Unsere Werte – gibt’s sie wirklich???

Ich weiss ja nicht, wie es Ihnen geht. Aber ich für meine Person kann den Aufschrei nach “Verteidigung der deutschen Werte” nicht mehr hören!
Liest man sich durch die Postings in den Social Medias, so stösst der Interessierte immer wieder auf das Wort “Wert” im Sinne von Traditionen. Zumeist wird es jedoch von jenen gebraucht, die vermehrt dem politisch rechten Lager entspringen und gar nicht wissen, was sich dahinter versteckt. Ist es vielleicht die grosse Samstagsabend-Fernsehshow, zu der sich die ganze Familie vor die Glotze versammelt? Tut mir leid – gibt’s nicht mehr. Der Besuch des Stadions im vierzehntägigen Rhythmus um mit Gleichgesinnten “Tooooor!” schreien zu können? Aufgrund der hohen Kartenpreise leider nicht mehr erschwinglich – ausserdem stehen da viele Menschen, die von Werten offenbar keine Ahnung haben sollten, auf den Spielfeldern! Oder das Sangria-Saufgelage am Ballermann – das wird es nicht mehr sehr lange geben, da die Einheimischen nun endlich erkannt haben, dass der Besen, der geholt wurde und jetzt nicht mehr aufhört, Alkohol aus Eimern zu kübeln, das Land kaputt macht?! Apropos – sind es Goethe, Schiller, Beethoven und Wagner, die schon lange nicht mehr von unserer Jugend gelesen, geschweige denn gehört werden? Was sind die deutschen Werte? Und – gibt es sie in Österreich auch? Bestand doch hier bis 1918 ein kaiserlich-königlicher Vielvölkerstaat?! Lassen Sie uns doch heute etwas philosophieren!
Bei der Recherche zu diesem Thema stiess ich auf durchaus unterschied-liche, teils auch konträre Ansichten, die vornehmlich verschiedenen Zeitströmungen unterworfen sind. Schliesslich gilt es als erwiesen, dass der Ursprung der Menschheit auf dem afrikanischen Kontinent zu suchen ist. Die Zeiten der Völkerwanderungen brachten zudem grossflächige Veränderungen mit sich. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nationen? Nach neuesten Erkenntnissen schrammte Deutschland zudem während des Dreissigjährigen Krieges haarscharf an einer Gesamtauslöschung vorbei. Dann waren da noch die unterschiedlichen Groß-Fürsten- und Herzogtümer oder gar Königreiche, die erst relativ spät (1871) durch einen gemeinsamen Kaiser vereint wurden. Und schliesslich versuchte eine machthungrige und nach heutigem Wissensstand verrückte Herrenrasse ein tausendjähriges Reich zu schaffen und der Bevölkerung deren Werte aufzudrücken. Wo also sollen wir beginnen?
Am besten in der Gegenwart mit jeweiligen Seitensprüngen auf die ach so bunte Vergangenheit. Der praktische Philosoph Prof. Dr. Andreas Niederberger vom Institut für Philosophie an der Universität Duis-burg/Essen ist der Überzeugung, dass es so etwas wie die deutschen Werte nicht gibt. Es handelt sich vielmehr um einer Erfndung aus dem 19. Jahrhundert, um sich gegenüber anderen Nationen abgrenzen zu können. In diesem Zusammenhang sollte erwähnt werden, dass es das Jahrhundert der drei Napoleons war, nicht mal der Türkenkriege – die waren bereits geschlagen. Doch auch hier gibt es kein gemeinsames Deutschland, schliesslich kämpften in der Völkerschlacht bei Leipzig (16. – 19. Oktober 1813) tausende deutsche Soldaten auf Seiten Napoleon Bonaparts (Königreich Bayern, Königreich Sachsen, Königreich Württem-berg, Grossherzogtum Hessen, Grossherzogtum Baden,…). Ihnen gegenüber standen die Koalitionstruppen der Kaiserreiche Österreich und Russland sowie der Königreiche Preussen, Schweden und England. Somit also aus deutscher Sicht von “Befreiungskrieg” zu sprechen, ist historisch gesehen ein Fauxpas. Also musste man sich etwas einfallen lassen, um aus Deutschland tatsächlich auch