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Knoblauch – keine Frage des guten Geschmacks…

… sondern vielmehr der Gesundheit!
Viele können ihn nicht riechen, viele andere schwören Stein und Bein bzw. Knolle und Zehe auf ihn – ich bevorzuge kleine, dafür aber regelmässige Mengen. Schliesslich ist das Ausdünsten von Knoblauch ein Intensiv-Erlebnis für die Nachbarn. Dabei wird der stark riechende, schwefelhaltige Geruch (Allicin) nur zu einem kleinen Teil über die Haut abgedampft, der weitaus grössere Teil hingegen über die Lungen-bläschen, somit also der Atemluft. Deshalb zeichnet den guten Koch die Tatsache aus, dass keines der Gewürze herausgeschmeckt wird, sofern es sich nicht etwa um Knoblauchsuppe oder -brot handelt. Gemeinsam aber sollten sich die verwendeten Kräuter, Knollen, Blätter etc. zum wahren geschmacklichen Feuerwerk auf der Zunge entwickeln. Und der Knoblauch kann so einiges – nicht umsonst wird er auch als “König der Gewürze” bezeichnet.
Der Knoblauch (Allium sativum) zählt zur Familie der Amaryllisgewächse und hier zur Unterfamilie der Lauchgewächse. Eigentlich krautartig wird als Überdauerungsorgan die Zwiebel durch die 30 bis 90 cm hohe Pflanze gebildet. Sie besteht aus einer Hauptzehe, aus welcher der Stängel wächst und bis zu 20 Nebenzehen (Tochterzwiebeln). Geschützt wird das Ganze durch eine dünne weisse Haut. Die Pflanze hat sowohl fruchtbare als auch unfruchtbare Blüten. In einem zylindrischen Hütchen (Bulbillen) entwickeln sich pro Pflanze zwischen zehn bis zwanzig Brutzwiebeln.
Der Experte unterscheidet zwischen zwei Arten: Dem Kultur-Knoblauch (Allium sativum var. sativum) und dem Schlangenknoblauch (Allium sativum var. ophioscorodon). Beide sind geniessbar, wobei der auch gerne als “Rockenbolle” bezeichnete Schlangenknoblauch hauptsächlich als Heilpflanze Verwendung findet. Die schwarze Ausführung ist nicht etwa eine eigene Sorte, sondern vielmehr fermentierter Knoblauch. Ähnlich wie bei der Vanille werden Zucker und Aminosäuren durch Luftabschluss und Wärme zu stickstoffhaltigen organischen Verbindungen abgebaut, die für die Färbung verantwortlich zeichnen. Der Geschmack ändert sich in’s leicht Süssliche.
Kam die Pflanze ursprünglich eigentlich aus Zentral- und Südasien, so wird sie schon seit sehr langer Zeit zudem im Mittelmeerraum angepflanzt. Und auch hierzulande kommen immer mehr Ackerbauern auf den scharfen, würzigen Geschmack, vor allem da der Preis stark angestiegen ist – das macht das “Weisse Gold” zur wohl profitabelsten heimischen Gemüsesorte. Allerdings haben sie dabei mit harter Konkurrenz aus China zu kämpfen. Dort werden pro Jahr rund 20 Millionen Tonnen geerntet – mit Dumpingpreisen alsdann die Konkurrenz etwa aus Argentinien zunichte gemacht.
Die Pflanze selbst bevorzugt sonnige Plätze. Im konventionellen Anbau aus den Haupt-Herkunftsländern China, Argentinien und auch Spanien werden per Hand rund 1,5 bis 3 Tonnen Knoblauchzehen pro Hektar im Abstand von rund 20 cm mit der Spitze nach oben in den Ackerboden gedrückt. Das führt zu rund 18.000,- € Kosten pro Hektar – die etwas teurere Variante. Die Zehen sind jedoch sehr schädlingsanfällig. Später sind es nurmehr die Lauchmotte und die Weissfäule, die der Pflanze schaden können. Andere Schädlinge meiden die Pflanze aufgrund ihres Geruchs. Deshalb raten Experten auch dazu, in der Wohnung oder dem Haus Knoblauch als natürlichen Schutz gegen Schädlinge auszulegen. Hilft übrigens perfekt im Garten bei anderen Nutzpflanzen, wie beispielsweise Erdbeeren (Blattfleckenkrankheit, Grauschimmel), Him-beeren, Gurken, Karotten (Möhrenfliege), Rote Beete, Tomaten (Braun-fäule), Obstbäumen, Lilien, Rosen und Tulpen, sowie beim Salat (Blattläuse). Auch hilft er gegen Mehltau bei den Flammenbäumen. Wühlmäuse, Läuse und Ameisen möchten ebenfalls nichts mit der geruchsintensiven Pflanze zu tun haben – optimal also im Kartoffelbeet. Besser nicht jedoch in die Nachbarschaft von Bohnen, Erbsen und Kohl pflanzen. Zur Schädlingsbekämpfung setzen Sie die Zehen am besten im April, zum Verzehr im September oder Oktober.
Bei der etwas günstigeren Variante wird bevorzugt mit Brutzwiebelsamen gearbeitet. Die Samen werden ähnlich dem Mais mittels Sämaschinen ausgebracht. Hier konnten durch spezielle Züchtungen bezüglich der Frostbeständigkeit, Dürreresistenz, Inhaltsstoffe und Lagerung grosse Erfolge erzielt werden. Der Kostenpunkt liegt bei rund 2.000,- € pro Hektar.
Die Ernte beginnt in beiden Fällen, sobald das Laub zu rund einem Drittel welk ist. Wilder Knoblauch ist übrigens schon seit Jahrhunderten ausgestorben – es handelt sich also auch bei den in freier Natur vorkommenden Pflanzen um bereits kultivierte Exemplare.
Schon die Ägypter nutzten den Knoblauch. So erhielten die Sklaven, die am Pyramidenbau beteiligt waren, eine tägliche Ration davon – einerseits zur Stärkung, andererseits um Darmparasiten und Läuse abzuhalten. Fiel die Ration aus oder wurde verkleinert, traten sie in den Streik. Im Talmud steht geschrieben, dass der Knoblauch den Geist klart, den Körper sättigt und die Manneskraft steigert (ob da die Frauen geruchsmässig damit einverstanden sind???). Auch die alten Griechen und Römer verwendeten, wie eigentlich der gesamte Mittelmeerraum, die Zehen: Zum Verfeinern ihrer Speisen oder für den Knoblauchkäse “moretum”.
Die beste Geschmacksnote erreichen Sie übrigens durch das Zerdrücken der Zehe mit der Knoblauchpresse. Dann nämlich werden die Zellen zerstört, das Enzym Aliinase kommt in Kontakt mit dem Alliin, wodurch die Umwandlung in Allicin begonnen wird. Dann im Anschluss nur kurz kochen, da er ansonsten bitter schmeckt. Durch das folgende Ziehenlassen entwickelt er seine ganze Kraft.
Auch in unseren Gefilden wird die Pflanze schon seit ewigen Zeiten als Gewürz-, aber auch als Heilpflanze verwendet. Durch die Römer nach Mitteleuropa gebracht, findet die Knolle bereits in dem von Kaiser Karl dem Grossen beauftragten “Capitulare de villis vel curtis imperii” in Kapitel 70 Erwähnung als kultivierte Nutzpflanze. Im Mittelalter wurde “chlobilou” oder “chlofalauh” (aufgrund der gespaltenen Zehen) als “Bauern-Theriak” im niederen Volk gegen alle möglichen Wehwehchen eingesetzt, u.a. gegen Menstruationsprobleme, Zahnschmerzen, Hautausschläge und Lungenleiden. Später sogar gegen die Pest. “Theriak” konnten sich damals übrigens nur die Reichen leisten – es war eine Mischung aus Honig, Vipernfleisch, Opium und anderen Bestandteilen. Ob die Pflanze allerdings auch gegen Dämonen oder Vampire hilft, ist bis heute nicht wissenschaftlich belegt. Ebenso übrigens, dass er Magnete umpolen sollte, weshalb er über Jahrhunderte von Seefahrern gemieden wurde, obwohl das enthaltene Vitamin C gut gegen Skorbut gewirkt hätte. Des Rätsels Lösung war ein Fehler bei einer Übersetzung.

https://www.youtube.com/watch?v=OhhmheMQ1oo&ytbChannel=null

Der Verband Deutscher Drogisten (VDD) wählte den Knoblauch im Jahr 1989 zur Arzneipflanze des Jahres. So verbessert der regelmässige Genuss nachgewiesenermaßen vornehmlich das Herz-Kreislauf-System indem es den Blutdruck und die Blutfettwerte (durch das enthaltene Saponin) senkt und die Blutgefässe elastischer macht. Deshalb findet die Heilpflanze auch vermehrt Anwendung bei Thrombose und Arteriosklerose. Daneben wirkt die Zwiebel auch antibakteriell, desinfi-zierend und krampflösend. Das erkannte bereits Louis Pasteur bei seinen Forschungen. Somit beeinflusst der Knoblauch äusserst wohltuend das Immunsystem, den Verdauungstrakt (z.B. bei Blähungen, Darmkrebs) und bei Infektionen ganz im Allgemeinen.
Den Hauptanteil dafür leistet das Alliin, ein ätherisches Öl. Dessen Anteil liegt in frischem Knoblauch bei etwa 0,5 bis 1 %. Durch die Ausscheidung über die Atemluft desinfiziert es die Atemwege und kann sogar bei Bronchitis, Keuchhusten und Bronchialasthma eingesetzt werden. Da dieses Öl schnell oxidiert, sollte Knoblauch rasch verarbeitet werden. Daneben verfügt die Knolle über einen hohen Anteil an Mineralstoffen wie Kalzium, Kalium und Magnesium, aber auch der Ascorbinsäure (Vitamin C), Vitamine B und K, dem Spurenelement Selen sowie Aminosäuren und Proteinen.
Als Heilpflanze wird der Knoblauch zudem äusserlich verwendet – etwa bei Hautflechte (Mykose) oder Warzen: Dabei wird eine Zehe in Scheiben geschnitten, aufgelegt und mittels Pflaster fixiert. Am besten über Nacht einziehen lassen. Bei mehrmaliger Anwendung durchaus wirksam – ausserdem haben Sie das Schlafzimmer wieder alleine für sich.
Allerdings gibt es durchaus Menschen, die den Genuss der Zehen nicht vertragen. Bei rund 10 % der Bevölkerung kann es zu allergische Reaktionen, Erbrechen, Übelkeit oder Durchfall kommen. Jedoch nur bei hoher Konzentration.
Nicht nur die Zehen sind geniessbar – auch die Blätter, das Laub und die Blüten kommen in der gut ausgestatteten Küche zum Einsatz. Dabei kann Knoblauch sehr variantenreich verwendet werden: Als Knoblauchöl, Butter für Knoblauchbrote, als Quarkaufstrich (für alle österreichischen Leser: Topfenaufstrich), in Salaten, in Marinaden etc. Auch bei Braten oder Fischgerichten sollte der gute Koch niemals auf Knoblauch verzichten. So wird etwa der “Vanillerostbraten” nicht mit Vanille sondern mit der “Vanille des armen Mannes”, dem Knoblauch, gewürzt. Beim Einkauf gilt es, auf die perlmutartig glänzende Aussenhaut zu achten. Blättert die Schale stark ab, so ist die Zwiebel meist ausgetrocknet. Finger weg von Knollen mit braunen Stellen: Das ist beginnende Fäule der Zehen! Ein grünes Austreiben ist zwar nicht tragisch, kann jedoch das Aroma beeinflussen. Im Gemüsefach des Kühlschranks hält sich die Zwiebel rund zwei Wochen, geschält kann sie auch eingefroren werden.

“Der starcke Geruch bekompt übel dem blöden Hirn, machet trübe Augen, bewegt Zorn, fürdert den Schlaf und Durst.”
(Jacobus Theodorus, deutscher Arzt und Apotheker 1522 – 1590)

Der durchschnittliche Deutsche isst jährlich rund 250 g Knoblauch, sein Nachbar aus Frankreich nahezu die doppelte Menge. Auch die Briten haben die Pflanze spätestens seit dem Zweiten Weltkrieg für sich entdeckt. Damals sollen französische Soldaten auf der Isle of Wight stationiert gewesen sein. Sie wollten das fade englische Essen etwas aufpeppen und liessen sich durch Agenten das begehrte Gewürz liefern. Die Insel ist heute das Hauptanbaugebiet im europäischen Vereinigten Königreich. Sinnvoll wären 4 g frischer Knoblauch, das entspricht rund 1,3 g Knoblauchpulver pro Tag. In den mediteranen Ländern auch kein Problem – hierzulande führt ein dauerhafter Knoblauchdunst zur sozialen Ausgrenzung. So wurde in den USA ein Restaurant verklagt, weil es zu viel Knoblauch in seinen Speisen verwendet haben soll. Die Richter baten um wichtigere Fälle und wiesen die Klage ab. Gegen den Mundgeruch übrigens helfen Milch, Chlorophylle, Kardamonsamen oder Ingwer – jedoch niemals zur Gänze. Sollte der Gourmet also nach dem Essen noch etwas vorhaben, so ist es besser, auf die Beigabe von Knoblauch zu verzichten. Tsatsiki kann deshalb nicht wirklich empfohlen werden.
Zuletzt noch ein Tipp von Hobbykoch zu Hobbykoch: Damit Sie stinkende Hände beim Schälen vermeiden, geben Sie einfach die gewünschte Anzahl von Zehen in ein Marmeladeglas, verschiessen es und schütteln für einige Zeit heftig. Die Zehen bekommen dadurch ein Schleudertrauma und die Schale löst sich von selbst!

