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Hope for Dope

Während in unseren Gefilden noch eine heftige Diskussion läuft, hat Kanada in diesen Tagen, als erste Industrienation überhaupt, Marihuana zu Genusszwecken freigegeben. Bislang galt auch am Ontario die Straffreiheit nur dann, wenn das Tütchen zu medizinischen Zwecken verwendet wurde. Seit dieser Woche ist die Produktion, der Verkauf und auch der Besitz von Cannabis im zweitgrössten Land dieser Erde erlaubt. Landesweit war es bislang nur in Uruguay und Südafrika genehmigt – in den USA gilt dies vorerst nur für neun Bundesstaaten – letzten Gerüchten aus dem Oval-Office zu glauben, räumt aber Herr Trump zumindest Diskussionsbereitschaft ein. Alle anderen UN-Mitgliedsstaaten bezogen sich auf ein internationales Abkommen aus dem Jahr 1961, das Cannabis auf eine Stufe mit harten Drogen wie den Opioiden stellte und verboten hatte. Ein Umstand, den bereits die Genfer Opium-Konvention 1924 vertrat. Hierauf baute sich das Verbot des Cannabis-Konsums und -Besitzes in Deutschland und Österreich ab 1929 auf. Hintergrund ist aber ein gänzlichst anderer: Der US-Minister Harry Anslinger führte in den 1920ern in den USA die Prohibition (Alkoholverbot) ein. Sie führte zum Aufblühen des organisierten Verbrechens und dem Aufstieg Al Capones. Als sie nicht zuletzt deshalb wieder abgeschafft wurde, hatte das Ministerium von Anslinger seine Existenzberechtigung verloren. Zu diesem Zeitpunkt erschlug ein Jugendlicher in Florida mit einer Axt seine komplette Familie. Er soll angeblich im Marihuana-Rausch gestanden sein. Anslinger sah plötzlich wieder eine Möglichkeit, sein Ministerium retten zu können und verbot Cannabis. Dies obgleich 29 von 30 Experten den Stoff für unbedenklich einstuften. Hier hakten sich viele Staaten ein. Anslinger setzte sich auch nach dem Zweiten Weltkrieg weiterhin für ein weltweites Verbot von Cannabis ein. Mit Erfolg: Das Resultat war das vorhin angesprochene UN-Abkommen von 1961.
Keine zweite Diskussion entzweit derzeit derart die Gemüter. Während Experten davor warnen, dass Cannabis nur eine Einstiegsdroge ist, die den Weg zu weiteren ebnet und dabei tiefgreifende Spuren in unserem Gehirn hinterlässt, meinen die Befürworter, dass Alkohol und Nikotin ebenfalls zu den Suchtmitteln gehören und der Markt endlich entkriminalisiert werden muss, damit der Handel damit überprüft werden kann. Und schliesslich ist es ein durchaus lukratives Zubrot für den Staatssäckel. So erwerben die kanadischen Provinzen die komplette Ernte und verkaufen sie an die genehmigten Stellen oder in eigenen Shops direkt an den Konsumenten. Gleiches gilt auch für den Online-Handel. Insgesamt wird mit einem Verkaufsvolumen von 5,7 Milliarden kanadischen Dollar gerechnet – jährlich. Pro Gramm kassiert Vater Staat mindestens einen Dollar an Steuern plus der Mehrwertsteuer, die in den Provinzen unterschiedlich hoch ist. 400 Millionen kanadische Dollar werden als Steuereinnahmen vorausberechnet. Vor insgesamt 100 Verkaufsstellen gab es diese Woche lange Warteschlangen, in manchen Regionen wird sogar ein Lieferengpass gemeldet. Ein Gramm kostet rund 10 kanadische Dollar – bis zu 30 Gramm darf ein Erwachsener besitzen. Die Regierung hat insgesamt 120 Lizenzen für den Anbau vergeben. Der private Anbau war bislang nur zu medizinischen Zwecken mit Genehmigung erlaubt. Die Verkaufszahlen werden jedoch schon sehr bald weiterhin steigen! Auch die Börse hat inzwischen reagiert: Die Aktien entsprechender Unternehmen schossen in den Himmel. Ein Land im Drogenrausch??? Mitnichten – schliesslich kann jede Provinz selbst über die Art und Weise entscheiden. So haben einige bereits die Altersgrenze von 19 Jahren eingeführt – landesweit gilt 18. Zudem sind Nahrungs-mittel und Getränke mit Cannabis-Zusatz vorerst noch verboten. Daneben darf jeder legal max. vier Marihuana-Pflanzen besitzen. Mehr sind ohne Genehmigung nach wie vor strafbar.
