verbot von Agrarchemikalien, Rückkehr zur nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion und Kontrolle des Bevölkerungswachstums. Durch das Verbot von Fluorchlorkohlen-wasserstoffen (FCKW) als Kühlmittel beispielsweise ging das Loch in der vor gefährlichen Strahlung schützenden Ozonschicht auf das Niveu von 1988 zurück. Lobend erwähnt werden muss auch das Verbot von drei Insektiziden durch die EU (spät aber doch noch). Sie beinhalten Neonicotinoide, die v.a. für das grosse Bienensterben verantwortlich sind. Es gibt viele Alternativen zu Agrarchemikalien, die jeder im Garten verwenden kann: Kaffee etwa ist ein Supermittel. In Blumenbeeten ausgebrachter, gebrauchter Kaffeesatz hält Schnecken fern. In Buchsbäumen gestreut, ist er auch ein probates Mittel gegen den Buchsbaumzünsler. Und schliesslich ist Kaffee ein perfekter Dünger. Alleine durch etwas, das ansonsten weggeworfen wird, können drei unterschiedliche Chemikalien ersetzt werden!!!
Die Erde ist eigentlich auf zwei Milliarden Menschen ausgelegt. Derzeit sind es bereits 7,6 Milliarden! Und jährlich kommen mehr als 78 Millionen hinzu. 2050 werden somit 9,7 Milliarden Menschen auf dem Globus leben, 2100 gar 11,2 (Zahlen: Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen). Ehrlich spricht in diesem Zusammenhang von “andauerndem Wachstum als Merkmal von Krebszellen”! Er verfolgt auch hier einen sehr interessanten Ansatz: Bildung und Gleichberechtigung der Frauen weltweit – sie sind keine “Geburtsmaschinen”, die durch möglichst viel Nachwuchs die Zukunft der Familie sichern sollen. Zugang zu modernen Verhütungsmitteln in den Entwicklungsländern sowie eine grossflächige Umverteilung des Reichtums. Durch den exzessiven Konsum der Industriestaaten werden die Dritte Welt und die Schwellenländer immer mehr ausgebeutet.

“Der Mensch ist gemacht aus Wasser, Erde und Luft. Wenn er aufhört, die Elemente zu achten, vergiftet und tötet er schließlich sich selbst.”
(Indianische Weisheit)

Dieses 6. Globale Massensterben ist somit durch den Menschen gemacht. Jene zuvor war die natürliche Kontrolle der Erde durch Vulkanausbruch, Eiszeit oder auch einen Meteoriteneinschlag vor 65 Millionen Jahren. Das Sterben hat bereits bei den Insekten begonnen. Auch verschwinden nach und nach ganze Pflanzenpopulationen. Die Klimaerwärmung vernichtet zudem komplette Ernten. Auch mit dem Ziel von +2 Grad Celsius sind alsdann ganze Regionen ernährungstechnisch bedroht: Afrika und Südamerika werden von Dürrekatastrophen heimgesucht, Asien droht in den Fluten unterzugehen. Hitzephasen werden auch Europa in die Knie zwingen.
Ehrlich bezeichnet den Weltwirtschaftsgipfel in Davos als “Treffen der Weltzerstörer”! In seinen Ansichten wird der Professor von nicht weniger als 15.364 Wissenschaftlern/-innen aus 184 Ländern unterstützt, die im vorigen Jahr einen Brandbrief unterschrieben (“Warnung an die Menschheit”). Ein erster Versuch im Jahr 1992 mit 1.700 unter-zeichnenden Wissenschaftler (darunter viele Nobelpreisträger) blieb nahezu ungehört!

“Schon bald wird es zu spät sein, den falschen Kurs zu korrigieren.”
(Brandbrief der Wissenschaft unter Federführung von William Ripple, Professor für Ökologie an der Oregon State University)

Demnach steht die Erde unmittelbar vor einer ökologischen Katastrophe. Die Weltbevölkerung ist innerhalb von nur 25 Jahren um 2 Milliarden Menschen angestiegen. Der Ressourcenverbrauch ist immens. Es muss dringendst etwas gegen die Klimaveränderungen, die Entwaldung, das Artensterben und die Todeszonen in den Ozeanen unternommen und der Zugang zu Süsswasser für alle gesichert werden. Während beispielsweise das Süsswasser in den letzten 25 Jahren um 26 % abgenommen hat, nahmen die Todeszonen in den Meeren, die für jedwedes Leben zu heiss, sauerstoffarm oder zu giftig sind, um 75 % zu. Die meisten Wasserquellen haben ihren Ursprung im Wald – 121 Millionen Hektar wurden im vergangenen Viertel Jahrhundert abgeholzt! Insekten, Tiere, Amphibien, Vögel, Fische – sie sterben zu Millionen. Das “ökologiche Armageddon” stehe unmittelbar bevor; der kürzlichst verstorbene Stephen Hawking meinte, die Menschheit müsse innerhalb der nächsten 600 Jahre den Planeten verlassen, wenn sie überleben möchte!
Im Oktober dieses Jahres wird der Weltklimarat IPCC eine Studie veröffentlichen, wie der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um 1,5 Grad doch noch eingehalten werden könnte. Zwar ging der Weltklimagipfel von Paris wie üblich ohne konkretes Ergebnis zu Ende – allerdings verpflichteten sich die Staaten, Anstrengungen zu unter-nehmen, um diese 1,5 Grad-Grenze einhalten zu können! Sogar China versucht mitzuhalten. Trump und seine USA hingegen fallen wieder in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück. Auch die anderen rechtspopulistischen Regierungen interessieren sich nicht wirklich für Umwelt- und Klimaschutz. Und derartige Aktionen wie im Hambacher Forst lassen an der Glaubwürdigkeit auch der Merkel’schen Klimaversprechen zweifeln!

