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Arche Noah – eine Möglichkeit?

„Die in diesem Bericht veröffentlichten Daten geben Anlass zu großer Sorge!“
(UN-Generalsekretär António Guterres)

Dieser Tage erschien ein Bericht der Vereinten Nationen, der Grund zur Sorge machen sollte: Der Meeresspiegel stieg 2018 um 3,7 Millimeter. Für die meisten Medien war dies gerade mal Stoff für eine Tages-schlagzeile! Da damit jedoch ein Rekordwert gemessen wurde und die Kurve auch weiterhin nach oben geht, möchte ich dies heute etwas detaillierter betrachten und damit den Beweis antreten, dass nicht unerhebliche Teile der Menschheit damit wirklich ein Problem bekommen.
Die Weltwetterorganisation der UN betont, dass die letzten vier Jahre die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen sind – das war im Jahr 1781. Unter Berücksichtigung, dass die Industrielle Revolution in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann und das komplette 19. Jahrhundert hinweg bestimmte, wurden auch Daten zu einem Zeitpunkt gesammelt, in dem noch alles ungefiltert durch den Schornstein geblasen bzw. unbehandelt in die Flüsse eingeleitet wurde. Glaubt man den Industriebossen, so liefen Maschinen und Motoren noch nie so sauber wie in der Gegenwart. Und dennoch wird die Atmosphäre mit Treibhausgasen verdichtet, wie nie zuvor. Dadurch kann immer weniger Wärmestrahlung in das All entweichen. Detaillierter möchte ich an dieser Stelle nicht darauf eingehen, da dies schon Thema mehrerer meiner Ausführungen war.
Fakt ist jedoch, dass die alpinen, aber v.a. die arktischen und antarktischen Gletscher und Eisfelder schmelzen. Nach Angabe des Welt-Gletscher-Beobachtungsdienstes WGMO zum bereits 31. Mal in Folge. Und dies in einer dermassen rasanten Geschwindigkeit, dass eine Klima-Umkehr nicht mehr vorstellbar ersceint. Neben der Tatsache, dass ganze Meeres-Ströme, wie der Golfstrom, durch den hohen Anteil an Süß-wasser komplett aus dem Ruder gebracht werden – diese Massen an schmelzendem Eis sorgen auch für einen sehr ernstzunehmenden Anstieg des Meeresspiegels. Hinzu kommen immer heftigere Überschwemmungs-katastrophen wie zuletzt beispielsweise der Zyklon „Idai“, sodass das Wasser nicht mehr auf der Landfläche durch versickern gebunden wird, sondern direkt durch die Flüsse in’s Meer abfliesst. Die Abholzungen der Regenwälder zeigen sich dadurch in dramatischem Ausmaß.
Seit 1993 ist der Meeresspiegel durchschnittlich um 3,15 Millimeter pro Jahr angestiegen. UN-Generalsekretär Antonio Guterres warnt jedoch: Im vergangenen Jahr waren es 3,7 Millimeter! Mein Gott, werden sich nun viele denken, das sind Millimeter und damit kein Anlass gleich laut aufzuschreien. Experten hingegen meinen: DOCH! Für die Fleissigen unter Ihnen eine Rechenaufgabe: Die Erdoberfläche beträgt 510 Mio qkm – 71 % davon sind von Wasser bedeckt. Diese 361,2 Mio qkm teilen sich wie folgt auf:
Pazifik 47 %
Atlantik 24 %
Indischer Ozean 20 %
Südlicher Ozean 5 %
Arktischer Ozean 4 %
Wenn Sie möchten, können Sie nun ausrechnen, wie viele Liter nun diese Steigerung von 3,7 Millimeter ergeben.
Die Durchschnittstemperatur war um ein Grad Celsius höher als der Referenzwert aus der vorindustriellen Zeit. Während sich die Politiker streiten, ob 2,1- 2.5 oder 2,8 Grad Erwärmung in’s Auge gefasst werden sollen und ob der Protest der Kinder gut oder schlecht ist, schmilzt das ewige Eis immer mehr.

„Zum Zögern ist keine Zeit mehr!“
(UN-Generalsekretär Antonio Guterres)

Es ist somit nurmehr eine Frage der Zeit, wann idyllische Südseeinseln für immer von der Weltkarte verschwinden werden. Auch wir in Europa bekommen dies zu spüren, liegen doch etwa die Niederlanden zu einem Grossteil unter dem Meeresspiegel. Eine solche Steigerung werden die dortigen Deiche nicht mehr halten. Auch in Norddeutschland wird es „Land unter“ heissen – die meisten der Halligen-Inseln im nordfriesischen Wattenmeer haben alsdann ein Ablaufdatum. Somit rückt also auch Europa immer mehr zusammen. Apropos: Bis September 2018 wurden 17,7 Millionen Binnenflüchtlinge gezählt. Kriege, Verfolgung, Armut, aber auch Hunger und Durst. Nicht weniger als 2 Millionen davon waren Umweltflüchtlinge. Sie verliessen ihr Zuhause wegen Katastrophen im Zusammenhang mit Klima und Wetter. Diese Zahl wird künftig eklatant ansteigen. Dürren trocknen ganze Länder aus, Überschwemmungen zerstören ganze Landstriche und Stürme verwüsten ganze Regionen. Hitzewellen dauern inzwischen um 0,37 Tage länger als in der Zeit von 1986 bis 2007 – zwischen 2000 und 2016 waren davon nicht weniger als 125 Millionen Menschen betroffen, so der WMO-Bericht.
Durch die Zunahme der Meerestemperatur gibt es immer heftigere Hurrikane, Taifune oder Zyklone, da weitaus mehr Wasser verdampft. 90 % der zusätzlichen Energie nämlich wird in den Weltmeeren gespeichert. Natürliche Strömungen, die das Klima ganzer Teilkontinente beeinflussen und einen Ausgleich zwischen den warmen Zonen am Äquator und den kalten in der Arktis und Antarktis brachten, funktionieren damit plötzlich nicht mehr.

https://www.youtube.com/watch?v=A9Tr_tH6HIU

Doch zurück zum Meeresspiegel. Der Meeresspiegel an den Küsten wird durch Faktoren wie den Gezeiten, Strömungen oder Wind beeinflusst. So ist der Amsterdamer Pegel beispielsweise nicht mit dem Genua- bzw. Triest-Pegel (+/- 30 cm) oder dem Kronstädter Pegel gleichzusetzen. Für Deutschland und die Niederlanden beispielsweise gilt der Amsterdamer Pegel als mittlerer Wasserspiegel, als Nullniveau. Von hier aus werden alle Anstiege und Senkungen über Jahre bzw. Jahrzehnte hinweg beobachtet und in den mittleren Wert einbezogen. Dadurch können jahreszeitliche Effekte sowie Ebbe und Flut nahezu ausgeschlossen werden.
Allerdings muss zudem die Dichteverteilung im Erdinneren berücksichtigt werden. Je dichter der Erdmantel ist, desto höher ist die Erdanziehungs-kraft. Das sorgt beispielsweise dafür, dass der Wasserpegel bei Sri Lanka (Indischer Ozean) um rund 105 m tiefer und bei Neu Guinea bis zu 80 m höher liegt als im Durchschnitt. Dies alles muss in Berechnungen zum Anstieg des Meeresspiegels einbezogen werden. Deshalb verwende ich im Folgenden nurmehr die Bezeichnung „Meeresspiegel“ – er bezieht sich auf den „mittleren Meeresspiegel“.
Von 1860 bis 2009 stieg der Meeresspiegel um rund 25 cm – seit 1870 merklich und zunehmend rasanter. Die Ursache dafür liegt – wie bereits kurz angesprochen – im Abtauen des ewigen Eises an den Polkappen und in den Bergen. Aber auch in der wärmebedingten Ausdehnung des Wassers. Kurz erklärt: Bei Solaranlagen (nicht Photovoltaik) gehört ein Ausgleichsbehälter stets dazu. Er sorgt dafür, dass sich an besonders sonnenintensiven Tagen das immer wärmer werdende Wasser im Puffer ausdehnen kann und dieser nicht explodiert. Sinkt die Temperatur im Puffer, so gibt das Rücklaufventil das im Ausgleichsbehälter befindliche Wasser wieder zurück in die Anlage. Oder: Das Wassererhitzten auf dem Herd. Geben Sie kaltes Wasser in einen Topf, markieren sie an der Topfwand den Wasserstand und erwärmen das Wasser. Es muss nicht mal kochen, also den Aggregatzustand in gasförmig ändern, sondern es reicht das Erwärmen, damit der Wasserstand steigt. Das ist selbstverständlich auch bei diesen ungeheuerlichen Wassermassen der Ozeane der Fall. Sorgen nicht Strömungen dafür, dass die Wärme abgeleitet wird. so sorgt die zunehmende Wassertemperatur etwa in der Südsee für einen höheren Meeresspiegel als der kühle Atlantik an der Küste Frankreichs. Diese beiden Faktoren werden die Zukunft nicht nur an den kontinentalen Küstengebieten bestimmen, sondern selbstver-ständlich auch auf den vielen Trauminseln, die kaum höher liegen als der dortige Meeresspiegel.

„Wir haben bereits einige Atolle verloren. Auf anderen zerstört das ansteigende Meer das Zuhause von Menschen und spült Särge und Skelette aus den Gräbern.”
(Tony de Brum, Aussenminister der Marshall Inseln)

Messungen via Satellit haben einen Anstieg des Meeresspiegels um 17 cm nur im Laufe des 20. Jahrhunderts aufgezeigt. Bei der sog. „Satellitenaltimetrie“ werden vom Satelliten kurzwellige Radioimpulse senkrecht auf die Erde geschickt. Die Meeresoberfläche oder auch das polare Eis reflektiert diese Impulse und schickt sie wieder zum Satelliten zurück. Hierdurch können Millionen von Vergleichsdaten gesammelt und die Zunahme der Meereshöhe oder die Abnahme der Eisfläche durch die Laufzeit der Impulse gemessen und berechnet werden. Die ersten derartige Messungen wurden in den 1970er Jahren mit den Satelliten Geos C und Seasat durchgeführt, die Messungen mit TOPEX/Poseidon folgten 1992 und im Dezember 2001 schliesslich Messungen mit Jason. Auch die Satelliten im Rahmen der Projekte Champ und Grace bzw. IceSAT und seit September 2018 auch IceSAT-1 lieferten bzw. liefern wichtige Daten.
Dieser mittlere Meeresspiegelanstieg von 3,1 +/- 0,7 mm teilt sich zwischen 1993 und 2003 in etwa auf wie folgt:
Expansion durch Wärme 1,6 +/- 0,5 mm
Schmelzende Gletscher und Polkappen 0,77 +/- 0,22 mm
Schmelzen der grönländischen Gletscher 0,21 +/- 0,07 mm
Schmelzen des antarktischen Eisschildes 0,21 +/- 0,35 mm
Seither nahm der Anteil durch Expansion aufgrund der Wärme ab – dafür stieg jener durch abschmelzendes Eis eklatant an – alleine im Jahr 2006 beispielsweise verloren Arktis und Antarktis 475 Gigatonnen Eis. Ein Vergleich? Der Bodensee fasst 48 Gigatonnen Wasser.

https://youtu.be/F47brH3_IWs

Die Erde befindet sich eigentlich in einem Stadium mit besonders niedrigem eustatischen Meeresspiegel (Meeresspiegelschwankungen im globalen Maßstab), wie es in der Erdgeschichte beispielsweise im Karbon, Perm oder Trias der Fall war (demgegenüber steht ein hoher Meeres-spiegel wie etwa während der Oberkreide oder dem Ordovizium). Der Anstieg des Meeresspiegel ist somit einzig und allein auf einen klimatischen Ursprung zurückzuführen.
Im Worst Case – wie wirkt sich ein komplettes Abschmelzen des Eises auf den Meeresspiegel aus?

Gletscher 24 cm
Eiskappen 27 cm
Thermische Ausdehnung pro zusätzlichem Grad 20 bis 40 cm
Grönland-Eis 7 m
Antarktisches Eis 57 m

Eine Studie von Forschern der Ohio State University ergab, dass derzeit beispielsweise das grönländische Eis viermal schneller schmilzt als noch 2003. Dabei sprechen wir nicht von einigen Tonnen. Zwischen 2002 uns 2018 hat Grönland jährlich dermassen viel Eis verloren, dass mit dem Schmelzwasser 5 Bodenseen gefüllt werden könnten. Das alleine reicht für einen Anstieg des Meeresspiegels um 0,8 mm pro Jahr.

„Jetzt erkennen wir aber noch ein zweites ernstes Problem: Immer mehr innere Eismasse fließt als Schmelzwasser dem Meer zu.“
(Michael Bewies, Studienleiter Ohio State University)

Bis zum Jahr 2100 erwarten Forscher aus den unterschiedlichsten Fachgebieten einen Anstieg von bis zu 2 Metern. Die letzte Warmklimaphase fand vor 35 Millionen Jahren statt – im sog. „Eozän“. Während dieser Zeit schmolzen die Polkappen nahezu gänzlich ab. Der Meeresspiegel befand sich um rund 70 m höher als derzeit.
Doch wen betrifft dieser Pegelanstieg eigentlich? Es sind vor allem kleine Inselstaaten oder Atolle im Pazifik und der Karibik, die es schon in absehbarer Zeit nicht mehr geben wird. Deshalb hier nun eine kleine Auflistung inkl. der Bevölkerungszahlen, da auch diese Menschen nach und nach zu Flüchtlingen werden:

- Kiribati (115.000)
- Malediven (269.000)
- Marshall-Inseln (58.000)
- Mikronesien (500.000)
- Nauru (10.000)
- Palau (22.000)
- Tokelau (1.400)
- Tuvalu (9.000)

Die höchste Land-Erhebung auf Tuvalu beläuft sich auf 5 Meter über dem Meeresspiegel. Die ersten Umsiedelungen aufgrund des steigenden Meeresspiegels gab es bereits auf der pazifischen Insel Vanuatu im Jahr 2005. Auch auf den nicht unmittelbar gefährdeten Fiji-Inseln wurden schon küstennahe Dörfer in höhere Regionen verlegt. Insgesamt sind 43 Inselstaaten von der Überflutung betroffen. Die Atolle umso mehr, als das wärmere Meerwasser zur Korallenbleiche führt, die das Wachstum der Korallen stark einschränkt bzw. sogar stoppt.
Auch die Kontinentalküsten sind selbstverständlich davon betroffen:

- Ägypten
- Bangladesh
- China
- Indonesien
- Niederlanden
- Pakistan
- Thailand

Die 20 Millionenstadt Shanghai beispielsweise liegt durchschnittlich 4 m über dem dortigen Meeresspiegel. In Ägypten wären bei einem Anstieg von nur 50 cm nicht weniger als 12 Millionen Menschen betroffen, in Bangladesh leben 10 Millionen Menschen auf einer Fläche, die max. 1 m über Meeresspiegel-Niveau liegt. Nach Berechnungen der OECD würden im Jahr 2070 bei einem Anstieg des Meeresspiegels von +/- 50 cm ganze 150 Millionen Menschen weltweit zu Klima-Flüchtlingen – nur in küsten-nahen Millionenstädten!

„Ich kann aus persönlicher Erfahrung sagen, wie erschütternd es ist die Gleichgültigkeit zu sehen, mit der der Misere kleiner Inselstaaten begegnet wird.”
(Marlene Inemwin Moses, UNO-Botschafterin des Inselstaates Nauru)

Seit einem Viertel Jahrhundert laufen nun die Klimaverhandlungen – zumeist ohne Resultat. Was wird mit den Menschen geschehen, die ihre Heimat, ihre Jahrhunderte alte Tradition, ihre Kultur verlieren. Sollten auch Klimaschutzmassnahmen sofort gesetzt werden, so würde dies dennoch den Anstieg des Meeresspiegels nicht mehr stoppen. Hier ist der Point-of-no-return bereits überschritten.
Ich hoffe, ich habe mit diesem Blog etwas zum Verständnis der kleinen Greta Thunberg beitragen können und den einen oder anderen Skeptiker über die Dringlichkeit ihrer Forderungen überzeugen können, denn: Wir haben keine Zeit mehr!!!

Lesetipps:

.) Mut zur Nachhaltigkeit. 12 Wege in die Zukunft; Hrsg.: Klaus Wiegand; FISCHER Taschenbuch 2016
.) Der Klimawandel. Diagnose, Prognose, Therapie; Stefan Rahmstorf / Hans Joachim Schellnhuber: Beck 2006
.) Sea Level Rise: History and Consequences; Bruce C. Douglas / Michael S. Kearney / Stephen P. Leatherman; Academic Press 2000

Links:

- www.wcrp-climate.org
- public.wmo.int/en
- research.csiro.au
- www.ipcc.de
- www.nationalacademies.org/nasem/
- climate.nasa.gov/vital-signs/sea-level/
- www.klima-warnsignale.uni-hamburg.de
- www.mpg.de/de
- ice.tsu.ru
- icesat-2.gsfc.nasa.gov
- www.unenvironment.org
- www.klimafakten.de
- 350.org
- searise.correctiv.org/de/

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Ist bald Schluss???

