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Der grösste Batzen vom Gehalt

Als ich vor kurzem in einer DPA-Meldung die Schlagzeile las “Mittelschicht von Obdachlosigkeit bedroht”, dachte ich zuerst an die Börsenspekulationen der Kleinen. Doch weit gefehlt: Es geht um’s Wohnen! Die Mietpreise in Deutschland und Österreich sind in den letzten Jahren dermassen in die Höhe geschossen wie seit lang, langer Zeit nicht mehr. Wer wird sich in Zukunft noch ein Wohnen auf Miete leisten können???
Während immer mehr Menschen in die Städte drängen (Landflucht) und dort der Platz langsam eng wird, stehen viele Häuser am Land leer. Oder Bürgermeister locken junge Paare mit niedrigen Grundstückpreisen, damit die Kommune nicht überaltert und zur Geisterstadt wird. Das Wohnen am Land ist nach wie vor leistbar, doch nehmen nur wenige das tägliche Pendeln in die Stadt in Kauf. In Ballungsräumen hingegen bedeutet der viel zu hohe Mietzins für die meisten ein finanzielles Fiasko. Nicht selten muss das soziale Netz mit einem Wohnzuschuss unter die Arme greifen, da bei vielen so gut wie nichts mehr vom Gehalt für das Leben übrig bleibt. Bei erschreckend vielen bleibt nach dem Abzug der Miete vom Gehalt weniger übrig als der Hartz IV-Satz (1,3 Mio Haushalte zwischen Flensburg und Oberstdorf!). Die Humboldt-Universität Berlin brachte es auf den Punkt: Eine Studie (77 Städte mit mehr als 100.000 Einwohner) ergab, dass vier von zehn Haushalte rund 30 % des Netto-Einkommens nur für die Miete aufbringen müssen.
Die Vermieter hingegen können es sich leisten, da die Nachfrage eklatant gross ist und auch weiterhin steigen wird. Von der gross angekündigten Mietpreisbremse also keine Spur! Aus einer im Grunde guten Idee wurde eine Lachsalve (für all jene, denen das Lachen noch nicht vergangen ist). Zudem prüfen die deutschen Bundesverfassungsrichter, ob diese überhaupt grundgesetz-konform ist.
Für all jene, die das Wort “Mietpreisbremse” heute vielleicht zum ersten Mal lesen sollten, folgend eine kurze Einführung in ein sehr komplexes Thema. Dieses Gesetz (“Gesetz zur Dämpfung des Mietanstiegs auf angespannten Wohnungsmärkten”) trat am 01. Juni 2015 in deutschen Landen in Kraft. Es sollte eigentlich die Mietpreise regional deckeln, damit nicht das geschieht, was derzeit gang und gebe ist: Ein rapides Ansteigen der Mieten ohne ersichtlichen Grund – nur aufgrund der Nachfrage. Um dies zu veranschaulichen: In den teuersten Städten der Bundesrepublik (Berlin, Dresden, Frankfurt/Main, Leipzig und München) zogen Preisaufschläge von 20 bis vereinzelt sogar 45 % bei der Netto-Kaltmiete den zurecht ungehinderten Groll der Mieter auf sich. Durch die Bremse können nun die Bundesländer regulierend eingreifen, indem in besonders teuren Gebieten die Mieten gedeckelt werden. Soll heissen, dass der Mietpreis bei der Erstellung eines neuen Mietvertrages maximal zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen darf. Die Vergleichsmiete wird durch die unterschiedlichsten Mietspiegel lokal anhand der Parameter Bevolkerungswachstum, Leerstandsquote, Mietentwicklung und Mietbelastung errechnet. Die Länder legen diese Gebiete selbst fest – die Bremse gilt für jeweils die kommenden fünf Jahre. Berlin beispielsweise hat sie sofort zum Inkrafttretungsdatum des Gesetzes umgelegt. Nach und nach folgten weitere Bundesländer bis auf Sachsen, Sachsen-Anhalt, Saarland und Mecklenburg-Vorpommern. Dort sah man offenber bislang noch keinen wirklichen Bedarf der gesetzlichen Regulierung, obgleich Dresden und Leipzig im Schnelllauf nach oben galoppieren. Soweit so gut zu den neuen Mietverträgen. Bestehende Mietverträge werden seit dem 01. Mai 2013 insofern geregelt, als in ebenfalls eigens ausgewählten Gebieten der Mietpreis innerhalb von drei Jahren um maximal 15 % bzw. mancherorts 20 % steigen darf (“Kappungsgrenze”).
Eigentlich sind von der Mietpreisbremse alle in diesen Gebieten betroffen, doch halten sich die meisten gar nicht daran. Offizielle Ausnahmen sind neu errichtete bzw. umfassend modernisierte Häuser (mindestens ein Drittel der Kosten eines Neubaus) und bereits bestehende Miethöhen. Schliesslich will der Gesetzgeber nicht den Wohnbau stoppen, doch lohnt sich ein solcher oder eine Modernisierung mit anschliessender Vermietung erst ab 10,- €/Quadratmeter (netto/kalt). Zum Vergleich: In Berlin-Neukölln liegt der Quadratmeterpreis bei 4,- €. Bei Modernisierungen übrigens können 11 % der Kosten pro Jahr auf den Mieter abgewälzt werden – Mietpreisbremse hin oder her! Auch im Nachhinein – bis zu drei Jahre zurück.
Ein solcher qualifizierter Mietspiegel wird durch die Kommune alle vier Jahre erstellt und muss zumindest für zwei Jahre an den Markt angepasst sein. Einsehbar ist dieser beim Wohnungs- oder Sozialamt der Gemeinde. Dem gegenüber steht der einfache Mietspiegel, eine Schätzung, die von Experten vorort vorgenommen wird.
Bevor ich aber nun noch mehr in’s Detail gehe: Die meisten Vermieter finden eine Lücke um diese Mietpreisbremse umgehen zu können. Der Mieter kann, sobald er hier eine ungesetzliche Unregelmässigkeit feststellt, die zu viel verlangte Miete zurückbehalten. Jedoch sollte dem eine gute Beratung mit Experten vorausgehen. Dann folgt eine qualifizierte Rüge des Vermieters, in welcher er seine übermässigen Forderungen rechtfertigen muss und danach, ja danach folgt zumeist ein jahrelanger Rechtsstreit. Das wollen sich viele Mieter nicht antun, da sie glücklich darüber sind, überhaupt eine Wohnung erhalten zu haben. Zudem benötigen sie den Mietpreis des Vormieters. Der Vermieter muss diesen grundsätzlich nennen, viele machen es dennoch nicht.
Ist noch ein Makler involviert, so müssen dessen Vermittlungsgebühren vom “Besteller” übernommen werden, das ist in der Regel der Vermieter. Konsultiert der Wohnungssuchende selbst einen Makler, so endet dies wohl vor Gericht, da ja der Vermieter zuvor bereits mit dem Makler einen Vertrag ausgearbeitet hat.
Diese Mietpreisbremse soll also ursprünglich vor Wucher schützen. Doch hilft sie nicht etwa den kleinen Mindestlohnbeziehern, sondern vielmehr den ohnehin schon finanziell gut gestellten Mietern, günstigere Quadratmeterpreise für das Penthouse oder die Villa zu erhalten. Während der Mieterbund eine engere Schnürung der Bremse fordert, möchte sie der Vermieterbund am liebsten abgeschafft sehen. Auch hier ein kleines Beispiel: Eine Altbau-Wohnung ist aufgrund Ablebens des Mieters freigeworden. Er selbst zahlte vielleicht ein Appel und ‘n Ei dafür. Nun wird renoviert! Im neuen Mietvertrag wird dies mit einem Mehrfachen der bisherigen Miete zu Buche stehen. Anderes Beispiel: Viele Plattenbauten in Berlin-Marzahn wurden inzwischen aufwendig modernisiert. Aus dem Vorzeige-Projekt der SED in Sachen billiger Wohnraum wurde nun eine gute Geldanlage mit ordentlichen Renditen!
Wohnraum in Grossstädten ist schon längst nicht mehr leistbar, für Rentner, Alleinerzieher, Mindestlohnempfänger. Inzwischen betrifft dies auch den an sich gut situierten Mittelstand. Familien, in welchen Vater und Mutter einer Beschäftigung nachgehen.
Bei den sozial unteren Schichten wurde dies bislang durch den sozialen Wohnbau abgefedert. Doch ebenso wie etwa in Österreich die BUWOG-Wohnungen für staatlich Angestellte oder Bedienstete im Staats- oder Landesdienst werden auch in Deutschland immer mehr Sozialwohnungen durch den bisherigen Träger wie Land oder Bund an private Immobilienkapitalisten verkauft. In Bayern betraf dies etwa zehntausende Wohnungen aus dem bisherigen Besitz der Bayrischen Landesbank. Dort werden nun sukzessive die Mieten angehoben, bis sie den regionalen Stand erreicht haben. Das können sich aber viele der dort lebenden Menschen nicht mehr leisten. Sie suchen um Wohnzuschuss an oder bewerben sich für geförderte Wohnungen. In München beispielsweise werden heuer über 28.000 Anträge für geförderte Wohnungen eingereicht – frei wurden allerdings nur 3.900. Der soziale Wohnbau wird massivst zurückgefahren – die Städte verkümmern alsdann mit Hilfe der Regierungen immer mehr zur Spielwiese der Reichen – auch der ausländischen Investoren.
Ähnliches Bild in Österreich. In der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck etwa liegt der Quadratmeterpreis bei nicht weniger als 12,2 – 16,- € im Median (mittlerer Wert der Angebotspreise). Damit ist das Wohnen am Goldenen Dachl unter Umständen sogar teurer als im Nobelschiort Kitzbühel (14,- €/qm). Danach folgen Wien (14,90 €/qm) und Salzburg (14,40 €/qm). Experten sprechen von einem Rekordanstieg. Im Vergleich dazu die günstigste Landeshauptstadt Eisenstadt (Burgenland): 9,96 €/qm. Allerdings sind alle Zahlen im Gegensatz zu Deutschland Warmmieten. Alle zwei bis drei Jahre werden zudem die Richtwerte entsprechend des Verbraucherpreisindexes erhöht. Zuletzt war dies am 1. April des Jahres der Fall: +3,5%! Ferner kann der Vermieter Zuschläge verlangen. Diese betreffen