“Die Sorge, die ich habe, ist, dass die guten Menschen nicht wirksam genug kooperieren werden. Man muss existierende Parteien und Bürokratien mit an Bord holen, sonst bleibt das alles hier ein Debattierclub.”
(Sonja Puntscher-Riekmann, Professorin für Politische Theorie und Europäische Politik an der Universität Salzburg)

Sollten auch die Ehrlichs erneut nicht recht haben, so müssen dringend Überlegungen angestellt werden, wie den globalen Problemen entgegen zu kommen ist. Viele werden nun sagen: “Nun – an mir liegt’s ja nicht!” Doch! Weil sich das alle denken. Wenn jeder Wasser spart. ist schon viel getan. Den Industriebossen ist es egal, ob die Lebensmittel aufgebraucht oder weggeworfen werden. Hauptsache die Kasse stimmt! Machen Sie sie zu dem, was sie wirklich sind und wie sie heissen: Lebensmittel! Es sind keine Wegwerfmittel! Wer braucht um 18.00 Uhr noch ofenfrisches Brot in den Supermärkten? Kaufen Sie nur so viel ein, wie Sie auch tatsächlich aufbrauchen. Wird weniger konsumiert, geht auch die Produktion zurück – das Gesetz des Marktes (Sie werden es in den nächsten Monaten im Handelskrieg zwischen den USA und China sehen)!

“In den USA leben sie, als hätten wir fünf Planeten. In Europa leben wir, als hätten wir drei Planeten.”
(Graham Maxton, Präsident des Club of Rome)

Und gerade Tieren können Sie unsägliches Leid ersparen. Apropos: Für die “Produktion” eines Kilogramms Rindfleisch sind rund 15.500 l Wasser erforderlich, für die Herstellung einer Jeans 6.000 l! Senken Sie den Fleischkonsum pro Woche, leben Sie nicht nur gesünder, sondern reduzieren auch den Süsswasser-Verbrauch v.a. in Staaten, die auf sauberes Trinkwasser angewiesen sind. Wechseln Sie Ihre Garderobe nicht jedes Jahr, tun Sie auch hier der Umwelt Gutes und ersparen sehr vielen Billigstlöhnern in Fernost ein Leben mit 12-16 Stunden Arbeit pro Tag! Wenn nicht jeder seinen Konsum ändert, wird es keinerlei Veränderungen geben. Forscher appellieren seit geraumer Zeit, eine Konsum-Kehrtwende in der Grössenordnung von 2/3 in der westlichen Welt durchzuziehen. Schon 2025 wird die 50 %-Zerstörungsmarke der kleineren Ökosysteme erreicht sein. Mit Ihnen werden auch die grossen kollabieren, warnt der Biologe Anthony Barnosky von der Universität von Kalifornien! Nach diesem “Point of no return” bedarf es nahezu unmöglicher Massnahmen, noch etwas ausrichten zu können. James Ephraim Lovelock, Mediziner, Biophysiker, Mathematiker und Chemiker an der Oxford University sowie Bestseller-Autor, setzt den Untergangspunkt noch vor das Jahr 2100 – 80 % der Menschheit werden dies nicht überleben. Nicht schleichend – es wird sehr plötzlich kommen. Es sei keine Zeit mehr für Windkraftwerke – die Menschheit solle anfangen, Archen zu bauen, so Lovelock! Sind es schon unsere Töchter und Söhne? Vielleicht unsere Enkel, die durch unser bisheriges, ruinöses Schaffen sterben werden! Während wir noch stolz waren auf die Errungenschaften unserer Eltern und Grosseltern nach dem 2. Weltkrieg, werden uns unsere Nachfahren verfluchen!
Wir haben’s wahrlich weit gebracht!!!

Lesetipps:

.) Die Bevölkerungsbombe; Paul Ehrlich/Anne Ehrlich; Hanser, Carl GmbH + Co. 1982
.) Wir sind dran; Ernst Ulrich von Weizsäcker/Anders Wijkman; Gütersloher Verlagshaus 2017
.) Was verträgt unsere Erde noch?: Wege in die Nachhaltigkeit; Hrsg.: Klaus Wiegandt; FISCHER 2007
.) Grenzen des Wachstums – Das 30-Jahre-Update; Donella H. Meadows/Jørgen Randers/Dennis Meadows; Hirzel 2015
.) Ein Prozent ist genug – Mit wenig Wachstum soziale Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Klimawandel bekämpfen; Jørgen Randers/Graeme Maxton; Oekom 2016
.) Was wird aus unserer Umwelt? – Die Zukunft des Menschen zwischen Glaube und Natur; Hans Dietrich Engelhardt; Tectum Verlag 2017
.) BiodiversiTOT – Die globale Artenvielfalt jetzt entdecken, erforschen und erhalten; Vreni Häussermann/Michael Schrödl; Books on Demand 2017
.) Katastrophen der Erdgeschichte – Globales Artensterben; József Pálfy; Schweizerbart’sche 2004
.) Die Weltbevölkerung: Dynamik und Gefahren; Herwig Birg; C.H.Beck 2004
.) Weltbevölkerung: Zu viele, zu wenige, schlecht verteilt?; Hrsg.: Karl Husa; Promedia 2011
.) Wie schnell wächst die Zahl der Menschen?: Weltbevölkerung und weltweite Migration; Hrsg.: Klaus Wiegandt; FISCHER 2007
.) Der Klimawandel im Zeitalter technischer Reproduzierbarkeit; Hannes Fernow; Springer VS 2014

Links:

- mahb.stanford.edu
- www.dsw.org
- www.dge.de
- www.cnrs.fr
- www.bag.admin.ch
- www.cleanenergy-project.de/
- virtuelles-wasser.de
- academic.oup.com/bioscience
- www.sciencedirect.com
- www.thelancet.com
- www.ncbi.nlm.nih.gov
- www.pitt.edu
- www.vulkane.net

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Argentinien – das nächste Pulverfass???

