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Die Stinker sind da

An dieser heutigen Stelle hätte eigentlich ein anderer Text stehen sollen. Jedoch wurde mir von Sicherheitsexperten geraten, diesen nicht zu veröffentlichen, da sich die Szene augenblicklich im Umbruch befindet und sehr hellhörig geworden ist. Deshalb habe ich mich kurzfristig umentschieden und eine wahrhaft unappetitliche Sache angepackt.

Der Klimawandel macht’s möglich, dass derzeit eine Sache ganz offen besprochen wird, die eigentlich lieber stillgeschwiegen wird: Deutschland hat ein Wanzenproblem! Nein – nicht die kleinen Technikdinger, mit denen man sich zwar einseitig, dennoch aber lebhaft unterhalten kann und dabei immer ein offenes Ohr findet. Die Rede ist von den sechsbeinigen, lebenden Insekten! Sie trotzen den monatelangen Meldungen zum Insektensterben und bevölkern derzeit zu Millionen Bäume, Terassen, Hausfassaden und sonstige Restwärme abstrahlende Orte. Experten sprechen von einem massiven Auftreten der Amerikanischen Kiefern-, der Malven- und der Grünen Stinkwanze. Die Erklärung hierfür ist ganz einfach: Wanzen lieben warme und trockene Orte. In den Ballungsräumen wird es zusehends wärmer. Hinzu kommen nahezu frostfreie Winter und wie zuletzt heisse und lange Sommer – perfekte Voraussetzungen also für grosse Populationen, die gleich zwei Generationen beinhalten. Wer nun eine Panikattacke bekommen sollte: Sie sind zwar unangenehm, jedoch für den Menschen meist nicht gefährlich!
Weltweit gibt es zirka 40.000 Arten von Wanzen. In Deutschland derer knapp 1000. Bei so manchen Exemplaren ist Vorsicht angesagt, da sie sich von Menschenblut ernähren (die Bettwanze etwa) und dadurch Krankheiten übertragen können bzw. toxische Stoffe ausscheiden. Die drei vorhin angesprochenen Arten jedoch sind Pflanzensauger. Auch hilft beim Antreffen in den heimischen vier Wänden kein mikrobiologischer Putzfimmel – Wanzen haben nichts mit mangelnder Hygiene zu tun – zumindest nicht die Pflanzensauger. Da kann sich das Zuhause nahezu steril präsentieren, ein gekipptes Fenster, eine offene Tür oder auch eine Mauernritze reichen bereits und sie sind im Haus. Dort suchen sie sich eine warme Stelle für die Übernachtung oder auch die Überwinterung. Aber: In Wohnungen vermehren sie sich nicht. Zudem sind die meisten Wanzen flugfaul – sie suchen sich deshalb das kürzeste Ziel – immer das erste geöffnete Fenster neben einem befallenen Baum.
Zur Familie der Baumwanzen gehören weltweit rund 4.000 Arten – etwa 70 davon finden sich in Mitteleuropa. Besonders unangenehm sind die Graue Gartenwanze (Rhaphigaster nebulosa) und die Grüne Stinkwanze (Palomena prasina). Damit sie sich vor Fressfeinden schützen können, sondern sie bei Gefahr oder Berührung ein streng riechendes Sekret ab, das sich zudem sehr lange auf Haut oder Kleidung halten kann. Die Gartenwanze lebt vornehmlich in der deutschen Rheinebene. Die Grüne Stinkwanze ist zumeist in Sträuchern anzutreffen, in der Oberpfalz haben sie deshalb die Bezeichnung “Schwoarzbeer Gougl” erhalten. Im Herbst färbt sich deren Panzer braun-grün: Zeit wird’s, ein Winterquartier zu suchen. Sollten Sie solche Stinkwanzen im Hause finden, verwenden Sie bitte keine Chemikalien. Es reicht das Aussprühen einer Spülmittellösung. Dies löst den Panzer der Tiere auf – sie vertrocknen von innen heraus. Auch mögen sie keinen Knoblauch. Der Stinker, die auch Gemeine Baumwanze Genannte lebt vornehmlich in Erlen und Linden und ernährt sich vom Pflanzensaft. Dabei erreicht sie eine Grösse von rund 16 Millimetern. Die Weibchen beginnen im Frühsommer mit der Eiablage an der Unterseite der Wirtspflanze. Dabei produziert ein einziges Tier insgesamt bis zu 450 Eier. Einige Tage später schlüpfen die sog. “Nymphen”. Sie werden in den nächsten Wochen fünf Stadien durchlaufen.
Besonders in der Nähe von Gewässern oder Feuchtwiesen leben die Lederwanzen (Coreus marginatus). In Europa sind rund 25 Arten bekannt. Ihr Körper ist durchgehend mittel- bis dunkelbraun, ihr Hinterleib leuchtend rot. Die Farbe ändert sich im Herbst in schwarz-braun. Die Körperoberfläche ist vernarbt, das führt zu einem lederähnlichen Erscheinungsbild. Die Tiere werden zwischen 10,5 und 16 Millimeter groß. Diese Wanzenart ist ab zirka April in Sträuchern im Garten zu finden. Zur Eiablage bevorzugt sie Ampfer- und Knöterich-Pflanzen. Aus den Eiern schlüpfen nach drei bis fünf Wochen die Larven, die bis Juli fünf Nymphen-Stadien durchlaufen. Die erwachsenen Imagos finden sich dann in Sträuchern (Brombeer) oder Stauden bzw. Disteln. Sie lieben übrigens den Saft des Rhabarbers. Die Lederwanze kann Gift versprühen – auf der menschlichen Haut hinterlässt es braune Flecken. Zur Überwinterung nutzen die Tiere Bodenstreu.
Doch finden sich nicht nur die heimischen Arten wie die Stink- oder die Gartenwanze derzeit in unseren Gärten. Aus China etwa wurde die Grüne Reiswanze (Nezara viridula), die Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys) eingeschleppt, aus Nord-Amerika die rötlich-braune Amerikanische Zapfen- der Kiefernwanze (Leptoglossus occidentalis) oder auch die Malvenwanze (Oxycarenus lavaterae) aus dem Mittelmeer-raum.
Die marmorierte Baumwanze ist zwischen 12 bis 17 Millimeter gross, grau bis braun marmoriert und besitzt am Seitenrand schwarz-weiß gemusterte Flecken. Die Fressgeräte (der Mundteil) sind als Saugrüssel ausgebildet. Das macht sie auch für die heimische Landwirtschaft dermassen gefährlich: Sie kann besonders im Gemüse- und Obstanbau (Äpfel, Trauben, Gurken, Tomaten) grosse Schäden anrichten. In den USA blieb sie für rund 10 Jahre unentdeckt – derzeit richtet sie v.a. in Apfel-Plantagen Ernteausfälle von rund 30 Millionen US-Dollar an. Sie wurde vermutlich in den 90er Jahren mit Baumaterial aus Ostasien in die Schweiz gebracht. Insektenforscher entdeckten sie erstmals 2004 in Liechtenstein – inzwischen wandert sie den Rheingraben hinauf. Durch den Klimawandel finden die Tiere nun auch in Europa hervorragende Lebensvoraussetzungen und zudem nach diesem Fruchtjahr auch jede Menge Nahrung. Manches Mal bringen derartige Schädlinge auch gleich ihre Fressfeinde mit. Nicht so die Marmorierte Baumwanze, da sie keine natürlichen Feinde hat. In Wien sorgte sie bereits 2016 für ziemliches Aufregen, da sie massenweise auftrat.
Die Amerikanische Kiefernwanze gelangte erstmals 1999 in Norditalien in das Visier der Entomologen. Möglicherweise wurde sie auf Weihnachts-bäumen, Saatgut oder ebenfalls Baumaterial eingeschleppt. Auch sie hat sich inzwischen auf weite Teile Europas ausgebreitet. Ihre Grösse liegt bei 15 bis 20 Millimeter, die Körperoberseite ist rötlich-braun bis schwarz, in der Mitte der Vorderflügel befindet sich ein auffallendes weißes Zick-Zack-Muster. Das Weibchen legt Ende Mai/Anfang Juni rund 80 Eier ab, davon werden jedoch nur zirka 10 % zu erwachsenen Tieren – die anderen werden von sog. “Eiparasitoiden” wie der Erzwespe befallen. Nach 10 bis 14 Tagen schlüpfen die Nymphen. Nur in Mexiko bzw. in Norditalien können bis zu drei Generationen vorkommen, bei uns nur eine pro Jahr. Diese Wanzen sind ausgezeichneten Flieger – ihr Flugton erinnert etwas an den Flug von Hummeln. Die Besiedelung der britischen Südküste soll beispielsweise durch Tiere aus Frankreich erfolgt sein, die mal eben über den Ärmelkanal geflogen sind. Als Nahrungsquelle bevorzugen sie Kiefern, Douglasien, Weiß-Fichten oder auch Koniferen. Dort saugen sie aus den Zapfen das wasserspeichernde Gewebe ab – später dann auch aus den Samen. Nach fünf Nymphenstadien häuten sie sich im August zur Imago und überwintern in dieser Form. Während die Kiefernwanzen in den USA grosse Schäden vor allem in den Samenschulen anrichten, spielen sie hierzulande nahezu keine Rolle. Wittern sie Gefahr, sondern auch sie ein Sekret ab, das jedoch nach Kiefern-Nadeln bzw. Äpfeln riecht. Für den Menschen ist auch diese Wanzenart völlig ungefährlich. Dennoch sollten sie diese Wanzen aus dem Haus bringen – sie überwintern teils auch gerne in Dachböden – da abgestorbene Tiere zur Nahrung einiger Käfer-Arten gehören.
Die Malvenwanze bevorzugt eigentlich den Raum rund um das Mittelmeer, seit Mitte der 90er Jahre hat sie ihren Zug auch in das restliche Europa angetreten. Bekannt sind rund 50 Arten. Das auch als “Lindenwanze” bekannte Insekt tritt zwar regional teils massiv auf, hat sich aber noch nicht derart weit verbreitet wie die beiden zuvor besprochenen Arten. Die Weibchen werden zirka 5,5 bis 6 Millimeter groß, die Männchen sind etwas kleiner. Während der Kopf schwarz ist, kann diese Wanze an ihrem ansonsten überwiegend roten Körper erkannt werden. Die Malvenwanze liebt Strauchpappeln, Hibiscus und natürlich Malven. Erst im Herbst sammeln sich die Tiere an Linden zu Kolonien um zu überwintern.
Bei der Bekämpfung ist es am besten, man fängt sie mit einem Glas oder Becher ein und befördert sie wieder in’s Freie. Begehen Sie bitte niemals den Fehler, eine Stink-Wanze zu zerquetschen oder zu zertreten. Dabei sondert sie ein sog. “Aggregationspheromon” ab, das für andere Artgenossen als Lockstoff dient. Sie werden alsdann noch mehr dieser Tierchen im Haus vorfinden. Auch gegen die Kiefernwanze hilft nur die Chemiekeule, die jedoch auch den Menschen gefährden kann. Kehrt vor der Tür der Winter ein, löst die Natur dieses Problem von alleine.
In Parkanlagen oder Wäldern unternehmen viele Kommunen nichts gegen die Wanzen. Einerseits schaden die Baumwanzen ihren Wirtspflanzen nicht, andererseits findet das massenweise Auftreten grundsätzlich nur für zwei bis drei Wochen im Jahr statt. Viele wollen deshalb keine möglicherweise auch für andere Tiere oder gar dem Menschen schädliche Chemikalien ausbringen.
Für die meisten Wanzenarten ist hierzulande die Schlupfwespe der einzige wirkliche Feind.