Hanf war auch bei uns lange Zeit eine extrem wichtige, da multifunktional zu verwertende Pflanze, bis sie nach dem Zweiten Weltkrieg verboten wurde. Mehr dazu lesen Sie im entsprechenden Blog auf dieser Seite. Das Gesetz unterscheidet allerdings in Deutschland und Österreich zwischen zwei verschiedenen Arten: Hanf mit einem nennenswerten THC-Anteil und Hanfpflanzen ohne diesen bzw. mit einem Gehalt unter dem Grenz-wert. Aus der Trennung der Blüten von ersterer Pflanze wird Cannabis, aus dem Harz Haschisch gewonnen. Getrocknete Blätter gelangen als Marihuana auf den Schwarzmarkt. Dieses ist in unseren Breitengraden nach wie vor nur mit Sonderlizenzen vornehmlich für den medizinischen Gebrauch erlaubt, ansonsten als psychotroper Stoff nach dem Sucht-mittelgesetz verboten.
Cannabis beeinflusst die motorischen Fähigkeiten durch die Dämpfung des Zentralnervensystems. Es kann auch Halluzinationen bewirken, wodurch selbstverständlich die Wahrnehmung ebenso beeinflusst wird wie das Denken und Verhalten des Konsumenten. Jene Gärtnereien, Apotheken und andere Gewerbebetriebe mit solchen Lizenzen werden deshalb strengstens kontrolliert. Allerdings ist in deutschen Landen und zwischen Neusiedler und Bodensee der Anbau nicht blühender Pflanzen, des sog. “Nutzhanfs” noch gestattet. Sie finden recht häufig in der Innenausstattung Verwendung. Das Geheimnis: THC-Säure wird nur in weiblichen Pflanzen während der Blüte produziert. Durch die Erhitzung entsteht schliesslich das Tetrahydrocannabinol. Der Nutzhanf beinhaltet den Wirkstoff CBD (Cannabidiol). Dieser ist nicht verboten und gelangt deshalb auch recht häufig bei der Produktion von Ölen, Tees etc. zum Einsatz. Hanföl beispielsweise ist eines der gesündesten Öle schlechthin. CBD wurde erst kürzlich ganz offiziell in die Arzneimittelliste aufgenommen, wodurch entsprechende Medikamente verschreibungs-fähig, nicht jedoch verschreibungspflichtig werden. Auf Usedom wird einmal im Jahr Hanfbier hergestellt. Es soll leicht süsslich und nach Gras schmecken, meinen die Tester. Auch hier wird selbstverständlich nur Nutzhanf verwendet – berauscht wird man höchstens von den 5 % Volumsalkohol.
Der Besitz von THC-Produkten bleibt jedoch nach wie vor strafbar – in Österreich etwa bei einer Haftstrafe von bis zu einem Jahr oder 360 Tagessätzen. Bei sehr geringen Mengen erfolgt jedoch meist nur eine Meldung bei den Bezirksverwaltungsbehörden. Im Wiederholungsfall jedoch kann es zu erheblichen Konsequenzen wie Entzug, Haft, Überwachung oder Psychotherapie kommen. Dealern allerdings drohen Haftstrafen zwischen zwei und drei, bei grossen Mengen bis zu fünf Jahren. Entscheidend für die Verurteilung ist der Grenzwert von 20 g reinem THC. Normalerweise liegt der THC-Gehalt in Strassenqualität (Reingehalt) bei 10 %.
Und dies obgleich inzwischen auch die WHO empfiehlt, die Einstufung von Marihuana als Droge neu zu bewerten. Es wäre schliesslich falsch, Marihuana auf einer Stufe mit den harten Drogen wie Kokain oder Heroin zu führen. So stellte in diesem Jahr das UN-Expertenkomitee zur Drogenabhängigkeit (ECDD) bei seinem 40. Treffen in Genf fest, dass zumindest das Cannabidiol CBD durchaus gut für die Gesundheit des Menschen sein kann. Das schrieb der Generaldirektor der WHO auch in seinem Bericht an UN-Generalsekretär António Guterres, der sich ja bereits vor Jahren für die