Lesetipps:

.) Knoblauch – eine ganz besondere Knolle; Johanna Schaal; Seehamer 1998
.) Die Alliumarten als Arzneimittel im Gebrauch der abendländischen Medizin; Kurt Heyser; Kyklos 1928
.) The complete book of garlic – a guide for gardeners, growers, and serious cooks; Ted J. Meredith; Timber Press 2008
.) Heilkräuter Hausapotheke: Die wichtigsten Heilpflanzen für die Anwendung zu Hause; Eva Marbach; Eigen-Edition 2010
.) Knoblauch gegen Krebs und Blaubeeren für das Herz: Mit den richtigen Lebensmitteln das Immunsystem stärken und Krankheiten vermeiden; Jo Robinson; Riva 2014
.) Natürlich gesund – Kräutermedizin. Über 200 Kräuter und Heilpflanzen und ihre Wirkung auf die Gesundheit; David Hoffmann; Element Books 1996
.) Kräuter und Gewürze; Avril Rodway; Tessloff 1980
.) Garlic and Other Alliums: The Lore and the Science; Eric Block; Royal Society of Chemistry 2010
.) Effect of garlic on blood pressure: a systematic review and meta-analysis; K. Ried/O. R. Frank/N. P. Stocks/P. Fakler/T. Sullivan; BMC Cardiovasc Disord 2008
.) Garlic – The Science and Therapeutic Application of Allium sativum L. and Related Species; Heinrich P. Koch/Larry D. Lawson; Williams & Wilkens 1996
.) Pharmazeutische Biologie: Molekulare Grundlagen und klinische Anwendungen; Hrsg.: Theodor Dingermann/Rudolf Hänsel/Ilse Zündorf; Springer Verlag 2002
.) Der böse Blick und Verwandtes; Siegfried Seligmann; Georg Olms Verlag 1985
.) Knoblauch – Über 65 fantasievolle Rezepte mit der beliebten Knolle; Jenny Linford/Manuela Schomann; ars vivendi verlag 2016

Lnks:

- deutscher-knoblauch.de
- rockenbolle.de
- rockenbolle.net
- www.gesundheit.gv.at
- www.lwg.bayern.de
- heilpflanzenwissen.at
- www.zentrum-der-gesundheit.de
- www.oego.org
- www.dialogforum-pluralismusindermedizin.de
- www.ars.usda.gov

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Superfood – wirklich so super???


“Lass die Nahrung deine Medizin sein und Medizin deine Nahrung.”

(Hippokrates von Kos, 460 bis 370 v. Chr.)

Das Leben eines jeden Einzelnen ist ständigen Trends unterworfen oder zumindest ausgesetzt. Die Einen machen sie mit, die Anderen interessieren sich weniger dafür. Daß aber hinter den meisten dieser Must-Dos eine Geschäftemacherei steckt, das ist wohl den wenigsten bewusst. Aktuell gibt es nahezu keine Küche ohne die vielgerühmten „Superfoods“. Listige Marketing-Experten versuchen damit, die Ernährungsgewohnheiten der Europäer und Nordamerikaner komplett umzukrempeln. Bei vielen Konsumenten reicht hierfür bereits das Wort “Gesundheit”. Ergo: In jeder Werbung sind diese angeblichen gesundheitsfördernden Phrasen enthalten. Teils gar in Verbindung mit wissenschaftlichen Studien. Mag ja durchaus der Fall sein, dass derartige Untersuchungen durchgeführt wurden: An Tieren, unter Labor-bedingungen, mit sehr hohen Dosen, möglicherweise auch an Menschen. Niemand will bestreiten, dass so manches eine positive Wirkung auf den Menschen ausübt. Ich möchte ja keine Spass-Bremse sein. So schreibt etwa das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel:

“…und obwohl wissenschaftliche Studien oft positive gesundheitliche Wirkungen ergeben, lassen sich die Resultate nicht unbedingt auf die reale Ernährung übertragen.”

Man weiss also nichts genaues. Zudem ist eine derartige Bewerbung mit den sog. „Health-Claims“ an ein an sich recht genaues Überprüfungs- und Zulassungsverfahren gekoppelt (Health Claims-Verordnung der EU). Muss es jedoch sein, dass diese Ernährungsergänzungen eigens aus Asien, Südamerika oder auch Afrika über tausende Kilometer angekarrt werden, wenn dieser Effekt ganz einfach auch mit heimischem Obst, Gemüse oder Kräutern erzielt werden kann??? Wir nehmen den Ländern der Dritten Welt also nicht nur deren Wasser sondern auch deren Nahrung!`Deshalb möchte ich dem Ganzen in diesen heutigen Zeilen auf den Grund gehen und einen Vergleich mit heimischen Produkten anstellen. Sie werden überrascht sein, wie gesund unsere land-wirtschaftlichen Produkte sein können.

https://www.youtube.com/watch?v=LQPzMZeAvqM

Mexiko ist den meisten Menschen wohl aufgrund des Tequila und Mezcal vertraut – anderen auch als Drogenparadies. Bei den Superfoods geht es jedoch vornehmlich um die Chiasamen. Sie besitzen einen hohen Ballaststoffgehalt, mehrfach ungesättigte Fettsäuren (darunter Omega-3-Fettsäuren) und Proteine, Kalzium, Zink und Eisen. Veganer verwenden die Chiasamen anstelle der Eier als Bindemittel. Das kann selbst-verständlich positive Auswirkungen auf die Verdauung und damit den Magen-Darm-Trakt haben. Denselben Effekt erzielen Sie jedoch mit dem heimischen Leinsamen oder Hanfsamen (reich an Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren)! Zudem ist der Hanf hypoallergen sowie nuss- und glutenfrei!
Das Anti-Aging-Mittel schlechthin soll jedoch die Goji-Beere sein. Die Chinesen verehren sie als “Beere des Lebens”. Neben Vitaminen und Mineralstoffen besitzt sie einen hohen Anteil an Antioxidantien. Sie regen die Produktion von Cholin an oder binden selbst die freien Radikale im Körper, die für viele Krankheiten verantwortlich gemacht werden. Zudem beinhalten sie nicht weniger als 19 Aminosäuren, davon sind zehn essenziell. Die Werbung preist die Goji-Beeren als “Königin der Superfoods” an. All das ist jedoch durchaus in vielen Früchten der heimischen Obstbäume zu finden – oder auch im Gemeinen Bocksdorn! Untersuchungen der Universität Granada haben dies wissenschaftlich bestätigt. Weintrauben mit Kernen haben übrigens denselben Effekt. In den Kernen finden sich die sog. “Oligomere Proanthocyanidine (OPC)”, die Haut und Gewebe reparieren, das Haarwachstum anregen, die Augen pflegen und gegen Krebs helfen.
Ein Name, der im Zusammenhang mit den Superfoods ebenso immer wieder fällt, ist die Açai-Beere. Obgleich – wie bereits beschrieben – die wirklich gesundheitsfördernde Wirkung noch gar nicht wirklich nachgewiesen wurde. Diese Beere ist reich an Antioxidantien, die ja gemein hin als Allheilmittel für alle möglichen Gebrechen und v.a. dem Krebs eingesetzt werden. Auch durch ihren hohen Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen und essenziellen Fettsäuren (wie auch Omega-3-Fettsäuren) sollen diese Beeren als Turbo-Booster für die Leistungsfähigkeit gelten. Denselbe Zweck jedoch erfüllt eine ganz spezielle heimische Beere: Die Heidelbeere! Auch sie besitzt einen sehr hohen Anteil an Antioxidantien, die etwa im Einsatz gegen den Gedächtnisschwund im Alter beachtenswerte Erfolge vorweisen können. Zudem besticht sie durch eine hohe Konzentration an Anthocyanen, die, wissenschaftlich erwiesen, das Wachstum krebsartiger Zellen im Dickdarm nicht nur unterbinden, sondern diese Zellen gar in den Selbstmord zwingen können. Auch die bereits von heimischen Anbietern gezüchteten Shiitake-Pilze gelten als Krebskiller schlechthin. In Japan wird der Pilz als “König der Heilpilze” verehrt.
Das Triumvirat der Super-Strauch-Früchtchen macht die Aronia-Beere voll. Ihre Vorteile: Viele Vitamine (wie etwa die komplette B-Palette), jede Menge Mineralstoffe und Polyphenole, die ebenso als Antioxidantien wirken. Die Aronia-Beere soll v.a. die Durchblutung und das Immunsystem anregen. Übrigens bindet auch die Tomate die Freien Radikalen und macht dazu noch glücklich, da sie mit der Aminosäure “Tryptophan” aufwarten kann, dem Grundbaustein des Serotonins.
Bereits die alten Inkas sollen die Wirkung der Yakon (Inkawurzel) gekannt haben. Ihr Vorteil: Inulin! Das unverdauliche Kohlenhydrat regt die Produktion guter Darmbakterien an und unterstützt dadurch den Stoffwechsel. Besonders die Knollen werden vornehmlich in der japanischen Diätküche verwendet, die Stengel als Gemüse verzehrt. Wer es hingegen lieber etwas rustikaler mag, kann ebenso auf Sauerkraut zurückgreifen. Roh gegessen beinhaltet es grosse Mengen an probiotischen Kulturen, die bereits im Magen wirken: So mag beispielsweise der Erreger der Magengeschwüre oder Magenschleim-hautentzündungen Heliobacter pylori kein Sauerkraut. Ist es im Darm angelangt, so unterstützt es die Darmflora; die Darmschleimhaut kann sich regenerieren, das freut auch das Immunsystem.
Apropos Inkas: Sie griffen bei Libido-Problemen gerne nach der Maca-Knolle. Aber auch Sportlern ist die Maca-Knolle durchaus bekannt, soll sie doch eine Leistungssteigerung unterstützen. Verantwortlich dafür zeichnen die über 60 Vitalstoffe wie Proteine, Omega-3-Fettsäuren und natürlich die Antioxidantien. Hinzu gesellen sich Sterole. Diese gleichen dem Hormon Testosteron. Die meisten dieser Öle und Vitamine sind jedoch auch in der Artischocke, dem Kürbis, Spargel und nicht zuletzt dem Rettich enthalten. Außerdem werden die Mandeln immer wieder unterschätzt. Neben ihren ungesättigten Fettsäuren sind sie reich an Ballaststpffen und prebiotischen Wirkstoffen, die v.a. dem Darm zugute kommen. Die Mandel wirkt ferner gegen zu hohen Blutdruck und gleicht den Blutzuckerspiegel aus.
Viele dieser positiven Eigenschaften vereint alsdann der ostasiatische Ingwer – über ihn allerdings habe ich an dieser Stelle schon ausführlich informiert.
Kakao! Viele kennen ihn vornehmlich als Glücklichmacher, als wichtigen Bestandteil der Schokolade. Die Kakaobohne ist zudem bekannt für ihren hohen Gehalt an Flavinoiden. Diese senken den Blutdruck und können somit die Gefahr einer Herzerkrankung senken. Wissenschaftler allerdings warnen, dass ein regelmäßiger bzw. sehr hoher Konsum von Kakao geschehen muss, damit dieser Effekt tatsächlich eintritt. Dabei jedoch kommt es zu einer Überdosierung anderer Nährstoffe, die nicht mehr gesund ist. Es nutzt also nicht viel, wenn Sie täglich drei Tafeln Schokolade essen. Sie werden es einerseits an Ihrem Gewicht merken, andererseits steigt auch das Risiko an Diabetes zu erkranken. Und zudem gilt: Je frischer und unbehandelter die Kakaofrucht ist, desto mehr dieser angesprochenen Inhaltsstoffe besitzt sie. Biele gehen durch die Rüstung verloren.
Und schliesslich gibt es noch das Moringa-Pulver. Gewonnen wird es auch dem nordindischen Meerettichbaum (Moringa oleifera – Baum der Unsterblichkeit), der jedoch inzwischen auch in Afrika und Lateinamerika wächst. Er gilt gemeinhin als nährstoffreichster Baum, weshalb er sich großer weltweiter Beliebtheit erfreut. In den Entwicklungsländern gelangt er deshalb im Kampf gegen die Unterernährung zum Einsatz. Dies wurde im Rahmen einer Ernährungsstudie der Organisationen Church World Service und AGADA im Jahre 1997 im Senegal ausgetestet. Nach alter indischer Überlieferung soll der Moringabaum mehr als 300 Krankheiten heilen können. Hierzulande wird das Pulver zumeist als Nahrungsmittel-Ergänzung vertrieben, beworben wird dabei vornehmlich das Antioxidans bzw. Wachstumshormon Zeatin. Es soll bei der Hautregeneration helfen und dadurch den Alterungsprozess verlangsamen. Allerdings: Ein überdurchschnittlich positiver, ernährungswissenschaftlicher Effekt konnte nicht nachgewiesen werden. Zudem fanden Lebensmittelchemiker Pestizid-Rückstände und mikrobiologische Erreger. Die Werbung vergleicht gerade in diesem Fall gerne Äpfel mit Birnen, wenn sie einen wesentlich höheren Kalium-, Eisen-, Kalzium- und etwa auch Betakarotin-gehalt in’s Spiel bringt. Der Apfel ist hierbei das Pulver, die Birnen frische Lebensmittel wie Milch, Bananen etc. Würde man diese Lebensmittel ebenfalls in Pulverform zu sich nehmen, wäre das Verhältnis mehr als ausgeglichen. Ein Beispiel gefällig? Unser Körper produziert aus Betakarotin das v.a. für die Augen und Schleimhäute so wichtige Vitamin A. Der Tagesbedarf an Betakarotin ist mit bereits 100 g Karotten gedeckt (1.700 mg). Korrekt ist, dass in den frischen Moringa-Blättern der vierfache Gehalt an Vitamin A enthalten ist; im Pulver jedoch nur knapp mehr als das Doppelte. Isst man somit anstelle von nur 100 g Karotten die doppelte Menge oder mehr, so sind auch diese Werte ausgeglichen. Das aber ist nicht mal notwendig, da die Tagesdosis an Moringapulver gerade mal 10 g ausmachen sollte – das sind alsdann 360 mg Vitamin A! Und im Vergleich dazu kosten 100 g Moringapulver bis zu 22 Euro. Da sind mir doch die Karotten des Gemüsebauern meines Vertrauens wesentlich lieber. Im Karottenpulver wären – so die Aussage der Wissen-schaftler – 16.000 mg Vitamin A auf 100 g des Pulvers enthalten! Eine reine Augenauswischerei! Mit den anderen Mineralstoffen und dem Vitamin C verhält es sich ebenso! Einzig der hohe Vitamin B2- und E-Gehalt macht das Pulver interessant. Während Vitamin E durch Weizenkeimöl mehr als ausgeglichen werden kann, siegt Moringa beim B2 tatsächlich. Aber auch das kann andersweitig wesentlich günstiger aufgenommen werden. Ebenso die für das Abwehrsystem so wichtigen Senfölgylkoside – die essen Sie völlig unbewusst mit dem Senf oder Meerrettich! Ernährungswissenschaftler empfehlen somit frisches heimische Gemüse oder wenn es denn sein muss: Gersten- oder Weizengraspulver anstelle des Moringapulvers.
Ähnliches gilt übrigens auch für den afrikanischen Affenbrotbaum (Baobab). Seine Früchte, Blätter und Samen sollen die Heilung bei Infektionskrankheiten unterstützen, die Produktion von Endorphinen anregen und gegen Heisshunger helfen.
Selbstverständlich gibt es auch angebliche Superfood aus dem Wasser: Die Spirulina-Alge! Bereits die Azteken hielten grosse Stücke von ihr. Auch bei dieser Alge ist es der grosse Nährwert, die vielen Enzyme und anderen Vitalstoffe, ihr hoher Chlorophyllgehalt und ihre basische Wirkung auf den menschlichen Körper – das alles soll die Selbst-heilungskräfte des Körpers ankurbeln. Mit einem Proteingehalt von 60 bis 70 Prozent ist die Spirulina-Alge eine der wohl eiweisshaltigsten Lebensmittel. Eine Studie des Osaka Center for Cancer and Cardiovascular Diseases in Japan zeigte zudem eine vermehrte Tätigkeit der Fresszellen (Makrophagen bzw. T- und B-Zellen) nach dem Konsum der Alge. Diese Fresszellen gelten als die erste Notmassnahme des Körpers beim Eintritt von nicht wirklich erwünschten Mikroorganismen, wie auch Infektions-bakterien. Die Viren, die zumeist durch die Makrophagen nicht abgetötet werden können, bleiben an den Kaliumsalzen der Spirulina kleben, sodass sie nicht mehr in die Zellen eindringen können. Dann erst kommen die Fresszellen wieder in’s Spiel. Aufgrund dieser Studie konnte eine positive Wirkung gegen Herpes Simplex-Viren, Cytomegalie-Viren, Influenza A-Viren, Mumps-Viren sowie Masern-Viren nachgewiesen werden. In einer weiteren Studie an HIV-Patienten aus dem Jahr 2012 wurde eine Besserung der Lebensqualität dieser Menschen erzielt. Die Viren vermehrten sich nicht weiter – ihre Anzahl im Blut blieb während der Testphase von drei Monaten stabil. Eine Besserung bei Allergiepatienten (Rhinitis, Heuschnupfen, Hautallergien) konnte ebenfalls in einer Studie aus dem Jahre 2005 nachgewiesen werden. Auf Histamin wirkt die Alge zudem hemmend. Bei Diabetikern (Diabetes Typ-2) wurde eine Senkung der Blutzuckerwerte und ganz allgemein auch des Cholesterin-LDL-Wertes bei gleichzeitigem Anstieg des HDL-Wertes bemerkt. Dies liegt v.a. am Phycocyanin, einem Pigment der Alge, das im menschlichen Körper als Antioxidans wirkt. Es steigert zudem den Adiponektin-Spiegel, sodass der Patient weniger Hunger verspürt. Zudem ist die Spirulina reich an Vitamin C, E, Selen und schliesslich Chlorophyll, das aufgrund seiner chemischen Zusammensetzung mit dem Hämoglobin verglichen werden kann. Ausserdem wirkt es antikarzinogen, da es Enzymkomplexe blockiert, die für Zellveränderungen verantwortlich sind und die Anzahl von Aflatoxine (stark krebserregende Gifte des Schimmelpilzes) senkt. Das Chlorophyll regt ferner die Produktion des Hämoglobins an, sodass mehr Sauerstoff im Blut transportiert werden kann, ein nicht unwesentlicher Pluspunkt für den Stoffwechsel. Und – als ob dies nicht schon alles gewesen wäre: Der hohe Anteil der Aminosäure L-Tryptophan regt die Produktion der Neurotransmitter Melatonin und Serotonin an, wodurch der Wohlfühlfaktor und das Denkvermögen gesteigert werden kann. An letzterem ist auch die Glutaminsäure beteiligt. Die Tagesdosis liegt bei 3-4 g, sofern die Spirulina zur Vorbeugung eingenommen wird. Bei Patienten, die blutverdünnende Medikamente einnehmen müssen, sollte zuvor der Hausarzt befragt werden. Ein enormer Vorteil der Spirulina-Alge liegt auch darin, dass pro angebauter Fläche wesentlich mehr Nahrung als bei einem anderen Lebensmittel produziert werden kann. Damit könnte die Spirulina-Alge tatsächlich das einzige Superfood sein!
Ähnliches übrigens ist auch von der Mikroalge Chlorella zu erfahren. Sie besticht allerdings durch ihren unschlagbar hohen Chlorophyllgehalt.
Der Vollständigkeit halber zu erwähnen:
- Der Granatapfel – Reich an den Vitaminen C und K, an Folsäure und Kalium. Das fördert vornehmlich die Durchblutung und den Blutzuckergehalt. Die enthaltenenn Polyphenole hemmen die Metastasen-bildung von Krebserkrankungen, die hormonwirksamen Stoffe aus den Ölen können Beschwerden während der Wechseljahre lindern. Aber – er sorgt sich auch um Ihr Blut. So wirkt er blutdrucksenkend und gleicht zu hohe schädliche Cholesterinwerte aus. Ja, er kann sogar Ablagerungen in den Blutgefässen (Arteriosklerose) reduzieren. Essen oder trinken Sie den Granatapfel stets mit Datteln gemeinsam – das potenziert nochmals dessen Wirkung. Keiner dieser Paradiesäpfel zur Hand? Macht nichts – es helfen auch Knoblauch, Weissdorn, die Shiitake-Pilze, Chili oder Kurkuma.
- Papayakerne – Neben dem Schutz von bakteriellen Infektionen oder Parasiten helfen sie zudem bei der Entgiftung der Leber. Zweiteres kann aber ebenfalls durch Löwenzahn, die Artischocke oder die Mariendistel erzielt werden.
- Physalis – Durch den hohen Eisen- und Phosphorgehalt gilt dieses Nachschattengewächs als wichtiger Lieferant des Provitamins A. Es wird somit bei Harnwegserkrankungen, Gicht und bei Immunerkrankungen empfohlen. Zudem kann es durch den Wirkstoff Melatonin bei Schlaf-störungen eingesetzt werden. Viele dieser Effekte liefern allerdings auch nachgewiesenermaßen die heimischen Kürbiskerne.
- Acerola-Kirsche – Sie ist reich an Vitamin C, Eiweißen, Magnesium und Kalzium. Das kann beim Zellschutz und in Stresssituationen helfen. Wahre Vitamin C-Bomben sind jedoch auch die Hagebutte und der Sanddorn aus dem heimischen Garten.
- Die Avocado – Obwohl sie zu über 20 % aus Fett besteht, beeinflusst sie nicht den Cholesterinspiegel oder das Gewicht. Sie wird deshalb gerne bei Herz-Kreislauf-Problemen, Osteoporose oder Entzündungen und Krebs verwendet.