Lesetipps

.) Illustrierte Bestimmungstabellen der Wanzen.Europa; Wolfgang Stichel; Selbstverlag 1962
.) Wanzen beobachten – kennenlernen; Ekkehard Wachmann; J. Neumann-Neudamm 1989
.) Wanzen und Zikaden; Frieder Sauer; Fauna-Verlag 1996
.) Wasserwanzen; K. H. C. Jordan; Die Neue Brehm-Bücherei 1950
.) Insekten – Käfer, Libellen und andere; Siegfried Rietschel; BLV Verlagsgesellschaft 2002
.) The semiaquatic bugs (Hemiptera, Gerromorpha). Phylogeny, adaptations, biogeography and classification. (Entomonograph, Vol. 3); N. M. Andersen; Scandinavian Science Press 1982
.) Garden insects of North America: the ultimate guide to backyard bugs; Whitney Cranshaw; Princeton University Press 2004

Links:

wanzen-nrw.de
koleopterologie.de
www.schaedlingskunde.de
www.bvl.bund.de
www.uibk.ac.at/natmedverein/
naturwissenschaften.ch/organisations/seg
naturschutzbund.at
www.lbv.de
www.wsl.ch
www.julius-kuehn.de
www.hortipendium.de
www.ltz-bw.de
www.provinz.bz.it/de
ento.psu.edu

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Naturnah und ökologisch – trotzdem schön

Mit den ersten Sonnenstrahlen und zweistelligen Temperaturen beginnt es jedes Jahr auf’s neue: Das Gewusel in den Gärten. Ich für meinen Teil habe in diesen Wochen des Frühjahrs die Baumärkte und Gartencenter zur Stock’schen Sperrzone erklärt: Was ich brauchen sollte, habe ich bereits im Winter besorgt – nurmehr jene Kleinigkeiten, die sofort verarbeitet werden müssen, finden den Weg über den Kassenscanner. Der Schlacht um die schönsten Pflanzenstecklinge soll schon so manch Einer zum Opfer gefallen sein, wird hinter vorgehaltener Hand erzählt.
Dann jedoch teilen sich die Geschmäcker. Bei der Antwort, wie ein schöner Garten auszusehen hat, gab, gibt und wird es immer geben: Teils wüsteste Beschimpfungen von Nachbarn, die sich ansonsten in allen anderen Dingen recht gut verstehen. Der Eine bevorzugt einen englischen Garten, in dem mit der Schere der Rasen auf die richtige Wimbledon-Länge gebracht wird, die Andere einen französischen, die Nachbarn drei Häuser weiter gar einen japanischen – und der Outsider auf der anderen Strassenseite einen Bauerngarten. Jedem das Seine, sofern viel Natur erhalten bleibt. Schliesslich sollte ein Garten Ort des Rückzugs sein, Spielplatz für die Kinder, die frischen Salate für die Küche bringen, … Dass viele dabei jedoch auch im Kleinen die Fehler der industriellen Landwirtschaft machen, die Natur mehr zugrunde richten als sie wachsen zu lassen, ist den meisten nicht bewusst! Da wird fleissig über das Bienensterben geschimpft, im eigenen Garten aber fleissig weiter-gesprüht. Das aktuelle Modeschimpfwort ist “Glyphosat”; trotzdem verwenden viele möglicherweise die Produkte “Glyfos Dakar”, “RoundupTurboplus” oder “Unkraut frei”, dabei beinhalten diese jeweils 680 g Gly pro Kilogramm des Produktes – die höchste Konzentration des Giftes, die für den Garten erlaubt ist (zumindest noch bis zum 31.12.2020). Doch dazu mehr etwas später.
Zunächst gilt es die Frage zu klären, was unter “schön” überhaupt zu verstehen ist, damit wir von einer gemeinsamen Basis ausgehen können. Jene Personen, die sich beruflich mit dieser Frage beschäftigen, sind die Landschaftsästheten. Sie verfolgen einen Grundsatz:

“Landschaften sind nicht erneuerbare Ressourcen. Das Landschaftsbild ist Teil dieser Ressourcen.”

Schönheit ist subjektiv – wir kennen das aus der Kunst: Was dem Einen gefällt, ist für den Anderen keines Blickes würdig. Gerade in der Natur verwenden wir nahezu all unsere Sinne um etwas empfinden zu können. Da kann das Auge in höchsten Tönen jubilieren, wenn ein Gestank von Moder durch die Luft zieht, wird wohl nicht von “schön” gesprochen werden. Hier muss wirklich alles passen: Das Bild blühender Blumen, der Geruch von Sommerlavendel, die Musik der fleissig zwitschernden Vögel, unterbrochen vom Brummen der vorbeifliegenden Hummel, die Pro-portionen zueinander, … Hinzu kommt noch, ob die Landschaft im Urlaub oder auf dem Weg zur Arbeit erblickt wurde, ob währenddessen Mann eine wunderschöne Frau im Arm hielt usw. – die emotionale Beziehung als Teil des Gesamteindrucks! Deshalb haben die Landschaftsästheten einige Qualitätskriterien aufgestellt:
- Vielfalt
Je vielfältiger eine Landschaft ist, desto mehr werden auch unsere Sinne angesprochen. Wechseln sich die unterschiedlichsten Vegetationstypen, Nutzungen, Oberflächen usw. ab, umso mehr Spielraum gibt es für die Aufnahme der Reize. Kann auch im Wechsel der Jahreszeiten einen hohen ästhetischen Wert haben! Für mich beispielsweise ist ein englischer Garten monoton und somit langweilig.
- Eigenart
Dieses Kriterium ist kulturgeschichtlich verankert. So wird jemand, der in den Bergen aufgewachsen ist, die Stadt oder Hügellandschaft nur schwerlich mit dem Begriff der Heimat und Schönheit verbinden. Auch für den Obstverkäufer von der spanischen Costa Brava werden die Berge nicht einen solchen Eindruck hinterlassen wie die unendliche Weite des mediteranen Horizonts!
- Geschlossenheit
Hierunter versteht der Experte die “naturraumtypische Landschafts-kammerung”. So wirkt für den Grössstädter etwa eine Schlucht oder Klamm als bedrohlich, manche bekommen gar Platzangst. Fahre ich hingegen von Würzburg in Richtung Lindau, so erwecken die schweizerischen und österreichischen Berge, die ab Ulm/Memmingen zu sehen sind, heimatliche, schöne Gefühle. Dafür wirken die Bankentürme in Frankfurt etwas bedrohlich! In der Psychologie weiss man, dass vertraute Orientierungspunkte intensive Emotionen auslösen können. Ähnlich der Seemann, der seine Heimatküste mit dem Leuchtturm durch’s Fernglas erblickt.
- Naturnähe
Versuchen Sie mal folgendes: Stellen Sie sich an einem schönen Tag auf eine Wiese inmitten einer menschenleeren Landschaft. Danach versuchen Sie es ebenfalls an einem schönen Tag auf einem grossen, geteerten oder mit Platten versehenen Platz. Bei welchem dieser beiden Bilder bekommen Sie wozhl mehr das Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit?
- Visuelle Verletzlichkeit
Landschaften sind verletzlich. Manches Mal sind es gar nur Kleinigkeiten, die den speziellen Flair ausmachen, sog. “Schlüsselelemente”. Entfällt auch nur einer dieser prägenden Elemente, so bekommt die Landschaft ein komplett anderes Bild, der Betrachter einen komplett anderen Eindruck. Häuserfronten bleiben zumeist über Jahre hinweg gleich!
- Schutzwürdigkeit
Ist eine Landschaft einzigartig, etwa der Naturpark Schwarzwald, das Global2000-Tal des Tiroler Lechs oder die Pommersche Seenplatte, so soll durch den Schutz dieser Region zu einem späteren Zeitpunkt daran erinnert werden, wie schön diese Landschaft und dessen Umland einst waren!
- Subjektives Erleben
Auch wenn diese Eigenschaft unterschiedlich wahrgenommen wird, so kommt ihm dennoch ein schwergewichtiges Entscheidungskriterium zu. Wird beispielsweise eine Schnellstrasse mitten durch’s Ried gezogen oder eine Seilbahn durch ansonsten naturgeschütztes Gebiet errichtet, so empfinden wohl die meisten die Schönheit dieser Landschaft als ruiniert! Dorfbilder, ja die komplette Infrastruktur muss der Landschaft angepasst werden. Gelingt dies, dann ist das Dorf für den überwiegenden Teil der Betrachter schön.
Aufgrund des soeben gelesenen kann alsdann gesagt werden: Je natürlicher ein Garten ist, desto schöner wird er empfunden. Auch ich hatte nach unserem Hausbau Sportrasen gesäht! Doch bereits ein Jahr später verbrachten wir Stunden mit dem händischen Entfernen des Unkrauts. Also liessen wir das Gras mitsamt aller Kräuter und Blumen natürlich nachwachsen. Andere verwenden die Chemiekeule. Somit war – so dumm das nun klingen mag – für mich ein Triumph, als ich eines Tages Maulwurfshügel in meinem Garten entdeckte – keinen einzigen hingegen bei den Nachbarn! Als mich ein Bekannter fluchen hörte, meinte er, ich möge doch froh sein: Der Maulwurf ist ein Zeichen für einen guten Boden!