Deutschland zu machen – es entstanden die “deutschen Werte”! Niederberger spricht hierbei von einer nicht durch Grenzen vorgegebenen “volkskundlichen Legitimierung”! Allerdings betont er auch, dass “Werte” ein abstrakter Begriff ist, weshalb sie sehr häufig mit Tugenden und Normen verwechselt werden. Der Duden versteht unter “Norm” eine “allgemein anerkannte, als verbindlich geltende Regel für das Zusammenleben der Menschen”, unter der “Tugend” eine “Eigenschaft, Qualität, Stärke”. Und somit haben wir bereits die gesamte Wertediskussion ad absurdum geführt. Schliesslich sagt der Duden über “Wert” aus, er stelle eine “einer Sache innewohnende Qualität, aufgrund deren sie in einem gewissen Maße begehrenswert ist (und sich verkaufen, vermarkten lässt)” dar. Der Wert verschafft einem Ding also einen “Verkaufswert”. Und hier ist sich nicht mal der Handel einig, weshalb der UVP (die Unverbindliche Preisempfehlung) eingeführt wurde. Mir zumindest liegt es fern, einen Menschen als “Ding” oder “Sache” zu bezeichnen.
Betrachten wir uns doch die vieldiskutierten Kohorten-”Werte” der Deutschen und auch Österreicher etwas genauer.
.) Frieden
Das ist ein wirklicher, ein realer Wert. Produkte, die im Frieden erzeugt werden, weisen zumeist eine wesentlich höhere Qualität auf als jene, die in Kriegszeiten hergestellt werden. Damit beeinflusst der Frieden durchaus den Marktwert eines Gegenstandes. Allerdings kann zur Herstellung des Friedens auch der Einsatz von Waffen erforderlich sein. Wären damals die Hunnen, die Türken, Napoleon Bonaparte oder auch Adolf Hitler nicht mit Waffengewalt aufgehalten worden – wie sähe Europa heute aus? Frieden aber gibt es nicht nur zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen, sondern gottlob auch in anderen Staaten dieser Erde. Ist das somit ein typisch “deutscher Wert”?
.) Freiheit
Ist eine Norm! Ein kluger Kopf meinte einst: “Die Freiheit des Einzelnen reicht so weit, als er die Freiheit eines anderen einschränkt!” (Urheber ist unklar – möglicherweise die französische “Déclaration des droits de l’homme et du citoyen”). Doch – sind wir wirklich frei? Kann ich jederzeit zum Nachbarn gehen und von seinem Baum Äpfel klauben? Vorschriften, Gesetze, Regeln, Steuern, Gewohnheiten, Traditionen etc. schränken uns eklatant in unserem Tun ein. Das ist für das Zusammenleben unabdingbar. Ist da aber nicht der umherziehende Beduine als wesentlich freier als der Österreicher aus Stinatz im Burgenland zu bezeichnen?
.) Demokratie
Hier bestehen sehr viele Überschneidungen zum ersten Punkt. Dennoch muss eindeutig gesagt werden: Das ist kein Wert, sondern eine Norm. Die Grundregeln einer jeden Demokratie sind in den Verfassungen niedergeschrieben. Dort beispielsweise ist auch enthalten, wie die Demokratie von jedem Einzelnen ausgeübt werden kann bzw. muss: Durch die Wahl der Vertreter oder durch die direkte Einspruchnahme durch Volksabstimmungen etc. Bei Zweiterem jedoch haben eindeutig die Eidgenossen aus der Schweiz die Nase vorn. Betrachtet man sich die Namensgebung Nordkoreas (Demokratische Volksrepublik Korea) oder auch jene Westsaharas (Demokratische Arabische Republik Sahara), so besteht zumindest theoretisch auch dort die Möglichkeit einer Demokratie! Weshalb soll zudem das Grundgesetz oder in Österreich die Verfassung ein Wert sein, wenn er nicht mal mehr von gewählten Volksvertretern eingehalten oder gar von Gruppierungen wie den Identitären oder Reichsbürgern anerkannt wird? In Österreich etwa fragen sich viele Experten bei nahezu jedem der Gesetzesentwürfe der derzeitigen Regierung, ob diese denn überhaupt noch verfassungs-konform sind!
