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Der Tod kommt mit der Laus

Massenvernichtungswaffen!
Ein schreckliches Mittel der modernen Kriegsführung, das an der viel zitierten Offiziersehre mehr als zweifeln lässt. Schliesslich ist von diesen Waffen jegliches Leben betroffen. Auch das von alten, vielleicht sogar bettlägrigen Menschen, kleinen Säuglingen und Frauen, die um ihre Männer, Väter, Brüder und Söhne weinen und den Krieg hassen. Der preussische Militärwissenschaftler und -ethiker, Generalmajor Carl Philipp Gottlieb von Clausewitz meinte einst:

“Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.”

Ehrlich? Mit einer solchen Politik will ich nichts zu tun haben. Auch wenn es damals noch mehr mit Ehre und Ethik vergleichbar war, als man dem Feind Aug’ in Aug’ gegenüberstand. Heute drückt irgendjemand auf den Knopf und hundertausende, ja vielleicht sogar Millionen Menschen sterben. Das hat mit Krieg nichts mehr zu tun – das ist moderne Massenvernichtung! Genozid!
Zwei derartige Waffengattungen habe ich im Rahmen dieses Blogs ja schon ausführlich vorgestellt: Atomwaffen (Atomwaffenabkommen, die nicht eingehalten werden) und Giftgase (Chemische Waffen). Die dritte wollte ich eigentlich nicht behandeln. Jedoch nötigt mich sozusagen die derzeitige Berichterstattung aus US-amerikanischen Labors, auch die meines Erachtens grauenvollste Vernichtungsmethode einer breiten Leserschaft darzulegen, die sich vielleicht ansonsten nicht dafür interessiert hätte: Die biologischen Waffen bzw. englisch auch als “Bio Hazards” bezeichnet. Keine Angst – ich werde im Folgenden keine Anleitung zu deren Herstellung geben. Aus diesem Grund entfallen auch die ansonsten üblichen Hinweise auf Bücher oder Webseiten am Ende des Blogs. Wer sich dafür interessiert, soll von sich aus in’s Keyword-Netz der Fahnder tappen – ein Umstand, der auch meine Recherche im Vorfeld etwas erschwerte!
Nach bislang noch unbestätigten Meldungen soll eine eigene Forschungsgruppe der “Darpa” (Defense Advanced Research Projects Agency), der wissenschaftlichen Abteilung des US-amerikanischen Pentagons (Verteidigungsministerium) Studien betreiben, wie eine neue Biowaffen-Generation aussehen könnte. Dabei spielen Insekten offenbar eine Schlüsselrolle: Die des Überträgers! Angeblich werden derzeit viele Insektenarten auf ihre Effizienz bei der Übertragung von etwa Viren überprüft. Ganz offiziell, da durch das Programm “Insect Allies” ein sog. Genscheren-Virus (etwa CRISPR Cas 9) von den Insekten auf Pflanzen übertragen werden soll, durch das Mais und Tomaten widerstandsfähiger gegen Schädlinge und Trockenheit gemacht werden. Die Idee hierzu dürfte wohl durch die Pest aufgekommen sein. Die Menschen damals wurden nicht etwa durch einen Rattenbiss infiziert, wie zuerst angenommen, sondern durch eine Laus aus dem Fell der Ratte. Derzeit werden intensivst Blattläuse und Motten ausgetestet. Da dies jedoch auch für Kriegszwecke verwendet werden kann, um dadurch ganze Ernten zu vernichten oder gar direkt auf die Bewohner einzuwirken, spricht man in diesem Zusammenhang von “Dual Use”. Weshalb hat ansonsten das Verteidigungsministerium der USA ein derart grosses Interesse an diesen Forschungen??? Deutsche (wie etwa der Molekularbiologe Guy Reeves vom Max Planck Institut für Evolutionsbiologie) und französische Wissnschaftler warnen bereits vor unvorhersehbarer Wirkung, da das Ganze unkontrollierbar wird.

“In bewaffneten Konflikten hingegen könnten Insekten Sinn machen, weil man somit eher verdeckte Operationen gegen spezifische Pflanzen durchführen könnte.”
(Silja Vöneky, Völkerrechtsexpertin Universität Freiburg)

Aber: Was hat es tatsächlich mit diesen mehr als gefährlichen Kampfstoffen auf sich?! Krankheitserreger oder biologische Giftstoffe werden gezielt herangezüchtet um bei ihrem Ensatz möglichst viele Menschen, Tiere oder Pflanzen zu töten oder Produkte wie beispielsweise Treibstoffe zu zersetzen. Gegenwärtig sind etwas mehr als 200 Erreger, Toxine und Agenzien bekannt, die für derartige Zwecke verwendbar sind. Im Vergleich zu den chemischen Kampfstoffen müssen biologische erst aufbereitet werden. Als Erfinder dieser Stoffe gilt nebenbei erwähnt Robert Koch, der zu medizinischen Zwecken Methoden zum Heran-züchten von Bakterien und Viren erfunden hat. So entdeckte er u.a. unbeabsichtigt den Milzbranderreger.
Seit 1975 verbietet die Biowaffenkonvention die Verwendung dieser Kampfstoffe. Die “Konvention über das Verbot der Entwicklung, Herstellung und Lagerung bakteriologischer (biologischer) Waffen und Toxinwaffen” wurde am 16. Dezember 1971 als Völkervertrag durch die UN-Vollversammlung angenommen und von bislang 181 Staaten unterschrieben. Die meisten Nicht-Unterzeichner stammen aus Afrika (etwa Ägypten), aber auch Israel, Syrien und einige kleine Inselstaaten im Pazifik finden sich darunter. Gemeinsam mit der Chemiewaffen-konvention aus dem Jahr 1993 ersetzte die Biowaffenkonvention das Genfer Protokoll aus dem Jahr 1925, das speziell den Einsatz derartiger Waffen verbot. Beide Kampfstoffe wurden während des Zweiten Weltkriegs auch nur von Japan verwendet – die anderen kriegsführenden Länder forschten zwar in diese Richtung, schlossen den Einsatz auch nicht aus, ließen aber schliesslich doch davon ab. Dennoch ist auch heute noch bekannt, dass immer wieder entsprechende Anstrengungen unternommen werden. Alle fünf Jahre finden Überprüfungskonferenzen statt, dennoch wäre das Wort “Abrüstungskontrolle” in diesem Zusammenhang wohl eine Stufe zu hoch, da es bislang noch keine Einigung zu Offenlegungspflichten oder Prüf-Inspektionen gibt.
Biologische Kampfstoffe werden in drei unterschiedlich wirkende Kategorien gegliedert:
.) Kategorie A
Hierunter fallen Krankheitserreger, die ganze Staaten auslöschen können, da sie sich leicht verbreiten, tödlich sind und auch Übergangsstadien bilden können. Die bekanntesten sind die Pocken, der Milzbrand (Bacillus anthracis; engl.: Anthrax) und die Pest (Yersinia pestis). Auch die hämorrhagischen Fieber (u.a. Ebola) pder Biotoxine wie Rizin, Abrin, Aflatoxin, Botulinumtoxin sind sehr gefährlich. Diese KatA-Waffen sind unkontrollierbar – das damit verseuchte Gebiet ist auch für die “sieg-reichen Truppen” für lange Zeit nicht mehr betretbar. Zudem gibt es nur wenige Gegenmittel in ausreichender Stärke.
.) Kategorie B:
Im Vergleich zur ersten Kategorie besitzen diese Stoffe eine “nur” mittlere Letalitätsrate und können mit den geeigneten Mitteln auch eingedämmt werden. Beispiele hierfür wären: Coxiella burnetii (Q-Fieber), Brucellen oder Burkholderia mallei (Rotz).
.) Kategorie C:
Hier finden sich beispielsweise Krankheitserreger, die zwar tödlich sind, sich aber nur schwer übertragen lassen oder so gut wie nicht verfügbar bzw. gut behandelbar sind – aber auch Kampfstoffe, die leicht verfügbar sind, jedoch nur eine geringe Letalitätsrate aufweisen. Gelbfieber etwa oder die Tuberkulose (multiresistente Mycobacterien).
Stehen nun weniger Gegenmittel wie Antibiotika oder Impfstoffe zur Verfügung, wirken die biologischen Kampfstoffe logischerweise umso besser.
Nicht immer benötigt ein solches Virus oder Bazillus auch einen Wirt, damit es sich weiterentwickeln kann. So bildet beispielsweise das Milzbrandbazillus mit den Endosporen Übergangsformen und kann somit auch ohne Wirt zu einem späteren Zeitpunkt erneut aktiv werden.
Jene Stoffe, die derzeit offenbar in den USA erforscht werden, sind vornehmlich Rickettsien. Diese Parasiten pflanzen sich nur in Wirtszellen fort und können durch Insekten wie Flöhe, Läuse, Milben oder Zecken auf den Menschen übertragen werden. Als Beispiel muss das Fleckfieber erwähnt werden.
Bei den Viruserkrankungen sind jene Erreger als Kampfstoffe am effektivsten, gegen die nicht prophylaktisch geimpft wird: Ebola, Gelbfieber, Lassafieber oder auch die Pocken, da die Immunisierung mit der Zeit ihre Wirksamkeit verliert.
Biotoxine entwickeln Pflanzen und Tiere, um sich gegen Fressfeinde zu wehren. Unter mehreren hundert dieser Stoffe sind auch einige dabei, die leider als biologischer Kampfstoff Verwendung finden. Botulinumtoxin etwa ist ein Sammelbegriff für mehrere Proteine, die aufgrund der Fehlfunktion des vegetativen Nervensystems zu einer Muskelschwäche und somit zu Organversagen etwa der Lunge führen können. Viele kennen dieses Mittel auch unter seinem Handelsnamen “Botox”.
Pilze werden zumeist nicht als unmittelbare biologische Kampfstoffe eingesetzt als vielmehr zur Vernichtung von landwirtschaftlichen Ernten. Beispielsweise im Kampf gegen den Drogenanbau wie Coca, Cannabis oder Mohn Agent Green. Das im Vietnamkrieg verwendete Agent Orange zur Entlaubung der Regenwälder zählt hingegen zu den chemischen Kampfstoffen.
Die wohl grösste Gefahr dieser biologischen Kampfstoffe geht von den unzähligen Übertragungsmöglichkeiten aus. So ist etwa das Versprühen eines Aerosols durch Flugzeuge die wahrscheinlichste, da durch die Hitze einer Bomben-Explosion viele der Erreger vernichtet würden. Jedoch ist aufgrund der Windverfrachtung nur eine grossflächige, keine gezielte Ausbringung möglich. Mensch und Tier atmen diese feinen Tröpfchen ein und sind zumeist durch die Einnistung der Bazillen und Viren in den Schleimhäuten vornehmlich des Atmungstraktes infiziert. Die Gefahr einer Pandemie (länder- und gar kontinentübergreifend) allerdings ist sehr gross. Andere Möglichkeiten seien absichtlich nicht erwähnt um möglichen Angreifern keinen Vorschub zu leisten.
Die USA setzen jedoch auf die Übertragung durch einen Zwischenwirt. Dabei werden infizierte Insekten ausgesetzt, die durch einen Stich (wie die Anophelesmücke bei Malaria) oder einen Biss (wie bei der Laus) die Krankheiten übertragen.
Biologische Kampfstoffe wurden schon recht früh bei kriegerischen Auseinandersetzungen verwendet. So schleusten die Hethiter vor 3000 Jahren verseuchtes Vieh beim Feind ein um dessen Nachschub an Nahrung zu gefährdetn. Immer wieder ist von Brunnenvergiftungen in der Geschichte zu lesen, indem Kadaver dort entsorgt wurden. Auch das Bestreichen von Pfeilspitzen war nicht nur bei den Naturvölkern bekannt. Der englische König Richard Löwenherz nahm während des 3. Kreuzzuges Akkon ein, indem er hunderte Bienenkörbe über die Stadtmauern werfen liess. Die Tartaren katapultierten im Jahr 1346 Pesttote über die Mauern der Stadt Kaffa. Experten gehen davon aus, dass dadurch eine der grossen Pestwellen Europas ausgelöst wurde. Nach der Entdeckung Amerikas und dem anschliessenden Kampf der Eroberer gegen die indianischen Völker wurden absichtlich europäische Krank-heiten eingeschleppt (etwa in Nordamerika durch die Engländer und Franzosen), gegen welche die Ureinwohner keine Immunisierung hatten (Masern beispielsweise). So wurden während des Pontiac-Aufstandes im Mai 1763 beim Fort Pitt den Unterhändlern der belagernden Indianer, die den Engländern freies Geleit anbieten wollten, zwei Decken aus der Pocken-Quarantäne des Forts mitgegeben. Unter den Indianern brach eine Epidemie aus.