https://www.youtube.com/watch?v=e2Ejanac6d4

Und damit zurück zur Chemiekeule: Alleine in Deutschland gibt es 17 Mio Haus- und Kleingärten. Auch in Österreich spricht die Agrarmarkt Öster-reich von 86 % der Haushalte, die einen Garten, eine Terasse oder zumindest Balkon besitzen. In deutschen Landen wurde 2001 eine Studie durch das Bundesverbraucherschutzministerium in Auftrag gegeben, deren Ergebnis erschreckend war: 90 % der Kleingärtner und ca. 73 % der Hausgärtner setzten Pestizide ein. Hinzu kommen die “Pflanzenschutz-mittel”. Zum Stand Dezember 2017 waren nicht weniger als 105 glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel am Markt erhältlich – 51 davon auch ohne Zusatzausbildung für den Hobbygärtner! Im Jahre 2014 landeten somit 95 Tonnen Pflanzengift in den heimischen Gärten! Zur Erinnerung an meinen damaligen Blog: Das Mittel zerstört alle Pflanzen – mit Ausnahme jener, die gentechnisch durch den vertreibenden Konzern resistent gemacht wurden. Zudem dürfen Herbizide, v.a. aber Pestizide nach Pflanzenschutzgesetz gar nicht dort ausgebracht werden, wo dies meist der Fall ist: Versiegelte Flächen, Park- oder Schulanlagen, Gehwege, Hauseinfahrten,… Testeinkäufe des Umweltinstitutes München ergaben im Jahr 2014, dass entweder wissentlich falsch von den Verkäufern beraten wurde oder sie hatten gar keine Sachkenntnis von gly-haltigen Mitteln. Deshalb fordern die Umweltexperten, dass glyphosathaltige Produkte gänzlich verboten werden sollen und sie ab sofort nicht mehr an Privatkäufer ohne Berechtigungsnachweis verkauft werden dürfen.
Im Natur- und Landschaftsschutzgesetz in Österreich bzw. dem Landschafts-gesetz in Deutschland ist ganz eindeutig der Hinweis enthalten, dass die landschaftstypische Vielfalt von Pflanzen und Tieren erhalten bleiben muss. Je mehr Pflanzen aus anderen Teilen dieser Erde im Garten gehalten werden, desto mehr wird gegen diesen Grundsatz verstossen. So wissen beispielsweise sehr viele nicht, dass der Buchsbaum gar nicht in Mitteleuropa heimisch war, sondern aus dem Mittelmeerraum bzw. ozeanischen Bereich stammt.
Der Oxforder Althistoriker und Garten-Guru Robin Lane Fox schreibt in seinem 2010 erschienenen Buch “Thoughtful gardening” vom “sorgsamen Gärtnern”. Soll heißen, man sollte immer wissen, was man wofür im eigenen Garten tut. Aktuell bestes Beispiel ist der Baum, den die beiden Präsidenten Trump und Macron im Garten des Weissen Hauses in Washington als Zeichen ihrer Freundschaft pflanzten. Nach zwei Tagen war er nicht mehr dort vorzufinden. Falscher Platz? Falscher Baum?
Wie sieht er nun wirklich aus, dieser “ökologische Garten”? Eigentlich eine Schande, dass es auch unökologische Gärten gibt! Was Herr Fox meinte, ist, dass in einem ökologischen Garten jede Pflanze an dem für sie richtigen Platz steht – im Gegensatz zum designten Garten, der vornehmlich für’s Auge gestaltet wird. Diese Entscheidung muss also bereits vor dem Gang in das Gartencenter gefällt werden. Fox spricht in diesem Zusammenhang vom “Beobachten des Gartens”: Wo siedelt sich was an und wie gedeiht es dort! Ein ökologischer Garten besticht durch seine Pflanzenvielfalt. Deshalb ist der Einsatz von Glyphosat grundsätz-lich abzulehnen. Fox nennt drei Grundregeln für den perfekten nachhaltigen Garten:
.) Erhalten Sie die Bodenfruchtbarkeit
Hierzu ist keine Chemiekeule erforderlich. Ein gesunder Boden ist die Basis für einen gesunden Garten. So sollte zu Beginn des Gartenjahres der Boden gelockert werden, damit das Wasser nicht an der Oberfläche abfliesst, sondern in den Boden versickert. Zudem benötigen auch die Bodenorganismem Luft. Darüber eine Mulchschicht aus Kompost, Rasenschnitt oder anderem organischen Material sorgt einerseits dafür, dass wichtige Nährstoffe wieder in den Boden zurückkommen und andererseits dass die Humusproduzenten wie Regenwürmer ständig genügend Nahrung bekommen. Einige Stellen sollten sich selbst über-lassen werden – etwa am Gehölzrand. Wichtig ist auch: Pflanzen mit unterschiedlicher Fruchtfolge schonen nicht nur den Boden, sondern freuen auch die Insekten. Werden nur Pflanzen gesetzt, die gemeinsam blühen, geht den Bienen die Nahrung aus. Zudem ermüdet der Boden. Gerade im Obst- oder Gemüsebeet sollte öfters ein Wechsel erfolgen. Das hilft übrigens auch beim Kampf gegen die Schädlinge, die sich ansonsten mit ihrem Nachwuchs häuslich einrichten, wenn Jahr für Jahr dieselben Pflanzen an denselben Stellen gesetzt werden.
.) Weg mit der Chemie
Dünger, Pflanzenschutzmittel und Pestizide gefährden auch die Nützlinge. So wurde etwa nachgewiesen, dass Glyphosat die wichtigen Regenwürmer negativ beeinflusst. Düngen geht auf ganz natürliche Art – etwa durch den Anbau von Hülsenfrüchten wie Bohnen oder Lupinen bzw. Schmetterlingsblütlern. An deren Wurzeln sammeln sich Knöllchen-bakterien (Rhizobien) an, die mit der Pflanze in Symbiose leben und aus dem Luftstickstoff den Düngerstickstoff herstellen. Dadurch wird ferner der Humusaufbau unterstützt. Auch Jauche (etwa Brennessel-Jauche), Stallmist oder Kompost sind hervorragende Düngemittel. Doch ist hierbei Vorsicht geboten: Nicht alle Pflanzen brauchen gleich viel Dünger! Im Gemüsebeet darf’s etwas mehr sein, bei Zierpflanzen etwas weniger. Übrigens eignet sich auch Kaffeesatz hervorragend als Dünger bzw. im Buchsbaum selbst verteilt als Mittel gegen den Buchsbaumzünsler! Und: Die Schnecken mögen Kaffee überhaupt nicht!
.) Pflanzen benötigen Schutz
Für das Pflanzen oder die Aussaat müssen unbedingt die richtigen Termine eingehalten werden. Dadurch lernt die Pflanze selbst ihre Abwehrkräfte aufzubauen. Ausserdem sollten die Nützlinge bei Ihrer Arbeit unterstützt werden. Insekten, Spinnen oder Vögel fressen Schädlinge, der Igel auch Schnecken. Sollte der Schädlingsbefall doch zu heftig werden, so hilft nur das Einsammeln oder das Abspritzen mit einem Wasserschlauch. Auch Köder- oder Pheromonfallen sind hierbei sehr hilfreich. Erklären Sie aber nicht den Garten bei nur geringem Schädlingsbefall bereits zum Kriegsgebiet, da in einem schädlingsfreien Garten auch keine Nützlinge zu finden sind! Unkraut muss ebenfalls samt der Wurzeln händisch entfernt werden – in vielen Fällen kann jedoch auch Mulchen helfen!
Im ökologischen Garten kommt der Bewässerung eine ganz entscheidende Bedeutung zu. An einem sonnigen Tag im Sommer verdunsten schon mal bis zu 4 l Wasser pro Quadratmeter Rasen. Das spürt am ehesten das flachwurzelnde Gras (bis max. 15 cm Wurzeltiefe). Wegerich und Habichtskraut sind weniger anspruchsvoll – sie nutzen trockene Bodenflächen und entziehen dem Gras, das der Trockenheit bislang strotzte, noch das letzte Wasser und Nährstoffe. Deshalb sollte dem durch die richtige Bewässerung vorgebeugt werden. Bereits braunes Gras kann nicht mehr gerettet werden. Verwenden Sie zum Giessen wo möglich Regenwasser, da das Leitungswasser einerseits sehr kalkhaltig und andererseits mit Chlor, Fluor oder Ozon aufbereitet ist. Beim oberirdischen Bewässern erspart Ihnen eine Sprinkleranlage, gesteuert von einem Bewässerungscomputer mit Regensensor viel Arbeit und Zeit. Welchen der unterschiedlichen Sprinklern Sie verwenden, bleibt Ihnen überlassen:
- Impuls- oder Schwinghebelregner
- Getriebe- oder Versenkregner
- Viereckregner
- Sprühregner
Der Perlschlauch mit seinen kleinen Poren ist vornehmlich für grosse Rasenflächen oder auch Gewächshäuser gedacht. Durch die Poren gibt er ständig Wasser ab und sorgt auf diese Art für ein feuchtes Oberflächenklima.
Beim unterirdischen Bewässern sollte bereits bei der Gartenplanung die Lage der Tropfrohre berücksichtigt werden. Diese Bewässerung ist für kleinere Flächen oder auch Hecken gut verwendbar. Durch Sensoren kann die Feuchtigkeit des Bodens gemessen und das System automatisiert werden.
Bei allen Varianten sollte das Wasser bis zu 15 cm tief in den Boden versickern, da der Rasen ansonsten noch flacher wurzelt und damit noch anfälliger bei Trockenheit wird. Bei lockerem Sandboden sind hierfür alle drei bis vier Tage 10 bis 15 Liter Wasser auf den Quadratmeter notwendig (bei lehmigem Boden pro Woche 15 bis 20 Liter). Grundsätzlich sollte während der Nacht- oder sehr frühen Morgenstunden bewässert werden, da die Verdunstung aufgrund der abgekühlten Bodentemperatur geringer ausfällt. Apropos: Bleibt das Gras nach dem Mähen liegen (Mulch mähen), senkt auch dies die Verdunstung. Kaliumdünger (etwa abgebrannte Holzasche – empfehlenswert vornehmlich bei sauren Böden) verstärkt zudem die Wasseraufnahme der Pflanzen. Bewässern Sie ausserdem stets bodennah, da feuchte Blätter rascher von Pilzen befallen werden. Zudem wirken Wassertropfen auf Blättern bei starker Sonneneinstrahlung wie ein Brennglas. Schnecken übrigens fühlen sich im nassen Rasen am wohlsten! Vermeiden Sie nicht nur deshalb auch durch portionsweises Giessen Staunässe. Bei dieser erhalten die Wurzeln zu wenig Luft – sie ertrinken. Ferner benötigen die Pflanzen auch im Herbst oder manche während eines trockenen Winters Wasser.

https://www.youtube.com/watch?v=bIrAqaHUONk

Pflanzen Sie in Ihrem ökologischen Garten nur regionaltypische Pflanzen. Seit dem vorletzten Jahrhundertwechsel sind rund 75 % aller Kulturpflanzensorten verschwunden. Alte Obst- und Gemüsesorten liefern einen wichtigen Beitrag zur genetischen Vielfalt unserer Pflanzen, sie sind robuster und werden immer mehr auch in Gourmetküchen wiederentdeckt. Durch den Einsatz glyphosatresistenter Pflanzen vernichten Sie einen wichtigen Teil unserer biogenen Kultur.
Grundsätzlich sei erwähnt, dass ein naturnaher, ökologischer Garten weitaus weniger Arbeit als ein Designergarten verursacht. Nicht jedes Unkraut oder Ungeziefer muss sofort entfernt werden, da es als Nahrung für die Nützlinge dient. Den Gras- oder zerkleinerten Heckenschnitt können Sie liegen lassen – durch das Mulchen gelangen die Nährstoffe wieder in den Boden. Komposterde ersetzt den Torf und versorgt den Boden mit notwendigen Kleinorganismen, die wiederum das Bodengefüge selbst wesentlich verbessern. Verzichten Sie bitte auf alle Fälle auf Torferde – sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Moore! Pflanzenjauche oder Spritzbrühen sind um ein Vielfaches besser als chemischer Dünger. Ausserdem wirken diese auch als hervorragendes Mittel gegen so manches Ungeziefer.
Der Mensch muss sich auf die Einheit mit der Natur rückbesinnen – ansonsten zerstört er den wohl wichtigsten Faktor, den er zum Leben braucht!

