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Macht Macht sexy?

Ich habe mir schon des Öfteren die Frage gestellt: Wie macht das der Hugh Hefner eigentlich? Den ganzen Tag im Bademantel und trotzdem die schönsten Frauen der Welt am Pool im Garten. Und das alles mit knapp 90 Jahren! Die Antwort liegt in einem Wort: Macht! Als Herausgeber des US-”Playboys” hat er die Möglichkeiten, aus einer zwar hübschen aber gänzlichst unbekannten Frau einen schillernden Star zu machen. Ein Wort genügt und die Fotographen und auch oftmals nachgebesserten Blondinen laufen! Und dabei hat alles 1953 mit 1.000,- $ begonnen, die er sich von seiner Mutter geborgt hatte. Marilyn Monroe zierte damals das Cover – 50.000 Exemplare wurden gedruckt, 50.000 Exemplare innerhalb kürzester Zeit verkauft! Auf dem Weg nach oben machen viele sehr viel. Manche gar alles! Und – dass das knackige Pool-Bunny mal mit dem einen oder anderen Geschäftspartner auf’s Zimmer verschwinden muss, gehört für die meisten einfach dazu! Gilt übrigens für die US-amerikanischen Bunnies, nicht für die europäischen, habe ich mir sagen lassen! Sei’s drum.
Nach einer Studie des Evolutionspsychologen David Buss von der Texas University bevorzugen Männer feminine Gesichtszüge, ein Taillenverhältnis von 1:0,7 und eine um drei Jahre jüngere Partnerin. Männer mit einem Verdienst über 5.000,- €/Monat hingegen ziehen Frauen vor, die mindestens zehn Jahre jünger als sie selbst sind. Die Buss’sche Studie wurde auf 6 Kontinenten und in 37 unterschiedlichen Kulturen durchgeführt. In Vergleich: Viele Frauen – v.a. ab 30 hingegen wünschen sich ein “Geführt werden” ein “Sich fallen lassen können”! Dazu müssen allerdings die Voraussetzungen vorhanden sein. Ergo:

Ja – Macht macht sexy!

Viele Verkaufstrainer locken Ihre Zuhörer mit den Worten: Erfolg im Beruf bringt auch Erfolg bei Frauen! Und mal ehrlich, werte Geschlechtsgenossen: Wer von Ihnen möchte nicht gerne von hübschen Frauen umgarnt werden, für die einen so manch andere beneiden?! Das Ansehen, es geschafft zu haben, was sich andere Männer Tag und Nacht wünschen! Erfolg im Job heisst auch ein rasantes Hinauf auf der Erfolgsleiter. Mehr Leute, die unter einem stehen – also mehr Macht. Und Macht macht Männer für Frauen attraktiv. Das ist einerseits evolutionstheoretisch begründet: Frauen suchen sich nach ihren Urinstinkten Lebensgefährten aus, bei welchen sie davon ausgehen können, dass diese nicht nur gut für sie sondern auch gut für den Nachwuchs sorgen und diesem das eine oder andere Überlebensgen mit auf den Weg geben können. Darwin spricht in diesem Zusammenhang von “Sexualauslese”: Ausgesucht werden die Pfaus unter den Männern – jene, die am meisten protzen, Kraft und Fruchtbarkeit sowie Gesundheit ausstrahlen. Andererseits ist es natürlich auch die Gewissheit, es zustande gebracht zu haben! Alle anderen Frauen scheiterten beim Erlegen des Sechszehnenders.

“Schau mal – das ist die, die im Präsidentenschlafzimmer im Elysée-Palast ein und aus geht!”