https://www.youtube.com/watch?v=FEkwK3Lxdf8

Zusammenfassend gehört somit betont: Durch die Verwendung von Brokkoli, Kraut, Spinat, Kohl, Kren und beispielsweise auch Buchweizen lässt es sich wesentlich gesünder (da frischer) leben als durch das Schlucken dieser exotischen Superfoods. Wenn Sie dann noch die Früchte der Saison verwenden (“Iss den Regenbogen!” – wie Brennesseln, Bärlauch, Löwenzahn, Oregano…), sind Sie immer gut versorgt mit dem, was Ihr Körper gerade benötigt. Zudem werden die Transportwege klein gehalten und die regionale Bauernschaft unterstützt! Wenn Sie dennoch auf Superfood zurückgreifen, so sollten Sie sich zuvor genau bei Ihrem Arzt, einem Ernährungsberater oder im Internet neutral erkundigen, da jeder Hersteller seine Nahrungsergänzung als die Beste bezeichnet. Während der eine in höchsten Tönen von Moringa spricht, ist der andere vom Gerstengras überzeugt. Auch die relativ neue “GoGreen-Überzeugung” ist sicherlich nicht als nachteilig anzusehen, da durch das Chlorophyll viele positive Effekte erzielt werden können, wie Sie ja inzwischen gelesen haben. Und eines sollten Sie nicht vergessen: Superfood wird nur dann Superfood, wenn es in großen Mengen regelmässig eingenommen oder in den Speiseplan integriert wird. Und das geht vor allem bei den exotischen Superfoods dann schon mal gewaltig in die Geldbörse!!!

Lesetipps:

.) SCHWARZBUCH SUPERFOOD – Heiße Luft und wahre Helden; Daniela Grach/Caroline Schlinter/Marlies Wallner/Nicole Zöhrer; L. Stocker 2016
.) Heimische Superfoods: Natürlich. Regional. Gesund; Barbara Fuchs; Kindle Edition
.) Die Heilkraft der Pflanzen. Heilpflanzen von Abuta und Acerola bis Yohimbe und Yucca: ein Kompendium für die Praxis; Anne Simons; MayaMedia 2013
.) Superfoods “Regional”: Powerfoods vor unserer Haustür; Michael Iatroudakis; Kindle Edition
.) Superfood: Natürlich. Heimisch. Saisonal; Barbara A. Schmid/Aaron Waltl; Pichler 2016
.) Gesundheitswunder Chlorophyll – Gespeicherte, gesundheitsspendende Sonnen- und Heilkraft; Günter Albert; Ulmer Verlag 1997
.) Spirulina. Das blaugrüne Wunder: Die sensationellen Heilwirkungen der natürlichen Mikroalge bei Immunschwäche, Infektionen, Anämie, Allergien, Krebs, Aids und vielem mehr; Marianne E. Meyer; Windpferd Verlag 2006
.) Das Buch der Superfood Smoothies: 100 gesunde Smoothie Rezepte für leckere Powerdrinks; Julie Morris; Königsfurt Urania 2014
.) Genial gesund: Superfood for Family & Friends; Jamie Oliver; Dorling Kindersley 2016

Links:

- www.gesundheit.gv.at
- www.eufic.org
- www.cvuas.de
- www.ncbi.nlm.nih.gov
- www.verbraucherzentrale.de/superfood
- www.nhs.uk
- www.loewenzahn.at
- ich-lebe-vegan.de
- www.veganblatt.com
- www.ichkoche.at

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Fasten – ja, aber…

Mit dem Aschermittwoch hat die katholische Fastenzeit begonnen, die Orthodoxen waren schon etwas früher damit beschäftigt, in den protestantischen Kirchen heissen die paar Wochen übrigens “Passionszeit”. In diesen 40 Tagen vor dem christlichen Hochfest Ostern. sollen sich die Gläubigen mittels Verzichtes und dem Beten auf den Tod Christi und dessen Auferstehung vorbereiten, die Schuldigen sollen ihre Taten büssen, die Seelen ganz allgemein gereinigt werden. Geschichtlich übrigens gehen die 40 Tage auf das 4. Jahrhundert zurück – zuvor war es das nach wie vor bestehende, nicht der Fastenzeit zugehörige, zweitägige Trauerfasten am Karfreitag und Karsamstag. Nach Mt. 4,2 eu soll Christus ebenfalls 40 Tage lang in der Wüste betend gefastet haben. Der Zahl “40″ kommen in der Bibel noch mehrere andere Bedeutungen zu. Aufgrund unterschiedlicher Zählweisen (mit und ohne Sonntage) endet diese Fastenzeit entweder am Palmsonntag oder am Gründonnerstag. Nach den gestrengen Regeln des Mittelalters durften währenddessen keine tierischen Produkte wie Fleisch, Milch oder Eier gegessen aber auch kein Alkohol getrunken werden. Somit erklärt sich die Sitte des Kiachl- oder Krapfenbackens in der Faschingszeit – diese Vorräte wurden während der Fastenzeit verzehrt. Im Französischen heisst übrigens der Faschingsdienstag aufgrund dessen “Mardi Gras” (“fetter Dienstag”). Gegessen wurde während dieser 40 Tage nur am Abend – ähnlich wie im Islam während des Ramadam oder im jüdischen Jom Kippur. Im 15. Jahrhundert konnte man sich mittels des sog. “Butterpfennigs” zumindest vom Verbot der Milchprodukte freikaufen. Noch genauer möchte ich heute nicht auf die Bestimmungen des Fastens und deren historischen Hintergründe eingehen. Wer es genau wissen möchte, dem sei als Literatur die apostolische Konstitution Paenitemini von Papst Paul VI. empfohlen.
Interessant übrigens ist die Sitte des Starkbiers, das meist zu Beginn der Fastenzeit angestochen wird. Es entwickelte sich aus dem Fastenbier, das weniger in der Zeit vor Ostern als vielmehr an anderen Fastentagen getrunken wurde. Das bayerische Grundnahrungsmittel half den Mönchen über die entbehrungsreiche Zeit hinweg, besitzt doch Bier die meisten lebensnotwendigen Inhaltsstoffe. Wie hingegen sich der Alkohol mit den aktuellen katholischen Fastengesetzen vor Ostern verträgt, sei erstmal dahingestellt.
Neben all den Entbehrungen sollen während der Fastenzeit auch Opfer gebracht, an Andachten teilgenommen und die Nächstenliebe vermehrt praktiziert werden.
Andere Kirchen – andere Sitten! So empfiehlt etwa die Orthodoxe Kirche nicht ein Fasten auf “eigene Faust” – es müsse vielmehr mit Gott und dem Priester abgeklärt werden. Doch betrifft dies wohl eher den Verzicht auf Nahrung. In der lutherischen Kirche geht es mehr um die Gesinnung. Schrieb doch Martin Luther in seinem Sermon:

“Ich will jetzt davon schweigen, dass manche so fasten, dass sie sich dennoch vollsaufen; dass manche so reichlich mit Fischen und anderen Speisen fasten, dass sie mit Fleisch, Eiern und Butter dem Fasten viel näher kämen … Wenn nun jemand fände, dass auf Fische hin sich mehr Mutwillen regte in seinem Fleisch als auf Eier und Fleisch hin, so soll er Fleisch und nicht Eier essen. Andererseits, wenn er fände, dass ihm vom Fasten der Kopf wüst und toll oder der Leib und der Magen verderbt würde […], so soll er das Fasten ganz gehen lassen und essen, schlafen, müßig gehen, so viel ihm zur Gesundheit nötig ist.”