den Erhaltungszustand des Hauses,
die Ausstattung der Wohnung,
die Lage der Wohnung innerhalb des Hauses und
die Wohnumgebung des Hauses

3,7 Millionen Haushalte gibt es zwischen Neusiedler- und Bodensee. In etwa 40 Prozent sind Hauptmietwohnungen. Gesetzlich greift hierbei das Richtwertmietensystem, das jedoch schon 2004 als mieterfeindlich durch die Arbeiterkammer eingestuft wurde. Schliesslich ist der Vermieter nicht gesetzlich gezwungen, die Faktoren für die Berechnung des Mietpreises bekannt zu geben. Zuschläge können jederzeit zum Richtwert hinzugegeben werden.
Diese teuersten Städte sind jeweils Uni-Städte, die vierte Stadt Dornbirn (Vorarlberg) besitzt eine Fachhochschule. Studenten treffen derartige Preise besonders hart. Deshalb empfehlen Experten WGs einzurichten. Andere schlafen in ihrem Auto oder dem der Eltern. In Deutschland sind durchschnittlich rund 10,- €/qm an Miete zu entrichten (in München sogar 18,40 €/qm) nettokalt. In Innsbruck und Salzburg ist die Anzahl der Numerus Clausus-Flüchtlinge aus Deutschland besonders hoch – stets zu Semesterbeginn steigen deshalb dort die Wohnungspreise. Ich selbst absolvierte meine ersten Studienjahre in Innsbruck in einem Studentenheim. Heute sind für einen solchen Platz sehr gute Beziehungen, die Quote oder eine lange Ausdauer erforderlich. So kommen etwa in Berlin nicht weniger als 5.400 Anwärter auf einen Heimplatz – deutschlandweit liegt die Quote bei 10 %.
Abgesehen von den Studenten vermerkten die Eigentumswohnungen in Österreich die grössten Anstiege: Beinahe bis zu 50 % seit 2008 – Spitzenreiter ist Bregenz (Vorarlberg) mit 49,3 %. Im Schnitt kostet hier der Quadratmeter 3.140,- € (Innsbruck im Vergleich: 3.800,-/qm) . Ein stolzer Preis für einen Durchschnittsverdiener. “Leistbares Wohnen” – ein Slogan, den sich alle vor kurzem zur Nationalratswahl angetretenen Parteien auf die Banner schrieben: Es darf herzhaft gelacht werden.
Zuletzt noch ein interessanter Vergleich mit dem Big Apple, New York: Die durchschnittliche Monatsmiete für ein Appartement in Manhattan liegt bei rund 3.627,- € (4.081,- US-Dollar). Keine Luxus-Wohnung! Die Nachfrage ist enorm – Vergünstigungen gibt es in gerade mal weniger als 1 %. Mit 3.252,- $ ist Brooklyn um einiges günstiger. Wesentlich teurer hingegen sind Soho und Tribexa mit beinahe 4.000,- US-Dollar. Für eine Zweizimmerwohnung! Vier Zimmer kosten mit 9.000,- US-Dollar mehr als das Doppelte.

Lesetipps:

.) Konsequenzen der Energieeinsparverordnung auf den Mietpreis von Immobilien; Maike Dunayski; Universität Hamburg 2013
.) Mietnebenkosten von A-Z; Dr. Klaus Lützenkirchen; Beck im dtv 2014
.) Miete und Mieterhöhung inkl. Arbeitshilfen; Birgit Noack / Martina Westner; Haufe-Lexware 2012

Links:

- www.miet-check.de
- www.immowelt.de
- www.konsument.at
- www.hu-berlin.de
- de.statista.com
- news.immowelt.at
- www.immobilienscout24.at
- www.immosuchmaschine.at
- www.wohnpreis.de

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Trotz Miesen ein Bonus???

Bevor ich mich dem heutigen Thema widmen werde, möchte ich eines klarstellen:

Jeder, der erfolgreich arbeitet, hat sich eine Sonderzahlung verdient!