“Zeige mir einen Wissenschaftler, der behauptet, es gebe kein Bevölkerungsproblem, und ich zeige dir einen Idioten.”
(Paul Ehrlich)

Steht die Erde unmitelbar vor ihrem 6. globalen Massensterben? Dieser Frage möchte ich heute nachgehen – Anlass hierzu liefert ein Interview des renommierten emeritierten Stanford-Professors Paul Ehrlich in der britischen Zeitung “The Guardian”.
All jene unter ihnen, die ihn kennen, werden sagen: Na ja – der Biologe hat für die 70er- und 80er-Jahre ähnliches vorausgesagt, das dann nicht so eingetroffen ist. Doch dieses Mal geht Ehrlich seine Überlegungen von einer anderen Perspektive aus an: Der Chemiekeule! Dazu mehr etwas später. Dass aber derartige Theorien durchaus ernst zu nehmen sind und zumindest etwas geändert werden sollte, dürfte klar sein. Denn: Das berühmte “5 vor 12″ ist schon längst überschritten. Das werde ich im Folgenden aufzeigen.
Der letzte Kollaps liegt rund 750 Millionen Jahre zurück. Der Grund dafür war die Teilung des riesigen Kontinents Rodinia. Zugleich erreichte die Konzentration an Kohlendioxid seinen historischen Tiefststand. Es fand also der gegenteilige Effekt des Treibhauses statt: Die Vereisung, da die auf den Planeten aufteffende Strahlung nahezu ungehindert wieder in’s Weltall reflektiert wurde. Gletscher bedeckten einen Grossteil des Planeten. Verantwortlich dafür war das Basaltgestein, das durch dieses tektonische Auseinanderbrechen der riesigen Landmassen freigesetzt wurde. Es verwitterte und entzog dadurch der Atmosphäre das CO2. Zuvor herrschte ein extrem trockenes Klima auf diesem Superkontinent. Nach der Trennung ergossen sich allerdings die Fluten über den Planeten. Nach Berechnungen des “Centre national de la recherche scientifique” reichten damals durchschnittlich knapp mehr als 8 Grad Celsius weniger, um diese eiszeitliche Katastrophe auszulösen. Jetzt bekommen Sie auch einen Anhaltspunkt, was die immer wieder erwähnten “2 Grad mehr” für die Zukunft bedeuten werden.

“Während einige in der Gesellschaft darauf hinweisen, dass wir auf einen Kollaps zusteuern und grundlegende Veränderungen einfordern, um das Schlimmste zu verhindern, sind es die Eliten, die genau diese Veränderungen verhindern.”
(Studie der NASA)

Der Biologe Paul Ehrlich nun hat gemeinsam mit seiner Frau Anne vor 50 Jahren den Bestseller “Die Bevölkerungsbombe” auf den Büchermarkt gebracht. Dort prognostizierte er für die 70er und 80er-Jahre des vorhergehenden Jahrhunderts gewaltige Hungerkatastrophen mit hunderten Millionen Todesopfern. Auslöser dafür sollte vornehmlich die Überbevölkerung des Planeten aber auch der grenzenlose Konsum sein. Ehrlich könnte Recht gehabt haben, doch bezog er einige Parameter in seine Theorie nicht ein. Die “grüne Revolution” beispielsweise. Dieser Fachbegriff beschreibt den Anstieg der Nahrungsmittelproduktion durch den Einsatz von Agrarchemikalien, wie dem synthetischen Kunstdünger, und der Entwicklung ertragreicher Getreidesorten. Dennoch: In den Jahren zwischen 1968 und 2010 verhungerten 300 Millionen Menschen!
Diese daraus hervorgegangene Intensivlandwirtschaft jedoch hat auch seine Nachteile, die der heute 85-jährige kürzlich in diesem Interview offenbarte. Die eingesetzten Chemikalien haben unseren Planeten vergiftet!

“Es gibt Anzeichen dafür, dass die Gifte die Intelligenz von Kindern verringern!”
(Paul Ehrlich, Professor an der Stanford University)

Auch damit hat Ehrlich nicht so ganz unrecht. Betrachtet man sich das in vielen Nahrungsmitteln inzwischen nachgewiesene Glyphosat und die angebliche interne Mail des Monsanto-Konzerns, wonach das Mittel entgegen vorher veröffentlichter Untersuchungsergebnisse doch die Entstehung von Krebs begünstige, so ist es nurmehr eine Frage der Zeit, wann sich die Menschheit selbst ausgerottet hat. Durch die Hunger-katastrophen und die Klimaänderung wird dies noch beschleunigt. Allerdings, so Ehrlich, werden die meisten dumm sterben. Viele der eingesetzten Chemikalien beeinflussen die menschliche Intelligenz. Negativ! So verwies der emeritierte Professor auf den republikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2016 und die anschliessende “Kakistokratie” – die Herrschaft der Schlechtesten!
Die beiden Neurowissenschafter Philippe Grandjean (Universität von Süddänemark in Odense) und Philip Landrigan (Harvard University) haben nachgewiesen, dass mindestens elf Chemikalien bei bereits früher Belastung zu Entwicklungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern führen können. Darunter sind mehrere Pestizide und Lösungs-mittel, aber auch Produkte, die Blei, Mangan, Quecksilber und Fluor- bzw. Chlorverbindungen beinhalten. Grandjean und Landrigan betonen, dass bereits jedes zehnte Kind von Geburt an eine Entwicklungs- oder Verhaltensstörung wie Autismus, Hyperaktivität, geistige Defizite aufweist und zudem später beispielsweise eine wesentlich höhere Aggressions-stufe hinzukommen kann. Dabei sind aber nur 30 bis max. 40 % durch genetische Defekte verursacht. Bei den restlichen müssten viele bereits im Mutterleib mit solcherlei Neurotoxinen in Kontakt gekommen sein. Das sich entwickelnde Gehirn ist gerade beim ungeborenen Kind besonders empfindlich. Durch die Versorgung mit mütterlichem Blut werden derartige Gifte direkt übertragen. So konnten im Jahr 2006 im Rahmen einer Überblicksstudie mehr als 200 Chemikalien aus dem Nabelschnurblut herausgefiltert werden. Darunter das vorhin bereits angesprochene Blei und Quecksilber, aber auch Arsen, polychlorierte Biphenyle sowie das Lösungsmittel Toluol. Sind auch solche Vergiftungen nicht unmittelbar feststellbar, so führen sie zu grossen Problemen im Sozialverhalten, motorischen Störungen, eine geringere geistige Leistungsfähigkeit und möglicherweise zu einem kleineren Hirnvolumen. Andere Studien aus Kanada und Bangladesch zeigten unmittelbare Auswirkungen von Mangan auf die mathematischen Fähigkeiten und einer Hyperaktivität der Kinder auf, in Frankreich und den USA Tetrachlorethylen auf aggressives Verhalten, Hyperaktivität und psychische Erkrankungen. Bei drei weiteren Untersuchungen wurden Auswirkungen von Organophosphat-Pestiziden auf den Kopfumfang und Defizite in der geistigen und sozialen Entwicklung bestätigt. Sicherlich stehen auch schlechtere schulische Leistungen, Konzentrations-schwierigkeiten und eine verlangsamte Entwicklung in Korrelation mit Chemikalien – das jedoch ist derzeit noch nicht wissenschaftlich untermauert. Schäden, die das Kind durch eines oder mehrere dieser derzeit 214 Neurotoxine, die zumeist in grossen Mengen ausgebracht werden, aufweist, bleiben ein Leben lang bestehen. Volkswirtschaftler schätzen etwa die IQ-Einbussen in der EU nur aufgrund der Quecksilberbelastung auf jährlich 600.000 IQ-Punkte – ein ökonomischer Schaden von zirka zehn Milliarden Euro – ebenfalls pro Jahr! Und dieses Problem besteht nicht erst seit den letzten Jahren, da in den 70er Jahren mit dem Verbot des Pestizids DDT, das im Verdacht stand, bei Säugetieren Krebs zu erregen, beispielsweise fieberhaft nach neuen Mitteln gesucht wurde. Und die Babies dieser damaligen Zeit sind die Erwachsenen von heute!
Neben solchen neurotoxischen Pestiziden werden auch Herbizide, Fungizide, Düngemittel, Wachstumsregulatoren, Vorratsschutzmittel etc. in grossen Mengen auf die Felder und Äcker gesprüht. Wir atmen somit – v.a. im Umkreis von Ackerflächen – mit jedem Atemzug auch Giftstoffe ein, die der Körper (wenn überhaupt) nur sehr schwer abbauen und ausscheiden kann. Das Augenmerk gilt dabei vornehmlich den Insektiziden, die zwar auf ihren unmittelbaren Schaden bei Säugetieren, nicht jedoch auf pränatale oder schleichende Negativwirkungen hin überprüft sind. Ergo: Professor Ehrlich hat durchaus recht mit seiner Annahme, dass wir zuerst dumm werden und dann sterben.

“Wir müssen weg von der irrigen Annahme, nach der neue Chemikalien und Technologien solange als ungefährlich gelten, bis das Gegenteil nachgewiesen wird.”
(Grandjean/Landrigan)

Zudem nehmen wir Giftstoffe auch über die Nahrung auf. So wurde beispielsweise Glyphosat bereits im Trinkwasser so mancher Region entdeckt. In einer Untersuchung des eidgenössischen Bundesamtes für Gesundheit aus dem Jahr 2013 wird darauf verwiesen, dass 92 % aller Giftstoffe über Nahrungsmittel tierischen Ursprungs aufgenommen werden (Milchprodukte beispielsweise 54%). Diese Gifte (“persistente Umweltschadstoffe”) werden auch noch eine ganze zeitlang in der Nahrungskette bleiben. Schliesslich sind sie weiterhin im Boden oder Tierkörper, auch wenn eine spontane Absetzung erfolgt ist. Dennoch sollten alle Anstrengungen unternommen werden, langfristig auf derartige Chemikalien zu verzichten.
Wer nun denken sollte: “Na ja – dann bekommen die Kleinen eben Fisch!”, macht genau einen Schritt in die falsche Richtung. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität Granada/Spanien. Die Studienleiter haben einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem vermehrten Konsum von Meeresfischen und der geistigen Leistungsfähigkeit bei Vorschulkindern im Alter von vier Jahren festgestellt. In den Haaren der Kinder wurden teils unwahrscheinlich hohe Quecksilberkonzentrationen nachgewiesen. Das wirkte sich v.a. bei den Gedächtnisleistungen und dem sprachlichen Ausdrucksvermögen aus. Diese Untersuchungen wurden durch die Kollegen von der Universität Barcelona untermauert. Kinder mit viermaligem Fischkonsum pro Woche enthielten wesentlich höhere Quecksilberkonzentrationen in den Haaren. Das gilt übrigens auch für Neugeborene, deren Mütter während der Schwangerschaft viel Fisch aßen. Die deutsche Meeresstiftung veröffentlichte kürzlichst eine Untersuchung, wonach in den Meeren rund um Europa nicht weniger als 114.000 Tonnen atomarer Müll in teilweise bereits verrosteten Fässern lagern. Die Meere müssen immer mehr als Müllkippe herhalten. Durch die Fische gelangen schliesslich diese Schadstoffe auch wieder auf den Mittagstisch.

“Kurz gefasst, bisher wurde noch nichts wirklich Relevantes unternommen, um das Schlimmste zu verhindern!”
(Arne Mooers, Professor für Biodiversität Simon Fraser Universität/Kanada)

Was bleibt also zu tun? Sofortiges Verbot von Agrarchemikalien, Rückkehr zur nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion und Kontrolle des Bevölkerungswachstums. Durch das Verbot von Fluorchlorkohlen-wasserstoffen (FCKW) als Kühlmittel beispielsweise ging das Loch in der vor gefährlichen Strahlung schützenden Ozonschicht auf das Niveu von 1988 zurück. Lobend erwähnt werden muss auch das Verbot von drei Insektiziden durch die EU (spät aber doch noch). Sie beinhalten Neonicotinoide, die v.a. für das grosse Bienensterben verantwortlich sind. Es gibt viele Alternativen zu Agrarchemikalien, die jeder im Garten verwenden kann: Kaffee etwa ist ein Supermittel. In Blumenbeeten ausgebrachter, gebrauchter Kaffeesatz hält Schnecken fern. In Buchsbäumen gestreut, ist er auch ein probates Mittel gegen den Buchsbaumzünsler. Und schliesslich ist Kaffee ein perfekter Dünger. Alleine durch etwas, das ansonsten weggeworfen wird, können drei unterschiedliche Chemikalien ersetzt werden!!!
Die Erde ist eigentlich auf zwei Milliarden Menschen ausgelegt. Derzeit sind es bereits 7,6 Milliarden! Und jährlich kommen mehr als 78 Millionen hinzu. 2050 werden somit 9,7 Milliarden Menschen auf dem Globus leben, 2100 gar 11,2 (Zahlen: Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen). Ehrlich spricht in diesem Zusammenhang von “andauerndem Wachstum als Merkmal von Krebszellen”! Er verfolgt auch hier einen sehr interessanten Ansatz: Bildung und Gleichberechtigung der Frauen weltweit – sie sind keine “Geburtsmaschinen”, die durch möglichst viel Nachwuchs die Zukunft der Familie sichern sollen. Zugang zu modernen Verhütungsmitteln in den Entwicklungsländern sowie eine grossflächige Umverteilung des Reichtums. Durch den exzessiven Konsum der Industriestaaten werden die Dritte Welt und die Schwellenländer immer mehr ausgebeutet.

“Der Mensch ist gemacht aus Wasser, Erde und Luft. Wenn er aufhört, die Elemente zu achten, vergiftet und tötet er schließlich sich selbst.”
(Indianische Weisheit)

Dieses 6. Globale Massensterben ist somit durch den Menschen gemacht. Jene zuvor war die natürliche Kontrolle der Erde durch Vulkanausbruch, Eiszeit oder auch einen Meteoriteneinschlag vor 65 Millionen Jahren. Das Sterben hat bereits bei den Insekten begonnen. Auch verschwinden nach und nach ganze Pflanzenpopulationen. Die Klimaerwärmung vernichtet zudem komplette Ernten. Auch mit dem Ziel von +2 Grad Celsius sind alsdann ganze Regionen ernährungstechnisch bedroht: Afrika und Südamerika werden von Dürrekatastrophen heimgesucht, Asien droht in den Fluten unterzugehen. Hitzephasen werden auch Europa in die Knie zwingen.
Ehrlich bezeichnet den Weltwirtschaftsgipfel in Davos als “Treffen der Weltzerstörer”! In seinen Ansichten wird der Professor von nicht weniger als 15.364 Wissenschaftlern/-innen aus 184 Ländern unterstützt, die im vorigen Jahr einen Brandbrief unterschrieben (“Warnung an die Menschheit”). Ein erster Versuch im Jahr 1992 mit 1.700 unter-zeichnenden Wissenschaftler (darunter viele Nobelpreisträger) blieb nahezu ungehört!

“Schon bald wird es zu spät sein, den falschen Kurs zu korrigieren.”
(Brandbrief der Wissenschaft unter Federführung von William Ripple, Professor für Ökologie an der Oregon State University)

Demnach steht die Erde unmittelbar vor einer ökologischen Katastrophe. Die Weltbevölkerung ist innerhalb von nur 25 Jahren um 2 Milliarden Menschen angestiegen. Der Ressourcenverbrauch ist immens. Es muss dringendst etwas gegen die Klimaveränderungen, die Entwaldung, das Artensterben und die Todeszonen in den Ozeanen unternommen und der Zugang zu Süsswasser für alle gesichert werden. Während beispielsweise das Süsswasser in den letzten 25 Jahren um 26 % abgenommen hat, nahmen die Todeszonen in den Meeren, die für jedwedes Leben zu heiss, sauerstoffarm oder zu giftig sind, um 75 % zu. Die meisten Wasserquellen haben ihren Ursprung im Wald – 121 Millionen Hektar wurden im vergangenen Viertel Jahrhundert abgeholzt! Insekten, Tiere, Amphibien, Vögel, Fische – sie sterben zu Millionen. Das “ökologiche Armageddon” stehe unmittelbar bevor; der kürzlichst verstorbene Stephen Hawking meinte, die Menschheit müsse innerhalb der nächsten 600 Jahre den Planeten verlassen, wenn sie überleben möchte!
Im Oktober dieses Jahres wird der Weltklimarat IPCC eine Studie veröffentlichen, wie der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um 1,5 Grad doch noch eingehalten werden könnte. Zwar ging der Weltklimagipfel von Paris wie üblich ohne konkretes Ergebnis zu Ende – allerdings verpflichteten sich die Staaten, Anstrengungen zu unter-nehmen, um diese 1,5 Grad-Grenze einhalten zu können! Sogar China versucht mitzuhalten. Trump und seine USA hingegen fallen wieder in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück. Auch die anderen rechtspopulistischen Regierungen interessieren sich nicht wirklich für Umwelt- und Klimaschutz. Und derartige Aktionen wie im Hambacher Forst lassen an der Glaubwürdigkeit auch der Merkel’schen Klimaversprechen zweifeln!

“Die Sorge, die ich habe, ist, dass die guten Menschen nicht wirksam genug kooperieren werden. Man muss existierende Parteien und Bürokratien mit an Bord holen, sonst bleibt das alles hier ein Debattierclub.”
(Sonja Puntscher-Riekmann, Professorin für Politische Theorie und Europäische Politik an der Universität Salzburg)

Sollten auch die Ehrlichs erneut nicht recht haben, so müssen dringend Überlegungen angestellt werden, wie den globalen Problemen entgegen zu kommen ist. Viele werden nun sagen: “Nun – an mir liegt’s ja nicht!” Doch! Weil sich das alle denken. Wenn jeder Wasser spart. ist schon viel getan. Den Industriebossen ist es egal, ob die Lebensmittel aufgebraucht oder weggeworfen werden. Hauptsache die Kasse stimmt! Machen Sie sie zu dem, was sie wirklich sind und wie sie heissen: Lebensmittel! Es sind keine Wegwerfmittel! Wer braucht um 18.00 Uhr noch ofenfrisches Brot in den Supermärkten? Kaufen Sie nur so viel ein, wie Sie auch tatsächlich aufbrauchen. Wird weniger konsumiert, geht auch die Produktion zurück – das Gesetz des Marktes (Sie werden es in den nächsten Monaten im Handelskrieg zwischen den USA und China sehen)!