“Wir sind in einer Notlage. Vielen Landsleuten wird es nun schlechter gehen.”
(Mauricio Macri, argentinischer Staatspräsident)

Als junger Mensch hatte ich zwei Vorstellungen für mein weiteres Leben: Einerseits eine Schaf-Farm auf Neuseeland mit angeschlossenem deutschsprachigen Radiosender, andererseits eine Rinderfarm in Argen-tinien mit einer Bäckerei für Schwarzbrot! Inzwischen hat sich heraus-gestellt, dass sich wohl beides leider in diesem Leben nicht mehr ganz ausgehen wird. Einerseits schade, andererseits Gott sei Dank, liest man sich die Meldungen aus Südamerika etwas genauer durch. Das wohl europäischste Land Lateinamerikas (90 % der Bevölkerung stammen von europäischen Einwanderern ab) steht wirtschaftlich vor dem Bankrott. Die Landeswährung, der Peso, rattert nach einer katastrophalen Dürre immer weiter in ungeahnte Tiefen – viele Menschen werden in den nächsten Wochen ihr Hab und Gut verlieren. Es brodelt im Land der Gauchos!
Alleine in diesem laufenden Jahr 2018 hat der Peso über 80 % seines Wertes verloren – Experten gehen von einer Inflation von bis zu 30 % aus, die erst im kommenden Jahr wieder auf unter 19 % sinken wird. Ein Euro kostet 44,54 Peso – das ist Negativrekord. Um die Landeswährung zu stützen, wurden Dollarreserven des Landes in Milliardenhöhe verkauft – dies hat inzwischen der IWF untersagt. Die Regierung hatte im Rahmen ihres Sparprogrammes viele Subventionen gestrichen, die noch im letzten Jahr geflossen sind. Das hinterliess tiefe Spuren in der Volkswirtschaft – viele verloren dadurch ihren Job. Das Land hat über 200 Milliarden Euro Schulden im Ausland. Präsident Mauricio Macri suchte bereits im Frühjahr beim Internationalen Währungsfonds um Finanzhilfe an. Im Juni wurden die ersten 15 der bewilligten 50 Milliarden US-Dollar überwiesen, jetzt bat Macri um die vorzeitige Auszahlung der restlichen 35 Milliarden. Ob damit das Ausreichen gefunden werden kann, ist zweifelhaft. Bewertete die Rating-Agentur Fitch noch am 04. Mai 2018 mit B und stabiler Aussicht, so setzten die Kollegen von S&P am 31. August mit B+ und negativer Aussicht nach.
Um das alles jedoch etwas besser verstehen zu können, müssen wir einige Jahrzehnte in der Geschichte des Landes zurückgehen. Argentinien war bis zum Jahr 1816 spanische Kolonie. Der Reichtum des Landes steckt auch in seinem Namen: Silber (lat: Argentum) bzw. Bodenschätze im allgemeinen. Zumindest erwarteten sich die Kolonialherren einen nicht endenden Fluss an Edelmetallen, nachdem sie dermassen viel davon bei den Inkas und Azteken gefunden hatten. Der Rohstoffabbau und die Landwirtschaft machten das achtgrösste Land der Erde auch zu einem der reichsten Staaten mit florierender Wirtschaft und Industrie. Das Zentrum ist im Umland der Hauptstadt Buenos Aires zu finden – hier lebt auch rund ein Drittel der Bevölkerung.
Von all diesem Reichtum aber ist heute leider nurmehr wenig zu spüren. Verantwortlich dafür zeichnet vornehmlich Juan Domingo Perón. Als Minister für Arbeit machte er während des Militärregimes Ramirez grosse Eingeständnisse gegenüber der Gewerkschaften, weshalb er zum Volks-helden avanzierte, der schliesslich 1946 zum Präsidenten gewählt wurde. Geschätzte 180 Nationalsozialisten fanden in Argentinien Unterschlupf, darunter auch Kriegsverbrecher wie Adolf Eichmann, Josef Mengele und Walther Rauff. Sie brachten über sog. “Schlüsselfirmen” enorme Summen des blutigen Nazi-Reichtums nach Argentinien. Perón nun liebäugelte mit dem ebenfalls importierten Nazi-Gedankentum. So vertiefte er die vor dem Zweiten Weltkrieg begonnene Industrialisierung und ersetzte die bisherigen Importe durch heimische Produkte (“Importsubstitution”). Das führte auch in der Bevölkerung zu bislang nie mehr wiedererreichtem Wohlstand, weshalb das Volk seinen Präsidenten vergötterte. Dieser aber zog politisch drastisch die Zügel an und marschierte in Richtung Diktatur. Das wiederum bedingte die immer höher werdende Inflation und parallel dazu die Staatsverschuldung. 1955 schliesslich musste Perón nach einem Putsch in’s Exil flüchten. Es folgte eine Berg- und Talfahrt des Landes, bei der immer wieder auch die Militärs mitspielten. 1973 wurde die Einreise Peróns gestattet, der auch direkt wieder in den Präsidentenpalast zurückkehrte. Am 01. Juli 1974 verstarb der Diktator. Seine dritte Ehefrau Isabel wurde durch die peronistische Partei zur Präsidentin eingesetzt. Die ehemalige Nachtklub-Tänzerin war allerdings vollends damit über-fordert. Sie setzte vornehmlich die Vorstellungen der rechten Peronisten wie etwa José López Rega um. Während dieser Diktatur nahmen auch die wirtschaftlichen Probleme des Landes erneut zu. Hierzu gehörte etwa auch die Flucht internationaler Konzerne nach der Entführung des Mercedes-Managers Heinrich Merz. Das Land wurde immer mehr heruntergewirtschaftet. 1976 putschte erneut das Militär. Die anschliessende Militärdiktatur wurde blutig geführt, es verschwanden Tausende Kritiker. Erst nachdem Argentinien im Falkland-Konflikt gegen Grossbritannien am 14. Juni 1982 den Kürzeren zog und kapitulieren musste, war das Militär derart geschwächt, dass die Demokraten wieder Oberhand gewinnen konnten. Der erste Präsident, Raúl Alfonsín von der Unión Cívica Radical, musste nach sechs jahren aufgrund einer Wirtschaftskrise zurücktreten. Durch eine Privatisierungswelle von Staats-betrieben gingen zigtausende Arbeitsplätze verloren. Danach kamen mit Carlos Menem erneut die Peronisten an die Macht. Er konnte anfänglich die Situation im Land wieder stabilisieren, indem er den Peso 1:1 an den US-Dollar gebunden hatte. Das machte Argentinien aber direkt abhängig von der US-Konjunktur. Schliesslich ging es erneut bergab. 1998 kam es zur nächsten Wirtschaftskrise, die bis 2002 andauern sollte. Eine Mitte-Links-Koalition unter Fernando de la Rua folgte 1999 auf Menem. Doch anstatt die Ärmel hochzukrempeln und gemeinsam den Karren wieder aus dem Schlamm herauszubekommen, gab es Streitereien und eine durch die Peronisten angestachelte ausserparlamentarische Opposition (vornehmlich über die Gewerkschaften). Die Regierung hielt sich deshalb mit Reformen zurück. Staatsanleihen konnten plötzlich nicht mehr bedient werden – Gläubiger verloren bei deren Umtausch nahezu 70 %. Auch in Deutschland und Österreich wurden Prozesse von betroffenen Kleinanlegern geführt (Ende Juli 2014 schliesslich kam die Meldung, daß das Land erneut zahlungsunfähig sei). Im Oktober 2001 waren nach offiziellen Zahlen 18,3 % der Bevölkerung ohne Arbeit. De la Rua musste nach Unruhen und Plünderungen Ende 2001 zurücktreten.