Es ist also nicht der Neid, der mich heute in die Tastatur hämmern liess, sondern die soziale Ungerechtigkeit, die am Zusammenbruch unseres Wirtschaftsystems höchstwahrscheinlich die Hauptverantwortung tragen wird: So mancher Manager verbrockt seine Aufgabe, kassiert dafür noch fürstliche Gehälter und Abfertigungen, während tausende Geringverdiener dadurch ihren Arbeitsplatz verlieren und auf der Strasse stehen. Das wohl beste Beispiel ist Dieselgate bei VW. Es war das miserabelste Jahr in der Firmengeschichte, seitdem Herr Porsche seinen ersten VW-Käfer auf den Markt brachte. Trotzdem wollen die Manager nicht oder nur sehr ungern auf ihre Boni verzichten, obgleich weltweit tausende Fliessband-Arbeiter entlassen werden. Übrigens: Potenzielle Autokäufer, die aber nun kein Geld mehr dafür haben!
Als Bonuszahlung wird eine zumeist einmalige finanzielle Zuwendung durch Unternehmen zusätzlich zum Grundgehalt an jene Mitarbeiter verstanden, die sich in besonderem Maße hervorgetan haben. Dabei steht für das Unternehmen selbst meist nicht die Dankbarkeit im Vordergrund, sondern vielmehr die Motivation für die nicht belohnten Mitarbeiter, ebenfalls auf einen solchen Bonus hinzuarbeiten und dadurch die Arbeitsleistung zu steigern. Diese leistungsorientierte Vergütung jedoch rückte in den letzten Jahren immer mehr in’s negative Licht, da sich Manager dicke Prämien auszahlen liessen, die zeitweise gar über den Gewinnen des Unternehmens lagen, dafür allerdings andere Angestellte entlassen werden mussten. Eine Unsitte v.a. im Bankensektor. Dort wird im Milliardenbereich spekuliert, mit Geldern, die nicht mal der Bank gehören. Kommt es dann zu einer geplatzten Blase (ob Immobilien oder Spekulationen tut hier nichts zur Sache), erhalten die Verantwortlichen zumeist noch ein wahrhaft gut belegtes Abschiedsbrot, während die Steuerzahler für deren Fehler aufkommen müssen. Der Bonus in seiner ursprünglichen Bedeutung als “leistungsorientierte Vergütung” ist ja dann ein Oxymoron, ein Widerspruch in sich!
Das Bonussystem in seiner heutigen Form wurde in den 70ern durch die Investmentbanken entwickelt. Derjenige sollte am meisten ausgezeichnet werden, der den grössten Gewinn erwirtschaftete. Heutzutage wird dies ad absurdum geführt, da jeder in dieser Branche einen Bonus erhält (die Geschäftsentwicklung ist dabei völlig gleichgültig) und so mancher Hedgefonds-Manager über eine Milliarde US-Dollar pro Jahr verdient! Da kann es gar geschehen, dass ein gesundes Unternehmen nicht etwa wegen negativer Geschäftszahlen, sondern aufgrund derartiger Boni seiner Manager in’s Straucheln gerät. Deshalb führte die EU nach der Finanzkrise 2007 Obergrenzen für Zusatzzahlungen ein.
Im Folgenden werde ich Ihnen anhand einiger Beispiele aufzeigen, wie schräg doch die Arbeitswelt ist.
Hedgefondsmanager gelten als die Zocker der Finanzwelt. In keinem anderen Bereich sind die Gewinne höher, allerdings auch das Risiko zu verlieren grösser. Da wird darauf spekuliert, wie lange sich ein Politiker an der Macht halten kann, wann Unternehmen pleite gehen oder wie lange es wohl noch dauern wird, bis der Papst beim Urbi et Orbi-Ostersegen vom Balkon des Papstpalastes kippt. Hier werden tagtäglich zig Milliarden verschoben, auch wenn ansonsten den Aktienmärkten das laute Schnauben des Bären Angst macht. Am Hedgefondsmarkt gewinnt jener am meisten, der auch am meisten riskiert. Allzu schnell aber ist da auch der Manager mit dem bislang besten Fingerspitzengefühl weg vom Fenster, da seine Kunden immer mehr verlangen und er sich immer weiter hinauslehnen muss. Jene, die sich haben halten können, sind neben den Diktatoren so mancher erdöl-exportierender Länder die Bestverdiener.
Kenneth Griffin ist der Gründer der Hedgefonds-Gruppe Citadel. Nach einem Ranking des Branchendienstes “International Investor’s Alpha” verdiente er mit 1,3 Milliarden Dollar im Jahr 2014 am meisten. Gleich danach folgen mit ebenso stolzen 1,2 Milliarden James Simons von Renaissance Technologies und mit 1,1 Milliarde Raymond Dalio von Bridgewater Associates! Können Sie sich vorstellen, was Sie mit einem solchen Haufen Geld machen würden? Wohl kaum, tun sich doch Lotto-Gewinner mit ihrem einstelligen Lotto-Millionengewinn schon schwer. Aber – es kann natürlich auch nach hinten losgehen: John Paulsen war bis 2014 der erfolgreichste unter Seinesgleichen. Er verspekulierte sich und stürzte ab. 11,6 Milliarden US-Dollar verdienten die 25 erfolgreichsten Hedgefonds-Manager anno 2015. Wieviele Leichen allerdings ihren Weg pflastern, weiss niemand. Kleine Unternehmen, die einem grösseren vielleicht im Weg standen, geschluckt und dicht gemacht wurden (siehe jetzt auch Charles Vögele). Tausende Menschen verloren dadurch ihre Arbeit, einige auch ihr Leben. David Tepper ist einer dieser Hedgefonds-Milliardäre. Nach einem Bericht der New York Times setzt sich sein Einkommen wie folgt dar:

2 % Management-Gebühr
20 % Gewinnanteil

Doch bleiben wir noch etwas in der Finanzwelt. Die Commerzbank ist in der deutschen Bankenwelt einer der ganz grosse Fische. Sie weigerte sich lange Zeit, einem Teil ihrer verantwortlichen Managern Boni auszubezahlen, da diese während der Finanzkrise grosse Verluste eingefahren hatten. Im Jahr 2012 jedoch entschied Richter Robert Owen vom Londoner Court of Justice, dass die Boni an 104 Banker (zwischen 15.000 bis zu 2,6 Mio pro Kläger) ausbezahlt werden müssten. Summe: 52 Mio €! Die Commerzbank musste während der Krise mit Steuermilliarden gerettet werden. Ist das nicht pervers? Hintergrund war übrigens die Zusage des Investment-Chefs der Dresdner Bank an seine Banker in London, einen Bonus-Topf von 400 Mio € auszuschütten, wenn sie sich nach der Übernahme durch die Commerzbank nicht einen anderen Arbeitgeber suchten. In dieser Zeit machte die Dresdner einen Verlust von 6,5 Milliarden Euro. Bei der Commerzbank hiess es, dass von einem Leistungsbonus wohl keine Rede sein könne. Das deutsche Bundesarbeitsgericht hatte zuvor für die Bank und gegen die Kläger mit deutschem Arbeitsvertrag entschieden. Im Rahmen des Prozesses meldete sich auch der damalige britische Premier David Cameron zu Wort. Er meinte, dass die Sonderzahlungen und Leistungsprämien der Investmentbanker ausser Kontrolle geraten seien.
Und das ist noch lange nicht alles. Richtiggehend im Paradies leben die Kollegen von der Deutschen Bank. Obwohl das grösste deutsche Geldinstitut die höchsten Strafzahlungen der Bankengeschichte in den USA wegen riskanter Hypotheken-Geschäfte (14 Milliarden Dollar) zu entrichten hat und bereits gefürchtet wurde, dass wieder einmal der Steuerzahler zu Hilfe eilen muss, werden ausgerechnet jenen Investment-Bankern, die an dieser Misere die Hauptschuld tragen, die höchsten Gehälter ausbezahlt. Nachdem die Boni durch die EU begrenzt wurden, erhielten sie ganz simpel mehr Gehalt. Die Gesamtvergütung des Investmentbereiches stieg um 6 % auf 4,8 Milliarden Euro (Angaben: Handelsblatt). Der Boni-Topf der Bank ist mit 2,4 Milliarden Euro nach wie vor proper nagel voll – auch wenn der Vorstand dieses Mal durch die Finger schauen muss. Doch wird bei der Deutschen Bank der Bonus-Schmerz sowieso vergoldet: 750 Mitarbeiter erhalten jeweils ein Millionengehalt (Angaben: Der Spiegel). 1.700 Mitarbeiter alsdann Prämien, die das Jahresfixum um das Doppelte übersteigen! Bei den Bankern aus Frankfurt sind sogar Extra-Boni vorgesehen, wenn es in deren Geschäftsbereich gut läuft. Ein Bonus-Bonus sozusagen! Das aber wurde endlich im vergangenen Sommer durch die Hauptversammlung der Aktionäre erstmals abgelehnt. Diese Institution ist eigentlich dazu da, all jenes durchzuwinken, was der Vorstand beschliesst! Da aber die Dividende immer geringer wurde (offiziell begründet mit einer Kapitalerhöhung der Bank), kommt langsam auch hier Missmut auf. Zuletzt gab es 6,8 Milliarden Miese – trotzdem lassen sich die Manager weiterhin fürstliche Gehälter auszahlen, wenn auch nicht mehr in der Höhe wie zuvor. Die andere Seite: 9.000 Mitarbeiter – 4.000 davon in Deutschland müssen aufgrund der Ergebnisse um ihren Job fürchten. Ein Drittel der Filialen wird bis Ende 2017 dicht machen. Rosige Zeiten also für den Platzhirsch am europäischen Bankensektor. Im deutschen Vorstandsvergütungsgesetz wird von Vorstandsbezahlungen börsennotierter Unternehmen entsprechend ihrer nachhaltigen und langfristigen Zielen gesprochen. Ein eindeutiger Widerspruch in sich!
Ähnliche Proteste gab es im selben Jahr auch bei der britischen Barclays. 26,9 % der Aktionäre hatten sich in der Hauptversammlung gegen die nur ein Jahr zuvor beschlossene Vergütung der Mitarbeiter entschieden – damit wurde die qualifizierte Mehrheit von 75 % für ein Durchwinken nicht erreicht. Nur die Intervention der britischen Regierung verhinderte weitere Folgen. Die Aktionäre sahen es nicht ein, dass der Aktienkurs der Bank sank, eine geringere Dividende an sie ausbezahlt wurde und die Bank nach Angaben des Grossaktionärs George Dallas faktisch einen Verlust schrieb. Trotzdem langten Vorstandsvorsitzender Bob Diamond und Finanzvorstand Chris Lucas in die Vollen: Diamond beispielsweise erhielt für 2011 eine Gesamtvergütung von nicht weniger als umgerechnet 20 Mio € (Gehalt, Boni und sonstige Leistungen). Dallas übrigens investierte als Fondsmanager in über 5.000 Unternehmen, darunter neben vielen anderen auch JP Morgan. Er meinte:

“Der Proporz stimmt nicht mehr, die Aufteilung des Gewinns zwischen Aktionären, Mitarbeitern und der Bank in Form von einbehaltenen Gewinnen muss sich ändern.”

Auch bei der US-amerikanischen Citigroup lag einiges im Argen. Trotzdem erhielt der Vorstandsvorsitzende Vikram Pandit 2011 zusätzlich zu seinem Gehalt noch einen Barbonus von 5,3 Mio Dollar und Aktienoptionen in der Höhe von 7,8 Mio. Die Bank lief zwar profitabel, trotzdem stürzte der Aktienkurs um 44 % ab. Ein Jahr drauf erhielt Pandit allerdings nurmehr 1 Dollar und keine Boni. Ebenso ehrenwert (aufgrund des öffentlichen Drucks) agierten der Aufsichtrsratschef der Royal Bank of Scottland, Sir Philip Hampton, und dessen Vorstandschef Stephen Hester, die die angebotenen Aktienpakete als Boni nicht annahmen. Allerdings ist hier die Sachlage etwas anders: Seit 2008 befindet sich die Bank zu 80 % im Besitz des Staates, der das Geldinstitut mittels Steuer-Milliarden vor dem Zusammenbruch bewahrte. Gemäss des Sprichwortes “Mit vollen Hosen ist gut sch…!” gaben sie klein bei, da die Labour-Party aufzeigte, dass die beiden Manager bereits mit ihrem Grundgehalt mehr als Premier- bzw. Finanzminister verdienten.
Ist ein dermassen hohes Einkommen überhaupt moralisch noch vertretbar? Kann eine Leistung so viel Geld wert sein???
Im Vergleich dazu tut sich Google.Verwaltungschef Erix Schmidt mit 100 Mio Dollar im Jahr 2011 im Vergleich zu seinen Kollegen beispielsweise aus dem Hedgefonds-Bereich als bescheiden hervor. Setzt man dem den Durchschnitts-Verdienst von 50.000,- Dollar für den amerikanischen Haushalt im Jahr (Median) entgegen, sieht man die Welt schon etwas anders. In Anbetracht all dieser Zahlen erscheinen gar die 8.700,- € Monatsgehalt brutto für die Funktion der nicht-amtsführenden Stadträtin (ohne Beschäftigung; Anm. des Schreiberlings), der ehemaligen Vorsteherin des 1. Wiener Bezirks Ursula Stenzel, als Peanuts. Auch wenn es Steuergelder sind! Und auch wenn sie der selbsternannten, neuen Arbeiter- und Volkspartei FPÖ angehört!
Zum bereits angesprochenen Volkswagen-Konzern! Der Unternehmensberater Heiner Thorborg bezeichnet es in einem Artikel des Manager Magazins (18.04.2016) wie folgt:

“In Wolfsburg geht es zu wie im alten Rom – das Imperium zerfällt und die Senatoren laben sich an Biberpfoten auf Vogelzungensalat und lauschen der Schalmei.”