“Wir müssen jede Methode anwenden, um diese abscheuliche Rasse auszulöschen.”
(Jeffrey Amherst, Befehlshaber der britischen Streitkräfte)

Die Briten hatten später auch versucht, mit Pocken infizierte Sklaven auf den amerikanischen Farmen einzuschleusen. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges verfügte das deutsche Kaiserreich über ein sehr grosses Arsenal an biologischen Waffen. So sollten die Briten mit der Pest bekämpft werden. Es blieb allerdings gottlob nur bei kleineren Sabotage-Akten gegen Tiere, vornehmlich Pferde, die in der Kavallerie und dem Transport ihre Arbeit verrichten mussten. Dafür wurde Giftgas in rauhen Mengen versprüht. Nach dem Ersten Weltkrieg starteten auch die Siegermächte der Entente mit der Forschung an Bio-Waffen. Das Kaiserreich Japan richtete zu diesem Zweck 1932 die “Einheit 731″ ein. In der gerade eroberten Mandschurei wurden unzählige Menschentests durchgeführt. Vivisektionen, also operative Eingriffe bei vollem Bewussstein, führten zu 3.500 Toten. Im Oktober 1940 schliesslich wurden durch Japan Keramikbomben über grossen Städten abgeworfen. Der Inhalt: Mit Pest infizierte Flöhe. Auch erfolgte 1941 die Freilassung von 3000 chinesischen Kriegsgefangenen, nachdem sie zuvor mit Typhus infiziert wurden. Grosse Städte wurden mit dem Milzbranderreger von Flugzeugen aus besprüht. Tausende Chinesen auch unter den Zivilisten starben während des Zweiten Weltkrieges an Epidemien von Pest, Typhus, Milzbrand etc. Auch an US-amerikanischen Kriegsgefangenen erfolgte die Erprobung von Kampfstoffen, die mittels Ballons über den Jet-Stream nach Nordamerika verbracht werden sollten. Einzig – die beiden Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki führten davor zum Ende des Krieges durch die Kapitulation Japans. Ansonsten ist aus diesem Weltkrieg nichts über den Einsatz von Biowaffen bekannt. Obgleich unter dem Befehl von Winston Churchill in Grossbriatnnien mit Erregern geforscht wurde. So verbrachte die Royal Army 60 Schafe auf die ansonsten vom Menschen nicht bewohnte Gruinard Island im Nordwesten Schottland und versprüht dort Milzbrandsporen. Innerhalb nur eines Tages war jegliches tierische Leben auf der Insel ausgelöscht. Zwar soll das Eiland inzwischen nicht mehr verseucht sein – dennoch ist es militärisches Sperrgebiet. Hätten die Briten damals etwa Berlin mit Milzbrand besprüht, wäre die Stadt bis weit in die 1980er-Jahre kontaminiert und somit unbewohnbar gewesen, weiss Rex Watson, Leiter der britischen chemisch-biologischen Verteidigungsbehörde 1981. Der britische Geheimdienst schnappte übrigens Informationen auf, daß Hitlerdeutschland grosse Mengen an Milzbrand und Botulinumtoxin produziert haben soll. Über eine Million Botulinumtoxin-Seren wurden für die Impfung hergestellt. Allerdings war die Information falsch. Die USA erteilten im Jahr 1944 den Auftrag für die Herstellung von einer Million 2 kg-Bomben, die mit Milzbrand verseucht waren. Sie sollten über Berlin, Hamburg, Stuttgart, Frankfurt, Aachen und Wilhelmshaven abgeworfen werden. Es kam aber zu Lieferproblemen, sodass auch hier der Krieg zuvor beendet war! Grosses Glück, schliesslich hätte dadurch halb Europa vernichtet werden können. Für die Nazis waren Biowaffen unberechenbar und ineffizient. Erst als in Paris ein Kampfstofflabor der Franzosen ausfindig gemacht wurde, kam es zur Gründung der “Abteilung Kliewe” unter Leitung des Bakteriologen Heinrich Kliewe. Hier wurde ebenfalls mit Milzbrand und Pest experimentiert. Hitler selbst verbot aber im Jahr 1942 die biologische Offensivforschung, obwohl Heinrich Himmler beispiels-weise ein grosser Befürworter dieser Kampfstoffe war. Gleichzeitig wurden die Abwehrmassnahmen gegen biologische Kampfstoffe verstärkt (“Arbeitsgemeinschaft Blitzableiter”). Zum Austesten von Impfstoffen mussten zumeist KZ-Häftlinge herhalten. 1952 kamen Spekulationen auf, wonach die Sowjetunion rund um die Schlacht von Stalingrad deutsche Truppen und später auch unbeabsichtigt (vermutlich durch Winddrehung) eigene Soldaten mit Tularämie infiziert haben soll. So betrug noch 1941 die Zahl der Erkrankungen rund 10.000, 1942 100.000, 1943 jedoch wieder 10.000 – und das in der kompletten Sowjetunion! Dies wurde von den Russen zurückgewiesen! Während die Sowjetunion bereits 1928 ein Bio-Kampfstoff-Zentrum auf der Insel Solowezki im Weißen Meer eingerichtet hatte, begannen die USA als letzte der Grossmächte mit der Entwicklung im Jahr 1941 nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor, ab 1943 schliesslich mit der Produktion. 1946 bestätigte das US-Kriegsministerium auch offiziell die Forschung an Bio-Waffen, nachdem offenbar Unterlagen des Leiters der japanischen Einheit 731, Shirō Ishii, zur Kriegsbeute der Amerikaner gehörten. Zumindest zwei Forschungs-zentren entstanden in den USA. Im September 1950 wurde durch zwei amerikanische U-Boote an der Küste von San Francisco Serratia marcescens versprüht. Für gesunde Menschen nahezu unschädlich, sollte beobachtet werden, wie viele Erkrankungen von immungeschwächten Patienten gemeldet wurden!!! Es kam zu Todesfällen. Nach wie vor streng geheim sind zudem die Versuche aus den 70ern, als an 2000 Adventisten, die aus Gewissensgründen den Wehrdienst verweigerten, B-Waffen-Testungen erfolgten. Weitere Tests werden ebenfalls geheim-gehalten. Auch zu den Unfällen oder Problemen sind kaum Informationen zu bekommen. So sollen 1981 in Fort Detrick zwei Liter mit dem Chikungunya-Virus verschwunden sein. Diese Menge reicht aus, die komplette Weltbevölkerung mehrfach auszulöschen! 1969 hatte Präsident Richard B. Nixon die Forschung und Produktion von B-Waffen zumindest offiziell gestoppt – im Bereich der Gentechnik wurde jedoch weiter-gearbeitet, so auch an Ebola und Marburg bzw. Machupo und Junin (südamerikanische Erreger).
Ohne Unterbrechung ging’s alsdann in der Sowjetunion weiter und dies obgleich diese gemeinsam mit Grossbritannien “Depositarmacht” ist, also sozusagen Treuhänder für die Hinterlegung und Verwaltung des B-Waffen-Abkommens. Deutsche und japanische Unterlagen aus dem Zweiten Weltkrieg boten dafür die Grundlage. Vorerst noch an Tularämie, Milzbrand und Botulinum, später dann im Rahmen des Projektes “Biopreparat” an Pocken. Auch in der Sowjetunion kam es zu einem Unfall, als am 2. April 1979 durch eine defekte Belüftungsanlage Milzbrandsporen nach aussen gelangten. Die komplette Umgebung von Swerdlowsk musste unter Quarantäne gestellt werden. Die Sache gelangte erst durch Boris Jelzin 1992 an die Öffentlichkeit. Zwei übergelaufene Wissenschaftler berichteten zudem, dass sie den Milzbrand gegenüber Antibiotika resistent gemacht, gleichzeitig allerdings für die eigenen Truppen ein Gegenmittel gefunden hatten. Kaum anzunehmen, dass Russland tatsächlich die noch in den 1990er-Jahren produzierten Tonnen an biologischen Waffen allesamt vernichtet hat.
Die südafrikanische Apartheidsregierung allerdings trieb das Ganze mit ihrem “Projekt Coast” auf die Spitze. Durch eigens entwickelte Biowaffen sollten nur Schwarzafrikaner getötet werden. Wieviele Menschen an den Tests starben, ist nicht bekannt.
Auch der Irak hatte seine Forschungen nach Ende des ersten Golfkrieges 1988 angekurbelt. Die Erreger hierzu kamen aus den USA und Deutschland. Tausende Liter waffenfähiges Botulinumtoxin, Milzbrand und Aflatoxin wurden gefunden. Nach dem Ende des Regimes Hussein sollen diese angeblich vernichtet worden sein – alles deutet allerdings darauf hin, dass in kleinen Labors weitergearbeitet wurde.
Letztmalig führten die sog. “Anthrax-Anschläge” im Jahr 2001 in den USA zu großem medialem Echo. Vermutlich ein Bediensteter der Forschungs-einrichtung Fort Detrick hatte mit Milzbrand verseuchte Briefe verschickt und war somit verantwortlich für zahlreiche Erkrankungen und Todesfälle von Postangestellten, Journalisten und Politiker. Schliesslich reicht eine Menge an Erregern pro Brief, die kleiner als ein Punkt am Satzende ist, um tödlich zu wirken. Der Krankheitsverlauf sieht in etwa wie folgt aus: Nach dem Einatmen der Bakterien kommt es zwei bis drei Tagen später zu ähnlichen Symptomen wie bei einem Schnupfen oder einer Erkältung (Atemwegsinfektion). Nur kurz darauf folgen hohes Fieber, Atem-probleme, Erbrechen sowie innere und äussere Blutungen. Danach tritt der Tod ein.
Weltweit wird nach wie vor weitergeforscht – nach Geheimdienst-informationen von mindestens 12 Staaten. Entweder unter dem Mantel der Produktion von Gegenmitteln oder wie in den USA der “nicht-tödlichen” biochemischen Waffen, die nicht in den Zuständigkeitsbereich der Bio-Waffen-Konvention fallen.
Wie der Fall des sog. “Rizin-Bombers” aus Köln im Juni dieses Jahres aufgezeigt hat, ist es ein brandheisses und mehr als ernstzunehmendes Thema bei der Bekämpfung des Terrorismus. Jeder Staat sollte dementsprechend auf solche Anschläge vorbereitet sein. Doch erfordert die Forschung nach einem Gegenmittel stets auch die Produktion dieses “Dreckigen Dutzends”, also jener Stoffe, die am ehesten für die Verwendung für Biowaffen in Frage kommen. Deshalb werden derartige Kampfstoffe nach wie vor en gros produziert – trotz entsprechender Konvention. Die Vergangenheit hat immer wieder aufgezeigt, dass sich das Interesse von Terroristen stets auf jene Vernichtungsmittel beziehen, die in den Rüstungskammern der Staaten lagern. Giftgas wurde beispielsweise während des 2. Golfkrieges 1990/91 heftigst diskutiert – 1995 kam es zu dem grauenvollen Sarin-Anschlag der Aum-Sekte in der Metro von Tokio. Die Sekte soll auch mit gefährlichen Mikroorganismen geforscht haben. So waren deren Anführer, Shoko Asahara, und 40 seiner Anhänger 1992 in Zaire um angeblich bei der Bekämpfung der Ebola-Epidemie zu helfen.
Anderes, erschreckendes Beispiel: Larry Harris war Labortechniker in Ohio. Er bestellte am 5. Mai 1995 (nur sechs Wochen nach dem Anschlag in Tokio) bei einem Unternehmen für biomedizinische Produkte den Erreger der Beulenpest (Yersinia pestis). Die Bestellung wurde auch zugestellt. Erst als Harris vier Tage später anrief um sich zu erkundigen, wo denn seine Bestellung bleibe, wurde die Bundesbehörde alarmiert. Harris war Mitglied einer weissen, rassistischen Vereinigung. Er hatte die Sendung sehr wohl erhalten und bekannte sich im November desselben Jahres vor einem Bundesgericht des Brief-Betrugs für schuldig. Seither kontrolliert die US-Gesundheitsbehörde Lieferungen mit Krankheitser-regern genauer. Um die Tragik dieses Falls aufzuzeigen: Das Beulenpest-Bakterium teilt sich alle 20 Minuten. So entsteht aus einem Bazillus innerhalb von zehn Stunden eine ganze Milliarde.
Würde es die Ethik den verantwortlichen Politiker, Militärs und Wissen-schaftlern verbieten, derartige Waffen herzustellen, käme es sicherlich auch nicht zu solchen Anschlägen. Im Interesse der Menschheit sollten sich alle Unterzeichnerstaaten zur Offenlegung verpflichten und unabhängige, international besetzte Prüfungs-Kommissionen aus Bioinformatikern, Molekular- und Mikro- sowie Aerobiologen und Sicher-heitsspezialisten auch ohne tagelange Vorinformation zulassen – doch das wird wohl niemals der Fall sein. Allen voran blockieren die USA solche Vorhaben. Ausgerechnet die Regierung Bush lehnte nur wenige Monate vor 9/11 – den Anschlägen auf das World Trade Center und den Pentagon – das 2. Zusatzprotokoll zur Biowaffenkonvention ab.

