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Weihnachten? Früher war’s anders…

Die heiligste und schönste Zeit im Christentum steht unmittelbar bevor: Weihnachten! Nach alter Überlieferung wurde in einem Stall zu Bethlehem das kleine Christuskind geboren, das die Menschheit durch seinen Tod am Kreuz von der Erbsünde befreien soll. Die vielen Unklarheiten, wie etwa die “unbefleckte Empfängnis” oder auch die automatische Weiter-gabe der Erbsünde (theoretisch müssten ja dann auch alle Vertreter Gottes davon betroffen sein) wollen wir heute mal ausser Acht lassen. Trotzdem möchte ich einige Jahrzehnte in der Geschichte zurückgehen, als es noch nicht den adventlichen Kaufrausch, Glühwein und Punsch, die Weihnachtsmärkte, den Kitsch und Plunder und den Weihnachtsmann gab. Dies sind alles Erfindungen der letzten Dekaden. Übrigens – wenn das Christkind noch am ehesten mit Weihnachten im ursprünglichen Sinn zu tun hat, so sind auch Adventskalender, Adventskranz und der Christbaum selbst Erfindungen.
Der Adventskalender geht beispielsweise auf das 19. Jahrhundert zurück – vermutlich auf das Jahr 1851. Ursprünglich sollte er einen Countdown hin zur Geburt Christi darstellen. So wurde ab dem ersten Advents-sonntag jeden Tag ein anderes Bild aufgehängt oder die Kinder konnten pro Tag einen Kreidestrich am Türpfosten wegwischen. Später wurde der Kalender mit Schokolade säkularisiert und damit auch kommerzialisiert. Der Adventskalender selbst ist eigentlich lutherischen Ursprungs und hatte weihnachtliche Motive, Sprüche und Bilder hinter den Türen versteckt. 1902 erschien der erste gedruckte Kalender, verkauft durch die Evangelische Buchhandlung in Hamburg. Den ersten Kalender mit 24 “Wibele” (Gebäck) stellte die lithografische Anstalt Reichhold & Lang in München her. Heuer hatten die Schokoladekalender bereits im Oktober in den Regalen der Supermärkte Premiere! Im Alpenraum übrigens gehört es zum Brauch, dass sich der Ort vor einem Haus mit Fenstern versammelt, die als Kalendertürchen verwendet werden. Zu Glühwein, Punsch und Selbstgebackenem wird dann abends jeweils ein Fenster geöffnet. Auch lebendige, begehbare Kalender finden immer wieder Verwendung – stets bei einem anderen Gastgeber. In der Schweiz heißen sie “Adventskalender im Quartier”. Dort werden Weihnachtsgeschichten erzählt und Lieder gesungen. Das 24. Türchen ist das Portal der Kirche.
Auch der Adventskranz geht auf die lutherische Kirche zurück. Der erste Kranz soll vom evangelisch-lutherischen Theologen Johann Hinrich Wichern in Hamburg aufgestellt worden sein. Damals verwendete er ein Wagenrad mit 20 kleinen und vier grossen Kerzen. Seit 1860 besteht der Kranz aus Tannenzweigen – ein Wagenrad im Wohnzimmer war dann doch etwas zu mühsam! 1925 wurde der erste Adventskranz in einer katholischen Kirche in Köln aufgehängt. Was nun wirklich mit dem Kranz ausgedrückt werden soll – darüber sind sich die Gelehrten uneins. Zunahme des Lichts auf dem Globus je näher Christi Geburt rückt? Der Kreis als Symbol für das ewige Leben? Farbsymbolik (grün – die Farbe der Hoffnung und des Lebens; drei violette Kerzen – die rosa Kerze wird am 3. Adventssonntag “Gaudette” angezündet). Oder – wie in Schweden: 1 weisse Kerze für den ersten Adventssonntag und drei violette, in Norwegen sind alle violett! Oder in Irland: 3 violette, eine rosa und eine weisse Kerze, die in der Mitte steht und am 24. Dezember angezündet wird. Übrigens werden normalerweise die Kerzen alle gegen den Uhrzeigersinn abgebrannt.
Zum Christbaum als DAS Symbol für Weihnachten schlechthin!