Ähnliche Meinung vertrat auch der helvetische Reformator Ulrich Zwingli, der demonstrativ am ersten Fastensonntag ein grosses Wurstessen veranstaltete.
Viele Menschen nutzen diese Fastenzeit um auf etwas zu verzichten. Einige trinken keinen Alkohol oder rauchen nicht, andere lassen die Schokolade links liegen (oder versuchen es zumindest). Manche lassen das Auto in der Garage stehen und andere sind digital oder am Handy nicht erreichbar. Diese Idee stammte vom Hamburger Pastor Hinrich Westphal aus dem Jahre 1983 (“7 Wochen ohne”).
Doch – bleiben wir beim Essen. Das Fasten ist nicht als Diät zu verstehen. Wer abnehmen möchte, hat bessere Möglichkeiten. Der Verzicht auf feste Nahrung für eine gewissen Zeit wird seit Jahrhunderten etwa in der russische Medizin eingesetzt. Es soll den Körper entschlacken und von giftigen Stoffen sowie Stoffwechselendprodukten befreien. Fünf Tage ohne feste Nahrung – die Harten versuchen es gar über sieben Tage. Nur Suppe, Gemüsesäfte, Tee und v.a. Wasser. Sind die Zuckerreserven aufgebraucht, geht es an die tatsächliche Entschlackung: Es beginnt der Fettabbau. Der Todpunkt ist stets der dritte Tag (“Fastenkrise”). Der Kreislauf ist am Boden, Kopfschmerzen treiben einen zur Raserei, Müdigkeit und Frierattacken plagen den Körper. Letzteres ist sehr lästig, allerdings ein Zeichen dafür, dass man sich auf dem richtigen Weg befindet. Der Körper benötigt zur Schaffung der Körpertemperatur Zucker, der in den Zellen “verbrannt” wird. Durch diese Frierattacken signalisiert er, dass kein Zucker mehr vorhanden ist – nun muss auf anderes zurückgegriffen werden. Bis zu diesem Zeitpunkt überwiegen Stress und schlechte Laune durch den ständigen Hunger. Danach beginnt die Ausschüttung von Glückshormonen (“Fastenhigh”) aufgrund der Selbstheilung des Körpers (Sanogenese). Einher geht der wichtige Zellerneuerungsprozess. Durch Bewegung wird diese Entschlackung noch gefördert, da der Körper ja irgendwoher die Energie nehmen muss. In den Fettdepots haben sich Umweltgifte wie Dioxin, PCB und Weichmacher angesammelt, die ansonsten nur sehr langwierig abgestossen und ausgeschieden werden. Dies geschieht nun deutlich rascher. Bei Fastenden wurden derartige Toxine vermehrt im Blut festgestellt. Über Leber und Nieren werden sie ausgefiltert.
Das Heilfasten soll bei Problemen mit den Gelenken (wie Rheuma oder Arthrose), bei Bluthochdruck, Depressionen, Diabetes und nicht zuletzt Übergewicht helfen. Trotzdem muss vor einem Heilfasten auf jeden Fall ein Arzt zu Rate gezogen werden. Schliesslich kann es unter Umständen zum Muskelabbau und Auswirkungen am Knochenskelett kommen. Nach der Kur sollte nach und nach wieder der Essrhythmus gefunden werden. Durchaus bewusster, da die Speisen, die nun wieder gegessen werden, höher geschätzt werden. Ist das nicht der Fall, so nimmt man innerhalb kürzester Zeit die zuvor abgespeckten zwei bis drei Kilo Körpergewicht binnen weniger Tage wieder zu (Jojo-Effekt). Deshalb eignet sich das Kur- oder Heilfasten auch nicht ausschliesslich zum Abnehmen. Und ausserdem: Manche Fastenprogramme sind sogar schädlich!
Jeder Mensch kann sich auf eine Fastenwoche vorbereiten. Ein oder zwei Tage pro Woche sind empfehlenswert. Wer die Fastenkur dann in Angriff nimmt, sollte es nicht alleine machen. Gemeinsam mit einem Familienmitglied oder einer Bekannten/einem Bekannten kann zwar auch nicht gerade von Spass gesprochen werden, doch fällt vieles leichter. Verfassen Sie auch jeweils ein Fastenprotokoll mit dem abgenommenen Gewicht und den Emotionen, wie Sie sich dabei fühlen. Hilfe verspricht auch beispielsweise eine Fastengruppe. Erfahrene Menschen, die wichtige Tipps und Hinweise geben können. Sie können unter Umständen auch zur passenden Fastenkur raten:

.) Buchinger-Fastenprogramm
Die ursprüngliche Buchinger.-Methode dauert über 10 bis 40 Tage und ist eine Trinkkur, in deren Rahmen dem Körper nur 250 bis max. 500 Kalorien pro Tag zugeführt werden sollen. Dadurch können schädliche Ablagerungen (beispielsweise Bauchfett) wie bei einer Müllverbrennungsanlage abgebaut werden. Dr. Otto Buchinger (1878 bis 1966) selbst musste eine krankheitsbedingte Fastenkur durchhalten und merkte danach, wie es seinem Körper besser ging. Deshalb spricht er auch von “Körper- und Psychohygiene” in den “Drei Dimensionen”: Der medizinischen, der psychosozialen und der spirituellen. Das Fasten soll die Selbstheilung des Körpers ankurbeln. Beispiel für eine kompakte Woche: Den Beginn macht ein Entlastungstag, es folgen fünf Fasten- und schliesslich zwei Aufbautage. Bereits am Entlastungstag sollte auf Fleisch und Zucker sowie Kaffee verzichtet werden. Die Fastentage beginnen jeweils mit Wasser oder Tee in der Früh, zu Mittag folgt eine Gemüsesuppe, gegen Abend frisch gepresster Gemüsesaft bzw. 150 ml Fruchtsaft mit Wasser aufgespritzt. Stets sollte die Wasserflasche oder die Teetasse durch den Tag begleiten. Der Erfinder der Kur empfiehlt zudem an den Tagen 1, 3 und 5 einen Einlauf, damit die Giftstoffe, die sich im Darm angesammelt haben, auf natürliche und rasche Art ausgeschieden werden. Das allerdings gilt als umstrittene, da überflüssige Massnahme. Besser erscheint die Verwendung von Glaubersalz. Es entzieht den Zellen durch die Osmose Flüssigkeit, wodurch auch die Giftstoffe schneller an den Darm weitergegeben werden. Durch den grösseren Flüssigkeitsanteil erhöht sich zudem der Entleerungsdrang. Die Aufbauphase beginnt in der Früh mit einem Apfel, da die darin enthaltenen Enzyme die Verdauung anregen. Zu mIttag folgt leichte und gut verträgliche Kost, zudem empfiehlt es sich, Leinsamen, eingeweichte Pflaumen und Sauerkraut zu essen. Diese regen den Darm an. Sollten die Fastentage allzu hart werden, kann das erste Glas Wasser in der Früh mit einem Teelöffel Kakao (ohne Zucker!) entschärft werden. Das regt die Produktion von Glückshormonen (v.a. Serotonin) an.

.) Die F.X. Mayr-Kur
Dem österreichischen Militärarzt Franz Xaver Mayer (1875 bis 1956) waren ähnlich wie bei Buchinger drei Säulen besonders wichtig: Schonung, Säuberung und Schulung! Alsdann verordnete er den Soldaten im Ersten Weltkrieg an bestimmten Tagen nur getrocknete Brötchen und Milch oder Haferschleim. Durch diese alltagstaugliche und gesunde Ernährung soll die Zellkultur im Darm positiv beeinflusst werden. Während der Schonung soll sich der Körper durch Diät erholen; parallel dazu einher geht auch eine “Psycho-vegetative Entspannung” mit viel Schlaf, Erholungsphasen und Wärmeanwendungen. Yoga und Gymnastik an der frischen Luft unterstützen dies! Die Säuberung entspricht der Reinigung, Entschlackung und Entsäuerung des Körpers. Eine entscheidende Bedeutung kommt dabei der Bauchmassage zu: Sie regt die Bauchspeicheldrüse an und vertieft die Atmung. Der Fastende soll sich in dieser Phase auch vom psychischen Müll trennen. Abschliessend dient die Schulung einem Kau- und Esstraining, das die Verdauungs- und Speicheldrüsen stärken soll. Heutzutage werden anstelle des Haferschleims Brötchen und frische Milch verwendet. Die Soldaten litten weniger häufig an Verdauungsproblemen. Zudem freute sich die Kriegskasse des k.u.k.-Österreich. Fragt sich nur, wie an der Front die Schonungsphase durchgeführt wurde!!!

.) Die Schrothkur
Dieses Kurprogramm wurde von Johann Schroth (1798-1856) entwickelt. Während der Schrothkur erhalten die Patienten nur fett- und salzfreie sowie eiweissarme Nahrung. Dadurch wird der Körper einer Entgiftung und Entschlackung zugeführt. Zweimal die Woche gibt’s jeweils einen halben Liter Wein, damit der Kreislauf angeregt und die Atmung vertieft wird. Auch in der Schrothkur gibt es drei unterschiedliche Ebenen. Der Tag beginnt mit einer Kurpackung, bestehend aus kalten, feuchten Laken, die mit trockenen warmen Packbetten zugedeckt werden. Die dadurch erzielte Temperaturerhöhung regt den Stoffwechsel an und somit auch die Entgiftung, Entschlackung und die Gewichtsreduktion. Begleitend dazu gibt es Trink- und Trockentage. Durch die vermehrte Flüssigkeitszufuhr soll Salz ausgeschwemmt und das Risiko von Bluthochdruck, Ödemen und Übergewicht vermindert werden.

.) Hildegard von Bingen
Der Kirchenfrau mit dem berühmten Namen ging es nicht nur darum, den Körper zu entgiften, sondern vor allem um den “Kontakt zur Seele”. Durch das Fasten würde sich automatisch die Konzentration des Menschen nach innen richten. Durch eine solche Kur böte sich immer wieder die Möglichkeit der Neuorientierung oder Wandlung. Als Nahrung während des Fastens beschränkte sie sich auf gekochten Dinkelschrot mit gedünsteten Äpfel (maximal 800 kcal/Tag).

.) Die Molke-Trinkkur
Der Name ist Konzept. Diese Trinkkur besticht v.a. durch die Zufuhr von Proteinen. Sie sind in einem Liter Kurmolke enthalten, die über den Tag hinweg getrunken werden muss. Hinzu kommen 3 Liter Krätuertees, Leitungswasser und zu Mittag eine Gemüsesuppe.

.) Das Früchtefasten
Dieses Fasten ist über längere Zeit vorgesehen. An gewissen Tagen werden ausschliesslich zwischen ein bis eineinhalb Kilogramm Früchte gegessen. Ergänzt wird dies durch Wasser und Kräutertees. Auch hierbei steht die Entgiftung und Entschlackung des Körpers im Vordergrund.

.) Das Basenfasten
Bei diesem ganz speziellen Fasten werden alle Säurebildner in der Nahrung weggelassen. Etwa tierisches Eiweiss oder Getreide. Während der Fastenwoche liegt somit auch hier der Nahrungsschwerpunkt auf Gemüse und Salaten, auf frisch gepressten Obst- und Gemüsesäften sowie bei zwei bis drei Liter kohlensäurefreiem Quell-Wasser oder verdünnten Kräutertees aus der Region ohne Zusatzstoffen. Positive Effekte werden u.a. in der Verdauung (Blähungen, Völlegefühl, Sodbrennen), der Straffung des Bindegewebes der Haut (durch den Abbau von Eiweiss-Depots), bei den Augen und dem Gewicht verzeichnet. Ein Basenfastender nimmt zwischen einem bis vier Kilogramm in der Fastenwoche ab!

Viele Ernährungsexperten allerdings halten all diese Konzepte für überholt und sogar schädigend. Die Ursache dafür liegt im Eiweiss. Der menschliche Körper benötigt unbedingt Proteine um richtig arbeiten zu können. Bekommt er diese nicht oder zu wenig, kann es zu gefährlichen Komplikationen bei etwa den Nieren, dem Herzen und dem Gehirn führen. Ein zu schneller Eiweissverbrauch verursacht zumeist Herzrhythmussstörungen und kann im extremsten Fall auch mit dem Tod enden. Deshalb sei die Verordnung einer Radikal-Kur medizinisch unverantwortlich. Manche Wissenschaftler lehnen auch die Schlacken im Körper ab. Gifte, die der Mensch beispielsweise durch die Nahrung zu sich nimmt, werden regelmässig durch den Körper abgebaut und ausgeschieden. Das zusätzliche Abführen durch etwa Glauber- oder Bittersalz führt zu einem durchfallähnlichen, ständigen Abführdrang und damit zu extremer psychischer Belastung. Unsinnig ist auch das Kaffeeverbot. So kommen in den ersten drei Tagen der Fastenkur alsdann die Koffein-Entzugserscheinungen hinzu – Kopfschmerzen und Kreislaufproblemen. Wer nun richtig fasten will, sollte nach Konsultation mit dem Hausarzt das proteinsubstituierte Fasten wählen. Durch die ausreichende Zuführung von Proteinen werden die Risikofaktoren ausgeschlossen. Fastenkritiker, wie etwa Ingolf Schiefke, empfehlen, sich anstelle des Fastens öfter mal fleischlos zu ernähren (mit viel Obst und Gemüse). Minimieren Sie Zucker und Alkohol oder lassen sie ihn ganz weg und bewegen Sie sich viel in der frischen Luft.
Kliniken haben sich in Deutschland inzwischen auf das Heil- oder Kurfasten spezialisiert. Der Aufenthalt allerdings ist zumeist nicht günstig – man zahlt sozusagen für’s Nicht-Essen. Der Vorteil hierbei besteht in der medizinischen Betreuung, den sozialen Kontakten mit anderen, gleichermassen zielgerichteten Patienten und nicht zuletzt dem Nicht-Auskommen aus der Kur!
Das Wichtigste aber beim Fasten ist es, neben der körperlichen Ebene immer auch die geistige einzubauen. Ein Fasten ohne Kopf, ist kein Fasten und kann auch schädlich sein!

