Grosswildjagd – der zweifelhafte Weidmann


“Es ist völlig absurd, dass Wilderei als Vebrechen geahndet wird und trotzdem ganz legal jede Menge Jagdtrophäen von streng geschützten Tieren nach Deutschland importiert werden dürfen!”

(Steffi Lemke, naturschutzpolitische Sprecherin der Grünen)

In letzter Zeit tauchen wieder vermehrt ekelerregende Trophäenbilder von Menschen in den Social Medias auf, die kurz zuvor ein Tier erlegt haben. Allerdings nicht irgendein Tier, sondern einen Löwen, einen Elefanten, ein Nashorn, einen Leoparden – Grosswild! Gerade erhielt ich eine Mail mit der Bitte, eine Petition zu unterschreiben, mit der ein Massenabschuss von Flusspferden in Sambia verhindert werden soll.

https://www.regenwald.org/petitionen/1149/massentoetung-von-hippos-verhindern?t=4389

Angeblich habe deren Population dermaßen zugenommen, dass sie zurückgetrimmt werden soll – 2.000 Tiere innerhalb von fünf Jahren im Tal Luangwa werden das wohl mit ihrem Leben bezahlen. Fragt man sich, weshalb es die dortigen Behörden nicht selbst schon erledigt haben und ein Abschuss satte 14.000,- US-Dollar kostet (inkl. Safari)! Die dortige Regierung hat die Aktion zwar bestätigt, betont aber, dass pro Jahr maximal 250 Tiere geschossen werden dürfen. Meine mathematischen Fähigkeiten reichen leider nicht soweit, dass ich hier einen Zusammen-hang zwischen den Zahlen herstellen kann. Ausserdem wurde ein Nachweis für eine Überpopulation bisher nicht erbracht. Es geht also einmal mehr darum, zahlungskräftige Touristen anzulocken. Und damit die anderen Touristen nicht verschreckt werden, wird die biologische Notwendigkeit in’s Spiel gebracht. Dabei scheinen die Veranstalter jedoch komplett vergessen zu haben, dass nach dem Washingtoner Artenschutz-konferenz (CITES Anhang I – vom Aussterben bedroht/Anhang II – gefährdet) das Hippopotamus amphibius (Großflusspferd) als gefährdet und das Hexaprotodon liberiensis (Zwergflusspferd) als stark gefährdet eingestuft sind. Auch die Republik Sambia hat dieses Abkommen unterzeichnet – nur bei zwei Krokodilarten hatten deren Vertreter Einspruch erhoben. Zum Artenschutzabkommen gibt’s etwas später ausführliche Informationen.
Mittels derartiger Massnahmen soll also erneut durch den Geltungswahn einiger Reichen eine Tierart nahezu ausgerottet werden, die sicherlich ansonsten überleben würde. Übrigens: Nicht der erste Versuch: 2016 musste ein solcher Plan nach starkem internationalen Protest fallen-gelassen werden. Weltweit leben derzeit noch rund 125.000 bis 140.000 Grossflusspferde und nurmehr 2.000 bis 3.000 Zwergflusspferde.

“Die Trophäenjagd ist unnötig und weder im Interesse des einzelnen Tieres noch der gesamten Art.”
(Ainsley Hay, Südafrikanische Gesellschaft zur Verhinderung von Tierquälerei)

Es ist erschreckend zu sehen, wie einfach es ist, sogar einen Tiger- oder Nashornabschuss zu buchen. Geht alles online – nur eine Frage des Geldes. Mit einem Click fand ich offenbar einen Grossanbieter. So ist die Jagd auf Antilopen und Zebras bei diesem mit 2.050,- € während eines achttägigen Jagdaufenthaltes ein richtiggehendes Schnäppchen. Und eine Begleitperson ohne Gewehr ist bei der Safari sogar kostenlos dabei. Etwas teurer ist mit 4.500 € die Giraffe oder mit 11.395,- € (inkl. sieben Tage) der Elephant. Der Löwe kostet 25.000,- € (inkl. zehn Tage). Wahre Liebhaber, wie jener US-Zahnarzt, der den weltweit bekannten Löwen Cecil mit Pfeil und Bogen jagte, oder der Berliner Jäger, der den letzten grossen Elefantenbullen in Simbabwe niederschoss (alleine seine Stosszähne wogen 109 kg), zahlen selbstverständlich auch gerne ein kleines bisschen mehr! Der Amerikaner beispielsweise 45.000,- Euro! Fakt ist, dass jährlich mehr als 100.000 Wildtiere von rund 18.000 Grosswildjägern erlegt werden. Während der eine seinen Kick bei der Braunbärjagd sucht, mag es der andere doch lieber bei den schnellen Geparden. Und wie die Statistik beweist, schiessen Deutsche ganz vorne mit: Alleine 2017 wurde die Einfuhr von Trophäen von nicht weniger als 615 Tieren durch Genehmigungen des Bundesamts für Naturschutz (BfN) erlaubt. Darunter auch Nashörner, Elefanten und Leoparden. Nur in den USA und Spanien waren es noch mehr. Nachzuweisen ist lediglich, dass es ein Privatabschuss, kein kommerzieller war und dass die Jagd “nachhaltig” sowie legal stattfand. Ähm – wie bitte? Wie kann der Abschuss des letzten Bullens nachweislich dem Erhalt der Rasse dienen? Auch wenn kontrollierte Abschüsse von so manchen gutgeheissen werden, bleiben alsdann die vielen nicht legalen Abschüsse, die Wildereien. So wurde die Elefantenpopulation (zahlenmässig bestätigt!) im vergangenen Jahr um ein Drittel nach unten reduziert! Erst wenn die Tiere zu einer Landplage werden (wie in Australien die Wildkaninchen, da die natürlichen Feinde fehlen) oder dem Menschen gefährlich werden ( zum Beispiel die Menschenkiller unter den Tigern) sind solche Pseudoausreden gerechtfertigt. Ansonsten sind und bleiben sie eine Geldmacherei auf Kosten der Tiere und damit der Umwelt.
Alljährlich zeigt es die Jagdmesse “Jagd & Hund” in Dortmund in aller Tragik auf: Spezialisierte Reiseveranstalter lassen keinen Wunsch offen, wenn es darum geht, ihre Kunden zufrieden zu stellen. Die “Big Five” Steppenelephant, Spitzmaulnashorn, Büffel, Löwe und Leopard sozusagen auf dem goldenen Tablett. Internationale Jagdverbände vergeben sogar Medaillen für die grössten Abschüsse. Dadurch werden nicht etwa die kranken oder alten Tiere erschossen, sondern die grössten und kräftigsten, die zum Erhalt der Art immens wichtig sind. Steht plötzlich eine Herde oder ein Rudel ohne Anführer da, kann dies schlimme Folgen haben. Den “Infantizid” beispielsweise. Wird das mächtgsten Männchen abgeschossen, übernimmt dessen Position ein Jungtier. Das aber tötet den kompletten Nachwuchs seines Vorgängers. Bei Löwen und Bären gang und gebe. Somit hat der Jäger mit einem Bullen-Abschuss nicht nur ein Tier, sondern viele auf dem Gewissen.
Im Mai 2017 gelangte eine Gruppe von Jagdtouristen “während eines Spazierganges” in eine kleine Herde trächtiger Elefantenkühe. Es ist bekannt, dass Elefanten beim Schutz ihres Nachwuchses sehr gefährlich werden können. Drei Tiere wurden geschossen. Die vierte Kuh griff angeblich die Jagdgemeinschaft an. Auch sie wurde geschossen, begrub aber den Jagdführer Theunis Botha beim Fall unter sich – er wurde zerquetscht. Der Vorfall ereignete sich in einem Wildschutzgebiet in Simbabwe! So hart das nun vielleicht für sie klingen mag: Ich weine ihm keine Träne nach!
Dabei wäre es doch so einfach – andere Staaten sind hier um Meilen voraus: Frankreich belegte die Einfuhr von Löwen-Trophäen bereits im Jahr 2015 mit einem grundsätzlichen Verbot, die Niederlanden folgten ein Jahr später mit einem Einfuhrverbot von Trophäen jeglicher geschützten Art. Ähnliches auch in Australien. Kenia und Botswana haben die Grosswildjagd gänzlichst verboten.
Auch Prominente setzen sich inzwischen gegen den Abschuss in der Savanne ein:

“Since the reason to bring a trophy back is to show off to other people how ‘manly’ and ‘exciting’ you are, banning trophies would immediately remove this disgusting motive.”
(John Cleese)

Auf der Jagd nach dem grossen Geld kennen die verantwortlichen Politiker und Beamten vorort keine Hemmnis. 2017 waren auf dem afrikanischen Kontinent nicht weniger als 1.028 Elefanten zum Abschuss freigegeben; in Namibia offenbar bis zum letzten Exemplar. 20.000 Löwen leben noch in freier Wildnis. Tendenz: Sinkend!
Immer wieder verweisen die Befürworter der Grosswildjagd auf das Geld, das der ansonsten armen Bevölkerung zugute kommt. Eine Studie der Weltnaturschutzunion IUCN beweist das Gegenteil. Jene Bevölkerung, die an derartigen Jagd-Safaris beteiligt ist, erhält alsdann im Durchschnitt 0,3 US-Dollar pro Person. Jährlich! Wahre Wohltäter also, diese Reichen und Reiseveranstalter. Oftmals finden die Jagden auf Privatgelände statt, sodass die arme Bevölkerung so oder so durch die Finger schaut.

https://www.youtube.com/watch?v=ijeFe9OVUKI

Besonders erschreckend und verurteilenswert ist meines Erachtens der Abschuss eigens herangezogener Tiere, die den Kontakt zum Menschen gewohnt sind und oftmals unbedarft zahm auf ihre Henker zumarschieren. Vor allem Löwen werden auf Löwenfarmen herange-züchtet (“canned lions”) und meist erst kurz vor der Jagd in die Wildnis entlassen. Bei der Fütterung erfolgt dann der Abschuss! Ist das weidmännisch und somit auch ethisch vertretbar? Derzeit warten etwa 6000 Tiere alleine in Südafrika in derartigen Farmen auf ihren grossen, aber auch letzten ungleichen Auftritt in der Arena.
Anders hingegen die Situation bei den Fotosafaris. Das haben besonders Kenia und Botswana erkannt. Kenia erwirtschaftet jedes Jahr eine runde Milliarde Dollar aus Fotosafaris – bei Jagdsafaris wären es 30 Millionen. Zigtausende Arbeitsplätze werden dadurch gehalten. Doch – was soll fotografiert werden, wenn es keine Nashörner, keine Elephanten und Löwen mehr gibt? Korruption, Missbrauch von Gesetzen und die Gier nach der grössten Trophäe lassen die Jäger und die Wilderer dabei keinerlei Grenzen kennen. Bei letzteren kommt leider noch die nicht enden wollende asiatische Nachfrage nach dem Horn der Elephanten und Nashörner hinzu. So werden alsdann auch in Nationalparks Tiere geschossen. Der Löwe Cecil etwa trug als Teil eines Forschungsprojektes der Universität Oxford einen GPS-Sender und befand sich zum Zeitpunkt seiner Verwundung durch den Pfeil des Zahnarztes im Hwange-Nationalpark in Simbabwe. Erst 40 Stunden später wurde das blutende Tier gefunden und getötet. Die begehrtesten “Safari Areas” für Grosswild-jäger sind die privaten Rinderfarmen in Südafrika und Namibia (“Privat conservancies”), gefolgt vom “Communal Land” in Sambia, Simbabwe und Tansania. In anderen Ländern ist es weitaus schwerer an Abschuss-lizenzen zu kommen, doch mit dem nötigen Geldschein auch hier nicht unmöglich. Die privaten Ländereien sind meist von unüberwindbaren hohen Zäunen umgeben, sodass dem Wild nicht mal die Möglichkeit der Flucht geboten wird (“Gatterjagd”). Bei solchen verachtenswürdigen Jagden werden auch immer öfter aufgezogene oder eingekaufte Tiere geschossen. Heiss begehrt sind derzeit die Spezialzüchtungen: Weisse Löwen etwa oder goldenfarbene Gnus.

“Unsere Kunden kommen, um ein afrikanisches Abenteuer zu erleben, von dem sie lange geträumt haben!”
(Stan Burger, Mitglied des südafrikanischen Berufsjägerverbandes PHASA)

Reiseveranstalter ködern Interessenten mit einem “einmaligen Erlebnis” und nicht für jederman geeignet, da im Umgang mit einer speziellen Büchse, mit eigens hierfür produzierter Munition (wie dem SuperPenetrator von Dr. Norbert Hansen) und schliesslich mit Schüssen auf kurze Distanz (in der Leopardenjagd beispielsweise). Wer will heutzutage schon jederman sein!? Und bei den Elefanten werden offiziell ohnedies nur Lizenzen für alte, grosse Tiere vergeben, die kurz vor ihrem natürlichen Tod noch etwas Geld in den Naturschutz bringen sollen. Zudem soll das Fleisch der erlegten Tiere noch im Rahmen eines grossen Dorffestes zerlegt und verspeist werden! Unwahrheiten, die immer wieder durch entsprechende Bilder widerlegt werden.
Nur ganz wenige Jagdgebiete bieten eine tatsächlich “nachhaltige Jagd” an – eines davon ist der Etosha-Nationalpark in Namibia. Die hier praktizierte, kontrollierte Quotenregelung wird seit dem Dezember 1988 durch eine Spezialeinheit überwacht, die mit kriminellen Wildererbanden kurzen Prozess macht. Das Geld, das durch den Abschuss reinkommt, bleibt bei der Bevölkerung, die dadurch selbst daran interessiert ist, dieses bewährte System auch künftig beibehalten zu können. Nur aufgrund dieser Massnahmen konnte beispielsweise die Zahl der Spitzmaulnashörner erhöht und die Tiere möglicherweise vor dem Aussterben bewahrt werden. Der Abschuss eines solchen Exemplars kostet ansonsten bis zu 280.000,- €! Die Erfahrungen zeigen zudem, dass solche kontrollierte und zertifizierte Abschüsse (“Weidgerechtigkeit”) durchaus im Sinne vieler Grosswildjäger wären. Würden sie denn auch angeboten!

“Die Ressource Wild hat durch die Bejagung einen Wert, und das schafft Anreize, das Wild zu schützen!”

(Klaus Hackländer, Institut für Wildtiermanagement der Uni Wien)

Jagdverbote, wie in Kenia oder Tansania, führten zu einer Ausweitung des Acker- und vor allem Weidelandes für die Rinderzucht, was wiederum verantwortlich war für den Rückgang der Wildtierpopulationen, da der Boden zu stark ausgebeutet wurde.

https://www.youtube.com/watch?v=LIow2-dmVDo

Grosswildjäger (ausser jene, die ethisch korrekt jagen) sind beileibe keine Wohltäter, die ganze Dörfer vor dem Verhungern retten und Geld für den Wildschutz einspielen. Sie töten für den eigenen Adrenalinspiegel, zur Befriedigung des Egos, zum Beweis, wie grossartig und mutig sie sind (Trophäe). Erst ein grundsätzliches Einfuhrverbot der Jagdtrophäen aus nicht zertifizierten Abschüssen kann dieses mafiöse System stoppen. Schliesslich ist ein Grosswildjäger ohne Jagdtrophäe vergleichbar mit einem Politiker ohne Verdienstkreuz oder sonstigem Ordenszeugs! Diese Nachweise werden aber zumeist auch bei Einzel-Einfuhrgenehmigungen nicht kontrolliert.
Neue Projekte vorort, wie jenes im Etosha-Nationalpark, sollen der Bevölkerung aufzeigen, dass ein Grosstiermanagement durchaus funktionieren und jeder Einzelne durch beispielsweise der Schaffung von Arbeitsplätzen am Umweltschutz verdienen kann. Bei den meisten Jagdsafaris aber streifen nur die Veranstalter das Geld ein.

“Es ist ein Geschäft, das sich weit über den Köpfen jener abspielt, die sich nicht einmal ein Stück Land kaufen können, um dort Ackerbau zu betreiben!”
(Joseph Maramba, Journalist aus Simbabwe)

Steht nun eine Tierart auf der sog. “Roten Liste” (CITES Anhang I und II) des Washingtoner Artenschutzabkommen, so ist der Handel mit Trophäen oder anderen Körperteilen verboten. Der Zoll aller Einfuhrländer ist hier angehalten, derartige “Produkte” zu beschlagnahmen und Anzeige zu erstatten, sofern keine Einfuhrgenehmigung des Bestimmungslandes und Abschussgenehmigung des Ursprunglandes vorliegt. Die US-amerikanische Regierung unter Donald Trump allerdings hatte 2017 ein solches Einfuhrverbot für Elephantentrophäen aufgehoben, nachdem zwei Söhne des Präsidenten selbst gerne zur Jagdsafari auf den afrikanischen Kontinent fliegen. Diese Aufhebung des Importverbotes galt allerdings tatsächlich nur einen Tag – weltweite Proteststürme veranlassten Trump dazu, seine Entscheidung wieder zurückzunehmen. Schliesslich wäre dadurch der offizielle Import von Elfenbein in die USA genehmigt worden.

Filmtipps:

.) Safari – Der Preis fürs Töten; Die Veguerilla; ORF Weltjournal
.) Safari; Regie: Ulrich Seidl

Lesetipps:

.) Auf den Fährten der Big Five: Drei Jahrzehnte Jagd in Afrika; Rolf D. Baldus; Franckh Kosmos Verlag 2008
.) Wildlife – Ein Leben für die Elefanten; Richard Leakey; S. Fischer 2002
.) Grosswildjagd im alten Afrika – Das Leben des Wildhüters Brian Nicholson; Brian Nicholson; Neumann-Neudamm 2017
.) Abenteuer Großwildjagd. Packende Erlebnisse in Steppe, Berg und Dschungel; Hrsg.: Franz. Kurowski; Arena Verlag GmbH 1986

Links:

- www.ifaw.org
- www.prowildlife.de
- lionaid.org
- www.traffic.org
- www.regenwald.org
- www.wwf.at
- www.bfn.de/
- www.grosswildjagd.de/
- huntexperts.com

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Ist bald Schluss???

“Zeige mir einen Wissenschaftler, der behauptet, es gebe kein Bevölkerungsproblem, und ich zeige dir einen Idioten.”
(Paul Ehrlich)

Steht die Erde unmitelbar vor ihrem 6. globalen Massensterben? Dieser Frage möchte ich heute nachgehen – Anlass hierzu liefert ein Interview des renommierten emeritierten Stanford-Professors Paul Ehrlich in der britischen Zeitung “The Guardian”.
All jene unter ihnen, die ihn kennen, werden sagen: Na ja – der Biologe hat für die 70er- und 80er-Jahre ähnliches vorausgesagt, das dann nicht so eingetroffen ist. Doch dieses Mal geht Ehrlich seine Überlegungen von einer anderen Perspektive aus an: Der Chemiekeule! Dazu mehr etwas später. Dass aber derartige Theorien durchaus ernst zu nehmen sind und zumindest etwas geändert werden sollte, dürfte klar sein. Denn: Das berühmte “5 vor 12″ ist schon längst überschritten. Das werde ich im Folgenden aufzeigen.
Der letzte Kollaps liegt rund 750 Millionen Jahre zurück. Der Grund dafür war die Teilung des riesigen Kontinents Rodinia. Zugleich erreichte die Konzentration an Kohlendioxid seinen historischen Tiefststand. Es fand also der gegenteilige Effekt des Treibhauses statt: Die Vereisung, da die auf den Planeten aufteffende Strahlung nahezu ungehindert wieder in’s Weltall reflektiert wurde. Gletscher bedeckten einen Grossteil des Planeten. Verantwortlich dafür war das Basaltgestein, das durch dieses tektonische Auseinanderbrechen der riesigen Landmassen freigesetzt wurde. Es verwitterte und entzog dadurch der Atmosphäre das CO2. Zuvor herrschte ein extrem trockenes Klima auf diesem Superkontinent. Nach der Trennung ergossen sich allerdings die Fluten über den Planeten. Nach Berechnungen des “Centre national de la recherche scientifique” reichten damals durchschnittlich knapp mehr als 8 Grad Celsius weniger, um diese eiszeitliche Katastrophe auszulösen. Jetzt bekommen Sie auch einen Anhaltspunkt, was die immer wieder erwähnten “2 Grad mehr” für die Zukunft bedeuten werden.

“Während einige in der Gesellschaft darauf hinweisen, dass wir auf einen Kollaps zusteuern und grundlegende Veränderungen einfordern, um das Schlimmste zu verhindern, sind es die Eliten, die genau diese Veränderungen verhindern.”
(Studie der NASA)

Der Biologe Paul Ehrlich nun hat gemeinsam mit seiner Frau Anne vor 50 Jahren den Bestseller “Die Bevölkerungsbombe” auf den Büchermarkt gebracht. Dort prognostizierte er für die 70er und 80er-Jahre des vorhergehenden Jahrhunderts gewaltige Hungerkatastrophen mit hunderten Millionen Todesopfern. Auslöser dafür sollte vornehmlich die Überbevölkerung des Planeten aber auch der grenzenlose Konsum sein. Ehrlich könnte Recht gehabt haben, doch bezog er einige Parameter in seine Theorie nicht ein. Die “grüne Revolution” beispielsweise. Dieser Fachbegriff beschreibt den Anstieg der Nahrungsmittelproduktion durch den Einsatz von Agrarchemikalien, wie dem synthetischen Kunstdünger, und der Entwicklung ertragreicher Getreidesorten. Dennoch: In den Jahren zwischen 1968 und 2010 verhungerten 300 Millionen Menschen!
Diese daraus hervorgegangene Intensivlandwirtschaft jedoch hat auch seine Nachteile, die der heute 85-jährige kürzlich in diesem Interview offenbarte. Die eingesetzten Chemikalien haben unseren Planeten vergiftet!

“Es gibt Anzeichen dafür, dass die Gifte die Intelligenz von Kindern verringern!”
(Paul Ehrlich, Professor an der Stanford University)

Auch damit hat Ehrlich nicht so ganz unrecht. Betrachtet man sich das in vielen Nahrungsmitteln inzwischen nachgewiesene Glyphosat und die angebliche interne Mail des Monsanto-Konzerns, wonach das Mittel entgegen vorher veröffentlichter Untersuchungsergebnisse doch die Entstehung von Krebs begünstige, so ist es nurmehr eine Frage der Zeit, wann sich die Menschheit selbst ausgerottet hat. Durch die Hunger-katastrophen und die Klimaänderung wird dies noch beschleunigt. Allerdings, so Ehrlich, werden die meisten dumm sterben. Viele der eingesetzten Chemikalien beeinflussen die menschliche Intelligenz. Negativ! So verwies der emeritierte Professor auf den republikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2016 und die anschliessende “Kakistokratie” – die Herrschaft der Schlechtesten!
Die beiden Neurowissenschafter Philippe Grandjean (Universität von Süddänemark in Odense) und Philip Landrigan (Harvard University) haben nachgewiesen, dass mindestens elf Chemikalien bei bereits früher Belastung zu Entwicklungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern führen können. Darunter sind mehrere Pestizide und Lösungs-mittel, aber auch Produkte, die Blei, Mangan, Quecksilber und Fluor- bzw. Chlorverbindungen beinhalten. Grandjean und Landrigan betonen, dass bereits jedes zehnte Kind von Geburt an eine Entwicklungs- oder Verhaltensstörung wie Autismus, Hyperaktivität, geistige Defizite aufweist und zudem später beispielsweise eine wesentlich höhere Aggressions-stufe hinzukommen kann. Dabei sind aber nur 30 bis max. 40 % durch genetische Defekte verursacht. Bei den restlichen müssten viele bereits im Mutterleib mit solcherlei Neurotoxinen in Kontakt gekommen sein. Das sich entwickelnde Gehirn ist gerade beim ungeborenen Kind besonders empfindlich. Durch die Versorgung mit mütterlichem Blut werden derartige Gifte direkt übertragen. So konnten im Jahr 2006 im Rahmen einer Überblicksstudie mehr als 200 Chemikalien aus dem Nabelschnurblut herausgefiltert werden. Darunter das vorhin bereits angesprochene Blei und Quecksilber, aber auch Arsen, polychlorierte Biphenyle sowie das Lösungsmittel Toluol. Sind auch solche Vergiftungen nicht unmittelbar feststellbar, so führen sie zu grossen Problemen im Sozialverhalten, motorischen Störungen, eine geringere geistige Leistungsfähigkeit und möglicherweise zu einem kleineren Hirnvolumen. Andere Studien aus Kanada und Bangladesch zeigten unmittelbare Auswirkungen von Mangan auf die mathematischen Fähigkeiten und einer Hyperaktivität der Kinder auf, in Frankreich und den USA Tetrachlorethylen auf aggressives Verhalten, Hyperaktivität und psychische Erkrankungen. Bei drei weiteren Untersuchungen wurden Auswirkungen von Organophosphat-Pestiziden auf den Kopfumfang und Defizite in der geistigen und sozialen Entwicklung bestätigt. Sicherlich stehen auch schlechtere schulische Leistungen, Konzentrations-schwierigkeiten und eine verlangsamte Entwicklung in Korrelation mit Chemikalien – das jedoch ist derzeit noch nicht wissenschaftlich untermauert. Schäden, die das Kind durch eines oder mehrere dieser derzeit 214 Neurotoxine, die zumeist in grossen Mengen ausgebracht werden, aufweist, bleiben ein Leben lang bestehen. Volkswirtschaftler schätzen etwa die IQ-Einbussen in der EU nur aufgrund der Quecksilberbelastung auf jährlich 600.000 IQ-Punkte – ein ökonomischer Schaden von zirka zehn Milliarden Euro – ebenfalls pro Jahr! Und dieses Problem besteht nicht erst seit den letzten Jahren, da in den 70er Jahren mit dem Verbot des Pestizids DDT, das im Verdacht stand, bei Säugetieren Krebs zu erregen, beispielsweise fieberhaft nach neuen Mitteln gesucht wurde. Und die Babies dieser damaligen Zeit sind die Erwachsenen von heute!
Neben solchen neurotoxischen Pestiziden werden auch Herbizide, Fungizide, Düngemittel, Wachstumsregulatoren, Vorratsschutzmittel etc. in grossen Mengen auf die Felder und Äcker gesprüht. Wir atmen somit – v.a. im Umkreis von Ackerflächen – mit jedem Atemzug auch Giftstoffe ein, die der Körper (wenn überhaupt) nur sehr schwer abbauen und ausscheiden kann. Das Augenmerk gilt dabei vornehmlich den Insektiziden, die zwar auf ihren unmittelbaren Schaden bei Säugetieren, nicht jedoch auf pränatale oder schleichende Negativwirkungen hin überprüft sind. Ergo: Professor Ehrlich hat durchaus recht mit seiner Annahme, dass wir zuerst dumm werden und dann sterben.