“In den USA leben sie, als hätten wir fünf Planeten. In Europa leben wir, als hätten wir drei Planeten.”
(Graham Maxton, Präsident des Club of Rome)

Und gerade Tieren können Sie unsägliches Leid ersparen. Apropos: Für die “Produktion” eines Kilogramms Rindfleisch sind rund 15.500 l Wasser erforderlich, für die Herstellung einer Jeans 6.000 l! Senken Sie den Fleischkonsum pro Woche, leben Sie nicht nur gesünder, sondern reduzieren auch den Süsswasser-Verbrauch v.a. in Staaten, die auf sauberes Trinkwasser angewiesen sind. Wechseln Sie Ihre Garderobe nicht jedes Jahr, tun Sie auch hier der Umwelt Gutes und ersparen sehr vielen Billigstlöhnern in Fernost ein Leben mit 12-16 Stunden Arbeit pro Tag! Wenn nicht jeder seinen Konsum ändert, wird es keinerlei Veränderungen geben. Forscher appellieren seit geraumer Zeit, eine Konsum-Kehrtwende in der Grössenordnung von 2/3 in der westlichen Welt durchzuziehen. Schon 2025 wird die 50 %-Zerstörungsmarke der kleineren Ökosysteme erreicht sein. Mit Ihnen werden auch die grossen kollabieren, warnt der Biologe Anthony Barnosky von der Universität von Kalifornien! Nach diesem “Point of no return” bedarf es nahezu unmöglicher Massnahmen, noch etwas ausrichten zu können. James Ephraim Lovelock, Mediziner, Biophysiker, Mathematiker und Chemiker an der Oxford University sowie Bestseller-Autor, setzt den Untergangspunkt noch vor das Jahr 2100 – 80 % der Menschheit werden dies nicht überleben. Nicht schleichend – es wird sehr plötzlich kommen. Es sei keine Zeit mehr für Windkraftwerke – die Menschheit solle anfangen, Archen zu bauen, so Lovelock! Sind es schon unsere Töchter und Söhne? Vielleicht unsere Enkel, die durch unser bisheriges, ruinöses Schaffen sterben werden! Während wir noch stolz waren auf die Errungenschaften unserer Eltern und Grosseltern nach dem 2. Weltkrieg, werden uns unsere Nachfahren verfluchen!
Wir haben’s wahrlich weit gebracht!!!

Lesetipps:

.) Die Bevölkerungsbombe; Paul Ehrlich/Anne Ehrlich; Hanser, Carl GmbH + Co. 1982
.) Wir sind dran; Ernst Ulrich von Weizsäcker/Anders Wijkman; Gütersloher Verlagshaus 2017
.) Was verträgt unsere Erde noch?: Wege in die Nachhaltigkeit; Hrsg.: Klaus Wiegandt; FISCHER 2007
.) Grenzen des Wachstums – Das 30-Jahre-Update; Donella H. Meadows/Jørgen Randers/Dennis Meadows; Hirzel 2015
.) Ein Prozent ist genug – Mit wenig Wachstum soziale Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Klimawandel bekämpfen; Jørgen Randers/Graeme Maxton; Oekom 2016
.) Was wird aus unserer Umwelt? – Die Zukunft des Menschen zwischen Glaube und Natur; Hans Dietrich Engelhardt; Tectum Verlag 2017
.) BiodiversiTOT – Die globale Artenvielfalt jetzt entdecken, erforschen und erhalten; Vreni Häussermann/Michael Schrödl; Books on Demand 2017
.) Katastrophen der Erdgeschichte – Globales Artensterben; József Pálfy; Schweizerbart’sche 2004
.) Die Weltbevölkerung: Dynamik und Gefahren; Herwig Birg; C.H.Beck 2004
.) Weltbevölkerung: Zu viele, zu wenige, schlecht verteilt?; Hrsg.: Karl Husa; Promedia 2011
.) Wie schnell wächst die Zahl der Menschen?: Weltbevölkerung und weltweite Migration; Hrsg.: Klaus Wiegandt; FISCHER 2007
.) Der Klimawandel im Zeitalter technischer Reproduzierbarkeit; Hannes Fernow; Springer VS 2014

Links:

- mahb.stanford.edu
- www.dsw.org
- www.dge.de
- www.cnrs.fr
- www.bag.admin.ch
- www.cleanenergy-project.de/
- virtuelles-wasser.de
- academic.oup.com/bioscience
- www.sciencedirect.com
- www.thelancet.com
- www.ncbi.nlm.nih.gov
- www.pitt.edu
- www.vulkane.net

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Der Vordenker

“Our dangerous reliance on carbon-based fuels is at the core of all these problems – economic, environmental, national security. The answer is to end our reliance on carbon-based fuels.”
(Al Gore 2008)

Erwähnt man heute “Amerika”, so denken 99,99 % wohl als erstes an Donald Trump, der derzeit auf dem besten Wege ist, das Land komplett zu zerstören. Seiner Entscheidung, Nationalparks für die Nutzung freizugeben, könnten auch die bis zu 3.200 Jahre alten Riesen-Mammut-Bäume in Kalifornien zum Opfer fallen. Doch will ich diese heutigen Zeilen einem positiven Menschen widmen, der im Jahre 2000 zwar ebenfalls US-Präsident werden wollte, bei der Wahl aber schliesslich George W. Bush den Vortritt geben musste, obwohl er um 543.000 Stimmen mehr als sein Kontrahent bekam! Im entscheidenden Bundesstaat Florida unterlag er – zwar sehr umstritten und knapp – aber dennoch, sodass die Wahlmänner an Bush gingen.
Albert Arnold “Al” Gore Jr. feierte am 31. März seinen 70. Geburtstag – herzliche Gratulation auf diesem Wege nachträglich. Der Demokrat war in den Jahren 1993 bis 2001 US-amerikanischer Vizepräsident unter Bill Clinton und kämpft seit jeher für eine bessere Welt. 2007 erhielt er gemeinsam mit der “Zwischenstaatlichen Sachverständigengruppe über Klimaänderungen” (IPPC) dafür den Friedensnobelpreis. Seine politische Laufbahn begann bereits 1976, als er in Tennessee als Abgeordneter zuerst in das Repräsentantenhaus (bis 1984), dann in den Senat gewählt wurde (bis 1993). 1988 trat er erstmals als möglicher Präsidentschaftskandidat auf, scheiterte jedoch in der parteiinternen Vorwahl aufgrund einer vernichtenden Schlappe in New York.
Al Gore entstammt einer Politiker-Familie. Sein Vater, Albert Arnold Gore Sr. war lange Jahre Senator des Bundesstaates Tennessee. Somit wuchs er sowohl in der Hauptstadt, als auch auf der Farm seiner Eltern in Carthage auf. In Washington absolvierte er die Eliteschule St. Albans. Das Harvard College schloss er schliesslich 1969 mit dem Bachelor of Arts ab. Seine Kumpels damals waren übrigens der Schauspieler Tommy Lee Jones, mit dem er sich eine WG teilte, und Erich Segal. Das anschliessende Studium an der Vanderbilt University in Nashville (Theologie und Jura) brach er ab. Mit seiner Schulfreundin und späteren Frau “Tipper” Mary Elizabeth Aicheson hat er insgesamt vier Kinder. 2010 trennten sie sich nach 40 Ehejahren.
Al Gore liess erstmals aufhorchen, als er nicht wie andere Sprösslinge die Verbindungen seines Vaters nutzte und zur Nationalgarde ging. Gore trat in den Militärdienst ein und wurde – obgleich wie sein Vater Gegner des Vietnamkrieges – nach Fernost-Asien beordert. Allerdings erst, nachdem Gore Senior die Wahlen zum Senat verloren hatte, da dieser nicht davon in Form von Wählerstimmen zehren sollte, wenn sein Sohn sich zum Kriegshelden entwickelte oder im Kampfeinsatz verstorben wäre. Dort wurde er u.a. als Militärjournalist eingesetzt. Als er sich in Uniform von seinen Harvard-Professoren verabschiedete, wurde er von den anderen Studenten ausgebuht. Später schrieb er voller Hochachtung über seine damaligen Kriegsgegner in Vietnam, dass diese für etwas kämpften, “das sie Freiheit nannten”. Al Gore betonte immer wieder, dass er nicht direkt in das Kampfgeschehen eingebunden war und somit nicht mit anderen Soldaten verglichen werden dürfe.
Gore ist aber auch wirtschaftlich sehr erfolgreich. So gründete er die Alliance for Climate Protection, die Generation Investment Management sowie Current TV und bekleidet die Positionen eines Aufsichtsratsmitgliedes bei Apple sowie eines hochrangigen Beraters bei Google. Zudem ist er Gesellschafter an dem Investmentunternehmen Kleiner Perkins Caufield & Byers.
Und da kommt nun eines hinzu, das viele ansonsten als Oxymoron bezeichnen: Sein Engagement für den Klimaschutz und die Umwelt. Gore schrieb und schreibt nach wie vor unzählige Werke zum Thema “Umweltschutz”, ist gern gesehener Referent bei Veranstaltungen und schliesslich 2007 Oscar-Gewinner. Die Dokumentation “Eine unbequeme Wahrheit” baut auf einer seiner Multimedia-Präsentationen zur globalen Erderwärmung auf. Der Friedensnobelpreis wurde im selben Jahr für die Bemühungen um die Bewusstmachung der Klimakrise und der damit verbundenen globalen Gefahren zuerkannt. Zahlreiche Ehrendoktortitel und Gastprofessuren deuten zudem auf eine rege Vortrags- und Lehrtätigleit an den Universitäten hin. 2009 startete er eine Kampagne zur Energiewende. Die PR-Aufwendungen dafür beliefen sich auf rund 300 Mio Dollar. Der jetzige Präsident macht alles mit einem Handstreich zunichte.

“We’re borrowing money from China to buy oil from the Persian Gulf to burn it in ways that destroy the planet. Every bit of that has got to change.”
(Al Gore 2008)

Zwei Programme haben es Al Gore besonders angetan: Das GLOBE-Programm und die Live-Earth-Konzerte!
.) GLOBE-Programm
Das “Global Learning and Observations to Benefit the Environment”-Programm wurde am 22. April 1994 gestartet. Dieses Programm hat es sich zum Ziel gesetzt, durch Geo-Wissenschaft und Ökologie sowie Bildung auf die Dringlichkeit des Schutzes unserer Erde hinzuweisen. Inzwischen beteiligen sich nicht weniger als 17.000 Schulen in 100 Ländern an diesem weltweiten Netzwerk aus Wissenschaftlern, Lehrern und Schülern. Vor allem die Schüler sollen das System Erde besser verstehen lernen, indem sie einen eigenen Beitrag dazu leisten können. Die Idee wurde in Deutschland durch die DLR, das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung aufgegriffen und gefördert. Die Geldzuwendungen liefen 2008 aus. Das Projekt allerdings lebt im eingetragenen Verein GLOBE Deutschland weiter. In Österreich werden nach wie vor jährlich die Energy Globe Awards für ausgezeichnete Umweltprojekte vergeben. Auch bei den Eidgenossen ist GLOBE Schweiz vor allem an den Schulen sehr aktiv, um den jungen Menschen ein besseres Umweltbewusstsein zu vermitteln.
.) Live Earth
Die Live Earth-Konzertreihe fand weltumspannend am 7. Juli 2007 statt. Auf allen sieben Kontinenten spielten Musiker aller Genres für 24 Stunden auf und machten damit das Event zur grössten Musik- und Benefizveranstaltung der Geschichte. Von Linkin’ Park, Shakira, Metallica, Bon Jovi, Rihanna bis zu James Blunt, Yusuf Islam (Cat Stevens), Red Hot Chili Pepers gaben sich internationale Topgrössen die Backstage-Klinken in die Hand. Madonna landete mit “Hey You” einen Chart-Hit. Er stand für eine Woche kostenfrei zum Download bereit. Al Gore erhielt damals Unterstützung durch den Musikproduzenten Kevin Wall, der dadurch auch auf sein eigenes Klimaschutzprojekt “Allianz Save Our Selves (SOS)” aufmerksam machen wollte. Mit den Erlösen wurde eine Stiftung begründet, die Klimaschutzprojekte unterstützt. Free Concerts gab es nur an der Copacabana in Rio (400.000 Zuschauer) und in Washington D.C. – die Konzerte im japanischen Kyoto und der Antarktis (Rothera-Station auf der Adelaide-Insel – wegen des Antarktischen Winters konnte nur die Hausband der britischen Wissenschaftler spielen) waren nicht öffentlich zugänglich. Die Übertragungen gelangten in 130 Staaten dieser Erde vornehmlich in Public Viewings zur Ausstrahlung. Beim Live Earth-Konzert in Hamburg wurde eine CO2-Abgabe von 30 Cent pro Eintrittskarte eingehoben. Mit dem Geld sollten auf der südlichen Halbkugel Bäume gepflanzt werden – als Ausgleich für den CO2-Ausstoß, den Live Earth verursachte. Leider allerdings kamen von den 45.000 erwarteten Fans nur 29.000, sodass ein Minus von 950.000,- € entstand. Insgesamt aber konnten 75 Millionen Dollar an Spendengelder gesammelt werden.

“We’re building up CO2 so rapidly that we’re seeing the consequences scientists have long predicted. And the only way to take responsible action is to get at the heart of the problem, which is the burning of fossil fuels.”
(Al Gore 2008)

In seinen Büchern, wie etwa dem Bestseller “Earth in the Balance: Ecology and the Human Spirit” im Jahre 1992 beschreibt Gore einige Lösungsansätze für eine umweltfreundliche Wirtschaft – offenbar jedoch keine Literatur für politische Entscheidungsträger!
Al Gore geht auch weiterhin als Beispiel voran. Den Strom auf seinem Anwesen gewinnt er seit Jahren aus erneuerbaren Energien – seit 2013 lebt er zudem vegan. Als Vorsitzender von Generation Investment Management fördert Gore durch den Ankauf von Firmenanteilen Unternehmen, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben haben. In der Interessensgemeinschaft Alliance for Climate Protection versucht er uidem, “die globale Erwärmung und den Übergang zu einer nachhaltigen und sicheren Energiewirtschaft zu einer dringenden nationalen Priorität zu machen”. 2008 forderte er die USA gar dazu auf, bis 2018 den kompletten Strombedarf mit erneuerbaren Energiequellen abzudecken. Wie wir inzwischen wissen, geht der derzeitige Präsident wieder Meilen zurück in der Geschichte und den Bemühungen Obamas.

“Wenn man so viel durchgemacht hat, ist das auch eine Chance viel zu lernen.”
(Al Gore)

Schade, dass es nicht mehr Menschen dieser Sorte in Entscheidungspositionen gibt! Mit der Begründung zur Verleihung des Friedensnobelpreises an Al Gore möchte ich meine heutigen Über-legungen auch schliessen. Ole Danbolt Mjøs, der Vorsitzende des Nobelausschusses des norwegischen Parlaments, meinte am 12. Oktober 2007:

“He is probably the single individual who has done most to create greater worldwide understanding of the measures that need to be adopted.”

Filme:

.) Inconvenient Truth; Paramount Pictures 2007
.) An Inconvenient Sequel: Truth to Power 2017

Lesetipps:

.) Wege zum Gleichgewicht: Ein Marshallplan für die Erde; Al Gore; S. Fischer Verlag 1992
.) Wir haben die Wahl. Ein Plan zur Lösung der Klimakrise; Al Gore; Riemann Verlag 2009
.) Die Zukunft. Sechs Kräfte, die unsere Welt verändern; Al Gore; Siedler Verlag 2014
.) Eine unbequeme Wahrheit: Die drohende Klimakatastrophe und was wir dagegen tun können; Al Gore; Riemann Verlag 2006
.) Angriff auf die Vernunft; Al Gore; Riemann Verlag 2007
.) Lust auf Macht: Wie (nicht nur) Frauen an die Spitze kommen; Andrea Och / Katharina Daniels; Linde Verlag 2013
.) High: Die James-Blunt-Story; Michael Fuchs-Gambock/Thorsten Schatz;

Links:

- algore.com
- www.globe.gov/
- www.globe-deutschland.de
- www.energyglobe.at
- www.globe-swiss.ch
- www.generationim.com
- umweltschulen.de
- www.plant-for-the-planet.org/de
- www.climaterealityproject.org
- www.muttererde.at
- www.oekosystem-erde.de
- www.globalisierung-fakten.de
- www.klimagerechtigkeit.de

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Das Christkind bringt allen was