Eine kleine, dafür aber erlesene Auswahl von Fastenkliniken:

Sanitas Dr.Köhler-Parkkliniken
Fachklinik für Naturheilverfahren
D – 08645 Bad Elster

Schloß Warnsdorf Privatklinik
D – 23626 Warnsdorf /Ratekau

Klinik Dr. Otto Buchinger
Forstweg 39
D – 31812 Bad Pyrmont

Menschels Vitalresort
Naheweinstraße 65
D – 55566 Meddersheim / Bad Sobernheim

Tannerhof
Tannerhofstraße 32
D – 83735 Bayrischzell

Klinik Buchinger am Bodensee
Wilhelm-Beck-Straße 27
D – 88662 Überlingen

Kurpark-Klinik
Gällerstraße 10
D – 88662 Überlingen

Malteser-Klinik Dr. v. Weckbecker
Rupprechtstraße 20
D – 97769 Bad Brückenau

In Österreich und der Schweiz gibt es offenbar derartige Fastenkliniken nicht – dafür jedoch andere Adressen:

EurothermenResort Bad Hall GmbH & Co KG
Kurpromenade 1
A – 4540 Bad Hall

Kurhaus Schärding
Kurhausstraße 6
A – 4780 Schärding

Kloster Pernegg
A – 3753 Pernegg 1

Gesundheitszentrum Rickatschwende
Rickatschwende 1
A – 6850 Dornbirn

Kurhaus St. Otmar
Rigiblickstrasse 98
CH – 6353 Weggis

Kloster St. Johann Müstair
CH – 7537 Müstair

Lesetipps:

.) Das Kirchenjahr mitfeiern; Adolf Adam; Herder Verlag 1979
.) Lexikon für Theologie und Kirche (LThK); Walter Kasper (Hrsg.); Herder Verlag 1994
.) Religiöses Fasten. Gesundheit für Leib und Seele; Bernardo Fritzsche; Patmos-Verlag 2008
.) Das grosse Buch vom Fasten; Dr. Rüdiger Dahlke; Goldmann 2009
.) Wie neugeboren durch Fasten; Hellmut Lützner; Gräfe und Unzer 2008
.) Ernährungsmedizin; Biesalski, Bischoff, Puchstein; Thieme Verlag 2010
.) Naturheilkunde bei funktionellen Erkrankungen; Oliver Ploss; Thieme Verlag 2012
.) Basenfasten – Das große Kochbuch; Sabine Wacker; Trias 2014

Links:

www.fastenzeit.com
heilfastenkur.de
www.richtig-heilfasten.de
www.gesundheit.de
www.zentrum-der-gesundheit.de
www.buchinger.de
www.mayr-kuren.de
www.schrothkur.de
www.hildegardvonbingen.at
www.basenfasten.de
www.glaube.at
www.oki-regensburg.de

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Knusper knusper Knäuschen

Als die Frau im Strassen-Café ihrem Mann gegenüber meinte, dass er nur ein Bier trinken dürfe, dabei allerdings drei Stück Zucker in ihren Kaffee gab, konnte ich mir ein gesichtsfüllendes Grinsen nicht verkneifen. Klar – Alkohol ist ein Problem in unserer Gesellschaft, doch während dessen Konsum immer mehr zurück geht, nahm der Zuckerkonsum etwa in Österreich alleine zwischen 1998 und 2008 um nicht weniger als 400 g pro Kopf zu. Diabetes, Fettleibigkeit, Bluthochdruck etc. sind die Folgen. Über das Thema Zucker habe ich mich jedoch an dieser Stelle schon mal ausgelassen. Das Thema heute – man sollte es nicht glauben – ist heiss umstritten und nicht zuletzt deshalb für die Betroffenen extrem schwierig umzusetzen: Die gesunde Ernährung!

https://www.youtube.com/watch?v=LSjPft2iKN0

Entschlackungstees, Entsäuerungskuren, Blutreinigungsmittelchen, … – das Geschäft mit der Gesundheit ist milliardenschwer und deshalb schwer umkämpft. Da kommt es schon mal vor, dass die Angaben auf der Verpackung nicht wirklich der Realität entsprechen (Früchtetee ohne Früchte, Zuckerdröhnung in Fitnessprodukten,…) oder so abgehalten sind, dass Otto Normalvervraucher sie nur mit einer akademischen Ausbildung lesen kann. Schaut man sich hingegen das Getue so mancher um ihre Ernährung an, so muss man sich ernsthaft die Frage stellen: Haben unsere Vorfahren so viel falsch gemacht am Mittagstisch oder essen wir heutzutage nurmehr das, was krank macht! Mit zunehmendem Grad der Zivilisation und des Wohlstandes ändern sich selbstverständlich auch die Essgewohnheiten. Gab es in früheren Zeiten gerade mal am Sonntag Fleisch, so stehen tierische Fette heutzutage täglich auf dem Speiseplan. Auch wenn sich der Eine oder Andere vegetarisch oder gar vegan ernähren möchte. Schliesslich ist nicht alles vegan, wo auch tatsächlich vegan draufsteht. Und vegetarisch schon gar nicht. Das Fett ist Geschmacksträger. Somit schmecken die fettlosen Produkte entweder nach gar nichts oder müssen aufwendig auf andere Wege geschmackvoll zubereitet werden. Wer seinen Kindern Smoothies in die Schultasche gibt, in der Annahme, hier ein kleines Kraftpaket beigesteuert zu haben, sollte sich nicht wundern, wenn die Kleinen Karies und Diabetes bekommen. So greifen die Fruchtsäuren den Zahnschmelz an und der Fruchtzucker geht als Einfachzucker sofort in’s Blut über. Bewegen sich die Kinder, so stellt die Fruktose alsdann kein Problem dar, wird doch der Blutzucker zur Energiegewinnung in den Mitochondrien der Zellen “verbrannt”. Besteht aber die Bewegung einzig im Tippen auf der Tastatur, dem Bewegen des Joysticks oder den Fingerprints auf dem Smartphone, so wird der Blutzucker nicht benötigt. Er bleibt im Blut oder wird als Körperfett in Depots angelegt. Gut gemeint kann somit komplett falsch sein.
Apropos Kind: Studien haben ergeben, dass die ersten 1.000 Tage (vom Beginn der Schwangerschaft bis zum 2. Geburtstag) entscheidend für die weitere Entwicklung der/des Kleinen sind. Immerhin bildet sich in dieser Zeit nicht weniger als 80 % des Gehirns aus! Zucker lässt ungezuckerte Speisen nicht mehr schmecken – er macht süchtig! Deshalb spielt die richtige Ernährung der werdenden Mutter aber auch des Kleinkindes eine immens wichtige Rolle. Früchtetees mit einem hohen Zuckergehalt etwa sind ein absolutes “No Go”! Wird Kuhmilch nicht vertragen, kann sie durch Ziegen- oder Mandelmilch ersetzt werden!
Folgend gibt’s nun einige Tipps, die ganz einfach umgesetzt werden können, das Leben jedoch wesentlich gesünder machen. Und das mit den Ernährungsfehlern – hier bringen wir etwas Licht hinein.
Die zehn Grundregeln, die Sie beim Suchen im Internet immer wieder finden werden, lauten:

- Ausgewogene und somit vielseitige Wahl der Lebensmittel
Einseitige Ernährung führt zu Mangelerscheinungen und somit Mangelerkrankungen. Je bunter der Speiseplan ist, desto gesünder und zungen- und gaumenschmeichelnder ist er auch. Einseitige Diäten sind grundsätzlich zu vermeiden. Andererseits sollte der McD-Dauertest noch jedem in Erinnerung sein, bei dem sich ein Mann nur von McD-Fastfood ernährte.

- 1,5 bis 2 Liter Wasser oder Mineralwasser trinken
Viel Flüssigkeit ist notwendig, um das Blut dünn zu halten und gleichzeitig auch den Säure-Gehalt im Körper auszubalancieren. Gifte werden weggeschwemmt, die Nieren durchspült. Auch Kräuter- oder Früchtetees können hierfür empfohlen werden – sofern sie nicht gezuckert sind. Früchtsäfte sollten verdünnt werden. Pro Stunde ein Glas mit rund 0,2 Liter wäre perfekt.

- Alkohol, Kaffee und Schwarztee einschränken
Die negativen Auswirkungen von zu viel Koffein, Teein oder Alkohol sind hinlänglich bekannt. Alkohol-Missbrauch führt zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, der Fettleber und schliesslich zur Leberzirrhose. Der Wochenkonsum sollte bei Frauen mit max. 1,25 l Wein oder 2,5 l Bier oder 15×2 cl Spirituosen festgelegt sein, bei Männern mit 2 l Wein, 4 l Bier bzw. 25×2 cl Spirituosen. Wenn sie das Schlückchen zudem nur an zwei Tage die Woche geniessen, schmeckt es auch wesentlich besser.

- Täglich Obst und Gemüse
Nur frische Vitamine sind die besten Vitamine für den Körper. Die gibt es nunmal nur im frischen Obst und Gemüse. Doch das mit den 5x täglich zwischen den Mahlzeiten lehnen Darmexperten inzwischen ab, da dieses Organ nicht konstant in Betrieb sein sollte. Die richtige Menge pro Tag (jeweils oder):
Gemüse gegart 200-300 g
Rohkost 100-200 g
Salat 75-100 g
Hülsenfrüchte (Rohgewicht) 70-100 g
Obst 125-150 g
Gemüse- oder Obstsaft 200 ml
(Quelle: ÖGE)
Natürlich nur saisonabhängig vom Biobauern Ihres Vertrauens aus der Nachbarschaft! Sie können ja zum Frühstücksbrot schon eine Salatgurke hinzunehmen, zum Abendessen dann beispielsweise Tomaten oder Radieschen, Paprika oder ähnliches.

- Mehrmals täglich Kartoffel- oder Getreideprodukte
Perfekt für die gesunde Ernährung sind Vollkornprodukte. Es gibt sie inzwischen in allen möglichen Variatrionen: Vollkornreis, Vollkornnudeln, Vollkornbrot, Vollkorn-Haferflocken,… Ansonsten heisst Getreide nicht unbedingt Weizen. Versuchen Sie doch Dinkel, Hafer, Grünkern, Roggen, Hirse, Gerste, ….Kartoffeln beinhalten grosse Anteile von Stärke (Polysaccharide). Der Verdauungstrakt bekommt hier ganz schön was zu tun. Und zudem kann man sehr viel aus Getreide und Kartoffeln machen. Die Tagesration:
Getreideprodukte bis zu 250 g (aufgeteilt in mehrere Portionen) oder
Kartoffelprodukte bis zu 1 kg – ebenfalls in mehrere Portionen über den Tag verteilt

- Mehrmals täglich Milchprodukte
3x täglich Milchprodukte tun dem Körper gut. Pro Portion dürfen es schon mal sein:
Milch 200 ml,
Joghurt 180-250 g
Topfen 200 g
Hüttenkäse 200 g
Käse 50-60 g
Eine Faustregel besagt: Zwei Teile weiss und einen Teil gelb (Käse).

- Mehrmals die Woche Fisch
2 Portionen zu jeweils 150 g pro Woche – das ist das Mindestmass der Einwohner von Meeresanrainerstaaten. Die meisten von Ihnen sind auch bis in’s hohe Alter gesund. Dahinter stecken zuhauf die Omega3-Fettsäuren. Viele davon sind im Lachs, der Forelle und dem Saibling.

- Fleischkonsum einschränken

Dreimal die Woche Fleisch oder Wurst ist mehr als ausreichend. Mehr wie 200 g Fleisch oder 100 g Wurst sollten es pro Tag nicht sein – bevorzugt übrigens helles Fleisch wie Huhn oder Pute.

- Nur hochwertige Fette gezielt einsetzen

Fette sind in vielen Lebensmittel (v.a. Fertiggerichten), da sie – wie schon erwähnt – Geschmacksträger sind. Zumeist sind es aber minderwertige Öle oder Fette wie Pflanzenöl etwa. Wer etwas für gesunde Ernährung übrig hat, verwendet kaltgepresstes Oliven-, Raps- oder Traubenkernöl. Besonders gesund ist Walnussöl, da es dem Körper die dringend benötigten ungesättigten Fettsäuren liefert. Auch Hanföl erweist sich zusehends mehr als Jungbrunnen. 1 – 2 EL pro Tag tun besonders gut.

- Zucker und Salz – im wesentlichen reduzieren
Was für die Fette gilt, gilt auch für Zucker und Salz. Bereits mit der normalen Nahrungsaufnahme nimmt heutzutage der Mensch genügend Zucker und Salz auf. Süssspeisen oder Limonaden sollten als Belohnung die Ausnahme sein. Anstelle des Salzes können die unterschiedlichsten Kräuter verwendet werden, anstelle des Zuckers nix – nicht alles muss süss sein!

http://www.ardmediathek.de/tv/neuneinhalb-das-Nachrichtenmagazin-f%C3%BCr/Fast-Food-Test-Siham-isst-nur-Burger-/Das-Erste/Video?bcastId=431486&documentId=30725252

Stellen Sie ihren Speiseplan doch anhand der Ernährungspyramide zusammen. Ganz unten Getreide und Kartoffeln, ganz oben rotes Fleisch und Süssspeisen. Im Jahr 2011 brachte das US-Landwirtschafts-ministerium (USDA) zudem den “gesunden Teller” auf den Schirm: Die Hälfte des Tellers machen Obst und Gemüse aus, dann folgen Getreide- und hier am besten Vollkornprodukte usw.
Bei alledem sollte berücksichtigt werden, dass etwa die Tomaten aus dem heimischen Garten besser sind als die aus Spanien oder den Niederlanden importierten, geschmckslosen Wasser-Liebesäpfel, die vielleicht gar nie Erde gesehen haben. Obst aus fernen Ländern wird unreif gepflückt und reift auf dem Transport. Wichtige Inhaltsstoffe gehen dadurch verloren – der Faulprozess beginnt zudem wesentlich früher als bei Obst aus der Region.
Ein immer grösser werdendes Geschäft ist vegan bzw. allergen. Bedenkt man etwa, dass in Deutschland rund 80.000 Menschen an Zöliakie (Glutenallergie leiden) und zieht hier einen Vergleich zum glutenfreien Angebot im Supermarkt, so stimmt doch hier einiges nicht. Ähnlich die Ernährungsstile. Beabsichtigt jemand tatsächlich eine vegane Ernährung, so sollte dies nicht halbherzig angegangen werden. Auch bedarf es aufgrund der versteckten Inhaltsstoffe fachmännischer Hilfe, da beispielsweise niemand einen Wein mit einem Tier in Verbindung bringen würde. Tatsächlich spielt bei manchen Weinsorten die Gelatine eine nicht unwichtige Rolle! Hinzu kommen die Flexitaner (nur bewusster Fleischkonsum), die Paleos (Steinzeitkost), low und high carb uvam. Jedem das Seine, solange er nicht versucht, seine Überzeugung mit Druck auch auf andere übertragen zu müssen. Allerdings sollte klar sein, dass der Mensch eigentlich ein Allesfresser ist. Im Fleisch sind Bestandteile, die immens wichtig für den menschlichen Körper bzw. dessen Stoffwechsel sind: Mineralstoffe wie Zink, Magnesium, Eisen, Jod und Selen), Vitamine (A1, B1, B2, Folsäure, Niacin,…), Proteine (alle essentiellen Aminosäuren) und zudem verbessert es als “Resorptionsvermittler” auch die Aufnahme pflanzlicher Bestandteile, die ansonsten unverändert wieder ausgeschieden würden. Weiters sollten gerade Veganer auch darüber informiert sein, dass durch den Anbau riesiger Soja- und Bohnenplantagen (Tofu) vielen Tieren der natürliche Lebensraum genommen wird und viele Arten (auch Pflanzenarten) dadurch aussterben! Übrigens: Die Nahrungsmittelindustrie ist für 30 % der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich! Ein richtiges Ess- und damit Konsumverhalten könnte auch diese Zahl reduzieren, denn: Die geringste Umweltbelastung weisen ausgerechnet jene Nahrungsmittel auf, die am meisten gegessen werden sollten und die am gesündesten sind! So werden durch die Herstellung von 1 kg Rindfleisch rund 100mal mehr Treibhausgase freigesetzt als im Vergleich dazu durch die “Herstellung” von 1 kg Äpfel (Angaben: Barilla Center for Food & Nutrition)!
Andreas Pfeiffer ist Ernährungsexperte an der Charité in Berlin. Er zitiert gerne aus einer Studie an älteren Diabetikern. Im Rahmen dessen zeigten die pflanzliche Proteine im Vergleich zu den tierischen so gut wie keine Unterschiede im Körper. Beispiel gefällig? 100 g Butter haben 754 Kalorien, 100 g Margarine 722! Das Gesundheitsgefühl allerdings stieg durch das Weglassen der Snacks!