https://www.youtube.com/watch?v=OqQpMDc9qoA

Es folgten einmal mehr die Peronisten. Eduardo Duhalde erklärte kurz darauf den Staatsbankrott. Dessen Nachfolger, der sozialdemokratisch orientierte Néstor Kirchner, konnte durch die Einbindung der Basis-organisationen wie etwa den Menschenrechtsorganisationen und den inzwischen organisierten Arbeitslosen den sozialen Frieden wieder herstellen und kurzfristig sogar wirtschaftliche Verbesserungen erzielen. Er sorgte im Jahr 2003 für ein wachsendes Bruttoinlandsprodukt (+8,9 im Vergleich zu -10,9 im Jahr 2002) – allerdings nur aufgrund von massiven Zahlungen durch den IWF, sodass verdientes Geld nicht sofort wieder für die Tilgung von Krediten verwendet werden musste. Bis 2009 kämpfte Kirchner gegen selbst verschuldete wirtschaftliche Probleme (etwa durch Verstaatlichung etlicher Industriezweige, des Handels und Dienst-leistungen sowie eines hohen Maßes an Korruption). Bei den im selben Jahr stattgefundenen Parlamentswahlen verlor er stark an Stimmen und trat als Parteivorsitzender zurück – ein Jahr später verstarb Kirchner an einem Herzinfarkt. 2015 siegte der ehemalige Bürgermeister von Buenos Aires Mauricio Macri von der konservativen Propuesta Republicana bei den Parlamentswahlen. Er stoppte die Devisenkontrolle, die staatlichen Subventionen auf Gas, Strom und den öffentichen Transport und senkte die Steuern auf Agrarexporte. Da der Präsident Regierungsoberhaupt und Staatschef zugleich ist, kann er mittels Dekrete regieren. Macri zeichnet sich v.a. durch seine starke Aussenpolitik gegenüber den USA, China, Russland und Indien aus.
Die Peronisten versuchten wie damals Perón durch Export- und Importbeschränkungen die heimische Wirtschaft anzukurbeln. Auf Kosten für den Import benötigter Devisen. So sank beispielsweise der für Argentinien so wichtige Rinderexport von 771.000 Tonnen im Jahr 2005 auf nurmehr 190.000 Tonnen. Rund 31 % der gesamten Ausfuhren sind landwirtschaftliche Produkte. Die Armutsrate im Land stieg kontinuierlich: 2016 lebte rund ein Drittel der Bevölkerung unter der Armutgrenze. Die Wirtschaft lag förmlich am Boden. Macri musste einen strengen Sparkurs fahren, den er schliesslich verlor. Während der Militärdiktaturen stieg die Staatsverschuldung von acht Milliarden US-Dollar anno 1967 auf 160 Milliarden US-Dollar 2001. Die Peronisten bekamen das Problem nicht in den Griff. So stoppte Menem zwar mit der Bindung des Pesos an den US-Dollar die Inflation, machte dadurch aber argentinische Produkte auf dem Weltmarkt empfindlich teurer und ausländische Waren im Land günstiger. Ergo: Es wurden Ein- und Ausfuhrbeschränkungen hochgefahren. Produktionen mussten schliessen. Kapital wanderte en gros in’s Ausland. 2001 kollabierte das Bankensystem und das Einfrieren sämtlicher Bank-guthaben führte zu schweren Unruhen. Erst durch die Hilfe des IWF in den Jahren 2002 und 2003 konnte der Peso wieder günstiger gemacht werden. Seit damals versucht die jeweilige Regierung des Landes einen Schuldenschnitt beim IWF und privaten Gläubigern zu erzielen – manche Gerichtsverfahren sind auch heute noch am Laufen. Mit den privaten Besitzern von Staatspapieren verhandelt man vornehmlich eine Redu-zierung des Zinses und eine Streckung der Verbindlichkeiten.
Der Sargnagel Argentiniens waren allerdings die Hedgefonds. Sie kauften die Verbindlichkeiten des Landes grossflächig auf und versuchten grossflächig, die komplette Liquidität des Landes zu bekommen. Zins-zahlungen an Dritte wurden beispielsweise verboten. Die Ausgabe des neuen Bonds im Jahr 2005 musste wegen Streitigkeiten mit einem Hedgefonds wegen sieben Milliarden Dollar um zwei Monate verschoben werden. Und die Spekulationen gehen weiter: Hedgefonds stellen sich erneut gegen die Kreditpapiere und Anleihen des Landes um bei einem Kursverfall davon profitieren zu können.

https://www.youtube.com/watch?v=7OaLf2XZDFo

1998 lag das Bruttoinlandsprodukt noch bei +3,8 % , 2001 bei -10,9 % und 2016 bei -2,3 %. Die Staatsverschuldung belief sich im selben Jahr auf 279,6 Milliarden US-Dollar – das sind 51,3 % des BIP. Die Korruption ist nach wie vor ein grosses Problem. Noch 2017 lag Argentinien im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International gemein-sam mit dem Kosovo, Benin und Swasiland auf Platz 85 (von 180 Ländern). IWF-Chefin Christine Lagarde zeigt sich zufrieden mit der bisherigen Arbeit der Regierung Macri – sie hat eine Prüfung der zeit-lichen Staffelung des Finanzprogrammes in Auftrag gegeben. Ansonsten müsste Argentinien im kommenden Jahr 2019, dem Wahljahr im Land, Kredite des IWF in der Höhe von nahezu 25 Milliarden Dollar zurück-bezahlen. Der Präsident will nun 13 Ministerien schliessen oder zusammenlegen, 20 % der Gehälter bei den Staatsangestellten sollen eingespart und erneut Ausfuhrzölle eingeführt werden. Letzteres alleine soll rund 6,5 Milliarden Euro in die leeren Staatskassen fliessen lassen. Dadurch allerdings verliert Präsident Macri die Unterstützung aus der Wirtschaft.