“Nach (insgesamt) sechseinhalb jährigen Verhandlungen müssen wir feststellen, dass wir keine Vereinbarung über einen Kompromiss-vorschlag und keine Einigung über das weitere Vorgehen haben.”
(Tibor Toth, Vorsitzender des so genannten UN-Ad-hoc-Ausschusses für ein Zusatzprotokoll)

Es beinhalte zu viel Schlupflöcher. Doch beteiligte man sich von dieser Seite zuvor auch nicht an der Beseitigung dieser Schlupflöcher. Wegen befürchteter Wirtschaftsspionage wurde das Abkommen bereits davor ad acta gelegt. Es war aber auch diese Regierung, die sich nicht an den ABM-Vertrag (Begrenzung antiballistischer Raketen-Abwehrsysteme), dem UN-Abkommen für kleinere Waffen und dem Kyoto-Abkommen hielt bzw. die Unterschrift verweigerte. Gleichzeitig zeigen sich die US-Präsidenten stets gerne als grosse Friedensstifter und mahnende Stimme im Weltgefüge. Also denken sich auf der anderen Seite auch Russland und China das Ihre und machen alsdann weiter.
“virus” kommt aus dem Lateinischen und bedeutet “Gift”. Die Griechen und Römer verurteilten im Krieg den Einsatz von Gift als “Verletzung des Völkerrechts”. Davor hatten es bereits die Inder mit dem “Manu-Gesetz” als unmenschlich verboten, später dann die Sarazenen. Daß ethische Bedenken jedoch meist nicht mit dem Kriegführen vereinbar sind, zeigten das Ausschwefeln und der Einsatz von Giftgas im Ersten Weltkrieg wohl am besten auf. Das hatte nämlich die Haager Landkriegsordnung von 1907. Es war also meist nicht die Ethik, sondern vielmehr die Furcht, die eigenen Truppen zu infizieren, die die kriegsführenden Mächtigen vergangener Tage vom Einsatz der Biowaffen abhielt. Hier liegt es an der Völkergemeinschaft, im Sinne der Menschlichkeit gegen die Herstellung, die Lagerung und den Gebrauch solcher B- und auch C-Waffen gemeinsam und geschlossen vorzugehen. Der Kalte Krieg ist nicht vorbei – er hat sofort nach seinem offiziellen Ende wieder begonnen und ist durch den Aufstieg Chinas zur Weltmacht und dem stärker werdenden Terrorismus sogar noch um zwei Facetten reicher und unvorhersehbarer geworden!!!

Übrigens gründete auch die deutsche Bundesregierung im August eine solche wissenschaftliche Einrichtung der Marke “Darpa” – “Agentur zur Förderung von Sprunginnovationen”. Selbstverständlich dürfte hier nicht die Entwicklung von Kampfstoffen im Vordergrund gestanden haben. Vielmehr sollten die vielen Ideen deutscher Erfinder gebündelt und weiterentwickelt werden.

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“Das geht zu weit!”

Soweit die erste Reaktion des niederländischen Premierministers Mark Rutte auf die Aussagen seines türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan, der von “Vergeltung”, “Faschisten” und “Relikt des Nationalsozialismus” sprach, nachdem sein Aussenminister nicht in Rotterdam landen durfte und seine Sozialministerin wieder nach Deutschland zurückgeschickt wurde. Man wird ja langsam nicht den Eindruck los, dass nurmehr der Meister selbst in seinem Prunkpalast sitzt, ab und zu wieder einen Selbstmörder auf der Brücke über den Bosporus rettet und alle anderen Regierungsmitglieder ausgeflogen sind, um bei den Auslandstürken, also jenen Türken, denen es ausserhalb der Türkei gut geht, die sich frei bewegen, ihre Meinung äussern dürfen und auch gar nicht mehr zurück in die Türkei möchten – die damit also auch rein gar nichts zu tun haben – Stimmen zu sammeln, da die Inlandstürken, also jene Türken, denen es schlecht geht und die unmittelbar davon betroffen sind, gegen die Präsidialdiktatur stimmen könnten. Ein Gesetz für das Inland wird im Ausland entschieden – meines Erachtens ein Armutszeugnis, wie es schlimmer nicht sein könnte. Denn: Innenpolitik heisst ja schliesslich deshalb “Innenpolitik”, weil sie in einem Staat passieren sollte – alles andere ist Aussenpolitik. Finden hier alsdann Beleidigungen statt, so sind dies “Diplomatische Konflikte”, deren Auswirkungen im Eifer des Gefechtes nicht unterschätzt werden sollten! Die niederländische Botschaft wurde inzwischen hermetisch abgeriegelt, der Botschafter erhielt Einreiseverbot – ja es wurde sogar ein Holsteinrind symbolisch geschlachtet bzw. zig andere des Landes verwiesen (!). Demonstranten verbrannten lautstarkt die Nationalhymne singend eine vermeintliche niederländische Flagge (es war jedoch eine französische – egal hauptsache rot-weiss-blau), ein Anrufer, der ebenfalls die türkische Nationalhymne abspielte, landete bei der Polizei in Rotterdam (allerdings im US-Bundesstaat New York),… – man möchte meinen, ein ganzes Volk dreht derzeit durch. Der türkische Aussenminister Mevlüt Cavusoglu sprach nun gar erstmals von einem Glaubenskrieg in Europa! Geht es hier um die diktatorischen Absichten eines Politikers oder um religiöse Fragen??? Alsdann haben auch Dänemark, einzelne Bundesländer Deutschlands und das kleine Tirol Wahlkampfveranstaltungen verboten, Ursula von der Leyen überlegt den Abzug der Bundeswehr vom NATO-Stützpunkt in der Türkei (weshalb erst jetzt?). Erdogan führt einen Trumpschen Wahlkampf für seine allumfassende Macht. Er ist es auch, der sich damit immer mehr selbst in’s Aus manövriert. Immer mehr Gelder aus der EU werden gestrichen, das Flüchtlingsabkommen ist vielleicht eine offiziell saubere Lösung – doch werden viele der Menschen einfach, durch Militärs begleitet, hinter dem Grenzzaun im Kriegsgebiet abgesetzt. Die Türkei benötigt die europäischen Zahlungen, da die Wirtschaft derzeit am Boden liegt und Erdogans neuer Busenfreund Putin mit sich selbst zu schaffen hat. Bevor ich jedoch noch mehr dem Politisieren verfalle, möchte ich der Androhung Cavusoglus etwas mehr Aufmerksamkeit schenken und an dieser Stelle mal wieder einen History-Blog anbieten. Einige Zeilen zu den “Türkenkriegen” um diese dunkle Zeit zum Wohle beider Seiten etwas in’s rechte Licht zu rücken.
Nachdem das oströmische, byzantinische Reich am 29. Mai 1453 durch den Tod des letzten Kaisers Konstantin XI. während der Belagerung Konstantinopels durch den Osmanen Mehmet II. unterging, eigneten sich diese auch die Gebiete des Kaiserreiches an. Es begann die Zeit der Türkenkriege, da die osmanischen Türken immer mehr in Richtung Norden vorstachen. Doch bildeten interessanterweise stets die grössten Teile des Sultan-Heeres nicht etwa die anatolischen Türken, sondern die Bevölkerungen aus den eroberten Gebieten Griechenlands, Bulgariens, Serbiens, Albaniens, Bosniens und nicht zuletzt auch die Walachen. Simpel formuliert: Mann musste nicht unbedingt der Bibel abschwören, um bei den Türken gross Karriere zu machen. Zudem verbündete sich Frankreich immer wieder mit den Osmanen, wenn es gegen gemeinsame Feinde ging. Die Gegner der Osmanen waren über Jahrhunderte hinweg das Heilige Römische Reich deutscher Nation unter den Habsburgern, die Republik Venedig, sowie die beiden Königreiche Ungarn und Polen-Litauen. Ab dem 17. Jahrhundert zudem das russische Zarenreich.
Der Erste Österreichische Türkenkrieg wurde durch die Machtstreitigkeiten zwischen dem Habsburger Ferdinand I., seinem Adoptivbruder bzw. Schwager Leopold II. von Ungarn und dem Ungarn Johann Zapolya ausgelöst. Letzterer verbündete sich mit den Osmanen, die damit nahezu ohne Gegenwehr (Ausnahme die Schlacht von Mohács) bis nach Pressburg vorstiessen. Von Glaubenskrieg also keine Spur! Die Belagerung Wiens fand zwischen dem 21. September und dem 15. Oktober 1529 statt.