https://www.youtube.com/watch?v=LL5aiYnnOYI&feature=youtu.be

Ein paar Zahlen gefällig? In Deutschland ernährten sich anno 2015 rund 7,8 Mio Menschen vegetarisch, 900.000 gar vegan (Angaben: Dt. Vegetarierbund). Nicht weniger als 119 veganische Kochbücher erschienen in diesem nur einem Jahr – es ist also ein “Mords-Geschäft”!!! Ich bin übrigens nicht wirklich der Meinung, dass die Ernährung der Persönlichkeitsfindung dient, schliesslich ist sie einer der Grundlagen unseres Lebens und unabdingbar. Zudem – bin ich ein besserer Mensch, wenn beispielsweise Kaviar, Rinderfilet oder teures Gemüse oder Obst aus Übersee in meinem Einkaufswagen liegen??? Auch eine Scheibe trockenen Schwarzbrotes stillt den ersten Hunger! Mehr als bedenklich hingegen ist es, dass sich gerade mal 29,6 % der bundesdeutschen Kitas an die Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung halten. Auch in Österreich gibt es seit 2012 mit der “Leitlinie Schulbuffet” Mindeststandards für den Mittagstisch. Ein Jahr später allerdings hatten sich gerade mal 172 Schulbufftes daran beteiligt (in 8 von 10 Schulen gibt es ein Schulbuffet).
Durch die Einschränkung des Fleischkonsums etwa unternimmt jeder einen richtigen Schritt hin zur gesünderen Ernährung. Zudem sinkt dadurch der Bedarf an Fleisch, sodass vielen Tieren unermessliches Leid erspart bleibt. Der industriellen Fleischproduktion, bei der Tiere nurmehr als Produkte oder Dinge behandelt werden, wird der Absatz genommen. Der Markt ist immerhin 45 Milliarden schwer – im Vergleich dazu belief sich 2015 der Markt für Fleischersatz und pflanzliche Brotaufstriche auf ca. 311 Mio €! Nach Angaben der Vereinten Nationen sind bis zu 2 Milliarden Menschen von verstecktem Hunger bzw. Mangelernährung betroffen. Wir im “wohlhabenden” Westen könnten uns eigentlich eine gesunde und ausgewogene Ernährung im Hinblick auf Proteine, Kohlenhydrate und Fette leisten und auf die einfachste Art genügend Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente etc. aufnehmen. Weshalb tun wir’s aber nicht???

Lesetipps:

.) Ernährungswahn; Uwe Knop; Rowohlt Taschenbuch 2016
.) So isst der Mensch; Peter Menzel; Gruner + Jahr 2005
.) Die Ernährungs-Docs: Wie Sie mit der richtigen Ernährung Krankheiten vorbeugen und heilen; Dr. med. Matthias Riedl/Dr. med. Anne Fleck; ZS Verlag GmbH 2016
.) Kursbuch gesunde Ernährung: Die Küche als Apotheke der Natur; Ingeborg Münzing-Ruef; Heyne Verlag 2000
.) Sporternährung: Grundlagen | Ernährungsstrategien | Leistungsförderung; Peter Konopka; BLV Buchverlag 2015

Links:

www.gesundheitsforschung-bmbf.de
www.dge.de
www.ernaehrung.de
www.foodwatch.org
de.wfp.org
www.test.de
bmg.gv.at
www.gesundheit.gv.at
www.oege.at
gesund.co.at
www.unserschulbuffet.at
www.sge-ssn.ch
www.weact.ch
www.zentrum-der-gesundheit.de
eatsmarter.de
lebensmittelklarheit.de
www.vegan.eu
www.barillacfn.com

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Die Lösung gegen den Welthunger?


Dieser Blog soll nicht dazu animieren, illegalerweise halluzinogene Mittel zu konsumieren. Drogen sind schädlich und können töten!

Hanf! Aha – Sie also auch? Erwähnt man diese Pflanze, so denken die meisten wohl nur an eines:

Das Tütchen in Ehren, kann niemand verwehren!

Ich möchte in diesen heutigen Zeilen jedoch das Thema Cannabis und THC nur peripher behandeln, da Hanf eine Pflanze ist, die in mannigfacher Hinsicht sehr viele Probleme lösen könnte, da sie unheimlich breit gefächert eingesetzt werden kann. So findet neben den Fasern und Samen auch das Öl Verwendung.
Hanf (lat. Cannabis sativa) gehört zur Ordnung der Rosales, der Rosenartigen. Die Blätter selbst sind am Rande gesägt und wachsen handförmig. Der Hanf bestäubt sich sozusagen durch die Zuhilfenahme des Windes selbst – die männlichen Blüten sind lose in Rispen, die weiblichen in Traubenform angeordnet. Die Früchte der Pflanze heissen Achänen. Hanf war ursprünglich in Zentralasien beheimatet, heute findet er in gemässigten bis tropischen Zonen die besten Voraussetzungen. Der Amerikaner Karl W. Hillig unterscheidet weltweit zwischen 157 Populationen. Geschätzt wurde der Alleskönner schon in grauen Vorzeiten von unzähligen Volksstämmen. Viele hielten ihn aufgrund seiner halluzinogenen Wirkung auch als “heilige Planze”, tasächlich ist er eine der wohl ältesten Nutz- und Zierpflanzen. Archäologen entdeckten in Taiwan Tonscherben mit eingearbeiteten Hanfschnüren. Deren Alter wird auf 10.000 Jahre geschätzt. Auch in China wurden die Samen lange vor Christi Geburt verzehrt und die Fasern der Stengel verwendet. Zudem beschreibt ein uralter medizinischer Text (rund 250 vor Christus), dass Hanf als Heilmittel gegen die Malaria, Rheuma und “Unpässlichkeiten” eingesetzt werden kann. Michael Mittermeier würde also sagen: “Die Ur-Kiffer – das waren damals die Chinesen!”
Auch in Europa war Hanf schon sehr früh heiss begehrt – so trugen beispielsweise die Griechen Chitons aus Hanf. Daneben wurden über lange Zeit hinweg Nessel und Flachs verwendet. In der Schifffahrt vertrauten die Seeleute auf Segel aus Hanf, auch die Papiererzeugung kam nicht ohne aus. Gutenberg etwa druckte seine Bibel anno 1455 auf Hanfpapier; rund 300 Jahre später unterzeichnete George Washington die amerikanische Unabhängigkeitserklärung auf Papier aus Hanf – er selbst baute die Pflanze in grossem Stil an. In den USA galt es übrigens bis hinein in’s 18. Jahrhundert als strafbar, wenn sich ein Farmer weigerte, Hanf anzubauen; die Hanfbauern waren im Zweiten Weltkrireg gar vom Kriegsdienst befreit. Einige der wertvollsten Gemälde der Welt sind auf Hanfleinen verewigt (Rembrandt, van Gogh,…). Viele Langbogen hatten ausserdem im Mittelalter Sehnen aus Hanf. Die Samen wurden ebenfalls für viele Wehwechen eingesetzt – angefangen von Ohrenschmerzen über Wehenkrämpfe bis hin zu postnatalen Schmerzen. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges allerdings sank die Anbaurate in Deutschland in Richtung null, da Tabak wirtschaftlich lukrativer und alternativ zu Hanf Sisal in grossen Mengen importiert wurde. In den USA verfolgte vor allem der Leiter des Drogenbüros FBN, Harry Anslinger, in den 30er Jahren eine Politik der Tabuisierung und schliesslich Kriminalisierung. Damals erfand man auch die Bezeichnung “Marihuana”. Die Kampagne Anslingers war voll und ganz auf dem Verbot von Marihuana ausgelegt – viele Menschen, die sich dafür einsetzten, wussten gar nicht, dass sie sich dadurch auch all der Möglichkeiten dieser Wunderpflanze beraubten. Marihuana ist der mexikanische Ausdruck für Hanf. Hätten sie das gewusst, hätten sich viele höchstwahrscheinlich nicht für das Verbot ausgesprochen. 1961 schliesslich wurde Marihuana den Opiaten gleichgestellt und somit illegalisiert. In Deutschland untersagte 1982 das neue Betäubungsmittelgesetz den Hanfanbau gänzlichst. Mit Ausnahme eines kurzen Intermezzos im Zweiten Weltkrieg wurde die Pflanze erst Anfang der 90er Jahre in grossem Stile wiederentdeckt. Etwa durch die Bauindustrie, die Hersteller von Farben und Lacke, den Waschmittelproduzenten,… Der grosse Baumwoll-Boom scheint vorbei, die Hanffaser kommt auch in der Bekleidungsindustrie wieder zurück. Saugt sich alsdann Baumwolle mit Wasser voll und wird dadurch wesentlich schwerer, so ist dies bei Hanf nur sehr eingeschränkt der Fall. Die Fasern halten länger und können mehrfach recycelt werden. Das macht sie auch für die Wirtschaft dermassen interessant: Lange Haltbarkeit, niedrige Energiebilanz und grosse Umweltverträglichkeit.
Inzwischen sind wieder mehrere Nutz-Hanfsorten durch die EU zum Anbau freigegeben. Nutzhanf darf dabei nur weniger als 1 % THC-Gehalt aufweisen, für den Anbau grundsätzlich freigegeben sind jene Sorten, die weniger als 0,2 % beinhalten. Für den Bauern ergeben sich mehrere grosse Vorteile: Die krautartige Pflanze beschattet innerhalb nur weniger Tage den Boden, sodass dem Unkraut das lebensnotwendige Licht fehlt. Zudem ist er pflegeleicht und schädlingsresistent. Die Wurzeln dringen bis zu 1,4 Meter in den Boden ein. Dadurch kommt der Pflanze eine ganz entscheidende Bedeutung bei der Wiederbegrünung von Steppenlandschaften zu. Ausserdem produziert sie mehr Biomasse als jede andere heimische Nutzpflanze.
Ernährungsexperten befürworten sogar die Verwendung von Hanf in der Küche. So besitzt dieser eine weitaus grössere Nährstoffdichte als so manch anderes Naturprodukt. Hanf zählt ernährungstechnisch zu den sog. “Superfoods”. Die Hanfsamen (“Hanfnüsschen”) bespielsweise sind reich an Vitamin B (v.a. B2 – Riboflavin) und Antioxidantien. Vitamin B2 ist in vielerlei Hinsicht enorm wichtig: Muskelaufbau, Stresshormone, Sehschärfe und Haut. Hanf beinhaltet mehr B2 als so manches tierisches Produkt. Zudem besteht die Hanfnuss zu 20 bis 24 % aus Proteinen – darunter auch die wichtigsten essentielle Aminosäuren, die der Mensch für den Aufbau des körpereigenen Eiweisses benötigt: Etwa Edestin und Albumin (ähneln den menschlichen Proteinen – somit leicht verdaulich), Cystein und Methionin (Zellentgiftung, Produktion vitaler Enzyme) und anderen, die v.a. beim Muskelaufbau und im Rahmen des Immunsystems entscheidend sind. 2-3 Esslöffel decken den Tagesbedarf – Sportler sollten dies vor dem Training zu sich nehmen. Ganz zu schweigen von den wichtigen Omega3-Fettsäuren. Das Verhältnis zwischen Omega6- zu Omega3-Fettsäuren beläuft sich auf 3,75:1, somit eine perfekt entzündungshemmende Abstimmung. Doch ist das noch lange nicht alles! Ein Grossteil der Bevölkerung leidet an der Unterversorgung mit Gamma-Linolensäure GLA. Diese immens wichtige Fettsäure sorgt für die richtige Balance des Hormonhaushaltes, die Aktivierung des Stoffwechsels und v.a. der Heilung entzündlicher Prozesse im Körper. Fehlt die GLA, so kann es zu Neurodermitis, diabetischer Neuropathie und rheumatoider Arthritis kommen. Im Stoffwechsel unterstützt GLA die sog. “Natrium-Kalium-Pumpe”, welche die Zellen mit Nährstoffen ver- und die giftigen Abfallprodukte entsorgt. Dadurch wird auch das schädliche eingelagerte Fett besser abgebaut, da es in die Energiegewinnung involviert wird. Hanf beinhaltet recht grosse Mengen dieser GLA, die aber auch in schwarzen Johannisbeeren, im Borretsch und beispielsweise im Granatapfel zu finden ist. Übrigens genügen bereits 20 g Hanföl täglich, damit der komplette Tagesbedarf an essentiellen Fettsäuren gedeckt ist. Allerdings darf dieses Öl nicht zum Braten oder Frittieren verwendet werden, sondern sollte vornehmlich in Salatdressings zur Anwendung gelangen.
Auch Treibstoffe und Kunststoffe liessen sich mit Hanf herstellen, was jedoch zwei starken Lobbys so gar nicht in den Kram passt: Der Erdöl- und der Palmöl-Industrie!
Der schlechte Ruf stammt von den Cannabinoiden, die vornehmlich in Form von Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) halluzinogen wirken. Das nutzt die Medizin und Pharmakologie etwa in der Schmerztherapie, bei multipler Sklerose, manchen Krebserkrankungen und einigen psychiatrischen Störungen. Diese Medikamente sind jedoch in Deutschland und Österreich verschreibungspflichtig. Der Wirkstoff wird vornehmlich aus den beiden Arten Cannabis sativa sowie Cannabis indica gewonnen. Und hier kommt es in Österreich zu einem Schildbürgerstreich: Hanf wird gerne zu Dekorationszwecken verwendet. So können Hanfpflanzen und Stecklinge beispielsweise im Hanf & Hanf Growshop in Wien ganz legal erworben werden. Ergo ist für Otto Normalbürger der Besitz einer Hanfpflanze in der Wohnung oder auf dem Balkon nicht strafbar – dessen Verwertung hingegen sehr wohl. Dabei werden die Blütentrauben und blütennahen Blätter der weiblichen Pflanze zerkleinert und getrocknet. Als “Gras” oder “Marihuana” findet es dann seinen Einsatz in so mancher selbstgedrehten Zigarette. Das Harz, das bei diesem Vorgang extrahiert wird, bildet das Haschisch oder Haschischöl. Cannabis ist in Deutschland und Österreich verboten, auch wenn ständig Bestrebungen unternommen werden, es zu legalisieren um dessen Verwendung dadurch zu entkriminalisieren. In immer mehr Staaten der USA wird der Konsum inzwischen freigegeben. Die Cannabinoide beeinflussen vornehmlich das Zentralnervensystem des Menschen, wodurch ihnen eine sedierende, also betäubende Wirkung zukommt. Dass Cannabis immer wieder als Einstiegsdroge gilt, verneinen inzwischen viele Experten.
Weltweit gibt es vier Hanfmuseen, in welchen alles Wissenswerte über diese Nutzpflanze in Erfahrung gebracht werden kann: Amsterdam, Barcelona, Bologna und Berlin. In Wien hingegen findet vom 7. bis 9. Oktober wieder die Cultiva, die Hanfmesse statt.
Wer den Hanfanbau unterstützen will, hat im Rahmen eines Crowdfunding-Projektes die Möglichkeit hierzu. Gesucht werden Investoren für die Anschaffung einer Erntemaschine:

www.startnext.com/hanfernte

Sie sehen also: Hanf bedeutet nicht automatisch auch kiffen! Der grossflächige Anbau von Nutzhanf könnte viele Sorgen der Menschheit lösen!!!

