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Dem Niedergang geweiht

Weitestgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit endete Mitte Juli eine Sonder-Konferenz, bei welcher über die Zukunft eines ganzen Kontinents entschieden wurde bzw. besser ausgedrückt – entschieden hätte werden sollen, denn leider endete die Zusammenkunft ohne Ergebnisse: Die Antarktis-Konferenz!
Nicht weniger als zehn Jahre Vorbereitung waren somit zunichte gemacht. In Bremerhaven sollte die grösste Schutzzone auf diesem Globus festgelegt werden. Auch die deutsche Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Ilse Aigner (CSU), sprach im Vorfeld von der Möglichkeit, Geschichte zu schreiben. Vertreter aus 24 Ländern und der EU, also all jenen Staaten, die im ewigen Eis wirtschaftlich oder wissenschaftlich engagiert sind, sollten über die Meeresschätze am südlichen Ende unserer Erdkugel abstimmen, doch endete die CCAMLR (“Commission for the Conservation of Antarctic Marine Living Resources”) mit der Blockade Chinas und der Ukraine, Russland weist die Arbeit der Kommission gar zurück: Es fehle eine “…volle rechtliche Grundlage der Tätigkeit der Kommission in Bezug auf die Einrichtung eines solchen Bereichs”, heisst es in einem Positionspapier. Ausgerechnet Russland! Die Russen hatten diese Sondersitzung in Bremerhaven ja beantragt – allerdings sich zuvor bereits in einigen UN-Klimagesprächen quer gestellt! Die Blockierer stellten damit ein für alle mal klar, dass sie sich nicht in ihre Fischerei reden lassen. Anfänglich zählte auch Norwegen dazu – hier zeigte man sich allerdings kompromissbereit (Fangquoten).

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1944406/Enttaeuschenung-auf-Antarktis-Konferenz#/beitrag/video/1944406/Enttaeuschenung-auf-Antarktis-Konferenz

Doch zunächst ein paar Infos. Das Südpolarmeer macht in etwa zehn Prozent der gesamten Meeresfläche aus. In den vergangenen Monaten wurde der Beschluss akribisch unter Einbeziehung wissenschaftlicher Erkenntnisse aufgesetzt. Demgemäss sollten zirka 3,8 Millionen Quadratkilometer in der Ostantarktis und dem Rossmeer unter Schutz gestellt werden – ein Gebiet, das beinahe so gross ist wie die komplette Europäische Union. Die Staatengemeinschaft hatte sich verpflichtet, bis 2020 zehn Prozent der Küsten- und Meeresgewässer unter Schutz zu stellen. Derzeit jedoch sind es gerade mal zwei Prozent. In diesen antarktischen Gewässern leben bis zu 10.000 Tier- und Pflanzenarten. So ist etwa das Rossmeer eines der letzten intakten Ökosysteme der Welt.
In geschützten Meeresgebieten ist neben der Förderung von Rohstoffen auch der Fischfang nur bedingt möglich. Dabei geht es den Geschäftemachern vornehmlich um drei Arten: Dem Kleinkrebs “Krill” (lat.: Euphausia superba), dem Schwarzen Seehecht (lat.: Dissostichus eleginoides) und auch dem Riesen-Atlantikdorsch (lat.: Gadus morhua).
Das Krill-Öl ist bekannt für seine Ausgewogenheit an Omega-3-, Omega-6- und Omega-9-Fettsäuren. Es findet v.a. in der Anti-Aging-Medizin oder der Kosmetik Anwendung. Die Krebsart ernährt sich vom Phytoplankton. Sie dient vielen grösseren Arten als wichtige Nahrungsgrundlage. Wird u.a. auch in der Lachszucht als Futtermittel verwendet.
Der Schwarze Seehecht ist landläufig als “chilenischer Seebarsch” bekannt – ein Fisch im Hochpreissegment. Gourmets bezahlen für sein weisses, bissfestes und hauchzartes Fleisch schon mal bis zu 750 € pro Exemplar. Damit kann ein guter Fang geradezu Reichtum versprechen – nicht umsonst nennen die Fänger den Seehecht auch “weisses Gold der Antarktis”. Der Fisch lebt in bis zu 3.500 m Tiefe. Bereits derzeit werden zirka 3.000 Tonnen pro Jahr aus dem eisigen Wasser gezogen. Weltweit sind es nach Schätzungen 90.000 Tonnen, davon nicht weniger als 30.000 Tonnen illegal.
Der Riesen-Atlantik-Dorsch wird vornehmlich bei der Zubereitung von Sushi verwendet. Aufgrund der weltweiten Überfischung steht er auf der roten Liste der gefährdeten Tierarten.
Die Conservation of Antarctic Marine Living Resources wurde 1982 gegründet, damit das Krill-Vorkommen unter Schutz gestellt werden sollte. Forscher warnen: Wird der Fischfang nicht unverzüglich gestoppt, so stehe v.a. das Rossmeer vor einer nicht wieder gutzumachenden Beeinflussung des dortigen Lebensraumes!