https://www.youtube.com/watch?v=MXEZnDIQIuE

Dann liessen die Türken wieder ab, da sie von Seuchen gezeichnet Probleme mit dem Nachschub bekamen. Der spanische König Karl V. hatte es anno 1530 auf die ungarische Krone abgesehen und einige Kämpfe gegen die Türken auf ungarischem Gebiet ausgefochten. Zwei Jahre später zog sich allerdings Süleyman I. “Der Prächtige” weitestgehend mit seinem Heer zurück – der Hintergrund dafür lag im Nürnberger Religionsfrieden, den der österreichisch-deutsche Kaiser mit den protestantischen Fürsten Deutschlands geschlossen hatte und somit auch deren Hilfe erwarten konnte. 1537 verlor das Heer Ferdinands an der heutigen slowenischen Grenze eine entscheidende Schlacht – es folgte ein Friedensvertrag mit den Türken und ein Waffenstillstandsabkommen mit dem Ungarn Zapolya.
Nachdem die Osmanen nahezu einmal jährlich in das Kaiserreich einfielen, folgte zwischen 1593 und 1606 der “Lange Türkenkrieg”. In den anschliessenden Verhandlungen wurde Frieden geschlossen – Österreich kostete dieser rund 200.000 Gulden.
Nun kämpften die Osmanen gegen die in Siebenbürgen und Moldau eindringenden Polen, mischten sich in den russisch-polnischen Krieg ein und bekämpften auf Kreta die Venezianer.
Im Jahre 1663 scheiterten die Versuche der Verlängerung des Friedensvertrages zwischen den Habsburgern und dem Großwesir Ahmed Köprülü, der daraufhin rund 100.000 Mann in Bewegung setzte. Nachdem er bei Gran die österreichischen Truppen bezwungen hatte und deren Festung Neuhäusl fiel, startete er im Mai 1664 zum zweiten Feldzug der Türken gegen die Habsburger. 40.000 Türken standen am Fluss Raab rund 25.000 Mann auf Seiten der Österreicher gegenüber, die durch einige deutsche Fürsten und Kurfürsten (wie Bayern, Schwaben, Westfalen,…) aber auch einem französischen Hilfskorps unterstützt wurden. In den Morgenstunden des 01. August begann die zehnstündige offene Feldschlacht. Das Heer des kaiserlichen Oberbefehlshaber Raimondo di Montecuccoli blieb erfolgreich. 10.000 toten Türken standen 2.000 Tote bei den Österreichern gegenüber. Der Grosswesir musste zehn Tage später den 20-jährigen Frieden von Eisenburg unterzeichnen.
Leopold I. bekam es danach mit dem französischen König Ludwig XIV. zu tun, der sein Land in Richtung Osten ausdehnen wollte und deshalb die benachbarten deutschen Fürstentümer angriff. Der Franzose war es schliesslich auch, der Sultan Mehmed IV. zu einem weiteren Feldzug gegen die Habsburger anstachelte. Mit rund 150.000 Mann belagerte der neue Oberbefehlshaber und Grosswesir Kara Mustafa ab Juli 1683 erneut Wien. Der kaiserliche Feldherr Herzog Karl von Lothringen hatte zuvor die strategisch wichtigen Punkte Neuhäusl und Gran einnehmen wollen. Als er jedoch bemerkte, dass dies die Türken auf ihrem Vormarsch nicht störte, zog er sich mit 30.000 Mann nach Wien und Umgebung zurück. Der Kaiser hatte die Stadt zuvor verlassen. Immer wieder versuchte der Sultan die Wiener zur Aufgabe zu bewegen. Diese aber hielten mutig durch, nachdem gesehen wurde, wie das Umland gebrandschatzt und die Bewohner in die Sklaverei getrieben wurden. Besonders traurig: Das Massaker von Perchtoldsdorf. Nach der feierlichen Übergabe des Stadtschlüssels wurden alle Bewohner massakriert! Das Entsatzheer mit 80.000 Mann führte am 12. September der polnische König Jan III. Sobieski an. Nachdem das österreichische Heer gemeinsam mit den Sachsen am linken Flügel Erfolge einfuhr, überrannten die polnischen Reiter die Janitscharen-Leibwache des Grosswesirs, der daraufhin flüchten musste. Die Schlacht am Kahlenberg war die letzte grosse Schlacht gegen die Türken. Kara Mustafa übrigens wurde im Dezember desselben Jahres in Belgrad auf Befehl des Sultans erdrosselt.

“Es war, als wälze sich eine Flut von schwarzem Pech bergab, die alles, was sich ihr entgegenstellt, erdrückt und verbrennt.”
(Der türkische Chronist Mehmed, der Silâhdar, beim Anblick des Entsatzheeres)

Prinz Eugen von Savoyen war alsdann zwar schon ein, nicht jedoch DER Befreier Wiens. Er war zu diesem Zeitpunkt Oberstleutnant und kämpfte an der Seite seines Cousins Ludwig Wilhelms von Baden. Die Ehre gebührt eigentlich dem Polen Jan III. Sobieski, dem Herzog Karl von Lothringen und dem Grafen Starhemberg.
1684 wurde zwischen dem Kaiserreich und Venedig, dem Vatikan und Polen der Vertrag zur “Heiligen Liga” unterzeichnet. Ziel war das gemeinsame Vorgehen gegen die osmanischen Angreifer, denn bislang führte jeder seinen eigenen Krieg mit ihnen. Karl von Lothringen setzte inzwischen den sich zurückziehenden osmanischen Truppen mit 18.000 Soldaten nach. Mit der Hilfe Ludwig Wilhelms von Baden (“Türkenlouis”) und Prinz Eugen von Savoyen wurde nach den beiden Schlachten von Zenta und Peterwardein 1686, sowie der Schlacht von Mohács 1687 Ungarn befreit. Dabei schlug endlich die grosse Stunde des Prinz Eugen, der anstelle von Friedrich August von Sachsen den Oberbefehl über die Truppen erhielt, als der “Türkenlouis” vom Kaiser an die Westfront beordert wurde. Nachdem die kaiserlichen Truppen einem türkischen Grossangriff standhielten, führte Eugen von Savoyen den Gegenangriff an, durchstiess die Stellungen der Türken und erreichte als erster das Zelt des bereits geflohenen Grosswesirs. 800 gefallenen Österreichern standen 10.000 gefallene Türken gegenüber. Durch diesen glorreichen Sieg sicherten sich die Habsburger das Erbrecht auf die ungarische Stephanskrone. Anschliessend wurde Eugen von Savoyen an die Westfront gegen die Franzosen abberufen (Pfälzischer Erbfolgekrieg). Als dieser bendet war, sammelte er erneut die Truppen in Ungarn und fügte den Osmanen, die inzwischen wieder entscheidende Gebietseroberungen verzeichnen konnten, bei deren versuchten Überquerung der Theiss bei Zenta die entscheidende, vernichtende Niederlage zu. Durch den Frieden von Karlowitz verloren die Türken alle Eroberungen des vorherigen 16. Jahrhunderts – Österreich stieg zur Grossmacht auf.
Die restlichen Kriege zwischen den Österreichern und den Türken wurden vornehmlich auf dem Balkan bzw. in Rumänien geführt – den Hintergrund bildeten Gebietsaneignungen. So erzielte etwa Prinz Eugen von Savoyen in der Schlacht von Petrovaradin einen entscheidenden Sieg im 5. Türkenkrieg der Österreicher. Er nahm zudem Temeschburg und Belgrad ein, was ihn endgültig zum Volkshelden aufsteigen liess. Und dies, obgleich Lieselotte von der Pfalz über ihr Pflegemündel meinte, dass er einen „schmutzigen sehr debauchierten“ Jungen darstelle, der es wohl zu nichts bringen würde. Die Geschichte zeigt: Gottlob lag sie falsch!

https://www.youtube.com/watch?v=MXEZnDIQIuE

Im Anschluss an den letzten österreichischen Türkenkrieg mussten sich die Habsbruger nach dem Tod Josefs II., der damals im Rahmen des Bündnisvertrages mit Katharina II. von Russland in den Krieg eingezogen war, unter Leopold II. einem osmanisch-preussischen Bündnis geschlagen geben. Die Grenzen wurden im Frieden von Sistowa festgelegt.
Nachdem die Osmanen in Nordafrika, auf dem italienischen Stiefel, auf offener See im Mittelmeer und auf dem Balkan, sowie im Osten durch die Portugiesen und Perser bekämpft wurden, mischte sich 1739 auch der russische Zar ein. Sein Ziel war die Rückeroberung Konstantinopels für die orthodoxen Christen sowie die freie Durchfahrt am Bosporus. Das führte zu der perversen Situation, dass die anderen europäischen Länder ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen gefährdet sahen. Sie unterstützten die Osmanen 1878 im Krimkrieg gegen die Russen.
Venedig führte acht Türkenkriege, Österreich sieben, Polen derer drei, Russland 10. Was als Glaubenskrieg begonnen wurde, avanzierte schon recht bald zum üblichen machtpolitischen Krieg. Wie wäre ansonsten das Bündnis mit dem “katholischsten König aller”, dem französischen Königshaus oder dem schwedischen Königshaus zu erklären? Die Türken haben sich so häufig bereits an Europa die Zähne ausgebissen! Alles deutet darauf hin, dass sie das auch dieses Mal tun werden. Mal ehrlich: Würden Sie mit jemandem Geschäfte machen, der immer nur fordert, sie bedroht und als Nazi beschimpft??? Ich würde seinem Vorbild folgen und ihn anzeigen!

PS:
Obgleich nach wie vor noch nicht eindeutig geklärt ist, ob Prinz Eugen von Savoyen homosexuell war oder nicht, benannte Hitler ein Kampfschiff und auch die 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division nach dem Feldherrn!!!

Lesetipps:

.) Geschichte Südosteuropas, vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart; Konrad Clewing/Oliver Jens Schmitt (Hrsg.); Pustet Regensburg 2012
.) The Ottoman Empire 1326–1699; Stephen Turnbull; Osprey Publishing 2003
.) History of the Ottoman Empire and modern Turkey; Stanford J. Shaw/Ezel Kural Shaw; Cambridge University Press 1976
.) Die Türkenkriege in der historischen Forschung (= Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte; 13); Zygmunt Abrahamowicz; Deuticke 1983
.) Jan Sobieski. Der Retter Wiens; Gerda Hagenau; Amalthea, 1983
.) Unser Heer. 300 Jahre Österreichisches Soldatentum in Krieg und Frieden; Herbert St. Fürlinger (Hrsg.); Verlag H.Fürlinger 1963
.) Das Kreuz und der Halbmond. Die Geschichte der Türkenkriege; Klaus-Peter Matschke; Artemis und Winkler 2004
.) Kara Mustafa vor Wien. Das türkische Tagebuch der Belagerung Wiens 1683, verfaßt vom Zeremonienmeister der Hohen Pforte (= Osmanische Geschichtsschreiber. Band 1); Richard F. Kreutel (Hrsg.); Styria 1975
.) Doppeladler und Halbmond. Entscheidungsjahr 1683; Thomas M. Barker; Styria 1982
.) Reich und Türkengefahr im späten 16. Jahrhundert. Studien zu den politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen einer äusseren Bedrohung; Winfried Schulze; Beck 1978
.) Rot-weiß-rote Schicksalstage. Entscheidungsschlachten um Österreich; Richard Schmitt/Peter Strasser; Residenz 2004
.) Die Türken vor Wien in Augenzeugenberichten; Walter Sturminger (Hrsg.); dtv 1985
.) Prinz Eugen. Feldzüge und Heerwesen; Peter Broucek/Erich Hillbrand/Fritz Vesely; Deuticke 1986
.) Prinz Eugen. Europas heimlicher Herrscher; Franz Herre; Deutsche Verlagsanstalt 1997

Links:

www.hgm.at
www.habsburger.net
www.eslam.de
www.tuerkenbeute.de
www.kriegsreisende.de
www.genealogy.net
www.wien-konkret.at
www.landesarchiv-bw.de
digi.ub.uni-heidelberg.de
www.hsozkult.de
www.belvedere.at

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Es ist ein Pulverfass, auf dem wir sitzen

„Der Krieg ist also ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen.“
(Clausewitz: Vom Kriege, Buch I, Kapitel 1, Abschnitt 2).