Zuletzt noch eine kurze Anekdote: Der bayrische Reggae-Export Hans Söllner gestand einst in einem Radio-Interview, dass er auf Tournee zum Abschalten ab und an ein Tütchen rauche. Kurze Zeit später stand die Polizei für eine Hausdurchsuchung bei ihm auf der Matte! Um einer derartigen Überlegung zuvor zu kommen: Ja – ich bin für die Legalisierung, da dadurch eine Entkriminalisierung erzielt werden könnte. Ob es nun schädlich ist oder nicht sollte dem mündigen Bürger überlassen werden – schliesslich ist er ja auch mündig genug, als er seine Volksvertreter selbst wählen kann. Ich für mich jedoch lehne halluzinogene Drogen grundsätzlich ab!

Lesetipps:

.) Das große Cannabis-Lexikon – Alles über die Nutzpflanze Hanf; Bernhard van Treeck; Lexikon-Imprint-Verlag, Berlin 2000
.) Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf; Jack Herer, Mathias Bröckers; Heyne Verlag, 1996
.) Der Cannabis-Anbau: Alles über Botanik, Anbau, Vermehrung, Weiterverarbeitung und medizinische Anwendung sowie THC-Messverfahren; Lark-Lajon Lizermann; Nachtschatten Verlag, 2004
.) Backen mit Hanf; Kathrin Gebhardt; AT-Verlag, 1997

Links:

www.unodc.org/
www.cannabis-med.org/
www.zentrum-der-gesundheit.de
www.hanfmuseum.de
hanfverband.de/
www.hanfernte.de
www.hanff.lu
www.hanf-magazin.com/

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Zwischen Leber und Milz passt immer noch ein Pils!

Heute möchte ich mit Ihnen eine Reise in die Etymologie bzw. Semantik machen. Zumindest zu einem kleinen Teil anhand eines praktischen Beispiels, denn jetzt hat Schildburga wieder mal aber sowas von zugeschlagen!
Das Wort “bekömmlich” hat seinen Ursprung im Mittelhochdeutschen “bekom(en)lich” und bedeutet so viel wie “passend” oder “bequem”. Im heutigen Sprachgebrauch wird das Adjektiv weniger verwendet; wenn doch, dann als Synonym für “verträglich” oder auch “verdaulich”. “Leicht bekömmlich” wäre also sinnhaft wiederzugeben mit “leicht verdaulich”!
Mit dieser allgemeinen Vorkenntnis nun stürzen wir uns doch rasch auf den Kern meiner heutigen Tintenkleckserei:
Die Brauerei Härle aus Leutkirch/Baden-Württemberg hat eines ihrer Sudhaus-Produkte als “bekömmlich” bezeichnet. Durchaus nachvollziehbar – vor dem erwähnten Hintergrund! Ganz und gar nicht bekommen hat dieses Branding aber dem Verband Sozialer Wettbewerb (VSW) in Berlin: Hier führte dies zu Sodbrennen! Deshalb bemühte man sich mittels einstweiliger Verfügung zur Unterlassung dieser Bezeichnung. Am 18. August nun urteilte das Landgericht Ravensburg. Der Richterspruch gab dem VSW recht. Seine richterliche Gnaden bezog sich nämlich auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH, 06.09.2012 – C-544/10) sowie des Bundesverwaltungsgerichtes (BVerwG 3 C 23.12 [ ECLI:DE:BVerwG:2013:140213U3C23.12.0 ] vom 14.02.2013), basierend auf der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006, wonach “bekömmlich” eine “gesundheitsbezogene Angabe ist, die auf den geringen Säuregehalt und die leichtere Verdauung hinweise, aber die Gefahren beim Trinken von Alkohol verschweigt!” Padautz! Damals ging es übrigens um Winzer, die ihren Wein als “bekömmlich”, von “sanfter Säure” bzw. “Edition mild” bezeichnen wollten. Dies beruhte auf einem speziellen Verfahren zur Reduzierung der Säure. All jene Getränke, die einen Alkoholgehalt von mehr als 1,2 % aufweisen, dürfen somit nicht eine Besserung oder Erhaltung eines guten Gesundheitszustandes vermitteln oder einreden (wie es mit der Beibehaltung eines schlechten Zustandes ist – geht dabei nicht hervor). Alter Schwede – hier wiehert doch wohl der Amtsschimmel, da einerseits die deutsche Sprache ja offenbar gar keine EU-Amtssprache ist (ansonsten bekämen die EP-Abgeordneten deutschsprachige Gesetzestexte und Richtlinien und müssten sie nicht jeder für sich kostenaufwendig übersetzen lassen) und andererseits nahezu jedes flüssige Medikament, das richtig eingesetzt zu einer Besserung des Gesundheitszustandes führt, wesentlich mehr Alkoholgehalt als die im Bier üblichen 4,5 bis 6 vol% aufweist. Der EuGH befindet sich zudem in Luxemburg. In Luxemburg ist “Lëtzebuergesch” zwar die Nationalsprache, französisch jedoch die Amtssprache. “Bekömmlich” wird im Französischen mit “sain” übersetzt, “gesund” hingegen mit “sain” – liegt hier vielleicht der Hund im Pfeffer begraben (parpluis – falsch – welcher Hund lässt sich denn im Pfeffer begraben?)???
Und überhaupt – wo steht irgendetwas von gesund? Ist die Bezeichnung “bekömmlich” nicht als ein neutrales Adjektiv anzusehen – nicht schwer, nicht leicht – es schadet eben nicht! Auch der international anerkannte Suchtforscher Primar Dr. Reinhard Haller betonte mir gegenüber einst in einem Gespräch, dass das Geheimnis in der Menge liegt. Ab und an ein Gläschen Rotwein hat auch seine gesundheitlichen Vorzüge. Mehrere pro Tag hingegen natürlich weitaus mehr negative! Auch Bier ist durchaus als “gesundes” Getränk anzusehen. Schliesslich enthält es viele Bestandteile, die der Körper unbedingt benötigt:

Phosphor 120-320 mg / l
Chlorid 174 mg / l
Kalium 420–570 mg / l
Calcium 40-100 mg / l
Natrium 33 mg / l
Magnesium 80-100 mg / l
Sulfat 100-200 mg / l
Silicium 10-40 mg / l
Kupfer 0,10 mg / l
Mangan 0,16 mg / l
Zink 0,06 mg / l
Eisen 0,12 mg / l
Thiamin (B1) 30 – 40 µg / l
Riboflavin (B2) 300 – 400 µg / l
Phantothensäure (B3) 900-1500 µg / l
Pyridoxin (B6) 400-900 µg / l
Biotin (H) 5-6 µg / l
Folsäure 40-80 µg / l
Niacin 6000-9000 µg / l
Wasser 840–900 g / 1000g
Kohlenhydrate 30,0 – 40,0 g / l
Rohprotein 5,0 g / l

Allerdings auch negative:

Alkohol 35-43 g
Kohlensäure 4-5 g

440 Kalorien

Alkohol ist ein Zellgift. So wirkt sich regelmässiger, täglicher Alkoholkonsum negativ auf das Risiko an Krebs zu erkranken, aber auch auf Gedächtnisleistungen aus. Bei dessen Abbau werden ausserdem sehr viele Vitamine und Mineralstoffe aufgebraucht. Zudem verhält sich die Hefepilz-Gärung nicht unbedingt förderlich auf die Harnsäure-Produktion im Körper! 1 l Export oder Weizen führt zu 120 ml Harnsäure! Eine ganze Menge bei einer empfohlenen Tagesproduktion von 400 ml durch die Ernährung! Andererseits sorgt die Hefe wiederum für schöne Haut, Haare und Nägel!
Sportler etwa greifen nach dem Wettkampf gerne mal zum Bier (natürlich alkoholfrei!), da es ein ausgezeichnetes isotonisches Getränk ist, obwohl die deutsche Gesellschaft für Ernährung davon während der Trainings- und Wettkampfzeit abrät. Auch so mancher Klosterbruder nahm seinen eigenen Bierkrug zur Hand, wenn er keine feste Nahrung zu sich nehmen durfte. Die Braukunst war schon in Altmesopotamien, im alten Ägypten bzw. im Germanischen bekannt. Im Mittelalter beispielsweise wuchsen viele Kinder mit Hopfen und Malz auf – allerdings mit weitaus weniger Alkoholgehalt. Durch das Kochen der Bierwürze wurden nämlich die Keime abgetötet. Zudem war das Getränk in der armen Bevölkerung aufgrund seines Kaloriengehaltes beliebt, da die untersten sozialen Schichten meist nur wenig zu essen hatten. Somit hätten also Millionen Mütter ihren Kindern etwas ungesundes zu trinken gegeben, um wieder zum Wort “bekömmlich” im falschen Wortverständnis zurück zu kommen. Dabei will doch jede Mutter für ihren Nachwuchs nur das beste.
Entsprechende Studien sind immer mit Vorsicht zu geniessen, schliesslich gehen diese von einem “mässigen” Konsum aus. Die empfohlene Alkohol-Obergrenze für einen erwachsenen Mann liegt bei 25 ml pro Tag – bei Frauen 20 % darunter. Das Universitätsklinikum Ulm entdeckte im Rahmen einer Studie, dass alkoholfreies Bier ebenso wie Rotwein positiv gegen Arteriosklerose wirkt, da der LDL-Cholesterin-Gehalt im Blut abnimmt, jener der schützenden HDL-Cholesterin-Anteile hingegen zu.
Mit diesem Richterspruch muss ja dann auch der alte vornehmlich in Bayern verwendete Spruch der Kellnerin “Wohl bekomm’s!” verboten werden! Googelt man sich etwas durch das Internet, sticht einem sofort die Vielfalt des Wortes “bekömmlich” in’s Auge. Kein Wunder, lebt doch die Werbung davon, den Käufern den Appetit anzuregen. Die Sprachwissenschaftlerin Bechstein spricht in diesem Zusammenhang schon im Jahre 1987 von einer Sondersprache mit “artifiziellem und appellativen Charakter”! Häufig werden Worte verwendet, die in der Alltagssprache eher selten über die Lippen streichen: Luftigleicht, flaumig, samtig oder eben auch bekömmlich! Durch diese spezielle Sprachgebung soll eine spezielle Zielgruppe angesprochen werden. Die Werbesprache kann somit immer als eine “inszenierte Sprache” (Janich 2001) vestanden werden: Sie muss dem Zeitgeist entsprechen, darf nicht langweilig sein, … “So wertvoll, wie ein kleines Steak!” So manch einer schiesst dabei über’s Ziel hinaus: Er gaukelt eine gesundheitsfördernde Wirkung vor, was in vielen Fällen jedoch nicht der Wahrheit entspricht. Der Gutgläubige isst über Jahre hinweg ein spezielles Joghurt mit besonderen Bakterien-Kulturen, da es in der Werbung als gesund für die Verdauung angepriesen wird, dabei wirkt sich jedes Naturjoghurt positiv auf die Verdauung aus (dieses Thema war schon mal Inhalt an dieser Stelle). Gesundheit vorzugaukeln, ohne ernährungsspezifischen Hintergrund ist Vorspiegelung falscher Tatsachen und somit strafbar. Deshalb schuf der Gesetzgeber Vorkehrungen hiergegen.
Dass aber nun ein Wort anders als in seinem Wortursprung verwendet und deshalb für gewisse Formulierungen verboten wird, lässt doch wohl die Hühner lachen (oh – erneut missbräuchliche Verwendung – können denn Hühner überhaupt lachen???). Und zum Thema “leicht verdaulich”: Für meinereins ist aufgewärmtes Sauerkraut sehr leicht verdaulich, obwohl ich es geschmacklich liebe! Es wandert nämlich am oberen Ende des Körpers in denselben und kommt innerhalb kürzester Zeit wieder so ziemlich zu Beginn des unteren Drittels desselben wieder heraus! Bekömmlich? Ich denke ja, da es sich weder negativ noch positiv ausgewirkt hat! Gesund? Mitnichten! Hatte ja keine gesundheitlichen Auswirkungen – ausser ich hatte zuvor Verstopfung! Spätestens jetzt schreien die ersten unter Ihnen auf: Sauerkraut ist doch gesund! Keine Frage: Sofern es im Körper bleibt, verdaut wird und die Mineralien, Vitamine,… dem Körper zugeführt werden.
Wie schwachsinnig diese Urteilssprechung ist, möchte ich an einem weiteren Beispiel aufzeigen: Ein Doppelkorn mit 38 Volumsprozent wird vom Amtsgericht Tiergarten/Berlin als “bekömmlich” bezeichnet: “…Das Attribut ‘bekömmlich’ werde in der Regel so verstanden, dass dem Doppelkorn zwar eine dem Magen wohltuende Wirkung zugeschrieben werde. Jedoch denke kein Verbraucher beim Lesen dieser Angabe, der Genuss dieser Spirituose entfalte eine gesundheitlich vorteilhafte Wirkung.” Ah ja – vergleichen wir nun diese Urteilsbegründung mit jener des EuGH bzw. BVerWG, so entsteht zumindest bei mir ein Denkvakuum! Hat schon mal ein Gast im Biergarten zur Maß gegriffen, weil er dadurch gesund werden möchte? Somit müsste ja eigentlich auch der Claim “… verleiht Flügel!” eines Energy-Getränke-Herstellers aus Österreich angefochten werden. Schliesslich könnte damit ebenfalls ein Gesundheitszustand gemeint sein: “Putzmunter wie ein Vogerl!” oder vielleicht das Gegenteil – “Nicht mehr munter – eher so, wie ein Engerl!”??? Und ausserdem: Welcher Mensch bekommt Flügel durch das Trinken eines Getränks! Einige SEHEN beim übermässigen Genuss die Engerl! Somit eindeutig verzerrend!
Allerdings empfinde ich es als sprachlich sehr bedenklich, da uns durch derartige Urteile eine Einheitssprache aufgezwungen wird. Wie vorhin betont, gehört “bekömmlich” nicht wirklich zum Wortschatz einer Person, die Tagesdeutsch spricht. Es zählt zum erweiterten Wortschatz, auf welchen jene stolz sein können, die ihn verwenden, denn da macht das Zuhören noch Spass. Ja – man könnte gar noch einen Schritt weitergehen: Darf ich gewisse Worte nicht mehr verwenden ist das ganz eindeutig Einschränkung der persönlichen Meinungsfreiheit! Ist beispielsweise der Alkoholiker der Meinung, dass die Pulle Selbstgebrannter für ihn bekömmlich im Sinne von gesund ist, ist das ja wohl sein Bier (verdammt – schon wieder in der Wortwahl vergriffen!). Oder?
Ich für meinen Anteil verwende auch weiterhin das Wort “bekömmlich” (jetzt mal komplett vom Bier abgesehen) für all jenes, das gut schmeckt, die Verdauung nicht belastet und alsdann dem Körper nicht schadet. Drei Feststellungen, die für mich – wie im Richterspruch des Oberverwaltungsgerichtes begründet – “über das allgemeine Wohlbefinden” hinausgehen, jedoch nicht unmittelbar mit der “Erhaltung eines guten Gesundheitszustandes” zu tun haben. Vollkommen gleichgültig, welche Semantik ihre richterlichen Würden verwenden, da deren Urteilssprüche sehr häufig ohnedies nicht sinnergreifend zu verstehen sind!