Wann genau der Tannenbaum Einzug in die Wohnstuben gehalten hat, ist unklar. Möglicherweise findet er erstmals 1419 urkundliche Erwähnung, als die Bäckerschaft von Freiburg einen Baum mit vielerlei Naschwerk behängt haben soll, das die Kinder nach dem Abschütteln zu Neujahr essen durften. Eindeutig belegt hingegen sind Aufzeichnungen von 1695 aus dem Elsass, als erstmals beschrieben wurde, wie ein “Dannenbaum” zu Weihnachten behängt werden soll. Seither hat sich viel getan – so kamen etwa 1830 die Christbaumkugeln hinzu. Im 19. Jahrhundert begann von Deutschland aus der Siegeszug um die Welt. Die ersten Bäume übrigens standen ebenfalls in evangelischen Kirchen. Der Christbaum auf dem Petersplatz in Rom ist erst seit 1982 Tradition. Seither kommt der Baum für den Papst jedes Jahr aus einer anderen Region – heuer stammt die 23 m hohe und 4,5 Tonnen schwere Fichte aus der von den diesjährigen Unwettern schwer betroffenen nord-italienischen Stadt Pordenone – ihre letzte Fahrt führte sie über 600 Kilometer nach Rom. Ein österreichischer Baum steht jedes Jahr vor dem EU-Parlament in Brüssel. Die 17 Jahre alte und 3,5 Meter hohe Nordmanntanne aus Niederösterreich hatte es etwas einfacher: Sie wurde geflogen! Die Illuminierung eines solchen Baumes ist in jeder Stadt etwas besonderes. Während der Weihnachtsbaum in katholischen Haushalten bis zum 02. Februar steht (Lichtmess), wird er in evangelischen Haushalten bereits am 06. Januar abgeputzt. Danach landet er entweder im Biomasse-Kraftwerk (Wien) oder im Zoo bei den Tieren (München). Der Baum gilt in allen Kulturen als Zeichen für Lebenskraft und Gesundheit. In Kärnten wird seit den 60er Jahren von Tauchern ein geschmückter Christbaum im Wörther See, später auch im Neufelder See versenkt und am Boden befestigt. Er dient dem Gedenken an die im See Ertrunkenen.
In Deutschland stand die Rotfichte als ursprünglicher Christbaum in den Wohnzimmern, seit Jahren jedoch sind die Nordmanntannen am beliebtesten, gefolgt von der Blaufichte, der Fichte, der Rotfichte, der Edeltanne, der Kiefer und der Douglasie. Einige Exoten wie die Korea-Tanne oder die Colorado-Tanne sind ebenfalls mancherorts zu entdecken. Alleine in Deutschland werden jedes Jahr nicht weniger als 27 Mio Christbäume geschmückt (in Österreich 2,8 Mio – 90 % davon aus heimischem Anbau). In deutschen Landen hingegen kann diese Menge gar nicht mehr selbst aufgezogen werden, benötigt doch eine Nordmanntanne rund 15 Jahre bis sie Zimmerhöhe erreicht hat. Sehr viele Bäume kommen aus Dänemark. Nordmanntannen sind schön und gleichmässig gewachsen und verströmen den typischen Tannenduft. Zudem nadeln sie weniger als etwa die Fichte. Die Blaufichte hingegen besitzt stahlblaue bis grünliche Nadeln und wächst etagenförmig. Damit verträgt sie auch einiges an Chrisbaumschmuck. Die Rotfichte ist aufgrund ihres kegelförmigen Wachstums der klassische Christbaum. Sie verliert jedoch schon nach wenigen Tagen die Nadeln. Sehr lange hingegen bleibt die Kiefer frisch, doch spielt sie eher eine untergeordnete Rolle. Ihre Nadeln werden bis zu 15 cm lang und sind in Büscheln beieinander.
Egal, welchen Baum Sie auch immer wählen: Wenn er auf dem Autodach transportiert wird, sollte er gut festgegurtet sein – und auf jeden Fall die Spitze nach hinten!