Irgendwelche Entwicklungsabteilungen müssen ja wohl den Abgas-Skandal verursacht haben. Und dies mit Wissen des Vorstandes, da der betroffene damalige Vorstandsvorsitzende immer sehr genau informiert werden wollte. Zudem wäre er ja wohl ein schlechter Chef, wenn eine solch schwerwiegende Entscheidung nicht über seinen Tisch gegangen wäre. Trotzdem stehen den Managern Bonuszahlungen zu – auch wenn sie bereits beurlaubt sind oder entlassen wurden. Ein Beispiel, wie es meines Erachtens perverser gar nicht mehr sein kann: Da werden also Leute dafür belohnt, dass sie den grössten Bockmist in der Unternehmensgeschichte verbrockt haben. Klar haben viele ihrer Kollege ohne Wissen dieses Umstandes ihre Arbeit auch weiterhin vollbracht. Trotzdem schreibt der Konzern inzwischen die schlechtesten Ergebnisse seit Jahrzehnten – durch Strafzahlungen und Wiedergutmachungen (potentielles Klagsaufkommen: 80 Milliarden Euro!) rinnen etwaig erzielte Gewinne wie Sand durch die Finger – auch wenn mit den USA inzwischen Übereinkommen erzielt wurden. Der grosse Eintritt in den chinesischen Markt musste vorerst verschoben werden. Schlimmer kann es fast nicht gehen! Das Land Niedersachsen nun fordert einen Komplettverzicht der Manager-Boni. Das deutsche Bundesland ist mit seiner 20 %-igen Beteiligung einer der grossen Gesellschafter. Der neue Konzernchef Matthias Müller sprach von einer 30 %-igen Kürzung! Wofür heisst es im Aktiengesetz, dass der Vorstand gesamtverantwortlich haftet??? Meines Erachtens wäre es durchaus angemessen, wenn die Aktionärsvertreter den Aufsichtsrat auf Schadensersatz verklagen. Schliesslich haftet jeder dieses Aufsichtsorgans persönlich für unangemessene Vergütungen der Vorstandsmitglieder. Somit hat dieser in seiner Kontrollfunktion in Wolfsburg gänzlichst versagt.
Und es geht auch weiter. Martin Sorrell ist der Vorstandsvorsitzende der Werbeholding WPP – der grössten weltweit. Dort liefen zwar die Geschäfte blendend, doch stiess den Mitarbeitern, Kunden und der Aktionärsvertretung ein Bonus von umgerechnet rund 77 Mio Euro für den Chef durchaus sauer auf! Die britische Presse schätzte alsdann das Jahreseinkommen von Sorrell auf nicht weniger als 90 Mio €! Der CEO hatte zweifelsohne gute Arbeit verrichtet, stieg doch zwischen 2011 und 2015 der Aktienkurs von WPP im britischen Aktienindex FTSE um 98 %, die Dividende sogar um 150 %. Doch sind 90 Mio sogar den erfolgsverwöhnten Gesellschaftern zu viel.
Bei der Deutschen Bahn werden hingegen die Boni für die Vorstände mit der Kundenzufriedenheit verknüpft. Wöchentlich werden solche Befragungen in den Zügen durchgeführt. Aber auch das Wohlbefinden der Mitarbeiter wird abgefragt. Vonseiten des Vorstandes heisst es, dass jeder die Zufriedenheit der Reisenden im Portemonnaie spüren solle – oder eben auch nicht!
Auch bei der soeben durch Microsoft übernommenen Karriere-Plattform Linkedin ging der Chef Jeff Weiner andere Wege. Er weiss, dass er ohne seine Mitarbeiter die innovativen Ziele, die er sich gesetzt hatte, niemals erreicht hätte und liess die 14 Mio Dollar an Boni unter den Mitarbeitern aufteilen.
Unverständlich hingegen ist der Bonus für FIFA-Präsident Gianni Infantino, der für nicht weniger als sechs Monate ohne Vertrag agierte, da er sich zur Unterschrift weigerte. Er wollte sich mit der Gesamtvergütung von 1,95 Mio CHF per anno nicht zufrieden geben. Nun erhält er zwar weniger Grundgehalt – mit Sozial- und betrieblichen Rentenleistungen allerdings sind die 2 Mio geknackt. Diese variablen Vergütungen waren eigentlich nicht mehr für diese Position vorgesehen.
In den USA kritisierte Präsident Obama bereitsa 2009 den Moralverfall bei Spitzenmanagern. Zudem führte er nach der Boni-Affäre beim Versicherer AIG eine Strafsteuer für jene Unternehmen ein, die mit Steuergeldern vor dem Ruin bewahrt werden müssen. Bei AIG wurden nicht weniger als 218 Mio US-Dollar an Boni ausbezahlt, gleichzeitig aber steckte der Staat über 182 Milliarden Dollar an Hilfsgeldern in den Konzern! Ähnliches Bild auch in Grossbritannien: Dort gibt es nicht weniger als 2.714 Einkommensmillionäre – nur im Finanzsektor!
In Österreich gerieten v.a. die Banker in’s Kreuzfeuer: Vor der Finanzkrise war es anscheinend Usus, dass so manch einer mit dem Fünffachen seines Fixgehaltes als Bonus nach Hause ging. Seit der Einführung der bereits angesprochenen EU-Boni-Bremse sind die Grundgehälter teils stark angestiegen. Und die Ausnahme von der Ruchtlinie, die auch die Deutsche Bank bereits umsetzt, wird immer mehr zur Regel: Mit der Zustimmung der Hauptversammlung oder des Mutterkonzernes können trotzdem bis zu 200 % des Fixgehaltes an Boni ausgeschüttet werden. Dies handhaben übrigens 70 % der in der EU ansässigen Banken so (lt. Umfrage der Unternehmensberater Mercer). Damit wandern nach wie vor Millionen über die Tische – die EU-Richtlinie wird ad absurdum geführt. Kein Wunder, dass die Raffgier der Banken immer grösser wird! Keine Boni werden in den österreichischen Volksbanken und der BAWAG ausbezahlt. Erstere gehören allerdings zu 43,3 % dem Steuerzahler! Zum Vergleich: Im Durchschnitt verdient ein Arbeitnehmer in Österreich rund 37.000,- € brutto im Jahr – bei den höchsten Lohnnebenkosten in der EU bleibt nicht mehr viel davon über!
Einer der Bestverdiener in der Schweiz war etwa Brady Dougan von der Credit Suisse. 2009 erhielt er 19,1 Mio CHF an Fixgehalt und 70,9 Mio CHF an Boni (Angaben: Blick)! In einer Auflistung der Top Ten Boni-Abkassierer wurde ein treffender Vergleich gestellt:

“Für eine Sekunde in der Nase bohren wären dies knapp 3 Schweizer Franken Bonus und Salär für Brady Dougan pro Sekunde!”
(www.conviva-plus.ch)

Insgesamt wurden 2009 bei der eidgenössischen Grossbank 6,9 Milliarden CHF an Boni ausgeschüttet. Die grossen Brocken aber sind inzwischen Vergangenheit. In einer Volksabstimmung 2013 entschieden sich nahezu 70 % gegen diese Horrorzahlungen bei Managern. Auch Begrüssungsmillionen oder Körberlgeld beim Abschied wurden derweilen abgeschafft. Der Novartis-Manager Daniel Vasella beispielsweise sollte 2014 72 Mio Euro für ein sechsjähriges Konkurrenzverbot nach dem Ausscheiden aus dem Konzern erhalten! Als dies an die Öffentlichkeit gelangte, folgte ein Sturm der Entrüstung – der Handschlag wurde zurückgezogen. Vasella wurde Vorstand beim US-Startup XBiotech, einem Unternehmen, das sich auf die Herstellung von Biopharmaka spezialisiert hat.
Das schweizerische Bundesgericht betonte alsdann 2015 im Urteil 4A_653/2014 vom 11. 8. 15, dass ein fünffacher Medianlohn (Durchschnittslohn) als durchaus hohes Gehalt zu bezeichnen ist, wodurch ein vertraglich unverbindlicher Bonus zur freiwilligen Gratifikation wird und nicht mehr als durchsetzbarer Lohnbestandteil eingeklagt werden kann. Anlassfall war ebenso ein Mitarbeiter der Credit Suisse, der im Jahre 2008 einen Grundlohn von 300.000,-, Aktienanteile in der Höhe von 760.000,- und einen Bar-Bonus von 990.000,- CHF erhielt!!! Der Mann kündigte im Jahr darauf, weshalb die Bank dreiviertel der Boni zurückforderte. Übrigens liegt in der Schweiz dieser Medianlohn im Privatsektor bei 5.600,- CHF/Monat.
In einem Vergleich den Unternehmens Kienbaum zur Ausschüttungsquote von Boni wurde aufgedeckt, dass in Österreich das “schlechteste Viertel” der Manager, also etwa die Abteilungsleiter der mittleren und unteren Führungsebene mit der geringsten Zielerreichung 72 % der in Aussicht gestellten Bonuszahlungen erhält, in Deutschland und der Schweiz sind es gar 80 bzw. 89 %. Apropos Eidgenossen – ein Viertel der Manager erreicht dort gar einen Auszahlungsgrad von 110 %!!!
Wenn Sie nun in Lethargie fallen und fragen: “Na und – was kann ich dagegen tun?!”, so muss ich antworten: Eröffnen Sie bei einer Bank ihr Konto, bei welcher Sie als Eigentümer des Geldes im Mittelpunkt stehen, nicht die Manager mit ihren waghalsigen Zockereien und Bonuszahlungen! Kaufen Sie Ihre Produkte bei Unternehmen, die das CSR hochhalten, nicht die Leistungen ihrer Führungskräfte! Denn: Von den Mitarbeitern wird immer wieder verlangt, dass sie gute Teamplayer sind!!!