Lesetipps:

.) Öko-Gärten als Lebensraum. Grundlagen und praktische Anleitungen für einen Naturgarten; Michael Lohmann; Bertelsmann Club 1983
.) Thoughtful Gardening; Robin Lane Fox; Basic Books 2010
.) Mischkultur im Ökogarten. Vorteilhafte Pflanzengemeinschaften; Ina Jung; ADMOS Media GmbH 1992
.) Schöne Wege im Naturgarten – Wege, Plätze und Einfahrten als Lebensräume; Ulrike Aufderheide; pala Verlag 2015
.) Mischkultur im Hobbygarten; Schwester Christa Weinrich OSB; Verlag Eugen Ulmer 2015
.) Schön wild!: Attraktive Beete mit heimischen Wildstauden im Garten; Brigitte Kleinod/Friedhelm Strickler; pala verlag 2017
.) Pflanzenschutz im Ökogarten: Für ein Umdenken im Gartenbau; Engelbert Schramm; FISCHER Taschenbuch 1985
.) Auf gute Nachbarschaft: Mischkultur im Garten. Gemüse – Kräuter – Zierpflanzen; Natalie Faßmann; pala verlag 2017
.) Rasen und Wiesen im naturnahen Garten: Neuanlage – Pflege; Ulrike Aufderheide; pala verlag 2016
.) Das Mulchbuch: Praxis der Bodenbedeckung im Garten; Dettmer Grünefeld; pala verlag gmbh 2008
.) Der sanfte Schnitt: Schonend schneiden im Naturgarten. Obstbäume, Rosen, Wildgehölze und mehr; Ulrike Aufderheide; pala verlag 2015
.) Das Kompostbuch: Gartenpraxis für Selbstversorger und Hobbygärtner; Agnes Pahler; pala verlag 2016
.) Landschaftsästhetik. Über das Wesen, die Bedeutung und den Umgang mit landschaftlicher Schönheit; H. H. Wöbse; Verlag Eugen Ulmer 2002
.) Thema: Landschaftsbild – Landschaften lesen. Impulse zur Landschaftsästhetik, Naturwahrnehmung und Landschaftsbildbewertung für die norddeutsche Kulturlandschaft; U. Franke; Oceano Verlag 2008

Links:

- www.dib.boku.ac.at
- www.donau-uni.ac.at
- landespflege-freiburg.de
- www.obg.uni-bayreuth.de
- www.arche-noah.at
- www.biologischevielfalt.at
- www.nabu.de
- naturschutzbund.at
- www.umweltdachverband.at
- www.naturtipps.at
- www.bluehendesoesterreich.at
- www.argechance.at
- www.naturgarten.org/
- www.kleingarten-bund.de
- www.winkenbach.net
- www.kleingaertner.at
- www.oegg.or.at

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Ohne Moos nichts los

Dort, wo viele Moose wachsen, geht es auch dem Menschen gut!
(Martin Nebel, Botaniker)

Viele Gartenbesitzer fluchen jedes Frühjahr wieder lautstark über einen sehr gewichtigen Teil der Natur, den trotz seiner Bedeutung für das Leben heute niemand mehr haben will: Moos. Dass aber ausgerechnet dieses das Dasein auf der Erde ermöglichte und auch heute einen ganz entscheidenden Beitrag zur Luftgüte leistet, wird dabei zumeist vergessen.
Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen dürften sich die Moose aus Grünalgen in der Gezeitenzone entwickelt haben. Das war vor zirka 400 bis 450 Millionen Jahren. Inzwischen gibt es mit dem Lebermoos Riella nurmehr eine salztolerante Art. In der sog. “Bryologie” (Wissenschaft der Moose) werden in Europa zirka 1.100, weltweit rund 16.000 Arten unterschieden und den drei Abteilungen Horn-, Leber- und Laubmoose mit jeweiligen Überklassen zugeordnet. Verbreitet sind sie auf der ganzen Erde – je nach Klimazone! Die Hornmoose bevorzugen alsdann tropisches Klima. Eine Ausnahme allerdings stellt die Hyophila involuta dar. Sie ist vornehmlich in den Tropen zu finden, bevölkert aber auch den Bodensee, diverseste eidgenössische Seen sowie die Aare bzw. den Oberrhein – jeweils in den Spritzwasserzonen. In Mitteleuropa kommen zumeist Laubmoose und hier vornehmlich das Silbermoos vor, in den Wäldern auch das Widertonmoos bzw. das Schöne Frauenhaarmoos. Die Wut des Gärtners hingegen gilt vornehmlich dem Kurzbüchsenmoos, dem Sparrigen Kranzmoos oder dem Sparrigen Runzelbruder. Keine Moose – obgleich sie so heissen – sind das isländische Moos (Flechte), das irländische Moos (Rotalge) sowie das Sternmoos (Samenpflanze).

https://www.youtube.com/watch?v=N0dqZtluK8Q

Nach dem deutschen Botaniker Wilhelm Hofmeister (1824 – 1877) folgt auf eine geschlechtliche Generation (“Gametophyt”) zumeist eine ungeschlechtliche (“Sporophyt”). Während erstere über einen einfachen Chromosomensatz verfügt, besitzt die ungeschlechtliche Generation zwei Chromosomensätze. Die Befruchtung findet mit Hilfe von Wasser und Luft statt. Die männlichen Spermatozoiden können ansonsten nur maximal 1,5 Zentimeter selbst bewältigen. Die ungeschlechtliche Generation bleibt jeweils bei der geschlechtlichen, da sie von ihr Wasser und Nährstoffe erhält – sie ist alsdann von ihr abhängig. Bei den Hornmoosen ist der Gametophyt lappig, bei den Laub- und den meisten Lebermoosen beblättert. Diese beblätterten Moose verfügen über wurzelartige Strukturen, alle anderen nur über Zellfäden (Rhizoiden), die jedoch ausschliesslich der Haltung dienen. Bei den Hornmoosen teilt sich die befruchtete Eizelle der Länge nach, später dann auch quer. Aus den unteren beiden Zellen entwickelt sich jeweils ein “Fuss”, der den Sporophyten am Gametophyten festhakt. Bei den Laub- und Lebermoosen geschieht die Zellteilung hingegen sofort quer, wobei die untere Zelle zumeist abstirbt. Etwa die Hälfte aller bekannten Moose ist selbstbefruchtend. Die Spermatozoiden werden mittels der Sporen in hoher Anzahl produziert (mehrere hunderttausend bis gar 5 Millionen in nur einem Sporangium etwa bei der Dawsonia) und weit verbreitet. Deshalb erscheint Moos immer auch an neuen Standorten. Die Sporen selbst sind sieben bis 35 Mikrometer (Laubmoose) und 10 bis 90 bei Lebermoosen gross; sie können häufig über Jahre hinweg keimfähig bleiben. Für die Verbreitung sorgt der Wind. Die Riella americana vornehmlich im Darn von Enten und die Splachnacae durch die Dungfliegen. Moose können sich zudem vegetativ vermehren. Dies geschieht vornehmlich an Standorten, an welchen nur ein Geschlecht angesiedelt ist. Wissenschaftler gelangten zu der Erkenntnis, als sie geschlechtliche Generationen durch ein Sieb passierten – es entstanden jeweils neue vollständige Gametophyten.
Da Moose nur sehr langsam wachsen, müssen sie meist auf Standorte ausweichen, die von anderen Pflanzen nicht bewachsen werden: Schattige Stellen, Felsen, Baumrinden und auch Blätter. Für das Wachstum benötigen sie ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Nährstoffen Kalium, Calzium und Magnesium. Deshalb wächst Moos am besten an sauren oder stickstoffreichen Stellen. Für den typischen Moosgeruch sind vornehmlich die Terpene (Mono- und Sesquiterpene) verantwortlich. Sie sorgen auch für das ölige Erscheinungsbild. Zweitere haben zudem eine frasshemmende Wirkung, sodass Pflanzenfresser schon nach dem ersten Versuch davon ablassen. Einige wenige Moosarten besitzen durch die enthaltenen Lactonen allergene, antimikrobielle bzw. antiseptische Wirkung für den Menschen – etwa das im Mittelmeergebiet beheimatete Frullania tamarisci (Moor- oder Torfpackungen). In der Traditionellen Chinesischen Medizin werden rund 40 Moosarten verwendet – auch Indianer stellen immer wieder Salben aus Moosen her. Einige Eskimo- und Indianerstämme fertigen sogar aus Moos Babywindeln an, im Mittelalter wurden Moose anstelle des noch nicht erfundenen Toilettenpapiers verwendet.
Bei der Wasseraufnahme unterscheidet der Experte zwischen den ektohydrischen Arten, die das Wasser über die gesamte Oberfläche aufnehmen und nur äusserlich weiterleiten können, und den endohydrischen Arten, die zu einem gewissen Anteil das feuchte Nass im Stämmchen weiterleiten – sie sind aber gleichfalls auf Oberflächenwasser angewiesen. Die meisten Moose finden sich deshalb in feuchten Gebieten mit viel Niederschlag. Sie können das Zig-Fache ihres Gewichtes an Wasser speichern – auch durch filtern des Nebels. Fällt das Wasser aus (Austrocknungsresistenz), so sterben die sog. Hygrophyten rasch ab, die Mesophyten können sich eine zeitlang halten, die Xerophyten problemlos mehrere Jahre überstehen. Moose bevorzugen einen Temperaturbereich von 15 bis 20 Grad für das beste Wachstum. Darüber (42 bis 51 Grad) sterben viele Arten rasch ab, darunter hängt es von der Austrocknungsdauer ab. So etwa begann ein über 1.500 Jahre unter arktischem Eis verborgenes Moos bei idealen Brutbedingungen nach nur einigen Wochen wieder zu spriessen. Verantwortlich dafür zeichnen bestimmte Gene, die bei niedrigen Temperaturen aktiviert werden. Viele können jedoch mit bereits wenig Licht und Temperaturen um den Gefrierpunkt noch Photosynthese betreiben – eine wichtige Errungenschaft für Hochmoore oder Tundren.
Moose sind deshalb sehr beliebt, da die meisten Arten die Nährstoffe aus der Luft bzw. hauptsächlich aus dem Wasser aufnehmen – sie verfügen ja nicht über Wurzeln. Diese Stoffe werden spätestens mit dem Absterben der Pflanze an den Boden weitergegeben. Ermöglicht wird dies durch eine sehr gute Kationenaustauschkapazität der Zellwand. Allerdings können sie nicht wie bei anderen Pflanzen kontrollieren, welche Ionen aufgenommen werden – damit absorbieren sie auch nicht für das Wachstum benötigte Stoffe wie etwa die beiden Metalle Niob und Scandium oder das Schwermetall Blei. Hier will künftig die Stadt Stuttgart ansetzen und grossflächige Moosteppiche auslegen um damit der Feinstaubproblematik Herr zu werden.

http://de.euronews.com/2013/06/03/moose-sollen-luftverschmutzung-kontrollieren

Das macht die Pflanzen auch für das jeweilige Ökosystem so wichtig. Als Wasserspeicher sorgen sie alsdann dafür, dass das Oberflächenwasser nicht so rasch abfliesst und dadurch den Boden auswäscht. Schliesslich bilden sie viele Symbiosen mit Bakterien und Pilzen, anderen Pflanzen und Kleintieren, wie Cyanobakterien, Mykorrhiza, Wimperntierchen etc.
Trotzdem gelten auch die Moose als gefährdet – 91 Arten sind inzwischen auf der von der International Association of Bryologists erstellten Roten Liste. In den nationalen Listen sind in Deutschland 54 Arten bereits ausgestorben (weitere 28 vom Aussterben bedroht), in Österreich 32 bzw. 24 und in der Schweiz 15 und 5,6 (??? – na ja – die Eidgenossen)! Einerseits durch die Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft, andererseits durch die Trockenlegung vieler Regionen und die Absenkung des Grundwasserspiegels. Auch die Verschmutzung von Luft und Wasser wirkt sich nicht gerade förderlich auf das Wachstum aus. Das grossflächige Verschwinden in Ballungsgebieten ist die Folge. Eingesetzt als Bioindikatoren zeigen Moose sehr rasch eine organische oder chemische Verschmutzung von Gewässern oder Belastung mit Schwermetallen an – auch die Schwefeldioxid-Belastung in der Luft sorgt für ein Absterben.
Bevölkert Moos einen Baum, so sollte dies auf jeden Fall derart belassen werden, da das Moos kein Parasit ist – es schadet dem Baum nicht. Nur wenn sich die Borke langsam löst, sollte sie entfernt werden, da sich ansonsten darunter Schädlinge ansammeln können. Und – Selbstbedienung bei Moosen ist zum Teil gar verboten! Etwa durch die Bundesartenschutzverordnung in Deutschland (die Gattungen Hylocomium, Leucobryum und Sphagnum). Auch darf Torf nicht mehr allerorts abgebaut werden, wo er vorkommt.
Problematisch wird Moos auf Beton. Das hohe Speichervermögen von Feuchtigkeit behindert das Austrocknen des Betons – das führt bei Frost zum Absanden und damit zur Oberflächenzerstörung. Im Garten kann dem Boden mehr Luft durch Vertikutieren zugeführt oder dieser mit Kalk oder Eisensulfat (Vorsicht: Giftig!) bestäubt werden. Wenig Licht, Stickstoff- oder Nährstoffmangel sowie Staunässe begünstigen das Wachstum im Garten. Vor dem Vertikutieren muss das Gras geschnitten werden und am Besten die betroffenen Stellen bereits eingesäht werden. Eine Bodenbelüftung kann mehrmals im Jahr durchgeführt werden, eine Vertikutierung hingegen nur im April bzw. Herbst. An schattigen Stellen sollte eigens dafür vorgesehener Rasensamen verwendet werden, da dieser einen höheren Anteil an Lägerrispengras beinhaltet. Andererseits wird Moos gar bewusst im Garten eingesetzt: Als Schutz vor Schnecken, Bakterien und Pilze und um die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens zu erhöhen. Daneben wird Torf auch häufig als nährstoffreiche Blumenerde oder als Wasserspeicher für den Pflanzentransport verwendet. In früheren Zeiten spielte es zudem eine wichtige Rolle zur Abdichtung von Fugen bzw. der Dämmung von Holzhäusern.
In Japan ist Moos ein nicht wegzudenkender Bestandteil des sog. “Zen-Gartens”, ist es doch im Land der aufgehenden Sonne ein Symbol für die Stille und Dauerhaftigkeit.
Bislang ist noch kein Vergiftungsfall nach dem Verzehr von Moos bekannt geworden. Allerdings sollte daran gedacht werden, dass die Pflanze auch Schwermetalle und andere Umweltgifte aufnimmt und speichert.