“Wir müssen weg von der irrigen Annahme, nach der neue Chemikalien und Technologien solange als ungefährlich gelten, bis das Gegenteil nachgewiesen wird.”
(Grandjean/Landrigan)

Zudem nehmen wir Giftstoffe auch über die Nahrung auf. So wurde beispielsweise Glyphosat bereits im Trinkwasser so mancher Region entdeckt. In einer Untersuchung des eidgenössischen Bundesamtes für Gesundheit aus dem Jahr 2013 wird darauf verwiesen, dass 92 % aller Giftstoffe über Nahrungsmittel tierischen Ursprungs aufgenommen werden (Milchprodukte beispielsweise 54%). Diese Gifte (“persistente Umweltschadstoffe”) werden auch noch eine ganze zeitlang in der Nahrungskette bleiben. Schliesslich sind sie weiterhin im Boden oder Tierkörper, auch wenn eine spontane Absetzung erfolgt ist. Dennoch sollten alle Anstrengungen unternommen werden, langfristig auf derartige Chemikalien zu verzichten.
Wer nun denken sollte: “Na ja – dann bekommen die Kleinen eben Fisch!”, macht genau einen Schritt in die falsche Richtung. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität Granada/Spanien. Die Studienleiter haben einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem vermehrten Konsum von Meeresfischen und der geistigen Leistungsfähigkeit bei Vorschulkindern im Alter von vier Jahren festgestellt. In den Haaren der Kinder wurden teils unwahrscheinlich hohe Quecksilberkonzentrationen nachgewiesen. Das wirkte sich v.a. bei den Gedächtnisleistungen und dem sprachlichen Ausdrucksvermögen aus. Diese Untersuchungen wurden durch die Kollegen von der Universität Barcelona untermauert. Kinder mit viermaligem Fischkonsum pro Woche enthielten wesentlich höhere Quecksilberkonzentrationen in den Haaren. Das gilt übrigens auch für Neugeborene, deren Mütter während der Schwangerschaft viel Fisch aßen. Die deutsche Meeresstiftung veröffentlichte kürzlichst eine Untersuchung, wonach in den Meeren rund um Europa nicht weniger als 114.000 Tonnen atomarer Müll in teilweise bereits verrosteten Fässern lagern. Die Meere müssen immer mehr als Müllkippe herhalten. Durch die Fische gelangen schliesslich diese Schadstoffe auch wieder auf den Mittagstisch.

“Kurz gefasst, bisher wurde noch nichts wirklich Relevantes unternommen, um das Schlimmste zu verhindern!”
(Arne Mooers, Professor für Biodiversität Simon Fraser Universität/Kanada)

Was bleibt also zu tun? Sofortiges Verbot von Agrarchemikalien, Rückkehr zur nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion und Kontrolle des Bevölkerungswachstums. Durch das Verbot von Fluorchlorkohlen-wasserstoffen (FCKW) als Kühlmittel beispielsweise ging das Loch in der vor gefährlichen Strahlung schützenden Ozonschicht auf das Niveu von 1988 zurück. Lobend erwähnt werden muss auch das Verbot von drei Insektiziden durch die EU (spät aber doch noch). Sie beinhalten Neonicotinoide, die v.a. für das grosse Bienensterben verantwortlich sind. Es gibt viele Alternativen zu Agrarchemikalien, die jeder im Garten verwenden kann: Kaffee etwa ist ein Supermittel. In Blumenbeeten ausgebrachter, gebrauchter Kaffeesatz hält Schnecken fern. In Buchsbäumen gestreut, ist er auch ein probates Mittel gegen den Buchsbaumzünsler. Und schliesslich ist Kaffee ein perfekter Dünger. Alleine durch etwas, das ansonsten weggeworfen wird, können drei unterschiedliche Chemikalien ersetzt werden!!!
Die Erde ist eigentlich auf zwei Milliarden Menschen ausgelegt. Derzeit sind es bereits 7,6 Milliarden! Und jährlich kommen mehr als 78 Millionen hinzu. 2050 werden somit 9,7 Milliarden Menschen auf dem Globus leben, 2100 gar 11,2 (Zahlen: Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen). Ehrlich spricht in diesem Zusammenhang von “andauerndem Wachstum als Merkmal von Krebszellen”! Er verfolgt auch hier einen sehr interessanten Ansatz: Bildung und Gleichberechtigung der Frauen weltweit – sie sind keine “Geburtsmaschinen”, die durch möglichst viel Nachwuchs die Zukunft der Familie sichern sollen. Zugang zu modernen Verhütungsmitteln in den Entwicklungsländern sowie eine grossflächige Umverteilung des Reichtums. Durch den exzessiven Konsum der Industriestaaten werden die Dritte Welt und die Schwellenländer immer mehr ausgebeutet.

“Der Mensch ist gemacht aus Wasser, Erde und Luft. Wenn er aufhört, die Elemente zu achten, vergiftet und tötet er schließlich sich selbst.”
(Indianische Weisheit)

Dieses 6. Globale Massensterben ist somit durch den Menschen gemacht. Jene zuvor war die natürliche Kontrolle der Erde durch Vulkanausbruch, Eiszeit oder auch einen Meteoriteneinschlag vor 65 Millionen Jahren. Das Sterben hat bereits bei den Insekten begonnen. Auch verschwinden nach und nach ganze Pflanzenpopulationen. Die Klimaerwärmung vernichtet zudem komplette Ernten. Auch mit dem Ziel von +2 Grad Celsius sind alsdann ganze Regionen ernährungstechnisch bedroht: Afrika und Südamerika werden von Dürrekatastrophen heimgesucht, Asien droht in den Fluten unterzugehen. Hitzephasen werden auch Europa in die Knie zwingen.
Ehrlich bezeichnet den Weltwirtschaftsgipfel in Davos als “Treffen der Weltzerstörer”! In seinen Ansichten wird der Professor von nicht weniger als 15.364 Wissenschaftlern/-innen aus 184 Ländern unterstützt, die im vorigen Jahr einen Brandbrief unterschrieben (“Warnung an die Menschheit”). Ein erster Versuch im Jahr 1992 mit 1.700 unter-zeichnenden Wissenschaftler (darunter viele Nobelpreisträger) blieb nahezu ungehört!

“Schon bald wird es zu spät sein, den falschen Kurs zu korrigieren.”
(Brandbrief der Wissenschaft unter Federführung von William Ripple, Professor für Ökologie an der Oregon State University)

Demnach steht die Erde unmittelbar vor einer ökologischen Katastrophe. Die Weltbevölkerung ist innerhalb von nur 25 Jahren um 2 Milliarden Menschen angestiegen. Der Ressourcenverbrauch ist immens. Es muss dringendst etwas gegen die Klimaveränderungen, die Entwaldung, das Artensterben und die Todeszonen in den Ozeanen unternommen und der Zugang zu Süsswasser für alle gesichert werden. Während beispielsweise das Süsswasser in den letzten 25 Jahren um 26 % abgenommen hat, nahmen die Todeszonen in den Meeren, die für jedwedes Leben zu heiss, sauerstoffarm oder zu giftig sind, um 75 % zu. Die meisten Wasserquellen haben ihren Ursprung im Wald – 121 Millionen Hektar wurden im vergangenen Viertel Jahrhundert abgeholzt! Insekten, Tiere, Amphibien, Vögel, Fische – sie sterben zu Millionen. Das “ökologiche Armageddon” stehe unmittelbar bevor; der kürzlichst verstorbene Stephen Hawking meinte, die Menschheit müsse innerhalb der nächsten 600 Jahre den Planeten verlassen, wenn sie überleben möchte!
Im Oktober dieses Jahres wird der Weltklimarat IPCC eine Studie veröffentlichen, wie der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um 1,5 Grad doch noch eingehalten werden könnte. Zwar ging der Weltklimagipfel von Paris wie üblich ohne konkretes Ergebnis zu Ende – allerdings verpflichteten sich die Staaten, Anstrengungen zu unter-nehmen, um diese 1,5 Grad-Grenze einhalten zu können! Sogar China versucht mitzuhalten. Trump und seine USA hingegen fallen wieder in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück. Auch die anderen rechtspopulistischen Regierungen interessieren sich nicht wirklich für Umwelt- und Klimaschutz. Und derartige Aktionen wie im Hambacher Forst lassen an der Glaubwürdigkeit auch der Merkel’schen Klimaversprechen zweifeln!

“Die Sorge, die ich habe, ist, dass die guten Menschen nicht wirksam genug kooperieren werden. Man muss existierende Parteien und Bürokratien mit an Bord holen, sonst bleibt das alles hier ein Debattierclub.”
(Sonja Puntscher-Riekmann, Professorin für Politische Theorie und Europäische Politik an der Universität Salzburg)

Sollten auch die Ehrlichs erneut nicht recht haben, so müssen dringend Überlegungen angestellt werden, wie den globalen Problemen entgegen zu kommen ist. Viele werden nun sagen: “Nun – an mir liegt’s ja nicht!” Doch! Weil sich das alle denken. Wenn jeder Wasser spart. ist schon viel getan. Den Industriebossen ist es egal, ob die Lebensmittel aufgebraucht oder weggeworfen werden. Hauptsache die Kasse stimmt! Machen Sie sie zu dem, was sie wirklich sind und wie sie heissen: Lebensmittel! Es sind keine Wegwerfmittel! Wer braucht um 18.00 Uhr noch ofenfrisches Brot in den Supermärkten? Kaufen Sie nur so viel ein, wie Sie auch tatsächlich aufbrauchen. Wird weniger konsumiert, geht auch die Produktion zurück – das Gesetz des Marktes (Sie werden es in den nächsten Monaten im Handelskrieg zwischen den USA und China sehen)!

“In den USA leben sie, als hätten wir fünf Planeten. In Europa leben wir, als hätten wir drei Planeten.”
(Graham Maxton, Präsident des Club of Rome)

Und gerade Tieren können Sie unsägliches Leid ersparen. Apropos: Für die “Produktion” eines Kilogramms Rindfleisch sind rund 15.500 l Wasser erforderlich, für die Herstellung einer Jeans 6.000 l! Senken Sie den Fleischkonsum pro Woche, leben Sie nicht nur gesünder, sondern reduzieren auch den Süsswasser-Verbrauch v.a. in Staaten, die auf sauberes Trinkwasser angewiesen sind. Wechseln Sie Ihre Garderobe nicht jedes Jahr, tun Sie auch hier der Umwelt Gutes und ersparen sehr vielen Billigstlöhnern in Fernost ein Leben mit 12-16 Stunden Arbeit pro Tag! Wenn nicht jeder seinen Konsum ändert, wird es keinerlei Veränderungen geben. Forscher appellieren seit geraumer Zeit, eine Konsum-Kehrtwende in der Grössenordnung von 2/3 in der westlichen Welt durchzuziehen. Schon 2025 wird die 50 %-Zerstörungsmarke der kleineren Ökosysteme erreicht sein. Mit Ihnen werden auch die grossen kollabieren, warnt der Biologe Anthony Barnosky von der Universität von Kalifornien! Nach diesem “Point of no return” bedarf es nahezu unmöglicher Massnahmen, noch etwas ausrichten zu können. James Ephraim Lovelock, Mediziner, Biophysiker, Mathematiker und Chemiker an der Oxford University sowie Bestseller-Autor, setzt den Untergangspunkt noch vor das Jahr 2100 – 80 % der Menschheit werden dies nicht überleben. Nicht schleichend – es wird sehr plötzlich kommen. Es sei keine Zeit mehr für Windkraftwerke – die Menschheit solle anfangen, Archen zu bauen, so Lovelock! Sind es schon unsere Töchter und Söhne? Vielleicht unsere Enkel, die durch unser bisheriges, ruinöses Schaffen sterben werden! Während wir noch stolz waren auf die Errungenschaften unserer Eltern und Grosseltern nach dem 2. Weltkrieg, werden uns unsere Nachfahren verfluchen!
Wir haben’s wahrlich weit gebracht!!!

Lesetipps:

.) Die Bevölkerungsbombe; Paul Ehrlich/Anne Ehrlich; Hanser, Carl GmbH + Co. 1982
.) Wir sind dran; Ernst Ulrich von Weizsäcker/Anders Wijkman; Gütersloher Verlagshaus 2017
.) Was verträgt unsere Erde noch?: Wege in die Nachhaltigkeit; Hrsg.: Klaus Wiegandt; FISCHER 2007
.) Grenzen des Wachstums – Das 30-Jahre-Update; Donella H. Meadows/Jørgen Randers/Dennis Meadows; Hirzel 2015
.) Ein Prozent ist genug – Mit wenig Wachstum soziale Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Klimawandel bekämpfen; Jørgen Randers/Graeme Maxton; Oekom 2016
.) Was wird aus unserer Umwelt? – Die Zukunft des Menschen zwischen Glaube und Natur; Hans Dietrich Engelhardt; Tectum Verlag 2017
.) BiodiversiTOT – Die globale Artenvielfalt jetzt entdecken, erforschen und erhalten; Vreni Häussermann/Michael Schrödl; Books on Demand 2017
.) Katastrophen der Erdgeschichte – Globales Artensterben; József Pálfy; Schweizerbart’sche 2004
.) Die Weltbevölkerung: Dynamik und Gefahren; Herwig Birg; C.H.Beck 2004
.) Weltbevölkerung: Zu viele, zu wenige, schlecht verteilt?; Hrsg.: Karl Husa; Promedia 2011
.) Wie schnell wächst die Zahl der Menschen?: Weltbevölkerung und weltweite Migration; Hrsg.: Klaus Wiegandt; FISCHER 2007
.) Der Klimawandel im Zeitalter technischer Reproduzierbarkeit; Hannes Fernow; Springer VS 2014

Links:

- mahb.stanford.edu
- www.dsw.org
- www.dge.de
- www.cnrs.fr
- www.bag.admin.ch
- www.cleanenergy-project.de/
- virtuelles-wasser.de
- academic.oup.com/bioscience
- www.sciencedirect.com
- www.thelancet.com
- www.ncbi.nlm.nih.gov
- www.pitt.edu
- www.vulkane.net

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Argentinien – das nächste Pulverfass???

“Wir sind in einer Notlage. Vielen Landsleuten wird es nun schlechter gehen.”
(Mauricio Macri, argentinischer Staatspräsident)

Als junger Mensch hatte ich zwei Vorstellungen für mein weiteres Leben: Einerseits eine Schaf-Farm auf Neuseeland mit angeschlossenem deutschsprachigen Radiosender, andererseits eine Rinderfarm in Argen-tinien mit einer Bäckerei für Schwarzbrot! Inzwischen hat sich heraus-gestellt, dass sich wohl beides leider in diesem Leben nicht mehr ganz ausgehen wird. Einerseits schade, andererseits Gott sei Dank, liest man sich die Meldungen aus Südamerika etwas genauer durch. Das wohl europäischste Land Lateinamerikas (90 % der Bevölkerung stammen von europäischen Einwanderern ab) steht wirtschaftlich vor dem Bankrott. Die Landeswährung, der Peso, rattert nach einer katastrophalen Dürre immer weiter in ungeahnte Tiefen – viele Menschen werden in den nächsten Wochen ihr Hab und Gut verlieren. Es brodelt im Land der Gauchos!
Alleine in diesem laufenden Jahr 2018 hat der Peso über 80 % seines Wertes verloren – Experten gehen von einer Inflation von bis zu 30 % aus, die erst im kommenden Jahr wieder auf unter 19 % sinken wird. Ein Euro kostet 44,54 Peso – das ist Negativrekord. Um die Landeswährung zu stützen, wurden Dollarreserven des Landes in Milliardenhöhe verkauft – dies hat inzwischen der IWF untersagt. Die Regierung hatte im Rahmen ihres Sparprogrammes viele Subventionen gestrichen, die noch im letzten Jahr geflossen sind. Das hinterliess tiefe Spuren in der Volkswirtschaft – viele verloren dadurch ihren Job. Das Land hat über 200 Milliarden Euro Schulden im Ausland. Präsident Mauricio Macri suchte bereits im Frühjahr beim Internationalen Währungsfonds um Finanzhilfe an. Im Juni wurden die ersten 15 der bewilligten 50 Milliarden US-Dollar überwiesen, jetzt bat Macri um die vorzeitige Auszahlung der restlichen 35 Milliarden. Ob damit das Ausreichen gefunden werden kann, ist zweifelhaft. Bewertete die Rating-Agentur Fitch noch am 04. Mai 2018 mit B und stabiler Aussicht, so setzten die Kollegen von S&P am 31. August mit B+ und negativer Aussicht nach.
Um das alles jedoch etwas besser verstehen zu können, müssen wir einige Jahrzehnte in der Geschichte des Landes zurückgehen. Argentinien war bis zum Jahr 1816 spanische Kolonie. Der Reichtum des Landes steckt auch in seinem Namen: Silber (lat: Argentum) bzw. Bodenschätze im allgemeinen. Zumindest erwarteten sich die Kolonialherren einen nicht endenden Fluss an Edelmetallen, nachdem sie dermassen viel davon bei den Inkas und Azteken gefunden hatten. Der Rohstoffabbau und die Landwirtschaft machten das achtgrösste Land der Erde auch zu einem der reichsten Staaten mit florierender Wirtschaft und Industrie. Das Zentrum ist im Umland der Hauptstadt Buenos Aires zu finden – hier lebt auch rund ein Drittel der Bevölkerung.
Von all diesem Reichtum aber ist heute leider nurmehr wenig zu spüren. Verantwortlich dafür zeichnet vornehmlich Juan Domingo Perón. Als Minister für Arbeit machte er während des Militärregimes Ramirez grosse Eingeständnisse gegenüber der Gewerkschaften, weshalb er zum Volks-helden avanzierte, der schliesslich 1946 zum Präsidenten gewählt wurde. Geschätzte 180 Nationalsozialisten fanden in Argentinien Unterschlupf, darunter auch Kriegsverbrecher wie Adolf Eichmann, Josef Mengele und Walther Rauff. Sie brachten über sog. “Schlüsselfirmen” enorme Summen des blutigen Nazi-Reichtums nach Argentinien. Perón nun liebäugelte mit dem ebenfalls importierten Nazi-Gedankentum. So vertiefte er die vor dem Zweiten Weltkrieg begonnene Industrialisierung und ersetzte die bisherigen Importe durch heimische Produkte (“Importsubstitution”). Das führte auch in der Bevölkerung zu bislang nie mehr wiedererreichtem Wohlstand, weshalb das Volk seinen Präsidenten vergötterte. Dieser aber zog politisch drastisch die Zügel an und marschierte in Richtung Diktatur. Das wiederum bedingte die immer höher werdende Inflation und parallel dazu die Staatsverschuldung. 1955 schliesslich musste Perón nach einem Putsch in’s Exil flüchten. Es folgte eine Berg- und Talfahrt des Landes, bei der immer wieder auch die Militärs mitspielten. 1973 wurde die Einreise Peróns gestattet, der auch direkt wieder in den Präsidentenpalast zurückkehrte. Am 01. Juli 1974 verstarb der Diktator. Seine dritte Ehefrau Isabel wurde durch die peronistische Partei zur Präsidentin eingesetzt. Die ehemalige Nachtklub-Tänzerin war allerdings vollends damit über-fordert. Sie setzte vornehmlich die Vorstellungen der rechten Peronisten wie etwa José López Rega um. Während dieser Diktatur nahmen auch die wirtschaftlichen Probleme des Landes erneut zu. Hierzu gehörte etwa auch die Flucht internationaler Konzerne nach der Entführung des Mercedes-Managers Heinrich Merz. Das Land wurde immer mehr heruntergewirtschaftet. 1976 putschte erneut das Militär. Die anschliessende Militärdiktatur wurde blutig geführt, es verschwanden Tausende Kritiker. Erst nachdem Argentinien im Falkland-Konflikt gegen Grossbritannien am 14. Juni 1982 den Kürzeren zog und kapitulieren musste, war das Militär derart geschwächt, dass die Demokraten wieder Oberhand gewinnen konnten. Der erste Präsident, Raúl Alfonsín von der Unión Cívica Radical, musste nach sechs jahren aufgrund einer Wirtschaftskrise zurücktreten. Durch eine Privatisierungswelle von Staats-betrieben gingen zigtausende Arbeitsplätze verloren. Danach kamen mit Carlos Menem erneut die Peronisten an die Macht. Er konnte anfänglich die Situation im Land wieder stabilisieren, indem er den Peso 1:1 an den US-Dollar gebunden hatte. Das machte Argentinien aber direkt abhängig von der US-Konjunktur. Schliesslich ging es erneut bergab. 1998 kam es zur nächsten Wirtschaftskrise, die bis 2002 andauern sollte. Eine Mitte-Links-Koalition unter Fernando de la Rua folgte 1999 auf Menem. Doch anstatt die Ärmel hochzukrempeln und gemeinsam den Karren wieder aus dem Schlamm herauszubekommen, gab es Streitereien und eine durch die Peronisten angestachelte ausserparlamentarische Opposition (vornehmlich über die Gewerkschaften). Die Regierung hielt sich deshalb mit Reformen zurück. Staatsanleihen konnten plötzlich nicht mehr bedient werden – Gläubiger verloren bei deren Umtausch nahezu 70 %. Auch in Deutschland und Österreich wurden Prozesse von betroffenen Kleinanlegern geführt (Ende Juli 2014 schliesslich kam die Meldung, daß das Land erneut zahlungsunfähig sei). Im Oktober 2001 waren nach offiziellen Zahlen 18,3 % der Bevölkerung ohne Arbeit. De la Rua musste nach Unruhen und Plünderungen Ende 2001 zurücktreten.

https://www.youtube.com/watch?v=OqQpMDc9qoA

Es folgten einmal mehr die Peronisten. Eduardo Duhalde erklärte kurz darauf den Staatsbankrott. Dessen Nachfolger, der sozialdemokratisch orientierte Néstor Kirchner, konnte durch die Einbindung der Basis-organisationen wie etwa den Menschenrechtsorganisationen und den inzwischen organisierten Arbeitslosen den sozialen Frieden wieder herstellen und kurzfristig sogar wirtschaftliche Verbesserungen erzielen. Er sorgte im Jahr 2003 für ein wachsendes Bruttoinlandsprodukt (+8,9 im Vergleich zu -10,9 im Jahr 2002) – allerdings nur aufgrund von massiven Zahlungen durch den IWF, sodass verdientes Geld nicht sofort wieder für die Tilgung von Krediten verwendet werden musste. Bis 2009 kämpfte Kirchner gegen selbst verschuldete wirtschaftliche Probleme (etwa durch Verstaatlichung etlicher Industriezweige, des Handels und Dienst-leistungen sowie eines hohen Maßes an Korruption). Bei den im selben Jahr stattgefundenen Parlamentswahlen verlor er stark an Stimmen und trat als Parteivorsitzender zurück – ein Jahr später verstarb Kirchner an einem Herzinfarkt. 2015 siegte der ehemalige Bürgermeister von Buenos Aires Mauricio Macri von der konservativen Propuesta Republicana bei den Parlamentswahlen. Er stoppte die Devisenkontrolle, die staatlichen Subventionen auf Gas, Strom und den öffentichen Transport und senkte die Steuern auf Agrarexporte. Da der Präsident Regierungsoberhaupt und Staatschef zugleich ist, kann er mittels Dekrete regieren. Macri zeichnet sich v.a. durch seine starke Aussenpolitik gegenüber den USA, China, Russland und Indien aus.
Die Peronisten versuchten wie damals Perón durch Export- und Importbeschränkungen die heimische Wirtschaft anzukurbeln. Auf Kosten für den Import benötigter Devisen. So sank beispielsweise der für Argentinien so wichtige Rinderexport von 771.000 Tonnen im Jahr 2005 auf nurmehr 190.000 Tonnen. Rund 31 % der gesamten Ausfuhren sind landwirtschaftliche Produkte. Die Armutsrate im Land stieg kontinuierlich: 2016 lebte rund ein Drittel der Bevölkerung unter der Armutgrenze. Die Wirtschaft lag förmlich am Boden. Macri musste einen strengen Sparkurs fahren, den er schliesslich verlor. Während der Militärdiktaturen stieg die Staatsverschuldung von acht Milliarden US-Dollar anno 1967 auf 160 Milliarden US-Dollar 2001. Die Peronisten bekamen das Problem nicht in den Griff. So stoppte Menem zwar mit der Bindung des Pesos an den US-Dollar die Inflation, machte dadurch aber argentinische Produkte auf dem Weltmarkt empfindlich teurer und ausländische Waren im Land günstiger. Ergo: Es wurden Ein- und Ausfuhrbeschränkungen hochgefahren. Produktionen mussten schliessen. Kapital wanderte en gros in’s Ausland. 2001 kollabierte das Bankensystem und das Einfrieren sämtlicher Bank-guthaben führte zu schweren Unruhen. Erst durch die Hilfe des IWF in den Jahren 2002 und 2003 konnte der Peso wieder günstiger gemacht werden. Seit damals versucht die jeweilige Regierung des Landes einen Schuldenschnitt beim IWF und privaten Gläubigern zu erzielen – manche Gerichtsverfahren sind auch heute noch am Laufen. Mit den privaten Besitzern von Staatspapieren verhandelt man vornehmlich eine Redu-zierung des Zinses und eine Streckung der Verbindlichkeiten.
Der Sargnagel Argentiniens waren allerdings die Hedgefonds. Sie kauften die Verbindlichkeiten des Landes grossflächig auf und versuchten grossflächig, die komplette Liquidität des Landes zu bekommen. Zins-zahlungen an Dritte wurden beispielsweise verboten. Die Ausgabe des neuen Bonds im Jahr 2005 musste wegen Streitigkeiten mit einem Hedgefonds wegen sieben Milliarden Dollar um zwei Monate verschoben werden. Und die Spekulationen gehen weiter: Hedgefonds stellen sich erneut gegen die Kreditpapiere und Anleihen des Landes um bei einem Kursverfall davon profitieren zu können.

https://www.youtube.com/watch?v=7OaLf2XZDFo

1998 lag das Bruttoinlandsprodukt noch bei +3,8 % , 2001 bei -10,9 % und 2016 bei -2,3 %. Die Staatsverschuldung belief sich im selben Jahr auf 279,6 Milliarden US-Dollar – das sind 51,3 % des BIP. Die Korruption ist nach wie vor ein grosses Problem. Noch 2017 lag Argentinien im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International gemein-sam mit dem Kosovo, Benin und Swasiland auf Platz 85 (von 180 Ländern). IWF-Chefin Christine Lagarde zeigt sich zufrieden mit der bisherigen Arbeit der Regierung Macri – sie hat eine Prüfung der zeit-lichen Staffelung des Finanzprogrammes in Auftrag gegeben. Ansonsten müsste Argentinien im kommenden Jahr 2019, dem Wahljahr im Land, Kredite des IWF in der Höhe von nahezu 25 Milliarden Dollar zurück-bezahlen. Der Präsident will nun 13 Ministerien schliessen oder zusammenlegen, 20 % der Gehälter bei den Staatsangestellten sollen eingespart und erneut Ausfuhrzölle eingeführt werden. Letzteres alleine soll rund 6,5 Milliarden Euro in die leeren Staatskassen fliessen lassen. Dadurch allerdings verliert Präsident Macri die Unterstützung aus der Wirtschaft.

