12 h Arbeit am Stück – das ist lebensgefährlich

Jede(r) nichtselbständige Vollzeit-Arbeitnehmer/-in in Österreich arbeitet im Schnitt 41,5 h pro Woche! Pro Jahr fallen 250 Mio Über- und Mehrstunden an – 54 Mio davon werden nicht abgegolten. Nur auf Zypern und in England wird länger gearbeitet. (Angaben: AK)

Mit den Stimmen der Regierungsparteien und der Neos (119 Ja-Stimmen, 55 Nein-Stimmen) wurde am Donnerstag, den 05. Juli 2018, das Arbeits-zeitgesetz im Österreichischen Nationalrat beschlossen – offenbar mit den Stimmen auch der Abgeordneten des Österreichischen Arbeiter- und Angestelltenbundes. Es wird – ohne Begutachtung – bereits am 01. September in Kraft treten und gilt für 3,7 Millionen Arbeitnehmer.
Das neue Gesetz sorgte im Vorfeld, seit Bekanntwerden des Initiativan-trages der VP/FP-Regierung am 15. Juni für hetigste Proteste. Künftig sollen neben den bisherigen 8h-Normalarbeitstage (plus 2 Überstunden) 8h-Normalarbeitstage mit zusätzlichen 4 Überstunden ermöglicht werden (schon zuvor einige Branchen wie Gesundheit, Sicherheit etc. ausgenommen). Bislang war für dieses Ausmaß an Mehrarbeit (60 h-Woche) die Einwilligung des Betriebsrates, ein schwerer wirtschaftlicher Grund und eine arbeitsmedizinische Begutachtung vonnöten.
Schon jetzt wird jeder vierte Mann und jede fünfte Frau einmal pro Woche kurzfristig zu Überstunden aufgefordert; 1,4 Mio Arbeitnehmer in Öster-reich müssen zumindest 1x im Monat kurzfristig Überstunden machen. Das soll nun auf Wunsch vieler Unternehmer-Lobbies ausgeweitet werden: Bis zu 60 h Arbeitszeit die Woche auf freiwilliger Basis – wie betont wird. Auch weiterhin besteht die grundsätzliche Verpflichtung zur Überstundenleistung in der 9. und 10. Stunde. Bislang waren es also zwei pro Tag – eine Ablehnung muss begründet werden. Sagen Sie mal Ihrem Chef nein, wenn er fordert, dass heute und morgen jeweils vier Stunden länger gearbeitet werden soll. Für die meisten Unternehmer ist dies Arbeitsverweigerung und damit ein Entlassungsgrund. Bei der Befragung “Mikrozensur” der Statistik Austria gaben nicht weniger als 57 % der Befragten an, dass ihre Vorgesetzten zur Gänze über die Arbeitszeit verfügen. Arbeitsjuristen betonen, dass es im Arbeitsrecht keinen Passus “freiwillig” gebe! Die Wirtschaftskammer beispielsweise bezieht sich auf eine von ihr bei “market” in Auftrag gegebene Umfrage, wonach sich 73 % dafür aussprachen, mehr arbeiten zu wollen. Mag ja sein, doch gingen diese sicherlich davon aus, sich selbst entscheiden zu können und das Ganze nicht aufgesetzt zu bekommen. Zwischen “Möglichkeit” und “Pflicht” besteht ein Unterschied, den es zu verstehen keines Doktortitels bedarf.
Durch Betriebsvereinbarungen ist es wie beschrieben bereits heute schon möglich, bei besonderem Anlass auf einen 12 h-Tag zurückgreifen zu können. Hier werden allerdings die Mitarbeiter befragt – wer nicht kann oder will, macht somit keine zwei weiteren Stunden oder Wochenends-arbeit. Das aber ist mit dem neuen Gesetz vorbei. So soll es lt. Betroffenen bereits Betriebsversammlungen gegeben haben, wo durch den Unternehmer auf die verpflichtenden Überstunden hingewiesen wurde.