“Es handelt sich um eine sehr schlechte Steuer, wir befinden uns jedoch in einem Notstand!”

(Mauricio Macri, argentinischer Staatspräsident)

Dennoch stehen schwere Monate in der kommenden Zeit an. Jeder dritte Bürger verdient weniger, als seine Familie zum Leben braucht. Jetzt sollen die Basisprodukte in den Supermärkten zu kontrollierten Festpreisen zu bekommen sein. Die Bevölkerung ist das grösste Risiko, die das Kartenhaus durch etwa Unruhen wie 2001 (“Am Rande der Anarchie”) oder gar einem Umsturz erneut zu Fall bringen könnte. Dann schaltet sich möglicherweise wieder das Militär ein und es beginnt alles von vorne. Der nächste Generalstreik ist für den 25. September geplant. Nachdem laut einer Umfrage nur 36 % der Argentinier vom einge-schlagenen Weg der Regierung überzeugt sind, muss wohl auch weiterhin mit massiven Protesten gerechnet werden.

Lesetipps:

.) Argentinien lebt!; Anna J. Witt; VDM Verlag Dr. Müller 2008
.) Argentinien heute. Politik. Wirtschaft. Kultur; Hrsg: Klaus Bodemer/Andrea Pagni/Peter Waldmann; Vervuert 2010
.) Staatshaftung in Argentinien; Ulf Junge; Verlag: Moor Siebeck 2002
.) Eine kleine Geschichte Argentiniens; Barbara Potthast; Suhrkamp 2010
.) Die empresas recuperadas in Argentinien: Selbsthilfe von Erwerbslosen in Krisenzeiten; Kristina Hille; Tectum 2009
.) Die Piqueteros in Argentinien. Entstehung und Organisation einer Neuen Sozialen Bewegung; Andrea Wurzenberger; Kölner Arbeitspapiere zur internationalen Politik, Nr.48 2005
.) Wir übernehmen. Selbstverwaltete Betriebe in Argentinien – eine militante Untersuchung; Juan Pablo Hudson; Mandelbaum Verlag 2014
.) Neoliberalismus-Autonomie-Widerstand. Soziale Bewegungen in Lateinamerika; Hrsg: Kaltmeier/Kastner/Tuider; Westfälisches Dampfboot 2004
.) Die offenen Adern Lateinamerikas; Eduardo Galeano; Peter Hammer 1973
.) Wirtschaft und Gesellschaft im Wandel: Argentinien (Hispano-Americana); Antonio Sommavilla; Peter Lang 1996
.) Hitler überlebte in Argentinien; Abel Basti; Amadeus Verlag 2011

Links:

- www.indec.gov.ar/
- www.argentina.gob.ar
- www.ealem.mrecic.gov.ar/de
- www.ahkargentina.com.ar
- imf.org
- hdr.undp.org
- www.latinobarometro.org
- www.gtai.de
- www.bpb.de
- www.lateinamerika-studien.at
- www.transparency.org

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Masern – nicht auf die leichte Schulter nehmen

Impfen oder nicht impfen – Das ist hier die Frage! Fakt ist, dass die hochansteckenden Masern in Europa wieder auf dem Vormarsch sind. 2016 gab es nach Angaben der Regionaldirektorin-Europa der WHO, Zsuzsanna Jakab, noch 5.273 gemeldete Fälle, 2017 waren es bereits 23.927. Und nun der bittere Höhepunkt: Im ersten Halbjahr 2018 sind es bereits 41.000! Eine Krankheit meldet sich damit massivst zurück, die bereits als nahezu ausgestorben galt. Verantwortlich dafür sind primär die wirtschaftliche Situation in den Entwicklungsländern, in den Industrie-ländern hingegen all jene Eltern, die ihre Kinder nicht impfen liessen – aber auch die Zuwanderung sowie die globale Reisetätigkeit. Und eines ist sicher: Masern sollten niemals als ungefährlich abgetan werden. Aus diesem Grund sind sie auch meldepflichtig – in Deutschland regelt dies das Infektionsschutzgesetz, in Österreich aufgrund der Verordnung zu anzeigepflichtigen übertragbaren Krankheiten, in der Schweiz zur Melde-Verordnung. Die Meldung erfolgt durch die Eltern, den Hausarzt, aber auch den Leitern von Gemeinschaftseinrichtungen, wie Kindergärten oder Schulen beim Gesundheitsamt. Und was viele nicht wissen: Masern-Partys sind strafbar!

“Das Engagement für eine Erhöhung der Impfquote muss verstärkt werden.”

(Wieland Schinnenburg; Bundestagsabgeordneter der FDP)