Hinzu kommt unbestreitbar das soziale Ansehen in der Gesellschaft und das Gefühl, alles machen oder kaufen zu können, was Frau will. Das Weibchen sucht alsdann Sicherheit und finanzielle Unabhängigkeit!
Für das mächtige Männchen ist das Ziel klar: Je grösser das Risiko, desto grösser auch der Gewinn! Die hübsche junge Frau ist somit in den meisten Fällen nur ein Spiel und in weiterer Folge schmückendes Beiwerk (“Trophäenfrau”), verbunden mit Angebertum: Eine junge Frau an der Seite eines älteren Mannes wird immer assoziiert mit grosser Potenz. Doch – ist das Schloss erstmal aufgesperrt, begibt sich Mann auf die Suche nach einem anderen Bollwerk, das es zu überwinden gilt. Schliesslich ist es ja der Weg, der interessiert! Nicht das Ziel. Deshalb sind derartige Tête-à-Têtes auch recht rasch wieder vorbei. Allerdings darf auch beim Mann der Ur-Instinkt nicht ganz ausgeschlossen werden. Schliesslich sucht sich der normale Mann eine Mutter seiner Kinder aus, die ebenfalls Gesundheit und Fruchtbarkeit ausstrahlt. Und die mit Mitte 20 den Höhepunkt Ihrer sexuellen Aktivität mit dem Ziel Nachwuchs vorweist. Doch – über diese Thematik habe ich an dieser Stelle schon mal die Füllfeder kreisen lassen.
Da war einst ein französischer Staatspräsident, eher klein von Wuchse, der sich eine der schönsten Frauen der Grande Nation angelte. Oder jener Spross einer sehr mächtigen US-Politikerfamilie, der eine angeblich sehr intensive Beziehung mit dem Traum der Männerwelt, dem Pin Up-Girl aus Millionen von Spinden auslebte: Marilyn Monroe! OK – J.F. Kennedy war wohl selbst der Schwarm vieler Frauen. Aber – hätte er als Bauer aus Massachusetts Chancen bei Marilyn gehabt? Und Nicolas Sarkozy? Keine Ahnung, was Carla Bruni an dem zuvor bereits zweifach verheirateten Mann und dreifachen Vater fand! Gerade Politiker verfallen sehr häufig der “Lust des Fleisches”: François Hollande, Silvio Berlusconi, Bill Clinton, Mosche Katzav (ehemaliger Präsident Israels), Dominique Strauss-Kahn (Ex-IWF-Chef), Canaan Banana (Ex-Präsident Zimbabwes). Bei so manch einem muss man den Kopf schütteln: “Liebe Frau – wie Du aussiehst, kannst Du doch jeden haben!” Wieso ausgerechnet diesen Vorzeige-Beamten (Hollande), oder diesen älteren Herren, dem man sein ausschweifendes Leben sehr wohl ansieht (Strauss-Kahn) oder den Bunga-Bunga-Grosskotz, den niemand mag?
Die Macht wirkt als Aphrodisiakum, sie überstrahlt offensichtlich derartige Defizite des Mannes bei vielen Frauen. Der Experte spricht hierbei von “Kognitiver Verzerrung” oder “Halo-Effekt”: Von gängigen, bekannten Verhaltensmuster wird auf andere geschlossen! So hinterlässt der Aktenwälzer im Amt mit seinen Birkenstocks einen komplett anderen Eindruck, als der Herr Amtsdirektor im Anzug und Krawatte. Dass Herr Birkenstock vielleicht nach Feierabend Football spielt oder Herr Kultur (Sympathiewerte für korrektes Auftreten) in die dunkle Kammer mit den vielen Ketten und Peitschen geht – das hat beim ersten Anblick wirklich niemand vor Augen! Dieser Halo-Effekt ist nicht zu unterschätzen. So liess der US-Amerikaner Edward Lee Thorndike während des Ersten Weltkrieges Offiziere ihre Soldaten beurteilen. Sie trauten jenen mit einem guten Gesicht und einem durchtrainierten Körper auch guten Schuhputz und Zielgenauigkeit beim Schiessen zu. Ja – sogar das Harmonika-Spielen!!! Auch Lehrer/-innen wird empfohlen, niemals eine Arbeit durchgehend, sondern vielmehr nach Aufgaben zu korrigieren (“Querkorrektur”), damit ein besserer Überblick über die Gesamtleistung entsteht und nicht mit Voreingenommenheit gegenüber des Schülers korrigiert wird.
Die Frage, ob reiche und damit auch mächtige Männer tatsächlich mehr Sex haben als andere, versucht etwa das Max-Planck-Insitut mit einem Vergleich zu beantworten: Schimpansen-Männchen an der Elfenbeinküste, die ihr Fleisch mit Schimpansen-Weibchen teilten, hatten nahezu doppelt so viel Sex als jene, die es selbst aßen!
Umgekehrt ist es anders. Ein Mann meidet zumeist eine mächtige Frau, da er dann nur jener ist, der in ihrem Schatten steht und gleichzeitig die Befürchtung haben muss, dass sie ihn jederzeit abserviert. Als Jäger entspricht das in keinster Weise seinem Naturell. Jene, die sich an solche Frauen ranmachen, sind häufig jugendlich und ohne Zukunftsperspektive. Solche, die sich auf die faule Haut legen wollen und trotzdem ab und an in den Zeitungen aufscheinen möchten. Weibliche Macht ist nicht sexy – es ist landläufig ein Zeichen von sozialer Inkompetenz und Egoismus! Schliesslich muss Frau doppelt so hart wie Mann arbeiten um in eine solche Position zu kommen. Deshalb wünscht sich die normale, reiche und erfolgreiche Frau wider Erwarten auch einen älteren Partner. Jemanden, bei dem sie sich geborgen fühlen kann (Ergebnis einer schottischen Studie an 3.770 Teilnehmer/-innen).
Interessant ist es nun, die neuesten Entwicklungen einzubeziehen: Die Ellbogen-Macht wird durch den Gierkampf ersetzt. Die Mächtigen versuchen, sich mit allen möglichen Mitteln an der Macht zu halten – dabei agieren sehr viele wie ein Segel im Wind. Verantwortungsbewusstsein, Handschlagqualität, klare Linie mit noch klarerem Ziel – das alles macht einen Mächtigen aus. Oder vielmehr – es machte! Aufgrund der unterschiedlichsten Beispiele wissen viele, dass der Weg nach oben verdammt hart ist. Ein Fall nach unten aber bereits durch einen Stupser ausgelöst und zum freien Fall werden kann! Heute noch Herr und Meister, morgen ein Niemand! Also wird alles unternommen, damit sich der Betroffene möglichst lange oben halten kann – ob im Finanzwesen, der Wirtschaft oder auch der Politik! Das wiederum zieht nur solche Frauen an, die zumindest im Kern gleich gepolt sind. Ansonsten zerbröseln die meisten Beziehungen. Frauen spüren hier, dass sie als blosses Mittel zum Zweck eingesetzt werden – das wirkt auf viele unsympathisch! Gleichgepolten macht es nichts aus – sie verlassen den Mann aber bei der geringsten Erschütterung. Diesen Menschen fehlt die Grösse, für ihr Tun auch tatsächlich selbst verantwortlich zu sein. Ein No-Go für die Ausstrahlung! Es ist schwer, zu einem solchen Menschen Vertrauen aufzubauen.
Bei all dem sollte eines nicht vergessen werden: Macht bzw. Erfolg kommt in den meisten Fällen nicht von selbst! Viele Erfolge sind hart erarbeitet. So wird beispielsweise von Real Madrids Superstar Cristiano Ronaldo erzählt, dass er sich noch die Fussbälle schnappt und Freistösse übt, während seine Teamkollegen bereits unter der Dusche stehen! Erfolgreiche Männer arbeiten meist auch mehr als der Durchschnitt. Daran scheitern sehr viele Ehen und Beziehungen, da der Mann keine Zeit mehr für seine Partnerin oder die Familie hat! Doch das sagt der Halo-Effekt nicht voraus!