“Kniefall vor der Industrie!”
(Dr. Andrea Kdolsky – ehemalige Gesundheitsministerin in der Tages-zeitung Kurier)

Ein Sturm der Entrüstung ist die Folge. Das Sommerfest des Bundes-kanzlers konnte nur aufgrund eines Großaufgebotes an Polizeikräften stattfinden. Die Gewerkschaft organisierte Betriebsversammlungen und rief zu einer Grossdemo am 30. Juni in Wien auf. Über 100.000 Teil-nehmer folgten ihrem Ruf. Weitere Gegenmassnahmen (Streik etwa) sind möglich: Auch Arbeitnehmervertreter der beiden Regierungsparteien in den Arbeiterkammern protestieren. So trat etwa der Chef der Tiroler FP-Arbeitnehmer, Heribert Mariacher, aus der FPÖ aus – dies sei keine Arbeitnehmerpolitik mehr, für die er gewählt wurde. Der ehemalige Bundeskanzler Christian Kern forderte eine Volksabstimmung (der Antrag wurde im Nationalrat niedergestimmt). Damit hätte er die Freiheitlichen mit eigenen Waffen geschlagen, da sie im Wahlkampf immer wieder mehr direkte Demokratie in Form von Volksabstimmungen bzw. Volksbegehren einforderten, bislang allerdings noch keine einzige auf den Weg brachten.
Im Jahr 1883 wurde im Rahmen des Statuts über die Gewerbeinspektorate im Alpenstaat zur Überwachung der zum Schutz der Arbeiter erlassenen Gesetze der elfstündige Maximalarbeitstag eingeführt. Mit der 12h-Regelung würden die Arbeitnehmer im teils erbitterten Kampf um ihre Rechte um 135 Jahre zurückgeworfen. Die Novelle soll ohne Begutachtung (somit auch ohne Konsultation der Sozialpartnerschaft) durchgeboxt werden. Das stösst auch der Bischofskonferenz sauer auf, die allerdings zudem befürchtet, dass weniger ehrenamtliche Stunden in der Kirche abgeleistet werden und v.a. auch der Sonntag als arbeitsfreier Tag fällt, da mittels desselben Gesetzes auch vier Wochenenden im Jahr als Arbeitszeit eingefordert werden können.

https://www.youtube.com/watch?v=zLFLWuAJaFI

Das Stichwort lautet: Work-Life-Balance. Die Unternehmen selbst betonen stets im Wettbewerb um geeignetes Fachpersonal, dass diesem in ihrem Betrieb eine entscheidende Bedeutung zukäme. Schliesslich sind die Mitarbeiter eines Unternehmens dessen wichtigstes Kapital. Unzählige Studien haben immer wieder bewiesen, dass jene Betriebe am erfolg-reichsten auf dem Markt agieren, die zufriedene Mitarbeiter haben. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass dies auch dann noch der Fall ist, wenn der Arbeitgeber in regelmässigen Abständen vier Stunden pro Tag an Überstunden einfordert, die lt. Arbeiterkammer bei Gleitzeit nicht mal entsprechend honoriert werden. In diesen Work-Life-Balance-Dienstverhältnissen werden die absolvierten 9. und 10. Stunden zum Gleiten verwendet – sie gelten also als normale Arbeitsstunden und werden nicht erhöht bewertet (Durchrechnung). Somit also auch künftig nicht, wenn die 11. und 12. Stunde hinzukommen. Das kann in vielen Fällen durch Gleiten gar nicht mehr ausgeglichen werden, da in den Kernzeiten ja Anwesenheitspflicht besteht. Diese Stunden verfallen ansonsten am Ende der vorher vereinbarten Periode (Monat, Quartal,…). Das betrifft nicht weniger als 1 Million Dienstnehmer in Österreich. Laut ersten Berechnungen der Gewerkschaft bzw. Arbeiterkamer würden die österreichischen Arbeitnehmer hierdurch um 1,5 bis 2 Milliarden € pro Jahr umfallen.

“Das kommt einem Lohnraub gleich!”
(Fritz Pöltl, FCG-Landesgeschäftsführer Wien)

Vorbei ist es ausserdem mit dem Eis in der Fussgängerzone nach getaner Arbeit, dem Feierabend-Bierchen mit den Arbeitskollegen, dem Fussball-training am Abend, der Feuerwehrprobe, dem Mädelsabend oder gar dem Candle-Light-Dinner mit der Liebsten zu deren Geburtstag. Die Arbeit-nehmer verlieren ihre Zeit-Autonomie!