“Es handelt sich um eine sehr schlechte Steuer, wir befinden uns jedoch in einem Notstand!”

(Mauricio Macri, argentinischer Staatspräsident)

Dennoch stehen schwere Monate in der kommenden Zeit an. Jeder dritte Bürger verdient weniger, als seine Familie zum Leben braucht. Jetzt sollen die Basisprodukte in den Supermärkten zu kontrollierten Festpreisen zu bekommen sein. Die Bevölkerung ist das grösste Risiko, die das Kartenhaus durch etwa Unruhen wie 2001 (“Am Rande der Anarchie”) oder gar einem Umsturz erneut zu Fall bringen könnte. Dann schaltet sich möglicherweise wieder das Militär ein und es beginnt alles von vorne. Der nächste Generalstreik ist für den 25. September geplant. Nachdem laut einer Umfrage nur 36 % der Argentinier vom einge-schlagenen Weg der Regierung überzeugt sind, muss wohl auch weiterhin mit massiven Protesten gerechnet werden.

Lesetipps:

.) Argentinien lebt!; Anna J. Witt; VDM Verlag Dr. Müller 2008
.) Argentinien heute. Politik. Wirtschaft. Kultur; Hrsg: Klaus Bodemer/Andrea Pagni/Peter Waldmann; Vervuert 2010
.) Staatshaftung in Argentinien; Ulf Junge; Verlag: Moor Siebeck 2002
.) Eine kleine Geschichte Argentiniens; Barbara Potthast; Suhrkamp 2010
.) Die empresas recuperadas in Argentinien: Selbsthilfe von Erwerbslosen in Krisenzeiten; Kristina Hille; Tectum 2009
.) Die Piqueteros in Argentinien. Entstehung und Organisation einer Neuen Sozialen Bewegung; Andrea Wurzenberger; Kölner Arbeitspapiere zur internationalen Politik, Nr.48 2005
.) Wir übernehmen. Selbstverwaltete Betriebe in Argentinien – eine militante Untersuchung; Juan Pablo Hudson; Mandelbaum Verlag 2014
.) Neoliberalismus-Autonomie-Widerstand. Soziale Bewegungen in Lateinamerika; Hrsg: Kaltmeier/Kastner/Tuider; Westfälisches Dampfboot 2004
.) Die offenen Adern Lateinamerikas; Eduardo Galeano; Peter Hammer 1973
.) Wirtschaft und Gesellschaft im Wandel: Argentinien (Hispano-Americana); Antonio Sommavilla; Peter Lang 1996
.) Hitler überlebte in Argentinien; Abel Basti; Amadeus Verlag 2011

Links:

- www.indec.gov.ar/
- www.argentina.gob.ar
- www.ealem.mrecic.gov.ar/de
- www.ahkargentina.com.ar
- imf.org
- hdr.undp.org
- www.latinobarometro.org
- www.gtai.de
- www.bpb.de
- www.lateinamerika-studien.at
- www.transparency.org

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Masern – nicht auf die leichte Schulter nehmen

Impfen oder nicht impfen – Das ist hier die Frage! Fakt ist, dass die hochansteckenden Masern in Europa wieder auf dem Vormarsch sind. 2016 gab es nach Angaben der Regionaldirektorin-Europa der WHO, Zsuzsanna Jakab, noch 5.273 gemeldete Fälle, 2017 waren es bereits 23.927. Und nun der bittere Höhepunkt: Im ersten Halbjahr 2018 sind es bereits 41.000! Eine Krankheit meldet sich damit massivst zurück, die bereits als nahezu ausgestorben galt. Verantwortlich dafür sind primär die wirtschaftliche Situation in den Entwicklungsländern, in den Industrie-ländern hingegen all jene Eltern, die ihre Kinder nicht impfen liessen – aber auch die Zuwanderung sowie die globale Reisetätigkeit. Und eines ist sicher: Masern sollten niemals als ungefährlich abgetan werden. Aus diesem Grund sind sie auch meldepflichtig – in Deutschland regelt dies das Infektionsschutzgesetz, in Österreich aufgrund der Verordnung zu anzeigepflichtigen übertragbaren Krankheiten, in der Schweiz zur Melde-Verordnung. Die Meldung erfolgt durch die Eltern, den Hausarzt, aber auch den Leitern von Gemeinschaftseinrichtungen, wie Kindergärten oder Schulen beim Gesundheitsamt. Und was viele nicht wissen: Masern-Partys sind strafbar!

“Das Engagement für eine Erhöhung der Impfquote muss verstärkt werden.”

(Wieland Schinnenburg; Bundestagsabgeordneter der FDP)

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben weltweit jeden Tag 330 Menschen an den Folgen einer Masernerkrankung. Die Masern sind hochinfektiös – schon ein Erkrankter reicht für die Ansteckung von nicht weniger als 18 anderen Menschen (bei der Grippe sind es im Vergleich nur vier!). Die Ansteckungsgefahr liegt bei 99 %. Desinfektionsmittel sind wirkungslos. Die Infektion erfolgt durch direkten Körperkontakt oder Tröpfchen. Der Virus wird durch die Epithelzellen der Schleimhaut des Atemtraktes aufgenommen – manches Mal auch über die Bindehaut des Auges. In den regionalen Lymphknoten erfolgt die Vermehrung – bereits nach 48 Stunden haben sich die Viren über die Blutbahn im ganzen Körper verteilt. Fünf bis sieben Tage nach der Infektion verteilt sich der Virus ein erneutes Mal über die Blutbahn. Nun kommt es zum charakteristischen Hautausschlag. Drei bis fünf Tage vor diesem und bis zu vier Tage nach dessen Abklingen ist der Patient ein potentieller Anstecker. Gerade bei Menschen mit einem geschädigten oder schwachen Immunsystem besteht erhöhte Gefahr. Dass die Erkrankung keine harmlose Kinderkrankheit ist, zeigen 37 Todesopfer in der ersten Hälfte des laufenden Jahres. Einige davon starben an einer Entzündung des Gehirns (Enzephalitis – bei rund 20 % tödlich), weitere 30 % leiden als Folgeerscheinung an einer Behinderung. Meist unbemerkt entwickelt sich eine chronische Gehirnerschütterung (SSPE). Nach sechs bis acht Jahren schliesslich hat sich der Abbauprozess des Gehirns so weit entwickelt, dass er nicht mehr gestoppt, geschweige denn rück-gängig gemacht werden kann – auch dies endet letal. Zudem ist eine Hirnhautenzündung (Meningitis) durchaus möglich. Beim Robert-Koch-Institut geht man von einer Letalität in der Höhe von 1:1000 aus. Mir als Elternteil wäre das zu hoch!
Auch Lungenfachärzte warnen vor den Masern. Sie bewirkten in nicht wenigen Fällen eine Lungenentzündung (Pneumonie) mit anschliessendem Lungenversagen. Derartige Lungenentzündungen sind für die meisten Todesfälle verantwortlich. Dabei entzünden sich die kleinen Bronchien, was in weiterer Folge zu Atemstörungen führt. Ohne Röntgen kann dies meist gar nicht diagnostiziert werden. Ebenfalls bekannt sind übrigens Darmkomplikationen, Mittelohrentzündungen (Otitis media), Wurmfortsatz- oder auch eine Leberentzündung (Hepatitis). Sehr selten kann es zudem zu einer Herzmuskelentzündung, einer Nierenentzündung oder einem Abfall der Blutplättchen (thrombo-zytopenische Purpura) kommen.

“Gute Gesundheit für alle beginnt mit der Impfung.”
(Zsuzsanna Jakab, WHO-Europa)

Obgleich die Masernimpfungen bei Menschen bis zum 45. Lebensjahr in Deutschland und Österreich kostenfrei sind (in der Schweiz gibt es immer wieder Fenster, in welchen die Franchise nicht bezahlt werden muss – es bleibt dann also nurmehr der Selbstbehalt), ist die Durchimpfungsrate bescheiden. Viele inzwischen Erwachsenen aus den Geburtsjahrgängen der 90er Jahre aber auch der Jahrgänge 2008 bis 2015 wurden nicht geimpft oder liessen die 2. Impfung ausfallen. Diese Impfskepsis wurde erstmals so richtig öffentlich, als nicht-immunisierte Kinder in Südtirol nicht mehr den Kindergarten besuchen durften. Ihre Eltern sind der Meinung, dass viele der Impfungen nicht mehr notwendig sind, da die Krankheiten entweder ausgestorben oder die gesundheitlichen Risken einer Impfung schlimmer empfunden werden als die Erkrankung selbst. In den USA und Kanada wurde in den 60er Jahren ein formalininaktivierter Impfstoff verwendet. Kam es nun zu einer Infektion mit einem Wildtyp-Masernvirus, so traten die sog. “atypischen Masern” auf: Pleuraergüsse, Ödeme an Armen und Beinen und schliesslich Leberentzündungen. Alle betroffenen Patienten erholten sich jedoch wieder vollständig – die Seren wurden vom Markt genommen. Auch das enthaltene Quecksilber war immer wieder Inhalt der Diskussionen. Es wurde benötigt, um die Lebendviren abzutöten – lag jedoch weit unter den erlaubten Grenz-werten! Inzwischen bieten die meisten Produzenten quecksilberfreie Seren an. Da es sich beim Impfstoff um Lebend-Viren handelt, können bei 3-5 % nach der Immunisierung leichte Masern, sog. “Impfmasern” auftreten, die jedoch nicht ansteckend sind. Meist ist jedoch eine Vorerkrankung dafür ursächlich. Ansonsten liegen mögliche Kompli-kationen wie leichtes Fieber, Rötungen der Impfstelle etc. im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Auch die Autoren der in diesem Zusammen-hang stets von Impfgegnern in’s Spiel gebrachten “KiGGS-Studie” empfehlen eine Impfung, da der Schutz nach der Immunisierung grösser ist als bei Ungeimpften! Menschen im Umfeld von Säuglingen sollten auf jeden Fall geimpft sein! Der sog. “Nestschutz”, also die Übernahme von Antikörpern aus dem Mutterkuchen der Mutter hält für maximal sechs Monate. Danach ist der Säugling gänzlichst ungeschützt.

https://www.youtube.com/watch?v=tGQmbEK5VYA

Auch in Deutschland oder Österreich ist diese Anti-Impfungs-Meinung inzwischen weitverbreitet: 57 % der Bevölkerung Österreichs haben Zweifel, ob Impfungen auch wirklich schützen oder ob sie vielmehr den finanziellen Interessen der Pharmaindustrie dienen. Die Mehrzahl davon übrigens entstammt höher gebildeten Bevölkerungsschichten. Im Jahr 2015 kam es zu einer Masern-Epidemie in der Steiermark. 82 % der Erkrankten waren nicht geimpft. Zehn Säuglinge mussten stationär im Krankenhaus versorgt werden.
Hier sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Arzneimittel in unseren Breitengraden nur dann freigegeben werden, wenn sie auch tatsächlich eine entsprechende Wirkung aufweisen. Impfplantreue Ärzte verweisen Skeptiker immer gerne auf die Kinderlähmung (Polio). 4.700 Kinder erkrankten im Jahre 1961 in Deutschland an dieser schweren Krankheit. Deshalb wurde die Schluckimpfung dagegen verpflichtend eingeführt. 1965 registrierten die Mediziner nurmehr 50 Fälle deutschlandweit. Beweis genug!
Nach wie vor haben es die Gesundheitsministerien der DACH-Region mit einer Studie zu tun, die bereits als widerlegt, da gefälscht gilt. Allerdings wird sie nach wie vor gerne zitiert. 1998 veröffentlichte der Mediziner Andrew Wakefield diese Untersuchung, in welcher ein Zusammenhang zwischen der Dreifachimpfung Masern, Mumps, Röteln (MMR) mit der Erkrankung an Autismus bestehe. Hier sei folgendes erwähnt: Als Probanden dienten nur 12 Kinder! Wakefield verlor zwei Jahre später seine Aprobation als Arzt – 2004 wurde nachgewiesen, dass der Studien-leiter dafür bezahlt worden war, die Ergebnisse zu fälschen um damit einen falschen Beweis für den Rechtsstreit einiger Eltern gegen den Hersteller des Impfstoffes zu liefern. Daran anschliessende Studien haben keine entsprechende Hinweise auf einen solchen möglichen Zusammen-hang gebracht. Nur bei Schwangeren oder Menschen mit einem schweren angeborenen oder erworbenen Immundefekt darf nicht geimpft werden. Da der Impfstoff erst seit 1970 auf dem Markt erhältlich ist, wird, können sich alle davor Geborenen oder jene, die sich über ihren Impfstatus nicht sicher sind, nachimpfen lassen. Bei Erwachsenen des Geburtsjahrganges 1964 und früher wird allgemein davon ausgegangen, dass sie die Masern bereits ausgestanden haben. Auch eine nachträgliche Impfung nach Kontakt mit einem Masern-Patienten ist bis max. drei Tage danach noch möglich!

“Dass heutzutage noch immer Menschen an dieser so leicht durch Impfung vermeidbaren Erkrankung sterben, ist absolut sinnlos, tragisch und nicht akzeptabel!”

(Heidemarie Holzmann, Virologin Wien)

Impfgegner bringen immer wieder auch ein Argument hervor: Die Pharmaindustrie nährt sich aus Impfempfehlungen! Das Argument ist durchaus richtig. Eine Gegenüberstellung der deutschen gesetzlichen Krankenkassen im Jahr ergab jedoch, dass die Arzneimittelhersteller wesentlich besser an den Medikamenten verdient, die bei Ausbruch dieser Krankheit gebraucht werden, obgleich eine Impfung dies möglicherweise verhindert hätte (1,34 Mrd. € im Vergleich zu 36,27 Mrd. €).
Die Rechtfertigung, dass die Kinderkrankheiten das Immunsystem des Kindes stärken, muss lautstark zurückgewiesen werden. Das hohe Fieber (bis zu 41 Grad!), das so manche Krankheit begleitet, ist zwar ein Anzeichen dafür, dass zwar die Selbstheilung eingeleitet wurde, doch schwächt jede derartige Erkrankung den Körper. Bei einer Masernerkrankung ist das Immunsystem sogar auf zwei bis drei Jahre hinweg geschwächt, sodass bereits eine an sich harmlose bakterielle Erkrankung schwerwiegende Folgen haben kann. Kommen dann noch zusätzliche Komplikationen wie eine Gehirnentzündung hinzu, so obliegt es der Verantwortung der Eltern, dieses Ungleichgewicht einzuschätzen. Im schlimmsten Falle müssen sie jedoch damit leben. Auch wenn der heranwachsende Organismus gewisse Kinderkrankheiten nicht hatte, so ist das nicht etwa ein Zeichen der immunität sondern nur ein gutes Beispiel für die Durchimpfung, sodass die Erkrankung nicht ausbrechen konnte. Jeder, der nicht geimpft wurde bzw. nicht von sich aus die Immunität gebildet hat (durch Antikörper nach überstandener Erkrankung), schmälert die Impfabdeckung und vergrössert somit die Gefahr einer Masseninfektion. So verursachten beispielsweise die Seefahrer nach der Entdeckung Amerikas durch die Übertragung von Kinderkrankheiten hunderttausende, wenn nicht gar Millionen Tote unter der einheimischen Bevölkerung. Alleine auf Hawaii verstarben von den 148.000 Einwohnern im Jahre 1848 40.000 an Masern.

https://www.youtube.com/watch?v=F3PV0DqSbNM

Die Krankheit im erwachsenen Alter zu bekommen, ist noch weitaus gefährlicher als im Kindesalter oder der Adoleszenz. Das wird sich nun zeigen, nachdem die Weltbevökerung wandert bzw. überspitzt formuliert ein Flugticket fast weniger kostet als die Busfahrt in die Nachbar-gemeinde. Auf anderen Kontinenten (Asien, Afrika) gehört die Durchimpfungsrate zum Wunschdenken der Gesundheitsexperten. Am Besten zu sehen an der Wiederkehr von Keuchhusten und Diphterie aus Ost- nach Mitteleuropa. Ebenfalls zwei Krankheiten, die hierzulande als ausgerottet galten. Durch Urlauber und Flüchtlinge werden jedoch die Erreger wieder eingeschleppt. Aufgrund der Impfgegner gibt es diese Herdenimmunität auf dem Kontinent nicht mehr.
Bei der Impfung werden abgetötete oder stark abgeschwächte Erreger verabreicht. Der Körper erkennt diesen Eindringlinge in 95 % der Fälle jedoch als Gefährder und bekämpft sie ebenso wie aktive hochwertige Viren. Die zweite Impfung wird nach frühestens vier Wochen verabreicht, damit diese Lücke über 4 % geschlossen werden kann. In nur 1 % wird keine Immunisierung erzielt. Deshalb sind Impfungen durchaus empfehlenswert, da die Risken der wirklichen Erkrankung ausgeschlossen werden. Wer nun mit der Grippe-Impfung kommen sollte, muss wissen, dass die bei uns gespritzten Influenza-Seren anhand der Infektionen beispielsweise im australischen Winter bereits Monate zuvor zusammen-gestellt und gezüchtet werden. Grippeviren aber besitzen die Möglichkeit der Mutation. Soll heissen, dass sie sich verändern können. Hier bedeutet deshalb eine Impfung kein hundertprozentiger Schutz (deshalb auch die zwei Grippewellen pro Saison). Die Viren der Kinderkrankheiten allerdings können sich nur geringfügig verändern. Unter anderem deshalb, da die Masern beispielsweise humanpathogen sind. Sie brauchen also den Wirt “Mensch”!

“Ein Masernkranker kann 16 bis 18 weitere Menschen anstecken, bei der Grippe sind es vier Ansteckungen!”
(Andrea Grisold, Med Uni Graz)

In Deutschland waren noch im Jahr 2012 92,4 % der ABC-Schützen zweifach geimpft, in Österreich im Jahr 2016 95 % zumindest einfach, in der Schweiz 2006 86 % ein- und 70 % zweifach geimpft. Eine möglichst hohe Durchimpfungsrate schützt auch jene, die bislang noch nicht geimpft werden konnten, da sie entweder noch zu jung dafür sind (Säuglinge) oder bei welchen die Impfung nicht gewirkt hat (Impf-versager). Österreich lag 2015 nach Kroatien an zweiter Stelle der gemeldeten Krankheits-Fälle (35,3 Fälle pro 1 Mio Einwohner), in Deutschland auf Platz drei waren es 30,5. Die WHO hat es sich zum Ziel gesetzt, die Masern tatsächlich weltweit auszurotten. Dass es möglich ist, zeigt die Impfrate in Nord- und Südamerika. Dort wurden beispielsweise im Jahr 2013 nach WHO-Angaben nurmehr 294 Erkrankungen gemeldet – in Europa waren es im selben Jahr 26.396! Nur rund 5.000 Fälle weniger als in Südostasien, wo die Masern-Sterblichkeit am höchsten ist. Auch möchte ich in diesem Zusammenhang Finnland erwähnen. Hier besteht Impfpflicht – seit 1995 wurden nur vier importierte Fälle gemeldet. Auch Italien hat erst vor kurzem die Masernimpfpflicht eingeführt. Im Vergleich dazu Deutschland, wo alleine anno 2017 1036 Fälle registriert wurden – zwischen Flensburg und Berchtesgaden besteht keine Impfpflicht. Immer wieder treten Epidemien auf: 1997 und 2003 in der Schweiz, 2005 in Hessen (1 Todesopfer) und Oberbayern, ein Jahr später in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, 2007 erneut in der Schweiz (hauptsächlich im Kanton Luzern), 2008 in Salzburg und Oberösterreich sowie der Nordwest- und Ostschweiz und schliesslich 2013 in München. Hier mussten mehr als die Hälfte der 220 Erkrankten in einem Krankenhaus behandelt werden. Im Schuljahr 2014/15 meldete Berlin nahezu 1400 Erkrankungen. Sehr häufig treten derartige Epidemien in den Niederlanden auf. Dabei geht der Erreger stets von der orthodox-protestantischen “gereformeerden kerken”aus. Die Mitglieder dieser religiösen Gemeinschaft verweigern grundsätzlich jede Impfung. 1999 verstarben dort drei, 2013/14 ein Kind. Epidemien gab es heuer bereits in Griechenland, Rumänien, Italien, Grossbritannien und Frankreich. Die Gesundheitsministerien empfehlen vor einer Reise in diese Länder zur impfung – wenn zuvor nicht schon geschehen. Bei Aufenthalten in den USA und Kanada ist eine solche Impfung ohnedies Pflicht.
Nach Schätzungen konnten alleine zwischen 2000 und 2016 bis zu 20,4 Mio Todesfälle weltweit durch die Masernimpfung verhindert werden. Können Sie derartige mögliche Komplikationen bei Ihrem Kind mit ihrem Gewissen vereinbaren? Lassen Sie sich und Ihre Kinder impfen – Sie vermeiden dadurch selbst mit einer schweren Krankheit angesteckt zu werden und leisten zudem einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft!