“Männer sind wie ein guter Wein – mit den Jahren werden sie besser!”

Übrigens sind es nicht nur die Mächtigen dieser Erde, sondern auch die Bekannten, die sich gerne mit jungen Frauen schmücken: Michael Douglas, Heiner Lauterbach, Sky Du Mont, Joschka Fischer und die bereits verstorbenen Johannes Heesters und Heinz Konsalik. Mit Ausnahme des letzteren halten und hielten ihre Ehen. Beim Mann sind es die Beschützer-Instinkte oder die Furcht vor gleichalten und ebenbürtigen Partnerinnen. Das Gefühl, es trotz des Alters “noch zu können”, zeichnet jeden Mann vor gleichaltrigen Geschlechtsgenossen aus! Ausserdem bemerken viele in den Midlife Crises, dass sie einiges im Leben verpasst haben. Eine junge Frau reisst sie aus der täglichen Routine, aus der Lethargie heraus. Sie holen all das nach, was sie damals nicht gemacht haben! Schon sehr bald besteht jedoch die Gefahr, dass Mann nicht mehr mithalten kann. Etwas gewagter schon die These, dass es sich um einen Mutterkomplex beim Mann handelt. Er sucht jemanden, der ihn umsorgt, wie es damals in Kindheitstagen die Mutter gemacht hat.
Bei der Frau hingegen gehen die Soziologen und Psychologen vom Vater-Komplex aus! Vor allem Töchter alleinerziehender Mütter suchen sich später den Vaterersatz. Ja, so manch eine sagt sogar zu Ihrem wesentlich älteren Mann “Daddy” oder “Papa”! In vielen Fällen spielt das äussere Erscheinungsbild des Mannes insofern keine Rolle, als der meist so attraktiv machend zu glaubende SixPack durch Männlichkeit ersetzt wird: Verlebtere Gesichtszüge, graue Haare, … So gelten beispielsweise Sean Connery oder George Clooney nach wie vor als Traummämmer für so manche Frau. Sie sind erfahrener, gut situiert und emotional gefestigter! Zudem kostet die junge Frau meist, neben dem bereits erwähnten Ansehen in der Gesellschaft und wirtschaftlicher Versorgung, die Macht über den Mann aus, der (je älter er wird, desto mehr) befürchtet, die junge und attraktive Frau verlieren zu können und sie deshalb herzergreifend umsorgt. Bleiben die unterschiedlichen Interessen und auch Lebensziele!!!
Werte Herren – Der Markt übrigens besticht mit einem hervorragenden Angebot an Ende 20/Anfang 30-jährigen. Junge gut aussehende Frauen, die erst mal versucht haben, ihre Karriere in’s Laufen zu bringen, dann jedoch, wenn sie am Abend nach Hause kommen, bemerken müssen, dass ihnen in ihrem bisherigen Leben etwas fehlt! Hier heisst es zugreifen, denn – glaubt man der Werbung eines Partnervermittlers: Alle elf Minuten verliebt sich ein Pärchen nur bei diesem einen Unternehmen! 21 % der deutschen Frauen leben single! Viele davon sind zwar voll in die Gesellschaft integriert – sie leiden aber dennoch an Bindungsangst. Oder warten auf den Prinzen auf dem weissen Schimmel, der sie in sein Reich nach Phantasia entführt! Derartig hohe Ansprüche können die wenigsten gleichaltrigen Männer erfüllen – ältere hingegen sehr wohl! Früher bestand die einzige Karriere-Möglichkeit einer Frau darin, einen erfolgreichen Mann heiraten zu können – ohne sexistisch-diskriminierend klingen zu wollen, da Frauen erst seit einigen Jahrzehnten auch beruflich erfolgreich sein dürfen! Im Deutschland von heute besitzen 27 % der alleinstehenden Frauen einen Hochschulabschluss und besetzen in den meisten Fällen Führungspositionen. Bei den Männern sind die Managementebenen vornehmlich mit Familienvätern besetzt! Mütter hingegen arbeiten meist Teilzeit!
Abschliessen möchte ich heute mit einem Satz eines grossen Schauspielers, der perfekt in das Beuteschema so manch junger Frau passt – Jack Nicholson:

“Dass man Liebe mit Geld nicht kaufen kann, glaubt man erst, wenn man genug Geld hat!”

Lesetipps:

.) Soziale Interaktion und Kommunikation – Eine Einführung in die Sozialpsychologie; Joseph P. Forgas, Dieter Frey; BeltzPVU 1999
.) Der Halo-Effekt: Wie Manager sich täuschen lassen; Phil Rosenzweig: ; Gabal, Offenbach 2008

Links:

www.derberater.de
www.supermed.at
www.vice.com

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Wie im Bilderberg

“Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.”
(Albert Einstein)

Stellen Sie sich mal bitte zu Beginn dieser Zeilen folgendes vor:
Ganz Manhattan ist hermetisch abgeschottet. Aus dem einstigen Zentrum der Finanz- und Pressemacht wurde eine Strafinsel! Mörder, Räuber, Vergewaltiger – das Who is Who der Kriminellen befindet sich auf dem Eiland. Wer einmal dorthin gelangt, kommt nie mehr zurück! Beim Überflug wird Airforce One, die Maschine des US-Präsidenten abgeschossen – seine Rettungskapsel landet ausgerechnet mitten im Outland! Ein Mann wird entsandt, um den Präsidenten zu retten!
Die meisten unter Ihnen dürften diese Handlung bereits erkannt haben. Es ist einer meiner absoluten Lieblingsstreifen: “Die Klapperschlange” mit Kurt Russell. Bei den Menschen in diesem Film handelt es sich um den Abschaum, den Müll, den die Gesellschaft übrig liess. Und nun halten Sie sich mal bitte das genaue Gegenteil vor Augen: Die Grossen, die Reichen, die Mächtigen dieser Welt – hermetisch abgeschottet auf einem Fleck dieses Globuses vereint. Nein – es ist nicht das Weltwirtschaftsforum in Davos, das ich Ihnen heute etwas näher bringen möchte. Es ist vielmehr das Bilderberg-Treffen! Während in Davos alles offiziell bzw. halboffiziell in den Hinterzimmern vonstatten geht, trifft sich beim Bilderberg die Crème de la Crème der Welt komplett privat zum Meinungsaustausch, zum Kennenlernen, zum Networking! Und vernetzt – tja – das ist man dort ausgezeichnet. So vermuten Kritiker etwa, dass die Organisationen “Council on Foreign Relations (CFR)”, “Trilaterale Kommission (TK)”, “Chatham House”, die Vereinten Nationen (UN), die Gruppe der 7 (G7), “Skull & Bones”, “Illuminati”, die “Federal Reserve”, der “Bohemian Club”, der Vatikan, der “Club of Rome” und nicht zuletzt auch die Freimaurer im Hintergrund agieren. Strengstens geheim natürlich – auch wenn immer wieder Medienvertreter dabei sind. Nichts, aber auch gar nichts soll den Kreis der Teilnehmer verlassen. Na ja – nahezu. Es gilt nämlich die sog. “Chatham House Rule” – demnach dürfen die Informationen zwar verwendet, aber keinem der Konferenzteilnehmer zugeordnet werden. Und die Medien – die dürfen nur bis zur Eingangspforte des Fünf-Sterne-Hotels Superior! Die Welt bleibt ausgesperrt! Auch übrigens nicht eingeladene Parlamentarier. So wurde ein italienischer Abgeordneter in Davos festgenommen und des Kantons verwiesen, nachdem er Einlass begehrte, jedoch keine Einladung vorweisen konnte.
Heuer findet dieses Treffen direkt nach dem G7-GIpfel von Schloss Ellmau/Oberbayern in Telfs/Tirol statt. Das österreichische Bundesland, bekannt für seine Gastfreundschaft und unendliche hochalpine Weite, gleicht bereits Wochen zuvor einer Festung. Tausende Polizeikräfte, Soldaten, Personenschützer und Nachrichtendienstler (ehedem auch als “Agenten” bekannt) sollen einen reibungslosen Ablauf dieser Privatveranstaltung garantieren. Millionen Euro werden dafür aufgebracht, dass diesen Rudelführern nichts geschieht. Steuergelder! In gemütlicher Runde, am Kaminfeuer wird die wirkliche Politik dieser Erde gemacht. So meinte etwa der belgische Ehrenvorsitzende Etienne Davignon, dass die Einführung des Euros auf einer dieser Konferenzen zurückzuführen sei. Zudem sollen die Voraussetzungen für den Irakkrieg 2001 und die deutsche Wiedervereinigung 1990, aber auch für die Ölkrise 1973 geschaffen worden sein. Im Gespräch der Banker mit den Konzernchefs und den Politikern. “Der Spiegel” titelte dies 2011 beim Treffen in St. Moritz mit der Schlagzeile “Hier kuschelt die Weltelite”!
Doch eines nach dem Anderen! Prinz Bernhard der Niederlande lud erstmals im Mai 1954 wirtschaftliche und politische Führungs-Persönlichkeiten zu einem informellen Treffen in das dem Prinzen gehörende Hotel de Bilderberg in Oosterbeek. Hintergrund war eine engere Zusammenarbeit der USA mit den westeuropäischen Staaten. Seither findet einmal jährlich ein solches Treffen mit hochrangigen Vertretern der Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien, dem Militär und dem Adel statt. Kommen darf nur, wer eine persönliche Einladung der Generalsekretäre bekommen hat, die nur auf Empfehlungen des Lenkungsausschusses verschickt werden. Bis zur Mitte der 60er Jahre waren die Treffen weitestgehend unbekannt. Die Öffentlichkeit erfährt immer erst nach den Treffen, wer daran teilgenommen hat. Ist vielleicht auch besser so. Dennoch möchte ich Ihnen einige Herrschaften namentlich nennen, um Ihnen dadurch das Gewicht dieser Veranstaltung etwas näher zu bringen.