Entkriminalisierung von Cannabis in Portugal einsetzte. CBD mache nicht süchtig und habe sich in vielen therapeutischen Bereichen mehr als verdient gemacht. Medizinisch findet THC-Cannabis übrigens in bereits vielen Ländern dieser Erde Verwendung in der Schmerztherapie, bei Epilepsie, Neurodermitis, Asthma, Multipler Sklerose oder beispielsweise auch Spastik. Nicht so in Österreich. Dort werden Patienten noch mit Chemie, unheilbare Krebspatienten noch mit Opiaten vollgepumpt. Im November wird das ECDD zum 41. Mal zusammenkommen und eine Empfehlung abgeben.
Immer wieder finden unregelmässige Demonstrationen von Befürwortern der Freigabe statt, doch nur in Prag regelmässig. Zuletzt forderten beim sog. “Million Marihuana-Marsch” 7000 Menschen zum bereits 20. Mal die Straffreiheit für den privaten Anbau und Konsum. Auch in Tschechien darf Cannabis nur zu medizinischen Zwecken bei Schwerkranken eingesetzt werden. Inzwischen zeigte sich jedoch die Regierung einsichtig und lockerte die ansonsten sehr strengen Gesetze. In den Niederlanden und Portugal wurde der Besitz entkriminalisiert.
Nicht allen geht es dabei um den eigenen Konsum, sondern vielmehr darum, aus dem bisherigen Schwarzmarkt einen legalen Markt zu machen, bei dem das Geld nicht irgendwo in der Unterwelt verschwindet, sondern ganz offiziell als Einnahmen in das Budget fliessen kann. So spürten das beispielsweise jene neun Bundesstaaten der USA bereits ganz eklatant. Marihuana ist in Kalifornien, Arizona, Maine, Nevada, Vermont und Massachusetts sowie dem US-Territorium Nördliche Marianen ab 21 Jahren freigegeben, in Alaska, Oregon, Colorado sowie dem Bundes-distrikt Washington D.C. darf indischer Hanf konsumiert werden. Landesweit aber ist es nach wie vor verboten – dennoch liegt die Verantwortung im Rahmen von Drogendelikten in Händen der Bundesstaaten! Und das Perverse an all dem: Die Betriebe dürfen keine Bankkonten eröffnen, da sie gegen Bundesgesetz verstossen und USA-weit als kriminell gelten. Trotzdem bezahlen auch sie Bundesabgaben – in bar!!! Der Staatenbund verdient also mit an von ihm aus gesehenen illegalen Geschäften, die landesspezifisch jedoch legal sind! Das verstehe, wer will!
Einige Zahlen zur Veranschaulichung? 2015 wurde in Colorado Marihuana im Wert von 996 Millionen US-Dollar verkauft – das brachte dem Bundesstaat zusätzliche Steuereinnahmen von 66,1 Millionen. 2018 werden in den USA rund 7 Milliarden Dollar Verkaufsumsätze erwartet – in zwei Jahren ist mit dem Dreifachen zu rechnen. Inzwischen springen auch Grosskonzerne wie Monsanto auf den fahrenden Zug auf.
Doch spüren die Bundesstaaten nicht nur das. Jedes Jahr werden in den USA hunderte Milliarden Dollar in den Kampf gegen die Drogen investiert. Durch die Freigabe von Cannabis entfällt der Schwarzmarkt dafür – somit auch ein recht erquicklicher Batzen aus den Kriegskassen. Dieses Geld kann sinnvoller in andere Bereiche investiert werden. Im Österreich etwa gab es im Jahr 2014 29.674 Anzeigen nach dem Suchtmittelgesetz – nicht weniger als 25.309 betrafen Cannabis-Fälle. Zwischen Flensburg und Berchtesgaden waren es 2017 330.580 Anzeigen, bei 204.904 war Cannabis im Spiel. In diesem Zusammenhang noch ein interessanter Vergleich: 126.153 waren deutsche Tatverdächtige, 48.530 nichtdeutsche Tatverdächtige. (Zahlen: BKA-Bericht für 2017). Zu Beginn des Jahres sprach sich der Bund Deutscher Kriminalbeamter für die Entkriminalisierung von Cannabis aus. Es sei sinnvoller, in die Aufklärung und Prävention zu investieren, als in die Bestrafung von dadurch kriminell gewordenen Menschen. Deshalb haben sich nun auch Okönomen diesem Thema angenommen:

“Der Drogenhandel ist der größte Zweig der organisierten Kriminalität mit 500 bis 600 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr. Wenn man die Drogen weltweit legalisiert, verliert sie mindestens die Hälfte ihres Geschäfts!”
(Prof. Dr. Friedrich Schneider, Volkswirt und emeritierter Experte für Schattenwirtschaft und Korruption Linz/OÖ)

Nun – es müssen ja nicht alle Drogen legalisiert werden!!! Seit Jahren rechnen sie vor, daß eine Legalisierung von Cannabis sogar Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung schafft. In den USA werden bis zum Jahr 2021 bis zu 300.000 Jobs neu entstanden sein, die unmittelbar mit der Freigabe von Cannabis zu tun haben. Ähnliches kann auch für Kanada erwartet werden.
Der Volkswirtschafter Prof. Dr. Justus Haucap von der Universität Düsseldorf erarbeitet derzeit eine Studie zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der Cannabis-Freigabe in Deutschland. Er spricht beispielsweise von 1 Milliarde zusätzlicher Steuereinnahmen (bei 60 %-iger Besteuerung) und einem Konsum von etwa 250 Tonnen. Jährlich!!! In Österreich wären es nach mehreren Berechnungsmodellen 200 Mio Euro an Steuereinnahmen. Auch die deutsche Exekutive und Justiz hätte Einsparungen von zumindest einer Milliarde Euro. Zudem könnte die Wirtschaft ganz offiziell von dem derzeit durchaus gut gehenden Schwarzmarkt zehren. Der würde dann ja wohl zusammenbrechen. Haucap spricht von neuen Jobs in fünfstelliger Zahl.
Trotz all dieser Pluspunkte sollte jedoch nicht vergessen werden, dass THC ebenso wie Alkohol und Nikotin süchtig macht. Sollte ein Tütchen ab und an durchaus verkraftbar sein, so kann der ständige Konsum von THC ebenso zu gesundheitlichen Schäden führen: Angststörungen, Depression und Psychosen sind nicht auszuschliessen. Nachgewiesen ist ein Erinnerungsverlust, da Informationen nicht mehr verarbeitet werden können. Experten warnen zudem davor, dass neue Züchtungen einen immer höher werdenden THC-Anteil haben können.
Ich höre nun im Hintergrund bereits die Stimmen, die den Untergang des Abendlandes prophezeien, wenn alle und jeder am Kiffen sein wird. Dem halte ich offizielle Studien aus Colorado zum Konsum unter Jugendlichen entgegen. Dort ist der Verkauf seit 2012 freigegeben. Offizielle Untersuchungen haben ergeben, dass der Cannabis-Konsum unter den Erwachsenen konstant geblieben, die Zahl der jugendlichen Kiffer jedoch sogar rückläufig ist. Leicht erklärbar: Den Schwarzmarkt gibt es nicht mehr – offiziell kann aber erst ab 21 Jahren gekauft werden. Prof. Dr. Rainer Thomasius von der Universitätsklinik Hamburg-Erpfendorf ist jedoch gegenteiliger Meinung. Er meint, dass sich hierzulande der Schwarzmarkt bei einer Legalisierung auf die Jugendlichen konzentrieren werde. Besonders betroffen wären dabei die Kinder sozial schwächerer Bevölkerungsschichten. Übrigens liegt der Cannabis-Verkauf an Erwachsene in den dafür entkriminalisierten Niederlanden ebenfalls im europäischen Durchschnitt.
In der EU überwacht das European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction (EMCDDA) das Abstimmungsverhalten der nationalen Parlamente. Hier geht man noch nicht von einer EU-weiten Freigabe aus. Vor allem rechtspopulistische Regierungen weigern sich strikt – auch die österreichische. So wird die Wirksamkeit von THC-Medikamenten mit dem Hintergrund des Verbotes überprüft; zudem überlegt man sich inzwischen, dass bereits der Verkauf von Hanfsamen und Stecklingen verboten wird. Eine richtiggehende Sünde, zieht man in Erwägung, was inzwischen alles aus Hanf hergestellt werden kann. Zudem ist es eine mehrjährige, nachhaltige Pflanze mit tiefgreifenden Wurzeln, tut somit dem Boden gut und ist weniger dürreanfällig.
Der Koordinator für Psychiatrie, Sucht- und Drogenfragen der Stadt Wien meinte unlängst hierzu, “…dass eine Cannabis-Freigabe eine Angleichung an die Realität wäre!” Schliesslich geben 30 bis 40 % der Österreicher und -innen bei Umfragen an, zumindest einmal im Leben Cannabis geraucht zu haben – in Deutschland sind es 46 %. In Spanien wurden die Gesetze ebenfalls gelockert und 300 Haschischclubs offiziell genehmigt. Deutschland und Österreich werden sich ihre Stellung zu Cannabis und Marihuana nach einer zu erwartenden internationalen Freigabe durch die UNO neu überdenken müssen – auch wenn sie es derzeit partout nicht wollen. In Österreich wurde das Ganze gar noch verschärft – seit dem ß1. Juni des Jahres gilt der Verkauf auf der Straße als eigener Tatbestand.