Lesetipps:

.) Bonuszahlungen am Beispiel der Dresdner Bank: Unternehmensverantwortung in der sozialen Marktwirtschaft; Stefan Zähringer; AKAD University Stuttgert 2009
.) Moral und Wirtschaftskrisen – Enron, Subprime & Co.; Christian A. Conrad; Disserta Verlag 2010
.) Erfolgsorientierte Management-Vergütung – Eine kritische Analyse; Jens Wenzel; Diplom.de 2001
.) Wettbewerbsorientierte Managerentlohnung im F&E-Kontext; Manuela Hirsch; Deutscher Universitätsverlag 2007
.) Leistungs- und erfolgsorientierte Vergütung für Führungskräfte – Praxis der Personalpsychologie; Fred G. Becker/Michael H. Kramarsch; Hogrefe 2006
.) Zielvereinbarung und variable Vergütung – Ein praktischer Leitfaden – nicht nur für Führungskräfte; Eckhard Eyer/Thomas Haussmann; Gabler 2015
.) Wird ein Mitarbeiter durch variable Vergütung motiviert? Theoretische Grundlagen und empirische Erkenntnisse; Jens Dell´Anna; Bachelor + Master Publishing 2014
.) Supply Chain Management – Grundlagen, Strategien, Instrumente und Controlling; Hartmut Werner; Gabler 2013
.) Manager Dienstverträge – Gesellschaftsrecht – Arbeitsrecht – Steuerrecht; Ulrich Runggaldier/Georg Schima; Manz’sche 2014
.) Wer verdient wieviel? Orientierung über Berufe, Positionen und Einkommen; Reinhard Krauss/Rudi Gross; Expert 2009
.) Das Kapital im 21. Jahrhundert; Thomas Piketty; C.H.Beck 2016


Links:

www.diw.de
www.bundesarbeitsgericht.de
verguetungsmodell.de
orgportal.org/
www.absolventa.de
www.management-studium.net
www.managerfragen.org
archiv.wirtschaftsdienst.eu
www.gehalt.de
www.experteer.at

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Die Absahner

Stellen Sie sich mal bitte gleich zu Beginn folgendes vor: Sie bekleiden eine Stellung im öffentlichen Dienst. Plötzlich erhalten Sie ein Angebot, in etwa dieselbe Arbeit in Brüssel zu erledigen, erhalten dafür aber das vier- bis fünffache Gehalt. Na? Gewissenskonflikt?
Vergangene Woche haben die Staatschefs der EU den Haushalt der Staatengemeinschaft abgesegnet. Zuvor gab es heftige Diskussionen, nicht zuletzt aufgrund der Haltung Grossbritanniens drohte dies alles zu scheitern. Premierminister David Cameron schliesslich war es auch, der im November einen Missstand in aller Deutlichkeit aufzeigte, der partout nicht sein dürfte: Einige hundert Beamte der EU sollen mehr als die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel verdienen! Nein – es war nicht etwa deren politischer Gegner Peer Steinbrück, der das auf’s Tapet brachte! Es war ein Amtskollege Merkels. Als die Reporter dies vernommen hatten, wurden die Bleistifte gespitzt, die Drähte glühten heiss. Und siehe da: Cameron hatte recht. Die deutsche “Bild” spricht von 2.500, die “Welt am Sonntag” gar von 4.000 Beamten! Die Privilegierten unter den Besseren. Sie verfügen zudem über 45 Urlaubstage im Jahr und jeder Menge Tickets aus der Business-Class für ihre Heimfahrt. In der Pension gibt’s dann schliesslich im Schnitt rund 4.300,- €. Paradiesische Zustände! Kaum zu glauben war dann auch die Meldung in den Medien: EU-Beamte streiken und gefährden dadurch den EU-Gipfel! Im November sollten deren Gehälter noch um 8,8 % erhöht werden (schluck!), im Rahmen des Sparpaketes aber blieben weitaus weniger davon übrig.
Doch, um all dies verstehen zu können, in medias res: Auf 178 Seiten des Beamtenstatuts der EU ist niedergeschrieben, was deren so wertvolle Mitarbeiter machen dürfen, sollen und tunlichst nicht sollten. Die Entlohnung der EU-Beamten basiert auf Artikel 62 dieses Statuts. Ausgezeichnet liest sich hier v.a. der Passus: “Diese Dienstbezüge umfassen ein Grundgehalt, Familienzulagen und andere Zulagen!” Mei lieber Schorle – die anderen Zulagen! Zu finden vornehmlich im Anhang VII – Greifen Sie zu!!! Die Gehaltsentwicklung basiert auf einem Index-verfahren, das unmittelbar an die Entwicklung der Kaufkraft gekoppelt ist. Hiergegen sprachen sich bereits 2011 einige Regierungen aus. Fair wäre es ja meines Erachtens, nicht nur den Anstieg sondern auch den Fall der Kaufkraft zu berücksichtigen!
Meine Damen und Herren: Lassen Sie uns nun das Füllhorn ausschütten! Was das Grundgehalt anbelangt, so wird dies durch 16 Besoldungs-gruppen mit jeweils fünf Dienstaltersstufen geregelt. Nach zwei Jahren steigt man in die nächst höhere Altersstufe auf. Einige Zahlen gefällig? Das Anfangsgehalt eines EU-Beamten beläuft sich auf mindestens 2.654,- € monatlich (brutto). Ein Beamter des gehobenen Dienstes (mit Abitur bzw. Matura) kommt beispielsweise in die Besoldungsgruppe 13 und beginnt hier mit einem Brutto-Gehalt von 11.681,- € (!). Schon nach zehn Jahren erhält er bereits 13.216,- € brutto im Monat! Normale Beamte können in der höchsten Besoldungsklasse mit höchstem Dienstalter bis zu 18.370,- € brutto im Monat verdienen. EU-Kommissare freuen sich beispielsweise über 20.000,- € brutto monatlich. Kommissions-Präsident Barroso und EU-Ratspräsident Van Rompuy kassieren 30.572,59 € (brutto/Monat – inklusive der sog. “Residenzzulage” und sonstiger Aufwandsentschädigungen). Verzeihen Sie mir bitte in diesem Zusammenhang den Vergleich mit der “Made im Speck” – dem Steuerspeck! Im Vergleich dazu verdiente die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel im Jahre 2012 nur 16.800,- € brutto im Monat (Angaben: Bund der Steuerzahler). Nach Abzug der Steuern (5.600,- €) und der Hinzurechnung der Aufwandsentschädigung (1.000,- €) bleiben ihr somit 12.200,- € netto/Monat. Damit erhalten Beamte in mittleren Führungsebenen des EU-Apparates (Besoldungsstufe AD 13) bereits mehr als Frau Merkel, da die Zulagen steuerfrei sind. Dies bestätigt auch die Antwort der deutschen Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP. 4.400 Beamte sind in diesen höchsten Besoldungsstufen AD 13 bis zur AD 16 (Generaldirektor) vertreten – letztere kassieren locker mal eben 16.500,- € netto im Monat (inkl. Zulagen)!