.) Sicherheit
Meines Erachtens eine Norm! Für die Sicherheit zeichnet die Exekutive verantwortlich – also eine Obrigkeit in Ausübung der Gesetze. In der Türkei sorgt der ausgerufene Notstand dafür, dass die öffentliche Sicherheit zumindest nach der Vorstellung Erdogans gewährleistet wird, in Nazideutschland die Polizei, vornehmlich jedoch die GESTAPO für die innere Sicherheit, in der DDR die Stasi. Wie das neue Polizei-Aufgaben-Gesetz in Bayern zeigt, werden die Gesetze immer enger geschnürt, sodass nicht mal mehr der Verdacht auf eine strafbare Handlung bestehen muss, um der Exekutive alle Möglichkeiten zu bieten, diese Sicherheit aufrecht erhalten zu können. George Orwells “1984″ ist auch bei uns Realität geworden. Doch führt dieser Weg ganz eindeutig in Richtung eines Polizeistaates, wie er in Autokratien und Diktaturen aufgebaut ist.
.) Heimat
Heimat würde ich durchaus als Wert bezeichnen, schliesslich macht dieses Gefühl einen Ort (wenn auch keine Sache) wertvoller. Jeder Deutsche und jede Österreicherin haben hoffentlich eine Heimat. Ein Ort, eine Region, in der man geboren wurde und aufgewachsen ist oder die man sich für sein weiteres Leben aussucht. Dies jedoch einer syrischen Familie absprechen zu wollen, die den lebensgefährlichen Weg nach Mitteleuropa auf sich genommen hat, grenzt an Egozentrismus.
.) Natur
Kann durchaus als Wert bezeichnet werden. Doch – wo gibt es sie noch? Und: Wo es sie gibt – für wie lange noch? Schliesslich bekämpfen die meisten bereits im eigenen Garten die Natur mit Pestiziden, Fungiziden, Herbiziden usw. Neophyten und Neozoen werden eingeführt, Monokulturen geschaffen. Das Wort “naturbelassen” charakterisiert das Ganze wohl am besten. Dort hat nämlich die Natur noch funktioniert. Heute muss man Naturschutzgebiete schaffen, damit für nachfolgende Generationen noch etwas übrig bleibt, die allerdings durch Windver-frachtungen der eingesetzten Chemikalien und Pollen genveränderter Pflanzen ebenfalls diese Naturbelassenheit nach und nach verlieren. Zudem wird immer mehr zubetoniert. Um Natur erleben zu können, müssen viele Menschen immer weiter fahren oder fliegen. Mal ehrlich: Ist das wirklich ein deutscher Wert?
.) Hymne
Kann ein Musikstück als Wert bezeichnet werden? Schliesslich verfügt jede Nation, jedes Land über eine eigene Hymne. Als höchst-wahrscheinlich älteste gilt übrigens die japanische Kimi Ga Yo, deren Text aus spätestens dem Jahre 905, die Musik hingegen aus dem 19. Jahrhundert stammt. Ergo. Auch kein deutscher Wert!
.) Familie
Familie ist meines Erachtens tatsächlich ein Wert. Betrachtet man sich aber die Familienbande in so manch anderem Land, so kann man nicht abstreiten: Familien gibt es auch in Staaten des Hinduismus, Buddhismus und Islam – ja sogar bei den Naturvölkern dieser Erde. Wo also bleibt da die Einzigartikeit???
.) Gesundheit
Eindeutig eine Eigenschaft! Herr und Frau Deutsche und Österreicher versuchen sich, einerseits gesund zu ernähren und andererseits durch eine Optimierung von Leistung und Lebensqualität einen Einklang zu finden. Für viele jedoch ein Wunschdenken. Ist der eine Lebensmittel-skandal gerade mal abgeklungen, taucht bereits der nächste auf. Eine gesunde Ernährung ist für viele finanziell gar nicht machbar. Zudem wird die Lebensqualität vornehmlich durch die Work-Life-Balance bestimmt. Müssen sich viele mit zwei ja teilweise sogar drei Jobs durch’s Leben schlagen, bleibt die Lebensqualität schon mal auf der Strecke. Erstaunlich, wie die Zahl jener zunimmt, die sich einen Urlaub nicht mehr leisten können.