Lesetipps:

.) Schutzimpfung Masern: Prävention einer vermeintlich harmlosen Kinderkrankheit; Julia Gaudlitz; Apollon University Press 2015
.) 300 Fragen zum Impfen; Nicole Schaenzler/Brigitte Strasser-Vogel; Graefe und Unzer Verlag 2008
.) Handbuch der Schutzimpfungen; Albert Herrlich; Springer 2013
.) Gesundheitsvorsorge bei Kindern: Eine empirische Untersuchung des Impfverhaltens bei Masern, Mumps und Röteln; Kriwy/Peter; VS Verlag für Sozialwissenschaften 2007
.) Impfungen im Kindesalter: Besteht in Deutschland ein effektiver Schutz vor Masern, Mumps und Röteln?; Melanie Behrends; Diplomica Verlag 2012
.) Entspannt durch Masern, Mumps & Co: Tipps aus der Kindernaturheilkunde bei Kinderkrankheiten; Isabel Henseler; CreateSpace Independent Publishing Platform 2018
.) Masern, Röteln, Mumps & Co. Der kritische Impfführer für Eltern; Hrsg.: Caren Battaglia; Atlantis Verlag 2004
.) Impfen – Die Fakten (Band 3): Masern und andere Kinderkrankheiten; Wolfram Klingele; Netzwerk Impfentscheid NIE 2016
.) Die Masern-Lüge: Was Sie unbedingt über die Masern wissen sollten – und was die Gesundheitsbehörden Ihnen verschweigen; Hans U. P. Tolzin; Kopp Verlag 2016
.) Die Klassischen Kinderkrankheiten: Die Behandlung von Keuchhusten, Masern, Mumps, Röteln, Scharlach und Windpocken; Ravi Roy/Carola Lage-Roy; Lage & Roy Verlag 2013
.) Die Impf-Illusion; Suzanne Humphries/Roman Bystrianyk; Kopp Verlag 2015
.) Die homöopathische Prophylaxe bei Kinderkrankheiten: Der sanfte zuverlässige Schutz vor Keuchhusten, Mumps, Masern, Polio, Tetanus, HiB, Scharlach, Diphtherie; Roy Ravi/Carola Lage-Roy; Lage & Roy 2013
.) Enzyklopädie Medizingeschichte; Hrsg.: Werner E. Gerabek/Bernhard D. Haage/Gundolf Keil/Wolfgang Wegner; De Gruyter 2005
.) Medizinische Mikrobiologie; Hrsg.: W. Köhler u.a.; Urban & Fischer-Verlag 2001
.) Harrisons Innere Medizin; M. Dietel/N. Suttorp/M. Zeitz/T. R. Harrison; Abw Wissenschaftsverlag 2005
.) Die Kunst des Heilens: Eine medizinische Geschichte der Menschheit; Roy Porter; Spektrum 2003
.) Textbook of pediatric infectious diseases; J. D. Cherry; WB Saunders 2004

Links:

- www.keinemasern.at
- www.euro.who.int/de
- ecdc.europa.eu
- www.rki.de
- www.pei.de
- www.efi-online.de
- www.bmgf.gv.at
- www.bag.admin.ch
- www.gesundheit.gv.at
- www.gkvspitzenverband.de
- www.kiggs-studie.de
- www.kinderaerzte-im-netz.at
- www.dtg.org
- www.aerzte-ohne-grenzen.at
- www.amboss.com
- www.apotheker.or.at
- www.impfen-info.de
- gesundheitsziele-oesterreich.at
- www.medizin-transparent.at
- www.impf-dich.org
- www.dak.de
- www.comparis.ch

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Die Kraft des Waldes – das Netzwerk der Natur

Gesundheit ist das höchste Gut, das ein Mensch haben kann. Die meisten allerdings kommen erst dann zu dieser Erkenntnis, wenn sie mal nicht mehr gesund sind. Da kann ich mich mit all meinen Sportverletzungen und den daraus resultierenden Krankenhausaufenthalten leider nicht davon ausnehmen. Bis dahin wird Raubbau am Körper betrieben. Dass es jedoch gar nicht so schwer wäre, etwas dafür zu tun, wissen viele oftmals gar nicht, da sie dort mitschwimmen, was gerade mal empfohlen wird. Wer käme da schon auf dieses heutige Thema, auf das ich zugegebener-maßen auch eher zufällig während der Recherche zu einem komplett anderen Thema stiess: Das Waldbaden bzw. die Waldmedizin!
Marc G. Berman wohnt in Chicago. Er ist Assistant Professor am Institut für Psychologie der Universität Chicago. Sein Fachbereich geht in eine Richtung, von der ich selbst bis vor kurzem noch nicht wusste, dass es sie gibt: Die Umweltpsychologie. Untersucht wird in diesem Fachbereich die Interaktion der Psyche und neuronaler Prozesse mit Umweltfaktoren aus der Natur. Klingt etwas kompliziert, ist jedoch ganz einfach. Hier ein Beispiel: Berman analysierte für das Rotman Research Institute an der University of Toronto in Baycrest die Unterschiede in den Gesundheits-daten der Bewohner von Wohngegenden mit einem hohen Anteil von Bäumen zu jenen mit nur wenigen (“Regressionsanalysen”). Das Ergebnis ist revolutionierend und zugleich alarmierend: In den grünen Stadtteilen ist das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Störung wie etwa Diabetes oder Bluthochdruck zu erkranken wesentlich geringer als in jenen Stadtteilen, die dermassen zubetoniert (versiegelt) sind, dass nurmehr wenige Bäume Platz finden. Die Studie war recht mühsam, galt es doch, die Standorte von 530.000 Bäumen mit den Gesundheitsdaten von rund 30.000 Anwohnern abzugleichen. Berman weist allerdings daraufhin, dass die Daten miteinander korrelieren – inwieweit die sauerstoffreichere Luft, der schönere Anblick und die Animation für einen Spaziergang, die Bäume ausüben, das Wohlgefühl des Einzelnen beeinflussen, kann durch diese Studie nicht hingewiesen werden.
Ich behaupte: Bäume machen wirklich gesünder und glücklicher! Und den Beweis werde ich hier im Folgenden antreten! Diesem Phänomen widmet sich u.a. die Waldmedizin.

“Wir stellen fest, dass zehn zusätzliche Bäume in einem Häuserblock das durchschnittliche Gefühl der eigenen gesundheitlichen Verfassung in dem Maße erhöht wie eine Steigerung des Jahreseinkommens um 10.000 Dollar oder der Umzug in eine Wohngegend mit einem 10.000 Dollar höheren Durchschnittseinkommen!”
(Marc G. Berman)

An erster Stelle steht selbstverständlich die Sauerstoffproduktion. Die Photosynthese, also die Umwandlung von Kohlendioxid und Wasser zu Sauerstoff und Zucker unter Einfluss der Sonneneinstrahlung findet in den Blättern und Nadeln der Bäume statt. Je grüner ein Wald ist, desto mehr des für diesen Vorgang so wichtigen Chlorophylls findet sich dort, desto mehr kann auch Sauerstoff produziert werden. Sauerstoff nun ist für beinahe alle Vorgänge im menschlichen Körper notwendig. Je höher dessen Gehalt in der Atemluft ist, desto besser laufen auch diese Prozesse ab. Eine Wohltat für Asthmatiker oder Menschen, die an COPD leiden!
Der Wald beruhigt aber auch das Herz, den Blutdruck und entspannt die Muskeln. Zu dieser Erkenntnis gelangten Forscher der Nippon Medical School of Tokio. Sie wiesen nach, dass das Herz während eines Aufent-haltes im Wald deutlich ruhiger schlägt, der Blutdruck gesenkt wird und der Muskelapparat sich so richtig relaxen kann. Dies alles nur dadurch, dass das Stresshormon Cortisol runtergefahren wird. Gleiches stellten auch südkoreanische Forscher fest. Sie schickten zwei Probanden-Gruppen zum Spazierengehen. Die eine in den Wald, die andere in die Stadt. Während die Stadtgeher danach keinerlei Veränderungen auf-wiesen, hatten die Waldgeher einen niedrigeren Blutdruck, eine grössere Lungenkapazität sowie eine bessere Elastizität der Blutgefässe.

„Ein lichter Mischwald ist, wie der Name schon sagt, meist etwas heller und lässt Tiere und Pflanzen und damit auch Menschen mehr Raum zu Atmen und Entfalten als ein düsterer, dichter Laubwald!“
(Renate Cervinka, Universität Wien)

Doch das ist noch lange nicht alles: Blutuntersuchungen ergaben, dass sich die Anzahl der Killerzellen (spezielle weisse Blutkörperchen) bei einem Spaziergang durch den Wald erhöhen – um bis zu 50 %. Ihre Auf-gabe ist es, Eindringlinge jeglicher Art unschädlich zu machen. Damit gleicht also der Gang durch den Wald einem “öko-psychosomatischen Kuraufenthalt” für das Immunsystem des Menschen, so Prof. Hilarion Petzold, Begründer der Psychotherapieverfahren der Integrativen Thera-pie. Der Körper kann die unterschiedlichsten bioaktiven Substanzen wieder aufnehmen, die ihm immer mehr entzogen werden (“Nature Defizit Syndrom”).
Und schliesslich frohlockt zudem unser Nervensystem. Im Wald werden nahezu alle unsere Sinne aktiviert und sensibilisiert: Sei es aufgrund des Duftes junger Tannennadeln (Terpene), dem Gezwitscher der Vögel oder dem Spiel des Lichtes durch das Blätterdach.

„Ein Stoff, der nach Jasmin riecht, spricht im Gehirn dieselben Rezeptoren an, wie manche Schlaf- und Beruhigungsmittel. Und Sandelholzduft beschleunigt die Zellteilung und verbessert die Wundheilung!“

(Prof. Gustav Dobos, Kliniken Essen-Mitte)

Dies alles fassen die heimischen Walderlebnispfade zusammen. Aller-dings kann ein solcher Waldaufenthalt auch intensiviert werden – durch das “Waldbaden” beispielsweise. Dieser Trend aus Japan (dort auch als “Shinrin Yoku” bekannt – gibt’s sogar auf Kasse) gewinnt immer mehr Anhänger. Die eigens angelegten Wege des Nationalen Erholungswaldes von Akasawa werden jährlich von bis zu fünf Millionen Menschen beschritten; in Südkorea wurde mit den Forest Bath Parks in der Nähe von Städten und den fünf großen Natural Recreation Forests im Norden des Landes ähnliches geschaffen. Im Ostseebad Heringsdorf auf Usedom befindet sich der erste anerkannte europäische “Kur- und Heilwald”. Der 187 Hektar grosse Forst dient als Vorbild für weitere Projekte in Mecklenburg-Vorpommern, im Teutoburger Wald und am Berliner Wann-see. Beim Waldbaden ist es nicht wichtig, irgendwelche Übungen zu absolvieren – Waldbaden ist die intime Begegnung mit der Natur; es berührt die Seele des Menschen. Ein einziger Spaziergang kann bereits als Waldbaden bezeichnet werden, sofern ihm alle Achtsamkeit und Aufmerksamkeit gilt. Dennoch sollten Sie sich Zeit hierfür nehmen. Suchen Sie sich mitten im Wald einen Lieblingsplatz. Lassen Sie hier die Natur auf sich wirken, lesen vielleicht ein Buch, machen Yoga-, Qi Gong- oder Atemübungen – was auch immer für Sie am passendsten ist! Entschleunigen Sie! Unbedingtes Muss: Schalten Sie Ihr Handy aus, Sorgen abschütteln und auch alles ansonsten Störende am Waldrand zurücklassen. Nehmen Sie bitte keinen Hund mit. Erklärtes Ziel ist es, sich voll und ganz den Reizen der Natur hinzugeben. Die Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitspsychologin Renate Cervinka erklärt dies folgendermaßen: Durch den Wegfall der modernen Mediennutzung (wie etwa des Smartphones) lernt jeder Einzelne loszulassen, Stresserlebnisse abzubauen und zu regenerieren. Die Aufmerksamkeit wird von allen Seiten eingedämmt – der Erholungsfaktor dabei ist enorm. Je häufiger ein solcher Spaziergang gemacht werden kann, desto mehr hat der Körper davon.

“Ein Aufenthalt im Wald kann die Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit wieder herstellen und erhöhen sowie die Kreativität fördern!”

(Clemens Arvay, Biologe)

Auch in der Medizin wird vermehrt die Heilwirkung des Waldes erforscht. So meint etwa der Direktor der Klinik für Naturheilkunde und Integrativer Medizin der Kliniken Essen-Mitte, Professor Gustav Dobos, dass der Wald vornehmlich aufgrund der Entspannungsmöglichkeiten eine enorme Wirkung auf die Gesundheit entwickeln kann. Er erklärt sich dies hauptsächlich evolutionstheoretisch: Die Natur bot uns in früheren Zeiten Schutz und Nahrung – sie war unser Lebensraum! Durch die Rückkehr in diesen Lebensraum fühlt sich der Körper heimisch und geborgen.
Dies erkannte vor bereits 34 Jahren der Gesundheitswissenschaftler Roger Ulrich (Chalmers-Universität in Göteborg). Er untersuchte in einer klinischen Studie die Auswirkungen des blossen Zimmerausblicks auf Patienten eines Krankenhauses. Bei 46 Menschen, die nach einem standardisierten Verfahren an der Gallenblase operiert wurden, konnte durchaus ein Unterschied in der Heilung festgestellt werden. Die Versuchs-Gruppe hatte dabei ein Zimmer mit Blick auf einen benachbarten Wald, die Kontrollgruppe hingegen schaute auf eine Ziegel-mauer. Das Ergebnis: Die Versuchsgruppe konnte das Krankenhaus früher verlassen, da die Wunden schneller und besser ausheilten. Auch postoperative Komplikationen traten weniger häufig auf und die Schmerzen waren weitaus geringer. Die Erklärung liegt in der Aktivierung des Parasympathikus, der die Regeneration und Heilung des Körpers bestimmt! Yoshifumi Miyazaki kam auf dieselbe Erkenntnis: Er wies mit seinem Team nach, dass bereits der Anblick eines Waldes den Cortisol-spiegel der Probanden um 13,4 % sinken liess!
Eine andere Studie der britischen Gesundheitswissenschaftlerin Dr. Jo Barton von der University of Essex spricht in diesem Zusammenhang von der Steigerung der Stimmung und des Selbstwertgefühles. Um dies zu erreichen, soll bereits ein kurzer Aufenthalt unter den Bäumen genügen. Etwas weiter geht sogar eine Untersuchung der medizinischen Universität und der Universität für Bodenkultur aus Wien. In der Studie “Gesundheitswirkung von Waldlandschaften” kommen die Experten zum Schluss, dass neben den bisher bereits genannten positiven Auswir-kungen auch durchaus gute Erfahrungen bei der Therapie von Suchtkranken, Burnout- und ADHS-Patienten (Hyperaktivitätsstörungen) gesammelt werden konnten. Gewaltbereitchaft und Aggressionen können durch regelmässige Waldspaziergänge ebenfalls abgebaut werden, betont alsdann ein Bericht des Bundesforschungszentrums für Wald. Die Farben-psychologie weiss, dass die Farbe “Grün” beruhigend wirkt. Sehr positive Erfahrungen in dieser Richtung macht tagtäglich Axel Schmid, der beruf-lich viel mit gewaltbereiten Menschen und hier besonders Jugendlichen zu tun hat. Er meint, dass sich solche Menschen im Wald mehr auf sich selbst fokussieren und ihre Gefühle besser verarbeiten können. Derzeit laufen auch mit Schmerzpatienten entsprechende Untersuchungen. Studienleiter Professor Qing Li von der Nippon Medical School of Tokio spricht sogar von einer Therapie gegen Depressionen und Ängste.

“Wir fühlen uns weniger gestresst. Wir erholen uns, schlafen besser. Der Wald wirkt entschleunigend, die frische, kühle Luft stärkt und vitalisiert.”
(Angela Schuh, Professorin für Medizinische Klimatologie an der Universität München)

Lassen Sie uns eine ganz spezielle Gruppe der “Gesundmacher” etwas genauer betrachten: Die Terpene! In vielen Wellness- und Gesundheits-hotels werden inzwischen Zirben-Zimmer angeboten. Gäste berichten, dass sie wesentlich tiefer und somit besser in diesen mit Zirbenholz ausgestatteten Zimmern schlafen und ausgeglichener als üblich ihren Urlaub geniessen konnten. Der Aufenthalt in einem derartigen Zimmer lässt nachweislich das Herz langsamer schlagen, wodurch der Körper weniger zu tun hat. Verantwortlich dafür zeichnet der Duft, der von diesem speziellen Holz ausgeht. Er beinhaltet neben vielem anderen mehr auch die sekundären Pflanzenstoffe der Terpene (“Phytonzide”). Ätherische Öle, die in vielen Bäumen, ganz besonders jedoch in der Zirbe enthalten sind. Im Wald sind sie für die Kommunikation der Bäume untereinander zuständig. So haben Untersuchungen gezeigt, dass sich Bäume, Sträucher und auch Pilze gegenseitig vor dem Angriff von Schädlingen warnen. Eine mehr als wichtige Information, damit das Abwehrsystem der Pflanze hochgefahren werden kann. Rund 2000 derartiger Duftstoffvokabeln von über 900 Pflanzen sind bereits bekannt – die meisten davon gehören zu den Terpenen. Bei Mensch und Tier wirkt dieser “Heilungscode der Natur” ebenfalls: Terpene aktivieren die Produktion von Neurotransmittern und Hormonen (etwa Dehydro-epiandrosteron DHEA), aber auch von Killerzellen aus der Gruppe der Leukozyten, die Eindringlinge im wahrsten Sinne des Wortes “abschiessen”! Auch bösartige Zellen, die zu Tumoren führen können. Die gefährlichen Zellen werden mit sog. “Granzymen” beschossen, die die Zellmembran durchlöchern. Die Proteine “Perforin” und “Granulysin” gelangen auf diesem Wege in die Zelle und vergiften sie, sodass diese abstirbt. Zu diesem Ergebnis gelangte auch Japans bekanntester Wald-Gesundheitsforscher Qing Li: Blutuntersuchungen brachten bei der Verweildauer von einem Tag im Wald 40 % mehr Killerzellen, zwei Tage gar doppelt so viele wie zuvor. Im ersten Fall hielten sie ganze sieben Tage lang an, im zweiten sogar 30 Tage. Die Terpene-Konzentration ist im Sommer nach einem Regen oder bei Nebel besonders hoch – da die Baumkronen die Luft vermehrt zurückhalten – im Wald zudem mehr als am Waldrand. In einem zweiten Test extrahierte Li die beiden gängigsten Terpene Limonene und Pinene aus der Waldluft. Pinene werden vornehmlich im grünen Teil der Fichtennadeln, aber auch im Myrten-strauch gebildet, Limonene in Zitrusgewächsen, dem Lavendel und bei Fichten, Tannen und Kiefern. Damit reicherte er bei einer unwissenden Versuchsgruppe in der Nacht die Luft im Hotelzimmer an, während die Kontrollgruppe ohne die Zusatzstoffe auskommen musste. Auch hier ergaben Bluttests am nächsten Morgen die Zunahme der Killerzellen bei der Versuchsgruppe. Gemeinsam mit seinem Team kam er nach einer Analyse von Bevölkerungszahlen zu dem Resultat, dass die Krebs-sterblichkeit in bewaldeten Regionen weitaus geringer ist als in nicht bewaldeten.
Völlig unabhängig voneinander untermauern auch die Studien der Krebsforscherin Roslin Thoppil von der US-amerikanischen Vanderbilt-Universität in Nashville sowie des Pharmazieprofessors Anupam Bishayee am Larkin-Institut für Gesundheitswissenschaften in Miami diese Thesen. Umso intensiver forscht deshalb die Onkologie in dieser Richtung, da nicht alle Krebszellen auf eine Chemotherapie reagieren. Zellen sind derart konzipiert, dass sie Giftstoffe nach aussen pumpen. Diese Fähig-keit fehlt jedoch den meisten Krebszellen. Einige wenige jedoch können dies. Sie sind therapieresistent, überstehen die Chemo unbeschadet und bilden später weitere Krebszellen. Sie könnten möglicherweise mit Terpenen wirksam dem programmierten Zelltod zugeführt werden..

“Dabei geht es nicht darum, dass Patienten etwas leisten, dass sie Sport treiben, sondern sich ihrer selbst bewusst werden, sich spüren. Waldbaden hat mit Achtsamkeit zu tun.”

(Andreas Michalsen, Arzt für Naturheilkunde in Berlin)

Der Biologe Clemens Arvay fordert aufgrund all dieser wissenschaftlich nachgewiesenen Wirkungen von Bäumen auf den Menschen mehr Wald in den Städten. In seinen Büchern ist er zudem davon überzeugt, dass das regelmässige Umarmen von Bäumen gesund hält, da die meisten Terpene über die Borke der Bäume abgegeben werden. In Österreich stehen rund 3,4 Milliarden Bäume – tun Sie sich keinen Zwang. Sollten Sie bei ihrem nächsten Spaziergang durch den Park Bäume umarmende Menschen sehen, so wissen Sie zumindest ab jetzt, dass sie nicht unbedingt auf Freuds Couch gehören! Versuchen Sie es doch ganz einfach selbst!
Und noch etwas: Zerstäuber, die mit Terpenen angereichert sind, wirken zwar – sie ersetzen aber nicht den Waldspaziergang, da hier ja noch weitaus mehr Stimulanzien auf den Menschen einströmen. Also: Raus in die Natur!!!

Der Vollständigkeit halber am Ende noch der Warnhinweis:
Die Komplementärmedizin, wie etwa die Waldmedizin, ist bei Krankheit kein Ersatz der Therapie durch die Schulmedizin. Sie sollte immer nur zusätzlich zur ärztlichen Behandlung eingesetzt werden!

Factbox:

Waldbaden nach Dr. Qing Li (Professor für Umweltimmunologie)
- Erstelle Dir einen Plan für Deine Wanderungen oder Spaziergänge – Anforderungen je nach Konstitution
- Solltest Du beim Waldbaden müde werden, dann suche Dir einen Platz zum Ausruhen – egal wo, Hauptsache im Wald
- Nimm Dir Zeit – mindestens vier Stunden für rund fünf Kilometer zu Fuss; hast Du nicht so viel Zeit, so sollten es zumindest zwei Stunden und 2,5 km sein
- Suche Dir einen schönen Platz im Wald, geniesse die Stille, die Natur oder lese ein gutes Buch
- Gestalte das Waldbaden so, wie es Dir am besten gefällt, setze entsprechend Deine persönlichen Ziele
- Nach dem Waldbaden kannst Du auch ein warmes Bad zuhause nehmen
- Ein dreitägiges Waldbad einmal im Monat aktiviert Dein Immunsystem und hält für die restliche Zeit an

Filmtipps:

- Therapie unter Tannen; 3Sat
- Ist der Wald Medizin?; NDR

Lesetipps:

.) Forest Bathing: How Trees Can Help You Find Health and Happiness; Qing Li; Viking 2018
.) Waldbaden – das kleine Übungshandbuch für den Wald; Ulli Felber; Schirner Verlag 2018
.) Der Biophilia Effekt – Heilung aus dem Wald; Clemens G. Arvay; edition a 2015
.) Das geheime Leben der Bäume; Peter Wohlleben; Ludwig Verlag 2015
.) Holzwunder. Die Rückkehr der Bäume in unser Leben; Erwin Thoma; Servus Buchverlag 2018
.) Die sanfte Medizin der Bäume; Maximilian Moser/Erwin Thoma; Servus 2018
.) Der Heilungscode der Natur – die verborgenen Kräfte von Pflanzen und Tieren entdecken; Clemens G. Arvay; Riemann 2016
.) Die neuen Naturtherapien. Garten-, Landschafts-, Wald- und tiergestützte Therapie, Green Care und Green Meditation; H.G. Petzold/B. Ellerbrock/R. Hoemberg; Aisthesis 2016
.) Einfach raus! Wie Sie Kraft aus der Natur schöpfen; Beate und Olaf Hofmann; Patmos Verlag 2016
.) Trickkiste Natur: 40 Naturwunder vor deiner Haustür: entdecken – staunen – ausprobieren; Hrsg.: Bund Naturschutz Bayern; oekom verlag 2016
.) Gebrauchsanweisung für den Wald; Peter Wohlleben; Piper 2017

Links:

- ihrs.ibe.med.uni-muenchen.de
- www.hphpcentral.com
- www.bund-naturschutz.de
- www.eag-fpi.com
- www.healthdesign.org
- psychology.uchicago.edu
- www.arvay.info
- www.psychologie-heute.de
- gesundheitsmanager.aok.de
- www.waldwelt.at
- www.menschundwald.de
- www.waldbaden.org
- www.waldbaden-akademie.com
- www.insel-usedom-wollin.de
- bfw.ac.at
- www.landscapeandhealth.at
- www.pan-praxis.de
- www.heilpraxisnet.de
- www.fpi-publikation.de
- www.biokrebs-kongress.de
- www.wildundfrei.net

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Ist der Metal tot?

Dieser Tage geriet meine Welt aus den Fugen!
Im Rahmen einer Diskussion in den Social Medias erfuhr ich, dass es die Musikrichtung des “Metals” nicht mehr gibt! Es gäbe nurmehr den guten Rock, möglicherweise auch etwas härter gespielt! Alter schwedischer Speed-Drummer: Habe ich da vielleicht während meiner Zeit im Pop- und Schlager-Radio etwas verpasst? Der Metal hat sich verabschiedet, ohne mir die Möglichkeit zu geben, ihn zu Grabe tragen zu können? Nicht auszudenken!
Anlass für die Diskussion war das Post eines Bekannten zum Auftritt der Schweden-Rocker “Europe” beim Wacken-Open Air 2017. Wir alle kennen Europe vornehmlich aus den Hitparaden der 80er Jahre, als sie mit “Final Countdown” die Hymne einer ganzen Generation prägten, gefolgt vom softigen “Carrie” und den nurmehr mässig erfolgreichen “Superstitious” und “Rock the night”. Ähnlich wie etwas später Jon Bon Jovi hängten wohl in zigtausenden Mädchenzimmern (und möglicherweise auch einigen Jungenzimmern) Plakate des dauergewellten Joey Tempest, seines Zeichens Lead-Sänger der Schweden. Doch waren sie abseits der Hit-paraden eigentlich schon recht rockig auf dem Weg – sie ebneten damals den Weg für die unzähligen Swedish Rock-Bands, wovon einige durchaus auch in das Genre “Heavy Metal” passten. Doch Europe? Ich weiss nicht so recht. Die Hitparadennummern hätte ich eher dem Pop-Rock und die anderen Titel dem Rock zugeordnet. Dies liess ich auch in meiner Antwort zu dem Post wissen, mit dem Beisatz, dass Wacken einst das weltweit grösste Metal-Open Air war, zuletzt doch immer kommerzieller wurde. Als Beweis brachte ich aus dem bereits bestätigten Line-up des nächsten Jahres Krokus aus der Schweiz und Rose Tatoo von Down Under, die beide nicht das Prädikat “Heavy Metal” verdienen. Alsdann hätten sicherlich auch Bands wie Metallica, Kreator oder Sepultura etwas dagegen, in dieselbe musikalische Schublade wie Europe eingeordnet zu werden. Daraufhin wurde ich von einem Musiker gerügt, dass ich keine Ahnung habe. Es gäbe keinen Metal mehr, sondern – wie zuvor bereits erwähnt – nurmehr gute Rockmusik! Kein Metal mehr – Tatsache??? Oh mein Gott!!!
In meiner Sturm und Drang Phase jobte ich ab und an als Rock-DJ in einer Kneipe und war späterhin beim damals einzigen Rock-Sparten-Sender aus Südtirol tätig. Damals mussten die Moderatoren noch selbst die Musik für ihre Sendungen zusammenstellen. Ich war der Spezialist für guten Melodic-Rock und astreinen Hardrock. Die Grenze zum Heavy Metal stellten für mich damals Iron Maiden dar. Ab dieser Güteklasse wählte ich nur wenige und wenn dann gute, nicht zu heftige Songs aus, die auf den Plattenteller kamen. Klar fuhr ich damit auch ein! Bei einer M1-Rock Night in einer Münchner Disco zu Silvester beispielsweise! Bestückt mit dem Besten, was das Radio-Archiv in Sachen Rock her gab machten wir uns auf den Weg. Dort angelangt mussten wir schon sehr rasch feststellen, dass so gut wie keine Stimmung aufkam. Ich war fehlbesetzt – es war eine Metal-Disco. So kann’s gehen. Deshalb musste ich mich den ganzen restlichen Abend durch das Haus-Archiv des Lokals quälen. Ich hatte auch stets den Mittwoch in meiner Stammkneipe gemieden An diesem Tag hatte nämlich der Metal das Sagen. Es war damals zudem die Zeit des aufkommenden Dark- und Thrash-Metals – gottlob blieb ich von dieser M1-Sendung am Freitagabend verschont. Jetzt also sollte es diese von mir stets streng bewachte, entmilitarisierte Zone zwischen Hardrock und Heavy Metal nicht mehr geben? Whitesnake, Aerosmith oder die Scorpions sollten im selben Atemzug wie Testament, Slayer oder Pantera genannt werden? Nö – da hab’ ich was dagegen!
Alsdann machte ich mich auf – zur Recherche im World Wide Web. Und siehe da – zu früh meine nurmehr wenigen Haare gerauft. Es gibt nicht weniger als 28 Untergliederungen des Metals – von A wie Alternative Metal, über F wie Folk Metal bis hin zu V wie Viking Metal. Von vielen habe ich noch nie gehört (etwa “Grindcore-Metal”), die meisten Bands sind mir gänzlichst unbekannt (wie “An Autumn for Crippled Children” – eine Depressive Black Metal-Band aus den Niederlanden). Ehrlich? Da werde ich schon aufgrund des Bandnamens depressiv!!! Nun – alle haben sie ihre Fans und damit ein Publikum, zu dem allerdings ich auch in Zukunft nicht gehören werde. Soll nicht heissen, dass sie schlechte Musik machen! Dies würde ich niemals in einem Bereich beurteilen, in dem ich mich nicht auskenne! Is aber nix für Vattern!!!
Hard Rock hingegen – YES! Dat is meen Jung! Was sagt eigentlich das Wörterbuch zum “Hard Rock”?