“Einziger Profiteur der restriktiven Politik ist die organisierte Kriminalität!”
(Prof. Dr. Justus Haucap, Ökonom an der Universität Düsseldorf)

In Deutschland übergab der Deutsche Hanfverband im Dezember 2017 79.000 Unterschriften einer Petition zur Freigabe von Cannabis. 11.507 Petitionen wurden im vergangenen Jahr dort abgehalten – keine andere hatte mehr Befürworter. Bei mehr als 50.000 Unterzeichnern muss sich der Petitionsausschuss des Bundestages der Sache annehmen. Während sich die Grünen, die Linkspartei und die FDP schon seit einiger Zeit für eine Legalisierung unter verschiedenen Voraussetzungen aussprechen, weigern sich die anderen Fraktionen noch. Die SPD zeigt jedoch erste Anzeichen einer möglichen Meinungsänderung. So wird beim Parteitag der Berliner Genossen im November über eine kontrollierte Abgabe abgestimmt werden. Auch die Justizminister der Länder befürworten inzwischen die Freigabe für den Eigenbedarf (bis max. 6 Gramm!).
Ganz im Gegensatz zum südlichen Nachbarn entwickelt sich Kanada unter dem Liberalen Justin Trudeau immer mehr zum Vorzeigestaat. Im Rahmen der Regierungserklärung, die zur Freigabe von Cannabis führte, wurde auch mehr Sozialhilfe für Bedürftige, weniger Steuern für die Mittelschicht, strengere Waffengesetze und CO2-Zertifikate für den Klimaschutz versprochen. Trudeau gab übrigens zu, in seinem Leben fünf- bis sechsmal ein Tütchen geraucht zu haben – einmal sogar bei einem Abendessen im Parlament. Wenn das so weitergehen sollte, muss wohl mit einer grossen Anzahl von Asylanten aus den USA gerechnet werden.

PS:
Wer aus diesen meinen heutigen Schilderungen vielleicht schliessen sollte, dass ich ein großer Anhänger des Kiffens bin, liegt falsch. Ich habe in meiner Zeit beim Österreichischen Bundesheer (inzwischen verjährt) meinen ersten und einzigen Joint geraucht. Hat mir nicht geschmeckt – deshalb blieb es auch bei diesem einen Versuch. Ich werde alsdann keinen zweiten angehen, wenn es denn legal ist. Ich trete allerdings für die Entkriminalisierung von Cannabis aus den oben genannten Gründen ein. Exekutive und Justiz haben schliesslich sinnvolleres zu tun, als derartige Kleinkriminelle abzustrafen, weil sie einmal ein Tütchen geraucht haben!

Lesetipps:

.) Die Legalisierung und Regulierung des Cannabismarkts in Deutschland; Stefan Lang; Diplomica-Verlag 2015
.) Cannabis Verstehen: Warum unsere Gesellschaft immer noch mit alten Vorurteilen behaftet ist; Dom Piru; tredition 2018
.) Hanfpsychose: Vom psychotischen Umgang über die medizinische Anwendung zum legalen Genuss; Christian Dorn; Books on Demand 2016
.) Legalisieren!: Vorträge zur Drogenpolitik; Günter Amendt ; Rotpunktverlag 2014
.) Rauschzeichen: Cannabis: Alles, was man wissen muss; Steffen Geyer/Georg Wurth; KiWi-Taschenbuch 2008
.) Haschisch. Konsum – Wirkung – Abhängigkeit – Selbsthilfe – Therapie; Helmut Kuntz; Beltz 2016
.) Die Behandlung mit Cannabis und THC: Medizinische Möglichkeiten, Rechtliche Lage, Rezepte, Praxistipps; Franjo Grotenhermen/Britta Reckendrees; Nachtschatten Verlag 2016
.) Die Cannabis-Lüge: Warum Marihuana verharmlost wird und wer daran verdient; Kurosch Yazdi; Schwarzkopf & Schwarzkopf 2017

Links:

- www.bka.de
- bundeskriminalamt.at
- www.praevention.at
- www.hanfverband.de
- www.proplanta.de
- www.procannabisdeutschland.de
- www.cannabis.info
- cannabis-special.com
- www.cannabis-clubs.de
- kontrast.at
- www.legalisieren.at
- austria.legalize.eu
- arge-canna.at
- hanfinstitut.at
- www.medmix.at

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Die Lösung gegen den Welthunger?