.) Mut
Dies ist eine Tugend. Allerdings zeigen Wirtschaftszahlen und die moderne Kriegsführung auf, dass es mit diesem nicht weit hergeholt ist. Immer weniger gehen das Risiko ein und gründen ein Unternehmen. Ist derjenige, der den Startknopf einer zielgesteuerten Rakete drückt mutiger als sein Kollege, der vielleicht sogar noch mit dem Säbel kömpfend seinem Gegner in die Augen schauen muss???
.) Fleiß (Erfolg)
Eindeutig eine Tugend. Dass jedoch Deutsche und Österreicher schon längst etwa von Japan und Südkorea überholt wurden, vergessen viele der Werteforderer. Und die Überzeugung des ehemaligen CDU-Generalsekretärs Peter Tauber, dass “…jeder, der fleißig ist und sich anstrengt, den Aufstieg schaffen kann!”, wird richtiggehend torpetiert, wenn man sich die Zahlen des Armutsberichtes regelmässig vor Augen hält! Zu einem Armen zu sagen, er sei faul, ist eine Anmaßung ohne gleichen!
.) Sauberkeit
Das ist eindeutig eine Tugend, die auch öfters als Schuss nach hinten losgehen kann. Studien haben erwiesen, dass Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, ein besseres Immunsystem aufweisen, als jene, die in einem antibakteriellen Haushalt gross werden. Weshalb steigt die Zahl der Allergiker in Deutschland und Österreich?
.) Pünktlichkeit
Auch das ist eine Tugend. Sie zeigt sich allerdings nicht darin, dass ich pünktlich zur PEGIDA-Demo komme, sondern dass ich öfter meine Termine einhalte. Ich kenne viele Menschen, die absichtlich unpünktlich erscheinen um damit auszudrücken, wie wichtig sie sind. Die Pünktlichkeit ist vielfach von den Lebensumständen und den regionalen Gepflogenheiten abhängig. Nicht alle leben nach der Uhr, viele nach dem Tagesverlauf.
.) Genauigkeit
Eine Tugend! Wie ist es möglich, dass sogar Indien und China Raketen und Satelliten in’s All schiessen, wenn doch der kleinste Fehler in einer Katastrophe enden kann??? Diese Zeiten, als Deutschland noch die Perfekt-Tabellen anführte, sind vorbei!
.) Klugheit
Auch dies ist eine Tugend. Wer jedoch den Absolutheitsanspruch stellt und glaubt, dass er der einzige Kluge ist, wird Zeit seines Lebens eines besseren belehrt werden.
.) Gerechtigkeit
Dies ist ohne Zweifel eine Norm. Schliesslich urteilt Justitia aufgrund der Gesetzeslage über Recht und Unrecht. Bevorzugt hingegen der Vater seine Tochter gegenüber seines Sohnes (wie sehr oft), so ist auch dies keine Wertsteigerung der Tochter zuzurechnen, sondern eher den schlechten Tugenden des Vaters!
-) Moralität
Moralität ist das, was der Mensch aus der Ethik macht. Ich würde diese in den Bereich der Normen einordnen, schliesslich gibt es Grundsätze oder Gesetze, die in den meisten Moralfragen entscheiden. Wenn ich mir die Tiertransporte oder auf einer anderen Seite die soziale Kompetenz eines so manchen Industriebosses oder Politikers anschaue, kommen mir wirkliche Zweifel, ob dies ein deutsch-österreichischer Wert ist. Aktuelle Diskussion in Österreich: Der Gewerkschaftsbund betont, dass Arbeit-nehmer keine Untertanen sind! Die Dollarnoten in den Augen lassen zumeist viele die moralischen Grundsätze vergessen. Und Handschlag-qualität haben nurmehr sehr wenige.