2016 wurde nahezu ganz Paraguay überflutet, ein Jahr später Ecuador, Peru und mit Einschränkungen auch Kolumbien! Obgleich es der US-Präsident Donald Trump nicht wahrhaben will – doch lebt er ja ohnedies in einer ganz anderen Welt: Jener der alternativen Fakten! Die Klima-Kapriolen, verursacht durch die Verschmutzung der Atmosphäre durch Treibhausgase wie Kohlendioxid, Methan, Schwefeloxide etc. werden noch viele Zerstörungen hervorrufen und sehr viel Leid bringen. Da kann man als reicher Mann in seinem eigenen Hochhaus oder als US-Präsident im sicheren Weissen Haus sitzen und noch so viele Witze reissen – es ist schlichtweg pietätlos über Menschen zu lachen, die in den Fluten ertrinken oder aufgrund der Dürre verhungern! Deshalb fordert auch Trumps Amtskollege aus Peru, Präsident Pedro Pablo Kuczynski, mehr Massnahmen gegen den Klimawandel zu setzen. Die Reaktivierung der Luftverschmutzer Nummer 1, den Kohlekraftwerken in den USA, ist da weitaus mehr als fehl am Platz.
Schwergewichtig für viele der Katastrophen weltweit verantwortlich zeichnet ein Wetterphänomen, das als “El Niño” (in diesem konkreten Fall “Das Christus-Kind”) bekannt ist. Der Experte spricht von “ENSO – der El Niño Southern Oscillation” und versteht hierunter die “ungewöhnlichen, azyklischen Strömungen im ozeanographisch-meteorologischen System”. Vereinfacht ausgedrückt: Anomalien in der Meeres-Oberflächentemperatur. Peruanische Fischer haben das Phänomen erstmals 1891/92 zur Weihnachtszeit beobachtet und deshalb diesen Namen gewählt. Ähnlich wie im Atlantik der Golfstrom, den ich an dieser Stelle ja bereits erklärt habe, steckt auch hier ein riesiger Strom dahinter: Der Humboldtstrom. Er liefert kühles und nährstoffreiches Wasser an die Küste von Peru, das durch die Passatwinde noch schneller aufgetrieben wird. So hat das Wasser zur Weihnachtszeit bei Indonesien rund 28, vor Peru nurmehr 24 Grad. El Niño nun sorgt dafür, dass die Passatwinde ausbleiben, die Durchmischung nicht mehr funktioniert. Der kalte Humboldtstrom wird schwächer oder kommt gar zum Erliegen. Das Wasser erwärmt sich vor der Küste des Andenstaates, während es vor Australien und Indonesien kälter wird. An sich kein Problem, wird dies doch durch Südostwinde normalerweise ausgeglichen: Während im Ostpazifik ein Hochdruckgebiet entsteht, fällt im Westpazifik, der Luftdruck. Dadurch wird unter normalen Umständen diese sehr feuchte Luft in Richtung Indonesien angezogen (“Walker-Zirkulation”). Dort treffen alsdann Südost- und Nordostpassat aufeinander (“innertropische Konvergenzzone”). Diese Passatwinde entstehen dadurch, dass sich die Luftmassen durch die senkrecht stehende Sonne erwärmen und in Richtung Pole ziehen. Über den Wendekreisen sinken sie wieder ab und ziehen zum Äquator zurück (“Hadley-Zirkulation”). Dabei blasen sie ungeheuerliche Wassermassen vor sich her, was dazu führt, dass der Meeresspiegel in Indonesien um ganze 60 cm höher als in Peru ist. Die Grenzfläche zwischen warmem Oberflächen- und kaltem Tiefenwasser (Thermokline) liegt normalerweise im Osten bei 30, im Westen hingegen bei 150 m. El Niño sorgt aber dafür, dass die Luftmassen und mit ihnen auch das warme Oberflächenwasser zungenförmig gegen die südamerikanische Küste klatschen.
Die Folgen bleiben selbstverständlich nicht aus: Das Plankton in den oberen Wasserschichten stirbt ab, die Fische haben nichts mehr zu futtern, wandern ab oder sterben. Die Robben verhungern oder werden krank. Ganze Nahrungsketten können zusammenbrechen – in einer Region, in der in normalen Jahren etwa zehnmal so viele Fische wie ansonsten gefangen werden können. Auch den Korallenbänken geht’s an den Kragen. 1997/98 gingen etwa 1/6 aller Riffs weltweit kaputt, da sich die symbiotischen Bakterien von ihnen trennen (Korallenbleiche).
Zudem verdunstet das wärmere Wasser schneller. Während der Überschwemmungskatastrophe in Peru war dort der Pazifik um nicht weniger als fünf Grad Celsius wärmer als üblich in dieser Jahreszeit. Steigt nun die extrem feuchte Luft an den Anden auf, beginnt es zu regnen. Fatal für Peru – in Kolumbien kamen grossflächige Abholzungen dazu, sodass das Wasser nicht im Regenwald gespeichert werden konnte und samt der Schlammmassen und Geröll zu Tale donnerte.

https://www.youtube.com/watch?v=2gSCCFCZqjs

Daneben steigt der Meeresspiegel um rund 30 cm, da warmes Wasser oben fliesst und durch die Ostwinde in Richtung Südamerika getrieben wird. Der Humboldtstrom hatte es ansonsten abgekühlt, wodurch das Wasser absinkt. Nicht weniger als 23 Häfen mussten in Peru während des Naturereignisses geschlossen werden.
Die globalen Auswirkungen sind noch extremer. Während es an der kompletten südamerikanischen Westküste wie aus Eimern schüttet, werden die Atlantikküsten trockener – sehr schlecht beispielsweise für die grossen Amazonas-Regenwälder! In Kalifornien herrscht seit rund vier Jahren Wasserknappheit. Der Regen im Februar wurde deshalb als wahrer Segen betrachtet – für die Trinkwasserspeicher trotzdem zu wenig. Städte und Gemeinden müssen bis zu 25 % Trinkwasser einsparen, 58 Mio Bäume (nach Angaben des Carnegie Institutions for Science) sind bereits seit 2011 vertrocknet, abgebrannt oder vom Borkenkäfer vernichtet worden – Gouverneur Brown spricht vom schlimmsten Waldsterben der jüngeren Geschichte Kaliforniens. Auch die riesigen Mammutbäume im Norden des Landes sind hiervon betroffen. Und das in einer Region, in welcher der Pool praktisch Bestandteil des Hauses ist! Auch in Südost-Asien und Australien fehlt der Regen – Dürre und Buschfeuer sind die Regel. So produzierten die Waldbrände 2015 in Indonesien mehr CO2 als die kompletten Vereinigten Staaten im selben Jahr und verursachten einen Schaden von nicht weniger als 16 Mio Dollar! Der Monsum auf dem indischen Subkontinent verschiebt sich, wird intensiver oder kommt gar nicht. Riesige Wirbelstürme entstehen vor Mexiko (etwa “Pauline” im Oktober 1997), die bei ihrer Reise in Richtung Norden unglaubliche Schäden anrichten. Aber auch der afrikanische Kontinent leidet darunter. Während etwa Kenia und Tansania übermässig Regen abbekommen, fehlt dieser im südlichen Afrika wie Sambia, Simbabwe, Mosambik und Botswana und zudem Äthiopien. Auch an den Polkappen ist das pazifische Wetterphänomen zu spüren: Im Sommer verliert die Arktis rund eine Million Quadratkilometer ihres Eises zu viel. Die NASA hat zudem nachgewiesen, dass 2016 auch das Meereis in der Antarktis durch das Christkind aus dem Pazifik verringert wurde. Die Experten sprechen von rund 19 Mio Quadratkilometern im Oktober – das wären rund 1 Mio weniger als noch im Rekordjahr 2014.
Mögliche Auswirkungen auf Europa sind noch nicht geklärt – nur der mehr als kalte Winter 1941/42 (Russlandfeldzug des Dritten Reichs) kann auf das Wetterphänomen zurückgeführt werden. Derzeit geht die Wissenschaft davon aus, dass ein stärkeres Frühjahrsregenband in El Niño-Jahren von Südengland bis nach Zentralasien zieht – das aber ist noch nicht erwiesen.

https://www.youtube.com/watch?v=Ug4V2BozT94

Alle zwei bis acht Jahre treten diese Wetterphänomene auf. In den anderen Jahren kann es nach einer Übergangsphase zum gegenteiligen Effekt kommen: Einer Verstärkung des normalen Zustandes – bekannt als “La Niña” (“kleines Mädchen”): Der östliche Pazifik kühlt ab – Indonesien bekommt einen sehr nassen Herbst, während in Peru zwei Monate später Dürre herrscht. Je heftiger der vorherige El Niño war, desto schneller tritt La Niña ein. Grössere El Niño-Ereignisse gab es in den Jahren 1997/98 und 2015/16. Auch dieser Jahreswechsel wird wohl leider in dieser Auflistung seinen Niederschlag finden. Das grösste Ereignis aber betrifft die Jahre 1982/83: Über drei Millionen Hektar Wald verbrannten nur auf Borneo; Bolivien, Ecuador und die Westküste der USA gingen im Wasser unter, Hawaii und Tahiti wurden von Wirbelstürmen heimgesucht – Experten sprechen von einem weltweiten Schaden von acht Milliarden Dollar. Die Wassertemperatur lag sieben Grad über dem Durchschnitt, das erwärmte die Umfeld-Lufttemperatur um rund 1,5 Grad (normal in El Niño-Jahren sind 0,25 Grad). 2015/16 gab es riesige Flächenbrände auf Australien und Indonesien, während in der Atacama-Wüste in Chile nach respektablen Regenfällen ein Blumenmeer zum Vorschein kam. Ostafrika wurde von Starkregen, Überflutungen und Erdrutschen heimgesucht, während im Norden Brasiliens eine Dürrekatastrophe herrschte. Gleichzeitig allerdings stieg der Pegel des Parañas im Süden des Landes um bis zu acht Meter.
Klimaforscher vermuten, dass die Klimaerwärmung entscheidend zur Häufigkeit und Stärke des El-Niño-Phänomens beiträgt. Was allerdings tatsächlich diese Umkehr der Walker-Zirkulation auslöst, bleibt weiterhin unerforscht! Auch die Vorhersage der Stärke ist nahezu unmöglich!

Lesetipps:

.) El Niño: Klima macht Geschichte; César N. Caviedes; Primus 2005
.) Stichwort El Niño; Christian Eckert; Heyne 1998
.) Die Erde hat ein Leck (und andere rätselhafte Phänomene unseres Planeten); Axel Bojanowski; DVA
.) La Jungle, la nation et le marché. Chronique indonésienne; Frédéric Durand; L’Atalante 2001
.) Das Meer – Wasser, Eis und Klima; Petra Demmler; Verlag Eugen Ulmer 2011

Links:

www.elnino.info/k1.php
www.elnino.noaa.gov
www.enso.info/
www.climate.gov/enso
www.wmo.int
www.bom.gov.au
www.egu.eu
bildungsserver.hamburg.de
www.jcu.edu.au
www.naturefund.de
nsidc.org
RealClimate.org
www.pik-potsdam.de
monash.edu

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Spiel’s nochmal Sam

Oh – Verzeihung. Jetzt habe ich doch glatt Marrakesch mit Casablanca verwechselt. Tut mir ja unendlich leid – aber: Was soll’s – kommt ja ohnedies wieder nichts Vernünftiges raus – egal ob da oder dort! Ein Beispiel gefällig? Der Emissionhandel von 2013: Waldreiche Staaten sollen Ihre Emissionsrechte an Industrienationen verkaufen können. Dadurch sollte der Regenwald grossflächig vor Abholzung oder Feuerrodung geschützt werden. Die Staaten erhielten auch ihr Geld – trotzdem fiel ein Baum nach dem anderen!
In Marrakesch tagten einmal mehr die Klimaexperten, NGOs und Politiker dieser Welt um aus Ihr – nein nicht etwas Besseres zu machen, sondern zu verhindern, dass aus ihr noch etwas Schlechteres wird. Der Weltklima-Vertrag trat drei Tage vor der Eröffnung der Konferenz in Kraft! Einziges Resultat bislang: Eine Proklamation! Wieder nichts bindendes!
Die wohl vernünftigste Aktion zogen wohl der WWF und LichtBlick durch: Jörn Ehlers und Frank Krippner fuhren die 4.000 km lange Strecke von Berlin nach Marrakesch mit einem E-Motorrad! Während der Tour wurden immer wieder Projekte besucht, die aufzeigen sollen, dass jeder an der Energiewende arbeiten kann und es höchste Zeit wäre, dies auch zu tun! Vom energieautarken Dorf Feldheim in Brandenburg bis zum gigantischen Solarkraftwerk in Ouarzazate/Marokko. Die beiden Umweltaktivisten sind damit wohl jene Konferenz-Anreisenden, die am wenigsten CO2 produzierten.
Die 22. Klimakonferenz der Vereinten Nationen “United Nations Climate Change Conference” trägt den Namen “COP 22″ (“Conference of the Parties”). Sie soll die Konferenz von Paris des Vorjahres thematisch weiterführen und v.a. Erfolge in der Milderung der Folgen des Klimawandels bringen. In der französischen Hauptstadt wurden die Ziele zuvor festgeschrieben und unterzeichnet. Sie ersetzen ab 2020 das aufgrund von Uneinigkeit mehrfach verlängerte sog. “Kyoto-Protokoll”, das vornehmlich die Reduktion der Treibhausgase Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Distickstoffoxid (N2O), aber auch der teilhalogenierten Fluorkohlenwasserstoffe (H-FKW), perfluorierten Kohlenwasserstoffe (FKW) und Schwefelhexafluorid (SF6) zum Inhalt hatte. In Marrakesch sollte nun dessen Umsetzung erfolgen. Ein durchaus harter Brocken, an dem schon seit Jahren ohne wirklich messbaren Erfolg gearbeitet wird. Paris brachte zumindest die Hoffnung, dass eine Zusammenarbeit erzielt werden könnte, nachdem China, Indien und die USA den Vertrag unterschrieben haben. Die Wahlen in den USA und der Sager des künftigen 45. US-Präsidenten, Donald Trump, wonach es ohnedies zu kalt sei und dementsprechend für etwas Wärme gesorgt werden muss, lassen jedoch diese Hoffnungen wie eine Seifenblase zerplatzen. Trump hat den Wiederausstieg aus der Klimarahmenkonvention bereits im Wahlkampf angekündigt. Allerdings kann er das nicht ohne weiteres alleine entscheiden – hierfür braucht er den Kongress. Ohne diesen riesigen Umweltverschmutzer jenseits des grossen Teiches verschwindet jedoch diese Aussicht auf Zusammenarbeit für eine bessere Welt im Namen unserer Kinder und Enkelkinder in weiter Ferne. “Der Geist von Paris” bleibt ein Geist!

https://www.youtube.com/watch?v=caw3CN04DpA

Trotzdem sollte das Ausrichterland Marokko lobend hervorgehoben werden. Mit dem vorhin bereits angesprochenen Solarpark Ouarzazate besitzt das Land in Westafrika eine der weltweit grössten solcher Anlagen – obgleich auf Schulden aufgebaut. Weitere Photovoltaik-Anlagen sollen künftig auf den Moscheen errichtet werden. Das Land investiert einen erheblichen Anteil des BIPs in die erneuerbaren Energien und den Klima- und Umweltschutz. So wurden etwa auch die Kunststofftüten (für alle österreichischen Leser dieser Zeilen: Plastiksackerln) im Sommer des laufenden Jahres komplett verboten. Damit liegt das westafrikanische Land sogar noch vor Deutschlnad, Österreich und der Schweiz, wo diese Einkaufstaschen nach wie vor erhältlich sind.

“Untätigkeit und der Status quo sind keine Optionen!”

(UN-Klimachefin Patricia Espinosa)

Der Weg, der eingeschlagen wurde, ist durchaus der richtige. Doch dauert alles viel zu lange. Dieser Meinung ist auch der Vorsitzende der UN-Umweltorganisation UNEP, Eric Solheim. Im vergangenen Jahr beispielsweise wurden erstmals mehr Investitionen in den erneuerbaren Energien als im Vergleich in den fossilen Energieträgern getätigt. Von den Teilnehmern erwartete sich nun das marokkanische Umweltministerium nicht nur ein Versprechen, dass 2050 aus den fossilen Brennstoffen ausgestiegen werden soll, sondern vor allen Dingen die Aufklärung, wie dies geschieht. Schliesslich spürt auch das Königreich am Atlasgebirge die Auswirkungen: Heissere Sommer, niederschlagsarme Winter. Marokko ist möglicherweise auf Schiene. Doch können die Investitionen für derartige Solarkraftwerke nicht selbst gestemmt werden – da kommen die Geschäftemacher wieder zum Zuge. Zudem ist Marokko nicht wirklich frei. Die Umweltaktivisten werden an kurzer Leine gehalten. Sie dürfen Müll sammeln, die Strände sauberhalten und Bäume pflanzen – mehr allerdings nicht, meint alsdann Jawad Moustakbal, Ingenieur und gegenwärtig Mitarbeiter am Internationalen Trainingsinstitut SIT in Vermont (USA).
Zudem ist Nordafrika sicherlich ein weitaus besseres Zeichen der UNO als 2012 der Erdöl-Riese Qatar. Der Pro-Kopf-Ausstoss von CO2 liegt dort bei 31 Tonnen – im Vergleich dazu: Deutschland 9,9 Tonnen! Im islamischen Teil der Welt (Nordafrika und Naher Osten) werden derzeit die grössten Menschheitsverbrechen der Geschichte begangen. Ehemals reiche Staaten, wie Ägypten, sind aufgrund von Kriegen, Innerstaatlicher Revolten oder Terrorismus finanziell dermassen ausgedünnt, dass sie nicht mal mehr die notwendigen Getreideimporte bezahlen können. Zuvor wurde bespielsweise entlang des Nils das benötigte Korn selbst angebaut. Anderes Beispiel: Der Karun-Fluss im Iran wurde mit dem Gotvand-Stausee aufgestaut. Das Wasser entzieht nun dem Boden Salze, die es für die Bewässerung der Felder unbrauchbar macht. Auch der Staub verursacht grosse Probleme. Durch den Wind wird immer mehr Staub aufgewirbelt, der für einen eklatanten Anstieg auch der Feinstaubbelastung sorgt. Erkrankungen des Atmungsapparates sind die logische Folge. Um bis zu 70 % habe die Feinstaubbelastung innerhalb von nur zwei Jahrzehnten in solchen Ländern wie Saudi Arabien oder dem Irak zugenommen. Stellt sich alsdann die Frage, wer die Verantwortung dafür trägt: Die Ölscheichs, die immer wieder Klimaprojekte weltweit abbremsen, da sie auch weiterhin so viel Öl verkaufen möchten wie möglich? Oder die Europäer, Amerikaner und Chinesen, die all das Öl auch verbrauchen und immer mehr wollen! In den Staaten Nordafrikas und des Orients leben rund 550 Mio Menschen. Sobald die politischen Flüchtlingsströme abgeebbt sind, werden wohl die klimatischen folgen!
In Nordafrika wird es auch im Winter nicht wirklich regnerisch oder dunkel (tagsüber). Somit könnte mit einem breiten Streifen an Photovoltaik entlang des Beginns der Sahara dermassen viel Strom produziert werden, wie er nahezu nicht verbraucht würde. Entsalzungsanlagen und Pumpstationen könnten damit beliefert werden und aus einem riesengrossen Haufen Sand fruchtbare Anbaufläche schaffen. Doch anstatt dessen bekriegen sich die Menschen – immer mehr Flüchtlinge zieht es in das Goldene Europa, da dort alles zu funktionieren scheint. Nach Computer-Simulationen des Max-Planck-Institutes hat diese Region bis zur Mitte des Jahrhunderts einen Temperatur-Anstieg von vier Grad zu erwarten. Wird nichts unternommen (Business-as-usual-Szenario), so gibt es in den islamischen Staaten des Orients bis zu 200 extrem heisse Tage pro Jahr gegen Ende des laufenden Jahrhunderts. Bei 46 Grad sind viele Flächen dann nahezu ausgestorben – die Wüste breitet sich mehr und mehr aus (Desertifikation). Ein breiter Wachstumsgürtel könnte hingegen für andere klimatische Verhältnisse sorgen.
Doch spürt nicht nur der Orient den Klimawandel. Dieser Tage hat das Bundesamt für Umwelt (BAFU) und die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) einen Forschungsbericht vorgelegt, der das Problem auch für unsere Breitengrade beinhart auf den Punkt bringt. Seit 1864 sind die Temperaturen um rund 1,8 Grad in der Schweiz angestiegen. Auch wenn der Anstieg abgebremst werden sollte und “nur” weitere 1,5 Grad hinzukommen, so wird dies eklatante Auswirkungen auf die Vegetation auch in Mitteleuropa haben: Die Waldgrenze verschiebt sich um rund 5-700 m nach oben, die Niederschlagsmenge wird um 5-25 % abnehmen, die Trockenheit führt zu extremer Waldbrandgefahr. Schädlinge wie der Borkenkäfer werden v.a. der Fichte stark zusetzen. Nadelhölzer würden auch in höheren Lagen immer mehr durch Laubbäume wie etwa der Traubeneiche abgelöst. Wälder können dadurch nicht mehr wirklich ihre Schutzfunktion erfüllen. Auch in deren Bestimmung als Energieträger und Rohstofflieferant kommt es zu Einbussen. Zudem sieht es mit dem Erholungsraum Wald nicht gerade rosig aus. Deshalb gehen nun die Experten daran, die Vielfalt des Waldes zu forcieren – auch wenn es so mancher Waldbesitzer nicht einsehen will. Den Förstern wird künftig unter wissenschaftlichern Aspekten unter die Arme gegriffen. So sollen beispielsweise hochauflösende Karten bei der Planung und Bewirtschaftung der Wälder helfen. Computeranimationen zeigen Szenarien auf und empfehlen Gegenmassnahmen. Dieses mehr als sinnvolle Forschungsprogramm der Schweiz “Wald und Klimawandel” wird im kommenden Jahr abgeschlossen werden. Es besteht aus insgesamt 42 Projekten und Teams aus allen möglichen Institutionen und Branchen.
Global ist es jedoch vor allem ein Problem, das es zu bekämpfen gilt: Schon nach kurzer Zeit wird eine Veränderung als Normalität gesehen. Anstatt etwas dagegen zu unternehmen, findet man sich damit ab. Der US-amerikanische Forscher Jared Diamond bezeichnet dies in schönstem Neudeutsch als “Creeping Normalcy”, als schleichende Normalität. Das Bundeskabinett hat am 14. November den Klimaschutzplan 2050 beschlossen. Deutschland soll bis 2050 weitestgehend treibhaus-neutral werden. Im Plan enthalten sind Klimaziele für die einzelnen Wirtschaftszweige und strategische Entscheidungen für die kommenden Jahre. Allerdings ist der Klimaschutzplan kein Gesetz. Soll heissen, dass die wahren Klimaverschmutzer bis zuletzt gar nichts machen, dann bricht das grosse Gejammere aus und mit dem Argument, dass es um Arbeitsplätze geht, werden wieder Ausnahmen geschaffen! Alt bekannte und schon vielfach durchexerzierte Tatsachen! Über diese wenigen Menschen, die hieraus Kapital schlagen, sollte man sich aber unbedingt hinwegsetzen. Schliesslich können die durch die ehemalige Umweltministerin und jetzige Kanzlerin Angela Merkel aufgestellten Ziele bis 2020 (“Aktionsprogramm Klimaschutz 2020″) höchstwahrscheinlich nicht erreicht werden, so die derzeitige Umweltministerin Barbara Hendricks. Und das obwohl der halbe Süden der Bundesrepublik in Österreich tankt. Dem Alpenstaat sind derart triviale Ziele offenbar egal – die Regierung braucht Steuereinnahmen. Wie soll all das dann in 33 Jahren aussehen? Deutschland hat seine Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz unter den Industriestaaten verloren. Die Lobbyisten sorgen wohl dafür, dass dies dauerhaft so bleibt.

