Grosswildjagd – der zweifelhafte Weidmann


“Es ist völlig absurd, dass Wilderei als Vebrechen geahndet wird und trotzdem ganz legal jede Menge Jagdtrophäen von streng geschützten Tieren nach Deutschland importiert werden dürfen!”

(Steffi Lemke, naturschutzpolitische Sprecherin der Grünen)

In letzter Zeit tauchen wieder vermehrt ekelerregende Trophäenbilder von Menschen in den Social Medias auf, die kurz zuvor ein Tier erlegt haben. Allerdings nicht irgendein Tier, sondern einen Löwen, einen Elefanten, ein Nashorn, einen Leoparden – Grosswild! Gerade erhielt ich eine Mail mit der Bitte, eine Petition zu unterschreiben, mit der ein Massenabschuss von Flusspferden in Sambia verhindert werden soll.

https://www.regenwald.org/petitionen/1149/massentoetung-von-hippos-verhindern?t=4389

Angeblich habe deren Population dermaßen zugenommen, dass sie zurückgetrimmt werden soll – 2.000 Tiere innerhalb von fünf Jahren im Tal Luangwa werden das wohl mit ihrem Leben bezahlen. Fragt man sich, weshalb es die dortigen Behörden nicht selbst schon erledigt haben und ein Abschuss satte 14.000,- US-Dollar kostet (inkl. Safari)! Die dortige Regierung hat die Aktion zwar bestätigt, betont aber, dass pro Jahr maximal 250 Tiere geschossen werden dürfen. Meine mathematischen Fähigkeiten reichen leider nicht soweit, dass ich hier einen Zusammen-hang zwischen den Zahlen herstellen kann. Ausserdem wurde ein Nachweis für eine Überpopulation bisher nicht erbracht. Es geht also einmal mehr darum, zahlungskräftige Touristen anzulocken. Und damit die anderen Touristen nicht verschreckt werden, wird die biologische Notwendigkeit in’s Spiel gebracht. Dabei scheinen die Veranstalter jedoch komplett vergessen zu haben, dass nach dem Washingtoner Artenschutz-konferenz (CITES Anhang I – vom Aussterben bedroht/Anhang II – gefährdet) das Hippopotamus amphibius (Großflusspferd) als gefährdet und das Hexaprotodon liberiensis (Zwergflusspferd) als stark gefährdet eingestuft sind. Auch die Republik Sambia hat dieses Abkommen unterzeichnet – nur bei zwei Krokodilarten hatten deren Vertreter Einspruch erhoben. Zum Artenschutzabkommen gibt’s etwas später ausführliche Informationen.
Mittels derartiger Massnahmen soll also erneut durch den Geltungswahn einiger Reichen eine Tierart nahezu ausgerottet werden, die sicherlich ansonsten überleben würde. Übrigens: Nicht der erste Versuch: 2016 musste ein solcher Plan nach starkem internationalen Protest fallen-gelassen werden. Weltweit leben derzeit noch rund 125.000 bis 140.000 Grossflusspferde und nurmehr 2.000 bis 3.000 Zwergflusspferde.

“Die Trophäenjagd ist unnötig und weder im Interesse des einzelnen Tieres noch der gesamten Art.”
(Ainsley Hay, Südafrikanische Gesellschaft zur Verhinderung von Tierquälerei)