2012 in Chantilly/Virginia (USA)
Josef Ackermann – Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank AG
Marcus Aigus – Vorstandsvorsitzender von Barclays
Fouad Ajami – Experte für arabische Geschichte an der Stanford University
Keith B. Alexander – Direktor der Cyber-Abteilung der NSA
Francisco Pinto Balsemão – ehemaliger Premierminister Portugals
H.R.H. Prince Philippe von Belgien
Enis Berberoğlu – Chefredakteur der türkischen Hürriyet
Mark J. Carney – Direktor der Bank of Canada
Anatoly B. Chubais – CEO der russischen OJSC RUSNANO (Nanotechnologie)
Kenneth Clarke – Britischer Lord Chancellor & Justizminister
John Elkann – Präsident des Fiat-Konzerns
Thomas Enders – Vorstandsvorsitzender Airbus
Werner Faymann – Österreichischer Bundeskanzler
Ying Fu – Chinesischer Aussenminister
Neelie Kroes – Vize-Präsidentin der Europäischen Kommission
Pascal Lamy – Generaldirektor der World Trade Organization
H.M. Beatrix – Königin der Niederlande
Eric E. Schmidt – Vorstandsvorsitzender Google Inc.
Robert B. Zoellick – Präsident der Weltbank
uvam.

Auch 2014 gab in Kopenhagen so mancher Mächtige dieser Welt die Türklinke in die parfümierte Hand seiner Gesprächspartner:

Henri de Castries – Vorstandsvorsitzender der AXA Group
Jörg Asmussen – deutscher Staatssekretär für Arbeit und Soziales
Gordon Bajnai – ehemaliger ungarischer Premierminister
Ben van Beurden – Vorstandsvorsitzender Royal Dutch Shell
Carl Bildt – schwedischer Aussenminister
Philip M. Breedlove – US-Oberbefehlshaber der NATO
Benoît Coeuré – Direktionsmitglied der Europäischen Zentralbank
Mathias Döpfner – Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE
Martin S. Feldstein – Professor für Wirtschaft an der Harvard University
Henry A. Kissinger – Vorstandsvorsitzender Kissinger Associates, Inc.
Anders Fogh Rasmussen – Generalsekretär der NATO
Viviane Reding – EU-Justiz-Kommissärin
John Sawers – Direktor des britischen Secret Intelligence Service
H.M. Sophia von Spanien
George Zanias – Präsident der griechischen Nationalbank
uvam.