“Wir haben im aktuellen FP/VP-Regierungsprogramm ein klares Bekenntnis zum 8 Stunden Arbeitstag und einer 38,5 bis 40 Stunden Arbeitswoche für Arbeitnehmer. Eine von den Medien bewusst fälschlich behauptete 60 Stunden-Woche wird es mit der FPÖ nie geben!”
(Vizekanzler H.C. Strache kurz vor Weihnachten 2017 auf Facebook)

Am 17. September 2013 sprach Strache in einem Kurier-Interview vom 12 h-Arbeitstag als “…eine asoziale, leistungsfeindliche Idee, da dies für alle Arbeitnehmer Nettolohnverluste bedeuten würde.” und forderte die Abschaffung der Überstundenbesteuerung.
Zudem ist es bereits mit acht Stunden sehr schwer, Betreuungs-möglichkeiten für die Kinder zu finden, sofern beide Elternteile arbeiten. Für Alleinerziehende nahezu unmöglich. Hier werden die Arbeitsgerichte künftig viele neue Fälle auf den Tisch bekommen, bei welchen sie zu entscheiden haben, ob die wirtschaftlichen Interessen des Arbeitgebers wichtiger sind als die Kinderbetreuungspflichten der nahezu ausschliess-lich Arbeitnehmerinnen. Diese Ausweitung der Arbeitszeiten wird zudem die Pflege von Angehörigen zuhause wesentlich beeinflussen.
Auch wenn der Vorgesetzte diese vier zusätzlichen Stunden möglicher-weise nur ein oder zweimal die Woche einfordert, so kann nach der Arbeit kein Termin mehr fixiert werden, da jederzeit mit dem Auftrag zu Überstunden gerechnet werden muss. Betont nun ein Unternehmer, dass er selbst bis zu 16 Stunden pro Tag arbeitet, so sollte er dabei bedenken, dass er sich auch mal kurzerhand am Donnerstag freinehmen kann, wenn er will. Im Gegenzug: Nur rund 30 % der Arbeitnehmer können sich kurzfristig freinehmen! Und noch weniger zu den Kernzeiten!
Diese neue Regelung wird zudem Arbeitsplätze kosten. Bestehende Arbeitsplätze, die aufgrund fristloser Entlassung der Arbeitnehmer, die sich weigerten, diese Überstunden zu absolvieren, werden eingespart, andere neu zu schaffende Posten dadurch gestrichen. Damit schaut auch der Staat selbst durch die Finger, obgleich die fiskalische Belastung bei Überstunden ohnedies eine höhere ist als bei Normalstunden. Diese jedoch erscheint im Ganzen gesehen weniger hoch als neu geschaffene Posten.
Bei all jenen, die Überstunden in Form von Zeitausgleich abbauen müssen (lt. Arbeitsvertrag), stellt sich die Frage: Wann? In einem gut laufenden Betrieb zieht sich zumeist auch die gute Auftragslage über einen längeren Zeitraum hinweg. Dadurch wird oftmals das Wort “unabkömmlich” zu vernehmen sein. Die einzige Beschränkung stellt derzeit eine EU-Richtlinie dar: Maximal 17 Wochen mit wöchentlich durchschnittlich 48 h! Es häuft sich alsdann ein unheimliches Stunden-Reservoir an, das bislang nach einer gewissen Zeit verfallen ist, jetzt durch die neue Regelung Monat für Monat, Jahr für Jahr als Rucksack mitgeschleppt wird. Wann ich den ZA konsumieren kann, entscheidet der Arbeitgeber. Mir ging es etwa so, als ich als Zeitsoldat zu unzähligen Wachdiensten verdonnert wurde. Ich wurde durch die Kompanie für einen Monat in den befohlenen Zeitausgleich geschickt – ganz zum Missfallen der Vorgesetzten in meiner Abteilung. Die gesetzliche Verjährung lag bislang bei drei Jahren. Allerdings beinhalten viele Kollektivverträge und v.a. die einzelnen Dienstverträge Verfallsklauseln, die auch nur wenige Monate berück-sichtigen können. Ich erhielt bei einem meiner Arbeitgeber eine Abmahnung, da ich am letzten Tag des Monats gemäss Arbeitsvertrag zum Monatsende das Zeitguthaben abbaute und das Büro um 1,5 h früher verliess. Pech also für die Unabkömmlichen: Zeitguthaben werden mitgenommen – wenn’s sein muss gar bis zur Kündigung oder Pensionierung. Soll heissen, dass der Dienstnehmer kein Anrecht auf ZA hat, wenn es dem Chef nicht passt.
Dann gibt es noch die All-in-Verträge, die bereits eine gewisse Anzahl oder alle Überstunden beinhalten, die nicht eigens bezahlt werden. Im Management gang und gebe – doch werden sie hier auch entsprechend honoriert. Derartige Verträge gibt es jedoch vermehrt im Niedriglohnsektor etwa im Handel oder der Gastronomie. Was geschieht, wenn ein Arbeitnehmer durch einen solchen Vertrag und dieser neuen Regelung unter die Mindestlohngrenze rutscht??? Schon jetzt haben sich nach Angaben der Statistik Austria 45 Mio Über- und Mehrstunden (bei Teilzeit-Dienstverhältnissen) im Alpenstaat angesammelt, die nicht bezahlt werden. Wie wird das mit der neuen Regelung?