Es ist erschreckend zu sehen, wie einfach es ist, sogar einen Tiger- oder Nashornabschuss zu buchen. Geht alles online – nur eine Frage des Geldes. Mit einem Click fand ich offenbar einen Grossanbieter. So ist die Jagd auf Antilopen und Zebras bei diesem mit 2.050,- € während eines achttägigen Jagdaufenthaltes ein richtiggehendes Schnäppchen. Und eine Begleitperson ohne Gewehr ist bei der Safari sogar kostenlos dabei. Etwas teurer ist mit 4.500 € die Giraffe oder mit 11.395,- € (inkl. sieben Tage) der Elephant. Der Löwe kostet 25.000,- € (inkl. zehn Tage). Wahre Liebhaber, wie jener US-Zahnarzt, der den weltweit bekannten Löwen Cecil mit Pfeil und Bogen jagte, oder der Berliner Jäger, der den letzten grossen Elefantenbullen in Simbabwe niederschoss (alleine seine Stosszähne wogen 109 kg), zahlen selbstverständlich auch gerne ein kleines bisschen mehr! Der Amerikaner beispielsweise 45.000,- Euro! Fakt ist, dass jährlich mehr als 100.000 Wildtiere von rund 18.000 Grosswildjägern erlegt werden. Während der eine seinen Kick bei der Braunbärjagd sucht, mag es der andere doch lieber bei den schnellen Geparden. Und wie die Statistik beweist, schiessen Deutsche ganz vorne mit: Alleine 2017 wurde die Einfuhr von Trophäen von nicht weniger als 615 Tieren durch Genehmigungen des Bundesamts für Naturschutz (BfN) erlaubt. Darunter auch Nashörner, Elefanten und Leoparden. Nur in den USA und Spanien waren es noch mehr. Nachzuweisen ist lediglich, dass es ein Privatabschuss, kein kommerzieller war und dass die Jagd “nachhaltig” sowie legal stattfand. Ähm – wie bitte? Wie kann der Abschuss des letzten Bullens nachweislich dem Erhalt der Rasse dienen? Auch wenn kontrollierte Abschüsse von so manchen gutgeheissen werden, bleiben alsdann die vielen nicht legalen Abschüsse, die Wildereien. So wurde die Elefantenpopulation (zahlenmässig bestätigt!) im vergangenen Jahr um ein Drittel nach unten reduziert! Erst wenn die Tiere zu einer Landplage werden (wie in Australien die Wildkaninchen, da die natürlichen Feinde fehlen) oder dem Menschen gefährlich werden ( zum Beispiel die Menschenkiller unter den Tigern) sind solche Pseudoausreden gerechtfertigt. Ansonsten sind und bleiben sie eine Geldmacherei auf Kosten der Tiere und damit der Umwelt.
Alljährlich zeigt es die Jagdmesse “Jagd & Hund” in Dortmund in aller Tragik auf: Spezialisierte Reiseveranstalter lassen keinen Wunsch offen, wenn es darum geht, ihre Kunden zufrieden zu stellen. Die “Big Five” Steppenelephant, Spitzmaulnashorn, Büffel, Löwe und Leopard sozusagen auf dem goldenen Tablett. Internationale Jagdverbände vergeben sogar Medaillen für die grössten Abschüsse. Dadurch werden nicht etwa die kranken oder alten Tiere erschossen, sondern die grössten und kräftigsten, die zum Erhalt der Art immens wichtig sind. Steht plötzlich eine Herde oder ein Rudel ohne Anführer da, kann dies schlimme Folgen haben. Den “Infantizid” beispielsweise. Wird das mächtgsten Männchen abgeschossen, übernimmt dessen Position ein Jungtier. Das aber tötet den kompletten Nachwuchs seines Vorgängers. Bei Löwen und Bären gang und gebe. Somit hat der Jäger mit einem Bullen-Abschuss nicht nur ein Tier, sondern viele auf dem Gewissen.
Im Mai 2017 gelangte eine Gruppe von Jagdtouristen “während eines Spazierganges” in eine kleine Herde trächtiger Elefantenkühe. Es ist bekannt, dass Elefanten beim Schutz ihres Nachwuchses sehr gefährlich werden können. Drei Tiere wurden geschossen. Die vierte Kuh griff angeblich die Jagdgemeinschaft an. Auch sie wurde geschossen, begrub aber den Jagdführer Theunis Botha beim Fall unter sich – er wurde zerquetscht. Der Vorfall ereignete sich in einem Wildschutzgebiet in Simbabwe! So hart das nun vielleicht für sie klingen mag: Ich weine ihm keine Träne nach!
Dabei wäre es doch so einfach – andere Staaten sind hier um Meilen voraus: Frankreich belegte die Einfuhr von Löwen-Trophäen bereits im Jahr 2015 mit einem grundsätzlichen Verbot, die Niederlanden folgten ein Jahr später mit einem Einfuhrverbot von Trophäen jeglicher geschützten Art. Ähnliches auch in Australien. Kenia und Botswana haben die Grosswildjagd gänzlichst verboten.
Auch Prominente setzen sich inzwischen gegen den Abschuss in der Savanne ein:

“Since the reason to bring a trophy back is to show off to other people how ‘manly’ and ‘exciting’ you are, banning trophies would immediately remove this disgusting motive.”
(John Cleese)

Auf der Jagd nach dem grossen Geld kennen die verantwortlichen Politiker und Beamten vorort keine Hemmnis. 2017 waren auf dem afrikanischen Kontinent nicht weniger als 1.028 Elefanten zum Abschuss freigegeben; in Namibia offenbar bis zum letzten Exemplar. 20.000 Löwen leben noch in freier Wildnis. Tendenz: Sinkend!
Immer wieder verweisen die Befürworter der Grosswildjagd auf das Geld, das der ansonsten armen Bevölkerung zugute kommt. Eine Studie der Weltnaturschutzunion IUCN beweist das Gegenteil. Jene Bevölkerung, die an derartigen Jagd-Safaris beteiligt ist, erhält alsdann im Durchschnitt 0,3 US-Dollar pro Person. Jährlich! Wahre Wohltäter also, diese Reichen und Reiseveranstalter. Oftmals finden die Jagden auf Privatgelände statt, sodass die arme Bevölkerung so oder so durch die Finger schaut.