Es ist wohl die einfachste Definition des Krieges – sicherlich aber die treffendste, die der preussische General und Heeresreformer Carl Philipp Gottlieb von Clausewitz im 19. Jahrhundert hervor brachte. Allerdings muss beigefügt werden, dass bis zu dieser Zeit der Krieg als höchste Form der “Selbstbehauptung eines Volkes” angesehen wurde. Die “Volksbewaffnung” war alsdann gang und gebe.
Dieser Tage verfolgte ich ein Interview mit dem Kriegsreporter Wolfgang Bauer auf dem deutschen Radiosender SWR 1. Er meinte, dass es in der Geschichte der Menschheit noch nie zuvor dermassen viele Kriege gleichzeitig gab, wie in der Gegenwart! Das wollte ich nicht so ohne weiteres im Raume stehen lassen und begann meine Recherche. Mein Ziel: Widerlegung dieser seiner Aussage! Allerdings muss ich nach meinem jetzigen Stand der Dinge, sie bejahen! Zudem kommen mir Zweifel auf, ob denn in diesem Zusammenhang noch wirklich von “zivilisiert” und “Krone der Schöpfung” gesprochen werden kann. Ganz im Gegenteil – ich schäme mich für meine Artgenossen!
Experten sind unterschiedlicher Meinung, ob denn bei jedem bewaffneten Konflikt auch tatsächlich von Krieg gesprochen werden kann. Das Drama in Syrien etwa begann auf diese Art: Irgendwo in der Provinz lehnte sich eine Gruppe von Regime-Gegnern gegen die Machthaber auf. Damals dachte niemand in Damaskus, dass sich dies dermassen ausweiten, das Land zerstören und solches Blut und Leid bringen wird. Wo also beginnt “Krieg”? Wenn mein Nachbar seinen Zaun um wenige Zentimeter auf meinen Grund verschiebt, ich mit ihm spreche, er aber nicht einsichtig ist: Ist das dann Krieg? Ich wahre meine Interessen! Ähnlich wie es derzeit Putin auf der Halbinsel Krim veranschaulicht. Sewastopol ist seit Zarenzeiten der Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte. Logisch, dass hier vornehmlich die Verwandten und Hinterbliebenen der russischen Seeleute leben.

http://www.netzpunkt.de/konflikt/s/karten.htm

Doch – wie auf der Karte zu erkennen: Das Feuer lodert an allen Ecken und Enden unseres Planeten. Auch wenn es Konflikte sind, die nicht mit den beiden Weltkriegen des vergangenen Jahrhunderts verglichen werden können, so bedeutet dies noch lange nicht, dass sie weniger grausam geführt werden. Die grössten davon sind wohl der Nahost-Konflikt (seit 1918), der Kaschmir-Konflikt zwischen Indien und Pakistan, der Afghanistan-Krieg (seit 1978) und jetzt die Syrien-Krise (seit 2011). Tausende Menschen werden jeden Tag für Ziele sinnlos dahingemetzelt, mit welchen sie selbst gar nichts anfangen können; ihre Machthaber aber von gut und wichtig sprechen.
Weltweit gibt es derzeit zirka 140 Kriegsherde. Allerdings finden viele davon in den Medien keine Erwähnung. Und genau diese möchte ich heute etwas genauer beleuchten um damit aufzuzeigen, wie brutal der Mensch mit seinesgleichen umgeht. Jeder dieser Konfliktherde ist anders gepolt, findet unter anderen Voraussetzungen statt und zeigt die Grausamkeit des Machbaren auf.
Seit 1966 findet einer der wohl erschreckendsten im Tschad statt. Das Land erlangte am 11. August 1960 seine Unabhängigkeit von Frankreich. Knappe 11 Millionen Einwohner leben auf einer Fläche von 1,284 Mio km². Derzeitiger Staatspräsident ist Idriss Déby Itno. Der Tschad liegt mitten in der Sahelzone – der heissesten und trockensten Gegend auf diesem Globus. Man möchte meinen, dass es hier nichts zu holen gäbe! Weit gefehlt! Wie bei allen Staaten Zentralafrikas ist der Norden islamisiert, während der Süden christlich-sudistisch beeinflusst ist. Und genau diese beiden Welten prallen in Form der muslimischen “Front national de liberation du Tchad” (Nationale Befreiungsfront des Tschad) und der südlichen Milizen unter General Félix Malloum Tombalbaye aufeinander. 1969 griffen auch die ehemaligen Kolonialherren aus Frankreich auf Seiten des Generals ein, die muslimische FROLINAT wurde durch Libyen, Algerien und dem Sudan unterstützt. Immer wieder fanden sich Freunde unter Waffen, die sich später erneut blutig trennten. Während der 2. Republik (1982 bis 1990), die nur dadurch zustande kam, da sich Gadaffi bis auf den Aouzou-Streifen im Norden des Landes zurückziehen musste und auch Ägypten und die USA gewaltigen Druck ausübten, begann unter der französischen Bezeichnung “Épervier” eine Grossoffensive der Regierungstruppen, die schliesslich zum Vertrag von Algier führte. Bis 2003 konnte sich das Land mehr oder weniger erholen. In diesem Jahr griff allerdings der sudanesische Konflikt in Darfur auf den Tschad über. Sudanesische Reitermilizen führten auch in den Grenzgebieten ihr Unwesen. Hinzu kamen 2005 erneut tschadische Rebellen, die ganze Massaker in den Städten anrichteten. Seit 2006 läuft offiziell wieder der Bürgerkrieg im Tschad. Ein Jahr später begann mit MINURCAT die Friedensmission der Vereinten Nationen. Die Soldaten jedoch wurden aus einer multinationalen Militäreinheit, der EUFOR Tchad/RCA gebildet. Die Rebellenorganisation UFDD bekämpfte diese Truppe bis zu ihrer Abrückung. Tausende Menschen wurden teils mit Macheten dahingemetzelt. Zigtausende sind auf der Flucht. Immer wieder werden Kinder entführt, die wenig später als Kindersoldaten am grauenvollsten wüten. Im Mai 2013 fand erneut ein Putschversuch statt. Der Tschad gilt als instabil, korrupt und fällt immer wieder auf durch die Verschleppung und Ermordung von Zivilpersonen (auch von Hilfsorganisationen) und Vergewaltigung sowie Ermordung von Frauen auf.
Ebenfalls um religiöse Ansichten geht es im bewaffneten Krieg zwischen den Sunniten und den Schiiten, der seit 2001 in Pakistan wütet. Hier schlagen sich die Moslems gegenseitig die Schädel ein. Als hätte das Land nicht genügend mit dem Grenzkonflikt zu Indien (Kaschmirkonflikt) bzw. dem Iran (Belutschistankonflikt) zu tun – so schafft es Staatspräsident Mamnoon Hussain einfach nicht, die beiden Religionsgruppen für ein friedliches Zusammenleben gewinnen zu können. Das Land rief 1947 seine Unabhängigkeit aus – es war der muslimistische Teil des ehemaligen Britisch-Indiens. 1956 wurde Pakistan unter Choudhary Rahmat Ali zur islamischen Republik. Der Norden und Nordwesten wird begrenzt durch den Hindukusch, dem Larakorum und dem Himalaya. Im restlichen Land sorgt (mit Ausnahme der Indus-Ebene) das wüstenähnliche Klima immer wieder für Trockenheit. Also auch hier ein Land, das eigentlich unwirtlich erscheint. Trotzdem leben hier nicht weniger als rund 172 Millionen Menschen (Schätzung 2008). Während die Schiiten durch den Iran unterstützt werden, finden die Sunniten in Saudi Arabien Rückendeckung. Der Konflikt zwischen diesen beiden Glaubensgruppen dauert bereits seit rund 1.500 Jahre an. Zuletzt auch im Syrien-Konflikt, sind doch dort die Machthaber Schiiten und einige der Regime-Gegner Sunniten. Letztere sind ganz offiziell der Meinung, dass die Schiiten nicht regieren dürfen. Untermauert wird dies auch durch die Thesen der Salafisten. Als der Prophet Mohammed im Jahr 632 starb, entbrannte sich ein Streit über seine Nachfolge: Die sunnitischen Kalifen oder die schiitischen Imame. Die Sunniten fordern jedenfalls die Rückkehr zur ursprünglichen Lebensweise des Propheten. Für sie ist die Wahhabiya die einzig wahre Interpretation des Islam – ergo ist ein Schiite ein Ketzer, da nur ein vorgegebener Moslem! In Pakistan kommen zu dieser Problematik noch die Taliban hinzu. Radikalisierte sunnitische Terroristen, die Schiiten ohne Rücksicht meist bei deren Trauerzeremonien schlichtweg abschlachten. Die komplette Region Wasiristan an der Grenze zu Afghanistan dient ihnen als Rückzugsgebiet. Finanziell durch Saudi Arabien unterstützt, trotzen sie seit Jahren den Vorstössen der Regierungstruppen. Selbstmordanschläge treffen das öffentliche Leben Pakistans immer wieder wie Nadelstiche in’s Herz. So etwa auch jener am 05. Oktober 2009 auf das Büro des Welternährungsprogrammes der Vereinten Nationen in Islamabad. Eigentlich ein Hochsicherheitsdistrikt! Nur eine Woche später wurde durch die Taliban das regionale Hauptquartier der Armee in Rawalpindi besetzt. Beim anschliessenden Sturm durch ein Sonderkommando kamen neun Menschen um’s Leben! Damit ist allerdings eine Schmerzgrenze erreicht, ist doch Pakistan Atommacht. Undenkbar, was geschehe, wenn solche atomare Waffen in die Hände der Taliban fielen. Auch die Ermordung der ehemaligen Premierministerin Benazir Bhutto am 27. Dezember 2007 soll auf das Konto der Taliban gehen. Tatsächlich sind in Pakistan die Sunniten in der grossen Mehrzahl, gliedern sich jedoch in die unterschiedlichsten Denkschulen auf. Der Konflikt wird immer wieder durch die rund 18.000 Koranschulen angeheizt. Eigentlich eine sehr sinnvolle Einrichtung, erhalten doch auch Kinder aus den ärmlichsten Verhältnissen durch sie Zugang zur Bildung – zudem sind sie immer wieder auch humanitär tätig. Allerdings – durch fehlende Kontrolle durch den Staat können sich hier religiöse Extremisten, wie etwa Hassprediger richtiggehend austoben. Auch in Pakistan wird die Korruption hoch gehalten. In einigen Regionen regieren Stammesfürsten oder die Taliban – hierfür hat das deutsche Auswärtige Amt eine “Teil-Reisewarnung” ausgesprochen.
Seit nunmehr acht Jahren findet auch in Mittelamerika ein Krieg statt, bei welchem nicht wirklich die ehrenhaften Grundsätze eines Offiziers gelten: Der Drogenkrieg in Mexiko! Das Land ist rund 5 1/2 mal so gross wie die Deutschland – zirka 112 Mio Menschen leben an diesem Scheitelpunkt zwischen den USA und Südamerika. Und täglich werden es weniger. Schuld daran ist im Vergleich zu den anderen beiden Konflikten jedoch nicht die Religion, sondern vielmehr das Geschäft mit der Sucht. Und dabei muss Staatspräsident und Regierungschef Enrique Peña Nieto mit aller Härte vorgehen, denn der Gegner kennt kein Pardon! Auch wenn nun so manch einer unter Ihnen vielleicht sagen sollte, dass dies kein Krieg sondern vielmehr die Bekämpfung der organiserten Kriminalität ist, möchte ich dem etwas entgegenhalten: Seit dem Ausbruch des Konfliktes starben mehr als 70.000 Menschen – auch das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung hat diese bewaffnete Auseinandersetzung als “innerstaatlicher Krieg” (2010) bezeichnet. Es ist ein Mehrfrontenkrieg: Auf der einen Seite stehen Militär (50.000 Mann), Polizei (35.000 Beamten/-innen) und jetzt auch noch die Bürgerwehren, auf der anderen Seite die Drogenkartelle (300.000 teils paramilitärisch organisierte Kriminelle), die sich auch gegenseitig massakrieren. Leider allzu leicht ist es, hier als Unschuldiger in’s Sperrfeuer zu geraten – ein Kolateralschaden. Besonders die Grenzregion zu den USA wird durch die Drogenbosse kontrolliert. Drogenkonflikte gab es bereits zuvor, doch hielt sich im Grossen und Ganzen die Regierung zurück. Erst als Felipe Calderón Präsident wurde, begann der Krieg ohne Regeln. Er wollte das Land sauber machen, mit den Drogen aufräumen. Dazu setzte er auch die Armee ein. Zuerst im Bundesstaat Michoacán, um den dortigen Konflikt zwischen den Drogenkartellen zu beenden. Der weitaus grösste Teil der Polizei ist bei den jeweiligen Gemeinden angestellt (Munizipalpolizei). Sie sind schlecht bezahlt und sehr korruptionsanfällig. Nur 34.500 (von mehr als 425.000) gehören der Bundespolizei an. Auch hier kann die Korruption nicht ausgeschlossen werden. Allerdings wurde bereits mit Massenentlassungen reagiert. Vorsichtige Schätzungen sprechen von 5-15 % der Polizisten, die mit den Kartellen zusammenarbeiten. Dies ist auf Seiten des Militärs anders. Mit den für den Drogenkrieg abgestellten Soldaten steht rund 1/4 von Heer und Marine im eigenen Land unter Waffen. Seit dem vergangenen Jahr kamen noch die Bürgerwehren hinzu (die “Grupos de autodefensas”). Sie erleichtern die Arbeit der Sicherheitskräfte in keinster Weise, sind sie doch meist für Aussenstehende nicht von den Kartellen zu unterscheiden – zudem wird auch vielen ein Naheverhältnis zu einem solchen Kartell bescheinigt. Beginnend in den beiden Bundesstaaten Michoacán und Guerrero gibt es inzwischen in nahezu 16 Bundesstaaten derartige bewaffnete Bürgermilizen, die nicht unbedingt versuchen, zuvor zu reden, sondern sehr rasch am Abzug sind. Neben dem grössten und mächtigsten Kartell, dem Sinaloa-Kartell entstanden die meisten anderen auch in den 90er Jahren. Hinzu kommen mit etwa den Los Zetas weitere fünf Kartelle in der jüngeren Vergangenheit. Sie sind es übrigens, die ein Dreier-Bündnis der Kartelle (Sinaloa, Golf und La Failia Michoacana) brutalst bekämpfen. Folterungen und Exekutionen sind an der Tagesordnung. Die beliebteste Exekutionsmethode ist die Enthauptung (2011 wurden 453 kopflose Leichen gezählt). Zwischen 50-100.000 Menschen werden vermisst. Auch Journalisten, die über die Problematik schrieben, wurden entweder tod oder gar nicht mehr aufgefunden. Die Schmuggelrouten führen meist über das Land, da sie hier besser kontrolliert werden können. Diese Nachschubwege werden jedoch immer mehr durch den Staat unterbunden – also streiten sich die Kartelle immer heftiger untereinander, um die restlichen Wege zu nutzen. Migranten auf dem Weg in die USA werden gekidnappt, um von den bereits in den Staaten lebenden Verwandten Lösegeld zu erpressen – oder sie werden zur Mitarbeit in den Kartellen gezwungen, die Frauen müssen anschaffen gehen. Das Wort “Nein!” wird mit einer Kugel und einem Massengrab bestraft. Wie beispielsweise beim “Massaker von Tamaulipas” 2010 (72 tote Migranten). Die Drogen selbst werden über Gangs in den Umlauf gebracht. Der Drogenkrieg wütet v.a. in den Bundesstaaten Chihuahua, Sinaloa und Guerrero. Trotz hohen Kopfgeldes können die meisten Drogenbosse nicht dingfest gemacht werden. Zwischen 2009 bis 2012 konnten nur 16 verhaftet, 6 weitere getötet werden. Etwa bei der Erstürmung der Luxusresidenz von Marcos Arturo Beltran-Leyva im Jahr 2009 durch Marinesoldaten. Er galt als “Boss der Bosse”. Allerdings wurde rasch ein Nachfolger gefunden. Mit welchen perfiden Mitteln dieser Krieg begangen wird, zeigt wohl am ehesten der Fall einer Gefängnisdirektorin im Jahr 2010 auf, die des nächtens Insassen ihrer noblen Herberge flüchten liess. Zuvor wurden sie noch mit Waffen ausgestattet! Sie sollten Mitglieder eines anderen Kartells über den Jordan befördern, und sie waren gründlich – 35 Tote bei 3 Anschlägen. Die USA stehen dem Ganzen nicht tatenlos gegenüber, da vermutet wird, dass der Drogenkrieg im Kleinen bereits über die Grenze geschwappt ist. Hunderte Millionen Dollar fliessen in den Nachbarstaat – etwa 80 Millionen für den Ankauf von Black Hawk-Hubschraubern. Für spezielle Provinzen Mexikos, wie dem Bundesstaat Michoacán und den angrenzenden Bundesstaaten besteht eine Reisewarnung der deutschen Auswärtigen Amtes.