https://www.youtube.com/watch?v=-BMPwCv-_sg

195 Staaten stehen in der Pflicht, dafür Sorge zu tragen, dass die Polkappen nicht verschwinden, ganze Inselgruppen nicht versinken, die Deiche in Holland halten, die Wetterextreme nicht mehr schlimmer werden. Wenn nicht jetzt der Zeitpunkt da ist, die Handbremse zu ziehen – wann dann????

Lesetipps:

.) Biodiversität und Klimawandel; Franz Essl/Wolfgang Rabitsch; Springer Berlin 2013
.) Bedrohlicher Klimawandel; Hubert Albus; Brigg 2015
.) Klimawandel und Wetterchaos?… Nicht mit uns!; Ralph Späth; Westermann 2011
.) Der Klimawandel verändert die Welt; Wolfgang Wertenbroch; Kohl 2016
.) Ursachen und Auswirkungen des Klimawandels: Folgen für die europäische Wirtschaft; Christian Beck; Bachelor + Master Publishing 2014

Links:

www.cop22-morocco.com
unfccc.int
www.bmub.bund.de
www.bmlfuw.gv.at
www.wwf.de
www.greenpeace.de
germanwatch.org
www.deutsches-klima-konsortium.de
www.energiewendebeschleunigen.de
www.swp-berlin.org
www.climatechangennews.com
0waste.de
www.coalitionclimat22.org
www.c2es.org
www.wri.org
www.zerozbel.ma
www.jugendumwelt.at/

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Aus viel mach’ nix

Begleitet von teils heftigen Demonstrationen von Klima- und Umweltschützern, Kleinbauern, Indigenen, Fischern und vielen anderen findet dieser Tage die Klimaschutzkonferenz 2015 in Le Bourget in der Nähe von Paris (COP 21 bzw. 11. Treffen zum Kyoto-Protokoll) statt. Eine Konferenz, die sich immer wieder selbst in Frage stellt, wurden doch bislang bei derartigen Tagungen nie wirklich Langfrist-Ziele gesetzt, geschweige denn zumindest Teile davon erreicht. Dabei wäre es nicht erst 5 vor 12 sondern leider schon 1 vor 12. Tut sich nicht sehr rasch etwas, so werden unsere Kinder und Enkelkinder nicht mehr gesund auf diesem Planeten leben können.
In Kyoto wurde 1997 beispielsweise ein Minus von 5 % beim Ausstoss von Treibhausgasen beschlossen (nicht unterschrieben von den grössten Umweltverschmutzern wie den USA oder China uvam.). Allerdings nahm die Immission um mehr als 60 % beispielsweise beim Kohlendioxid zu. Wir verheizen jeden Tag dermassen viel an fossilen Energieträgern (Gas, Öl und Kohle), wie die Natur in 1 Million Jahren produziert hat. Die vielen Naturkatastrophen sind die Vorboten davon, was künftig mit unserem Planeten geschehen wird. Kritische Stimmen betonen, dass Afrika in 100 Jahren nicht mehr bewohnbar ist und Europa die derzeitigen dortigen Temperaturen zu bewältigen hat. Mehrtägige Hitzewellen mit 40 Grad Celsius sind in heimischen Gefilden im Sommer nichts aussergewöhnliches mehr! Das Jahr 2015 wird wohl als das wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in die Geschichtsbücher eingehen.
Auch wenn ich an dieser Stelle bereits über eine Klimakonferenz geschrieben habe, möchte ich all das nochmals in Erinnerung rufen um vielleicht damit den einen oder anderen unter Ihnen zu einem Umdenken bewegen zu können. Denn – Klima- und Umweltschutz beginnt im Kleinen. Muss wirklich jeden Tag Fleisch auf dem Mittagstisch stehen? Pflanzenöl (meist Palmöl) anstelle des heimischen Rapsöles verwendet werden? Ist das Auto für Strecken von bis zu 5 Kilometern wirklich notwendig oder tut’s etwas Bewegung zu Fuss oder Rad auch? Wohnzimmerliche T-Shirt-Wärme auch im Winter?!
Die sog. “Treibhausgase” gelten schlechthin als die Hauptverursacher dieses Klimawandels. Sie verhindern die Abstrahlung jener Wärme, die von der Sonne geliefert aber nicht gebraucht wird, indem sie ein gewisses Wellenspektrum absorbieren. Klar wird auch durch die Gase Wärme abgegeben – jedoch nicht wie wichtig wieder in’s Weltall, sondern auch zur Erde zurück. Einerseits gut, wäre doch ohne dieses Naturphänomen der Planet rund 33 Grad kälter, andererseits schlecht, da die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre rasch zunimmt: Der Planet heizt sich auf! Die Auswirkungen können im Blog zum Golfstrom bzw. polaren Eis nachgelesen werden.
.) Kohlendioxid CO2
Kohlendioxid entsteht bei so gut wie jeder Art der vollständigen Verbrennung. Das Gas absorbiert die Wellenlänge von 15 μm. Das CO2 zeichnet für rund 75 % der durch den Menschen verursachten Erwärmung verantwortlich. Klimatologen gehen davon aus, dass eine Verdoppelung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre zu einer Erwärmung von rund 2-4,5 Grad führt. Jährlich gelangen zirka 38 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre (auch durch das Verbrennen von Regenwäldern). Zirka die Hälfte davon wird in sog. “Kohlenstoffsenken” gespeichert (Meere, Ökosysteme wie Wälder, Moore oder auch den Permafrostböden in Russland und Kanada). Die andere Hälfte allerdings verbleibt in der Luft! Jährlich nimmt die Konzentration um rund 2 ppm zu. Der Abbau erfolgt nur sehr schleppend – nach tausend Jahren ca. 50 %. Durch den Wasserdampf in der Luft wird die Wirkung von CO2 sogar verdoppelt.
.) Methan CH4
Methan ist für rund 15 % der Erderwärmung verantwortlich. Es entsteht, wenn organisches Material unter Sauerstoff-Abschluss abgebaut wird (Mülldeponien, Reisanbau, Wiederkäuer,…). Der Hauptverursacher für das Gas ist die industrielle Massentierhaltung, somit also die Landwirtschaft. Methan reagiert in der Luft mit anderen Molekülen. Nach 10 bis 12 Jahren wird es zu CO2 und Wasserdampf abgebaut. Erschreckend ist, dass seit dem Beginn der Industrialisierung der Methangehalt um 151 % zugenommen hat.
.) Lachgas N2O (Distickstoffoxid)
Lachgas wird beim Abbau von mineralischem Stickstoffdünger freigesetzt, dem wichtigsten in der Landwirtschaft. N2O ist für rund 8 % der Erderwärmung zuständig.
.) F-Gase
Die wohl bekanntesten unter ihnen sind die FCKW – Fluorchlorkohlenwasserstoffe, die als Kühlmittel oder in Spraydosen eingesetzt wurden. Sie sind seit 1990 grossteils durch die Fluorkohlenwasserstoffe ersetzt worden, da diese die Ozonschicht nicht schädigen, allerdings ebenfalls zur Erderwärmung beitragen. Weitere F-Gase sind: Perfluorierte Kohlenwasserstoffe (entstehen in der Aluminiumindustrie) und Schwefelhexafluorid (Isolationsgas bei Hochspannungsschaltern).
Um die Gase mitsamt ihren Auswirkungen vergleichen zu können, wurde das sog. “Global Warning Potential” (Treibhauspotential) eingeführt. Die Basis bildet hierbei die Wirkung von CO2. Methan hat einen GWP von 21 (1 Tonne Methan ist vergleichbar mit 21 Tonnen CO2). Lachgas sogar von 310!
Zu all dem kommt noch der Russ dazu. Er ensteht ebenfalls durch Verbrennung oder bei Vulkanausbrüchen. Legt er sich auf das polare oder Gletschereis, kann weniger IF-Strahlung reflektiert werden – das Eis schmilz schneller.
Derartige Klima-Konferenzen sind nicht nur aufgrund dessen umstritten, weil niemals Lösungen präsentiert werden, sondern diese vermehrt zudem von globalen Konzernen genutzt werden, um dadurch auf scheinbar sozial- und ökologisch-verträgliche Produktionsmodelle hinzuweisen: “Climate Smart Agriculture”, “Blue Carbon”, “REDD+” und “Carbon Capture and Storage” sind jene vier, die vornehmlich durch die Menschenrechtsorganisation FIAN bekämpft werden. Während sich die Grosskonzerne auf diese ausreden, wird den Kleinbauern und Fischern, aber auch den Ureinwohnern jegliche Existenzgrundlage und ihr Recht auf Nahrung, Gesundheit und Wohnen genommen. Die Lösung: Hier geht es vornehmlich um ein agrarökologisches Modell der Lebensmittelproduktion, Nachhaltigkeit, Biodiversität und die artgerechte Tierhaltung. Themen, die bei solch grossen Treffen so gut wie nie angesprochen werden, jeder kleine Landwirt muss sich aber genauestens daran halten.
Selten zuvor waren sich Experten dermassen einig, dass eine Klimaschutzkonferenz zu nichts führen wird, wie bei Paris 2015. Auch die Weltbank hat bereits vor einem Scheitern gewarnt. Es könnten weitere 100 Mio Menschen unter die Armutsgrenze schlittern, sollte nicht endlich etwas geschehen. Die beiden Hoffnungsschimmer sind US-Präsident Barack Obama, der jetzt unterschreiben kann, was er versprochen hatte, da er nicht mehr wiedergewählt werden kann. So hat er bereits den “Clean Power Plan” zur Reduktion des CO2-Ausstosses in den USA auf den Weg gebracht. Nach diesen Grundsätzen soll diese Immission der US-Kohlekraftwerke bis 2030 um 32 % gesenkt werden – hierzulande werden die meisten dieser Umweltruinen komplett geschlossen. Allerdings hat die Opposition im Kongress die Mehrheit – sie haben bereits Widerstand angekündigt, denn für die meisten Republikaner ist die Erderwärmung eine Lüge der Gegner der USA. Sollte ein Rep Obamas Nachfolger werden, sind dessen Verordnungen schnellst möglich wieder aus der Welt geschaffen. Zudem sind die Widersprüche nicht wirklich zu verstehen. Der Liter Fracking-Benzin kostet in den USA gerade mal 50 Cent! Shell durfte zudem in der Arktis nach neuen Öl- und Gas-Vorkommen bohren – und nun Obamas Ruf in’s hochkarätig besetzte Gipfel-Publikum: “Lassen Sie uns mit der Arbeit beginnen!” Und China? In diesem Winter kann man in Peking nicht mehr ohne Gasmaske durch die Strassen gehen. Hier muss etwas geschehen, da ansonsten ein ganzes Volk an Atemwegserkrankungen zugrunde gehen wird. Trotzdem wurden erst für 2030 Eingeständnisse durch die chinesische Regierung gemacht – das Wirtschaftswachstum ist wichtiger als PM 25 (Feinstaubpartikel, die bis in die Lungenbläschen vordringen). Bis 2030 soll das bevölkerungsreichste Land der Erde bis zu 25 % des Bedarfs aus erneuerbaren Energiequellen gewinnen. Inzwischen rauchen die Kohlekraftwerke weiter – auch 75 % aus fossilen Energieträgern sind viel zu viel! Alsdann will zudem Indien vermehrt an die Kohlereserven des Landes, gleichzeitig aber auch Sonnen- und Windenergie nutzen. Die Berechnungen für den 1,3 Milliarden-Subkontinent sind mehr als düster: Bis 2030 wird der CO2-Ausstoss verdreifacht werden! Und dies, obwohl laut vorgelegten Klimaplan die “Kohlenstoffintensität” um 33 bis 35 Prozent bis zum Jahr 2030 reduziert werden soll! Eine Verhohnepippeling – der Wert steht für die Emissionen im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung. Nimmt somit die Wirtschaftsleistung zu, so nehmen auch die Emissionen zu. Geht es nach der indischen Regierung, können durchaus bis zu 9 % Wirtschaftswachstum möglich sein – damit drohen allen indischen Städten ähnliche Bilder wie die derzeit aktuellen aus Peking! Für die Nutzung erneuerbarer Energien, v.a. der solaren, fordert die indische Regierung von der Weltgemeinschaft Geld und den Fall von Patentrechten auf Technologien!
Erwartet wird von COP21 eigentlich die Verabschiedung der Nachfolge-Vereinbarung des Kyoto-Protokolls. Heisse Luft??? Mitnichten, schliesslich geht es um Themen, die unsere Welt retten sollen: Verbindliche Klimaschutz-Zusagen der Länder, die Gleichbehandlung von Klimaschutz und Klimaanpassung und den Ausbau des Green Climate Funds. Zudem soll alles künftig transparenter gemacht werden. Ah ja – apropos “Green Climate Fund”! Er ist sozusagen das schlechte Gewissen der industrialisierten Welt. Bis zum Jahr 2020 sollen nicht weniger als 100 Milliarden US-Dollar in diesen Fund des UNFCCC in Songdo/Südkorea fliessen, die einerseits für Projekte zur Minderung der Treibhausgase, andererseits jedoch auch als Wiedergutmachung an die Entwicklungsländer entrichtet werden sollen, die durch die Auswirkungen des Klimawandels am meisten betroffen sind. Eine Art Ablass-Zahlung also! Ideen gibt es viele, wie etwa die “CO2-Bepreisung” oder “Dekarbonisierung der Weltwirtschaft” der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Unzählige Tagungen, Seminare und Treffen von Experten, Verantwortlichen etc. fanden im Vorfeld dieses COP 21 statt (etwa die Konferenz “Our Common Future Under Climate Change” oder die Vorbereitungskonferenzen in Bonn). Inzwischen reichten bis Anfang Oktober nicht weniger als 146 Staaten (darunter die komplette EU, die USA und auch Russland) ihre Klimaschutzpläne zur Analyse durch das Grantham Institute for Climate Change in London ein. Und die Experten sind sich einig: Der Klimaschutz ist zu wenig um die Erderwärmung um “nur” zwei Grad zu festigen. Der CO2-Ausstoss muss bereits 2070 (“Dekarbonisierung” – der Komplettausstieg aus den fossilen Brennstoffen), jener für alle Treibhausgase 2100 auf Null reduziert werden. Dann sind 2 Grad machbar! Utopisch! Die Wirtschaft etwa geht davon aus, dass fossile Energieträger auch auf Jahrzehnte hinaus noch gebraucht werden. Die Argumentation, fossile Brennstoffe auch weiterhin verwenden zu können, wenn andererorts Aufforstungen en gros gemacht werden – das ist Augenauswischerei. Schliesslich ist der Baum für sich gesehen CO2-neutral. Er hat im Laufe seines Lebens dermassen viel CO2 verarbeitet, wie seine Verbrennung wieder freisetzt. Damit werden also Birnen mit Äpfeln verglichen.
Die 7,3 Milliarden Menschen Weltbevölkerung verbrauchten im vergangenen Jahr so viel an Energie wie im Vergleich dazu 13 Milliarden Tonnen Öl liefern. Der Anstieg an fosslien Energieträgern lag letztes Jahr bei “nur” 0,9 % – im Vergleich der Jahre zuvor (+2,1 %). Die Internationale Energieagentur IEA rechnet mit einem weiteren Anstieg des Energiebedarfs bis 2040 um schwindelerregende 33 %. Doch, mal komplett abgesehen von diesen 2-4,5 Grad – beim Treffen der G7-Aussenminister im April in Lübeck wurde die gesamte Problematik beleuchtet: Extremwetterereignisse, Anstieg des Meeresspiegels, Zerstörung von Küstenbereichen, grenzüberschreitendes Wassermanagement, Konkurrenz bei den lokalen Ressourcen, Verlust der Existenzgrundlage von Landwirten und Fischern sowie Ureinwohnern, schwankende Versorgung und Lebensmittelpreise… Wenn es die Aussenminister verstanden haben, warum dann nicht auch deren Regierungen? Schliesslich haben die Staats- und Regierungschefs lautstark verkündet, dass etwas geschehen muss – bereits wenige Tage nach der fulminanten Eröffnung wurde schon wieder von “schleppenden Verhandlungen” und einem “Schmalspur-Abkommen” geredet! Hinter vorgehaltener Hand heisst es gar, dass viele Delegationen für die erste Woche des Treffens die Order erhielten, sich nicht zu bewegen (so ein europäischer Diplomat gegenüber der Presse)!
Auch Papst Franziskus zeigt sich in seiner Enzyklika Laufato si’ enttäuscht – vor allem vom vorhergehenden Treffen in Peru: “Mich hat der Mangel an Mut enttäuscht. An einem gewissen Punkt haben sie aufgehört!” Er bezeichnete es während seiner Afrikareise in Kenia als “katastrophal”, wenn das Treffen in Frankreich aufgrund von Einzelinteressen mancher Staaten scheitern sollte. Auch die anderen christlichen Kirchen, der Islam, das Judentum und der Buddhismus haben dazu aufgerufen, endlich energisch für den Klimaschutz vorzugehen.
Ein positiver Punkt ist bislang in all den Verhandlungen zu finden: Die “Breakthrough Energy Coalition”. 20 Industriestaaten haben versprochen, die Ausgaben für saubere Energien und die entsprechende Speicherung zu verdoppeln. 30 Superreiche wie Bill Gates, Marc Zuckerburg, Jeff Bezos und Hasso Plattner werden ebenso in dieser Richtung investieren (Wagniskapital).
Unzählige Staats- und Regierungschefs haben sich in Le Bourget getroffen. Die Protestkundgebungen erreichten mit dem Global Climate March am Tag vor dem Konferenzbeginn ihren Höhepunkt. Millionen auf der ganzen Welt demonstrierten für unser Klima – gegen Dürren, Überschwemmungen, Stürme, dem Anstieg des Meeresspiegel,…
In Paris stehen inzwischen “Brot und Spiele” auf dem Gipfel-Stundenplan! 130 Staats- und Regierungschefs, rund 40.000 Verhandler und 15.000 Sicherheitskräfte – gegen den Rest der hoffenden Welt! Läuft in der industrialisierten Welt derweil alles in die richtige Richtung, so kriegen das alle anderen Staaten nicht gebacken! Denn – auch die Schwellenländer wollen ihr Stück vom Industrialisierungskuchen abhaben. Und Abgase und Feinstaub machen nicht an der Grenze eines Staates hat!