“Stilrichtung der Rockmusik, für die sehr einfache harmonische und rhythmische Struktur sowie extreme Lautstärke typisch sind!”
(Google)

Sodele – und das ist dann auch schon der glasklare Unterschied zum Metal: Harmonie und Rhythmus! Eine andere Definition lautet:

“Im klassischen Sinne ist Hardrock ein Sound, der durch schnelle oder/und harte Gitarrenklänge, die insbesondere durch verzerrte Verstärker betont wurden und treibende Rhythmen.”
(Lexikon der Musik)

Nun wird’s ein kleines bisschen schwieriger, wird doch im Lexikon der Musik etwas später auch das Schwermetall in’s Spiel gebracht – somit wäre also der Heavy Metal ebenfalls Bestandteil des Hard Rocks! Schon alleine aufgrund der Tatsache, daß die Gedanken frei sind, bleibe ich bei ersterer Definition. Im Lexikon der Musik steht übrigens auch, daß es umstritten ist, ob “Europe” zum Hard Rock gezählt werden. Aufgrund Ihrer Spätwerke wie dem 2017 erschienen Album “Walk the earth” sollte dieses Eingeständnis jedoch durchaus gemacht werden.
Fakt ist allerdings, dass viele Nicht-Rocker einige Hard Rock-Titel durchaus kennen, etwa:
“Smoke on the water” von Deep Purple
“Whole lotta love” von Led Zeppelin
“Highway to hell” von AC/DC
“Jump” von Van Halen
“Paradise city” von Guns n’Roses
Dann wird’s aber schon etwas diffiziler. So sind die beiden Songs “Number of the beast” von Iron Maiden und “Enter Sandman“ von Metallica ebenfalls vielen bekannt, die ansonsten mit dieser Musik über-haupt nichts am Hut haben. Meines Erachtens jedoch sind es Crossover-Titel zweier Bands, die per se eher dem Metal zuzuordnen sind, da sie ihren Gitarrenseiten ansonsten ganz andere Töne entlocken als ihre Kollegen aus dem harmonischeren Fach.
Um das alles etwas wissenschaftlicher zu machen: Der Hard Rock entwickelte sich in den auslaufenden 60er-Jahren aus dem Rock mit Einflüssen des Blues, des Beats, Rock’n'Roll und Psychedelic-Rock. Mit den einzelnen Stilrichtungen haben die Hard-Rocker meist nichts mehr zu tun – auch wenn Musiker wie David Coverdale, Gary Moore oder auch Jimmy Page bzw. Tico Torres durchaus gute Blues-Titel herausbrachten. Der Hard Rock baut vornehmlich auf dem 4/4-Takt auf, das Liedschema auf Strophe, Zwischenspiel, Refrain und Solo!
Der Heavy Metal entwickelte sich Ende der 70er-Jahre aus dem Hard Rock. Für die meisten Experten setzte die Band Black Sabbath den Anfang, obgleich sie noch zum Hard Rock zu zählen ist. Der Metal wird noch wesentlich härter und schneller gespielt. Auch hier gilt: Die meisten Metaler haben nichts mehr mit dem Hard Rock zu tun – bringen aber immer mal wieder tolle Balladen auf die Plattenteller, die stets beweisen, dass auch für sie Harmonie und Rhythmus keine Fremdwörter sind und sie durchaus mehr als die üblichen drei Akkorde spielen können. Beispiele? W.A.S.P., Cinderella, Skid Row oder Steelheart!
In der Musikformatierung der Radiostationen allerdings wird immer sehr genau nach Genres und Unter-Genres definiert. Special Interest-Stationen etwa gibt es im Metal Bereich sehr wenige. Zumeist sind es Internet-radios, die als Hobby betrieben werden. Kommerzielle Sender hingegen sind von ihrem Publikum abhängig. Sie machen Musik für den Mainstream. Schliesslich sind dies jene Hörer, die bei einer Befragung für etwa den österreichischen Radiotest oder der deutschen Media-Analyse die Quote bringen anhand derer auch die Aufteilung des Werbekuchens erfolgt. Die Special Interest-Hörer hingegen haben sich meist ihre eigenen Playlists zusammengestellt. Wird einer dieser befragt, so bringt er meist gar nichts für die Quote und somit den finanziellen Erfolg eines kommerziellen Senders. Hier liegt es deshalb im Fingerspitzengefühl des Musikformatierers abzuwägen, wie viele Mainstream-Zuhörer er verliert, wenn er einen Speed- oder Thrash-Titel einfügt und wie viele Special Interest-Hörer er im Gegenzug dazugewinnt. Doch diese Entscheidung beschränkt sich nicht nur auf den Rock. Nicht jeder Schlagerfan beispielsweise mag auch den Alpenländischen Schlager. Nicht jeder Klassik-Hörer freut sich über ein atonales Stück. Nicht jeder Oldie-Fan hört auch gerne den zumeist durch Drogeneinfluss entstandenen Psycho-delic aus den anfänglichen 70ern oder der Hitparaden-Junkie einen Black-Titel.
Es wird die Unterscheidung nach Untergruppen der Genres also auch in Zukunft weiterhin geben. Was dabei gut und was schlecht ist, wird auch künftig durch den Geschmack des einzelnen Zuhörers seine Daseins-berechtigung erfahren. Und Geschmäcker sind nun mal unterschiedlich! Gottlob!!! Allerdings: Wenn irgendwo Metal oder Hard Rock draufsteht, sollte das auch wirklich drinnen sein! Ansonsten entstehen unnötige Konflikte!!! Die Schweizer “Krokus” etwa zählen ähnlich wie AC/DC, Rainbow oder Kiss zur zweiten Phase des Hard Rocks (1979 bis zirka 1985) – nicht zum Metal! Nicht jeder Schwermetaller mag dieses “Kinderzeugs”!

Lesetipps:

.) Rock & Metal: Die Chronik des Krachs; Frank Thießies/Tom Küppers; Heel 2011
.) Höllen-Lärm – Die komplette, schonungslose, einzigartige Geschichte des Heavy Metal; Ian Christe; Hannibal Verlag 2013
.) 111 Gründe, Heavy Metal zu lieben – Erweiterte Neuausgabe: Ein Kniefall vor der härtesten Musik der Welt; Frank Schäfer; Schwarzkopf & Schwarzkopf 2011
.) Das Phänomen Heavy Metal:: Ein Szene-Porträt; Christoph Lücker; Nicole Schmenk 2011
.) Metal Antholögy: Ansichten und Meinungen eines Schwermetall-süchtigen; Frank Schäfer; Schwarzkopf & Schwarzkopf 2014
.) Die Wahrheit über Heavy Metal; Hrsg.: Andreas Reiffer; A. Reiffer 2015
.) Happy Metal: Hart aber herzlich; Till Burgwächter (Autor)/Miguel Fernandez (Autor, Illustrator); Lappan 2015
.) Kumpels in Kutten 2: Heavy Metal im Ruhrgebiet; Holger Schmenk/Andreas Schiffmann; Nicole Schmenk 2017
.) Heavy Metal Studies: Bd.1. Lyrics und Intertextualität; Hrsg.: Roman Bartosch; Nicole Schmenk 2011
.) Choosing Death: Die unglaubliche Geschichte von Death Metal und Grindcore geht weiter…; Albert Mudrian; I.P. 2016
.) Roots, Karma, Chaos – Mein Leben mit Sepultura und Soulfly: Die offizielle Autobiographie von Max Cavalera; Max Cavalera; I.P. 2015

Links:

- www.wacken.com/de
- www.lexikon-der-musik.de
- www.britannica.com
- www.metal-archives.com
- breakoutmagazin.de
- www.metal-hammer.de
- www.heavymetal.com
- www.stormbringer.at

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Simbabwe – Land ohne Hoffnung

“… Karikatur eines afrikanischen Diktators!”
(Der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu über Robert Mugabe)

In der Serie der Armenhäuser auf unserem Planeten, die ich mit Venezuela eröffnet habe, möchte ich heute ein weiteres Beispiel vor-stellen. Ein Land, aus dem sehr viel hätte gemacht werden können, schliesslich erlangte es erst im Jahr 1980 seine Unabhängigkeit von Grossbritannien und verfügt über große Goldvorkommen: Simbabwe.
Am 30. Juli fanden die letzten Wahlen statt – als das Ergebnis am 02. August bekannt gegeben wurde, gingen tausende Menschen auf die Strasse. Polizei und Militär kamen zum Einsatz, konnten der Lage aber nicht mehr Herr werden – es fielen Schüsse. Demonstrierende Regierungsgegner sackten getroffen in sich zusammen, viele anderen schrieen verletzt um Hilfe. Inzwischen haben sowohl das deutsche Auswärtige Amt als auch das österreichische Außenministerium Sicher-heitshinweise ausgesprochen, wonach v.a. in der Hauptstadt Harare Menschenansammlungen gemieden und vor der Einreise unbedingt eine Reiseregistrierung im Ministerium veranlasst werden soll. Das Land droht zu kippen und im Bürgerkrieg unterzugehen, sollte sich die Lage nicht beruhigen. Wie aber kam es nun dazu?
Simbabwe ist etwa so gross wie Deutschland und Belgien zusammen, bewohnt wird es von rund 16,15 Millionen Menschen. Es grenzt an Südafrika, Botswana, Sambia und Mosambik. Der Name leitet sich vom Great Zimbabwe, einer vorkolonialen Ruinenstätte aus Steinhäusern ab, die etwa zur Zeit des europäischen Mittelalters erschaffen wurde. Am 02. März 1970 rief das bisherige Gouvernement Südrhodesien die Republik aus, gehörte aber bis zum 18. April 1980 weiterhin als Kronkolonie zum Vereinigten Königreich. Harare ist mit 1,46 Mio Einwohnern die mit Abstand grösste Stadt des Landes. Das Klima ist subtropisch/tropisch – die Regenzeit dauert von November bis März. Mit rund 1.000 mm/qm fallen in diesen Monaten rund 90 % der Jahresregenmenge.
Die Bevölkerung setzt sich vornehmlich aus den Shona (70 %), den Ndebele (13 %) und den Chewa (6 %) zusammen. Während der Kolonialzeit kamen sehr viele weiße Farmer und Händler in’s Land (rund 5 % der Bevölkerung). Diese bewirtschafteten die fruchtbarsten Regionen des Landes, der einheimischen Bevölkerung blieb nur der zumeist dürre Rest. Mit der Unabhängigkeit allerdings begann die Abwanderung dieser Bevölkerungsschicht, die sowohl das wirtschaftliche, als auch soziale und politische Leben im Land ganz massgeblich geprägt hatte.
Die Kolonialherren bereiteten das Land eigentlich recht gut auf seine Unabhängigkeit vor. So trat am 21. Dezember 1979 das “Lancaster House Agreement” als Übergangsmassnahme in Kraft. Die parlamentarische Republik wurde alsdann geführt vom Präsidenten Canaan Banana, die Regierung von Robert Mugabe, einem Lehrer und späteren Widerstands-kämpfer gegen die Kolonialherrschaft, der in der Bevölkerung einen ausgezeichneten Ruf genoss. Er war es auch, der federführend an den Verhandlungen zur Unabhängigkeit des Landes in London beigetragen hatte. Das House of Assembly stellte die Abgeordnetenkammer dar, die alsdann die Mitglieder des Senates wählten, dem zudem die Stammes-häuptlinge angehörten. Simbabwe galt lange Zeit als Vorzeigebeispiel für eine gut gelungene, junge afrikanische Republik. Allerdings dürfte einer der Fehler der Kolonialherren ausschlaggebend für die Zukunft des Landes gewesen sein: Die einheimische Bevölkerung durfte sich erst ab 1978 aktiv politisch beteiligen. zuvor war sie quasi stimmlos. Das nutzte der christlich-maoistische Regierungschef Mugabe skrupellos aus. Sehr rasch kehrte er dem sozialistisch geprägten Stil den Rücken, er regierte zunehmend autokratischer und wandelte das Land in einen Einparteien-staat und schliesslich eine Präsidialrepublik um. Nachdem Staatspräsident Canaan Banana wegen angeblicher Homosexualität verurteilt wurde und nach Südafrika flüchten musste, schaffte Mugabe den Posten des Premierministers ab – er war nun zugleich Staatsoberhaupt und Regierungschef.
Hinzu kam in den 80ern eine AIDS-Epidemie mit der weltweit höchsten HIV-Ansteckungsquote. Seit Mitte der 90er-Jahre allerdings sinkt gottlob die Zahl wieder. Ausserdem wanderten rund 3 Millionen Menschen illegal nach Südafrika aus. Das Land bewegte sich immer mehr zum Abgrund hin. Die Arbeitslosigkeit avanzierte zunehmend zum Problem, es tobte der Hunger, Energie wurde knapp. Mugabe regierte bis 2017 diktatorisch mit Hilfe des Militärs, der Polizei und seines Geheimdienstes. In den Jahren 2006 und 2009 belegte das Land in der Zufriedenheitsliste, dem “Happy Planet Index” der New Economics Foundation, von 188 Staaten der Erde jeweils nur den letzten, anno 2016 den 155. Platz.
Mugabe erstellte zu Beginn einige recht sinnvolle Regierungsprogramme: So förderte er die Kleinbauern, baute ein Gesundheitssystem auf und stärkte die Bildung. Die Kindersterblichkeit aufgrund von Unterernährung ging zurück, die allgemeine Lebenserwartung stieg. Mit dem 1991 ein-geführten “Strukturanpassungsprogramm” allerdings wurde der Karren immer mehr in den Schlamm gefahren. Mugabe erwartete sich dadurch mehr ausländische Investoren. Die kamen auch – allerdings hatte die Bevölkerung nichts davon – sie konnte sich dem neuen Markt nicht anpassen. Die öffentlichen Zuwendungen aus den Regierungs-programmen gingen zudem zurück. Die Folge: Die Wirtschaft stagnierte – die Arbeitslosigkeit nahm erneut zu. Im Jahr 2000 lehnte das Volk eine von Mugabe geforderte Verfassungsreform ab. Er und seine Partei-schergen von der ZANU-PF sahen ihre Felle davonschwimmen – Militär und Polizei wurden zusehends mehr gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt, vor allem jedoch gegen die Opposition, Organisationen und Gruppierungen, die der Regierungspartei gefährlich werden konnten. Im Jahr 2000 enteignete die Regierung durch die Landreform die weißen Farmer grossteils gewaltsam. Deren Ländereien sollten offiziell an Kleinbauern gehen – inoffiziell wurden die rund 11 Millionen Herktar unter Parteimitglieder und Freunden Mugabes aufgeteilt. Da die meisten Farmer zuvor ihre Höfe, die Gerätschaften, Bewässerungsanlagen und die Ernte vernichtet hatten, war das Land plötzlich auf Lebensmittelimporte angewiesen. Ein Land, das zuvor als die “Kornkammer Afrikas” bezeichnet wurde. Die EU belegte aufgrund dessen den Staatspräsidenten mit einem Einreiseverbot – er durfte nurmehr an Veranstaltungen der Vereinten Nationen und des Vatikans teilnehmen. Im Jahre 2002 wurde die Mitgliedschaft des Landes im Commonwealth suspendiert – im Jahr danach folgte der Ausschluss. Mugabe bezeichnete unterdessen die Mitglieder der britischen Labour-Party als “gay gangsters”! Viele der enteigneten Farmer übrigens flüchteten in das ehemalige Nord-Rhodesien (Sambia) und bauten dort erneut erfolgreiche Farmen auf.
Im Mai/Juni 2005 ging die Regierung im Rahmen der “Operation Murambatsvina” („Müllbeseitigung“) gegen den Schwarzmarkt vor. Die Massnahmen betrafen nicht weniger als 750.000 Menschen – ihre Behausungen wurden komplett zerstört. Beobachter sprechen allerdings in diesem Zusammenhang von einem gezielten Vorgehen gegen Oppositionelle.
Politisch regierte Mugabe inzwischen ganz offiziell als Diktator – Kritiker liess er ermorden. Von einem Rechtsstaat konnte keine Rede mehr sein. Zwar gab es auch weiterhin Wahlen, allerdings monierten die wenigen zugelassenen Wahlbeobachter grossflächige Beeinflussung und Mani-pulation. Mugabe stellte such auch im Jahre 2008 inzwischen als 84-jähriger erneut dem Wahlvolk. Allerdings hatte er erheblichen Gegenwind. So kandidierte sein ehemaliger Finanzminister Simba Makoni mit der Unterstützung einiger anderer wichtiger Mitglieder der ZANU-PF, aber auch Morgan Tsvangirai von der Oppositionspartei MDC gegen ihn. Erste Hochrechnungen vom 2. April sprachen vom Sieg und der absoluten Mehrheit des Oppositionskandidaten Tsvangirai – offiziell schliesslich waren es 47,9 %, Mugabe kam auf 43,2 %. Eine Stichwahl war notwendig. Tsvangirai aber zog seine Kandidatur nach offenbar massiver Gewalt gegen MDC-Parteimitglieder zurück. Er selbst flüchtete aus Angst vor Repressalien der Regierungstruppen in die niederländische Botschaft. Nach der Vermittlung des südafrikanischen Staatspräsidenten Thabo Mbeki wurde zwischen den beiden verfeindeten Fronten eine Macht-teilung vereinbart.
2008 suchte die Cholera Simbabwe heim – sie forderte mehrere tausend Todesopfer. Der Ausnahmezustand wurde ausgerufen. Das nutzten offenbar die Sicherheitskräfte, Kriegsveteranen und Angehörige der Afri-kanischen Nationalunion aus – sie wüteten blutigst in der Bevölkerung. Inzwischen bot Mugabe seine Kooperaton an, sofern die internationalen Sanktionen gegen das Land aufgehoben würden. Am 11. Februar 2009 wurde Tsvangirai als Ministerpräsident vereidigt. Wenn auch die Wirt-schaft nicht sofort darauf reagierte, so nahm doch zumindest die Gewalt im Lande ab. Im März 2013 stimmte das Wahlvolk für einen gemeinsam ausgearbeiteten Verfassungsentwurf. Bei der darauffolgenden Wahl am 31. Juli 2013 – erneut überschattet von vielen Vorwürfen über Unregel-mässigkeiten – rief sich Mugabe mit angeblich 61 % der Stimmen als Sieger aus. Und weiter ging’s mit der Korruption. Das konnte am ehesten an der Goldförderung bemerkt werden. Wurden im Jahr 2004 noch offiziell 17 Tonnen gefördert, so waren es 2013 nurmehr offizielle 900 kg. Auch im Diamantenhandel verdienten Mugabe, seine Familie und Regierungsfreunde Millionen.
Während sein Volk hungerte, feierte der Diktator rauschende Feste. So soll zum 86. Geburtstag des Ditkators Champagner geflossen und Kaviar in rauhen Mengen aufgetischt worden sein. Kosten: Rund 500.000 Dollar! Seinen 93. Geburtstag feierte Mugabe ebenfalls in ganz kleinem Rahmen. Kosten: Rund 1,9 Mio Euro!!!
Dem Diktator wurden alle jemals verliehenen Ehrentitel aberkannt, am 25. Juni 2008 entzog ihm Königin Elisabeth II. auch die Ritterwürde – 1994 hatte sie ihn zum Knight Grand Cross des Order of the Bath geschlagen.

“Der einzige weiße Mann, dem man trauen kann, ist ein toter weißer Mann!”
(Robert Mugabe)

Am 15 November 2017 schliesslich putschte das Militär unblutig – Mugabe trat sechs Tage später zurück um dadurch einem Amtsent-hebungsverfahren vorauszueilen, das bereits in beiden Kammern des Parlaments gestartet worden war. Als neuer Präsident wurde Mugabes ehemaliger persönlicher und Parteifreund, der 74-jährige Emmerson Mnangagwa eingesetzt. Mit ihm teilte sich der Diktator während seiner Haft in den 60ern/70ern eine Zelle. Seit 1980 war Mnangagwa bis 2013 Minister in den unterschiedlichsten Ressorts, von 2014 bis zum Sturz Mugabes Vizepräsident. Er genoss also durchaus das Wohlwollen des Diktators und hat sicherlich vieles zu dessen Selbstverwirklichung beigetragen. Etwa als Staatssicherheitsminister und somit Geheim-dienstchef in den 80er-Jahren. Die Spitznamen, “Garwe” bzw. “Ngwena” (beides bedeutet “Krokodil”), die er sich im Guerillakrieg in Rhodesien wegen seiner Skrupellosigkeit erworben hatte, trägt er sicherlich zu recht. Im Jahre 1998 war er u.a. an der “Operation Sovereign Legitimacy” (Osleg) beteiligt. Dabei räumten seine Schergen während des 2. Kongokrieges, in dem Simbabwe offiziell die Regierung der Demokratischen Republik Kongo unterstützte, Diamantenminen in der Provinz Kasaï im Kongo leer. Schon 2002 empfahl eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen Sanktionen gegen Mnangagwa. Am 6. November, also neun Tage vor dem Militärputsch, wurde er durch Mugabe entlassen und musste gar wegen Landesverrates das Land verlassen, da er sich mit der Frau Mugabes überworfen hatte. Nachdem er aus dem Exil viele Arbeitsplätze und eine “neue Demokratie” versprochen hatte, holte ihn das Militär zurück und machte ihn am 22. November zum neuen Machthaber. In all den Jahren soll er sich ein recht erquickliches Vermögen angehäuft haben – dem armen Volk versprach er hingegen den Kampf gegen die Korruption.
Vieles hat sich seit dem Sturz des Diktators nicht gebessert. Beobachter sprechen nach wie vor von einem nur “teilweise freien politischen System”. Schon im Jahr 2000 hatte der heutige Machthaber in seinem Wahlkreis Kwekwe Central gegen den Oppositionsführer verloren, Mugabe erklärte ihn aber trotzdem zum Abgeordneten. Auch bei den Wahlen Ende Juli wurden seinem Mitbeweber, dem Pastor, Rechtsanwalt und Oppositionsführer Nelson Chamisa, durchaus gute Chancen voraus-gesagt. Dennoch sprach die Wahlkommission ZEC von einem Wahlerfolg des bisherigen Präsidenten mit 50,8 % der abgegebenen Stimmen, sein Kontrahent erhielt 44,3 %. Dasselbe Bild auch im Abgeordnetenhaus: 140 von 210 Sitzen gehen an die Regierungspartei- dubioserweise genau eine Zweidrittelmehrheit. Erstmals waren wieder neutrale Wahlbeobachter zugelassen. Die Vertreter der EU betonen, es gäbe “positive Merkmale” aber auch “ernsthafte Bedenken”, jene der Afrikanischen Union und des südafrikanischen Staatenbundes SADC bezeichnen die Wahlen als “friedlich” und “ordentlich”. Die oppositionelle MDC spricht von massivem Wahlbetrug. Dies veranlasste tausende Menschen zu Protestkund-gebungen. Armee und Polizei gingen mit aller Härte vor – man werde keine weiteren Proteste zulassen, hiess es vonseiten der Regierung. Nach offizieller Meldung gab es sechs Tote. Der Leiter der EU-Wahlbeobachter, Elmar Brok, meint, dass absichtlich eskalierend eingegriffen wurde um den Widerstand zu unterdrücken. Die Parteizentrale der Opposition wurde durch die Polizei gestürmt.
Nun scheint das Land erneut dort angelangt zu sein, wo es einst war. Der Westen lehnt aufgrund der destabilen Lage wirtschaftliche Beziehungen ab – nur Südafrika ist als Nachbarland und aufgrund der vielen Millionen an Flüchtlingen an einer friedlichen Lösung interessiert. 1997 zählte Simbabwe zu den wirtschaftlich stärksten Staaten des Kontinents – seit 2015 weist es eine schwächere Wirtschaftsleistung als all seine Nachbarländer auf (900 Dollar pro Kopf). Einige Wirtschaftsbereiche liegen komplett brach. Noch vor drei Jahren waren 44,7 % der Bevölkerung unterernährt. Aufgrund einer Hyperinflation anno 2008 (90 Trilliarden Prozent) wurde ein Multiwährungssystem (US-Dollar, südafrikanischer Rand, britisches Pfund und chinesischer Yuan) eingeführt. Nach wie vor gehört die Korruption zur Tagesordnung. Selbstverständlich geht es auch nach wie vor um den Kampf der Stämme. Im Jahr 1837 wurden viele bislang von den Shona regierte Staaten von den Ndebele unterworfen, die von Südafrika aus kommend nach Norden wanderten. Heute stellen die Shona den Grossteil der Bevölkerung. Sowohl Mugabe als auch sein Nachfolger gehören diesem Volksstamm an. Unter Mnangagwa wurde in den 80ern die Gukurahundi-Operation durchgeführt, in deren Rahmen rund 20.000 Oppositionelle zu Tode kamen – ein Grossteil davon waren Ndebele. Die Religion übrigens spielt keine grosse politische Rolle, sind doch rund 95 % Christen und weniger als ein Prozent Muslime.
Der diesjährige Gegenkandiat Nelson Chamisa engagierte sich schon während seiner Studentenzeit politisch. Im Jahr 2007 wurde er auf dem Weg zu einer Konferenz in Europa von zwei Staatssicherheitsagenten brutalst am Flughafen zusammengeschlagen. Er erlitt dabei einen Schädelbruch. Zwei Jahre später holte ihn Morgan Tsvangirai in die bis 2013 parteiübergreifende Regierung mit Mugabe. Der Reformer ist v.a. in der jungen und arbeitslosen Bevölkerung sehr beliebt.