Ein Brauchtum, der nichts mit der Religion zu tun hat, trotzdem aber besonders im Alpenraum sehr verankert ist, sind die Rauhnächte. Dabei handelt es sich um die 12 Nächte zwischen dem 25. Dezember und dem Dreikönigstag. Hinzu kommen unter Umständen (je nach Region) auch die “Thomasnacht” vom 21. auf den 22. Dezember (Wintersonnenwende) und die Christnacht vom 24. auf den 25. Dezember. Der Ursprung dieser Nächte geht auf die alten Germanen oder gar noch weiter zurück und wird erstmals schriftlich im 16. Jahrhundert erwähnt. So berichtet 1520 Johannes Boemus und vierzehn Jahre später auch Sebastian Franck vom “Beräuchern”. Dabei gehen der Dorfpriester oder der Hofbauer mitsamt der Familie durch alle Zimmer sowie die Stallungen des Hauses und beräuchert diese mit Weihrauch. Währenddessen werden Gebete gesprochen. Das soll das Haus und seine Bewohner vor Geistern und Bösem bewahren. Doch war das noch lange nicht alles. Zu Silvester soll das Geisterreich offenstehen, Zauberer verwandeln sich in Werwölfe und fallen über den Menschen und dessen Vieh her. Zum Jahreswechsel beginnt aus diesem Grunde eine “wilde Jagd”. In den Alpen zeigt sich dies in den Perchtenläufen, in Norddeutschland im Rummelpottlaufen. Auch das Silvesterfeuerwerk soll die bösen Geister vertreiben. Es wird in der Mitte der Zwölfnächte um 12.00 Uhr abgebrannt. Das ist übrigens auch eine perfekte Zeit für Vorhersehungen und Orakeln – das erklärt das Bleigiessen zu Silvester. In den vier wichtigsten Rauhnächten darf zudem keine weisse Wäsche zum Trocknen aufgehängt werden. Reiter, die vorbeikommen, könnten sich einerseits in den gespannten Leinen verfangen und andererseits die weissen Tücher als Leichentuch mitnehmen. Weisse, weibliche Unterwäsche würde sie anlocken, heisst es in der Legende, die dann über die Frauen herfallen. Es gibt noch vieles mehr, das in den Rauhnächten nicht gemacht werden darf. Die Perchten überprüften die Einhaltung der Verbote und bestraften gegebenenfalls die Betreffenden mit Schlägen und Hieben.
Nicht unerwähnt bleiben sollte das “Glöckeln” (in Bayern auch “Klöpferlsingen”). Dabei marschiert zumeist eine Gruppe von Haus zu Haus und singt dort uralte Brauchtumslieder. Belohnt wird dies mit einem Einkehrschwung mit Getränken und Selbstgebackenem. Während diese Tradition in Tirol wiederentdeckt wird, ist sie übrigens auch in den USA ein fixer Bestandteil von Weihnachten.
Apropos – werfen wir einen Blick über den Tellerrand! Wie wird Weihnachten in anderen Ländern gefeiert?
Im British Empire liefert “Father Christmas” (in Nordamerika auch “Santa Claus”) die Geschenke in der “Christmas Eve” direkt unter den Weihnachtsbaum. Am “Christmas Day” trifft sich die ganze Familie zum Weihnachtsmahl. Die Queen hält jedes Jahr an Heiligabend eine Weihnachtsansprache, der Gottesdienst “Nine Lessons and Carols” aus dem Cambridger “King’s College” ist auf den britischen Inseln die quotenträchtigste Sendung des Jahres und dank BBC auch auf der ganzen Welt zu empfangen.
In Frankreich beschenkt Père Noël die Kinder. Dazu müssen sie ihre Stiefel vor die Türe stellen. Alsdann wird richtig aus dem Vollen geschöpft und ausgiebig geschlemmt: Muscheln, Gänseleber, Truthahn und viel Wein. Als Dessert gibt es schliesslich das “bûche de Noël”, ein traditionelles Weihnachtsgebäck aus Biskuit und Schokoladen-Butter-crème.
In Schweden beginnen die Weihnachtsfeierlichkeiten mit dem Luciafest am 13. Dezember. Zu Heiligabend trifft sich die Familie zum Jolbrod – genau: Zum Essen! Dazu werden allerlei Süssigkeiten gereicht und Glögg getrunken, eine Art Glühwein mit Beeren und Mandeln. Die Geschenke brachte früher der heidnische Julbock – heute ist es der Jultomte. Den Abschluss von Weihnachten bildet der Besuch der Frühmesse am Christtag.
Das Julbord gibt’s im benachbarten Norwegen bereits in der Vorweihnachtszeit. Im Land der Rentiere wird am Heiligabend ebenfalls diniert – mit Rippchen, Sauerkraut, Kartoffeln und Steckrüben. Die Geschenke bringt der Julenissen – jedoch nur für all jene Kinder, die das Jahr über brav waren. Der Jüngste der Familie darf sie verteilen. Die Pfarrer freuen sich, sehen sie doch zu Weihnachten viele unbekannte Gesichter unter den Besuchern ihrer Gottesdienste. Der 25. ist ein ruhiger Tag, am Stephanstag hingegen gibt’s allerorts Parties und verkleidete Kinder, die nach Süssigkeiten verlangen.
In Tschechien bringt das Jesuskind (“Ježíšek”) die Geschenke, die nach dem Weihnachtsessen am Heiligabend ausgepackt werden. Tagsüber darf nichts gegessen werden, damit die Kinder ein goldenes Ferkelchen (“Zlaté prasátko”) sehen können, sagen zumindest die Eltern. Ein mehr als interessanter Brauch wird ausserdem gefeiert: Mädchen werfen Schuhe über ihre Schultern. Zeigt die Schuhspitze zur Tür, steht eine baldige Heirat bevor. Geht der Fussboden dabei zu Bruch, war es wohl ein Schischuh!!!