https://www.youtube.com/watch?v=3vT7-lTffIs

Die Meeresschutzorganisation Deepwave und die Umweltorganisation WWF bezeichnen Bremerhaven als “Rückschritt für den Meeresschutz” (Tim Packeiser, WWF-Meeresökologe). Enttäuschung herrscht ausserdem bei Greenpeace. Auch hier hätte man sich zumindest ein Zeichen erwartet. Bereits bei der letzten turnusmässigen CCAMLR-Konferenz wurde der Widerstand der drei Länder laut – damals noch mit Unterstützung von Japan, Norwegen und Südkorea. Nicht weniger als 30 Umweltorganisationen gehören der “Allianz für den antarktischen Ozean (AOA)” an. Hier fallen immer und immer wieder die geflügelten Worte einer “historischen Chance”, die verpasst würde, wenn bei der nächsten ordentlichen Jahressitzung im Oktober im australischen Hobart keine Einigung erzielt würde. Sollte das geschehen, so wirft dies auch einen Schatten auf die Pläne für die Westantarktis (Weddellmeer), mit welchen derzeit deutsche Experten betraut sind. Dass keine bahnbrechende Entscheidungen wie etwa während der Konferenz 1959 getroffen werden sollten, war von vornherein klar. Damals waren sich die Teilnehmer darüber einig, dass die Antarktis nur für friedliche und wissenschaftliche Zwecke genutzt werden darf. Doch betraf dies das Festland, nicht die Meere um diesen Kontinent. Die USA und Neuseeland forderten deshalb 2,2 Millionen Quadratkilometer des Rossmeeres (südliche Antarktis – im neuseeländischen Teil), Australien und die EU 1,6 Millionen Quadratkilometer in der Ostantarktis unter Schutz zu stellen. Dabei wird v.a. das Rossmeer immer wieder von Wissenschaftlern als “letztes ökologische Juwel dieser Erde” bezeichnet. Es sei besonders wichtig, um die Auswirkungen des menschlichen Tuns an anderen Stellen des Planeten mit der ursprünglichen Natur zu vergleichen. Wird hier Eingriff gehalten, so wird sich dieser Bereich aufgrund der extremen Lebensbedingungen nurmehr sehr schwer und äusserst langwierig erholen können.

http://www.youtube.com/watch?v=fXYXHIX4P0A&feature=player_embedded

Die Arktis und auch die Antarktis spielen eine zudem immens wichtige Rolle in unserem Weltklima. Klimatologen bezeichnen sie auch gerne als “die Kühlschränke unseres Planeten”. Schmilzt das polare Eis, so werden die Temperaturen und der Meeresspiegel stark ansteigen, sodass all jene Landstriche, die derzeit auf Meeresniveau liegen, überflutet werden. Auch Prominente wie Leonardo di Caprio sind inzwischen beim russischen Präsidenten Wladimir Putin vorstellig geworden – mit Erfolg ist allerdings nicht zu rechnen. Also wird auch in diesem Falle wohl die Natur den wirtschaftlichen Interessen untergeordnet.
Eine Schande!!!

Tipp: “The last ocean” – ein Dokumentarfilm von John Weller und Peter Young (http://www.lastocean.org/)

http://www.youtube.com/watch?v=bKQUmlV6cSk&feature=player_embedded

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