Lesetipps:

.) Mugabe: Ein afrikanischer Tyrann; Christoph Marx; Beck 2017
.) A Predictable Tragedy. Robert Mugabe and the Collapse of Zimbabwe, Daniel Compagnon; University of Pennsylvania Press 2010
.) Robert Mugabe: A Life of Power and Violence; Stephen Chan; London 2003
.) Zimbabwe at the Crossroads; Jacob Wilson Chikuhwa; AuthorHouse 2006
.) Zimbabwe. The Political Economy of Decline; Suzanne Dansereau/Mario Zamponi/Henning Melber; Nordiska Afrikainstitutet 2005
.) A Crisis of Governance. Zimbabwe; Jacob Chikuhwa; Algora Publishing 2004
.) Zimbabwe. The Past is the Future. Rethinking Land, State and Nation in the Context of Crisis; David Harold-Barry; Weaver Press 2004
.) Mugabe. Power, plunder, and the struggle for Zimbabwe; Martin Meredith; Public Affairs 2007
.) Zimbabwe. The Rise to Nationhood; Jacob W. Chikuhwa; AuthorHouse 2006

Links:

- www.parlzim.gov.zw
- www.zim.gov.zw
- www.zimfa.gov.zw
- www.zanupf.org.zw
- www.mdc.co.zw
- www.wfp.org
- www.unicef.org
- hdr.undp.org
- www.auswaertiges-amt.de
- www.bmeia.gv.at
- www.helpline-eda.ch
- www.misa.org
- www.eisa.org.za
- www.newzimbabwe.com
- www.chronicle.co.zw
- zimnews.net
- theafricareport.com

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Erlebt die europäische Wirtschaft in China ihren Sonnenuntergang?

Ende Juli erregte eine Schlagzeile meine Aufmerksamkeit:

Chinesen blitzen bei deutschem Stromanbieter ab!

Ein sehr ernstes Thema, das offenbar nur durch die Bundesregierung hat gelöst werden können.
Das chinesische Staatsunternehmen State Grid Corporation of China (SGCC) hatte sich für Geschäftsanteile des Stromanbieters 50Hertz interessiert. Ein entsprechender Vertrag mit dem bisherigen Anteile-Eigentümer soll auch bereits unterzeicnnet worden sein. In letzter Minute sprang der Bund über die KfW-Staatsbank ein und kaufte selbst die Anteile auf. Diese 20 % waren zuvor in der Hand des australischen Infra-strukturunternehmens IFM. Der belgische Mehrheitsaktionär, der Netz-betreiber Elia, hatte ein Vorkaufsrecht, auf das er zugunsten des Bundes verzichtete. Die Chinesen hatten nicht weniger als eine Milliarde Euro geboten. In Berlin war ein erleichtertes Aufatmen zu vernehmen, da es sich bei der Stromversorgung um einen mehr als heiklen Bereich (sensible Netzinfrastruktur) handelt. 50Hz nennt rund 10.000 km Stromnetz sein eigen, über die auch der wichtige Strom aus den Windparks in der Ostsee weitergegeben wird und versorgt damit im deutschen Norden und Osten zirka 18 Millionen Kunden. Stellt sich die Frage, weshalb überhaupt Auslandsbeteiligungen in solchen Geschäftsbereichen ermöglicht werden. Der Bund kann bislang erst ab einem Anteil von 25 % bei sicherheits-relevanten Sektoren eingreifen (Transparenzauflagen”)! Welch ein Humbug!

“Es ist dringend notwendig, dass wir noch in diesem Jahr EU-weit ein schärferes gesetzliches Instrument an die Hand bekommen, um Übernahme-Fantasien sowie Technologie- und Know-how-Abfluss wirksam entgegenzutreten!”
(Matthias Machnig, Staatssekretär im deutschen Bundeswirtschafts-ministerium)

Das interessierte mich natürlich Also begann ich mit ersten Recherchen und stiess auf wirklich Unglaubliches. Nicht dass eine derartige Beteiligung in anderen Wirtschaftsbereichen durchaus unternehmerisch wertvoll sein und viele Weiterentwicklungsmöglichkeiten bieten könnte. Doch drängt China massiv auch in umstrittene Bereiche des täglichen Lebens in Europa vor. Denn dieser Einstiegsversuch war nicht der erste aus dem Land der Mitte in mehr als heikle Gebiete der Versorgung innerhalb der Infrastruktur!

https://www.youtube.com/watch?v=6dd-URONofw

In der Automobilindustrie werden inzwischen viele deutsche Vorzeige-marken von chinesischen Firmen beliefert – mit durchaus positiven Erfahrungen, wie es vonseiten eines jener Experten heisst, auf dem man gerne in dieser Branche hört: Ferdinand Dudenhöfer von der Universität Duisburg-Essen. So entwickelte sich der Zulieferer von Schlüssel- und Schlosssystemen, das Unternehmen Kiekert aus Heiligenhaus, nach der Übernahme durch den chinesischen Autozulieferer Lingyun im Jahr 2012 prächtig.
Im selben Jahr wurden zwei deutsche Betonpumpenhersteller erworben: Die Schwing-Gruppe ging an die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) und Marktführer Putzmeister bereits zuvor an Sany. Über den Kaufpreis wurde jeweils Stillschweigen vereinbart. Damit wechselte die Weltmarktführung in diesem Bereich von Deutschland nach China. Das war damals auch die Strategie der Stunde: Die Chinesen haben zwar die Hersteller, aber keine Marken, die sie globalisieren können. Doch hat sich diese Investitionsstrategie inzwischen geändert.
Das Unternehmen Boge Rubber & Plastics (gegründet 1931 in Bad Godesberg) hat sich auf den Fachbereich der Schwingungstechnik und der Produktion von Leichtbaukomponenten für die Automobilindustrie konzentriert. 4.200 Mitarbeiter an Standorten in Deutschland, Frankreich, der Slowakei, den USA, Brasilien, Mexiko, Australien und China (Angaben lt. Firmen-Homepage) produzieren beispielsweise Kunststoff-Pedale für Automotoren, die eine Gewichtsersparnis bei Fahrzeugen ermöglichen. Erforscht wird dort derzeit die Einführung von Kolbenbehältern aus Kunststoff. Neben der Gewichtseinsparung könnte auch der Treibstoff-verbrauch dadurch minimiert werden. All das geschieht mit Millionen von Dollar aus China.
1906 erschien erstmals durch ein Patent der Deutschen Gasglüh-lichtanstalt in Berlin das Warenzeichen “Osram” auf dem Markt. Der daraus entstandene Betrieb arbeitete sich im Produktionszweig der Leuchtenherstellung zu einem der Global Leader hinauf. 2016 wurde dieses traditionelle Lampengeschäft als Ledvance GmbH mit rund einem Drittel der Belegschaft ausgegliedert. Nur wenige Tage später kam die Übernahme durch ein chinesisches Investment-Konsortium an die Öffentlichkeit, bestehend aus dem strategischen Investor IDG Capital, dem LED-Unternehmen MLS Co. Ltd. und dem Yiwu State-Owned Assets Operation Center. Die Chinesen zahlten zirka 500 Millionen Euro dafür. Allerdings erwies sich der Kauf als Fehlgriff – die Standorte in Augsburg und Berlin werden noch in diesem Jahr komplett geschlossen – das Unternehmen war wohl bereits während der Osram-Zugehörigkeit nicht zu halten. Dennoch – strategisch war der Kauf gut, schliesslich hätte der europäische Markt hierdurch mit LEDs Made in China überflutet werden können.
Eine Übernahme, die auch den Industriestandort Deutschland negativ beeinflussen könnte, geschah 2016. Der Augsburger Roboter-Bauer, die Kuka AG, wurde vom chinesischen Haushaltsgerätehersteller Midea übernommen. Die Robotik-Anlagen der Schwaben sind industrie-strategisch enorm wichtig. Die Chinesen haben 2017 viel Geld in den Betrieb gesteckt – der Umsatz stieg auf ein Rekordhoch – wenn auch noch nicht gleich der Gewinn. Im vergangenen Jahr konnte dennoch ein Gewinn von nahezu 103 Mio € vor Steuern und Zinsen erwirtschaftet werden – beim gleichzeitigen Rekordumsatz von 3,5 Milliarden (+18 % gegenüber 2016). Die Auftragsbücher sind voll. Nun soll mit dem Eigentümer ein Joint Venture an dessen Betriebsstandort in Shunde/Südchina in die Wege geleitet werden. Kuka wurde 1898 als Maschinenfabrik Keller & Knappich gegründet. Das Unternehmen war nach dem Zweiten Weltkrieg zudem in der Rüstungsindustrie vertreten, die KUKA-Wehrtechnik GmbH wurde allerdings 1999 an die Rheinmetall verkauft. 1973 erfolgte der Einstieg in die Roboterproduktion. Die Chinesen steckten mehr als 4,6 Milliarden € in den Kauf der Mehrheitsanteile – sukzessive wurden auch fast alle anderen Anteile aufgekauft.
ista erblickte als ISTA Haustechnik im Jahre 1978 in Österreich das Licht der Welt. Raab (später Raab Karcher) übernahm 1994 den Betrieb und expandierte als Raab Karcher Energy Services schon sehr bald in Europa, Asien und Nordamerika. Nach verschiedenen weiteren Fusionen und Expansionen avancierte ista, inzwischen mit Sitz in Essen, zum Weltmarktführer für Energiedienstleistungen. 2017 übernahm die Cheung Kong Property Holding das Unternehmen für 6,7 Mrd. Dollar.
Aktuell wird v.a. die chinesische Beteiligung am Autozulieferer Grammer AG diskutiert. Nach Angaben auf der Firmen-Homepage wollte die Jiye Auto Parts GmbH zuerst 50 % plus 1 Aktie des Unternehmens erwerben. Nachdem es jedoch offenbar erheblichen Gegenwind gegeben hatte, gingen die Chinesen auf 36 % plus 1 Aktie herunter (Stand: 30.07.2018). Zuletzt hiess es, dass 19 % der Grammer-Aktionäre ihre Anteile zum Tausch angeboten haben – damit würden die chinesischen Investoren mit den bereits erworbenen 26 % über weitaus mehr als die Mindestschwelle verfügen. Das Unternehmen aus Amberg ist spezialisiert auf Kompo-nenten und Systeme für die Auto-Innenausstattung im Premium-Bereich. Bleibt die Frage, wann China den Import von deutschen Autos sperrt, da sie alle Teile inzwischen selbst herstellen können.
Die Deutschen haben den Ruf, fleissig und verlässlich zu sein, weniger zu streiken und besseres Englisch als die Asiaten sprechen zu können. Vorteile, die auf dem globalen Markt enorm weiterhelfen können. Dennoch – die bisher erwähnten Übernahmen (mit Ausnahme von KUKA) sind nur Peanuts im Internationalen Vergleich:
.) Syngenta-Übernahme durch die ChemChina (95 %)
Pflanzenschutz, Saatgut
40,9 Mrd. Euro
.) Logicor Europe-Übernahme durch die China Investment Corp. (100 % – 10 % wurden durch den bisherigen Eigentümer Blackstone wieder zurückgekauft)
Logistik (u.a. für den Kunden Amazon)
12,25 Mrd. Euro
.) Rio Tinto-Übernahme durch die Aluminium Corp. of China (12 %)
Weltweit führender Alumnium-Produzent
9,6 Mrd. Euro
.) Pirelli-Übernahme durch die ChemChina (12 % nach einer vollständigen Übernahme 2015)
Reifenherstellung
8,3 Mrd. Euro
.) Supercell-Übernahme durch Tencent Holdings (84 %)
Spieleentwickler
7,6 Mrd. Euro
.) Addax Petroleum-Übernahme durch die China Petrochemical (100 %)
Öl- und Gasproduzent
6,5 Mrd. Euro
.) Global Switch Hold.-Übernahme durch Jiangsu Shagang (49 %)
Rechenzentrumsleistungen
2,9 Mrd. Euro
.) Awilco Offshore-Übernahme durch die China Nat. Offshore Oil (100 %)
Öl-Plattformen-Betreiber
2,8 Mrd. Euro
.) Volvo-Übernahme durch die Zhejiang Geely (8 %)
Auto- & LKW-Hersteller
2,7 Mrd. Euro
.) Energias de Portugal-Übernahme durch die China Three Gorges (21 %)
Energieversorger (wertvollstes Unternehmen Portugals 2015)
2,7 Mrd. Euro
Und es geht noch weiter: Mit knapp 10 % bei Daimler ist der chinesische Mulitmilliardär und Besitzer des Autokonzerns Geely, Li Shufu, der grösste private Einzelaktionär bei den Stuttgarter Autobauern! Damit ist er durch einen Vertreter im Aufsichtsrat des Konzerns stets über die Strategie des Unternehmens auf dem aktuellen Stand! Preis: 7,3 Milliarden Euro!

https://www.youtube.com/watch?v=Uu93CmxEDcY

Nicht immer geht es um das schnelle Geld aus der laufenden Dividende – inzwischen sind Know-How und Patente wesentlich bedeutender. So würde beispielsweise ein Motor mit Kunststoff-Kolbenbehältern die internationale Autoindustrie revolutionieren. Wurde in früheren Zeiten eine neue Entwicklung kopiert, so setzen inzwischen die Investoren direkt an der Quelle an. Und diese finden sie in den deutschen Bundesländern mit den meisten “Hidden Champions” – den geheimen Weltmarktführern: Baden-Württemberg (23 Prozent der chinesischen Gesamtinvestitionen in Deutschland), Nordrhein-Westfalen (20 Prozent) und Bayern (16 Prozent). In Bayern etwa werden bereits rund 300 chinesische Unternehmen vermutet, darunter auch Linde Hydraulics und Kraus Maffei! Vornehmlich vom Investoren-Shopping betroffen sind die Branchen Beförderung (energiesparende Alternativantriebe 21 %), Energie (Produktion und Speicherung 19 %), Gesundheit (Biomedizin 16 %) sowie Industrie (computergestützte Produktion 15 %). Nicht umsonst sprechen Experten indes vom “Ausverkauf am Technologiemarkt”. Und der Schildbürger-streich dabei: Europa freut sich über chinesische Milliarden und gewährt den Investoren freien Zugang zum Markt – China hingegen hat den Eintritt ausländischer Investoren in strategische Industrien untersagt, wie es eine kürzlich präsentierte Studie der Bertelsmann-Stiftung auf den Punkt bringt. Ein Fall “Kuka” hätte es demnach in China nicht gegeben! Deshalb überlegt sich inzwischen auch Berlin ein engeres Veto-Recht für den Verkauf von Geschäftsanteilen an nicht-europäische Interessenten – zum Schutz der Nationalen Sicherheit und Ordnung.
Zudem ist im Reich der Mitte eine Zwangs-Verstaatlichung von Unternehmen ohne weiteres möglich, während dies hierzulande mit enormen Problemen behaftet ist. Europa lebt damit, schliesslich ist ein Markt mit mehr als einer Milliarde Menschen zu verlockend! Bestes Beispiel ist die derzeit dort boomende deutsche Autoindustrie.
Auch an Österreich geht diese Emtwicklung nicht vorbei. Die Einkäufe im Jahr 2017:
.) Tele2-Übernahme durch Hutchison Drei aus Hongkong (100 %)
Telekommunikation
111 Millionen Dollar
.) C-Quadrat-Übernahme durch HNA (74,8 % an Cubic – Cubic hält 98 % an C-Quadrat)
Fonds & Investments
Obwohl HNA hochverschuldet ist, erhielt der Konzern dadurch Zugriff auf Anteile an der Deutschen Bank (zirka 8,8 %)
Keine Angaben zum Kaufpreis
.) GREENoneTEC-Beteiligung durch die Haier Group (51 %)
Weltmarktführer bei Solar-Flachkollektoren
Stillschweigen zum Kaufpreis
.) Diamond-Aircraft-Übernahme durch die Wanfeng Aviation Industry Corporation
Kolbenmotorflugzeugproduktion
Keine Angaben zum Kaufpreis
.) M&R Automation-Übernahme durch die PIA Automation Holding (Ningbo Joyson Electronic)
Automation
Stillschweigen zum Kaufpreis
China ist inzwischen der sechstgrösste ausländische Investor im Alpenstaat. Ebenso wie ihre deutschen Kollegen erwarten sich auch die Österreicher durch eine Beteiligung von chinesischem Geld einen leichteren Eintritt in die grösste Volkswirtschaft der Welt.
Mit der Strategie “Made in China 2025″ will Peking bis zum Jahr 2025 mit erheblichen Zuwendungen der Regierung nahezu unabhängig vom Hochtechnologie-Westen sein und selbst in vielen Bereichen Weltmarkt-führer vorweisen. In den letzten vier Jahren erfolgten zwei Drittel der Beteiligungen und Übernahmen im Interesse dieser staatlichen Strategie. Zwischen 2014 und 2017 wurden alleine in deutschen Landen nicht weniger als 175 Unternehmen übernommen. 112 davon entsprechen dieser “Made in China 2025″. Alleine im Jahr 2017 gaben chinesische Investoren 11 Milliarden Euro bei ihren Shopping-Touren in Deutschland aus – 47 Milliarden Euro sollen es europaweit gewesen sein – bei 247 Akquisitionen (Angaben: Ernst & Young). Sollte der bislang beschrittene Weg auch weiterhin eingehalten werden, so erscheint die Position der industriellen Supermacht zum 100-jährigen Bestandsjübiläum der Volks-republik im Jahr 2049 als durchaus realistisch. Derartiger staatlicher Goodwill ist jedoch zumindest in Europa nicht machbar, da es zu einer Wettbewerbsverzerrung am Markt führt und andere Anbieter zurecht dagegen vorgehen können. Damit sind Handelsbeziehungen zu China auf Augenhöhe auch in Zukunft auszuschliessen. Seit 2014 wird zwischen der EU und China ein Investitionsabkommen verhandelt. Sollte es jemals dazu kommen, dann wohl zum Schaden der EU.
Inzwischen warnen auch die Arbeitnehmer-Vertretungen, wie die IG Metall. Schliesslich geht es um heimische Arbeitsposten, auch wenn die vielen chinesischen Milliarden erstmal Arbeitsplätze hierzulande schaffen. Ist jedoch das Know-How erstmal in China, kann dort wesentlich günstiger (da zu anderen Bedingungen) produziert werden. Beste Beispiele: Die Textilindustrie und die Photovoltaik! Das gefährdet lang-fristig hunderttausende, wenn nicht gar Millionen europäischer Arbeits-plätze. So ortet etwa die IG Metall erhebliche Gegenwehr in der Frage der Tarifbindung und der Mitbestimmung bei übernommenen Betrieben. Auslegungssache! Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung hat 42 Firmen mit chinesischen Investoren getestet und stellte überwiegend die genaue Einhaltung der Mitarbeiterrechte fest.

“Ich glaube, dass es heute notwendig ist, chinesische Investitionen kritisch zu hinterfragen, weil die Konsequenzen für den Mittelstand, insbesondere im Maschinen- und Anlagenbau, sehr groß sind.”

(Wolfgang Lemb, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall)

Bei all dem muss die derzeitige Situation am Finanzmarkt China im Auge behalten werden. Dieser macht all das durch, was auch der kapitalistische Westen erfahren musste – allerdings in komprimierter, kürzerer Zeit. Die Staatsbanken sind nach wie vor träge. Daneben hat sich jedoch ein Schattenbankensystem entwickelt, das nicht mehr staatlich überwacht oder bei Bedarf auch gestützt werden kann. Dies vergrössert die Gefahr eines Kollapses ganz vehement. Nur 18 % der an den Transaktionen beteiligten Unternehmen sind Staatsunternehmen – der Rest zumindest formal in privater Hand. Zwei Drittel aller Investitionen kommen nach Angaben der Bertelsmann-Studie aus undurchsichtigen Geldquellen oder Beteiligungen. Das kritisiert inzwischen auch die Regierung in Peking, da die Geldabflüsse in’s Ausland nicht mehr kontrollierbar sind. Wohl auch der Grund dafür, dass im laufenden Jahr weitaus weniger chinesisches Geld floss.
Eines der wohl ersten Probleme wird allerdings die Immobilienblase werden. Ähnlich wie damals in den USA 2007, als private Hausbesitzer unglaubliche Kredite erhielten, die nicht durch entsprechende Gegenwerte gesichert waren, was zu einer der wohl schwersten Finanz- und Bankenkrisen führte, wird auch in Asien derzeit mit horrenden Summen der Immobilienmarkt nach oben getrieben. Platzt nun auch diese Blase sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch chinesische Investoren davon betroffen, die zuvor gross in Europa Geld ausgegeben haben. Kaum auszumalen, was dann mit jenen Unternehmen hierzulande geschieht, die bislang auf die Dollars aus Peking oder Shanghai angewiesen sind. Das wird gewaltige Auswirkungen nicht nur in der Industrie sondern auch bei den heimischen KMUs haben, die beispielsweise im Hochtechnologie-Sektor aus Fernostasien finanziell unterstützt werden. Die Zeichen für einen derartigen Kollaps nehmen immer mehr zu.
Daneben ist die chinesische Wirtschaft enorm von ihrem Export abhängig. Hier wurden – wie etwa in der Solarindustrie – riesige Überkapazitäten geschaffen. Europa merkt dies derzeit beispielsweise in der Stahlindustrie. Nachdem die USA aufgrund der Billigimporte aus China ihre eigene Stahlindustrie nahezu in Schutt und Asche gefahren und nun den Hahnen zugedreht hat, wird Good Old Europe mit diesem Billigstahl überschwemmt. Und dies mit den beiden Zielen einerseits derartige Überkapazitäten abzubauen und andererseits durch konkurrenzlose Preise hiesige Anbieter vom Markt zu drängen. So haben beispielsweise viele europäische Produzenten von Solarmodulen die Produktion schliessen müssen. Stagniert aufgrund welcher Entwicklungen auch immer der Abnehmermarkt, so bleibt das Land auf diesen Produktbergen sitzen. Dadurch können dort ganze Branchen zugrunde gehen.

“Es ist der letzte Moment zu handeln. China kann uns überrollen.”
(Mikko Huotari, Leiter des Programms internationale Beziehungen beim China-Forschungsinstituts Merics in Berlin)

Europa muss sich so rasch als möglich an einen Tisch setzen und neue Strategien entwickeln, europäische Lösungen schaffen. Wenn ein Unter-nehmen nicht mehr alleine fähig ist am Markt zu bestehen, sollten europäische Investoren oder Joint Ventures gefunden werden. Ein Ziel, das gerade in der Digitalisierung und dem grossen bereits angelaufenen Thema der künstlichen Intelligenz umso wichtiger erscheint. Erste Versuche, wie etwa die Fusion der beiden Bahnsparten von Siemens und Alstom, die damit gegenüber dem chinesischen Riesen CRRC kon-kurrenzfähig bleiben wollen, der vehement nach Europa drängt, müssen auch den politischen Goodwill erhalten. Übernahmen und Beteiligungen bedürfen andererseits einer besseren Begutachtung. Doch ist es leider für das Kirchturmdenken so mancher Regierung offenbar sinnvoller, europäisches Know-How ganz offiziell auf dem Präsentierteller dem Fernen Osten anbieten zu wollen. Da ist auch das neue Handelsab-kommen JEFTA ein Schritt in die falsche Investorenrichtung!