Neben diesen drei bewaffneten Konflitken gibt es noch unzählige Brandherde auf dieser Welt: Grenzkonflikt zwischen Kambodscha und Thailand, Guerilla-Krieg in Kolumbien, Türken-Kurden-Auseinandersetzung, Arabischer Frühling,… Sie sehen, der Krieg hat viele Gesichter. Zumeist jedoch sind sie brutal und blutverschmiert! Moderne Technologien gestatten es zudem, den Gegner auszuschalten ohne ihn selbst zu sehen. Die heimische Wirtschaft verdient mit dem Tod dieser Menschen viel Geld – durch den offiziellen – aber vornehmlich auch dem inoffiziellen Waffenexport. Die Religionen selbst sind dabei meist nicht wirklich unschuldig. So werden etwa Sprüche wie “Auge und Auge, Zahn um Zahn” (Ex 21,22-25; vgl. Lev 24,20 und Dtn 19,21) aus dem Zusammenhang gerissen und als Legitimierung für die gewaltsame Verteidigung der Rechte – ja auch für einen Präventivschlag verwendet: “Friss, bevor Du gefressen wirst!” Wäre es nicht sinnvoller, alle, die sich den Schädel einschlagen wollen, auf eine Insel zu verbannen? Dort leben sie dann nach dem Motto: “Live and let die” (Leben und sterben lassen).
Abschliessen möchte ich diesen heutigen Blog mit einer Frage, die, so denke ich, unbeantwortet bleiben wird – auch wenn seit 2001 am 01. September der Anti-Kriegs-Tag gefeiert wird: An welchem Tag in den letzten einhundert Jahren starb kein Mensch in einem Krieg?