Dieser Blog soll nicht dazu animieren, illegalerweise halluzinogene Mittel zu konsumieren. Drogen sind schädlich und können töten!

Hanf! Aha – Sie also auch? Erwähnt man diese Pflanze, so denken die meisten wohl nur an eines:

Das Tütchen in Ehren, kann niemand verwehren!

Ich möchte in diesen heutigen Zeilen jedoch das Thema Cannabis und THC nur peripher behandeln, da Hanf eine Pflanze ist, die in mannigfacher Hinsicht sehr viele Probleme lösen könnte, da sie unheimlich breit gefächert eingesetzt werden kann. So findet neben den Fasern und Samen auch das Öl Verwendung.
Hanf (lat. Cannabis sativa) gehört zur Ordnung der Rosales, der Rosenartigen. Die Blätter selbst sind am Rande gesägt und wachsen handförmig. Der Hanf bestäubt sich sozusagen durch die Zuhilfenahme des Windes selbst – die männlichen Blüten sind lose in Rispen, die weiblichen in Traubenform angeordnet. Die Früchte der Pflanze heissen Achänen. Hanf war ursprünglich in Zentralasien beheimatet, heute findet er in gemässigten bis tropischen Zonen die besten Voraussetzungen. Der Amerikaner Karl W. Hillig unterscheidet weltweit zwischen 157 Populationen. Geschätzt wurde der Alleskönner schon in grauen Vorzeiten von unzähligen Volksstämmen. Viele hielten ihn aufgrund seiner halluzinogenen Wirkung auch als “heilige Planze”, tasächlich ist er eine der wohl ältesten Nutz- und Zierpflanzen. Archäologen entdeckten in Taiwan Tonscherben mit eingearbeiteten Hanfschnüren. Deren Alter wird auf 10.000 Jahre geschätzt. Auch in China wurden die Samen lange vor Christi Geburt verzehrt und die Fasern der Stengel verwendet. Zudem beschreibt ein uralter medizinischer Text (rund 250 vor Christus), dass Hanf als Heilmittel gegen die Malaria, Rheuma und “Unpässlichkeiten” eingesetzt werden kann. Michael Mittermeier würde also sagen: “Die Ur-Kiffer – das waren damals die Chinesen!”
Auch in Europa war Hanf schon sehr früh heiss begehrt – so trugen beispielsweise die Griechen Chitons aus Hanf. Daneben wurden über lange Zeit hinweg Nessel und Flachs verwendet. In der Schifffahrt vertrauten die Seeleute auf Segel aus Hanf, auch die Papiererzeugung kam nicht ohne aus. Gutenberg etwa druckte seine Bibel anno 1455 auf Hanfpapier; rund 300 Jahre später unterzeichnete George Washington die amerikanische Unabhängigkeitserklärung auf Papier aus Hanf – er selbst baute die Pflanze in grossem Stil an. In den USA galt es übrigens bis hinein in’s 18. Jahrhundert als strafbar, wenn sich ein Farmer weigerte, Hanf anzubauen; die Hanfbauern waren im Zweiten Weltkrireg gar vom Kriegsdienst befreit. Einige der wertvollsten Gemälde der Welt sind auf Hanfleinen verewigt (Rembrandt, van Gogh,…). Viele Langbogen hatten ausserdem im Mittelalter Sehnen aus Hanf. Die Samen wurden ebenfalls für viele Wehwechen eingesetzt – angefangen von Ohrenschmerzen über Wehenkrämpfe bis hin zu postnatalen Schmerzen. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges allerdings sank die Anbaurate in Deutschland in Richtung null, da Tabak wirtschaftlich lukrativer und alternativ zu Hanf Sisal in grossen Mengen importiert wurde. In den USA verfolgte vor allem der Leiter des Drogenbüros FBN, Harry Anslinger, in den 30er Jahren eine Politik der Tabuisierung und schliesslich Kriminalisierung. Damals erfand man auch die Bezeichnung “Marihuana”. Die Kampagne Anslingers war voll und ganz auf dem Verbot von Marihuana ausgelegt – viele Menschen, die sich dafür einsetzten, wussten gar nicht, dass sie sich dadurch auch all der Möglichkeiten dieser Wunderpflanze beraubten. Marihuana ist der mexikanische Ausdruck für Hanf. Hätten sie das gewusst, hätten sich viele höchstwahrscheinlich nicht für das Verbot ausgesprochen. 1961 schliesslich wurde Marihuana den Opiaten gleichgestellt und somit illegalisiert. In Deutschland untersagte 1982 das neue Betäubungsmittelgesetz den Hanfanbau gänzlichst. Mit Ausnahme eines kurzen Intermezzos im Zweiten Weltkrieg wurde die Pflanze erst Anfang der 90er Jahre in grossem Stile wiederentdeckt. Etwa durch die Bauindustrie, die Hersteller von Farben und Lacke, den Waschmittelproduzenten,… Der grosse Baumwoll-Boom scheint vorbei, die Hanffaser kommt auch in der Bekleidungsindustrie wieder zurück. Saugt sich alsdann Baumwolle mit Wasser voll und wird dadurch wesentlich schwerer, so ist dies bei Hanf nur sehr eingeschränkt der Fall. Die Fasern halten länger und können mehrfach recycelt werden. Das macht sie auch für die Wirtschaft dermassen interessant: Lange Haltbarkeit, niedrige Energiebilanz und grosse Umweltverträglichkeit.