Im eisigen Russland bringt Väterchen Frost mit seiner Enkelin Snegurotschka den Kindern die Geschenke. Dabei fährt er in einem von drei Pferden gezogenen Schlitten. Die Russen feiern Weihnachten allerdings entsprechend des Julianischen Kalenders erst am 07. Januar. Nachdem die Kommunisten jahrzehntelang den Weihnachtsbrauch unterdrückten, steht auch im Osten das “Heilige Mahl” am Heiligabend im Zentrum. Es besteht aus 12 Gerichten – das entspricht der Anzahl der 12 Apostel. Zar Peter der Grosse übrigens brachte von einer seiner Reisen auch den Weihnachtsbaum nach Russland mit.
Jenseits des grossen Teiches sind die Traditionen etwas anders. So erhalten etwa die Kinder in Argentinien ihre Geschenke erst durch die Heiligen Drei Könige am 08. Januar. Zu diesem Zweck lassen sie ihre Schuhe unter dem Bett stehen, die dann mit Süssigkeiten gefüllt werden. In allen anderen südamerikanischen Ländern hingegen werden die Geschenke tatsächlich zum christlichen Weihnachtsfest vom Papai Noel (Brasilien), dem Viejo Pasquero (einem alten chilenischen Hirten) oder dem Niño Dios (dem kolumbischen Jesuskind) gebracht. Ansonsten ähneln die Bräuche den europäischen. In El Salvador gibt’s ein Riesen-Feuerwerk, in Guatemala wird mit der ganzen Familie um einen Hut (“Purtina”) getanzt, in Mexiko finden Prozessionen statt.
In Indien ist der “bada din” (“Der Grosse Tag”) ein offizieller Feiertag. Weihnachten auf indisch heisst “Santa Claus” – das Fest ist mit jenem in den USA zu vergleichen. Grossartig ist, dass sich auch Hindus an den christlichen Gepflogenheiten wie Krippenspielen etc. beteiligen. Die Weihnachtsfeiern gehen schliesslich nahtlos in die Neujahrsfeiern über.
Auf dem afrikanischen Kontinent wird Weihnachten grossteils nicht gefeiert. Nur dort, wo Christen leben, erinnern sich die Menschen an die Geburt Jesu. In Ägypten etwa, bei den koptischen Christen, wird am 7. Januar nach der Mitternachtsmesse ein grosses Essen veranstaltet. Gereicht wird Fisch (“Bouri”), ein Gebäck (“Zalabya”) und mit Kreuzen versehene Kekse (“Kahk”). Mit dem 08. Januar beginnt dann eine Fastenzeit, die über vierzehn Tage andauert. Der 07. Januar ist in Ägypten (noch) ein gesetzlicher Feiertag.
In Australien und Neuseeland ähneln sich die Feierlichkeiten jenen aus Grossbritannien bzw. den USA. Zusätzlich finden in allen Städten grosse Paraden statt. Der Schlitten des Weihnachtsmannes wird von weissen Känguruhs gezogen, das Weihnachtsessen findet in Form von Barbecues oder Picknicks am Strand statt, während Santa Claus auf dem Surfbrett sein Können demonstriert. Auf den Tellern finden sich Truthahn und Plumpudding. Seit 1938 kommen zu Heiligabend auch Menschen zusammen, die gemeinsam zum Kerzenlicht Weihnachtslieder singen (“Carols by Candlelight”).
Sie sehen also, werte Leser, gefeiert wird überall. Zumeist auch im Kern gleich. Doch denke ich, dass es schade um das Fest selbst ist, wenn dies immer mehr kommerzialisiert wird. Wochenlang auf der Suche nach dem richtigen Geschenk, Stress mit dem Backwerk und Streiterei mit der Verwandten. Würde so manche Familie aus den unterschiedlichen Traditionen und alten Brauchtümern Anleihen für Weihnachten ziehen, käme auch unsereins wieder davon ab, nach der Bescherung die Joysticks der Playstation nicht mehr aus der Hand zu geben, abwesend in das Galaxy einzutippen oder mit dem neuen I-Pad die ohnedies schon bekannte Welt des WWWs stundenlang zu bereisen!

Mit diesen Worten möchte ich Ihnen allen ein gesegnetes und frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein gesundes Jahr 2019 wünschen! Vielen Dank für Ihre Treue! Den nächsten Blog gibt’s am 04. Januar 2019!

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