.) Gleichberechtigung (Würde)
Dies ist eine Norm – kein Wert. Sowohl das deutsche Grundgesetz als auch die österreichische Verfassung betonen, dass alle Menschen vor Gesetz gleich sind (Grundgesetz: Art. 3/Verfassung Art. 7). Dieser Gleichheitsgrundsatz, der auf die Gleichberechtigung von Mann und Frau hinzielt, gibt es aber auch in der Verfassung der Demokratischen Republik Kongo von 2006 oder jener von Indien, das zudem mit dem “Protection of Women from Domestic Violence Act” ebenfalls im Jahre 2006 ein zusätzliches Gesetz zum Schutz der Frauen gegen häusliche Gewalt geschaffen hat. Also – auch hier keine deutsch-österreichische Einzigartigkeit.
.) Liberalität
Ist ohne Zweifel eine Tugend. Betrachten wir uns allerdings solche Exzesse wie den “Schwarzen Block” bei Demonstrationen, die PEGIDA oder auf politischer Ebene die AfD und die CSU, so befindet sich die Liberalität auf einem straighten Kurs bergab. Auch die Zahl der Anzeigen wegen Rufschädigung, unlauterem Wettbewerb usw. sprechen Bände.
.) Solidarität
Auch das: Eine Tugend! Zeige ich mich hingegen solidarisch mit jenen, die nicht mal den Mindestlohn erhalten und gehe in meinem Urlaub mit ihnen auf die Strasse, muss ich um meinen eigenen Job fürchten. Jene, die sich mit den Flüchtlingen solidarisch zeigten, werden als “Gut-menschen” und “Totengräber unserer Kultur” bezeichnet. Hallo?
.) Weltoffenheit (Toleranz)
Ganz eindeutig eine Tugend! Verbietet ein Familienvater aus beispielsweise Köln der Familie das Fernsehen oder Internet, so zeugt das nicht wirklich von einem hohen Grad an Weltoffenheit. Ist nur der Boarische das einzig wahre – oder kann’s auch mal ein türkischer Bauchtanz sein! Also auch hier: Nichts einzigartiges! Zudem fragt man sich, angesichts brennender Flüchtlingsunterkünfte, Hasstiraden in den Social Medias, öffentlichen Beschimpfungen etc. wie weit es um die Weltoffenheit so mancher bestellt ist. Von Multi-Kulti oftmals keine Spur!
.) Dirndl und Lederhose
Jetzt wird’s mir aber zu bunt!!!
Wer nun dies alles durchgelesen hat, wird mit mir konform gehen und die ständige Wertediskussion als kontraproduktiv zurückweisen, da es wirklich nur ganz wenige Werte gibt. Normen werden von oben auferlegt um ein geregeltes Miteinander zu ermöglichen. Und die Tugenden? Die hat oder macht man sich doch wohl selbst. Gehen sie verloren (wie zuletzt bei den Autoherstellern), so wird das Volk wohl von sich aus selbst zerfallen – wie die alten Römer. Da braucht es keine Zuwanderer für.
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel meinte einst:

“Deutschland wird Deutschland bleiben! Mit allem, was uns daran lieb und teuer ist!”

Meist sind es allerdings ausgerechnet jene lauthals zur Verteidigung der Werte Aufschreienden, die zuhause keine andere Meinung als die ihre gelten lassen. Welche Werte wollen sie dann wem gegenüber noch verteidigen???!!!