Andere prominente Teilnehmer sind etwa Angela Merkel, Helmut Kohl, Helmut Schmidt, Bill Clinton, Margaret Thatcher, Bill Gates, Christine Lagarde, Heinz Fischer, Giovanni Agnelli, David Rockefeller etc. etc. Auch in diesem Jahr ist wieder ein Sammelsurium von Mächtigen zu erwarten. Eingeladen werden nur Menschen, die “einflussreich und allgemein respektiert sein (…müssen) sowie über Spezialwissen oder reichlich Erfahrung“ verfügen!”, so der 1960 verstorbene Wegbereiter des Bilderberg-Treffens, der polnische Politikberater Józef Hieronim Retinger. Prinz Bernhard der Niederlande musste nach dem Lockheed-Bestechungsskandal den Vorsitz dieser Zusammenkunft abgeben. Das für dieses Jahr in Hot Springs/Virghinia angesetzte Treffen musste daraufhin gecancelt werden – eines der wenigen, die ausgefallen sind. Seither wechselt der Vorsitz, derzeit bekleidet ihn der AXA-Vorstandsvorsitzende Henri de Castries diese Funktion, übrigens ein persönlicher Freund des ehemaligen französischen Ministerpräsidenten Nicolas Sarkozy. Unterstützt wird der Vorsitzende durch zwei Generalsekretäre und der “Member Advisory Group” (Beratungsausschuss). Die Teilnehmer, Themen und Redner werden durch den sog. “Lenkungsausschuss” ausgewählt. Während dieser drei Tage wird über Gott und die Welt diskutiert – vornehmlich jedoch über aktuelle wirtschaftliche und politische Ereignisse. Inwieweit diese Gespräche nur informell und nicht bindend sind, bleibt offen. Eine Abschlusserklärung hingegen oder ein Pressestatement gibt es nicht. Die Notizen und Protokolle für die Teilnehmer sind streng vertraulich. Auch das Prozedere bleibt geheim.
Und nun zum diesjährigen Knackpunkt: Die rund 130 Teilnehmer kommen als Privatpersonen – nicht etwa in ihrer offiziellen Funktion! Der US-amerikanische Ökonom Kenneth Galbraith spricht von “Freizeitgestaltung in ihrer distinguiertesten Form”! Das treibt viele Steuerzahler auf die Palme. Schliesslich müssen sie für den erhöhten Sicherheitsbedarf aufkommen. 2,5 bis 3 Mio € – wahrhaft kein Klacks: Rund um das Interalpenhotel ist eine Sicherheitszone mit Hundertschaften von Polizisten (bis zu 2.100) eingerichtet, die Wander- und Zufahrtswege sind abgesperrt – darunter auch eine öffentliche Strasse! Der dafür zuständige Polizeikommandant Christoph Hundertpfund rechtfertigt dies damit, dass auch einige Staatsvertreter dabei sind – somit geböte dies das Völkerrecht. Unter Umständen fliessen die Steuergelder auch für die Bewirtung und Anreisen, da sicherlich kein Politiker dies aus seiner eigenen Geldtasche bezahlt. Für Wasser und Brot müssen eigentlich jene Mitglieder des Lenkungsausschusses aufkommen, in deren Land die Konferenz stattfindet. Die Reisekosten werden ebenfalls gerne dem Steuerzahler berechnet – so etwa vom CDU-Abgeordneten Eckart von Klaeden. Ob der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann diese 2013 selbst übernahm, ist ebenfalls unwahrscheinlich, jedoch trotz parlamentarischer Anfrage nicht bekannt. Wird eben noch schnell ein eher inhaltsloses Gespräch mit einem US-Senator fixiert, damit das alles eine offizielle Note bekommt. 2011 in Davos teilten sich der Bund und die Veranstalter zumindest die Kosten für die Polizei- und Militäreinsätze – wie es in anderen Ausrichterländer gehandhabt wird, ist nicht ganz klar.
Ob Bilderberg Anlass zur Sorge gibt – so manch einer spricht beispielsweise von Geheimbünden wie den Freimaurern – sei dahingestellt. Klar jedoch ist, dass es viele Verschwörungstheorien rund um diesen Small Talk gibt. Eine davon ist, dass der/die neue deutsche Bundeskanzler/-in auf diesen Treffen ausgewürfelt wird. Schliesslich waren Helmut Schmidt, Helmut Kohl und Angela Merkel eingeladen, Kohl wurde zwei Jahre, Merkel und Schmidt nur ein Jahr später Regierungschef im Staate Goethes; Herman van Rompuy anno 2009 zum Präsidenten des EU-Ministerrates gewählt, obwohl er als Unbekannter so gut wie chancenlos war – und Barack Obama nach Bilderberg in Virginia/USA 2008 als Präsident der Vereinigten Staaten wiedergewählt. Weitere Namen? Westerwelle, Zoellick, Wolfowitz, Baroso, … – alle kamen kurz nach ihrer Teilnahme an Bilderberg in wichtige Positionen! Zufall???
Der ehemalige US-Präsident Frank D. Roosevelt beispielsweise meinte einst:

“In der Politik geschieht nichts zufällig! Wenn etwas geschieht kann man sicher sein, dass es auf diese Weise geplant war.”

Roosevelt war übrigens Freimaurer. Wird die Welt durch Bilderberg beherrscht? Viele Teilnehmer äussern sich nicht zu solchen Ideengängen, wodurch sie das Feuer noch zusätzlich anschüren. Andere, wie etwa das grüne Urgestein Jürgen Trittin, weisen das zurück und sprechen von simplem Erfahrungsaustausch. Humbug angesichts dieser Machtkonzentration?

https://www.youtube.com/watch?v=ZMenXf32MD4

Gegner des Treffens verstehen hierin den Beginn der Errichtung einer Weltregierung, des Abbaus der Demokratie, der Rechte und der Wiedereinführung der Sklaverei! Ob es so ist, überlasse ich jedem selbst zu überlegen. Abschliessen möchte ich diese heutigen Zeilen mit einem Gedanken des eidgenössischen Soziologen, Schriftsteller und Globalisierungsgegner Jean Ziegler zum G7-Gipfel:

“Die Staats- und Regierungschefs auch der mächtigsten Staaten Deutschland, Nordamerika usw., die stehen unter dem Diktat des globalisierten Finanzkapitals, der Oligarchien der Konzerne … und die verhindern jegliche Strukturreform!”