Inzwischen sind wieder mehrere Nutz-Hanfsorten durch die EU zum Anbau freigegeben. Nutzhanf darf dabei nur weniger als 1 % THC-Gehalt aufweisen, für den Anbau grundsätzlich freigegeben sind jene Sorten, die weniger als 0,2 % beinhalten. Für den Bauern ergeben sich mehrere grosse Vorteile: Die krautartige Pflanze beschattet innerhalb nur weniger Tage den Boden, sodass dem Unkraut das lebensnotwendige Licht fehlt. Zudem ist er pflegeleicht und schädlingsresistent. Die Wurzeln dringen bis zu 1,4 Meter in den Boden ein. Dadurch kommt der Pflanze eine ganz entscheidende Bedeutung bei der Wiederbegrünung von Steppenlandschaften zu. Ausserdem produziert sie mehr Biomasse als jede andere heimische Nutzpflanze.
Ernährungsexperten befürworten sogar die Verwendung von Hanf in der Küche. So besitzt dieser eine weitaus grössere Nährstoffdichte als so manch anderes Naturprodukt. Hanf zählt ernährungstechnisch zu den sog. “Superfoods”. Die Hanfsamen (“Hanfnüsschen”) bespielsweise sind reich an Vitamin B (v.a. B2 – Riboflavin) und Antioxidantien. Vitamin B2 ist in vielerlei Hinsicht enorm wichtig: Muskelaufbau, Stresshormone, Sehschärfe und Haut. Hanf beinhaltet mehr B2 als so manches tierisches Produkt. Zudem besteht die Hanfnuss zu 20 bis 24 % aus Proteinen – darunter auch die wichtigsten essentielle Aminosäuren, die der Mensch für den Aufbau des körpereigenen Eiweisses benötigt: Etwa Edestin und Albumin (ähneln den menschlichen Proteinen – somit leicht verdaulich), Cystein und Methionin (Zellentgiftung, Produktion vitaler Enzyme) und anderen, die v.a. beim Muskelaufbau und im Rahmen des Immunsystems entscheidend sind. 2-3 Esslöffel decken den Tagesbedarf – Sportler sollten dies vor dem Training zu sich nehmen. Ganz zu schweigen von den wichtigen Omega3-Fettsäuren. Das Verhältnis zwischen Omega6- zu Omega3-Fettsäuren beläuft sich auf 3,75:1, somit eine perfekt entzündungshemmende Abstimmung. Doch ist das noch lange nicht alles! Ein Grossteil der Bevölkerung leidet an der Unterversorgung mit Gamma-Linolensäure GLA. Diese immens wichtige Fettsäure sorgt für die richtige Balance des Hormonhaushaltes, die Aktivierung des Stoffwechsels und v.a. der Heilung entzündlicher Prozesse im Körper. Fehlt die GLA, so kann es zu Neurodermitis, diabetischer Neuropathie und rheumatoider Arthritis kommen. Im Stoffwechsel unterstützt GLA die sog. “Natrium-Kalium-Pumpe”, welche die Zellen mit Nährstoffen ver- und die giftigen Abfallprodukte entsorgt. Dadurch wird auch das schädliche eingelagerte Fett besser abgebaut, da es in die Energiegewinnung involviert wird. Hanf beinhaltet recht grosse Mengen dieser GLA, die aber auch in schwarzen Johannisbeeren, im Borretsch und beispielsweise im Granatapfel zu finden ist. Übrigens genügen bereits 20 g Hanföl täglich, damit der komplette Tagesbedarf an essentiellen Fettsäuren gedeckt ist. Allerdings darf dieses Öl nicht zum Braten oder Frittieren verwendet werden, sondern sollte vornehmlich in Salatdressings zur Anwendung gelangen.
Auch Treibstoffe und Kunststoffe liessen sich mit Hanf herstellen, was jedoch zwei starken Lobbys so gar nicht in den Kram passt: Der Erdöl- und der Palmöl-Industrie!
Der schlechte Ruf stammt von den Cannabinoiden, die vornehmlich in Form von Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) halluzinogen wirken. Das nutzt die Medizin und Pharmakologie etwa in der Schmerztherapie, bei multipler Sklerose, manchen Krebserkrankungen und einigen psychiatrischen Störungen. Diese Medikamente sind jedoch in Deutschland und Österreich verschreibungspflichtig. Der Wirkstoff wird vornehmlich aus den beiden Arten Cannabis sativa sowie Cannabis indica gewonnen. Und hier kommt es in Österreich zu einem Schildbürgerstreich: Hanf wird gerne zu Dekorationszwecken verwendet. So können Hanfpflanzen und Stecklinge beispielsweise im Hanf & Hanf Growshop in Wien ganz legal erworben werden. Ergo ist für Otto Normalbürger der Besitz einer Hanfpflanze in der Wohnung oder auf dem Balkon nicht strafbar – dessen Verwertung hingegen sehr wohl. Dabei werden die Blütentrauben und blütennahen Blätter der weiblichen Pflanze zerkleinert und getrocknet. Als “Gras” oder “Marihuana” findet es dann seinen Einsatz in so mancher selbstgedrehten Zigarette. Das Harz, das bei diesem Vorgang extrahiert wird, bildet das Haschisch oder Haschischöl. Cannabis ist in Deutschland und Österreich verboten, auch wenn ständig Bestrebungen unternommen werden, es zu legalisieren um dessen Verwendung dadurch zu entkriminalisieren. In immer mehr Staaten der USA wird der Konsum inzwischen freigegeben. Die Cannabinoide beeinflussen vornehmlich das Zentralnervensystem des Menschen, wodurch ihnen eine sedierende, also betäubende Wirkung zukommt. Dass Cannabis immer wieder als Einstiegsdroge gilt, verneinen inzwischen viele Experten.
Weltweit gibt es vier Hanfmuseen, in welchen alles Wissenswerte über diese Nutzpflanze in Erfahrung gebracht werden kann: Amsterdam, Barcelona, Bologna und Berlin. In Wien hingegen findet vom 7. bis 9. Oktober wieder die Cultiva, die Hanfmesse statt.
Wer den Hanfanbau unterstützen will, hat im Rahmen eines Crowdfunding-Projektes die Möglichkeit hierzu. Gesucht werden Investoren für die Anschaffung einer Erntemaschine:

www.startnext.com/hanfernte

Sie sehen also: Hanf bedeutet nicht automatisch auch kiffen! Der grossflächige Anbau von Nutzhanf könnte viele Sorgen der Menschheit lösen!!!

Zuletzt noch eine kurze Anekdote: Der bayrische Reggae-Export Hans Söllner gestand einst in einem Radio-Interview, dass er auf Tournee zum Abschalten ab und an ein Tütchen rauche. Kurze Zeit später stand die Polizei für eine Hausdurchsuchung bei ihm auf der Matte! Um einer derartigen Überlegung zuvor zu kommen: Ja – ich bin für die Legalisierung, da dadurch eine Entkriminalisierung erzielt werden könnte. Ob es nun schädlich ist oder nicht sollte dem mündigen Bürger überlassen werden – schliesslich ist er ja auch mündig genug, als er seine Volksvertreter selbst wählen kann. Ich für mich jedoch lehne halluzinogene Drogen grundsätzlich ab!

Lesetipps:

.) Das große Cannabis-Lexikon – Alles über die Nutzpflanze Hanf; Bernhard van Treeck; Lexikon-Imprint-Verlag, Berlin 2000
.) Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf; Jack Herer, Mathias Bröckers; Heyne Verlag, 1996
.) Der Cannabis-Anbau: Alles über Botanik, Anbau, Vermehrung, Weiterverarbeitung und medizinische Anwendung sowie THC-Messverfahren; Lark-Lajon Lizermann; Nachtschatten Verlag, 2004
.) Backen mit Hanf; Kathrin Gebhardt; AT-Verlag, 1997

Links:

www.unodc.org/
www.cannabis-med.org/
www.zentrum-der-gesundheit.de
www.hanfmuseum.de
hanfverband.de/
www.hanfernte.de
www.hanff.lu
www.hanf-magazin.com/

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