Literatur:

.) Biologie der Moose; Jan-Peter Frahm; Spektrum Akademischer Verlag 2001
.) Exkursionstaschenbuch der wichtigsten Moose Deutschlands. Eine Einführung in die Mooskunde, mit besonderer Berücksichtigung der Biologie und Ökologie der Moose (für die Lupenbestimmung der leicht erkennbaren Arten im Gelände); Ruprecht Düll; Rheydt 1985
.) Moosflora; Jan-Peter Frahm/Wolfgang Frey/J. Döring; Ulmer 2004
.) Urania-Pflanzenreich: Moose, Farne, Nacktsamer; Franz Fukarek et al.; Urania 2000
.) Bryologica atlantica (Die Laubmoose der atlantischen Inseln); Adalbert Geheeb 1910
.) Farbatlas Flechten und Moose; Volkmar Wirth/Ruprecht Düll; Ulmer Stuttgart (Hohenheim) 2000
.) Bryology for the twenty-first century; Ashton Duckett (Hg.); W.S. Mancy and Sons 1998
.) Rote Liste gefährdeter Pflanzen Deutschlands; G. Ludwig/M. Schnittler; Schriftenreihe Vegetationskunde Band 28
.) Rote Listen gefährdeter Pflanzen Österreichs; H. Niklfeld; Grüne Reihe des Bundesministeriums für Umwelt, Jugend und Familie Band 10 1999

Links:

www.blam-hp.eu
www.bryolich.ch
www.britishbryologicalsociety.org.uk
www.ijon.de/moose
bd.eionet.europa.eu
www.bafu.admin.ch
www1.biologie.uni-hamburg.de
www.bioimages.org.uk
rbg-web2.rbge.org.uk/bbs/Activities/field%20bryology/FB114/FB114_BookReview.pdf
www.northwaleswildlifetrust.org.uk/wildlife/species-explorer/mosses-and-liverworts

http://www.missouribotanicalgarden.org/

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Das ist nicht nur schmerzhaft – das ist brandgefährlich!!!

Wenn Biologen von “Invasoren” reden, so hat dies nichts mit Soldaten einer fremden Armee zu tun. Vielmehr sind damit in der Botanik Pflanzen (und Tiere) gemeint, die absichtlich oder unabsichtlich durch die Globalisierung den Weg in unsere Breitengrade gefunden haben (“hemerochore Arten”) und den heimischen Arten das Leben schwer machen (“invasive Neophyten”): Das Essbare Zyperngras etwa, das Indische Springkraut oder auch die Amerikanische Goldrute. So manche dieser Invasoren haben es zudem faustdick hinter den Blättern und sollten von Fachleuten entsorgt werden – wie etwa der Riesen-Bärenklau! Da ist im Vergleich dazu die Brennnessel ein Kinkerlitzchen!
Der Riesen-Bärenklau (lat.: Heracleum mantegazzianum) wurde bereits im 19. Jahrhundert als Zierpflanze eingeführt, sie stammt eigentlich aus dem Kaukasus. Bis zu 3,65 m hoch (Guiness Buch der Rekorde) wuchert der Riesen-Bärenklau inzwischen neben Strassen, Bahntrassen, Flüssen und auch Seen, wie etwa dem Ammer- oder dem Starnberger See. Experten empfehlen im Umgang mit der Pflanze erhöhte Vorsicht. Die ätherischen Öle des Riesen-Bärenklaus enthalten Furanocumarine, eine hochgiftige Substanz. Ausreichend, um im Jahr 2008 die fragwürdige Auszeichnung “Giftpflanze des Jahres” zu erhalten. Während die Brennnessel unter dem Elektronen-Mikroskop betrachtet lauter kleine Röhrchen besitzt, die mit Pflanzengift vollgefüllt sind und bei Berührung schräg abbrechen, sodass ein Injektionsnadel-Effekt entsteht, befindet sich das Gift im Bärenklau an allen Stellen der Pflanze als ätherisches Öl. Kommt es nun auf der Haut mit UV-Licht in Verbindung, so reagieren die Gifte mit körpereigenen Eiweissen. Die Stellen beginnen zu jucken und später zu brennen. Der Experte spricht hierbei von einer “Photodermatose”. Es folgen Rötungen, Entzündungen, Blasen und schliesslich Verbrennungen zweiten Grades. Auch bei einer professionellen medizinischen Versorgung kann die Heilung unter Umständen Wochen dauern. Dabei wird die Wunde gekühlt und Schmerzmittel sowie Kortison verwendet. Nach zwei Tagen sind die Schwellungen und Verbrennungen auf ihrem Höhepunkt angelangt. In dieser Zeit und auch danach sollte auf jeden Fall Sonneneinstrahlung vermieden werden. Kam es zu eine massiven Schädigung der Haut, ist auch Fieber und ein anaphylaktischer Schock (Kreislaufschock) nicht auszuschliessen.
Allerdings kann nicht nur der Berührungskontakt gefährlich werden – auch die unmittelbare Nähe führt durch Ausgasung der Furanocumarine bei vielen Menschen zu allergischen Reaktionen und Atemnot bzw. einer allergischen Bronchitis, die bis zu drei Wochen andauern kann.
Die Giftstoffe gehen auch durch normale Bekleidung – bei der Entfernung sollte deshalb zu spezieller Schutzbekleidung gegriffen werden, die nach Gebrauch vernichtet werden muss: Handschuhe, Schutzbrille, Atemschutz, Gesichts- und Körperschutz, ,.. Um zu veranschaulichen, wie aggressiv diese Pflanzengifte sind: Einweghandschuhe aus Latex sind nach spätestens einer Stunde durchdrungen! Fand nun ein Berührungskontakt statt, sollte die Haut an dieser Stelle mit fliessendem kalten Wasser und etwas Spiritus gereinigt werden. Danach können Sie eine Sonnencreme mit möglichst hohem Lichschutzfaktor auftragen und die Stelle möglicherweise abdecken, damit sie kein UV-Licht abbekommt. Bitte scheuen sie bei ersten Anzeichen eines Juckreizes nicht vor einem Arztbesuch zurück, da die weiteren Massnahmen nur ein Spezialist erledigen kann. Dies gilt v.a. für kontaminierte Stellen im Gesicht. Wie nach einer Verbrennung können unansehnliche Narben und Pigmentstürungen der Haut zurückbleiben.

https://www.youtube.com/watch?v=t46TiZ5q97A

Jeder dieser auch als “Herkulesstauden” bekannten Pflanze bildet zwischen 10-50.000 Samen, die durch Flusswasser beispielsweise über mehrere Kilometer weiterverbreitet werden. Dadurch erklärt sich auch die rasche Ausbreitung. Dort, wo sie Fuss gefasst hat, bleibt kein Platz für andere Pflanzen (“aggressive Verdränger”). Deshalb empfehlen die Spezialisten bereits im März das Ausstechen und Entsorgen der rübenartigen Wurzel.
Die Pflanze wurde bis in die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts v.a. von Jägern und Förstern, aber auch von Imkern angesamt. Während sich die ersten beiden einen verbesserten Deckungsschutz für das Wild versprachen, setzten sie die Bienenzüchter als Bergweide für ihre Bienen ein, ebenso wie übrigens auch das Indische Springkraut. Beide produzieren wesentlich mehr Blütenstaub als heimische Pflanzen, wodurch jedoch die heimischen Arten nicht mehr bestäubt werden. Auch bei der Bepflanzung von Abrissstellen war die Herkulesstaude gern gesehen. Dies erwies sich jedoch als Mumpitz, da die Herkulesstaude keine böschungsbefestigende Wirkung besitzt – im Gegenteil erhöht sie gar die Erosion des Bodens.
Der Riesenbärenklau ist recht einfach zu erkennen: Die weissen bis rosa gefärbten Blüten können bis zu 80 cm gross werden. Die Blätter ähneln etwas den Rhabarber-Blättern, sie sind stark gefiedert, drei bis neunteilig, besitzen einen gezackten Rand und können bis zu einen Meter lang werden. Der stark behaarte und mit roten Flecken versehene Stängel wird bis zu zehn cm im Durchmesser. In den ersten beiden Jahren erreicht er eine Grösse von bis zu einem Meter. Erst im dritten Jahr erfährt er einen Wachstumsschub. Entdecken Sie im heimischen Garten eines dieser Gewächse, so sollte der sog. “Vegetationskegel”, also der obere Wurzelbereich bis zu einer Tiefe von rund 15 Zentimetern ausgegraben werden. Das Ganze nun auf gar keinen Fall in den Bio-Komposter geben. Die Pflanze, auch als “Bärenkralle” bekannt, gehört mit der Wurzel-Schnittstelle nach oben in reissfeste Plastik-Säcke und in den Restmüll. So verhindern Sie die erneute Wurzelbildung. Eine andere Möglichkeit ist, die Pflanze durch ständiges Abmähen klein zu halten. Sie wächst zwar rasch wieder nach, allerdings verlangsamt sich dadurch deren Ausbreitung. Bei einer bereits blühenden Pflanze (Blütezeit: Juni bis September) müssen die Dolden direkt vor der Verzweigung abgeschnitten und vernichtet (verbrennen oder Restmüll) werden. So verhindern Sie die Verbreitung der Samen, die bis zu zehn Jahre keimfähig bleiben. Die abgeschnittenen Stängel sollten allerdings regelmässig kontrolliert werden, da sich Notblüten heranbilden, die ebenfalls entfernt werden müssen. Derartige Massnahmen setzen Sie am besten an bewölkten Tagen oder bereits in der Dämmerung, wenn nurmehr wenig UV-Strahlung einfällt. Besser jedoch ist es, wenn Experten mit der Vernichtung beauftragt werden. Diese packen normalerweise bei starkem Befall die Chemiekeule aus. Dann werden die Wurzeln gekappt und ausgegraben. Durch regelmässiges Mähen und Fräsen werden kleine Pflanzen oder neu treibende Wurzeln dezimiert, durch Mulchen erhalten verbliebene Samen zu wenig Licht zum Keimen. Hobby-Gärtner sollten sich vor der Bekämpfung etwa mit dem Naturschutzverein oder der Stadtgärtnerei in Verbindung setzen. Schliesslich muss auch das verwendete Werkzeug mit Spiritus gereinigt werden.

https://www.youtube.com/watch?v=p1QDuDbKLw8

Auch die heimischen Arten des Wiesen-Bärenklaus oder des Berg-Bärenklaus sind giftig, weshalb sie vom Weidevieh stehen gelassen werden. Allerdings ist das Gift nicht dermassen konzentriert wie beim asiatischen Bruder. Interessant abschliessend zu wissen: Die damals noch Progressive-Rockband Genesis stufte bereits 1971 die Pflanze in ihrem Song “The Return of the Giant Hogweed” als sehr gefährlich ein.

https://www.youtube.com/watch?v=5P3YyIv7dJ0

(Tja – auch das waren einst Genesis!!!)