https://www.youtube.com/watch?v=hAdMSQA9_XQ

Soweit zur Einführung – nun zu den Fakten. Über zwei Jahre hinweg arbeitete auch ich 12 Stunden pro Tag und länger – hinzu kamen täglich noch 1,5 h Fahrt zur und von der Arbeit. Das Leben ging an mir vorbei – soziale Abgrenzung war die Folge. Auch gesundheitlich bemerkte ich die Folgen: Unkonzentriert, ausgepowert, ständige Kopfschmerzen etc. Und dies als Angestellter – nicht als Arbeiter. Tatsächlich haben Studien ergeben, dass 12 Stunden am Stück v.a. bei Arbeitern sogar lebens-gefährlich werden können. Stellen Sie sich etwa derart monotone Beschäftigungen wie jene am Fliessband vor, die dennoch ein Maß an Konzentration erfordern. Schwerarbeiter aus der Stahlbranche, am Bau; Angestellte im Verkehr, Kassiererinnen im Supermarkt, …
Die Studien des schwedischen Arbeitspsychologen Anders Ericsson besagen, dass der Mensch nur drei bis vier Stunden hochkonzentriert arbeiten kann. Er zeigte in dem Werk eines japanischen Autoherstellers in Göteborg auf, dass bei einer Reduktion der wöchentlichen Stunden von 40 auf 30 die Produktivität stieg und auch der Profit um 25 % angehoben wurde. Eine zweite Studie wurde 2015 im Svartedalens Altersheim durchgeführt. Die Mitarbeiter waren zufriedener, produktiver und hatten mehr Energie. Die zu Pflegenden wurden qualitativ wesentlich besser betreut. Zudem gab es weniger Krankenstände und Ausfallstage. Deshalb überlegt sich Schweden nun sogar die Verkürzung der Normalarbeitszeit von acht auf sechs tägliche Stunden. Der Neurowissenschafter Henning Beck bestätigt, dass Fehler bereits nach sieben, auf jeden Fall aber acht Stunden geschehen. Untersuchungen, wie jene des Zentrums für Public Health in Wien vom März 2017, bringen ganz klar eine Tatsache zu Papier: Ab der 9. Arbeitsstunde steigt das Unfallrisiko, ab der 10. Stunde gibt’s einen gewaltigen Leistungsknick. In einem 12h-Arbeitstag ist die Ermüdung dreimal höher als in einem acht Stunden Tag. AK-Präsidentin Renate Anderl zieht arbeitsmedizinische Studien zu rate, wonach das Unfallrisiko im Strassenverkehr bei der Heimfahrt in der 13. Stunde üm das Fünffache steigen würde.

“Das ist so, als ob man mit einem Alkoholspiegel von 0,8 Promille fahren würde.”
(Renate Anderl, Präsidentin der Bundesarbeiterkammer Österreich)

Arbeitzeitforscher betonen auch, dass nach zwei Tagen mit jeweils 12 h Arbeitszeit drei Tage Freizeit folgen müssen, damit eine komplette Erholung möglich ist. Dies könnte nun allerdings bedeuten, dass die Chefs auf vier Stunden mehr am Donnerstag und Freitag bestehen, anstatt wie geplant den Freitag freigeben zu wollen. Ein freier Freitag übrigens ist bereits gegenwärtig schon möglich, nur stösst er bei den Arbeitgebern auf keine wirklich gute Resonanz. Auch ich wollte etwa bei einem meiner Arbeitgeber Urlaub abbauen, indem ich sechs Freitage im Einverständnis mit dem Chef freinahm. Dieser strich mir allerdings dann im Nachhinein auch wieder zwei davon!

https://www.youtube.com/watch?v=7C22Vad1daU

Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres verweist auf gesundheitliche Gefahren bei einer dermassen eklatanten Ausweitung der Arbeitszeiten. Dies beginnt bereits bei den kognitiven Fertigkeiten. Australier haben nachgewiesen, dass diese bei Menschen, die länger als 40 Stunden pro Woche arbeiten, abnehmen. Doch es geht noch weiter: Erfolgt nach solchen 12-h-Schichten keine ausführliche Erholung, so führt dieser Erschöpfungszustand mit der Zeit zu psychischen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen! Forscher aus Kanada haben ferner darauf hingewiesen, dass Frauen, die mehr als 45 Stunden pro Woche arbeiten, ein um 63 % höheres Risiko an Diabetes zu erkranken haben, als andere. Soweit das Ergebnis einer über 12 Jahre andauernden Langzeitstudie an 7.000 Frauen und Männern im Alter von 35 bis 74 Jahren. Die Auslösefaktoren sind mangelnde Bewegung, schlechtere Ernährung und mehr Stress. Letzteres führt zu Hormonstörungen, wodurch der Glukokortikoidspiegel steigt.