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben weltweit jeden Tag 330 Menschen an den Folgen einer Masernerkrankung. Die Masern sind hochinfektiös – schon ein Erkrankter reicht für die Ansteckung von nicht weniger als 18 anderen Menschen (bei der Grippe sind es im Vergleich nur vier!). Die Ansteckungsgefahr liegt bei 99 %. Desinfektionsmittel sind wirkungslos. Die Infektion erfolgt durch direkten Körperkontakt oder Tröpfchen. Der Virus wird durch die Epithelzellen der Schleimhaut des Atemtraktes aufgenommen – manches Mal auch über die Bindehaut des Auges. In den regionalen Lymphknoten erfolgt die Vermehrung – bereits nach 48 Stunden haben sich die Viren über die Blutbahn im ganzen Körper verteilt. Fünf bis sieben Tage nach der Infektion verteilt sich der Virus ein erneutes Mal über die Blutbahn. Nun kommt es zum charakteristischen Hautausschlag. Drei bis fünf Tage vor diesem und bis zu vier Tage nach dessen Abklingen ist der Patient ein potentieller Anstecker. Gerade bei Menschen mit einem geschädigten oder schwachen Immunsystem besteht erhöhte Gefahr. Dass die Erkrankung keine harmlose Kinderkrankheit ist, zeigen 37 Todesopfer in der ersten Hälfte des laufenden Jahres. Einige davon starben an einer Entzündung des Gehirns (Enzephalitis – bei rund 20 % tödlich), weitere 30 % leiden als Folgeerscheinung an einer Behinderung. Meist unbemerkt entwickelt sich eine chronische Gehirnerschütterung (SSPE). Nach sechs bis acht Jahren schliesslich hat sich der Abbauprozess des Gehirns so weit entwickelt, dass er nicht mehr gestoppt, geschweige denn rück-gängig gemacht werden kann – auch dies endet letal. Zudem ist eine Hirnhautenzündung (Meningitis) durchaus möglich. Beim Robert-Koch-Institut geht man von einer Letalität in der Höhe von 1:1000 aus. Mir als Elternteil wäre das zu hoch!
Auch Lungenfachärzte warnen vor den Masern. Sie bewirkten in nicht wenigen Fällen eine Lungenentzündung (Pneumonie) mit anschliessendem Lungenversagen. Derartige Lungenentzündungen sind für die meisten Todesfälle verantwortlich. Dabei entzünden sich die kleinen Bronchien, was in weiterer Folge zu Atemstörungen führt. Ohne Röntgen kann dies meist gar nicht diagnostiziert werden. Ebenfalls bekannt sind übrigens Darmkomplikationen, Mittelohrentzündungen (Otitis media), Wurmfortsatz- oder auch eine Leberentzündung (Hepatitis). Sehr selten kann es zudem zu einer Herzmuskelentzündung, einer Nierenentzündung oder einem Abfall der Blutplättchen (thrombo-zytopenische Purpura) kommen.

“Gute Gesundheit für alle beginnt mit der Impfung.”
(Zsuzsanna Jakab, WHO-Europa)

Obgleich die Masernimpfungen bei Menschen bis zum 45. Lebensjahr in Deutschland und Österreich kostenfrei sind (in der Schweiz gibt es immer wieder Fenster, in welchen die Franchise nicht bezahlt werden muss – es bleibt dann also nurmehr der Selbstbehalt), ist die Durchimpfungsrate bescheiden. Viele inzwischen Erwachsenen aus den Geburtsjahrgängen der 90er Jahre aber auch der Jahrgänge 2008 bis 2015 wurden nicht geimpft oder liessen die 2. Impfung ausfallen. Diese Impfskepsis wurde erstmals so richtig öffentlich, als nicht-immunisierte Kinder in Südtirol nicht mehr den Kindergarten besuchen durften. Ihre Eltern sind der Meinung, dass viele der Impfungen nicht mehr notwendig sind, da die Krankheiten entweder ausgestorben oder die gesundheitlichen Risken einer Impfung schlimmer empfunden werden als die Erkrankung selbst. In den USA und Kanada wurde in den 60er Jahren ein formalininaktivierter Impfstoff verwendet. Kam es nun zu einer Infektion mit einem Wildtyp-Masernvirus, so traten die sog. “atypischen Masern” auf: Pleuraergüsse, Ödeme an Armen und Beinen und schliesslich Leberentzündungen. Alle betroffenen Patienten erholten sich jedoch wieder vollständig – die Seren wurden vom Markt genommen. Auch das enthaltene Quecksilber war immer wieder Inhalt der Diskussionen. Es wurde benötigt, um die Lebendviren abzutöten – lag jedoch weit unter den erlaubten Grenz-werten! Inzwischen bieten die meisten Produzenten quecksilberfreie Seren an. Da es sich beim Impfstoff um Lebend-Viren handelt, können bei 3-5 % nach der Immunisierung leichte Masern, sog. “Impfmasern” auftreten, die jedoch nicht ansteckend sind. Meist ist jedoch eine Vorerkrankung dafür ursächlich. Ansonsten liegen mögliche Kompli-kationen wie leichtes Fieber, Rötungen der Impfstelle etc. im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Auch die Autoren der in diesem Zusammen-hang stets von Impfgegnern in’s Spiel gebrachten “KiGGS-Studie” empfehlen eine Impfung, da der Schutz nach der Immunisierung grösser ist als bei Ungeimpften! Menschen im Umfeld von Säuglingen sollten auf jeden Fall geimpft sein! Der sog. “Nestschutz”, also die Übernahme von Antikörpern aus dem Mutterkuchen der Mutter hält für maximal sechs Monate. Danach ist der Säugling gänzlichst ungeschützt.

https://www.youtube.com/watch?v=tGQmbEK5VYA

Auch in Deutschland oder Österreich ist diese Anti-Impfungs-Meinung inzwischen weitverbreitet: 57 % der Bevölkerung Österreichs haben Zweifel, ob Impfungen auch wirklich schützen oder ob sie vielmehr den finanziellen Interessen der Pharmaindustrie dienen. Die Mehrzahl davon übrigens entstammt höher gebildeten Bevölkerungsschichten. Im Jahr 2015 kam es zu einer Masern-Epidemie in der Steiermark. 82 % der Erkrankten waren nicht geimpft. Zehn Säuglinge mussten stationär im Krankenhaus versorgt werden.
Hier sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Arzneimittel in unseren Breitengraden nur dann freigegeben werden, wenn sie auch tatsächlich eine entsprechende Wirkung aufweisen. Impfplantreue Ärzte verweisen Skeptiker immer gerne auf die Kinderlähmung (Polio). 4.700 Kinder erkrankten im Jahre 1961 in Deutschland an dieser schweren Krankheit. Deshalb wurde die Schluckimpfung dagegen verpflichtend eingeführt. 1965 registrierten die Mediziner nurmehr 50 Fälle deutschlandweit. Beweis genug!
Nach wie vor haben es die Gesundheitsministerien der DACH-Region mit einer Studie zu tun, die bereits als widerlegt, da gefälscht gilt. Allerdings wird sie nach wie vor gerne zitiert. 1998 veröffentlichte der Mediziner Andrew Wakefield diese Untersuchung, in welcher ein Zusammenhang zwischen der Dreifachimpfung Masern, Mumps, Röteln (MMR) mit der Erkrankung an Autismus bestehe. Hier sei folgendes erwähnt: Als Probanden dienten nur 12 Kinder! Wakefield verlor zwei Jahre später seine Aprobation als Arzt – 2004 wurde nachgewiesen, dass der Studien-leiter dafür bezahlt worden war, die Ergebnisse zu fälschen um damit einen falschen Beweis für den Rechtsstreit einiger Eltern gegen den Hersteller des Impfstoffes zu liefern. Daran anschliessende Studien haben keine entsprechende Hinweise auf einen solchen möglichen Zusammen-hang gebracht. Nur bei Schwangeren oder Menschen mit einem schweren angeborenen oder erworbenen Immundefekt darf nicht geimpft werden. Da der Impfstoff erst seit 1970 auf dem Markt erhältlich ist, wird, können sich alle davor Geborenen oder jene, die sich über ihren Impfstatus nicht sicher sind, nachimpfen lassen. Bei Erwachsenen des Geburtsjahrganges 1964 und früher wird allgemein davon ausgegangen, dass sie die Masern bereits ausgestanden haben. Auch eine nachträgliche Impfung nach Kontakt mit einem Masern-Patienten ist bis max. drei Tage danach noch möglich!