PS: Während des Treffens haben die Behörden das Läuten der Friedensglocke in Telfs – nur einige hundert Meter entfernt – untersagt!

Lese-Tipps:

.) Bilderberger: Der Fahrplan zur Neuen Weltordnung; Andreas von Rétyi ; Kopp-Verlag Rottenburg am Neckar
.) Die Bilderberg-Gruppe. Wissen über die Macht gesellschaftlicher Eliten; Björn Wendt; Optimus Wissenschaftsverlag Göttingen
.) Ändere die Welt!; Jean Ziegler; Bertelsmann München
.) Machteliten und Elitenzirkel. Eine soziologische Auseinandersetzung; Markus B. Klöckner; VDM Saarbrücken
.) Memoirs; David Rockefeller; Random House New York.
.) Die Herrscher – Luzifers fünfte Kolonne; Des Griffin; VAP – Verlag für Außergewöhnliche Perspektiven; Wiesbaden
.) Hirten & Wölfe. Wie Geld- und Machteliten sich die Welt aneignen oder: Einladung zum Power Structure Research; Hans-Jürgen Krysmanski; Westfälisches Dampfboot, Münster

Links:

http://www.bilderbergmeetings.org

http://www.bilderberg.de/

http://bilderberger-konferenzen.de.tl/

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Die Patriarchen

Sie denken in sieben- und achtstelligen Beträgen, werden von den Politikern hofiert und ziehen die Strippen im Hintergrund: Die Unternehmerfamilien! Spätestens seit der industriellen Revolution hat die Bedeutung der Wirtschaftsbosse zugenommen. Inzwischen ist so manches deren Worte bedeutungsvoller als jene regierender Politiker. Und sie sind die Königsmacher – nicht nur mit hohen Spendengeldern. Vor einigen Jahren perfekt verdeutlicht in einer Dokumentation, wonach Coca und Pepsi Cola den Präsidenten der USA unter sich ausmachen.
Auch wenn viele dieser Konzerne bereits fleissig an den Börsen gehandelt werden, so stehen doch zumeist noch die Gründerfamilien dahinter. In ihrem Besitz befindet sich auch die Aktienmehrheit, sodass wichtige Entscheidungen noch in vielen Fällen am heimischen Frühstückstisch und nicht in der Vorstandskonferenz getroffen werden. Die 20 grössten Familienunternehmen entscheiden über Millionen von Arbeitsplätzen in Deutschland, Österreich und auch der Schweiz. Nach einer Rangliste der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sind unter den zehn umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands gleich sechs Familienbetriebe zu finden. Ich möchte nun im folgenden einige dieser Betriebe vorstellen. Sie werden Augen machen, wie weitreichend das Netz der Macht dieser Eltern und ihrer Kinder ist.
Der grösste Autobauer Deutschlands heisst VW – Volkswagen. Bei einem prolongierten Umsatz von 192,7 Milliarden € zählt der Konzern auch zu den Global Playern. Nicht weniger als nahezu 550.000 Menschen verdienen ihr Geld mit dem Zusammenschrauben eines Golfs, Passat oder Beetles. Obwohl der Österreicher Piech vor einigen Jahren den Vorstandsposten abgegeben hat, führt er nach wie vor im Hintergrund – gemeinsam übrigens mit der Familie Porsche – die Marionetten. Neben Seat und Skoda gehören auch Audi und Lamborghini zum Konzern. Ferdinand Piech ist der Sohn des Wiener Anwaltes Anton Piech und dessen Frau Louise, der Tochter des Konzerngründers Ferdinand Porsche. Gegenwärtig ist er Vorsitzender des VW-Aufsichtsrates, aber auch des LKW-Herstellers MAN SE. Piech übernahm 1993 den Vorstandsvorsitz des damals strauchelnden Unternehmens und führte es wieder zurück an die Spitze. Die Familie Porsche hat sich im Salzburger Pinzgau niedergelassen. In der Umgebung von Zell am See läuft nahezu gar nichts ohne sie: Almen, Hotels, Jagden, Bauland, Jagdpachten, ein Schloss, über den Anteil an der Schmittenhohebahn auch der Schiffsverkehr auf dem Zeller See und der Flugplatz in Zell am See. Daneben ist die Familie noch an der Pinzgau-Milch beteiligt. Trotzdem halten sich die Porsches dezent im Hintergrund.