“Erhebungen zeigen, dass Frauen in industrialisierten Ländern doppelt so viele Stunden in der Woche im Haushalt arbeiten und Familien-pflichten übernehmen wie Männer!”

(Studienautorin Mahée Gilbert-Ouimet)

Das wiederum bedeutet wesentlich mehr Krankentage und schliesslich eine höhere Personalfluktuation. Bis die neuen Mitarbeiter eingearbeitet sind, entsteht ein enormer wirtschaftlicher Schaden, da die Produktion nicht auf Hochtouren laufen kann. Die Betriebe machen sich schlichtweg selbst kaputt – nachdem sie die Arbeitnehmer kaputt gemacht haben. Fairerweise muss erwähnt werden, dass mehr Arbeit auch positive Effekte haben kann – jedoch nur dann wenn die Arbeitnehmer selbst bestimmen können, wann sie diese machen und wann sie auch das Mehr an Freizeit antreten können.
Zuletzt noch eine rein philosophiche Frage:
Die österreichische Regierung hat v.a. zwei Rechtfertigungen auf den Tisch geworfen: Wer will kann mehr verdienen und mehr Freizeit haben! Ersteres mag ja noch verständlich erscheinen. Doch muss ich ehrlich gesagt bei zweiterem schon hinterfragen: Wenn ich mehr arbeiten muss, wie kann ich dann mehr Freizeit haben? Ein Oxymoron!

PS:
Alle Hinweise auf Gesetze oder der Handhabung von Dienstnehmer-verträgen in diesem Blog beziehen sich auf Österreich. Trotz wesentlich besserer Konjunkturlage bestehen derzeit in Deutschland zumindest nicht offiziell Bestrebungen der Regierung auf eine derartige Ausweitung der Arbeitszeiten.

Lesetipps:

.) Arbeitszeitmodelle der Zukunft: Arbeitszeiten flexibel und attraktiv gestalten; Ulrike Hellert; Haufe-Lexware 2014
.) Rechtshandbuch Flexible Arbeit: Flexible Beschäftigungsverhältnisse, Personalanpassung, Vergütungssysteme, Arbeitszeitmodelle, Aufgabenänderung; Matthias Pletke/Peter Schrader ua.; C.H.Beck 2017
.) Arbeitszeitgesetz – AZG; Hrsg.: Konrad Grillberger; MANZ’sche Wien 2011
.) Arbeitszeit und Mitbestimmung von A bis Z – Das Lexikon für die Interessenvertretung; Beckmann/Steiner; Bund-Verlag 2018
.) Arbeitszeitmodelle: Flexibilisierung und Individualisierung; Hrsg.: Dieter Wagner; Hogrefe Verlag 1995
.) Humane Arbeitszeiten; Ulrike Hellert; LIT 2001
.) Recht und Praxis der Arbeitszeitkonten: Wertguthaben, Altersteilzeit, Flexikonten; Peter Hanau ua.; C.H.Beck 2015
.) Neue Arbeit, Neue Kultur; Frithjof Bergmann; Arbor 2004
.) Arbeitszeit: Handlungshilfe für Betriebsräte; Barbara Jentgens/Jürgen Ulber; Bund-Verlag GmbH 2013
.) Gestaltung betrieblicher Arbeitszeitsysteme – Ein Überblick für die Praxis; Andreas Hoff; Gabler Verlag 2015
.) Handbuch Arbeitszeit – Wem gehört die Zeit?; Meine/Wagner; Bund-Verlag 2016
.) Arbeitszeit- und Dienstplangestaltung in der Pflege; Ronald Kelm; Kohlhammer 2011

Links:

- www.arbeiterkammer.at
- www.oegb.at
- www.wko.at
- www.iv.at
- www.usp.gv.at
- www.sozialministerium.at
- www.arbeitsinspektion.gv.at
- www.parlament.gv.at
- www.oevp.at
- www.fpoe.at
- www.meduniwien.ac.at
- zph.meduniwien.ac.at
- www.auva.at
- www.aerztekammer.at
- www.gesundearbeit.at
- psy.fsu.edu/faculty/ericssonk/ericsson.dp.php
- www.ximes.com/page/arbeitszeitforschung

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