“Dass heutzutage noch immer Menschen an dieser so leicht durch Impfung vermeidbaren Erkrankung sterben, ist absolut sinnlos, tragisch und nicht akzeptabel!”

(Heidemarie Holzmann, Virologin Wien)

Impfgegner bringen immer wieder auch ein Argument hervor: Die Pharmaindustrie nährt sich aus Impfempfehlungen! Das Argument ist durchaus richtig. Eine Gegenüberstellung der deutschen gesetzlichen Krankenkassen im Jahr ergab jedoch, dass die Arzneimittelhersteller wesentlich besser an den Medikamenten verdient, die bei Ausbruch dieser Krankheit gebraucht werden, obgleich eine Impfung dies möglicherweise verhindert hätte (1,34 Mrd. € im Vergleich zu 36,27 Mrd. €).
Die Rechtfertigung, dass die Kinderkrankheiten das Immunsystem des Kindes stärken, muss lautstark zurückgewiesen werden. Das hohe Fieber (bis zu 41 Grad!), das so manche Krankheit begleitet, ist zwar ein Anzeichen dafür, dass zwar die Selbstheilung eingeleitet wurde, doch schwächt jede derartige Erkrankung den Körper. Bei einer Masernerkrankung ist das Immunsystem sogar auf zwei bis drei Jahre hinweg geschwächt, sodass bereits eine an sich harmlose bakterielle Erkrankung schwerwiegende Folgen haben kann. Kommen dann noch zusätzliche Komplikationen wie eine Gehirnentzündung hinzu, so obliegt es der Verantwortung der Eltern, dieses Ungleichgewicht einzuschätzen. Im schlimmsten Falle müssen sie jedoch damit leben. Auch wenn der heranwachsende Organismus gewisse Kinderkrankheiten nicht hatte, so ist das nicht etwa ein Zeichen der immunität sondern nur ein gutes Beispiel für die Durchimpfung, sodass die Erkrankung nicht ausbrechen konnte. Jeder, der nicht geimpft wurde bzw. nicht von sich aus die Immunität gebildet hat (durch Antikörper nach überstandener Erkrankung), schmälert die Impfabdeckung und vergrössert somit die Gefahr einer Masseninfektion. So verursachten beispielsweise die Seefahrer nach der Entdeckung Amerikas durch die Übertragung von Kinderkrankheiten hunderttausende, wenn nicht gar Millionen Tote unter der einheimischen Bevölkerung. Alleine auf Hawaii verstarben von den 148.000 Einwohnern im Jahre 1848 40.000 an Masern.

https://www.youtube.com/watch?v=F3PV0DqSbNM

Die Krankheit im erwachsenen Alter zu bekommen, ist noch weitaus gefährlicher als im Kindesalter oder der Adoleszenz. Das wird sich nun zeigen, nachdem die Weltbevökerung wandert bzw. überspitzt formuliert ein Flugticket fast weniger kostet als die Busfahrt in die Nachbar-gemeinde. Auf anderen Kontinenten (Asien, Afrika) gehört die Durchimpfungsrate zum Wunschdenken der Gesundheitsexperten. Am Besten zu sehen an der Wiederkehr von Keuchhusten und Diphterie aus Ost- nach Mitteleuropa. Ebenfalls zwei Krankheiten, die hierzulande als ausgerottet galten. Durch Urlauber und Flüchtlinge werden jedoch die Erreger wieder eingeschleppt. Aufgrund der Impfgegner gibt es diese Herdenimmunität auf dem Kontinent nicht mehr.
Bei der Impfung werden abgetötete oder stark abgeschwächte Erreger verabreicht. Der Körper erkennt diesen Eindringlinge in 95 % der Fälle jedoch als Gefährder und bekämpft sie ebenso wie aktive hochwertige Viren. Die zweite Impfung wird nach frühestens vier Wochen verabreicht, damit diese Lücke über 4 % geschlossen werden kann. In nur 1 % wird keine Immunisierung erzielt. Deshalb sind Impfungen durchaus empfehlenswert, da die Risken der wirklichen Erkrankung ausgeschlossen werden. Wer nun mit der Grippe-Impfung kommen sollte, muss wissen, dass die bei uns gespritzten Influenza-Seren anhand der Infektionen beispielsweise im australischen Winter bereits Monate zuvor zusammen-gestellt und gezüchtet werden. Grippeviren aber besitzen die Möglichkeit der Mutation. Soll heissen, dass sie sich verändern können. Hier bedeutet deshalb eine Impfung kein hundertprozentiger Schutz (deshalb auch die zwei Grippewellen pro Saison). Die Viren der Kinderkrankheiten allerdings können sich nur geringfügig verändern. Unter anderem deshalb, da die Masern beispielsweise humanpathogen sind. Sie brauchen also den Wirt “Mensch”!