https://www.youtube.com/watch?v=ijeFe9OVUKI

Besonders erschreckend und verurteilenswert ist meines Erachtens der Abschuss eigens herangezogener Tiere, die den Kontakt zum Menschen gewohnt sind und oftmals unbedarft zahm auf ihre Henker zumarschieren. Vor allem Löwen werden auf Löwenfarmen herange-züchtet (“canned lions”) und meist erst kurz vor der Jagd in die Wildnis entlassen. Bei der Fütterung erfolgt dann der Abschuss! Ist das weidmännisch und somit auch ethisch vertretbar? Derzeit warten etwa 6000 Tiere alleine in Südafrika in derartigen Farmen auf ihren grossen, aber auch letzten ungleichen Auftritt in der Arena.
Anders hingegen die Situation bei den Fotosafaris. Das haben besonders Kenia und Botswana erkannt. Kenia erwirtschaftet jedes Jahr eine runde Milliarde Dollar aus Fotosafaris – bei Jagdsafaris wären es 30 Millionen. Zigtausende Arbeitsplätze werden dadurch gehalten. Doch – was soll fotografiert werden, wenn es keine Nashörner, keine Elephanten und Löwen mehr gibt? Korruption, Missbrauch von Gesetzen und die Gier nach der grössten Trophäe lassen die Jäger und die Wilderer dabei keinerlei Grenzen kennen. Bei letzteren kommt leider noch die nicht enden wollende asiatische Nachfrage nach dem Horn der Elephanten und Nashörner hinzu. So werden alsdann auch in Nationalparks Tiere geschossen. Der Löwe Cecil etwa trug als Teil eines Forschungsprojektes der Universität Oxford einen GPS-Sender und befand sich zum Zeitpunkt seiner Verwundung durch den Pfeil des Zahnarztes im Hwange-Nationalpark in Simbabwe. Erst 40 Stunden später wurde das blutende Tier gefunden und getötet. Die begehrtesten “Safari Areas” für Grosswild-jäger sind die privaten Rinderfarmen in Südafrika und Namibia (“Privat conservancies”), gefolgt vom “Communal Land” in Sambia, Simbabwe und Tansania. In anderen Ländern ist es weitaus schwerer an Abschuss-lizenzen zu kommen, doch mit dem nötigen Geldschein auch hier nicht unmöglich. Die privaten Ländereien sind meist von unüberwindbaren hohen Zäunen umgeben, sodass dem Wild nicht mal die Möglichkeit der Flucht geboten wird (“Gatterjagd”). Bei solchen verachtenswürdigen Jagden werden auch immer öfter aufgezogene oder eingekaufte Tiere geschossen. Heiss begehrt sind derzeit die Spezialzüchtungen: Weisse Löwen etwa oder goldenfarbene Gnus.

“Unsere Kunden kommen, um ein afrikanisches Abenteuer zu erleben, von dem sie lange geträumt haben!”
(Stan Burger, Mitglied des südafrikanischen Berufsjägerverbandes PHASA)

Reiseveranstalter ködern Interessenten mit einem “einmaligen Erlebnis” und nicht für jederman geeignet, da im Umgang mit einer speziellen Büchse, mit eigens hierfür produzierter Munition (wie dem SuperPenetrator von Dr. Norbert Hansen) und schliesslich mit Schüssen auf kurze Distanz (in der Leopardenjagd beispielsweise). Wer will heutzutage schon jederman sein!? Und bei den Elefanten werden offiziell ohnedies nur Lizenzen für alte, grosse Tiere vergeben, die kurz vor ihrem natürlichen Tod noch etwas Geld in den Naturschutz bringen sollen. Zudem soll das Fleisch der erlegten Tiere noch im Rahmen eines grossen Dorffestes zerlegt und verspeist werden! Unwahrheiten, die immer wieder durch entsprechende Bilder widerlegt werden.
Nur ganz wenige Jagdgebiete bieten eine tatsächlich “nachhaltige Jagd” an – eines davon ist der Etosha-Nationalpark in Namibia. Die hier praktizierte, kontrollierte Quotenregelung wird seit dem Dezember 1988 durch eine Spezialeinheit überwacht, die mit kriminellen Wildererbanden kurzen Prozess macht. Das Geld, das durch den Abschuss reinkommt, bleibt bei der Bevölkerung, die dadurch selbst daran interessiert ist, dieses bewährte System auch künftig beibehalten zu können. Nur aufgrund dieser Massnahmen konnte beispielsweise die Zahl der Spitzmaulnashörner erhöht und die Tiere möglicherweise vor dem Aussterben bewahrt werden. Der Abschuss eines solchen Exemplars kostet ansonsten bis zu 280.000,- €! Die Erfahrungen zeigen zudem, dass solche kontrollierte und zertifizierte Abschüsse (“Weidgerechtigkeit”) durchaus im Sinne vieler Grosswildjäger wären. Würden sie denn auch angeboten!