Vor folgenden Pflanzenarten sollte man sich in Acht nehmen, da sie ebenfalls giftig oder schädlich sind:

Bischofskraut, Blaualgen, Dieffenbachie, Fingerhut, Juckbohne, Kirschlorbeer, Opuntie, Upas, Manzanillo-Baum; Blinding-Tree, Sandbüchsen-Baum; Stinging Spurge, Noseburn; Ciega-vista, Bull Nettle; Gympie, Giant Stinging Tree; Nilgiri Nettle, Urtica dioica; Irtiga, Tree Nettle, Wood Nettle, Cashew Nut Tree, Ostindischer Tintenbaum, Ligas, Burma Lac Tree; Rengas, Holigarna, Black Poison Wood, Rainbow Leaf; Giftefeu, Giftsumach, Lacksumach, Grosse Brennnessel, Eastern Poison Oak, Western Poison Oak,

Auch die Kerne oder Steine solch beliebter Obstarten wie Aprikose, Kirsche, Mandeln/Bittermandeln, Marille, Pflaume sollten niemals geschluckt werden. Das darin enthaltene Pflanzengift Amygdalin wird im Körper gemeinsam mit Wasser zu Blausäure umgebaut und kann zu einer Cyanid-Vergiftung führen. Aber das – das ist wieder ein ganz anderes Thema!!!

Lesetipps:

- Biologische Invasionen. Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa; Ingo Kowarik; Ulmer Stuttgart 2003
- Giftpflanzen. Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte, Toxikologen und Biologen; D. Frohne, H. J. Pfänder; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart 1997
- Wandernde Pflanzen: Neophyten, die stillen Eroberer – Ethnobotanik, Heilkunde und Anwendungen; Wolf-Dieter Storl; AT Verlag 2012

Links:

baerenklauwhv.wixsite.com
neobiota.bfn.de/
www.issg.org
mic-ro.com/plants/index_de.html
dgk.de
floraweb.de/
www.smul.sachsen.de/lfulg
www.giz-nord.de
www.goeg.at
toxinfo.ch/startseite_de
www.giant-alien.dk
www.wildfooduk.com

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Die Gefahr im Garten

Mit den ersten Sonnenstrahlen setzt auch wieder emsiges Treiben in den heimischen Gärten ein. Schliesslich müssen unzählige Dinge erledigt werden, bevor die ersten Pflanzen gesetzt werden oder die ganz frühen unter ihnen austreiben. Dazu zählt auch die Grunddüngung des durch das viele Wasser im Winter ausgewaschenen Bodens. Und hier trennt sich – ebenso wie in der Landwirtschaft – die Spreu vom Weizen. So manch einer macht sich nicht wirklich grosse Gedanken und greift zur Chemiekeule. Die Gärtner mit Herz jedoch lassen kein noch so kleines Korn Kunstdünger auf ihren Boden. Und die dritte Spezies hat einfach im Herbst vom Bauern ihres Vertrauens einige Schubkarren voll Kuhmist besorgt und diesen auf dem Rasen ausgebreitet. Wer nun was richtig macht – da scheiden sich die Geister. So vergessen etwa sehr viele zu unterscheiden, ob es sich um Sommer-, Winter- bzw. mehrjährige Arten handelt, die auch unterschiedlich gedüngt werden müssen.
Was benötigt nun der Boden wofür?
.) Stickstoff zur Förderung des Bodenlebens (zu viel allerdings macht den Boden sauer)
.) Schwefel fördert ebenfalls das Bodenleben
.) Phosphor als Bodenstabilisator durch die Brückenbildung der Humusteilchen
.) Kalium+-Ionen bewirken in hoher Konzentration eine Zerstörung der Krümel durch die Verdrängung der Calcium2+-Ionen
.) Magnesium verdrängt die Hydroniumionen und wirkt somit positiv auf die Krümelbildung
.) Calcium stabilisiert nicht nur die Krümelbildung sondern reguliert auch den pH-Wert des Bodens
Ich hatte während meines Sportstudiums recht intensive Gespräche mit dem Platzwart des Universitätssportinstitutes in Innsbruck. Die Grasplätze präsentierten sich jedes Jahr im saftigen Grün, während die anderen Plätze zwischen Patscherkofel und Hafelekar – ähm na ja!!! Durch die vielen Plaudereien weiss ich inzwischen auch, dass nicht nur ein gewaltiges Wissen sondern auch ein gutes Fingerspitzengefühl für die Pflege des richtigen Rasens unbedingt erforderlich ist. Auch wir hatten nach dem Bau unseres Hauses einen solchen Sportrasen angelegt. Er zeichnet sich durch seine Robustheit und simplen Dankbarkeit aus. Jedoch kamen wir recht rasch wieder davon ab, da mitten zwischen landwirtschaftlich genutzten Feldern das hier ursprüngliche Grün immer wieder Auslass begehrte und somit das vermeintliche “Unkraut-Zupfen” auf rund 400 qm zum zeitraubenden Hauptjob wurde. Andere verwenden Herbizide – hinter so manchem Grün verbirgt sich oftmals mehr Chemie als im Abflussreiniger! Und dann dürfen auch noch die Kleinkinder im Rasen krabbeln und herumtoben! Der Begriff des “Kunstdüngers” übrigens geht auf das von Carl Bosch erfundene Verfahren zur künstlichen Herstellung von Ammoniak (“Haber-Bosch-Verfahren”) und somit des industriell erzeugten Stickstoffdüngers zurück. Heute wird oftmals auch der organomineralische Dünger als Kunstdünger bezeichnet.
Ganz ohne Düngung geht es allerdings auch im heimischen Rasen nicht. Wachsen beispielsweise Pilze im Gras, so ist dies der eindeutige Hinweis dafür, dass zu wenige mineralische Nährstoffe im Boden enthalten sind. Allerdings kann ein zu konzentrierter mineralstoff- bzw. nitrathaltiger Dünger wiederum zu vermehrtem Pilzwachstum führen! Hier gilt es also unbedingt die goldene Mitte zu finden. Übrigens – Schattenrasen benötigt weniger Dünger! Magnesium und Eisen sorgen zudem für ein dunkles und sattes Grün. Dünger – somit also ein mehr als rentables Geschäft. 1999 wurden weltweit nicht weniger als 141,4 Mio Tonnen verwendet – 2012 waren es in Deutschland 3 Mio Tonnen. Nach Schätzungen besitzt der europäische Düngemittelmarkt (organischer, mineralischer und organomineralischer Dünger) bis 2018 ein Volumen von nicht weniger als 15,3 Milliarden €. Hier wird also richtig gutes Geld gemacht.
Spät aber doch entschied sich einer der grössten heimischen Gartenhändler, Bellaflora, im Jahre 2013 auf die Verwendung von Pestiziden und Herbiziden zu verzichten. Aus der Befürchtung eines Einbruchs der Umsatzzahlen wurde binnen eines Jahres eine Steigerung von 20 % bei biologischen Pflanzenschutzmitteln. Das stärkte das Unternehmen in seiner Entscheidung, seit dem vergangenen Jahr auch keinen Kunstdünger mehr zu verwenden. Völlig richtig wurde erkannt, dass die chemisch-synthetischen Dünger “mit der Zeit die strukturellen und physikalischen Eigenschaften des Bodens verschlechtern” (Statement von Bellaflora)! Dadurch findet kein Humusaufbau mehr statt. Zudem werden oftmals die Nährstoffe ausgewaschen und führen in weiterer Folge zu einer Überdüngung der Gewässer durch vornehmlich Phosphor. Diese sog. “Eutrophierung” verursacht ein vermehrtes Wachstum von Algen und Wasserpflanzen, was ja anfänglich gar nicht mal so übel wäre (Nahrung für Fische und Sauerstoffproduktion im Wasser). Allerdings sterben diese auch ab und verbrauchen dabei zu viel Sauerstoff im Wasser, wodurch es zum Fischsterben kommt.
Aber noch etwas anderes hat mich stets davon abgehalten auf Kunstdünger zurückzugreifen: Die ressourcenaufwendige Produktion! So bedarf beispielsweise die Stickstoffproduktion eines sehr grossen Energieaufwandes: Eine Tonne Stickstoff entspricht der Energieausbeute von rund 2 Tonnen Erdöl!!! Kalium und Phosphor werden grossflächig abgebaut, wodurch ganze zuvor unberührte Regionen zerstört werden. Zudem werden Unmengen von Wasser benötigt. Guano, also die Exkremente von Seevögel, der sehr häufig als Düngerbestandteil verwendet wird, muss vornehmlich aus Südamerika nach Europa geschifft werden. All diese wichtigen Bestandteile sind jedoch bereits im Gras enthalten. So entsteht Nitrat etwa beim Abbau von organischem Material. Was also spricht dagegen, dass ich ganz einfach das zuvor abgeschnittene Gras liegen lasse? Mein Gott – werden nun einige unter Ihnen laut aufschreien – sieht ungepflegt aus und das noch lebende Gras bekommt keine Luft! Werte Damen und Herren Hobby-Gärtner: Haben Sie schon mal überlegt, was da eigentlich alles in ihrem Wimbledon-Rasen kreucht und fleucht – sofern er gesund ist? Das wohl bekannteste Bodenlebewesen ist der Regenwurm. Er verzehrt immense Mengen an abgeschnittenem Gras und führt auf diese Weise dem Boden wieder wichtige Nährstoffe zu. Viele sind zudem der Meinung, dass Klee nichts in deren Superrasen zu suchen hat! Falsch! Klee wird nicht nur seit Jahrhunderten als Futterpflanze angebaut. Er tritt mit sog. “Knöllchenbakterien” (Rhizobiaceae) in Symbiose. Durch dieses Zusammenspiel wird an den Wurzeln der Pflanze Luftstickstoff gebunden. Klee führt also zu einer natürlichen Verbesserung des Nitratverhältnisses im Boden und entzieht gleichzeitig der Luft eine ordentliche Portion an Stickoxiden. Wie pervers ist es deshalb, dem Klee im Rasen den Garaus zu machen, dafür nach jedem Rasenschnitt Hornmehl auszustreuen um Stickstoff in den Boden zu bringen. Auch brach liegende Ackerflächen werden oftmals mit Klee besäht! Seine Blüten dienen übrigens auch den Bienen als nicht zu unterschätzende Nektarquelle! Apropos pervers: Im Unterglasanbau (Glashaus) wird künstlich CO2 produziert, da davon im Glashaus v.a. im Winter zu wenig für die Photosynthese der Pflanzen vorhanden ist! Anstatt von aussen vorgewärmte Luft einzuführen wird Propan oder Erdgas verbrannt. Geschieht dies im Zusammenhang mit der Heizung ist es ja ok – doch schlage ich mir angesichts eines solchen Irrsinns die Hände über dem Kopf zusammen. Gerade zur kalten Jahreszeit, zu welcher jedes Haus Tonnen von Kohlendioxid aus dem Kamin bläst, verwenden exquisite Glashäuser gar industriell hergestelltes CO2 aus der Gasflasche!!!
Und – wenn der Boden ohnehin etwas zu sauer ist (vielleicht, da er zuvor intensiv landwirtschaftschaftlich genutzt wurde), muss nicht wirklich industriell erzeugter Kalk zum Einsatz kommen. So kann die Asche aus dem heimischen Kachelofen gute Dienste leisten. Sie ist durch die Verbrennung basisch und gleicht einen zu sauren ph-Wert im Boden aus! Vorsicht jedoch: Nur Asche aus der Holzverfeuerung (keine Schlacke!) taugt für diese Massnahme. Maximal 0,3 l/m² und Jahr sollten ausgestreut werden. Eigentlich ganz simple Massnahmen, die zu einem gesunden Boden führen können. Ohne teure und gar gesundheitsgefährdende Mittelchen aus dem Reagenzglas, die nicht selten zu Hautreizungen bei Körperkontakt führen können.
Aber nicht nur das kann die Gesundheit gefährden. Untersuchungen der Zeitschrift “Ökotest” haben ergeben, dass in den meisten handelsüblichen Universal-Gartendüngern Schwermetalle und vor allem Dioxin enthalten sind. Diese Dünger setzen sich aus pflanzlichen und tierischen Bestandteilen aber auch aus mineralischen zusammen. Die mineralischen bauen zuhauf auf Phosphorsalzen auf. Diese müssen bergmännisch abgebaut werden – die Quelle der Schwermetalle. So wurde in 10 von 20 Proben ein zu hoher Uran- und in fünf ein zu hoher Cadmium-Wert festgestellt. Auch wenn wir hier tatsächlich nur über 10-22 g Uran pro Hektar (bei normaler Düngung) sprechen, so kann dieses in das Grundwasser gespült werden! In allen Düngern wurden zudem erhöhte Dioxinwerte und in manchen auch Pflanzenschutzmittel festgestellt. Dabei hatten viele dieser Düngemittel den Aufdruck “Bio” auf der Verpackung. Was beim Rasen noch als vernachlässigbar gesehen werden kann (ausser das Gras wird verfüttert!), sollte keinesfalls in Gemüse- oder Salatbeeten zu Einsatz kommen. Denn hierdurch gelangen all diese Gifte in die Nahrungskette! Erschwerend hinzu kommt nämlich, dass die meisten Pflanzen aufgenommene Stoffe anreichern – so auch die Schwermetalle. Deshalb empfiehlt Grossmutters Erfahrungsschatz: Streuen sie den Grasschnitt aus dem nicht kunstgedüngten Rasen auch im Beet aus. denn da bin ich mir sicher, dass mein Kopfsalat, meine Kohlrabi oder auch Bohnen und Tomaten geniessbar sind. Bei Calciumdihydrogenphosphat, Diammoniumphosphat oder Tripelsuperphosphat weiss ich nicht, ob ich beim abendlichen Lesen eines Buches überhaupt noch Licht benötige, bezeichnete doch Hennig Brand das von ihm anno 1669 entdeckte Element als “Phosphor”, als Lichtträger, da es bei Kontakt mit dem Luftsauerstoff reagiert – es leuchtet nach (Phosphoreszenz). Oder – in der Pflanze angereicherte Nitrate werden im menschlichen Darm zu Nitriten reduziert. Derartige Nitritanionen (NO3-) reagieren mit dem Hämoglobin des Blutes – es entsteht Methamoglobin. Dadurch transportiert das Blut zu wenig Sauerstoff zu den Zellen, was gerade bei Säuglingen extrem gefährlich werden kann. Somit sollte ich mir also ernsthaft die Frage stellen: Ist das wirklich alles “bio” aus meinem eigenen Garten? Auch bei der Verwendung von Klärschlamm oder Mist in Gemüse- oder Salatbeeten sollte eine Kenntnis der Thematik Voraussetzung sein, da ansonsten ganz leicht etwa Koli-Bakterien übertragen werden können. Mmmmhh – lecker!
Als vor einigen Jahren der winterliche Schnee in meinem Garten weggeschmolzen war, staunte ich nicht schlecht: Mein Rasen sah aus wie ein Raketen-Testfeld! Die Ursache waren ein oder zwei Maulwürfe. Ich schämte mich, da in den anderen Gärten nirgendwo derartige Maulwurfshügel zu sehen waren. Also begann ich mit meinen Recherchen. Im Gegensatz zu den Wühlmäusen ist der Maulwurf ein sehr nützliches Tier! Die Mäuse knabbern die Wurzeln der Pflanzen an, der Maulwurd jedoch ernährt sich von Bodentieren, wie auch den Würmern. Somit ist es leicht erklärt, woher die Regenwürmer ihren Namen haben: Prasselt der Regen herunter, flüchten sie aus dem Boden in der Annahme, dass sich ein Maulwurf in ihrer Nähe befindet. Je gesünder nun ein Boden ist, desto mehr Bodenlebewesen sind dort zu finden. Damit ist also der Maulwurf in meinem Grund und Boden leicht zu erklären, da in den anderen Gärten vornehmlich Kulturrasen zu finden ist! Nachdem mir diese Hügel aber mit der Zeit zu lästig geworden sind, goss ich eine Mischung aus Molke und alter Milch in die Löcher und gab zudem noch jeweils ein Büschel Hundehaare hinein, da der Hund der einzige natürliche Feind des Maulwurfs ist. Maulwürfe stehen unter Artenschutz!
Doch auch in der Landwirtschaft sollte kein Kunstdünger mehr verwendet werden. Entsteht doch ein Stickoxid (N2O), das im Volksmund gerne als “Lachgas” bezeichnet wird. Dieses Lachgas ist rund 310mal schädlicher für unser Klima als etwa das Kohlendioxid aus den Verbrennungsmotoren. Daneben übernehmen die synthetischen Stickstoffdünger die Arbeit der Mikroorganismen im Boden. Sterben diese ab, da sie nicht mehr gebraucht werden, hat das nachhaltigen Einfluss auf die Qualität des Humus. Ausserdem besteht – ebenso wie beim Ausbringen des Wirtschaftsdüngers Gülle – die Gefahr der Überdüngung. Im Extremfall führt dies zur sog. “Plasmolyse”, dem Abtöten der Pflanzen, bedingt durch das Lösen der Plasmamembran von der Zellwand.
Durch die industrialisierte Fleischproduktion zeichnet laut World Wildlife Fund (WWF) inzwischen die Landwirtschaft für nicht weniger als 14 % der Treibhausemissionen verantwortlich, nach Angaben der UNO-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO) sogar für 18 %. Nach Berechnungen des WWF Deutschland verursacht die Produktion eines Kilos Käse mehr Emissionen als eine 70 Kilometer lange Fahrt mit dem PKW. Zudem werden immer mehr Waldflächen für die Schaffung von Ackern und Wiesen abgeholzt. In vielen Teilen Deutschlands und Österreich wäre zudem eine Düngung von nicht landwirtschaftlich genutzter Grünfläche gar nicht notwendig, da der Boden genügend Mineralstoffe enthält. Wer also seinen Garten liebt, führt als erstes eine Bodenanalyse durch und verwendet – je nach Fruchtfolge – entsprechenden Dünger aus der Natur selbst in Teilgaben! Weshalb kann nicht jeder Landwirt oder Gärtner auf die Erfahrungen seiner Grosseltern zurückgreifen? Obwohl damals der Begriff der “Nachhaltigkeit” nicht bekannt war, wurde die Natur weniger zerstört als heutzutage.