Und das ist erst der Anfang – nämlich das Grundgehalt. Hinzu kommen
.) Überstunden
Zeitausgleich im Ausmass von 1:1,5 bzw. 1:2 am Wochenende oder nach 22.00 Uhr (bei einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von bislang 37,5 h!)
.) Auslandszulage (ausser bei Belgiern)
16 % des Grundgehaltes monatlich, mindestens jedoch 442,78 €
.) Familienzulagen
326,44 € monatlich für Familienväter für jedes unterhaltspflichtige Kind
zirka 330,- € zusätzlich für jedes Kind (bis zum 26. Lebensjahr – wenn in Ausbildung)
Erziehungszulage für Privatschulen oder Hochschulen: Bis zu 221,50 €
.) Dienstbefreiung bzw. bezahlter Sonderurlaub
Eigene Hochzeit: 4 Tage
Hochzeit eines Kindes: 2 Tage
Geburt eines Kindes: 2 Wochen für den Vater
Geburt eines Kindes: 20 Wochen Mutterschutz
Umzug: 2 Tage
Reisetage: Von 2 Tagen (ab 251 km) für Hin- und Retourreise aufwärts bis zu 6 Tage (bei einer Entfernung von mind. 2000 km nach Brüssel)
Brückentage sind Büroschliesstage und damit ebenso Sonderurlaub
.) Reisekosten
Bis 500 km wird die 1. Klasse der Bahn bezahlt
ab 500 km bzw. für Iren, Briten und Skandinavier der Business-Tarif der Airline
.) Wohnsitzverlagerung
1-2 Monatsgrundgehälter Einrichtungsbeihilfe
1-2 Monatsgrundgehälter Wiedereinrichtungsbeihilfe bei Wohnsitz-verlagerung nach Dienstende
Übernahme der Umzugskosten
.) Dienstreisen
Übernahme der Fahrt-/Flugkosten sowie des Hotels und ein zusätzliches Tagegeld von 50,- (Ungarn, Slowakei, Zypern) bis hin zu 92,91 € für Schweden

Ich überlasse folgendes gerne Ihren Rechenkünsten: Die EU beschäftigt derzeit rund 48.000 Mitarbeiter – die meisten derer in der Kommission (ca. 70 %), der Rest im Rat und dem Parlament. EU-Beamte kontrollieren die Einhaltung der EU-Verträge, überprüfen Beitrittskandidaten (wie zuletzt Kroatien) und geniessen im Rahmen der Ausübung ihrer Funktion Immunität. 4,5 % des Haushaltes bleiben in der Verwaltung stecken! Und hat der Beamte dann seine Lebensaufgabe erledigt, so kann er bereits mit 55 Lebensjahren in Frühpension gehen. Spätestens aber mit 63 Lebensjahren und erhält max. 70 % seines letzten Gehaltes. Macht im Schnitt 4.300,- € für jeden Beamten. Die Pensionslawine, die derzeit vor dem Karren hergeschoben wird, verursacht bis 2045 die Verdoppelung der Personalkosten auf satte 2,5 Milliarden € (Quelle: Bund der Steuerzahler).
In den Nachrichten hiess es lapidar, dass die EU-Beamten in Zukunft länger arbeiten müssen und erst später in Pension gehen können. Angesichts solcher Zahlen meines Erachtens ein Hohn und nicht mal die Meldung wert! Bis zum Jahr 2020 sollen 2,7 Milliarden Euro eingespart werden. Insgesamt 2.500 Stellen (gerade mal 5 % der Arbeitsplätze) werden in den kommenden vier Jahren gestrichen. Die Wochenarbeitszeit steigt auf 40 Stunden (ohne Lohnausgleich), die Gehälter und Pensionen werden für zwei Jahre auf dem jetzigen Stand eingefroren; das Pensionsalter auf 65 (für Neueinstieger 66) hinaufgesetzt. Zulagen sollen gesenkt werden!
Ich gebe aus vollster Überzeugung dem britischen Premier Cameron recht, wenn er im Vorfeld des beschlossenen Budgets der EU gemeint hatte, dass es unvertretbar sei, wenn die Mitgliedsstaaten sparen müssten, die EU hingegen mit den Geldern nur so um sich werfe. Auch der deutsche Bund der Steuerzahler spricht in diesem Zusammenhang von einer “luxoriösen Personalpolitik” und “üppigen und steuerfreien” Privilegien. Schliesslich sei die EU ein Mitglied der Troika. Jener Einrichtung, die den Krisenstaaten das Sparen vorschreibe – auch im öffentlichen Dienst. Anderes Rechenexempel: Ein Akademiker erhält als Einstiegsgehalt brutto 4.350,- €/Monat. Hinzu kommen steuerfreie Zulagen bzw. Entschädigungen in der Höhe von 1.860,- € – gleichzeitig belaufen sich aber die Steuern und Sozialabgaben auf nur rund 720,- €/Monat (Zahlen: Dt. Bundesregierung). EU-Beamte sind von der nationalen Einkommenssteuer befreit – für sie gilt eine progressive Gemeinschaftssteuer von 8-45 % (je nach Gehalt), die wieder in die Gemeinschaftskassen zurückfliessen.
Die EU-Beamten selbst verstehen die Kritik nicht und sehen sich als die Prügelknaben. Sie sind der Ansicht, dass diese Gehälter durchaus gerechtfertigt sind und treten deshalb immer mal wieder in den Streik. Unterstützt werden sie durch die Gewerkschaften. In diesen allerdings ist nur ein Bruchteil der Beamten organisiert (im Vergleich: Rund 1.100 von 10.000 in Luxemburg arbeitenden EU-Beamte´sind in der Union syndicale). In ihrer Not werden zudem Abgeordnete des Europaparlamentes um Hilfe gebeten. Schliesslich muss auch Strassburg diesen dringend notwendigen Rotstift genehmigen.
Ich denke mir, der Ausdruck “Sparpaket” ist hierbei komplett falsch gewählt – ein Oxymoron sozusagen. Dies sind ja nahezu südeuropäische Selbstbedienungs-Zustände, die es so rasch als möglich abzuschaffen gilt. Schliesslich sind es Steuergelder, die auf diese Weise zum Fenster rausgeworfen werden! Sei mir abschliessend die Gretchenfrage erlaubt: Ist ein Beamter wirklich so viel wert?

Zahlenquellen:
.) Bund deutscher Steuerzahler
.) Beantwortung einer Bundestagsanfrage des FDP
.) Statut der Beamten der Europäischen Gemeinschaften und die Beschäftigungsbedingungen für die sonstigen Bediensteten dieser Gemeinschaften

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Mein Gott, ich glaub’, mir wird übel