PS:
Sollten die Grossen und Mächtigen dieser Erde noch immer nicht begriffen haben, wie das alles geht – der Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, zeigt es vor und steht sicherlich gerne auch Herrn Obama, Herrn Putin, Frau Merkel und Herrn Xi Jinping bzw. Herrn Pranab Mukherjee Rede und Antwort!

Filmtipp:

„Zwischen Himmel und Eis“ – Das Leben von Claude Lorius

Links:

http://www.cop21.gouv.fr/

http://newsroom.unfccc.int/

https://www.ipcc.ch

http://www.gcfund.org

http://www.umweltbundesamt.de

http://www.bmub.bund.de

http://www.un.org/climatechange/

http://klimadiplomatie.de/

https://www.die-gdi.de/

https://germanwatch.org

http://www.wwf.de

http://www.greenclimate.fund/home

http://www.oekosystem-erde.de/

http://www.handsontheland.net

http://www.viacampesina.at

http://www.fian.at

http://www.columbia.edu/~mhs119/

http://www.casinapioiv.va/

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Alles Gute kommt ja bekanntlich von oben

Na? Das war ein Sommer – oder? Laue Sommernächte, die zum Verweilen auf der Terasse und dem romantischen Beobachten des Sonnenuntergangs bei einem Glas fruchtigen Lambruscos einladen. Allerorts der Duft von gegrilltem Fleisch, das fröhliche Lachen der Nachbarn in ihren Gärten und Balkonen! Ein Sommer, wie er schon lange nicht mehr war! Wie er schon lange nicht mehr in’s Wasser gefallen ist! Wurden noch im vergangenen Jahr die Hitzerekorde gebrochen, so fielen anno 2014 die Wasserrekorde. Liessen Mai und auch Juni die Sonnenhungrigen vielleicht noch frohlocken, so verfluchte wohl jeder die Monate Juli und August!
Ein paar Zahlen für diesen Sommer gefällig?

Augsburg
Temperaturmittel: 17,1 Grad Celsius
Abweichung: -0,1 Grad Celsius
Niederschlagsmenge: 302,2 l/qm
Abweichung: 108 %
Sonnenschein: 649,7 Stunden
Abweichung: 95 %
Die grösste Abweichung gab es im Monat Juli beim Niederschlag (164,4) bei gleichzeitiger Abnahme des Sonnenscheins (81 %)

Frankfurt
Temperaturmittel: 19,1 Grad Celsius
Abweichung: 0,0 Grad Celsius
Niederschlagsmenge: 266,8 l/qm
Abweichung: 148 %
Sonnenschein: 670,4 Stunden
Abweichung: 100 %
Hier besonders eklatant die Zunahme der Niederschlagsmenge im Juli (198 %) bzw. im August (178 %)

Rostock
Temperaturmittel: 17,7 Grad Celsius
Abweichung: +0,6 Grad Celsius
Niederschlagsmenge: 190,1 l/qm
Abweichung: 86 %
Sonnenschein: 796,9 Stunden
Abweichung: 114 %
Im Norden gab es im Juni mehr Regen (115 %), die meiste Sonne hingegen im Juli.

(Quelle: Wetterkontor.de; Stand: 14.09.2014)

Die Mittelwerte wurden aus den Jahren 1981 bis 2010 berechnet (“30-jähriger Mittelwert”). .
Diese Zahlen zeigen somit ganz klar eines auf: Der kühle Norden ist gar nicht mehr so kühl und der sonnige Süden immer nasser!

Zum Vergleich:

Tirol
Temperaturmittel: 18,3 Grad Celsius
Abweichung: -0,1 Grad Celsius
Niederschlagsmenge: l/qm (kein Wert gefunden!)
Abweichung: 110%
Sonnenschein: 620 Stunden
Abweichung: 90 %

(Quelle: www.zamg.ac.at)

Diese Werte sind noch harmlos im Vergleich zum August: Niederschlag: +23 %, Temperatur: -1,3 Grad, Sonnenschein: -26 %!!!

Basel
(Werte für August – leider keine Vergleichswerte verfügbar)

Temperaturmittel: 19,2 Grad Celsius
Abweichung: -0,4 Grad Celsius
Niederschlagsmenge: 59 l/qm
Abweichung: 160 %
Sonnenschein: 300 Stunden
Abweichung: %

(Quelle: https://mcr.unibas.ch)

Und Meteorologen bzw. v.a. Klimaforscher prognostizieren nichts Gutes: Es wird noch wesentlich schlimmer!

Wenn ich ab und an mit älteren Menschen spreche, endet alles irgendwie in dem Satz: “Früher, ja, da war noch alles anders!” Muss nicht zwangsläufig “besser” heissen! Jeder erinnert sich gerne an seine Schulzeit zurück – dass man auf Teufel komm raus gehänselt wurde, weil sich ein Milchzahn verabschiedet hat, weiss niemand mehr! Die Männer tauschen noch heute am Stammtisch Geschichten von ihrer Wehrdienstzeit aus – dass bei Wind und Wetter marschiert oder exerziert wurde und so mancher Vorgesetzte seiner sadistischen Ader freien Lauf liess, ist heute jedem egal. Doch – was das Wetter anbelangt – da könnte so manch Eine(r) tatsächlich recht haben. Ich erinnere mich an Zeiten, als es noch klar unterscheidbare Jahreszeiten gab. Als das sommerliche Azorenhoch noch wirklich real war und für traumhaftes Wetter sorgte, als Sahara-Sand in der Luft einmal alle zehn Jahre vorkam. Als es eben noch etwas anders war! Heute wird der Sommer durch Überschwemmungen definiert, der Winter mit rauhen Schneemassen, die innerhalb nur eines Tages wieder vom Regen weggeschmolzen werden. Doch – ich bin ebenfalls schuld an dieser Misere! Mea culpa! Auch wenn ich darauf schaue, dass ich im Winter nicht unbedingt T-Shirt-Temperaturen im Raum haben muss, ich rund 2/3 des Jahres mein komplettes Warmwasser über Sonnenkollektoren produziere, ich in meinem Garten dem Grün den Vorrang gebe, so fahre ich dennoch kilometerweise mit dem Auto wenn der Chef ruft oder ich mal wieder in den Baumarkt muss. Sicherlich – so abstrus wie jene Bekannte, die wegen 200 m und einer Packung Milch ihr Kind im Kindersitz anschnallte und mit dem Auto die Strecke zurücklegte – das gibt es bei mir nicht. Der Mensch ruiniert diesen seinen Planeten selbst – in nur wenigen Jahren! Werte Leser: Bleibt diese Welt noch lebenswert für Ihren Sohn bzw. Ihre Tochter, geschweige denn für Ihre Enkel (“enkelfit!)?
Als die UNO vor kurzem den neuen Klimabericht veröffentlichte, sorgte dies für einen unüberhörbar lauten Aufschrei! Doch eine Woche später ist das Thema schon wieder vom Tisch – weg und vergessen – tragisch! Es ist nicht nur schade, sondern grob fahrlässig. Für all jene, die diesen Bericht noch nicht kennen sollten:
Die Vereinten Nationen geben in regelmässigen Abständen den Klimareport des UN-Klimarates (IPCC) heraus. Dabei wird über den aktuellen Stand des Klimawandels berichtet – im Vergleich mit früheren Zeiten. So liegen etwa Wetter- und Klimawerte seit 1950 in ausreichender Datenmenge vor, davor sind sie etwas dürftig – aber durchaus vorhanden. Hinzu kommen paläoklimatische Untersuchungen, die durchaus einen Schluss auf das Klima vor tausenden und Millionen von Jahren zulassen. Mehr als interessant ist in diesem Zusammenhang etwa immer wieder der Vergleich mit der Entstehung der Eiszeiten! Dieser aktuelle 5. Klimareport hat es wahrhaft in sich:

“Seit Jahrzehnten bis gar Jahrtausenden sind derartige klimatischen Veränderungen wie sie in den letzten 74 Jahren aufgetaucht sind, nicht zu erkennen!”

Die Atmosphäre und Ozeane erwärmen sich besorgniserregend. Die vergangenen drei Jahrzehnte waren wesentlich wärmer als die vorhergehenden – so hat im Schnitt die Lufttemperatur weltweit zwischen 1880 und 2012 um rund 0,85 Grad Celsius zugenommen. Vergleichbar sind derartige Temperaturen nur mit der “Warmzeit” des beginnenden Mittelalters (zwischen 950 und 1200) – allerdings betraf dies damals nur spezielle Regionen dieses Planeten. Die Erderwärmung der Gegenwart lässt hingegen den kompletten Globus erschauern. Arktisches, antarktischen und Gletschereis schmelzen mir nichts Dir nichts weg. Die Weltmeere erwärmen sich zwar langsamer – dennoch wird diese Energie in den oberen Schichten bis ca. 700 m Tiefe gespeichert. Nach dem Report stieg die Wassertemperatur seit 1971 bis zu einer Tiefe von 75 m um 0,1 Grad pro Jahrzehnt. Somit wird in wärmeren Meeresregionen mehr Wasser verdunsten, der Salzgehalt nimmt zu. Über dem Festland kommt dieses Wasser als Süsswasser wieder herunter und wird über die Flüsse zurück in die Meere gespült. An deren Mündungen sinkt der Salzgehalt eklatant. Dies hat enorme Auswirkungen auf den Golfstrom, der für das nordamerikanische und europäische Klima verantwortlich ist. Hierauf möchte ich nicht genauer eingehen, da dies schon einmal Inhalt des Blogs war. Auch der Rückgang des regulierenden arktischen Eises wurde von mir erst vor kurzem geschildert.
Die Überschwemmungen in den letzten Jahren sind etwa vornehmlich auf Tiefdruckgebiete aus dem Mittelmeer-Raum zurückzuführen. Diese sind richtiggehend wie ein Schwamm mit Wasser vollgesogen. Sie werden meist durch Hochs in Skandinavien oder Russland angesogen. Für die Alpenüberquerung sind sie zu schwer – es kommt zu Dauerregen. Die Gebirgsbäche werden zu reissenden Flüssen, die in anderen Flüssen und Strömen einmünden, wodurch die horrenden Wassermassen auch in die Ebenen weitergeleitet werden. Rhein, Donau und Elbe gehen vermehrt über die Ufer. Auch der Boden kann kein Wasser aufnehmen – es gehen reihum Erdrutsche ab. Im Winter sorgen Plusgrade für grosse Sorgenfalten. Schliesslich wird das Wasser nicht mehr als Schnee in den Bergen gespeichert – es fliesst zu Tal. Zudem versickern Teile davon im Erdreich. Fallen dann die Temperaturen wieder unter Null oder gar weit unter Null (durch den vermehrten Zuzug von Polarluft etwa), so gefriert das Wasser im Boden und sorgt gerade im felsigen Gelände für Felssprünge, die vermehrt zu Felssturzen führen können. Diese Phänomene werden im Laufe der Zeit und mit dem fortschreitenden Klimawandel immer häufiger werden. In ehemaligen Urwaldgebieten, in welchen das Regenwasser bislang durch den Wald gespeichert wurde, fliesst es mitsamt des Schlamms in die Ebenen. Monsunregen werden heftiger und dauern länger an. Fatale Folgen also für das Festland. Feuchte Gebiete werden noch feuchter, trockene hingegen noch trockener! Doch auch für die Küstenbereiche ergeben sich Veränderungen. Der Meeresspiegel ist um rund 19 Zentimeter seit 1901 angestiegen – je nach Szenario wird er bis 2100 um bis zu 98 cm ansteigen. Sollte der Eisschild auf Grönland komplett schmelzen, könnte dies bis zu 7 Meter ausmachen!!! Unwetter im Küstenbereich werden damit umso heftiger!
Seit rund 800.000 Jahren war die Konzentration der Treibhausgase in unserer Atmosphäre nicht derart hoch wie aktuell. Kohlendioxid, Methan und Distickstoffoxid stiegen vornehmlich durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Erdöl, Erdgas und Kohle enorm an. Hinzu kommt die radikale Abholzung des Urwaldes, der eine ganz entscheidende Rolle im Kohlenstoffkreislauf spielt aber auch das Auftauen der Permafrost-Böden. Das Waldsterben bedingt durch den sauren Regen in den 70er- und 80er-Jahren zeigte dies in aller Härte auf. Grösster Speicher allerdings sind die Ozeane, die dadurch zusehends saurer werden. Rund 155 Milliarden Tonnen an Kohlenstoff werden jährlich durch die Wasermassen aufgenommen (auf dem Festland sind es zum Vergleich 160 Milliarden Tonnen). Durch die restlichen, in der Luft verbleibenden Gase funktioniert u.a. die Rückstrahlung der Sonnenwärme nicht mehr – sie wird gespeichert – die Luft wird wärmer (“Positiver Strahlungsantrieb”). Dieser Strahlungsantrieb hat zwischen 1980 bis 2011 um 1 Watt pro Quadratmeter zugenommen! Im Vergleich dazu: Seit 1750 waren es gesamt 2,29 Watt/m²!!! Hierbei sollte jedoch nicht vergessen werden, dass jeder Regenschauer einen negativen Strahlungsantrieb bewirkt!!! Nach Berechnungen der Klimaforscher dürfte – sollte die Erderwärmung nur 2 Grad Celsius ausmachen – der Kohlendioxid-Ausstoss nur 790 Mrd. Tonnen CO2 betragen – seit 1870 jedoch wurden bereits 515 Mrd. Tonnen emittiert! Deshalb wird realistischer von einem Temperaturanstieg von 4,5 bis 5 Grad bis Ende des 21. Jahrhunderts ausgegangen. Das Szenario RCP 8,5 weist jedoch eine Emmission in der Grösse von 1.682 Milliarden Tonnen CO2 bis zum Jahrhundertwechsel aus! Führen wir das bisjerige Luxusleben weiter fort, werden wir also mit diesen Wetterextremen leben müssen – ganz nach dem Motto: “Wer nicht hören will, muss fühlen!”
Was all dies konkret etwa am Beispiel Österreich bedeuten kann, zeigen seit dieser Woche 240 österreichische Klimaforscher mit ihrem neuesten, über 1.000 Seiten starken “Österreichischen Sachstandbericht 2014″ auf. So ist im Alpenstaat die durchschnittliche Temperatur um nahezu zwei Grad seit den Jahr 1880 angestiegen. Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts könnten es bereits 3,5 Grad sein. Für all jene, die sich schon mal in Vorfreude vorsorglich den Sonnenstuhl im Garten zurechtrücken: Einersseits werden die Hitzeperioden immer länger, andererseits kommt es jedoch auch vermehrt zu Regensintfluten. Einerseits vertrocknen die Pflanzen auf dem Acker, andererseits ertrinken sie. Die vergangenen beiden Sommer waren symptomatisch für die künftigen: Staubtrocken wie in Niederösterreich im vergangenen Jahr und übernass wie in der Steiermark heuer! Auch andere Formulierungen müssen verwendet werden, da es in den vergangenen 11 Jahren ganze zweimal zu Jahrhundert-Hochwassern kam. Der Alpenraum ist gegenüber Klimaveränderungen ganz besonders empfindlich – Es besteht dringendster Handlungsbedarf!!!