PS:
Wenn ich bekömmliches Bier nun nicht mehr kaufen kann, da es nicht angeboten werden darf, fragt sich, wie lange ich dann überhaupt noch ungesundes Bier (da mehr als 1,2 vol%) bekommen kann? Und überhaupt – komme ich mit einem Sonnenbrand aus dem Urlaub zurück – sind mir dann die schönsten Tage des Jahres “gut bekommen”? Hat mir das Mittagessen “bekommen”, obwohl ich beim Fastfood-Amerikaner war? Wohl bekomm’s!

Links:

http://www.infofarm.de

http://www.bverwg.de

http://europa.eu/index_de.htm

http://www.brauer-bund.de

http://www.bier.ch

http://www.brewersofeurope.org

Lesetipps:

.) Werbesprache: Ein Arbeitsbuch; Nina Janich; Gunter Narr Verlag; Auflage: 5; 2010
.) Werbliche Kommunikation: Grundinformationen zur semiotischen Analyse von Werbekommunikaten (Bochumer padagogische und psychologische Studien); Gabriele Bechstein; N. Brockmeyer, 1987
.) Internationale Bibliographie zur Geschichte des Bieres, der Brauereien und des Brauwesens; Klaus-Peter Gilbertz; Bergkirchen 2006 (2. Aufl.)

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Essen, wie Gott in Frankreich!!!

Mei lieber Schorle – das waren noch Zeiten, als dieser Satz seine Gültigkeit hatte. Wann das war? Oh – tut mir leid: Ich weiss es nicht mehr! Muss irgendwann in grauen Vorzeiten gewesen sein, denn Gott würde wohl die heutigen Speisen nicht anrühren, da er weiss, was hier alles drinnen versteckt ist. Das übrigens hat er mit vielen anderen Erdenbürger gemein, die sich wirklich mal dafür interessiert haben, was da so auf den Tellern landet. Manch einer wird Veganer, andere zu Rohköstlern. Doch sollte sich der Betroffene in diesem, seinem neuen Umfeld sehr genau auskennen, schliesslich wird vieles aus Soja und Tofu hergestellt, das ja auch nicht wirklich unbedingt umweltfördernd erzeugt wird. Und bei der Rohkost heisst es: Finger weg von der Kartoffel! Im Urlaub in südlicheren Gefilden droht gar Hepatitis A-Ansteckungsgefahr. Trotzdem empfinde auch ich es als unfassbare Frechheit, was mit unserer Nahrung angestellt wird, bevor sie den geplanten Weg in die Verdauungsorgane des Menschen findet.
So hat beispielsweise die weltweit führende Fastfood-Kette nun gentechnisch verändertes Futter bei den “Herstellern” der Hühner genehmigt. Alles andere käme zu teuer. Dabei hat die Umweltorganisation Greenpeace ausgerechnet, dass gentechnisch freies Hühnerfutter zu einem Preisanstieg von nur einem Cent – in Zahlen: 1 Cent (!) – pro Portion Chicken McNuggets bzw. Chicken-Burger führen würde. Somit werden wir also unsere Kinder zwar indirekt aber dennoch mit Gentechnik vollstopfen! Ein Grund mehr – zumindest meines Erachtens – dort nicht mehr den Hunger zu stillen und den Burger und die Pommes selbst zu machen! Schmeckt ohnedies wesentlich besser!!!
Über hormonähnliche Nahrungsmittel-Zusatzstoffe habe ich mich in einem anderen Blog ja schon ausführlich ausgelassen. Deshalb möchte ich mich heute dem Wellness- und Gesundheitswahnsinn widmen. Bislang bei Lebensmitteln gang und gäbe, dass – sobald ein gesundheitsfördernder Grundstoff eingesetzt wird – das ganze Produkt als gesund eingestuft werden kann. Ich hatte einst eine Arbeitskollegin, die jeden Tag ein spezielles Trink-Joghurt mit noch spezielleren Inhaltsstoffen geschlürft hat, in der Meinung, dass es wirklich gut für ihr Immunsystem sei (“…activiert die Abwehrkräfte!”). Das möchte ich auch gar nicht abstreiten – allerdings haben zugrunde liegende Studien ergeben, dass nahezu jedes Natur-Joghurt gute Eigenschaften für den Menschen hat (um es vorsichtig auszudrücken, da der Konzern schon eine einstweilige Verfügung gegen die Agrarmarkt Austria AMA erwirkt hatte, da sie sich genauer hierzu äusserte). Somit hätte die Dame durchaus auf heimisches Joghurt zurückgreifen können, bei welchem sie bei gleicher Leistung für weniger Geld wesentlich mehr bekommen hätte. Ausserdem hätte sie zudem die Wertschöpfung dort belassen, wo sie hingehört, um damit heimische Arbeitsplätze zu sichern, da das von ihr geschlemmte Trink-Joghurt angeblich im EU-Asuland produziert wird. Es konnte in keiner wissenschaftlichen Studie ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Stärkung des Immunsystems und dem ganz speziellen “L. casei defensis”-Joghurtkeim (DN-114001) nachgewiesen werden. Auffallend bei diesem Produkt war hingegen der hohe Zuckergehalt von 12,5 %; Naturjoghurt besitzt nur etwa die Hälfte, Fruchtjoghurt etwas mehr, da dieses grundsätzlich zusätzlich gezuckert wird. Der Konzern hatte alsdann 2010 seine Anträge auf Zertifizierung bei der Europäischen Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zurückgezogen. Im Jahr zuvor erhielt das Unternehmen übrigens den Goldenen Windbeutel 2009 – ein Preis für die dreiseste Werbelüge des Jahres, die Werbeclips wurden im britischen TV durch die Werbeaufsicht ASA gar verboten. Und: Das “Gut” in der Zeitschrift Öko-Test erhielt das Wunderjoghurt dafür, dass offenbar nur wenige Schadstoffe aus der Verpackung in das Produkt gelangt sind und evtuelle Auswirkungen auf den Geschmack so gut wie nicht gegeben waren. Gesundheitliche Aspekte wurden in diesem Rahmen jedoch nicht überprüft!
Dasselbe gilt nebenbei erwähnt auch für das vom selben französischen Unternehmen hergestellt Löffel-Produkt mit gesundheitsfördernder “Probiotik”, besonders gut für die Verdauung. Dahinter sollten die Bakterien vom Stamm des “Bifidobacterium animalis” (DN 173 010) stecken. Auch hier gilt, dass ein Naturjoghurt ebenfalls ausgezeichnete Effekte v.a. für den Darm erzielen kann.
Lange Zeit prägten auch die dubiosesten Nahrungsmittel die Werbung – das Wunderwort war “Frühstückscerealien”! Hier wurde behauptet, dass die Produkte alles beinhalten, was der Mensch zum Tagesbeginn benötigt. Allerdings sollte nicht unerwähnt bleiben, dass in den meisten Fällen die Milch, die dazugeschüttet werden muss, das einzig gesunde ist. Viele dieser Produkter bauen auf Mais auf, der zwar für ein momentanes Völlegefühl sorgt, dann jedoch zu starkem Hunger führt. Die angeführten Nährwerte entstammen zumeist dem beigefügten Zucker: Bei 143 überprüften Produkten lag dieser bei 30 % und mehr! Somit also nichts anderes als “Mehlpampe und Zucker” (Oliver Huizinga, Foodwatch). Und – wie die Wissenschaft inzwischen weiss – jeder Nahrungsgrundstoff hat seine guten und schlechten Eigenschaften. Zucker hingegen hat nur negative!
Ach ja – und dann war da auch noch jener Kindernahrungsproduzent, der immer “mit meinem Namen” garantiert. Das meinte er u.a. auch bei den von ihm produzierten Früchte-Kindertees. Nach Angaben der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch enthielt das Instantgranulat zu 94 % Zucker. Und dies, obwohl der Konzern selbst Zucker als zahnschädigend bezeichnet. Nachdem dies öffentlich gemacht wurde und ein Sturm der Entrüstung durch die Massen ging, nahm das Unternehmen diese Produkte aus dem Regal, um sie über eine 100 %-Tochter erneut in’s Regal zu bringen; nun übrigens auch mit dem Zusatz von Zitronensäure E330. Ernährungsexperten und Kinderärzte jedoch raten dazu, Kindern in jungen Jahren nur ungesüssten Tee zum Trinken zu geben. Für diesen Flopp übrigens erhielt der, der mit seinem Namen steht, den Goldenen Windbeutel 2012.
Apropos Babynahrung: Habe kürzlich wieder eine Werbung über Folgemilch gesehen. Dort rühmt sich der Anbieter, die Muttermilch über 30 Jahre hinweg untersucht zu haben! Alter Schwede – ein Lebensmittelchemiker (Bestandteile) und ein Mediziner (Wirkungen auf den Körper) hätten dies wohl längstens in einer Woche geschafft!
Nur einige wenige Beispiele, wie der gute Glauben der Konsumenten an die Produzenten missbraucht wird. Tatsächlich gibt es mit der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 ein Gesetz für den EU-Raum, der den Missbrauch von nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben über Lebensmittel (sog. “Health Claims”) einschränken soll. Die Verordnung enthält nicht weniger als 222 detaillierte Anforderungen in der “Artikel-13-Liste”. Demgemäss dürfen seit dem 14. Dezember 2012 Hersteller derartige gesundheitsbezogenen Angaben für “verzehrfertige Lebensmittel” nur dann machen, wenn dies zuvor in einem sehr strengen Zulassungsverfahren als richtig beurteilt wurde. Dadurch sollen Verbraucher vor irreführender Werbung beschützt werden. Auch sog. “Risk Reduction Claims”, die eine Verringerung von Krankheitsrisken vermitteln sollen, sind inzwischen verboten, wenn sie nicht überprüft und als richtig erwiesen wurden – in Deutschland bereits zuvor im § 12 LFGB enthalten. Unglaublich, aber dennoch wahr: Rund 80 % der von der Lebensmittelindustrie gemachten Versprechungen sind falsch, Lug und Trug.
Und nun zu den Schlupflöchern: Ausgenommen von dieser Verordnung sind die traditionellen Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Brot, Milch, Eier sowie Fisch und Fleisch. Dadurch wird nicht automatisch ausgeschlossen, dass etwa gentechnisch veränderte Grundstoffe enthalten sind. Zudem können durch die Zugabe von Mineralstoffen und vor allem Vitaminen nach wie vor Aussagen getätigt werden wie beispielsweise, dass Vitamin C die normale Funktion des Immunsystems unterstützt. Gebe ich nun einem Fertigprodukt, das nur so vor Salz, Geschmacksstoffen, Fetten und Zucker strotzt, eine kleine Portion Vitamin C bei…! Diese Möglichkeit wird künftig vermehrt zur Anreicherung von Fertigprodukten führen. Auch wenn solche künstlichen Vitamine nicht wirklich das gesunde Leben unterstützen. Trotzdem greift etwa der vorher erwähnte Joghurt-Produzent nun wieder in die Gesundheitskiste, da die beiden Vitamine C und D beigegeben werden. Ernährt man sich nun gesund (auch mit Obst und Gemüse), wird eine solche zusätzliche Anreicherung gar nicht nötig. So empfiehlt beispielsweise auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bei Vitamin D-Mangel eine gezielte Massnahme, die aber über einen Arzt erfolgen sollte. Angereicherte Lebensmittel sind keineswegs erforderlich.
Ob der Konzern nun dadurch seine inzwischen miserablen Imagewerte verbessern und das Vertrauen der Konsumenten wieder herstellen kann, bleibt abzuwarten. Erkältungen allerdings werden auch in Zukunft kommen und gehen – egal ob eines dieser angeblichen Wunderjoghurts geschlemmt wird.

PS: Hier können Sie über eine Online-Petition die Forderung der Verbraucherschutzorganisation “Foodwatch” nach einem Stopp der “Gesundheitslüge” unterstützen: www.foodwatch.de/aktion-gesundheitsschwindel

Empfehlenswerte Links:

http://www.barcoo.com

http://www.codecheck.info

http://www.abgespeist.de

http://www.foodwatch.org/de/

http://www.duh.de

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