Lesetipps:

.) Das Recht der Investitionen in China; Andreas Diem; Nomos 2000
.) Chinesische Outbound-Investitionen in Deutschland
Rechtlicher Rahmen, Fälle und Analysen; Hrsg: Yuanshi Bu; Mohr Siebeck 2015
.) Die Entwicklung der deutsch-chinesischen Handelsbeziehungen; Carlos M. Llovet Garcia; Verlag: Diplomica 2008
.) Geschäftserfolg in China – Strategien für den größten Markt der Welt; Dirk Holtbrügge/Jonas F. Puck; Springer-Verlag 2005
.) China und Deutschland – Investition, Technologie und aktuelle Entwicklungen: Beiträge des 5. Deutsch-Chinesischen Wirtschaftsrechts-symposiums; Winfried Huck; Lang, Peter GmbH 2007
.) Chinesische Investition in Deutschland: dargestellt am Beispiel einer Fallstudie; Thomas vor der Sielhorst; GRIN Verlag 2013
.) Chinesische Zeit – Deutsche Zeit; Sven Hänke; Kovac 2016

Links:

- www.merics.org
- www.ey.com
- www.boc.cn/en
- china.ahk.de
- chk-de.org/de
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Spinnen – Wertvolle Nützlinge

Sehr konzentriert bereitete ich mich auf die mündliche Prüfung über Platon vor – aufgrund meines Jobs konnte ich die Vorlesung am Vormittag auf der Uni nicht besuchen und musste mir somit alles selbst erarbeiten. Plötzlich riss mich ein gellender Schrei hoch. Fast automatisch lief ich in den Vorraum. schnappte mir das dort stehende Glas und den dünnen Karton und ging in’s Badezimmer. Dort stand meine Freundin in einer Ecke, zitterte am ganzen Leib und zeigte mit dem Finger auf die Wand gegenüber: Eine Spinne! Zugegeben – es war keine kleine, aber auch keine wirklich große. Ich fing sie mit Hilfe des Glases ein und brachte sie vor die Tür. Nur wenige Tage später dasselbe Prozedere: Dieses Mal war es die Freundin meines WG-Genossen! Damals, wie auch heute in meinem eigenen Haus, heizten wir mit Holz! Da sind Spinnen in der Wohnung nichts aussergewöhnliches. Ganz im Gegenteil: Ich weiss inzwischen ihre Gegenwart zu schätzen, da sie als Nützling viele nicht erwünschten Insekten, wie Fliegen oder Staubmilben beispielsweise fressen. Nur im Schlafzimmer, wenn ich mein Haupt nach getaner Tagesarbeit auf das Kopfkissen bette, da brauche ich keine achtbeinigen Mitbewohner.
Damit sind wir auch bereits mitten drin im heutigen Thema: Den Spinnentieren (Arachnida) und hier insbesondere den Webspinnen! Wie viele unterschiedliche Arten es gibt, ist nach wie vor unklar – Experten schätzen bis zu 100.000. Die meisten davon sind harmlos. Spinnen leben seit rund 360 Millionen Jahren auf unserem Planeten – der “Homo” (Mensch) hingegen erst seit rund 300.000 Jahren (älteste fossile Funde in Afrika). Die Achtbeiner ernähren sich bevorzugt von Insekten oder kleineren Spinnen – die grösseren unter ihnen auch schon mal von Mäusen oder Aas. Nur eine Springspinnenart (Bagheera kiplingi) ernährt sich vegetarisch. Dabei werden lebende Opfer mit einem Gift gelähmt oder direkt getötet und mit einem Magensekret überschüttet. Den meisten Spinnen fehlen nämlich die Kauwerkzeuge, weshalb die Verdauung schlichtweg nach aussen verlagert wird. Die auf diesem Wege vorverdaute Nahrung wird in weiterer Folge aufgesogen. Zwei Wissen-schaftler errechneten (offenbar war ihnen langweilig!), dass die Mensch-heit innerhalb nur eines einzigen Jahres von Spinnen aufgefressen werden könnte – wenn der Mensch zum Beuteschema der Krabbler gehören würde. Gottlob tut er das nicht! Dennoch gibt es Arten, die auch für den Menschen gefährlich werden können – weniger weil sie ihn fressen wollen als vielmehr aufgrund ihres Giftes. Diese leben jedoch bevorzugterweise in tropischen Gefilden bzw. auf anderen Kontinenten (z.B. die Braune Einsiedlerspinne oder die Schwarze Witwe in den USA; die Chilenische Winkelspinne in Südamerika oder die Rotrückenspinne und die Sydney-Trichternetzspinne in Australien). Übrigens: Nur wenige Arten der so gefürchteten Vogel-spinnen sind auch für den Menschen problematisch. Andere Spinnen, wie die Wanderspinne aus Südamerika, hausen gerne in Bananenschachteln und sind gefährlicher, da giftig. In den Tropen können sie auch wahrhaft akzeptable Grössen erreichen – wie etwa die Goliath-Spinne in Guyana (entdeckt durch den Entomologen Piotr Naskrecki). Hierzulande leben rund 1.000 unterschiedliche Arten (alleine in der Steiermark wurden über 630 Arten gezählt, darunter auch die Tarantel!) – die gefährlichsten beiden sind die Dornfinger- und die Wasserspinne, deren Gift beim Menschen einem Wespenstich gleich kommt. Dennoch haben nach einer Umfrage unter 2.561 Personen 46 % große Angst vor Spinnen, weitere 20 % ziemliche Angst. Auch der Sohn einer Freundin, der ansonsten stets den großen Macker heraushängen liess, weigerte sich, sein Zimmer zu betreten, weil sich dort zwischen Kleiderschrank und Wand eine kleine Spinne niedergelassen hatte. Es soll deshalb gar schon zu Notrufen bei der Polizei gekommen sein. Auch in nicht mit Holz geheizten Häuser treten vermehrt im Dezember Spinnenvorfälle auf. Der Grund ist recht einfach: Durch den Christbaum holt man sich bis zu 25.000 Insekten in die Wohnung – so auch Spinnen.

https://www.youtube.com/watch?v=PdpkheaNHAg

Woher aber kommt nun diese panische Angst vor Spinnen, die Arachnophobie??? Sie dürfte wohl aus jener Zeit stammen, als der Mensch in kleineren Gruppen den afrikanischen Urwald durchstreifte. In Zeiten, in welchen medizinische Hilfe noch nicht mal als Idee bestanden hatte und sich der Mensch noch als Sammler und Jäger betätigte. Wer sich in den Tropen nicht vor Spinnen und Schlangen fürchtet, wird gebissen oder gestochen und verstirbt. Deshalb gaben die Überlebenden das Furchtverhalten an den Nachwuchs weiter. Das ist auch heute noch der Fall. So haben Kleinkinder bis in’s Krabbelalter (etwa mit Beginn des zweiten Lebensjahres) keine Angst vor den Tieren. Erst wenn sie eigenständig den Fussboden erforschen können, beeinflusst die Furcht der Eltern deren weitere Entwicklung. In unseren Breitengraden, wie bereits beschrieben, unbegründet, da nur eine kräftige, ausgewachsene Dornfingerspinne es schafft, die menschliche Haut zu durchbeissen um ihr Gift abzusondern. Deshalb sind die meisten der heimischen Spinnen Fluchttiere. Sollten sie nicht mehr auskommen, stellen sie sich tot. Kommt der Mensch ihrem Netz zu nahe, suchen sich die meisten eine andere Netzbaumöglichkeit. Somit also eine mehr als sinnlose Angst. Die Arachnophobie nun ist die krankhafte Ausprägung dieser Angst. Sie muss bei Bedarf unter Einbeziehung eines Experten therapiert werden. Ergo: Nur Allergiker sollten Respekt vor Spinnen haben: Sie können bereits bei wenig oder leichtem Gift mit einem anaphylaktischen Schock reagieren.
Ein meines Erachtens aber sehr interessanter Denkansatz sind die bereits zuvor erwähnten Berechnungen von Martin Nyffeler (Universität Basel) und Klaus Birkhofer (Swedish University of Agricultural), wonach die Menschheit innerhalb eines Jahres komplett durch die Spinnen ausge-löscht werden könnte. Es handelt sich hierbei um Berechnungen, die im “The Science of Nature” veröffentlicht wurden – sie basieren auf blanker Theorie. Spinnen verspeisen pro Tag rund 10 % ihres eigenen Körper-gewichtes. Alle Spinnen dieser Erde wiegen etwa 25 Mio Tonnen – pro Tag werden also 2,5 Mio Tonnen gefressen. Pro Jahr macht dies 400 bis 800 Mio Tonnen aus. Die Menschheit wiegt zirka 360 Mio Tonnen! Wie beschrieben: Rein theoretisch, versteht sich!
Pro Quadratmeter leben statistisch gesehen zirka 131 Spinnen – das ist Realität! Die heimischen bekanntesten Arten sind:
.) Die Kreuzspinne (Araneus)
Diese wohl bekannteste Spinne hierzulande ist auch eine der eifrigsten Arbeiter. In nur einem ihrer wirklich sehenswerten, kunstvollen Rad-netzen können bis zu 20 m Spinnenseide verwebt sein. Verfängt sich nun ein Insekt in diesem Netz, so wird es mit Hilfe des Spinnengiftes gelähmt und in Spinnenseide eingewickelt. Die Giftklauen der Kreuzspinne sind zu kurz für die menschliche Haut, das Gift alsdann unschädlich. Sollte sie es dennoch an einer dünnen Hautschicht oder bei Kindern schaffen, das Gift zu injizieren, so macht sich dies einem Mückenstich vergleichbar zu bemerken. Die Kreuzspinne ist an dem hellen Kreuz auf dem ansonsten braunen Hinterleib zu erkennen. Im Garten ist sie nahezu überall zu finden.
.) Die Winkelspinne (Tegenaria domestica)
Obgleich sowohl die Große Winkelspinne als auch die Hauswinkelspinne ein sehr bedrohliches Erscheinungsbild haben, sind sie sehr scheu und flüchten vor dem Menschen. Diese behaarten, mit Borsten versehenen und mit vielen Beisswerkzeugen ausgestatteten Spinnen können bis zu 12 mm (Spannweite bis 8 cm) groß werden und bevorzugen den Wohnungsbereich. Ihr Netz bauen sie trichterförmig in ruhigen dunklen Ecken. V.a wenn es dunkel wird gehen sie auf die Jagd nach Kellerasseln, kleineren Spinnen, Tausendfüsslern und Fluginsekten.
.) Große Zitterspinne (Pholcus phalangioides)
Auch die Große Zitterspinne ist öfters im Hause zu Gast, wird dabei auch häufig mit den Weberknechten verwechselt. Sie wird bis zu 10 mm groß (Spannweite bis 10 cm) und besitzt einen walzenförmigen Hinterleib mit grau-brauner Musterung. Zumeist hängt sie kopfüber in ihrem baldachinförmigen Nest. Den Namen erhielt sie deshalb, weil sie bei Gefahren ihr Netz in Schwingungen versetzt. Das soll den Angreifer verwirren und den Fressfeinden Probleme dabei bereiten, die Spinne durch das vibrierende Netz ausmachen zu können.
.) Zebra Springspinne (Salticus scenicus)
Aufgrund ihrer drei dunklen Querbinden am Hinterleib (daher der Name) fällt diese Spinne gleich auf. Im Vergleich zu den bisherigen besitzt sie kurze und kräftige Beine, die Spinne wirkt mit ihrer Grösse von 4 bis 7 mm recht kompakt. Die Sprungkraft erhält sie durch ein ausgeklügelten Hydrauliksystem in den hinteren Beinen. Da sie bis zur 20-fachen Körpergrösse weit springen kann, ist die Zebra-Springspinne als gefürchteter Jäger bekannt. Sie sieht mit den zwei Hauptaugen farbig, sodass sie auch leblose Beute erkennen kann. Zu finden sind die Zebras an trockenen Felsen und Mauern.
.) Der Ammen-Dornfinger (Cheiracanthium punctorium)
Diese Spinne fühlt sich im hohen Gras am wohlsten. Dort baut das Weibchen ihr Brutgespinst – jedem Lebewesen, das sich diesem Nest nähert, stellt sie sich entgegen und beisst zu. Auch beim Menschen. Der Dornfinger ist eine der beiden Spinnenarten, die – allerdings nur wenn sie erwachsen und kräftig genug ist – die menschliche Haut durchbeissen kann. Allerdings ist auch dieses Gift mehr unangenehm als gefährlich, gleicht es doch maximal einem Wespenstich. Der Dornfinger ist nachtaktiv, weshalb es sehr selten zum Aufeinandertreffen mit dem Menschen kommt.
.) Veränderliche Krabbenspinne (Misumena vatia)
Wie der Name bereits andeutet, können sich die Weibchen an den Hintergrund anpassen – den Männchen fehlt diese Eigenschaft. Die bis zu 10 mm grossen Spinnen können von weiss auf grün und gelb switchen – damit werden sie für ihre Beutetiere nahezu unsichtbar – nur zwei rote Seitenstreifen am Hinterleib können sie dann noch verraten. Abgesehen haben sie es vornehmlich auf die Bestäuber unter den Insekten.
.) Die Wasserspinne (Argyroneta aquatica)
Vom Aussterben bedroht ist die zirka 15 mm grosse Wasserspinne. Sie baut ihr Gespinst in Form einer Taucherglocke unter Wasser. Hier wohnt sie, verspeist ihre Beute und zieht den Nachwuchs gross, für den sie auch einen Luftvorrat angelegt hat. Dieser wird stets erneuert, indem sie mittels ihres samtigen Hinterleibs Luftbläschen von der Wasseroberfläche mitbringt. Sie ernährt sich von Wasserinsekten, kleinen Krebsen und den Larven von Amphibien. Da die Wasserspinne immer weniger geeignete Gewässer vorfindet (saubere Seen bzw. ruhige Flüsse), steht die auf der roten Liste des Washingtoner Artenschutzabkommens. Ihr Gift wirkt ähnlich jenem der Dornfingerspinne.
.) Die Gemeine Tapezierspinne (Atypus affinis)
Dieses bis zu 15 mm grosse Tier ist die wohl urtümlichste Art aller Spinnen – sie zählt zur Familie der Vogelspinnenartigen. Leben die meisten Spinnen nur für eine Saison, so kann die Tapezierspinne schon mal bis zu zehn Jahre alt werden – zu sehen ist sie aber vornehmlich im Herbst. Sie lebt in einem mit Spinnenseide ausgekleideten Tunnel unter-irdisch. Am Ausgang befindet sich eine Art 10 cm langer Fangschlauch. Ameisen, Käfer oder auch andere Beutetiere werden von der Spinne durch den Fangschlauch in ihre Höhle gezogen. Die Tapezierspinne bevorzugt trockene Böden wie den Trockenrasen oder lichten Wald, sie ist aber auch in Weinbergen zu finden.
.) Südrussische Tarantel (Lycosa singoriensis)
Eine der grossen Spinnen in Europa ist Südrussische Tarantel, die zu den Wolfspinnen gezählt wird. Sie wird bis zu 38 mm gross (Spannweite bis 10 cm), ist hellgrau bis beige und besitzt kräftige geringelte Beine. Sie stammt eigentlich aus den asiatischen Steppengebieten, hat sich jedoch bis in die östlichen Gebiete Österreichs und Deutschlands verbreitet. So legt sie ebenso wie die Tapezierspinne etwa im burgenländischen Seewinkel tiefe Erdhöhlen an. Bei ihren Beutezügen in der Nacht springt sie Käfer und andere Beutetiere an und erledigt sie mit einem kräftigen Biss. Da diese Spinne immer weniger Lebensraum vorfindet, gilt sie in Österreich als bedroht.
.) Dunkle Wolfspinne (Pardosa amentata)
Bei einer Spannweite von bis zu 3 cm ist der Körper der Dunklen Wolfsspinne gerade mal bis zu 8 mm gross. Ihre Beine sind zumeist braun-schwarz geringelt. Zu finden ist die Spinne vornehmlich in Feuchtbiotopen. Sie kann als einzige Spinne auf dem Wasser laufen, weshalb sie häufig mit den Wasserläufern verwechselt wird. Die Wolfs-spinnen sind weit verbreitet und sehr artenreich. Die Weibchen sind ab dem späten Frühling recht einfach aufgrund ihrers Eikokons am Hinter-leib zu erkennen. Nachdem die Jungtiere geschlüpft sind, dürfen sie noch einige Zeit auf dem Rücken der Mutter geniessen, bevor sie sich dann doch auf eigene Beine stellen müssen.
.) Die Wespenspinne (Argiope bruennichi)
Diese Kannibalenart findet man vornehmlich in Brach- bzw. Heideflächen oder in Feuchtwiesen. Ihren Namen haben sie von den schwarz-gelben Ringen am Leib. Die Weibchen spinnen ihre Netze rund 40 cm über dem Boden. Nähert sich ein Männchen, zupft es am Netz. Das Weibchen, das den Rhythmus erkennt, kommt ihm entgegen. Nach der Paarung frisst das Weibchen ähnlich der Gottesanbeterin das Männchen auf. Aber auch das Weibchen lebt nicht lange, es stirbt direkt nach der Eiablage im Herbst.

https://www.youtube.com/watch?v=oqci73LWmOU

Übrigens gehören alsdann die Milben, Zecken und sogar Skorpione zu den Spinnentieren. Bei uns sind zudem die Weberknechte (Trogulus torosus) – in der Schweiz auch “Zimmermann” – bekannt. Hiervon gibt es ganze 6.600 unterschiedliche Arten. Sie erreichen eine Grösse von bis zu 22 Millimetern, ihre Beine aber können bis zu 160 mm lang werden (beim Mitobates stygnoides können die Beine gar bis zum 25-fachen der Körperlänge betragen). Die meisten gelten aufgrund der intensivierten Landwirtschaft als gefährdet. Die Hauptunterscheidungskriterien zu Webspinnen sind neben vielen anderen mehr einerseits die Verwachsung des Vorder- und Hinterteils ihres Körpers sowie das Fehlen von Spinndrüsen. Ausserdem produzieren sie ihr “Gift” nicht in Gift- sondern in Stinkdrüsen. Dieses Sekret stinkt nicht nur ausserordentlich, sondern wirkt auf Beutetiere ebenso betäubend bis gar tödlich. Die meisten Weberknechte sind nachtaktiv – sie ernähren sich von Mikro-Glieder-füsslern oder toten Insekten. Etwas aussergewöhnliches wurde bei dem südamerikanischen Ableger der Gonyleptidae beobachtet: Das Männchen baute ein Nest und bewachte die Jungtiere und Eier jener Weibchen, mit dem es sich gepaart hatte. Weberknechte treffen sich ohnedies nur beim Paaren – ansonsten sind sie Einzelgänger. Nur manche Arten tun sich tagsüber oder zu Beginn des Winters zu einer Nutzgesellschaft zusammen, um sich dadurch besser schützen zu können.
Zurück zu den Webspinnen. Ihnen (und den Weberknechten) kommt eine entscheidende Rolle bei der Regulierung der Bodenfauna zu. Ohne sie würde das Aufkommen von Käfern, Ameisen etc. geradezu explodieren. Im Unterschied zu den Insekten haben Spinnen keine Facettenaugen, sondern mehrere teils sehr leistungsstarke Punktaugen. Aufgrund der Augenanordnungen verfügen sie über ein sehr grosses Blickfeld, können jedoch Formen höchstwahrscheinlich nicht erkennen. Über das lyriforme Organ nehmen sie Vibrationen des Bodens oder ihres Netzes wahr. Sie verwenden Vibrationen auch für die Kommunikation bei der Partnerwahl oder mit dem Nachwuchs. Für die akkustische Wahrnehmung sind die Becherhaare verantwortlich – das Frequenzoptimum liegt ziwschen 300 und 700 Hz. Spinnen können sich bis zu zehnmal häuten – manche Vogelspinnen sogar noch nach dem Erreichen der Geschlechtsreife. Ein solcher Häutungsvorgang kann von nur zehn Minuten bis zu mehreren Stunden (Vogelspinnen) andauern. Die Fressfeinde der Spinnen sind vornehmlich Vögel, größere Spinnen, aber auch die Weg- und Grabwespen. Amphibien, Reptilien und Fledermäuse hingegen nur in Ausnahmefällen.
Während die männlichen Weberknechte über ein penisartiges Gebilde verfügen, erfolgt bei den meisten Milbenarten und Skorpionen die Fortpflanzung weniger lustvoll, indem die Männchen Spermienpakete ablegen, die die Weibchen dann verwenden. Bei den Webspinnen werden die mit den Spermien gefüllten Bulbi (“Kolben” oder “Knollen”) der Männchen an deren eigenen Geschlechtsorganen oder in fein gewebten Spermatophoren abgelegt und schliesslich in die Epigastralfurche der Weibchen eingeführt. Davor aber muss das Männchen das artspezifische Ritual genau einhalten, da es ansonsten vom Weibchen als Gegner oder Beutetier angesehen und entsprechend bekämpft wird.
Auch die Medizin versucht inzwischen, das Spinnengift zu nutzen. Besonders in der Onkologie wird viel mit Spinnengift geforscht, da in der Tumorbekämpfung nach wie vor kein wirksamer, schonender Stoff gefunden wurde.

https://www.youtube.com/watch?v=Klg5adt0re8

Spinnennetze sind architektonische Meisterwerke. Das Radnetz der Kreuzspinne beispielsweise hält den Todeskampf so mancher Insekten aus, übersteht auch den einen oder anderen Regen und wird alle zwei bis drei Tage neu gebaut. Hierfür frisst die Spinne das alte Netz auf und verwendet die Seide zum Neubau. Diesen begint die Spinne zuerst mit den Hilfsfäden und jenen Fäden, die das ganze Gebilde stabilisieren sollen. Dann erst sind die Stolperfallen, die Kommunikations- und die Signalfäden an der Reihe. Steht die Spinne unter Einfluss von Pestiziden, die sich im Netz verfangen haben und mitgefressen wurden, so leidet der Netzbau darunter – er wird unregelmässig. Die Spinnenseide ist – verglichen mit ihrem Gewicht – viermal belastbarer als Stahl, enorm dehnbar und widerstandsfähig. Baldachinspinnen errichten ein ebensolches Netz mit Stolperfallen darüber. Stolpert ein Insekt aufgrund einer dieser Fallen fällt es in das Netz, in dem die Spinne bereits auf ihre Beute wartet. Solche Baldachinnetze finden sich vornehmlich im Spätsommer auf den Feldern. Sie sind verantwortlich für die Namens-schöpfung des “Altweibersommers”, da sie ein schönes Bild im Morgentau abgeben können. Auf einem Hektar Wiese können dann schon mal bis zu zwei Millionen Baldachinspinnen leben. Mit ihren Netzen fangen sie auf diesem Hektar in einem Jahr bis zu 100 kg Insekten.

“Spinnen bilden einen großen Anteil der Bodentiere, sie wirken regulierend auf die Bodengemeinschaft.”

(Thomas Lübcke; Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz)

Durch die intensive Landwirtschaft werden nicht nur ständig die Netze der Spinnen zerstört, auch sie selbst kämpfen dabei stets um’s Uber-leben. Deshalb legen nachhaltig interessierte Landwirte oder Biobauern direkt neben der Kulturfläche Ausweichhabitate an: Hecken, Stauden, Grasraine, von welchen jeweils im Frühjahr die Neubesiedelung der Kulturflächen erfolgen kann. Schliesslich ist dies auch im Interesse des Bauern oder Gärtner, fressen doch die Spinnen all die Schädlinge wie Blattläuse, weiße Fliegen, Trauermücken etc. Deshalb sind die Achtbeiner in Obstkulturen oder auch Weinhängen gern gesehene Gäste. In anderen Gegenden, wie am Amazonas, werden Spinnen zudem als Haustiere gehalten, da sie beispielsweise die malaria-übertragenden Tse-Tse-Fliegen fressen. In Kambodscha werden ebenfalls Spinnen gehalten – zum Verzehr! Nach der Entfernung der Kieferklauen werden sie frittiert und als Snack auf den meisten Straßenmärkten angeboten. In Ghana und der Elfenbeinküste wird der Gott Anansi als Spinne dargestellt und verehrt, als der Erfinder von Wissen und Weisheit sowie als Regen- und Wettergott.
Wissenschaftler vermuten, dass Spinnen auch Ozeane überwinden können. Dazu schiessen sie ihre Spinnweben in Windrichtung und lassen sich so von ihm über weite Strecken verdriften.

Filme:

.) Geliebt und gefürchtet – Spinnen; Otto Hahn 2002 BR-alpha

Lesetipps:

.) Spinnen kennen lernen. Eklig, giftig oder zum Kuscheln? Wie Spinnen wirklich sind; Rainar Nitzsche; Nitzsche 2012
.) Spinnen ungeheuer – sympathisch; Franz Renner; Nitzsche 2001
.) Spinnen, beobachten – bestimmen, Heiko Bellmann; Naturbuch 1992
.) Spinnen Mitteleuropas; Stefan Heimer/W. Nentwig; Parey 1991
.) Leben am seidenen Faden; Ernst Kullmann/Horst Stern; Franckh-Kosmos 1981, 1996
.) Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas; Heiko Bellmann; . Kosmos 2006
.) Biologie der Spinnen; Rainer F. Foelix; Thieme 1992
.) Giftige und gefährliche Spinnentiere; Günter Schmidt; Westarp Wissenschaften 2000
.) Field Guide. Spiders of Britain and Northern Europe; Michael J. Roberts; HarperCollins 1995
.) Spinnen. Warum sie vor uns Angst haben. Aktuelles Spinnenwissen; Rainar Nitzsche; Nitzsche 2012
.) Weberknechte, Opiliones. Die Tierwelt Deutschlands; Jochen Martens; VEB G. Fischer 1978
.) Biocommunication of Animals; Hrsg.: G. Witzany; Springer 2014
.) Atlas der Pflanzen und Tiere im Baltischen Bernstein; Weitschat & Wichard; 1998

Links:

- www.cenak.uni-hamburg.de
- wsc.nmbe.ch
- arachnology.org
- www.senckenberg.de
- www.nhm-wien.ac.at
- www.arachnophilia.de
- www.unine.ch
- www.ausgabe.natur-lexikon.com
- www.naturspaziergang.de
- www.natur.vulkanland.at
- www.donauauen.at
- caucasus-spiders.info
- www.mpg.de
- www.phobius.at
- www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org
- www.angst-verstehen.de

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Tee – ein Geschenk Gottes

Komm nach Haus
ruh dich aus
wo der Tee schon auf dich wartet.
Du kommst rein, kannst dich freu’n, bist zufrieden.
Wenn der Teekessel singt und der Gold Teefix duftet,
hat man’s gut, hat man’s gut, ja dann hat man’s wirklich gut.