Zuletzt hier noch eine kurze Gegenüberstellung der Bestandteile von natürlichem Dünger (Wirtschaftsdünger) pro Gesamttonne:

Rindermist
Stickstoff 2 kg
Phosphorpentoxid 3 kg
Kaliumoxid 7 kg
Calciumoxid 4 kg
Magnesiumoxid 2 kg

Schweinemist
Stickstoff 3 kg
Phosphorpentoxid 8 kg
Kaliumoxid 5 kg
Calciumoxid 7 kg
Magnesiumoxid 2 kg

Hühnermist
Stickstoff 15 kg
Phosphorpentoxid 21 kg
Kaliumoxid 30 kg
Calciumoxid 0 kg
Magnesiumoxid 6 kg

Feinkompost
Stickstoff <1 kg
Phosphorpentoxid 2 kg
Kaliumoxid 4 kg
Calciumoxid 6 kg
Magnesiumoxid 1 kg

Lesetipps:
- Pflanzenernährung und Düngung; G. Schilling; Ulmer; Stuttgart (Hohenheim) 2000
- Lebensmittelkunde und Lebensmittelqualität in der Ernährungsberatung; H. Anemueller; Hippokrates Verlag; Stuttgart 1993

Links:
www.boku.ac.at
www.lfl.bayern.de
www.landwirtschaft.sachsen.de
www.Mein-Garten-wird-schoen.de
www.gartentipps.com/
www.gartentipps.de
www.mein-schoener-garten.de
www.hobbygarten.de
www.opas-gartentipps.de
www.krautundrueben.de

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Houston – wir haben ein Problem