Seit dem Jahr 2009 wird jedes zweite Jahr durch die Experten der beiden Institute “Trendbüro” und “Kantar TNS ” aufgrund der Auswertung der Beiträge von Internet-Usern ein Werte-Index zusammengestellt. 2016 wurden dafür 5,7 Millionen Beiträge vornehmlich aus den Social Medias analysiert. Der aktuelle Werte-Index erschien im November 2017, ausgewertet wurden hierfür rund 4 Mio Beiträge. Hier die Reihenfolge der zehn wichtigsten “deutschen Werte” für das Jahr 2018:
a) Natur
b) Gesundheit
c) Familie
d) Freiheit
e) Sicherheit
f) Erfolg
g) Gemeinschaft
h) Anerkennung
i) Nachhaltigkeit
j) Gerechtigkeit
Erlauben Sie mir bitte zum Abschluss noch eine Frage:
Steht es den Generationen nach den unmenschlichen Leistungen der Wiederaufbauer überhaupt zu, von deutschen Werten zu sprechen? Ist es nicht vielmehr die Kultur und ihre Traditionen, die so heiss umkämpft werden? Und genau das hat jedes Volk! Die Kultur und die alten Traditionen sollten hochgehalten werden – muß ja nicht immer die Volks-tanzgruppe sein, die die Dirndln und Krachledernen nur für Touristen anzieht. Das ist meine Einstellung. Und dies zu tun – das liegt doch ganz eindeutig an mir, oder? Wer sagt mir, dass ich zur Sonntagsmesse in Tracht erscheine? Wer gebietet mir, den Christbaum dermassen voll zu hängen und davor die Geschenke zu stapeln, sodass vom Baum nichts mehr zu sehen ist? Wer befiehlt mir, den Ramadan einzuhalten? Wer drückt mir auf, dass ich den Valentinstag oder Halloween feiern muss?
ICH MIR SELBST!

Lesetipps:

.) Werte-Index 2018; Hrsg: Peter Wippermann/Jens Krüger; Deutscher Fachverlag GmbH 2017
.) Werte: Warum man sie braucht, obwohl es sie nicht gibt; Andreas Urs Sommer; J.B. Metzler 2016
.) Deutschland ist bedroht: Warum wir unsere Werte jetzt verteidigen müssen; Düzen Tekkal; Berlin Verlag 2016
.) Wert und Werte: Ethik für Manager – Ein Leitfaden für die Praxis; Ulrich Hemel; Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG 2007
.) Werte und Normen im beruflichen Alltag: Bedingungen für ihre Entstehung und Durchsetzung; Hrsg.: Rebekka A. Klein/Björn Görder; LIT Verlag 2011
.) Die Entstehung der Werte; Hans Joas; Suhrkamp 1999
.) Bibliothek der deutschen Werte – satirische Buchreihe aus dem Droemer Knaur-Verlag 1988-1990:
- Das deutsche Lied; Dietrich Paul 1988
- Der deutsche Bauer; Ottfried Fischer 1988
- Die deutsche Arbeit; Henning Venske 1988
- Die deutsche Seele; Eckart Hachfeld 1988
- Der deutsche Jude; Eva Richter/Ilja Richter 1989
- Der deutsche Mann; Anne Rose Katz 1989
- Der deutsche Selbstverstand; Mathias Richling 1989
- Der deutsche Verein; Klaus Peter Schreiner 1989
- Der deutsche Verkehr; Wolfgang Ebert 1989
- Die deutsche Gemütlichkeit; Ulla Hildebrandt/Walter Drechsel; 1989
- Die deutsche Opposition; Matthias Beltz 1989
- Die deutsche Treue; Karl Hoche 1989
- Die deutsche Verfassung; Martin Buchholz 1989
- Die deutsche Weihnacht; Felix Rexhausen 1989
- Die deutsche Gründlichkeit; Hanns Christian Müller 1990
.) Brauchen wir eine Leitkultur?; Hrsg.: Andreas H. Apelt/Dirk Reimers/Eckhard Jesse; Mitteldeutscher Verlag 2018
.) Leitkultur – Was deutschsprachige Kultur ist! Und was sie nicht ist!; Michael Heinen-Anders; Kindle Edition 2017
.) Leitkultur und Parallelgesellschaft: Argumente wider einen deutschen Mythos; Jürgen Nowak; Brandes & Apsel 2006
.) Über alles in der Welt – Esoterik und Leitkultur: Eine Einführung in die Kritik irrationaler Welterklärungen; Claudia Barth; Alibri 2006
.) German Leitkultur – What is the content of the German Leitkultur?; Benjamin Marienfeld; Grin Publishing 2009

Links:

- www.bundestag.de
- www.parlament.gv.at
- www.fides.org
- www.uni-due.de
- www.trendbuero.com
- www.tns-infratest.com
- werteindex.de
- www.wertesysteme.de
- www.wertestiftung.org/
- www.demokratiezentrum.org
- www.virtuesproject.works
- vieraugengespraech.de
- www.lenz-stiftung-mainz.de

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