(© TEEKANNE GmbH & Co. KG)

Die Älteren unter Ihnen können sich vielleicht noch an die Abwandlung des Cat Stevens-Songs “Father and son” erinnern. Das Unternehmen Teekanne lieferte damit einen unvergessenen Hit ab, der das Original nahezu verblassen lässt. Der Text vermittelt die Freude, nach Hause zu kommen, geborgen zu sein und es sich mit der Familie so richtig fein zu machen. Attribute, die auch heute noch dem Tee zugeschrieben werden. Zu Recht, wie ich meine und ich werde heute den Beweis dafür antreten: Der Tee ist eine Erfindung von jemandem, der es wirklich gut mit uns meinte!!!
Die Geschichte des Tees ist uralt. Seine Ursprünge werden vor bereits 5000 Jahren vermutet. Der Legende nach kochte 2.737 v. Chr. der chinesische Kaiser Shen Nung (“Der Sohn des Himmels”) nach einem anstrengenden Tag unter einem Baum Wasser auf. Plötzlich fielen auf-grund eines Windzuges einige Blätter vom Baum – so unter anderem auch in das Gefäss des Kaisers. Das Wasser soll sich golden verfärbt und ganz ausgezeichnet geduftet haben. Der Kaiser probierte einen Schluck des heissen Getränks – und es schmeckte ihm. Er fühlte sich sogar danach erfrischt und belebt.
Etwas anders die Legende aus Indien: Auf seiner Missionsreise nach China soll der dritte Sohn von König Kosiuwo drei Jahre lang nicht geschlafen haben. Als er von der Müdigkeit übermannt, schlafverloren versehentlich einige Blätter eines wilden Teestrauches gekaut hat, war die Müdigkeit plötzlich wie weggeblasen und er blieb weitere sechs Jahre wach.
Welcher der beiden Sagen Sie mehr abgewinnen können, überlasse ich selbstverständlich Ihnen. Urkundlich erwähnt wurde der Tee erstmals im Jahr 350 n. Chr. in einem Wörterbuch von Kuo Po. Er definierte “Tu” als ein “Getränk aus gekochten Blättern”. Dann ging alles Schlag auf Schlag: 126 Jahre später – Tauschhandel mit Tee entlang der Chinesischen Mauer, weitere 304 Jahre später erscheint das Werk “Cha Ching” (Das klassische Buch vom Tee) von LuYu; während der Ming-Dynastie wurde die Fermentation erfunden, der Schwarztee kam auf den Markt. Im Jahre 1610 bringt die Holländisch-Ostindische Kompanie den ersten Schwarz- und Grüntee über den Seeweg nach Europa; acht Jahre später schenkt der russische Gesandte Wassilij Storkow seinem Zaren Michael I. 200 Kisten Tee, die über den Landweg nach Moskau gebracht werden. Dieser “Karawanentee” galt lange Zeit als qualitativ wesentlich besser, da der mit den Schiffen trans-portierte etwas muffig schmeckte (aufgrund der zumeist feuchten Verhältnisse auf den Schiffen). 1644 gelangt der erste Tee nach England, wo er 13 Jahre später erstmals öffentlich in sog. “Coffee-Shops” ausgeschenkt wird. Das erste Tee-Geschäft eröffnete 1717 Thomas Twining. Tee avancierte sehr rasch zum heiss begehrten Handelsgut.
Das Heissgetränk löste allerdings auch einen Krieg aus: Bei der “Boston Tea Party” am 16. Dezember 1773 wurden 342 Kisten mit Tee über die Reeling der Schiffe der East India Company in’s Hafenbecken geworfen. Die als Indianer verkleideten Freimaurer wollten damit gegen die hohen Steuern der Engländer auf Tee protestieren – es war dies der Auftakt der amerikanischen Unabhängigkeitskriege.
1866 wurde das erste Tee-Rennen der Geschichte ausgetragen: Ein Rennen von neun Tee-Clippern über 16.000 Meilen Seeweg. Sie starteten am 29. Mai 1866 im chinesischen Foochow. Der schnellster Clipper, die Taeping, kam nach 99 Tagen im Hafen von London an – 20 Minuten vor dem zweitplatzierten Clipper Ariel. Einer dieser Teeclipper, die Cutty Sark, ist heute noch im Hafen von Greenwich an der Themse zu bewundern.
Und schliesslich war es 1908 die unbeabsichtigte Erfindung des Teebeutels durch den amerikansichen Teehändler Thomas Sullivan in New York, der dem Tee zum weltweiten Erfolg verhalf. Er wollte seinen Kunden Proben für Ihre Bestellungen zuschicken und packte diese in kleine Seidenbeutel. Verbessert wurde dies 1949 durch den von Teekanne entwickelten Doppelkammerbeutel aus feinstem Filterpapier, damit der Tee aus allen Richtungen richtg umspült wird und dadurch sein volles Aroma entfalten kann.

https://www.youtube.com/watch?v=7cn0P0koNQU

Heute ist der Tee neben Wasser das am meisten konsumierte Getränk auf unserem Planeten. Tee-Trink-Weltmeister ist Kuwait mit 295 Liter pro Kopf und Jahr (die Ostfriesen liegen mit 300 Liter pro Kopf und Jahr sogar noch darüber, wird aber deutschlandweit durch etwa die Bayern wieder ausgeglichen, die eher dem Hopfenblütentee zusprechen!!!). 2016 wurden immerhin 5,4 Millionen Tonnen Tee produziert!
Während meiner Studienzeiten entwickelten wir im Studentenheim ein Teeritual. Ein Studienkollege und ich genossen – sofern wir gegen 16.00 Uhr keine Lehrveranstaltung mehr hatten – die unterschiedlichsten Tee-sorten – allerdings mit Tee-Ei! Ein wichtiger Moment zum Abschalten! Danach war dann Laufen oder sonstiges Sporttraining angesagt!
Apropos: Tee gehört unbedingt zum Slow-Food! Geniessen Sie ihn! Es muss ja nicht gleich ein japanisches oder russisches Tee-Zeremoniell sein! Buddhistische Mönche brachten anno 552 n. Chr. den ersten Tee nach Japan. Dort wurde das Getränk schon sehr bald durch eine beinahe schon rituelle Zeremonie (茶道 – Sadō) gewürdigt. Gastgeber und Gäste treffen sich dabei in einem schlicht gehaltenen Teehaus, damit der Gast die Möglichkeit zur inneren Einkehr erhält. Die Zeremonie selbst läuft dann nach Jahr-hunderte alten Regeln ab, die sich aufgrund der verschiedenen Schulen leicht voneinander unterscheiden können. Durch dem Wandeln auf einem Gartenpfad soll der Alltagsstress abgestreift werden. Im Garten des Teehauses begrüsst der Gastgeber seine Gäste mit heissem Wasser. Danach gehen die Gäste über den Pfad wieder zurück, meist zu einem Pavillon, in dem sich eine Wartebank befindet. Dort reinigen sie sich mit dem vom Hausherrn frisch aufgefüllten Wasser Mund und Hände. Damit soll alles Schlechte abge-waschen werden. Nun geht es nacheinander zum Teehaus. Jeder Gast kniet sich zum Öffnen der Türe nieder – ein Zeichen des Respektes und der Demut. Hierbei verschwinden auch alle sozialen Unterschiede – egal ob Milliardär oder Strassenarbeiter. Nun werden leichte Speisen und Reiswein (Sake) gereicht. Der Gastgeber legt Holzkohle auf das Feuer, die Gäste ziehen sich erneut in einen Warteraum zurück, bis ein Gong zum fünften Mal geschlagen wurde. Der letzte Gast schliesst nun die Türe – jetzt beginnt die eigentliche Tee-zeremonie mit der Verbeugung des Gastgebers vor jedem seiner Gäste. In einem eisernen Kessel wird nun unter Zuhilfenahme einiger wichtiger Uten-silien wie dem Behälter für Pulvertee, einem Frischwassergefäss, dem Tee-bambuslöffel, dem Teebesen und dem seidenen Teetuch, das der Gastgeber an seinem Obi trägt, vorerst der dicke bzw. starke Tee Koicha oder auch Natsume angerichtet und mittels Teeschalen getrunken. Danach wird die Holzkohle erneut geschürt, notfalls aufgefüllt und der leichte bzw. dünne Tee Usucha angerichtet und getrunken. All die Schritte dazwischen, wie das Vor-wärmen der Teeschale (Chawan), dem Entnehmen des Tees mit dem Bam-buslöffel sowie dem Aufbrühen in der Teeschale mit dem Schöpflöffel in der rechten Hand, dem Schaumig-Rühren des dünnen Tees mit dem Teebesen etc. – hierin unterscheiden sich in weiterer Folge die Rituale. Der Hauptgast erhält als erster die Teeschale, die er mit drei Schlücken leert. Sie geht dann wieder an den Gastgeber zurück, der sie reinigt und den zweiten Gast damit bedient. All dies geschieht zumeist schweigend in aller Stille um hierdurch mit den Werten des Zen übereinzustimmen. Der dicke Tee ist derart dick, dass er nur sehr schwer getrunken werden kann. Der Gastgeber richtet eine Schale damit an. Jeder nimmt drei kleine Schluck daraus und reicht sie dann weiter. Erst nach der Zeremonie unterhalten sich die Gäste mit dem Gastgeber über die verwendete Teesorte, deren Geschichte, das Tee-service etc. Themen von ausserhalb des Teeraumes sind tabu. Es ist eine grosse Ehre für jemanden, von einem Japaner zum Teezeremoniell eingeladen zu werden. Deshalb sollte sich der damit Belohnte zuvor auch genau in das Protokoll einlesen, da ansonsten der Gastgeber sehr verbrämt werden kann. Als Vater der Tee-Zeremonie gilt der buddhistische Abt Shogu, der mit seinem ehemaligen Herrn, dem Shōgun Ashikaga Yoshimasa, dem Kampf abschwor und sich nurmehr dem künstlerischen Leben widmete. Das Ritual war zuerst der Ober-schicht vorbehalten, fand aber ab 1400 n.Chr. auch den Weg in’s Bürgertum. Als besondere Wertschätzung gelten Geschenke wie Teeschalen, die auch schon mal einige hundert Jahre auf dem Rücken haben können!
Wesentlich einfacher, wenn auch nicht weniger rituell ist die russische Tee-zeremonie. Dort gilt das Teetrinken als Symbol für die gemeinsame Gemüt-lichkeit – v.a. während der eiskalten Wintertage. Dabei spielt der Samowar die wichtigste Rolle. Früher mit Holzkohle gefüllt, werden die meisten heutzutage mit Strom betrieben. Auch in der Transsibirischen Eisenbahn ist in nahezu jedem Waggon ein solcher Samowar angebracht. Im grossen Hauptkessel wird Wasser erhitzt. Kocht dieses, wird eine kleine Kanne auf dem Samowar aufgesetzt. Hierin befindet sich das Teewasser mit dem Tee, der zuvor mehr-fach mit heissem Wasser aus dem Samowar gewaschen wurde um dadurch den Staub zu entfernen. Nach einer vierminütigen Ziehphase wird der Tee durch ein Teesieb gesiebt und die Kanne erneut auf den Samowar gestellt. Der Aufguss heisst “Tscheinik”. Jeder kann sich nun davon bedienen. Dazu füllt er etwas von diesem sehr starken Aufguss in seine Tasse oder Glas und giesst mit Wasser auf. Das ist durchaus zu empfehlen, da die Russen pro Liter Wasser meist 20 Teelöffel Tee verwenden. Der Tee wird grundsätzlich im Wohnzimmer gereicht. Dabei gehört der Würfelzucker ebenso hinzu wie die Zitrone. Ausserdem erhält der Gast verschiedene Kräuter, frische oder getrocknete Beeren und eine sehr süsse Konfitüre (“Warenije”). Teeexperten nehmen einen Teelöffel der Warenije in den Mund und lassen den Tee darüber hinwegfliessen. Später werden dann auch Blini, Piroggen und Obst serviert. Diese Zeremonie wird in der Familie oder im Freundeskreis abge-halten – mit Menschen, mit denen man sich gerne unterhält. Ganz im Gegen-teil zur japanischen Tee-zeremonie.
Weitere ähnliche Zeremonien gibt es auch in China, dem Orient (Çaydanlık – ähnlich der russischen Version), Tibet (mit Yakbutter und Salz), England (mit trockenen Keksen – zumindest bei der Queen), Ostfriesland (mit Sahne) uvam. Traf man sich früher in Norddeutschland in den literarischen Salons zu Teegesellschaften, so erfreuten sich in den 20er-Jahren des vorhergehenden Jahrhunderts die Tanz-Teeparties sehr grosser Beliebtheit. Heute ist es hin-gegen das Kochen und Essen mit Tee, das Food-Pairing. In einigen Restau-rants wird so der passende Tee zum Menuegang angeboten – als alkoholfreie aber durchaus aromatische Alternative zum Wein.

https://www.youtube.com/watch?v=F8wOnrn2hI4

Schwarztee und Grüner Tee übrigens stammen von derselben Pflanze. Einziger Unterschied: Der Grüne Tee erfährt eine Hitzebehandlung, wodurch die begonnene Fermentation unterbrochen wird.
Doch weshalb sind diese getrockneten Blätter oder Kräuter überhaupt der-maßen beliebt? Eine Erklärung hierfür ist sicherlich, dass es für jeden Geschmack eine entsprechende Sorte gibt: Kamille, Hagebutten, Pfefferminz, Früchte, Kräuter, Schwarz- und Grüntee, Biotee, Ostfriesentee – um nur die wichtigsten zu nennen. Aber auch solche Exoten wie Rooibos-Tee oder Blütentee. Mag man also die Hagebutte nicht, so schmeckt sicherlich der Früchtetee. Manche bevorzugen ihn mit Zucker, andere mit Honig oder Milch. Oder mit einem Schuss Rum. Für die Puristen und Aromengeniesser reicht die Palette vom malzigen, würzig-kräftigen Aroma des Schwarztees (aufgrund der Fermentation) über das herb-frische und grasige Aroma des Grüntees bis hin zum leicht butter-cremigen und weichen Geschmack des Milky Oolong oder dem trockenen pelzigen Mundgefühl des Assam-Tees. Die einzelnen Tee-sorten werde ich jedoch heute nicht beschreiben – das würde den Rahmen dieses Blogs sprengen. War doch das erste Buch über Tee von LuYu bereits ein Dreibänder! Nur zwei als Beispiel:
.) Der Jasmintee. Hier werden die Blätter des Grünen Tees aus biologischen Anbau mit Jasminblüten vermischt. Haben die Teeblätter das duftig-blumige Jasmin-Aroma aufgenommen, wird beides sehr auf-wendig händisch wieder getrennt.
.) Der Matcha-Tee: Der Grüne Tee wird vor der Ernte eigens beschattet, damit die Blätter mehr Chlorophyll produzieren. Nach der Ernte wird der fleischige Teil der Blätter vom Blattgerippe getrennt und getrocknet. Schliesslich ganz langsam in Steinmühlen zu Pulver gemahlen. Der Matcha-Tee ist einer der geschmacklich wertvollsten, farblich nach Jade aussehenden, aber sehr teuren Teesorten. Wer hier noch Zucker dazu gibt, wird wohl niemals wieder eine Einladung zum Tee erhalten.
Der Tee hat auch eine gesundheitsfördernde Wirkung. Die meisten werden nun gleich an den Kamillentee oder den Gute-Nacht-Tee denken. In Schwarz- und Grünem Tee sind Flavinoide enthalten, die im Körper antioxidativ wirken. Sie sorgen für eine bessere Elastizität der Blutgefässe und erhöhen die Durchlassmenge. Allerdings wird diese Wirkung durch die Hinzugabe von Milch nach Studien der Berliner Charité nahezu aufgehoben. Andere Unter-suchungen zeigten auf, dass in Ländern, in denen viel Grüner Tee getrunken wird, die Anzahl bestimmter Krebserkrankungen vergleichsweise niedrig ist. Wissenschaftler führen dies auf die enthaltenen Polyphenole und hier im Speziellen dem unaussprechlichen Epigallocatechingallat (EGCG) zurück. Bei Prostata-Karzinomen beispielsweise hinderte das EGCG das Zellenwachstum des Krebses (Quelle: Center for Human Nutrition an der David Geffen School of Medicine der UCLA).

https://www.youtube.com/watch?v=5ZGUiI4illQ

Tee kann auch sehr förderlich für die Harnwege sein und desinfizierend bei Katarrhen eingesetzt werden. Wie etwa die Teemischung eines namhaften österreichischen Herstellers, der die Inhaltsstoffe von Bären-traubenblatt, Schachtelhalmkraut, Bruchkraut und der Hauhechelwurzel nutzt um eine Entwässerung durchzuführen und die Harnausscheidung zu steigern. Gleich-zeitig werden die Harnwege durch das Bären-traubenblatt desinfiziert.
Mit dem im Grünen Tee enthaltenen Catechin kann alsdann gegen Erkran-kungen des Zahnfleisches vorgegangen werden. Durch die im Schwarztee und Grünen Tee enthaltenen Polyphenole und Fluoride kann zudem Karies vorgebeugt werden.
Zahlreiche andere Studien wissen ebenfalls über weitere positive Wirkungen des Tees zu berichten:
.) Cheng-Kung-Universität in Taiwan – zwei bis vier Tassen Grüner Tee oder Oolong-Tee pro Tag senken das Risiko an Bluthochdruck zu erkranken um 46 %. Mehr Tassen sogar um bis zu 65 % (Studie an 1.500 Probanden).
.) Der Ägypter Mervat Kassem bemerkte, dass Antibiotika, die mit Grünem Tee runtergespült werden, bei nicht weniger als 28 Infektions-krankheiten stärker wirken. Auch Keime, die resistent gegen Antibiotika waren, konnten auf diesem Wege wieder bekämpft werden.
Allerdings kann zu viel Tee durchaus negativ wirken: Die Polyphenole verhin-dern die Aufnahme von Eisen aus pflanzlichen Lieferanten. Dadurch kann es bei übermässigem Genuss zu Eisenmangel kommen.
Der Teeanbau ist sehr nachhaltig, da eine solche Pflanze in China bis zu 100 Jahre, in anderen Ländern bis zu 50 Jahre alt werden kann und nicht jedes Jahr neu gepflanzt werden muss, was den Boden sehr schadet! In Bio-Teeplantagen werden somit wichtige Lebensräume für andere Pflanzen und Tiere geschaffen und der Erosion entgegengewirkt. Wenn Sie sich und der Umwelt also etwas Gutes tun wollen, so kaufen Sie Tee aus biologischem, nachhaltigen Anbau. 2015 wurden nach Angaben der Organisation Rainforest Alliance rund 911.457 Tonnen nachhaltigen Tees produziert. Hiervon reichen dann wirklich auch 10 Gramm für einen Liter Wasser!
Tee enthält zudem bis zu 4,5 % Koffein (Teein), das den Kreislauf in Schwung bringt. Je höher der Blütenanteil, desto mehr dieses Wirkstoffes ist enthalten (in den Blättern weniger).
Je nach Zugabe bestimmter Blätter, Blüten, Früchte, Knospen, Rinden, Stängel oder Wurzeln werden auch deren Wirkstoffe weitergegeben, die wiederum gegen die unterschiedlichsten Krankheiten oder für das Wohlbefinden eingesetzt werden können. Allerdings darf gemäss der ISO-Norm 3720 Tee nur dann als Tee bezeichnet werden, wenn es sich um den Aufguss von Blättern oder Bestandteilen der Teepflanze handelt. Alles andere sind teeähnliche Erzeugnisse. Nähere Details finden Sie u.a. im Öster-reichischen Lebensmittelbuch, IV. Auflage, Kapitel / B 31 / Tee und teeähnliche Erzeugnisse!
Immer wieder wurde versucht, durch den Anbau auch in Europa die Abhängigkeit von China zu minimieren. Leider allerdings gelang dies nicht überall. Neben China sind nur in Indien, Sri Lanka, Taiwan, Nepal, Vietnam und Argentinien ausgezeichnete Bedingungen für ein Wachstum vorhanden. Grüner Tee konnte allerdings auch in Kenia angebaut werden (teil-fermentierter Oolong). An der russische Schwarzmeerküste bei Sotschi und der türkischen Schwarzmeerküste gedeiht der Teebaum ebenfalls. Auf den Azoren (São Miguel) und im englischen Cornwall wurden einzelne Pflanzen – jedoch nicht für den kommerziellen Zweck – hochgezogen. Ein erster Versuch in Deutschland wurde mit 3.000 Stecklingen bei Freiburg gestartet. Für einen Hektar werden bis zu 13.000 Setzlinge benötigt. Die erste Ernte kann nach drei bis sechs Jahren durchgeführt werden – dann ergibt der Hektar rund 1.500 kg fertigen Tee – sechs Kilogramm Teeblätter werden zu rund einem Kilogramm Schwarztee. Davor durchlaufen die Blätter fünf Bearbeitungs-stufen: Welken (Witherin), Rollen (Rolling), Aussieben, Oxidation (Fermen-tation – nur bei Schwarztee) und schliesslich die Trocknung (Firing). Jeder noch so kleine Fehler bei einer dieser Produktionsstufen wirkt sich auf die Qualität des Produktes aus. Die beste Qualitätsstufe übrigens wird beim Schwarztee mit “Orange” bezeichnet (königlich) und besitzt den höchsten Koffein-Gehalt; beim Grünen Tee ist es der Chun-Mee.
Sollten Sie mal über die Bezeichnung “Flugtee” stolpern: Das ist frischer, hochwertiger Tee, der sofort nach der Ernte und Erstbehandlung mittels Flug-zeug eingeflogen wurde – äussert sich selbstverständlich auch im Preis (etwa First Flush oder Shincha)!
Zuletzt noch ein Wort zur Zubereitung: Schwarztees werden meist mit sprudelnd-siedendem Wasser aufgegossen, Grüne Tees hingegen mit 65 bis 90 Grad heissem Wasser. Die Ziehdauer liegt bei 20 Sekunden bis zu fünf Minuten. Je länger, desto mehr Gerbstoffe werden freigesetzt, die beruhigend wirken, da sie das Koffein binden. Eine kurze Ziehdauer wirkt hingegen anregend, da sich das enthaltene Koffein sofort löst. Zu viel Kalk im Wasser führt zur sog. “Teehaut” und beeinflusst den Geschmack des Getränks. Und: Trinken Sie Tee stets heiss bzw. warm, da er ansonsten teils grosse geschmackliche Änderungen erfährt.

Filmtipp:

- Bitterer Tee; Dokumentarfilm; Buch und Regie: Michael Höft 2013

Lesetipps:

.) Tee. Alles über die Welt des Tees und die Tees der Welt; Eelco Hesse; Gräfe und Unzer 1985
.) Vom Genuss des Tees: Eine heitere Reise durch alte Landschaften, ehrwürdige Traditionen und moderne Verhältnisse, inklusive einer kleinen Teeschule; Stephan Reimertz; Gustav Kiepenheuer Verlag 1998
.) Tee; Jane Pettigrew; Benedikt Taschen Verlag 1998
.) Die Welt in einer Tasse Tee; Yi Sabine/Jacques Jumeau-Lafond/Michel Walsh; Paul Neff 1984
.) Tee. Süßer Tau des Himmels; Andreas Gruschke; Gruzim Verlag 2007
.) Tee für Genießer. Vom Geist in der Tasse. Edition Spuren; James Norwood Pratt; Edition Spuren 2002
.) Der Tee. Anbau, Sorten, Geschichte; Peter Rohrsen; C.H. Beck 2013
.) Tee. Eine Kulturgeschichte; Martin Krieger; Böhlau 2009
.) Der Tee (mit großer Faltkarte der Tee-Distrikte in Ost-Asien); Otto Schleinkofers; Beckstein 1924
.) Die Welt des Tees; Cornelia Haller-Zingerling; Umschau 2006
.) Das Buch vom Tee; Alain Stella/Nadine Beauthéac/Gilles Brochard/Catherine Donzel; Collection Rolf Heyne 2001
.) Teelexikon – DAS Nachschlagewerk für alle Teetrinker; Hans-Bernd Böttger; Pro BUSINESS Verlag 2010
.) Teetrinker sind bessere Menschen. Anregungen für abgebrühte Kenner; Achim Schwarze; Eichborn Verlag 1991
.) Der japanische Tee-Weg. Bewußtseinsschulung und Gesamtkunstwerk; Franziska Ehmcke; DuMont Buchverlag 1991
.) Zen in einer Schale Tee. Einführung in die japanische Teezeremonie; Jana und Dietrich Roloff; Lotos Verlag 2003
.) Book of Tea; Kakuzō Okakura; Tuttle Publishing 2000
.) Tea; Werner F.J. Schmitt; Ullstein 1997
.) The Japanese way of tea. From it’s Origins in China to Sen no Rikyû; Sōshitsu Sen; University of Hawai Press 1998
.) Chado der Teeweg; Soshitsu Sen; Theseus 1998
.) Sechs Getränke, die die Welt bewegten; Tom Standage/Rita Seuß; Artemis & Winkler Sachbuch 2012

Links:

- www.teeverband.de
- teekampagne.de
- www.zauberdestees.de
- www.teekanne.at
- www.twinings.at
- www.lebensmittelbuch.at
- www.fairtrade.at
- www.rainforest-alliance.org
- www.teaboard.gov.in
- www.omotesenke.jp/english
- www.urasenke.de
- www.ueda-souko.de

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