“Ein Masernkranker kann 16 bis 18 weitere Menschen anstecken, bei der Grippe sind es vier Ansteckungen!”
(Andrea Grisold, Med Uni Graz)

In Deutschland waren noch im Jahr 2012 92,4 % der ABC-Schützen zweifach geimpft, in Österreich im Jahr 2016 95 % zumindest einfach, in der Schweiz 2006 86 % ein- und 70 % zweifach geimpft. Eine möglichst hohe Durchimpfungsrate schützt auch jene, die bislang noch nicht geimpft werden konnten, da sie entweder noch zu jung dafür sind (Säuglinge) oder bei welchen die Impfung nicht gewirkt hat (Impf-versager). Österreich lag 2015 nach Kroatien an zweiter Stelle der gemeldeten Krankheits-Fälle (35,3 Fälle pro 1 Mio Einwohner), in Deutschland auf Platz drei waren es 30,5. Die WHO hat es sich zum Ziel gesetzt, die Masern tatsächlich weltweit auszurotten. Dass es möglich ist, zeigt die Impfrate in Nord- und Südamerika. Dort wurden beispielsweise im Jahr 2013 nach WHO-Angaben nurmehr 294 Erkrankungen gemeldet – in Europa waren es im selben Jahr 26.396! Nur rund 5.000 Fälle weniger als in Südostasien, wo die Masern-Sterblichkeit am höchsten ist. Auch möchte ich in diesem Zusammenhang Finnland erwähnen. Hier besteht Impfpflicht – seit 1995 wurden nur vier importierte Fälle gemeldet. Auch Italien hat erst vor kurzem die Masernimpfpflicht eingeführt. Im Vergleich dazu Deutschland, wo alleine anno 2017 1036 Fälle registriert wurden – zwischen Flensburg und Berchtesgaden besteht keine Impfpflicht. Immer wieder treten Epidemien auf: 1997 und 2003 in der Schweiz, 2005 in Hessen (1 Todesopfer) und Oberbayern, ein Jahr später in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, 2007 erneut in der Schweiz (hauptsächlich im Kanton Luzern), 2008 in Salzburg und Oberösterreich sowie der Nordwest- und Ostschweiz und schliesslich 2013 in München. Hier mussten mehr als die Hälfte der 220 Erkrankten in einem Krankenhaus behandelt werden. Im Schuljahr 2014/15 meldete Berlin nahezu 1400 Erkrankungen. Sehr häufig treten derartige Epidemien in den Niederlanden auf. Dabei geht der Erreger stets von der orthodox-protestantischen “gereformeerden kerken”aus. Die Mitglieder dieser religiösen Gemeinschaft verweigern grundsätzlich jede Impfung. 1999 verstarben dort drei, 2013/14 ein Kind. Epidemien gab es heuer bereits in Griechenland, Rumänien, Italien, Grossbritannien und Frankreich. Die Gesundheitsministerien empfehlen vor einer Reise in diese Länder zur impfung – wenn zuvor nicht schon geschehen. Bei Aufenthalten in den USA und Kanada ist eine solche Impfung ohnedies Pflicht.
Nach Schätzungen konnten alleine zwischen 2000 und 2016 bis zu 20,4 Mio Todesfälle weltweit durch die Masernimpfung verhindert werden. Können Sie derartige mögliche Komplikationen bei Ihrem Kind mit ihrem Gewissen vereinbaren? Lassen Sie sich und Ihre Kinder impfen – Sie vermeiden dadurch selbst mit einer schweren Krankheit angesteckt zu werden und leisten zudem einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft!

Lesetipps:

.) Schutzimpfung Masern: Prävention einer vermeintlich harmlosen Kinderkrankheit; Julia Gaudlitz; Apollon University Press 2015
.) 300 Fragen zum Impfen; Nicole Schaenzler/Brigitte Strasser-Vogel; Graefe und Unzer Verlag 2008
.) Handbuch der Schutzimpfungen; Albert Herrlich; Springer 2013
.) Gesundheitsvorsorge bei Kindern: Eine empirische Untersuchung des Impfverhaltens bei Masern, Mumps und Röteln; Kriwy/Peter; VS Verlag für Sozialwissenschaften 2007
.) Impfungen im Kindesalter: Besteht in Deutschland ein effektiver Schutz vor Masern, Mumps und Röteln?; Melanie Behrends; Diplomica Verlag 2012
.) Entspannt durch Masern, Mumps & Co: Tipps aus der Kindernaturheilkunde bei Kinderkrankheiten; Isabel Henseler; CreateSpace Independent Publishing Platform 2018
.) Masern, Röteln, Mumps & Co. Der kritische Impfführer für Eltern; Hrsg.: Caren Battaglia; Atlantis Verlag 2004
.) Impfen – Die Fakten (Band 3): Masern und andere Kinderkrankheiten; Wolfram Klingele; Netzwerk Impfentscheid NIE 2016
.) Die Masern-Lüge: Was Sie unbedingt über die Masern wissen sollten – und was die Gesundheitsbehörden Ihnen verschweigen; Hans U. P. Tolzin; Kopp Verlag 2016
.) Die Klassischen Kinderkrankheiten: Die Behandlung von Keuchhusten, Masern, Mumps, Röteln, Scharlach und Windpocken; Ravi Roy/Carola Lage-Roy; Lage & Roy Verlag 2013
.) Die Impf-Illusion; Suzanne Humphries/Roman Bystrianyk; Kopp Verlag 2015
.) Die homöopathische Prophylaxe bei Kinderkrankheiten: Der sanfte zuverlässige Schutz vor Keuchhusten, Mumps, Masern, Polio, Tetanus, HiB, Scharlach, Diphtherie; Roy Ravi/Carola Lage-Roy; Lage & Roy 2013
.) Enzyklopädie Medizingeschichte; Hrsg.: Werner E. Gerabek/Bernhard D. Haage/Gundolf Keil/Wolfgang Wegner; De Gruyter 2005
.) Medizinische Mikrobiologie; Hrsg.: W. Köhler u.a.; Urban & Fischer-Verlag 2001
.) Harrisons Innere Medizin; M. Dietel/N. Suttorp/M. Zeitz/T. R. Harrison; Abw Wissenschaftsverlag 2005
.) Die Kunst des Heilens: Eine medizinische Geschichte der Menschheit; Roy Porter; Spektrum 2003
.) Textbook of pediatric infectious diseases; J. D. Cherry; WB Saunders 2004

Links:

- www.keinemasern.at
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