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Agent Provokateur

Ein altes Sprichwort sagt: “Hunde, die bellen, beissen nicht!” Nicht immer kann man Sprichwörter auch eins zu eins übertragen – schon gar nicht, wenn es sich nicht um instinktiv geführte Tiere sondern um irrational denkende Menschen handelt. Deshalb sollten die Meldungen aus Nordkorea durchaus ernst genommen werden – auch wenn es sich vielleicht um die grösste Show ever handelt.
So besagt eine Legende, dass der Sohn des Staatsgründers Kim Il-sung; Kim Jong-il, in einer armseligen Hütte auf dem Berg Paektu unter einem doppelten Regenbogen geboren wurde. Tatsächlich war es hingegen in einem Ausbildungslager in der Sowjetunion. Auch der Geburtstag Kim Il-sungs ist noch heute Nationalfeiertag und wird als “Tag der Sonne” bezeichnet. Märchenerzähler nahmen sich der Biographien seiner Nachfolger Kim Jong-il und Kim Jong-un an. Kim selbst wurde am 15. April 1912 in Mankeidai in der damaligen Provinz Korea des japanischen Kaiserreichs geboren. Sein Vater war zumindest zeitweise als Lehrer tätig, seine Mutter Tochter eines protestantischen Geistlichen.  Nachdem die Familie 1920 in die Mandschurei ausgewandert ist, wurde Kim 1929 als Mitglied einer anti-japanischen, marxistischen Vereinigung verhaftet. 1935 betätigte er sich als Politkommissar in der “Vereinigten Nordöstlichen Antijapanischen Armee”. Am 4. Juni 1937 führte Kim die 6. Division an, als diese in der “Schlacht von Pochonbo” einen Sieg über die Japaner erringen konnte. So stellt es die nordkoreanische Geschichtsschreibung dar. Tatsächlich war es ein Überfall von 180 Partisanen auf eine japanisch-stämmige Polizeistation – deren Stärke lag bei 30 Mann. Seit spätestens diesem Zeitpunkt hatte Kim den Ehrentitel “General”. Auf Druck der Japaner mussten die Partisanen jedoch in die Sowjetunion flüchten. Dort besuchte Kim Il-sung die Kommandeursschule der Roten Armee und soll auch an der Kesselschlacht von Stalingrad beteiligt gewesen sein (88. Schützenbrigade der Roten Armee). Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam er wieder in seine Heimat zurück, wo er durch die Sowjets als neuer starker Mann des Nordteils der Halbinsel eingesetzt wurde, da sowohl die koreanischen Nationalisten als auch die Kommunisten nicht im Sinne Stalins arbeiteten. Seither wird Nordkorea als “Diktatur des Volkes” geführt, in der das Volk durch die Partei und die Armee unterdrückt wird. Das Wort “Säuberung” löst Angst und Schrecken aus. Der Staatsgründer bleibt sog. “De-jure-Staatschef” (ewiger Präsident) auch über seinen Tod hinaus. Kim Il-sung verstarb 1994 angeblich in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjamg – tatsächlich jedoch in seinem Chalet Hyangsan in den Myohyang-san-Bergen.
Die “Demokratische Volksrepublik Korea” ist die letzte wirkliche stalinistische Diktatur. Die Machthaber verstehen sich selbst als die Fortführer des wahrhaftigen Marxismus. Ob dies Karl Marx auch so sehen würde? Alle Macht geht vom Führer, der Partei und der Armee aus. Diese leben wie die Maden im Speck – das Volk verhungert inzwischen auf den Feldern. Kritik ist unerwünscht. Jubelt man nicht den Mächtigen entgegen, so endet das Leben nicht selten in sog. “Umerziehungslagern”. Hier müssen die Inhaftierten Teile der 50-bändigen Schriftenreihe des Führers auswendig lernen. Ein Auswandern ist nicht möglich – ab und zu gelingt aber die Flucht. Im Jahre 1990 kamen noch 9 Flüchtling in Südkorea an – 2010 waren es bereits 2.423. Die meisten flüchten über China, da ein Überschreiten der Demarkationslinie (38. Breitengrad) nahezu unmöglich ist. In China sollen sich inzwischen bis zu 300.000 Nordkoreaner aufhalten – immer wieder werden einige abgeschoben – ihnen blühen in ihrer Heimat Folter und zumeist auch der Tod. Einwanderer gibt es nur vereinzelt, das Land besitzt den weltweit niedrigsten prozentualen Ausländeranteil. Störsender entlang der Grenzen verhindern den Empfang ausländischer Radio- und TV-Sender – vor allem jener aus Südkorea. Internet ist gänzlichst untersagt. So ist die Länderbezeichnung .kp zwar reserviert, wird jedoch so gut wie nie verwendet. Russland kappte schon zu Zeiten Chruschtschows die Unterstützung. Auch in Peking, dem letzten eigentlichen Verbündeten des südlichen Nachbarn ist man nicht immer ob des eigenwilligen Tuns der Kims zufrieden. V.a. seit dem ersten Atomtest im Jahre 2006. Nordkoreas Regierung ist uneinschätzbar. Als Kim Jong-il verstarb, ging die Welt eigentlich von einem Militärputsch aus. Schliesslich hat kein anderes Land dieser Erde ein im Vergleich zur Bevölkerung dermassen mannstarkes Militär. Jeder 20. Einwohner des Landes ist Militärangehöriger. Wie es Kim Jong-un dennoch geschafft hat, die Macht wieder auf sich zu konzentrieren bzw. wer ihn im Hintergrund lenkt, darüber scheiden sich die Geister! Die Dynastie der Kims sorgt bereits zu Lebzeiten für Nachfolger. So wird der mächtigste Sohn als Oberbefehlshaber der Armee eingesetzt. Ihm obliegt es, die Reihen der Nicht-Regimegetreuen im Waffendienst zu lichten und sich dadurch den Weg freizuhalten.
Das Kastensystem kennt drei Laden von Bürgern:
- Loyale Einwohner, “Genossen” der Partei, Arbeiter
- Schwankende Personen, Händler und Unternehmer
- Feindlich gesinnte Personen, pro-japanisch und amerikanisch eingestellte Einwohner sowie gläubige Buddhisten und Christen
Zwar gewährt die Verfassung die Möglichkeit der freien Ausübung der Religion, doch kann durch den Beisatz “Infiltration durch äussere Kräfte oder Verletzung der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung” gezielt dagegen vorgegangen werden.
Bis zur Annexion Koreas durch Japan im Jahr 1910 bildete die Halbinsel einen Staat. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Gebiet in die sowjetische Besatzungszone im Norden und die amerikanische im Süden aufgeteilt. Am
15. August 1947 wurde in Seoul die Unabhängigkeit des südlichen Teils der Halbinsel ausgerufen – am 09. September die Demokratische Volksrepublik im Norden proklamiert. Beide Staaten erkennen sich allerdings noch heute nicht an. Der Konflikt mit Südkorea läuft seit dem 25. Juni 1950, als Kim den Angriff auf Südkorea anordnete. Seine Truppen besetzten nahezu ganz Südkorea, bis die UNO einschritt und die Verbündeten des südlichen Teils (allen voran die USA) diese wieder bis zur chinesischen Grenze zurückdrängten. Dort kamen Kim schliesslich chinesische Truppen zu Hilfe. 1953 wurde ein Waffenstillstand ausgerufen – der Krieg jedoch nie als offiziell beendet erklärt. Die Feindschaft beider Länder erreichte ihren vorläufigen Höhepunkt, als Nordkorea den ersten Atomtest durchführte. Seither geht in Südkoreas Hauptstadt Seoul die Angst um. Schliesslich genügt die Reichweite von Mittelstreckenraketen, die an der Grenze abgefeuert, um dort Tod und Verderben bringen zu können.
Insgesamt wurden drei unterirdische Atomtests durchgeführt. Im April 2012 schliesslich erklärte sich Nordkorea ganz offiziell zur Atommacht. Eine Tatsache, die nicht nur den USA ganz und gar nicht in den Kram passt. Auch der bisherige Verbündete im Norden, China, befürchtet nun das Allerschlimmste. Die Welt atmete auf, als der Raketen-Langstreckentest 2012 im wahrsten Sinne des Wortes in’s Wasser fiel. V.a. die Militärs aus Nordamerika, schliesslich könnte mit einer solchen Langstreckenrakete aus Nordkorea Alaska, Hawaii oder auch die US-Westcoast erreicht werden.
Überhaupt gehören Drohgebärden offenbar zum nordkoreanischen Alltag. Verbalattacken sind immer wieder in den dortigen Medien zu hören, sehen und zu lesen. Immer mal wieder werden während Manövern Südkoreas mit den USA oder Japan Abwehrraketen gezündet, Truppen an den Grenzen zusammengerottet. Doch so weit wie nun Kim Jong-un – das schaffte damals nur sein Grossvater. Nordkorea hat den Waffenstillstand ganz offiziell aufgekündigt – die Zeichen stehen auf Krieg. Allerorts finden Militärparaden statt, bei welchen die Truppen mit erhobener Hand den Angriff fordern – “Lasst uns töten!” Satelliten bestätigen, dass es zu massiven Truppenaufmärschen kommt – Experten meinen jedoch, dass auch viel Pappmache dabei sein dürfte. Schliesslich hat das Land zwar eine der grössten Streitmächte dieser Welt, die Bewaffnung allerdings ist miserabel und veraltet. Teilweise wird noch auf Kriegsmaterial aus dem Korea-Krieg zurückgegriffen. Für neue Technik fehlt das Geld. Nordkorea hatte 2011 ein BIP pro Kopf von 2.250,- US-Dollar; im Vergleich dazu waren es in Südkorea 22.489,- US-Dollar (Zahlenquelle: Auswärtiges Amt Berlin). Sollte es tatsächlich zu einer bewaffneten Auseinandersetzung kommen, so ist durchaus davon auszugehen, dass Soldaten auch unbewaffnet an die vorderste Front geschickt werden. In der zweiten Reihe werden dann jene stehen, die die Desserteure erschiessen! Eine grauenvolle Vorstellung.
Umso wichtiger erschien Pjöngjang die Entwicklung der Atombombe. Mit einem Schlag ist Nordkorea ernst zu nehmen – so hat sich seit dem letzten Atomtest am 12. Februar auch der Ton der Verantwortlichen deutlich verschärft. Experten übrigens gehen davon aus, dass dieser Test gemeinsam mit dem Iran durchgeführt wurde, da er sich komplett von den anderen, bisherigen unterschieden hat. Eine ausgezeichnete Eindämmung sorgte dafür, dass nur wenig Radioaktivität an die Oberfläche kam. Daneben könnte es sich um eine Uran-Bombe gehandelt haben. Die letzten beiden waren Plutonium-Sprengkörper. Und hier schrillen die Sirenen laut auf, schliesslich verfügt das Land über sehr ansehnliche Uran-Vorkommen. Auch ein alter Atommeiler im Norden des Landes wurde wieder in Betrieb genommen werden. Sollte es hier zu einem Zwischenfall kommen, wäre zudem chinesisches Staatsgebiet verstrahlt.
Strategen und Politexperten erklären sich all das mit der derzeitigen verheerenden Wirtschaftslage des Landes. Der Westen soll nicht um Unterstützung gebeten werden – nein, das lässt der Nationalstolz der Kims, Choes und Paks nicht zu – er soll dazu gezwungen werden!!! Berechnungen ergaben einen Jahresbedarf von 5,3 Millionen Tonnen Getreide – eine Million Tonnen mehr als vorhanden. Die offiziellen täglichen Rationen wurden innerhalb weniger Jahre von 400 g auf 200 g Nahrungsmittel halbiert. Wären die Gelder für die Atombombenentwicklung für Nahrungsmittel verwendet worden, hätte zumindest die ärgste Not bekämpft werden können. Etwaige Handelspartner, wie die UdSSR, fielen nach dem Zusammenbruch des Ostblocks weg. In der westlichen Hemisphäre gilt Nordkorea als ein Schurkenstaat. Die Partei- und Armee-Spitze bekommt von dieser Armut rein gar nichts mit. Sie wohnt in prunkvollen Villen mit riesigen Autoparks und lässt es sich mehr als gut gehen. Kim Jong-il etwa hatte zwei identische, gepanzerte Zugsgarnituren, die ständig beide unterwegs waren. So auch, als er Russland besuchte. Einerseits hatte er riesige Angst vor dem Fliegen – andererseits vor Attentaten. Eine dieser Garnituren war ein Geschenk Stalins, die andere ein Nachbau. In den Zügen sollen regelrechte Orgien stattgefunden haben, war doch der zuerst “Geliebte Führer”, dann der “Grosse Führer” kein Kind von Traurigkeit. Wein, Weib und Gesang dürften schliesslich auch am 17. Dezember 2011 zum Herzinfarkt Kims im Zug geführt haben. Ein edler französischer Cognac-Hersteller brüstete sich zuvor damit, dass Kim Jong-il zu seinen Grossabnehmern zählte. Der Personenkult um die drei Kims zieht inzwischen gar bizarre Kreise: 2012 wurden nach Angaben des südkoreanischen Ministeriums für Wiedervereinigung nicht weniger als 32 Millionen US-Dollar nur für Portraits und Statuen der Kims ausgegeben! In jedem Haus des Landes muss ein Bild der beiden verstorbenen Machthaber hängen. Der Rest des Geldes fliesst in’s Militär: So soll für das Raketenprogramm inzwischen mehr als 1 Milliarde US-Dollar ausgegeben worden sein. Das Ergebnis stürzte beim alles entscheidenden Test am 15. Dezember 2012 in die Fluten des Ozeans. Das Parlament hat nun zudem einem Weltraumentwicklungsprogramm zugestimmt. Obwohl zuletzt nach Schätzungen das BIP gesteigert werden konnte, riss eine Hungersnot in den 90er-Jahren das Land in den Abgrund. Eine UN-Untersuchungskommission mit Vertretern aus mehreren unterschiedlichen Abteilungen kam 2011 zu dem Ergebnis, dass rund 6 Mio Nordkoreaner vom Hunger bedroht sind. Hilfslieferungen jedoch würden durch Politiker und Armee zweckentfremdet.
Der Tropfen, der das Fass nun zum Überlaufen bringen könnte, dürfte die Industrieregion Kaesöng werden. Dort sind zahlreiche Unternehmen angesiedelt, die während der Annäherungspolitik Nord- und Südkoreas Anfang des Jahrtausends aufgebaut wurden – federführend war der südkoreanische Ministerpräsident Kim Dae-jung tätig. Rund 900 Süd- und 50.000 Nordkoreaner arbeiten hier auf nordkoreanischem Boden für nicht weniger als 123 Unternehmen aus dem Süden. Kim Jong-un hat nun die Grenze dicht gemacht. Einreisen sind nicht mehr möglich – den Arbeitern aus dem Süden hat er zwar die Ausreise zugesichert, doch dauert dies mehr als lang. In Seoul betont Präsidentin Park Geun-hye unterdessen, man werde die Landsleute rausholen! Wenn es sein muss auch mit Waffengewalt. Sie hat ihre Truppen angewiesen, auf jede militärische Provokation aus dem Norden unmittelbar zu reagieren. Die Militärs Südkoreas, Japans und der USA sind in erhöhter Alarmbereitschaft, Kriegsschiffe kreuzen im japanischen und ostchinesischen Meer. Auf allen Inseln rund um Nordkorea, aber auch auf dem südkoreanischen Festland werden Patriot-Raketenstellungen eingerichtet. Nach Angaben von Samuel Locklear, dem Kommandeur der US-Streitkräfte für den asiatisch-pazifischen Raum, werde die Situation derzeit sehr genau beobachtet. Das riesige Radarsystem SBX-1 zeigt jegliche Flugbewegung, Spionagesatelliten beleuchten jedwede Veränderung innerhalb des Landes, Tarnkappenbomber B-2 Spirit und Tarnkappenjäger F-22 warten auf den Einsatzbefehl. Noch sind es grossangelegte Manöver!
Derweil ist aus Kim Jong-uns Mund zu hören, dass sowohl die Entwicklung von Kernwaffen als auch die Reaktivierung eines Schrott-Atommeilers im Norden zur Grundlage für “Frieden und Wohlstand” im Land zähle. Ein Kernwaffenarsenal schrecke schliesslich andere Länder vor einem Angriff ab. Im dort verabschiedeten Beschluss “zur Festigung der Position des Landes als Atomwaffenstaat zur Selbstverteidigung” heisst es, dass man hiermit auf die “feindseilige Politik der USA” reagiert habe. Setze sich die rücksichtslose Politik der Amerikaner fort, so werde man “erbarmungslos das US-Festland und die Militärstützpunkte auf den Pazifik-Inseln Guam und Hawaii sowie deren Stützpunkte in Südkorea angreifen” (KIm Jong-un auf KCNA). Russland hat inzwischen besorgt reagiert und vor “militärischen Muskelspielen” auf der Halbinsel gewarnt. Die Welt setzt ihre Hoffnungen auf Peking, auch wenn die Chinesen langsam die Schnauze voll haben, den ungezogenen Burschen im Süden ständig massregeln zu müssen.