“Wer es leugnet, geht an der Realität vorbei!”
(Österreichs Umweltminister Andrä Rupprechter)

Doch – gottlob ist die Dienstlimousine des Ministers für Stadt- oder Nahtermine ein E-Car, das über die Photovoltaikzellen am Dach des Umweltministeriums aufgetankt wird! Oder? Und: Weshalb hängen in Österreich nach wie vor dermassen viele Kohle-Kraftwerke am Netz? So präsentieren beispielsweise die NGOs Greenpeace, Global 2000 und der WWF Beispielszahlen aus Mellach. Das dortige Kohlekraftwerk verbrennt jährlich rund 440.000 Tonnen Kohle und bläst dabei 1,1 Mio Tonnen Kohlendioxid in die Luft! Und dies alles obgleich der Tatsache, dass Österreich eines der wasserreichsten Länder dieser Erde ist! Die Kraftwerke müssen ja nicht in Wohn- oder Naturschutzgebieten errichtet werden. Österreichs Wirtschaft stöhnt über die hohen Umweltauflagen – nach ersten Vergleichen sollten diese aber wesentlich höher sein!
Die Forderung der Umweltverbände nach Einführung einer Ökosteuer allerdings lehne ich aus vollster Überzeugung ab. Wie zuletzt auch durch die Präsentation der Inflationsraten erneut tragisch aufgezeigt, wird das Leben nahezu täglich teurer. Immer mehr Menschen benötigen Heizkostenzuschüsse. Durch eine derartige Steuer würde jener Faktor teurer werden, der das Plus von 4 % bei Milch und Milchprodukten bzw. das Plus von 2,2 % beim Grundnahrungsmittel Brot wieder halbwegs ausgleicht! Und – wer unsere Politiker kennt, weiss, dass solche Einnahmen nicht zweckgebunden verwendet werden!

Links:

http://www.klimawandel-verstehen.de

http://www.oekosystem-erde.de

http://www.dwd.de

http://www.apcc.ac.at/

http://zamg.ac.at/histalp/

http://ehyd.gv.at

http://peoplesclimate.org/

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Das letzte Stück Erde

Der Regenwald wird gerne als “grüne Lunge” dieses Planeten bezeichnet. Doch steht inzwischen auch für ihn die Uhr auf 5 vor 12! Er wird zum Fall für den Lungenfacharzt! Täglich verschwinden weltweit rund 550 Millionen Quadratmeter (mehr als ein halbes Fussballfeld pro Sekunde!) – bei derzeit verbliebenen 6 Mio Quadratkilometern ist es nurmehr eine kleine, lausige Division bis zum Endpunkt: Seiner endgültigen Auslöschung. In Fernostasien und Australien wird er aufgrund des Holzes für die Papierindustrie niedergemacht, entlang des Amazonas um Anbaufläche für die Ölfrucht, Soja und ebenfalls für Holzplantagen zu bekommen. Über den Osten und Südosten habe ich bereits geschrieben, weshalb ich heute das Gebiet am Amazonas etwas näher beleuchten möchte.
Es ist eine unglaubliche Zahl an Kohlendioxid (CO2), die im Regenwald des brasilianischen Amazonas-Gebietes gespeichert ist. Das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung und die United Nations Environment Programme (UNEP) beziffern dies auf rund 120 Milliarden Tonnen. Vergleichbar in etwa mit dem hundertfachen Jahresausstoss an CO2 in Deutschland! Wird der Regenwald nun abgeholzt, so gelangt diese riesige Menge – egal in welcher Form auch immer – in die Atmosphäre! 17,4 % der weltweiten CO2-Emissionen sind auf Waldrodungen zurückzuführen. Brasilien hat sich verpflichtet, die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um 39 % zu verringern! Ist es nur ein Tintenklecks auf einem Stück Vertragspapier?
Verschiedene Computer-Simulationen (so auch jene von James Alcock von der Penn State University) haben das Ende dieses teils noch ursprünglichen Gebietes in ein paar Jahren vorausgesagt, auch wenn die brasilianische Regierung den Regenwald unter Schutz gestellt hat. Doch wird mit dem Wald auch eines der wichtigsten Ökosysteme des Globuses vernichtet. Das Amazonas-Gebiet ist als Feuchtgebiet ein nicht zu unterschätzender Wasserspeicher und Klimabeeinflusser.

http://www.youtube.com/watch?v=8SB4pUODppA

Werden nun diese riesigen Bäume gerodet, so wird Wasser und Wind nahezu das ganze Gebiet zerstören – die Folgen sind in Fernostasien zu sehen: Darunterliegende Regionen werden bei nahezu jedem Regenfall überflutet, da das Wasser sang- und klanglos abfliesst. Erdrutsche werden ganze Dörfer begraben, Tierarten aussterben und der Sauerstoffgehalt der Atemluft abnehmen. Alcock wies nach, dass bereits 25 % der brasilianischen Regenwaldfläche abgeholzt wurden, jedes Jahr kommt ein Prozent durch Kahlschlag oder Brandrodung hinzu. Alleine zwischen August 2012 und Juli 2013 stieg die Zahl der Waldvernichtung um 28 % – insgesamt fielen 5.843 Quadratkilometer zum Opfer. In 35 bis 45 Jahren wird der Amazonas-Regenwald nurmehr in Geschichtsbüchern zu finden sein.
Das Regenwald-Klima ist ein sehr sensibles Klima, bei dem jede Störung unmittelbar bemerkbar ist. Der Wald benötigt grosse Mengen an Regen. Das Wasser wird im Boden gespeichert und durch Verdunstung beispielsweise über die Blätter wieder abgegeben. Dieser Kreislauf ist also ein Wechselspiel aus Vegetation und Wetter. Fehlen nun die Bäume als ganz entscheidendes Glied dieses Kreislaufes, so wird es alsdann weniger Regen geben – die Böden können austrocknen. Und es wird wärmer, da der Wasser-Kreislauf zur Kühlung des Weltklimas beiträgt. Auch wenn einige Waldgebiete als Ökosysteme erhalten bleiben, reicht das Nass von oben nicht mehr aus – Buschbrände würden wie Feuerwalzen alles auslöschen. So zumindest die Ansicht von Alcock.
Ein Beispiel, um die Dimensionen anschaulicher zu machen. Das Unternehmen Suzano Papel e Celulose ist mit einem jährlichen Umsatz von rund 1,92 Mrd. US-Dollar einer der Grossen in der weltweiten Herstellung von Papier, Zellstoffen und Kartonagen. Das Unternehmen streckt derzeit seine Finger in Richtung des Campos Cerrados aus. Ein Gebiet, mit 2 Millionen Quadratkilometer rund ebenso gross wie Alaska. Nur zirka 3 bis 30 % sind von Regenwald bedeckt – insgesamt 1 % sind als Naturschutzressort ausgewiesen. Grosse Teile der Fläche sind bereits für die Schaffung von Soja-Monokulturen gerodet oder von Viehzüchtern abgefackelt worden. Nun hat sich auch der Papierkonzern mitten rein gesetzt. Hier sollen Eukalyptus-Monokulturen entstehen, deren Holz dann für die Herstellung von Zellulose bzw. Papier und Hackschnitzel für Europa verwendet wird. Nach Angaben der Organisation World Rainforest Movement (WRM) wurden bereits 30-40.000 Hektar auf diese Weise “umgestaltet”, geplant sind jedoch nahezu 560.000 Hektar. Die Böden des Campos Cerrados jedoch trocknen im Winter aus, der meiste Niederschlag fällt im Sommer von Oktober bis April (Südhalbkugel). Die Winter fallen staubtrocken aus – ein Grossteil dieser Region ist Savanne. Hier können nur Bäume überleben, deren Wurzeln zumindest bis in 2m Tiefe reichen. Zudem wurden die Bodennährstoffe wortwörtlich vom Winde verweht – an der sauren Oberfläche gedeiht nurmehr ganz wenig Vegetation. Für die Bewässerung dieser Eukalyptus-Monokulturen ist somit viel Wasser erforderlich, wodurch das Grundwasser knapp werden dürfte und ganze Gewässer auszutrocknen drohen. Durch die “Kultivierung” wird zudem vielen Tieren der Lebensraum schlichtweg weggenommen. Im Cerrado Campos etwa dem Grossen Nandu (Rhea americana), dem Mähnenwolf und dem Tapir sowie dem Weissbüschelaffen. Damit noch nicht genug, werden doch auch die Bewohner ausgesiedelt. Die meisten von Ihnen besitzen keinen Landtitel, die Distrikt-Verwaltung vergibt riesige Flächen bzw. deren Konzessionen an Suzano. Derzeit läuft hierzu eine Online-Petition.

https://www.rainforest-rescue.org/mailalert/940/brazil-trading-nature-for-eucalyptus

Auch wenn eine solche grossflächige Regenwald-Vernichtung nicht geduldet werden sollte, sind es doch auch die Kleinbauern, die zumeist mittels Brandrodung versuchen an Land zu kommen. Entweder als Anbaufläche oder als Weidefläche für die Kühe. Auch durch deren Überlebenskampf werden grosse Teile des so wichtigen Urwaldes zerstört. Allerdings lohnt sich der landwirtschaftliche Anbau für Kleinbauern nicht wirklich, da sich unter der dünnen Humusschicht unfruchtbarer Boden befindet. Nach 2-3 Jahren liefert dieser keinen Ertrag mehr. Und – auch wenn die Kleinbauern (“Caboclos”) für den Urwald zahlen würden – so wäre dies günstiger als entsprechend geeigneter Dünger! Die ausgelaugte Fläche wird zur Steppe oder – noch gefährlicher – versandet.
Durch eine Änderung des Waldschutzgesetzes “Código Florestal”sollte es 2012 ermöglicht werden, dass noch wesentlich mehr des wichtigen Regenwaldes vernichtet werden kann. Das Gesetz wurde in der 30er Jahren des vorhergehenden Jahrhunderts geschaffen. Es besagte, dass 1/4 der Fläche eines Landgutes im Amazonas-Gebiet in seiner ursprünglichen Vegetation gehalten werden muss (“Reserva legal”). In den 60ern wurde dies auf die Hälfte ausgeweitet, zuletzt waren es 80 %. Geschäftemachern war das jedoch ein Dorn im Auge. Weltweit haben sich bereits 2011 über 2,1 Mio Menschen an einer Online-Petition gegen eine solche Gesetzes-Änderung ausgesprochen. Ein Jahr später hat Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff ein Veto gegen die Änderung (Artikel 12) eingelegt. Zudem wurden 32 weitere Gesetzesvorschläge durch die Regierung geändert. Dabei ging es vornehmlich um die Naturschutzzonen. Zu diesen sog. “APPs” (“Áreas de Prevervação Permanente”) zählen Hügel, Seen und auch Flüsse. Bereits gerodete solcher Flächen müssen wieder aufgeforstet werden – eine Kompensation in anderen Regionen allerdings ist möglich. Auch war eine Art Straferlass für die Bauern enthalten, die vor 2008 gegen das Gesetz verstossen hatten. Erschütternd ist in diesem Zusammenhang eine Untersuchung der Universität São Paulo, wonach bereits über 43 Millionen Hektar Regenwald gerodet wurde, der eigentlich in solchen geschützten APPs stand, sowie 42 Mio aus den Reservas legais, die nicht wieder aufgeforstet wurden! Ziel des Ganzen ist es, dass die Rodung bis zum Jahr 2020 um 80 % abnehmen sollte! Klar: Dann ist alles verschwunden, was gerodet hat werden dürfen! Somit ist Dilmas Rettungsversuch vergleichbar mit einem Kampf gegen Windmühlen – zu mächtig ist die dagegenhaltende Lobby (“Ruralistas”), zu arm die Kleinbauern, die sich ohnedies nie an dieses Gesetz gehalten hatten. Zudem braucht die Präsidentin für ihre weitere politische Karriere auch die Unterstützung der Ruralistas. Wie eindeutig der Lobbyismus betrieben wird, zeigte die vorhergehende Abstimmung: 410 Abgeordnete stimmten für das neue Gesetz, nur 63 dagegen! Auch die ehemalige Umweltministerin und jetzige Senatorin Marina Silva spricht nicht von einem Waldschutzgesetz, sondern vielmehr von einem neuen Landwirtschaftsgesetz, das für die Papier- und Zelluloseindustrie, für den Sojaanbau und die Kleinbauern geschaffen wurde. Es sei ganz eindeutig ein Rückschritt. Trotzdem entschied sich auch der Senat für das Gesetz, weshalb das Veto durch die Präsidentin notwendig wurde, wonach die gesetzlichen Naturschutzgebiete wiederhergestellt werden und keine Amnestie für die Gesetzesbrecher gelten solle. Dies betrifft immerhin bis zum Stichtag am 22. Juli 2008 13.000 Straftäter.
Die beiden Umweltorganisationen WWF und Greenpeace befürchten nun, dass bis zu 80 % des Regenwaldes im Amazonas-Gebiet kahlgeschlagen werden können. Schon jetzt gibt es rund 1/5 des Regenwaldes nicht mehr. Das Perverse an all dem: Der Staat hat bereits 2008 einen Fonds zur Wiederaufforstung des Amazonas-Regenwaldes gegründet. Bis zum Jahr 2021 sollen insgesamt rund 21 Milliarden Dollar investiert werden. Das Land Norwegen (!) war mit 100 Millionen Dollar der erste Geber! Zuvor von Geldmachern abgeholzt, dann mit Steuergelder wieder aufgeforstet, damit Geldmacher erneut einen Kahlschlag vornehmen können!!! In diesem Zusammenhang würde mich brennend interessieren, wie auch die Spendengelder solcher Organisationen wie dem durch den Popmusiker Sting gegründeten Rainforest-Projekt investiert wurden: Stehen diese Wälder überhaupt noch? Superreiche, wie der schwedische Unternehmer Johan Elliasch haben riesige Flächen aufgekauft um sie vor dem Untergang zu retten. So meinte beispielsweise der Schwede, dass man mit 50 Milliarden Dollar das Amazonas-Gebiet aufkaufen könnte. Er selbst investierte zehn Millionen Euro, erwarb nahezu 162.000 Hektar Regenwald und pflanzte angeblich 200.000 neue Bäume. Das aber missfällt wiederum den Brasilianern, die nun die Befürchtung hegen, dass ihnen solche “Gutmenschen” die Heimat wegnehmen – sie sprechen gar schon von Öko-Invasoren. Andere wie Ted Turner, der Benetton-Konzern oder auch Douglas Tompkins haben riesige Ländereien in Argentinien und Chile aufgekauft und daraus Nationalparks gemacht! Ein dickes “Gefällt mir!” von hier aus, doch in diesen Ländern will man die selbsternannten Weltklima-Retter nicht, da die dortigen Einwohner nicht die globalen Auswirkungen sehen, sondern sich nur um ihr eigenes Überleben kümmern. Doch denke ich, dass diese Vorgehensweise die einzig machbare ist, denn: Wer garantiert, dass die Gelder aus den Industriestaaten auch wirklich zweckgebunden eingesetzt werden? Und – wäre es nicht sinnvoller dafür zu sorgen, dass der Wald stehen bleibt, als ihn nach der Ausbeutung durch skrupellose Geschäftemacher wieder mühsam aufpflanzen zu müssen?

http://www.youtube.com/watch?v=jNjSADBWMsM

Tja – und zuletzt geht es noch um die grösste Süsswasser-Quelle des Planeten selbst – dem Amazonas! Er fliesst derzeit geschützt durch den Regenwald. Besteht dieses Dach jedoch nicht mehr, würde das ganze Öko-System umgekrempelt, Zu- und Abflüsse verändert, Sedimente in den Strom gespült, die hier nicht hingehören,… Auswirkungen auch auf das Trink- und Grundwasser sind ebenso vorherzusehen.
Viele werden sich abschliessend denken: Ja – tragisch! Doch ich kann sowieso nichts tun! Doch – können Sie! Papierrecycling, kein Teak-Holz, heimisches Öl, Pellets und Hackschnitzel aus heimischem Holz, weniger Fleisch essen (in der industrialisierten Viehzucht wird häufig Soja als Futtermittel verwendet), Spenden in nachhaltige landwirtschaftliche Entwicklungshilfe (Permakultur beispielsweise), … Jeder kann sein Scherflein zur Rettung des Regenwaldes und damit unseres Planeten beitragen.

Literatur:

Gerhard Gottsberger, Ilse Silberbauer-Gottsberger: Life in the Cerrado. A South American tropical seasonal ecosystem. Reta Verlag, Ulm 2006 (2 Bde.).