“Die Ressource Wild hat durch die Bejagung einen Wert, und das schafft Anreize, das Wild zu schützen!”

(Klaus Hackländer, Institut für Wildtiermanagement der Uni Wien)

Jagdverbote, wie in Kenia oder Tansania, führten zu einer Ausweitung des Acker- und vor allem Weidelandes für die Rinderzucht, was wiederum verantwortlich war für den Rückgang der Wildtierpopulationen, da der Boden zu stark ausgebeutet wurde.

https://www.youtube.com/watch?v=LIow2-dmVDo

Grosswildjäger (ausser jene, die ethisch korrekt jagen) sind beileibe keine Wohltäter, die ganze Dörfer vor dem Verhungern retten und Geld für den Wildschutz einspielen. Sie töten für den eigenen Adrenalinspiegel, zur Befriedigung des Egos, zum Beweis, wie grossartig und mutig sie sind (Trophäe). Erst ein grundsätzliches Einfuhrverbot der Jagdtrophäen aus nicht zertifizierten Abschüssen kann dieses mafiöse System stoppen. Schliesslich ist ein Grosswildjäger ohne Jagdtrophäe vergleichbar mit einem Politiker ohne Verdienstkreuz oder sonstigem Ordenszeugs! Diese Nachweise werden aber zumeist auch bei Einzel-Einfuhrgenehmigungen nicht kontrolliert.
Neue Projekte vorort, wie jenes im Etosha-Nationalpark, sollen der Bevölkerung aufzeigen, dass ein Grosstiermanagement durchaus funktionieren und jeder Einzelne durch beispielsweise der Schaffung von Arbeitsplätzen am Umweltschutz verdienen kann. Bei den meisten Jagdsafaris aber streifen nur die Veranstalter das Geld ein.

“Es ist ein Geschäft, das sich weit über den Köpfen jener abspielt, die sich nicht einmal ein Stück Land kaufen können, um dort Ackerbau zu betreiben!”
(Joseph Maramba, Journalist aus Simbabwe)

Steht nun eine Tierart auf der sog. “Roten Liste” (CITES Anhang I und II) des Washingtoner Artenschutzabkommen, so ist der Handel mit Trophäen oder anderen Körperteilen verboten. Der Zoll aller Einfuhrländer ist hier angehalten, derartige “Produkte” zu beschlagnahmen und Anzeige zu erstatten, sofern keine Einfuhrgenehmigung des Bestimmungslandes und Abschussgenehmigung des Ursprunglandes vorliegt. Die US-amerikanische Regierung unter Donald Trump allerdings hatte 2017 ein solches Einfuhrverbot für Elephantentrophäen aufgehoben, nachdem zwei Söhne des Präsidenten selbst gerne zur Jagdsafari auf den afrikanischen Kontinent fliegen. Diese Aufhebung des Importverbotes galt allerdings tatsächlich nur einen Tag – weltweite Proteststürme veranlassten Trump dazu, seine Entscheidung wieder zurückzunehmen. Schliesslich wäre dadurch der offizielle Import von Elfenbein in die USA genehmigt worden.

Filmtipps:

.) Safari – Der Preis fürs Töten; Die Veguerilla; ORF Weltjournal
.) Safari; Regie: Ulrich Seidl

Lesetipps:

.) Auf den Fährten der Big Five: Drei Jahrzehnte Jagd in Afrika; Rolf D. Baldus; Franckh Kosmos Verlag 2008
.) Wildlife – Ein Leben für die Elefanten; Richard Leakey; S. Fischer 2002
.) Grosswildjagd im alten Afrika – Das Leben des Wildhüters Brian Nicholson; Brian Nicholson; Neumann-Neudamm 2017
.) Abenteuer Großwildjagd. Packende Erlebnisse in Steppe, Berg und Dschungel; Hrsg.: Franz. Kurowski; Arena Verlag GmbH 1986

Links:

- www.ifaw.org
- www.prowildlife.de
- lionaid.org
- www.traffic.org
- www.regenwald.org
- www.wwf.at
- www.bfn.de/
- www.grosswildjagd.de/
- huntexperts.com

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