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Ab sofort wird zurückgeschossen…!!!

Es braut sich nichts Gutes zusammen – derzeit im Gelben Meer! So sollen – nach Angaben eines südkoreanischen Generalstabsvertreters – diese Woche 170 Granaten auf die Insel Yeonpyeong niedergegangen sein. Einige dieser Granaten verfehlten ihr Ziel und fielen ins Meer, andere hingegen haben getroffen. Hierbei sollen zwei Soldaten und zwei Zivilisten getötet und weitere verletzt worden sein. Abgefeuert wurden die Geschosse in der Nähe der Grenzgewässer auf nordkoreanischer Seite! Die südkoreanische Armee hat das Feuer erwidert, Kampfjets sichern den Luftraum! Der Vorfall ereignete sich während einen südkoreanischen Manövers. Pjöngjang forderte, dieses sofort zu beenden. In einer Erklärung des nordkoreanischen Truppenkommandos heisst es: “Sollte die südkoreanische Marionettengruppe es wagen, auch nur 0,0001 Millimeter in Nordkoreas Hoheitsgewässer vorzudringen, wird die revolutionäre Streitmacht nicht zögern, weiter gnadenlose militärische Gegenmaßnahmen zu ergreifen!” (Stern vom 23.11.2010)
Wie immer bei solchen Eskalationen ist mit den vorhandenen Informationen vorsichtig umzugehen. Während der Süden der Halbinsel zwar medientechnisch als frei – nicht aber unbedingt als unzensuriert anzusehen ist, kommen aus dem Norden nur die überprüften und umformulierten Siegesmeldungen, wie es die psychologische Kriegsführung vorsieht. Tatsache ist, dass es zu einem Feuerwechsel zwischen den Artilleriestellungen beider Länder gekommen ist! Jetzt geht in Asien die Angst vor einem erneuten Koreakrieg um!!! Und das durchaus zurecht!
Nach der Niederlage Japans im Zweiten Weltkrieg wurde die koreanische Halbinsel in zwei Besatzungszonen aufgeteilt: Jene nördlich des 38. Breitengrades wurde der Sowjetunion, der südliche Teil den USA zugesprochen. Dazwischen verläuft auch heute noch eine Demarkationslinie. Der Koreakrieg begann am 25. Juni 1950 mit dem Überschreiten dieser Grenze durch nordkoreanische Truppen. Aufgrund dieses Datums wird der Krieg in Südkorea auch gerne als “6-25″ bezeichnet, nördlich der Grenze als “Vaterländischer Befreiungskrieg”. Dem Voraus ging die Aussage des damaligen US-Aussenministers Dean Acheson im National Press Club, dass die USA nicht bereit wären, um Korea zu kämpfen (“defensive perimeter”). Der kommunistische Machthaber des Nordens Kim Il-sung holte sich daraufhin beim sowjetischen Bruder Josef Stalin die Einwilligung für eine Invasion. Mao Tse-Tung, der starke Mann Chinas, enthielt sich zu diesem Zeitpunkt noch seiner Meinung, da er einen offenen Konflikt mit den Amerikanern befürchtete. Zunächst kämpften 300.000 chinesische Freiwillige an der Seite ihrer nordkoreanischen Brüder. Am 25. Oktober 1950 kam es dann zum ersten Gefecht zwischen Chinesen und Südkoreaner. Die Sowjetunion hielt sich stark zurück. Stalin entsandte nur einige Jagdfliegereinheiten mit MIG-15, deren Piloten sich – in chinesischen Uniformen unter nordkoreanischen Hoheitszeichen – Luftgefechte mit den Amerikanern lieferten. Der bewaffnete Konflikt endete am 27. Juli 1953 mit einem Waffenstillstandsabkommen, ein Friedensvertrag wurde allerdings bis heute nicht unterzeichnet – damit befinden sich beide Staaten faktisch noch im Kriegszustand! Dazwischen lagen 3 Jahre unmenschlicher und grausamer Auseinandersetzungen. 940.000 Soldaten und rund 3 Mio Menschen aus der Zivilbevölkerung kamen um, die Industrie und Wirtschaft war am Boden zerstört. Während sich der südliche Halbinselteil mit westlicher Hilfe zu einer der führenden asiatischen Wirtschaftsmächte empor arbeitete, hat sich der Norden immer mehr vom Rest der Welt abgeschottet. Zuletzt distanzierte sich auch die ehemalig wohlgesonnene Sowjetunion von Nordkorea. Die Verantwortung dafür tragen vornehmlich die Machthaber des Nordens.
Nordkorea gilt als eines der militarisiertesten Länder der Welt. Die Armee umfasst 1,2 Mio Soldaten – die stärkste Streitmacht nach China, Indien und den USA. Die Zahl der Soldaten in Spezialeinheiten wurde im vergangenen Jahr auf 180.000 verdoppelt. Das Militärbudget beläuft sich auf sage und schreibe 4,4 Milliarden € – das ist mehr als ein Viertel des Bruttoinlandsproduktes des ansonsten bitterarmen Staates. Manko: Die konventionellen Waffen befinden sich auf dem alten Sowjet-Stand der 60er und 70er Jahre. Deshalb befürchten die Experten eine nukleare Auseinandersetzung. Im Oktober wurde eine Atombombe testhalber gezündet, im Mai 2009 eine zweite. Rüstungsspezialisten nehmen an, dass das Regime in Pjöngjang über spaltbares Material für 2 bis 9 Bomben des Hiroshima-Typs verfügt. Und dort wird nun mit den Säbeln gerasselt. Nach dem 2. Atomtest halten sich die Regenten offenbar für unverwundbar und provozieren ständig sowohl Südkorea als auch die USA.
Dem steht eine mit 687.000 Mann zwar zahlenmässig unterlegene, dafür aber modernst ausgestattete südkoreanische Armee entgegen. Im Vergleich: Die nordkoreanische Luftwaffe verfügt über russische MIG 23, 19, und 21 – die modernste Maschine ist die MIG 29 – 30 Jahre alt! Der Süden hingegen besitzt amerikanische F16 und F15k “Slam Eagle”; Maschinen, die auf dem aktuellsten Stand sind. Die grösste Sorge Lee Myung Baks besteht wohl in einer etwaigen Bombardierung der südkoreanischen Hauptstadt Seoul, die nur 50 km von der Grenze entfernt ist – damit auch für die Artillerie des Nordens durchaus erreichbar. Ferner geht die Angst vor biologischen und chemischen Waffen um.
Zum Ende des Koreakrieges 1953 haben die Vereinten Nationen die Grenzen zwischen Nord und Süd festgelegt. Dabei aber hatte das kommunistische Nordkorea die Seegrenze niemals anerkannt. 2007 atmete die Welt hörbar auf, als der südkoreanische Präsident Roh Moo-hyun und der nordkoreanische Diktator Kim Jong-Il aufeinander zugingen und einen Friedensprozess einleiten wollten. Doch leider wurde offenbar nichts daraus!!!
Die südkoreanische Armee ist in erhöhter Alarmbereitschaft, die Politiker des Landes unter Lee Myung Bak treffen sich in unterirdischen Bunkern, die Bewohner der beschossenen Insel flüchten in ihren Fischerbooten, berichtet der südkoreanische TV-Sender YTN. Für den Sonntag haben die USA und Südkorea ein grossangelegtes Seemanöver angekündigt. Angeblich schon vor einiger Zeit festgelegt! Der Verbündete Nordkoreas, China sei davon informiert worden. Mit dabei u.a. auch der atombetriebene Flugzeugträger USS George Washington. Interessant ist v.a. aber die Tatsache, dass das Gefecht vom Dienstag zwei Tage nach Bekanntwerden einer neuen nordkoreanischen Anlage zur Anreicherung von Uran begonnen wurde! Zuvor gab es immer wieder kleinere Störfeuer. Dies veranlasst Experten zur Meinung, dass der Norden durch solche Störmanöver von anderen Ursachen ablenken oder sich vielleicht eine bessere Ausgangslage für weitere Verhandlungen schaffen möchte.
Sollte es also zu einem Krieg kommen, so wäre wohl die komplette Halbinsel zerstört – auf welche Art auch immer. Das sollte weder der Norden, noch der Süden wollen! Denn: Es gäbe keinen Sieger (Studie des Strategic Studies Institute)! Doch wen juckt’s – schreit der Diktator aus dem Norden Kim Jong-Il bzw. sein Sohn Kim Jong-Un zum Angriff, dann werden seine Truppen auch Folge leisten! „Nordkorea wird, ohne zu zögern, eine zweite oder sogar eine dritte Runde von Anschlägen starten, sollten die Kriegstreiber in Südkorea erneut rücksichtslos provozieren!” (Zitat der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA aus einem Militärbericht).
Der mächtige Bruder im Kampfe China ist allerdings inzwischen dagegen (man spreche sich gegen “jegliche provozierende militärische Aktivitäten” aus; Reuters). Deshalb versucht der US-amerikanische Präsident Barack Obama auch China sofort miteinzubinden. So meinte er gegenüber des US-TV-Senders ABC: “Alle Länder in der Region müssten erkennen, dass Nordkorea eine ernste und anhaltende Bedrohung ist!” Auch im Reich der Mitte wird das amerikanisch-südkoreanische Seemanöver im Gelben Meer als Problem bezeichnet. Es könnte zur weiteren Verschärfung der Lage beitragen. Interessant ist es übrigens, dass sich ausgerechnet der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao für die Wiederaufnahme des Sechs-Parteien-Gesprächs über Nordkoreas Atomprogramm aussprach. Hinter vorgehaltener Hand heisst es, man zeige sich enttäuscht darüber, wie wenig Einfluss China auf Nordkorea und Kim Jong-Il habe. Gleichzeitig befürchtet Peking einen Flüchtlingsstrom der hungernden nordkoreanischen Bevölkerung. Und eine aufstrebende Atommacht im Süden Chinas – nein – das darf unter gar keinen Umständen sein! China steht damit wohl zwischen zwei Stühlen!!!

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