Links:

www.greenpeace.de
www.wwf.de
www.amazonas.de
secure.avaaz.org
www.regenwald.org
www.naturefund.de
www.abenteuer-regenwald.de
www.faszination-regenwald.de

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Mutter Natur schlägt zurück – mit eiserner Faust

Taubeneier-grosse Hagelkörner, Sturmböen von über 100 Stundenkilometern, Überflutungen, staubtrockene Sommer und heftige Schneefälle im Winter – ist ja nicht so, dass wir das nicht schon hatten! Jedoch niemals in einer dermassen konzentrierten Form. Naturereignisse werden immer häufiger und auch vernichtender. Der direkte Hinweis von Mutter Natur, dass sie Probleme mit ihrer Verdauung hat. Das Wort “Klimaerwärmung” ist inzwischen in aller Munde, doch unternehmen wohl die wenigsten etwas dagegen. Auto mal stehen lassen – zu Fuss oder dem Fahrrad tut auch der Gesundheit gut. Fernreise? Wieso – hier ist es doch auch schön! Produkte aus der Region – dadurch bleibt nicht nur die Kaufkraft im Land! Heizen im Winter – müssen es T-Shirt-Temperaturen sein? Es sind zwar nur Kleinigkeiten, doch wenn jeder diese Kleinigkeiten berücksichtigt, wird’s der Erde schon bald besser gehen und sie auch nach unserer Generation weiterhin bewohnbar bleiben.
Während in Ostasien Taifune wüten, Buschfeuer in Australien alles verbrennen, was sich ihnen in den Weg stellt – Europa ist alsdann auch schon längst keine Insel der Seligen mehr! Bei uns sind es vornehmlich Unwetter mit anschliessenden Überschwemmungen. Besonders tragisch verläuft hingegen der Herbst alljährlich in den USA. Tornados – sie wüten in diesem Jahr besonders stark! Alleine am vergangenen Sonntag zog eine Sturmfront durch den mittleren Westen. Im Gepäck hatte sie rund 80 Tornados, die in den Bundesstaaten Illinois, Indiana, Iowa, Michigan, Missouri, Ohio und Wisconsin verheerende Schäden angerichtet haben. Kein Stein blieb auf dem anderen, Strommäste wurden wie Strohhalme geknickt, Bäume wie Lego durch die Luft gewirbelt. Mehrere Menschen starben, viele wurden verletzt. Ganze Strassenzüge scheinen dem Erdboden gleichgemacht – so mancher Bürgermeister spricht von einem “Kriegsgebiet”! Einwohner können teils gar nicht mal eben mehr sagen, in welcher Strasse ihres Stadtteils sie sich befinden. Während in Europa Erstaunen ob der US-amerikanischen Baukunst herrscht, darf eines nicht unerwähnt bleiben: Windstärken von über 300 Stundenkilometer halten die wenigsten Gebäude stand. In den weiten amerikanischen Tiefebenen indes weiss man ganz genau, was zu tun ist, wenn Tornado-Warnung gegeben wird: Alles liegen und stehen lassen, ab in den Sturmkeller und die Falltüre fest verschliessen! Dieser Keller gleicht zumeist einem Bunker – keine Fenster, Wände und Decke aus Stahlbeton. Auch dieses Mal sind einige Menschen aus dem Keller herausgekommen und ihr Haus war verschwunden.

Tornados sind in vielen Belangen anders als die ebenfalls verheerenden Hurricanes oder Taifune. Während diese beiden über Wasser entstehen und auf ihrem Weg in’s Landesinnere schwächer werden, bilden sich Tornados über Land. In diesem Falle treffen östlich der Rocky Mountains kalte Luftmassen aus Kanada auf warme und feuchte aus dem Golf von Mexiko. Dabei sackt die kalte unter die warme Luft (“Luftmassengrenze”). Die rasant aufsteigende warme Luft führt zu Gewittertürmen, die zumeist rotieren. Ein Tornado entsteht! Eine starke Bodenfeuchte wie etwa im Frühjahr bzw. Herbst kann nun diese Rotation gar noch verstärken. Das Wasser verdunstet zu Wasserdampf – steigt mit den warmen Luftmassen auf und kondensiert dann wieder. Dadurch wird zusätzliche Energie frei. Ein solcher Wirbel reicht vom Boden bis zur Wolkenuntergrenze. Die perfektesten Bedingungen finden diese aussergewöhnlichen meteorologischen Vorgänge im sog. “Tornado Alley” im mittleren Westen der Vereinigten Staaten. Tornados hinterlassen nicht nur aufgrund ihrer Gewalt eine Schneise der Verwüstung. Meist gehen auch grossflächige Überflutungen und starker Hagelschlag einher, da die Luft aus dem Süden mit Wasser nahezu geschwängert ist. Im Vergleich zu Hurricanes weisen Tornados einen Durchmesser von rund hundert Metern auf. Hurricane Katerina im Vergleich dazu war mehrere hundert Kilometer gross. Sie wüten über mehrere Tage hinweg, während Tornados plötzlich auftauchen und plötzlich auch wieder weg sind (ihre Lebensdauer beläuft sich auf 5 bis 30 Minuten). Das macht sie dermassen gefährlich, da sie nicht von Experten abzuschätzen geschweige denn vorhersagbar sind. Die Spezialisten sprechen hierbei von “irregulären Gebilden, die vom reinen Zufall gelenkt werden”. In den meisten Fällen müssen Vorwarnzeiten von nur 16 Minuten ausreichen. Tornados erreichen in den USA Windgeschwindigkeiten von bis zu 400 km/h – wenn die idealsten Bedingungen dafür herrschen! Doch auch hier holen ihre Verwandten auf – so erreichte beispielsweise der verheerende Taifun “Haiyan” auf den Philippinen Windgeschwindigkeiten von bis zu 315 km/h. Er war übrigens der dreizehnte Taifun in der pazifischen Taifunsaison 2013.
Der US-Bundesstaat Oklahoma liegt genau in dieser “Tornado-Alley”. Hier toben die stärksten Stürme im Frühjahr, im Sommer ist der Norden der USA, im Winter der Südosten des Landes betroffen. Die Menschen haben sich an das Leben mit den Stürmen gewöhnt. Wichtige Unterlagen, Geld und auch Lebensmittel sind sicher in den Kellern verstaut. Die Unheil bringenden Stürme des Njörd werden hier umgangssprachlich als “Twister” bezeichnet.

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Auch in Europa werden immer wieder einzelne “Windhosen” gesichtet, sie sind allerdings mit ihren Kollegen von jenseits des grossen Teiches meist nicht wirklich zu vergleichen. In Deutschland kommt es jährlich zu rund fünf Windhosen mit einer Stärke von F2, alle zwei bis drei Jahre zu einem der Stärke F3 und alle 20 bis 30 Jahre zu einer Windhose von F4. Die Wahrscheinlichkeit eines Auftretens ist im Westen der Norddeutschen Tiefebene am grössten. Zuletzt vernichtete am 19. August des Jahres ein Tornado einen Campingplatz am Hammerschmiede See bei Pommertsweiler (Baden-Württemberg). Die Camper konnten sich im letzten Moment im Waschhaus in Sicherheit bringen – trotzdem wurden 27 Personen verletzt..
Im Alpenstaat Österreich werden rund drei bis fünf solcher Tornados jährlich mitverfolgt, wobei alle zwei Jahre eine Stärke von F2, alle fünf bis zehn Jahre eine Stärle von F3 verzeichnet wird. Die meisten davon werden in der Südoststeiermark bzw. dem Hausruck in Oberösterreich beobachtet. Im Juni 2011 wurde über dem Bisamberg bei Wien ein Tornado gesichtet. Er richtete bei Geschwindigkeiten von 130 km/h grosse Schäden in einem Waldgebiet an.
Solche Windstärken aber sind für die USA nahezu Peanuts. Hier erreichen die Twister Stärken von F5 (erweiterte Fujita-Skala). Bei einem dieser Tornados in Oklahoma wurden der Meteorologe Mike Bettes und zwei seiner Kollegen im Auto erfasst und samt des Wagens 200 Meter durch die Luft geschleudert. Die drei hatten Glück im Unglück – sie waren angeschnallt und wurden nur verletzt – am Auto entstand Totalschaden.

Diese spektakulären Aufnahmen wurden nur wenige Tage zuvor vom “Storm Chaser-Team” auf dem Discovery-Channel veröffentlicht.
In den Vereinigten Staaten werden jährlich rund 1.200 Tornados gezählt. Allerdings gehen die Meinungen auseinander. Betonen die einen, dass die Klimaerwärmung auch bei den Tornados zu spüren sei, meinen die anderen, dass die Statistik, die seit 60 Jahren geführt wird, aufzeigt, dass die Zahl derzeit sogar leicht zurückgeht. Auch was die Heftigkeit dieser Wetterphänomene anbelangt, sollte nicht unerwähnt bleiben, dass ein Tornado, der über unbesiedeltes Gebiet geht, weniger Schaden anrichtet, als sein Kollege, der über eine Stadt herfällt. Somit ist für die Folgen eines Tornados sicherlich auch der Mensch und seine Besiedelungen verantwortlich zu machen. Wer in der Tornado Alley ein Haus baut, sollte sich der Gefahr bewusst sein: Alles was aufgesogen, wird zum tödlichen Wurfgeschoss. Immer wieder kommt es zu Todesopfer – die leider nicht vermeidbar sind. So tragisch dies auch für deren Angehörige ist: Glücklich sind die Menschen in diesen Regionen dann, wenn möglichst wenige in den Stürmen ihr Leben verloren haben. Denn – erwischt einen ein solcher Windsog unterwegs hilft nurmehr der Tritt auf das Gaspedal des Autos. Zugleich hat sich ein Automatismus entwickelt: TV- und Rundfunkstationen schalten sich sofort aus Spielfilmen oder Serien bzw. Sendungen raus, sobald eine Unwetter-Warnung gegeben wird. Ab sofort gilt die ungeteilte Aufmerksamkeit den Wetterexperten. Ist dann das Unvermeidbare eingetreten, hilft jeder jedem. Auch wenn es sich um wildfremde Menschen handelt, erhalten sie Unterschlupf. Schliesslich könnte der nächste Tornado ja mich und meine Familie treffen!

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Dem Niedergang geweiht

Weitestgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit endete Mitte Juli eine Sonder-Konferenz, bei welcher über die Zukunft eines ganzen Kontinents entschieden wurde bzw. besser ausgedrückt – entschieden hätte werden sollen, denn leider endete die Zusammenkunft ohne Ergebnisse: Die Antarktis-Konferenz!
Nicht weniger als zehn Jahre Vorbereitung waren somit zunichte gemacht. In Bremerhaven sollte die grösste Schutzzone auf diesem Globus festgelegt werden. Auch die deutsche Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Ilse Aigner (CSU), sprach im Vorfeld von der Möglichkeit, Geschichte zu schreiben. Vertreter aus 24 Ländern und der EU, also all jenen Staaten, die im ewigen Eis wirtschaftlich oder wissenschaftlich engagiert sind, sollten über die Meeresschätze am südlichen Ende unserer Erdkugel abstimmen, doch endete die CCAMLR (“Commission for the Conservation of Antarctic Marine Living Resources”) mit der Blockade Chinas und der Ukraine, Russland weist die Arbeit der Kommission gar zurück: Es fehle eine “…volle rechtliche Grundlage der Tätigkeit der Kommission in Bezug auf die Einrichtung eines solchen Bereichs”, heisst es in einem Positionspapier. Ausgerechnet Russland! Die Russen hatten diese Sondersitzung in Bremerhaven ja beantragt – allerdings sich zuvor bereits in einigen UN-Klimagesprächen quer gestellt! Die Blockierer stellten damit ein für alle mal klar, dass sie sich nicht in ihre Fischerei reden lassen. Anfänglich zählte auch Norwegen dazu – hier zeigte man sich allerdings kompromissbereit (Fangquoten).

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1944406/Enttaeuschenung-auf-Antarktis-Konferenz#/beitrag/video/1944406/Enttaeuschenung-auf-Antarktis-Konferenz

Doch zunächst ein paar Infos. Das Südpolarmeer macht in etwa zehn Prozent der gesamten Meeresfläche aus. In den vergangenen Monaten wurde der Beschluss akribisch unter Einbeziehung wissenschaftlicher Erkenntnisse aufgesetzt. Demgemäss sollten zirka 3,8 Millionen Quadratkilometer in der Ostantarktis und dem Rossmeer unter Schutz gestellt werden – ein Gebiet, das beinahe so gross ist wie die komplette Europäische Union. Die Staatengemeinschaft hatte sich verpflichtet, bis 2020 zehn Prozent der Küsten- und Meeresgewässer unter Schutz zu stellen. Derzeit jedoch sind es gerade mal zwei Prozent. In diesen antarktischen Gewässern leben bis zu 10.000 Tier- und Pflanzenarten. So ist etwa das Rossmeer eines der letzten intakten Ökosysteme der Welt.
In geschützten Meeresgebieten ist neben der Förderung von Rohstoffen auch der Fischfang nur bedingt möglich. Dabei geht es den Geschäftemachern vornehmlich um drei Arten: Dem Kleinkrebs “Krill” (lat.: Euphausia superba), dem Schwarzen Seehecht (lat.: Dissostichus eleginoides) und auch dem Riesen-Atlantikdorsch (lat.: Gadus morhua).
Das Krill-Öl ist bekannt für seine Ausgewogenheit an Omega-3-, Omega-6- und Omega-9-Fettsäuren. Es findet v.a. in der Anti-Aging-Medizin oder der Kosmetik Anwendung. Die Krebsart ernährt sich vom Phytoplankton. Sie dient vielen grösseren Arten als wichtige Nahrungsgrundlage. Wird u.a. auch in der Lachszucht als Futtermittel verwendet.
Der Schwarze Seehecht ist landläufig als “chilenischer Seebarsch” bekannt – ein Fisch im Hochpreissegment. Gourmets bezahlen für sein weisses, bissfestes und hauchzartes Fleisch schon mal bis zu 750 € pro Exemplar. Damit kann ein guter Fang geradezu Reichtum versprechen – nicht umsonst nennen die Fänger den Seehecht auch “weisses Gold der Antarktis”. Der Fisch lebt in bis zu 3.500 m Tiefe. Bereits derzeit werden zirka 3.000 Tonnen pro Jahr aus dem eisigen Wasser gezogen. Weltweit sind es nach Schätzungen 90.000 Tonnen, davon nicht weniger als 30.000 Tonnen illegal.
Der Riesen-Atlantik-Dorsch wird vornehmlich bei der Zubereitung von Sushi verwendet. Aufgrund der weltweiten Überfischung steht er auf der roten Liste der gefährdeten Tierarten.
Die Conservation of Antarctic Marine Living Resources wurde 1982 gegründet, damit das Krill-Vorkommen unter Schutz gestellt werden sollte. Forscher warnen: Wird der Fischfang nicht unverzüglich gestoppt, so stehe v.a. das Rossmeer vor einer nicht wieder gutzumachenden Beeinflussung des dortigen Lebensraumes!

https://www.youtube.com/watch?v=3vT7-lTffIs

Die Meeresschutzorganisation Deepwave und die Umweltorganisation WWF bezeichnen Bremerhaven als “Rückschritt für den Meeresschutz” (Tim Packeiser, WWF-Meeresökologe). Enttäuschung herrscht ausserdem bei Greenpeace. Auch hier hätte man sich zumindest ein Zeichen erwartet. Bereits bei der letzten turnusmässigen CCAMLR-Konferenz wurde der Widerstand der drei Länder laut – damals noch mit Unterstützung von Japan, Norwegen und Südkorea. Nicht weniger als 30 Umweltorganisationen gehören der “Allianz für den antarktischen Ozean (AOA)” an. Hier fallen immer und immer wieder die geflügelten Worte einer “historischen Chance”, die verpasst würde, wenn bei der nächsten ordentlichen Jahressitzung im Oktober im australischen Hobart keine Einigung erzielt würde. Sollte das geschehen, so wirft dies auch einen Schatten auf die Pläne für die Westantarktis (Weddellmeer), mit welchen derzeit deutsche Experten betraut sind. Dass keine bahnbrechende Entscheidungen wie etwa während der Konferenz 1959 getroffen werden sollten, war von vornherein klar. Damals waren sich die Teilnehmer darüber einig, dass die Antarktis nur für friedliche und wissenschaftliche Zwecke genutzt werden darf. Doch betraf dies das Festland, nicht die Meere um diesen Kontinent. Die USA und Neuseeland forderten deshalb 2,2 Millionen Quadratkilometer des Rossmeeres (südliche Antarktis – im neuseeländischen Teil), Australien und die EU 1,6 Millionen Quadratkilometer in der Ostantarktis unter Schutz zu stellen. Dabei wird v.a. das Rossmeer immer wieder von Wissenschaftlern als “letztes ökologische Juwel dieser Erde” bezeichnet. Es sei besonders wichtig, um die Auswirkungen des menschlichen Tuns an anderen Stellen des Planeten mit der ursprünglichen Natur zu vergleichen. Wird hier Eingriff gehalten, so wird sich dieser Bereich aufgrund der extremen Lebensbedingungen nurmehr sehr schwer und äusserst langwierig erholen können.

http://www.youtube.com/watch?v=fXYXHIX4P0A&feature=player_embedded

Die Arktis und auch die Antarktis spielen eine zudem immens wichtige Rolle in unserem Weltklima. Klimatologen bezeichnen sie auch gerne als “die Kühlschränke unseres Planeten”. Schmilzt das polare Eis, so werden die Temperaturen und der Meeresspiegel stark ansteigen, sodass all jene Landstriche, die derzeit auf Meeresniveau liegen, überflutet werden. Auch Prominente wie Leonardo di Caprio sind inzwischen beim russischen Präsidenten Wladimir Putin vorstellig geworden – mit Erfolg ist allerdings nicht zu rechnen. Also wird auch in diesem Falle wohl die Natur den wirtschaftlichen Interessen untergeordnet.
Eine Schande!!!

Tipp: “The last ocean” – ein Dokumentarfilm von John Weller und Peter Young (http://www.lastocean.org/)

http://www.youtube.com/watch?v=bKQUmlV6cSk&feature=player_embedded

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