Eine Schlagzeile in der deutschen Bild erregte diese Woche meine Aufmerksamkeit: “VW will Manager-Gehälter kappen”. Erster Eindruck eines Nicht-Wissenden: Lasst doch den armen Damen und Herren ihr bitter Verdientes! Schliesslich geht in unseren Breiten niemanden das Einkommen eines anderen an. Schafft nur Neider oder Lacher! Wer will das schon. Doch mal im Ernst: Wissen Sie, was Ihr Chef verdient? Ich meine, wenn ihm die Firma gehört – ok, soll er haben, was er will. Schliesslich sorgt er ja auch für mein schmales Einkommen, mit dem ich gerade oder gerade nicht über die Runden komme. Eine Fehlentscheidung betrifft ihn selbst somit unmittelbar. Doch: Sind solche Zahlen für einen Angestellten überhaupt noch zu rechtfertigen???
Die Bild berichtet in diesem Falle von 18,3 Mio € (!!!), die VW-Konzernchef Martin Winterkorn im vergangenen Jahr inklusive der Bezüge bei der Porsche Automobil Holding SE eingenommen hat. Er ist damit der Bestverdiener unter den Bestverdienern der Dax-Konzerne in Deutschland. Manch einer träumt von einem Lottogewinn – für Winterkorn ist sogar ein Doppel- oder Dreifach-Jackpot nur ein Klacks! Das ist inzwischen gar VW zu viel, weshalb sich der Konzern eine Einkommensgrenze seiner Manager überlegt. Winterkorn muss somit bei Vertragsabschluss gut verhandelt haben. Denn das güldene Wort bei Manager-Gehältern lautet: “Boni”! Diese Bonuszahlungen beflügeln so manchen Penthouse-Bewohner zu Höchstleistungen! Eigentlich eine faire Sache: Geht’s dem Unternehmen gut, soll der leitende Angestellte auch etwas davon haben. Schliesslich trägt er die Verantwortung – ein Fingerzeig reicht aus um die Existenz tausender Angestellter und Arbeiter zu gefährden. Doch – was bei diesen kleinen Arbeitsbienen stets vorausgesetzt wird, nämlich ein guter Teamplayer zu sein, darf ein Spitzenmanager niemals darstellen. Denn ansonsten müsste er eingestehen, dass ein solches Resultat, wie es beispielsweise Volkswagen mit 11,271 Milliarden operativem Gewinn im Jahr 2011 eingefahren hat, niemals nur mit den Entscheidungen einer Person, sondern der Arbeit des gesamten Teams zu tun hat – das geht vom Chef bis zur Putzfrau. Unter uns: Wann haben Sie das letzte Mal den Designer-Anzug aus der obersten Etage an Ihrer Werkbank vorbeihuschen sehen? Klar – deren Aufgabe liegt in einem ganz anderen Bereich. Doch sollte sich jeder dieser Gehalts-Millionäre gewiss sein, wem er seinen Reichtum mitzuverdanken hat!
Lassen Sie uns nun mal einen Blick in die Chefetagen der DAX- und ATX-Konzerne werfen, bei anderen Unternehmen müssen die Gehälter nicht offengelegt werden. Boni werden normalerweise für eine besondere Leistung vergeben. Die Finanzkrise jedoch zeigte auf, dass dies auch ad absurdum geführt werden kann. Manager klagten nach ihrer Entlassung auf Bezahlung ihrer vertraglich vereinbarten Boni. Tatsache – was in früheren Zeiten als erstrebenswertes Zubrot gewährt wurde, ist heute bereits fixer Bestandteil so mancher Manager-Dienstverträge. Egal ob aus dem Leiterwagen ein Sportwagen oder der Karren in den Dreck gefahren wurde, diese Boni müssen vom Unternehmen ausgezahlt werden. Der Vertrag von VW-Winterkorn wurde 2009 ausverhandelt. Niemand konnte die steile Entwicklung des Konzerns in den kommenden Jahren vorhersagen. Damals verdiente ein Vorstandsmitglied bei VW noch rund sieben Millionen Euro. Wie allerdings diese Gewinn-Zahlen erreicht werden, interessiert niemand. Für die Aktionäre zählt einzig ihre Dividende. Bei VW war es positiv: Durch Wachstum! Bei manch anderen Unternehmen ist es ein Gesundschrumpfen, Rationalisieren, die Konzentration auf das eigentliche Kerngeschäft, das vielen Arbeitnehmern ihren Job kostet. Um diesem Treiben Einhalt zu gewähren, raten nun selbst Top-Manager zu Obergrenzen. Doch nicht etwa zum Wohle der Unternehmen oder aus Bescheidenheit, sondern sie befürchten die staatliche Kontrolle. Nach Angaben des “Handelsblatt” soll dieser Tage der Aufsichtsratsvorsitzende der deutschen Commerzbank, Klaus-Peter Müller, in einem Brief an seine Kollegen der DAX-Unternehmen diese Obergrenze empfohlen haben. Im Volk nämlich gärt es. Die Lohnerhöhungen werden sofort von der Inflation aufgefressen – die Reallöhne steigen kaum an. Wurden früher bei Kollektivverhandlungen 3 % eingefordert, so sind es heute 6 %. Die Unternehmen jedoch wollen nicht – Streiks sind die Folge. Der Konjunkturmotor brummt noch recht ordentlich in Deutschland und Österreich, was zu hohen Gewinnen der Konzerne führt. Damit steigen die Manager-Gehälter aufgrund ihrer Boni-Vereinbarungen. Irgendwann mag der kleine Arbeiter verständlicherweise nicht mehr. Dann muss die Politik eingreifen. Dies steht nun unmittelbar bevor. Winterkorn etwa verdient in einem Jahr so viel, wie ein Fliessband-Arbeiter in seinem Unternehmen in dessen ganzem Leben nicht. Dies ist die immer grösser werdende Einkommensschere: Die Reichen werden multireich, die Armen immer noch ärmer! Die Vorstandsvergütungsstudie 2011 (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V.) zeigte auf, dass die Managergehälter der DAX-Unternehmen 2010 um 22 % gestiegen sind! Beim kleinen Angestellten werden 6 % als nicht machbar angesehen. Um dies zu verdeutlichen, hier ein Auszug aus den Gehältern im Jahr 2010:

1.) Prof. Dr. Martin Winterkorn (VW) 9,330 Mio €
2.) Dr. Josef Ackermann (Deutsche Bank) 8,987 Mio €
3.) Peter Löscher (Siemens) 8,982 Mio €
4.) Dr. Dieter Zetsche (Daimler) 8,824 Mio €
5.) Prof. Dr. Wolfgang Reitzle (Linde) 6,954 Mio €

Im Vergleich lagen die Manager-Gehälter bei österreichische ATX-Unternehmen 2010 ebenfalls um 19 % höher als im Jahr zuvor:

1.) Helmut Langanger (OMV) 3,282 Mio €
2.) Andreas Treichl (Erste Group) 2,795 Mio €
3.) Hans Peter Haselsteiner (STRABAG) 2,504 Mio €
4.) Wolfgang Ruttenstorfer (OMV) 2,486 Mio €
5.) Gerhard Roiss (OMV) 2,135 Mio €

(Quelle: AK-Studie “Vorstandsvergütung und Ausschüttungspolitik der ATX-Konzerne”, Mai 2011)

Sicherlich – zu den USA, fast nicht erwähnenswert:

1.) Philippe Dauman (Viacom) 84,5 Mio $
2.) Larry Ellison (Oracle) 68,7 Mio $
3.) Leslie Moonves (CBS) 53,8 Mio $
4.) Michael White (Direc TV) 32,6 Mio $
5.) John F. Lundgren (Stanley Black & Decker) 32,1 Mio $

(Quelle: Handelsblatt vom 09.05.2011)

Vestehen Sie mich nun, dass mir übel wird?

Womit hat ein einzelner Angestellter ein dermassen hohes Gehalt verdient – wenn ihm nicht die Firma selbst gehört? Was, wenn trotz des Gewinnes ein Unternehmen pleite geht, da es das Gehalt seiner Manager nicht mehr bezahlen kann? Wieviele Arbeitsplätze könnten gesichert oder neu geschaffen werden, wenn von diesen 18 Mio zehn verfügbar wären? Wie wäre es denn mit einer fairen Entlohnung? Nicht selten müssen die Bezieher von Mindestgehältern noch zusätzlich arbeiten gehen, da das Geld nicht ausreicht. Geschieht dies offiziell, langen die Kassen und Vater Staat in grossem Umfang zu. Ist es ein Wunder, dass der Pfusch nach wie vor blüht? Andere können aufgrund nur eines Gehaltes in Gold förmlich baden! Und sie erhalten zusätzliche politische Schützenhilfe bzw. können sich die besten Steuerberater leisten, sodass unter dem Strich noch mehr übrig bleibt. Börsen-Milliardär Warren Buffett etwa forderte eine Reichensteuer, da er sich in einer niedrigeren Steuerklasse als seine Sekretärin befand! Ist das nicht Irrsinn???

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