Der liebe Gott hat sie vor rund 140 Millionen Jahren (Erkenntnisse des DNA-Divergenz-Test) erschaffen, damit sie für Ordnung sorgen, das wegräumen, was andere nicht mehr brauchen. Galten sie noch im antiken Griechenland als Musterbeispiel für vorausschauendes Denken und Intelligenz (Aesop), so wurden sie ab dem 17. Jahrhundert durch den Menschen bekämpft, weil er sie als lästige Insekten nicht haben wollte und will, sie als geizig einschätzt und mit dem reiferen Alter assoziiert. Doch eines ist inzwischen richtig: In diesen Mengen können Ameisen grossen Schaden anrichten!
Das Wort “Ameise” könnte sich aus dem Neuhochdeutschen “ëmatîc” herleiten und würde dann “emsig” bedeuten, das “emsige, arbeitsame Tier”. Die Ameise ist eine Insektenfamilie innerhalb der Ordnung der Hautflügler, allerdings besitzen nur die geschlechtsreifen Königinnen und Männchen Flügel. Die meisten Sinne befinden sich in ihren Antennen: Neben dem Tasten, Schmecken und Riechen nehmen sie hiermit auch die Temperatur, Luftströmungen und den Kohlendioxidgehalt sowie höchstwahrscheinlich die Feuchtigkeit der Luft wahr. Nicht weniger als 111 unterschiedliche Arten von Ameisen sind hierzulande heimisch – weltweit könnten es bis zu 12.500 sein. Der fachkundige Experte bezeichnet sie als Nutzinsekt, da sie all das beseitigt, was so liegen und stehen bleibt – und dies nicht nur auf dem Boden! Ameisen sind die “Gesundheitspolizei der Natur”. Ein einziges Waldameisenvolk vernichtet an einem Tag bis zu 100.000 wirbellose Tiere, so auch Pflanzenfresser wie Falterraupen und Blattkäferlarven. Deshalb sind die kleinen Nützlinge im heimischen Blumen- oder Gemüsebeet herzlichst willkommen! Könnte man zumindest meinen. Hätten sie nicht – wie wir Menschen auch – eine Leidenschaft: Süsses! Und das macht sie im Garten zu gefürchteten Eindringlingen. Einerseits weil sie die süsslichen Ausscheidungen der Blattläuse (Honigtau) mögen und diese deshalb schützen (zum Überwintern tragen sie deren Larven sogar in den Ameisenbau), andererseits weil sie auch nicht davor zurückschrecken, den beschwerlichen Weg auf Terassentische zu suchen, wenn dort die Marmelade für das Frühstück bzw. das Obst als Nachspeise zum Mittagessen steht. Dabei können sie auch Keime übertragen, was die Ameise zu einem mehr als nicht willkommenen Gast besonders in den Küchen werden lässt.
Im Garten sind es hierzulande meist zwei Arten: Die Schwarze Wegameise (Lasius niger) und die Gelbe Wegameise (Lasius flavus). Die schwarze Kollegin ist die in unseren Breitengraden am meisten vorkommende. Sie nistet meist unter Pflasterplatten oder Steinen, da sich diese am raschesten erwärmen, und ernährt sich neben den Ausscheidungen der Blattläuse auch von jenen der Schildläuse, Blattflöhen und Zikaden, jagt aber auch schon mal das eine oder andere Insekt. Sie erreicht eine Grösse von drei bis fünf Millimeter; ein Staat besteht aus rund 500 Arbeiterinnen. Die Gelbe Wegameise ist zwischen zwei bis vier Millimeter gross, nistet im Rasen und kann Erdhügel aufschütten. Ihre Nahrung ist der Honigtau von Wurzelläusen, weshalb diese Ameisen zumeist ihren Bau nicht verlassen.
Eine dritte bei uns heimische Art, die Waldameise, ist seit rund 200 Jahren geschützt und bevorzugt den schattigen Forst. Sie dient vielen Tieren im Wald als Nahrung, verbreitet die Samen der Pflanzen, ist ein wichtiger Bodenbildner (Umschichtung oberer Erdschichten) und frisst viele Forstschädlinge (Arthropoden). Die Waldameise ist somit ein ganz wesentlicher Stabilitätsfaktor für das Gleichgewicht im Ökosystem Wald. Die Königinnen der Roten Waldameise legen bis zu 300 Eier täglich – zuerst Königinnen und Männchen, dann das niedrige Fussvolk. 13 Sorten bauen Nesthügel, in welchen mehr als 1 Million Arbeiterinnen tätig sein können. Während die Königin bis zu 25 Jahre alt werden kann, sterben die Arbeiterinnen spätestens nach dem 6. Lebensjahr. Ist auch kein Wunder bei derartigen Belastungen: Eine Arbeiterin kann das 40-fache ihres Eigengewichtes tragen. Ameisen – die Hulks unter den Insekten!
Doch derzeit wird Mitteleuropa von einer anderen Art überflutet, die keineswegs unterschätzt werden sollte: Die Formica fuscocinerea! Eine aus den Alpen und dem Alpenvorland stammende Art, etwa sechs Millimeter gross mit einem glänzenden Ring am Hinterleib. Tausende Königinnen (Polygynie) legen in unterirdischen Bauten Millionen von Eiern. Trifft ein Volk auf ein anderes, so bekämpfen sich normalerweise beide Staaten, bis es ein Volk nicht mehr gibt oder es wird versklavt! Nicht jedoch bei dieser Art. Sie beginnen sich zu putzen – ein Zeichen dafür, dass sie friedlich miteinander umgehen oder gar aus einem einzigen Staat stammen. Nach der Paarung nämlich (meist der Hochzeitsflug, bei dem die Jungkönigin bis zu einhundertmal begattet wird), sterben die Männchen, die Königinnen verlieren ihre Flügel und gründen eine eigene Kolonie oder kehren in die Elternkolonie zurück, sodass mehrere Königinnen nebeneinander leben können. Es kommt zu Superkolonien! Dadurch regelt auch nicht mehr die natürliche Selektion die Population! Diese Ameisenart vermehrt sich dermassen schnell, dass sie in manchen Landstrichen, wie etwa in Oberbayern bereits zu Plage wird. Gerade in Parks oder auf Spielplätzen in den Innenstädten sind sie sehr lästig, etwa in München oder Tübingen. So mancher Insektenforscher vergleicht das Szenario gar mit einem Horrorfilm, in welchem sich der Boden ständig bewegt. Auch ihre Bauten können gefährlich werden. So haben etwa in Meerbusch/Niederrhein Ameisen einen Radweg unterhöhlt, der abgesackt ist. Material, das sie beim Graben ihrer Höhlen nicht mehr brauchen, wird an die Oberfläche befödert. So entsteht ein Ameisenhaufen.
Durch den internationalen Handel und Personenverkehr werden immer wieder Insekten oder Tiere mitgebracht, die in unseren Gefilden nichts zu suchen haben. Das Schadpotential solcher eingeschleppter Arten ist enorm. So können sie heimische Arten verdrängen, Pflanzen- und Tierwelt schädigen und nicht zuletzt Krankheiten einschleppen. In den 1930er-Jahren wurde beispielsweise die aus Südamerika stammende Rote Feuerameise in die USA eingeschleppt. Sie verursacht jährlich einen Schaden von nicht weniger als 600 Mio US-Dollar durch Ernteeinbussen oder auch Schäden an elektrischen Anlagen. Ihr Gift ist sehr schmerzhaft – es kann bei allergischen Überreaktionen gar Todesfolgen haben. Das Forschungsprojekt “Delivering Alien Invasive Species Inventory for Europe” (DAISIE) hat vor gar nicht allzu langer Zeit nachgewiesen, dass – von den Ameisen mal abgesehen – in Europa insgesamt bereits 11.000 nichteinheimische Arten leben, wovon 15 % zu ökonomischen Folgen führen. Der Waschbär, tropische Krebse oder asiatische Stechmücken wären Beispiele hierfür. Durch das Fehlen der natürlichen Feinde wächst die Population rasant an. Deshalb lehnen Experten auch den Handel mit nicht-einheimischen Ameisenarten ab. Sie gelten als sehr durchsetzungsstark und können rasch zum Problem werden, heimische Ameisen, wie auch die Waldameise verdrängen und Würmer, Pilze und andere Krankheitserreger übertragen. Bestes Beispiel hierfür ist etwa die invasive Gartenameise (Lasius neglectus). Sie war einst nur in Osteuropa heimisch, inzwischen jedoch ist sie auch hierzulande zu finden. Sie verbraucht die Nahrungsreserven der heimischen Arten, befällt Obstgärten, wo sich im Honigtau der Blattläuse Rußtau-Pilze ansammeln, die das Obst geschmacklich und im Aussehen beeinflussen. Oder auch die Argentinische Ameise. Sie wurde höchstwahrscheinlich mit Handelsschiffen in den Mittelmeerraum verbracht. Dort hat sie eine Superkolonie gegründet, die sich über 5.760 Kilometer erstreckt, von Spanien bis nach Italien reicht und durch den Biologen Laurent Keller entdeckt wurde.
Stört Sie nun im Garten ein Ameisenvolk, so sollten Sie nicht die Chemiekeule verwenden und das Volk mit Kontaktgift ausrotten. Die Arbeiterinnen nämlich sind beliebig austauschbar. Erst wenn die Königin gestorben ist, ist Schluss mit dem Volk. Doch verenden an diesem Insektizid, Pestizid oder Nervengift zudem andere nützliche Insekten und Bienen! Auch abgestandenes Bier mit einem Löffel Honig tötet die Nützlinge, indem sie im Bier ertrinken. Experten empfehlen die Wirkstoffe Fipronil oder Spinosad. Bereits in geringer Dosis wirken diese bei den Krabblern als Nervengift. Sie erregen sich sprichwörtlich zu Tode. Für den Menschen oder andere Säugetiere kann hingegen erste eine hohe, nicht handelsübliche Menge gefährlich werden. All jene aber, die ihren Garten biologisch halten möchten, sei folgender Trick empfohlen: Füllen Sie einen Blumentopf mit Holzwolle und stellen ihn mit der Öffnung nach unten auf eine Ameisenstrasse oder Kreuzfuge Ihrer Terasse. Nach einiger Zeit beginnt der Umzug der Ameisen. Auch die Puppen werden in das neue Zuhause gebracht. Ist dann nach einigen Tagen das gesamte Volk im Topf, so können Sie dieses umsiedeln. Es sollte allerdings mindestens 30 m von der bisherigen Siedlung entfernt sein, da die Kleinen ansonsten wieder in ihren Bau zurückkehren. Der Trick funktioniert übrigens auch mit einem Ton-Blumentopf, der über 24 Stunden in Wasser eingeweicht wird. Dann mit Zeitungspapier ausgelegt und ein bis zwei Löffel Marmelade bzw. Honig eingetröpfelt. Lavendel, Zimt, Gewürznelken, Chillipulver oder Zitronenschalen verbreiten ferner einen Duft, den die Ameisen nicht mögen! Zudem können sie Gartenkalk oder Kreide als Sperren verwenden. Beides ist alkalisch und gehört somit nicht unbedingt zu den bevorzugten Lieblingsmaterialien der Ameisen, da sie sich bei Kontakt verätzen können. Andererseits kann auch eine indirekte Bekämpfung stattfinden: Erledigen Sie die Blattläuse in Ihrem Garten! Geht ganz einfach mit Nikotin- oder Brennessel-Sud!
Sollten Sie gerade in der Planung des Gartens und der Terasse sein, so empfehlen die Experten nicht Pflastersand als Bettung sondern vielmehr Basaltsplitt. Dieser passt nicht so einfach wie Sand durch die Fugen. Apropos: Ausserdem können die Fugen mit einem Pflasterfugenmörtel auf Kunstharzbasis abgedichtet werden. Dadurch können Ameisen aber auch das Unkraut nicht durch, trotzdem jedoch fliesst Regenwasser ab.
Bei all dem sollte auf eines nicht vergessen werden: Ameisen sind Nutzlinge, die für den Menschen ungefährlich sind – ausser sie haben eine Insektengift-Allergie. Ihr Bissoder Stich ist unangenehm, das Versprühen des Ameisengiftes (komplexe Proteingemische mit Histaminen durchmischt) kann kurzen Schmerz auslösen, ist jedoch in den meisten Fällen nicht tödlich! Dieses setzen sie übrigens zudem im Kampf gegen Schädlinge ein. So werden die Kolleginnen bevor sie in den Bau kommen kontrolliert. Etwa auf den Pilz Metarhizium brunneum hin. Führt eine Arbeiterin Sporen mit, so wird sie von ihren Kolleginnen gesäubert (“Grooming”), wobei ebenfalls das Gift verwendet wird. Ammenameisen verpassen den Puppen ab und an eine solche Giftdusche. Danach aber dauert es rund vier Stunden, bis sie wieder ihr Säurelager aufgebaut haben. Zudem sind sie für die Forscher von unschätzbarem Wert, da sie hochkomplexe Staaten aufbauen. Die Rote Feuerameise übrigens formt sich bei Überschwemmungen ein lebendes Floss – aus Ameisen! Ansonsten sind sie Profis im Bauen und der Architektur, erfolgreiche Milch- und Ackerbauern sowie logistische Wunderwerke. Nicht zuletzt deshalb dienten sie den alten Griechen als Vorbild für die Konstruktion eines funktionierenden Staates; allerdings auch den Nationalsozialisten oder den Kommunisten – wo etwa die Sklaverei und/oder der Sozialparasitismus nahezu eins zu eins übernommen wurden. Doch: Ameisen sind einzigartig auf dieser Welt!
Und äh – der Ameisen-Algorithmus – das ist wieder eine ganz andere Geschichte!

Interessante Links:
www.ameisenschutzwarte.de
www.ameisenwiki.de
www.antbase.net
www.optik-foto-mueller.com/studio/ants/antsindex.html

Weiterführende Literatur:
“Ameisengesellschaften – eine Faszinationsgeschichte” von Prof. Dr. Niels Werber
“Die Entdeckung einer faszinierenden Welt” von Bert Hölldobler & Edward O. Wilson

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