Auch der Konkurrent aus München ist in Händen zweier Familien. Die BMW-Group beschäftigt rund 106.000 Menschen und erzielt einen Umsatz von 76,8 Mrd. €. Die Familie Quandt lebt sehr medienscheu zurückgezogen. Ihr Vermögen wird auf rund 20 Mrd. € geschätzt. Herbert Quandt beteiligte sich Anfang der 60er Jahre an der Sanierung der Autos Made in Bayern. Daneben hatte das Pharma-Unternehmen Altana mit dem Magenmittelchen Pantoprazol einen Best-Seller. Zudem bestehen Beteiligungen am Batterie-Hersteller Varta, dem Smartcard-Erzeuger Datacard, Heilmittel Heel, der Thiel Media Group uvam. Auch neuen Technologien gegenüber ist die Familie nicht abgeneigt: Im Besitz sind Anteile von Unternehmen aus den Bereichen Robotics, Solar und Windkraft! Die Familie ist aufgrund des Engagements Günther Quandts im Zweiten Weltkrieg umstritten (Zwangsarbeit, Enteignungen,…). Seine Ex-Frau war mit Joseph Goebbels verheiratet. Die Klattens sind vornehmlich durch Susanne Hanna Ursula Klatten vertreten. Sie gilt mit einem geschätzten Vermögen von 14,3 Mrd. US-Dollar als die reichste Frau Deutschlands. Susanna Klatten (geborene Quandt) ist die Tochter von Herbert Quandt und dessen dritter Frau Johanna. Von Ihrem Vater erbte sie auch die BMW-Anteile. Ihr Mann, Jan Klatten, ist der Bruder des Wirtschafts- und Medienmanagers Werner E. Klatten, der wiederum Posten in der Tabakindustrie, bei Sat.1, dem Spiegel Verlag, Constantin, der Deutschen Sporthilfe und der Bundesliga-Stiftung inne hatte bzw. hat. Zu BMW gehören inzwischen auch Mini Morris und Rolls Royce.
Mit den beiden Familien Schwarz und Albrecht sind wir bei den Platzhirschen im Diskonthandel angelangt. Die Familie Schwarz steht für die Unternehmenszweige Lidl und Kaufland. 320.000 Mitarbeiter erwirtschaften einen jährlichen Umsatz von 67,6 Mrd. €. Mit weltweit 9.000 Lidl und 1.000 Kaufland-Filialen gilt die Schwarz-Gruppe als drittgrösster Lebensmittel-Einzelhandels-Konzern Deutschlands und zählt weltweit zu den Top Ten. Die Schwarzstiftung allerdings hat sich im Jahr 2007 aus allen anderen Beteiligungen zurückgezogen und auf das Kerngeschäft konzentriert. Nur ein Online-Versandhandel wird noch zusätzlich betrieben. Ähnlich verhält es sich mit der Familie Albrecht. Mit einem Umsatz von 56,8 Mrd. € wurde Aldi zwischenzeitlich von Lidl überholt. Aus einem Geschäft in der Essener Huestrasse formten Theo und Karl Albrecht sehr rasch mit Aldi Nord und Süd einen der Big Player am weltweiten Lebensmittelmarkt mit nicht weniger als 250.000 Angestellten. Lange Zeit (Theo Albrecht sogar bis knapp vor seinem Tod im Jahr 2010) lenkten die beiden noch selbst die Geschicke des Unternehmens; einerseits über die Siepmann-Stiftung (Aldi Süd), andererseits über die Markus-Stiftung (Aldi Nord). Beide werden durch Familienmitglieder geführt. Zur Markus-Stiftung zählt auch der US-amerikanische Discounter Trader Joe’s mit 350 Filialen. Bei den Albrechts steht der Handel im Mittelpunkt.
Anders hingegen bei den Familien Beisheim, Haniel und Schmidt-Ruthenbeck, die in der Metro-Gruppe das Sagen haben (283.000 Mitarbeiter, 66,7 Mrd. € Umsatz). Zum Konzern gehören neben dem Grosshandelsunternehmen auch die Einzelhandelsgruppen Real, Kaufhof und Saturn. Otto Beisheim war als SS-Sturmmann niederrangiges Mitglied der Leibstandarte Adolf Hitlers. Nach dem 2. Weltkrieg hatte er den Posten eines Prokuristen im Elektro-Fachgeschäft Stöcker & Reinshagen inne. Die Inhaber, die Familie Schell, gründeten gemeinsam mit den Kaufleuten Schmidt und Schmidt-Ruthenbeck 1964 die Metro AG, der sich 1967 auch Franz Haniel anschloss. Beisheim sass lange Zeit auf dem Chefsessel des Metro-Konzerns und baute ihn zu einem der weltweit führenden Handels-Unternehmen auf. Er selbst rettete in den 1990ern den Medienunternehmer Leo Kirch vor dem Konkurs indem er unzählige Filmrechte aufkaufte und beteiligte sich u.a. am damaligen Kabelkanal (heute: Kabel 1). Zudem errichtete er 2004 das Beisheim-Center in Berlin, das neben vielen anderen Mietern auch die beiden Nobel-Hotels Ritz-Carlton und das Marriott beherbergt.
Zuletzt in deutschen Landen noch zu einer Familie, deren Name wesentlich mehr mit “Made in Germany” und dem Vertrauen in die deutsche Ingenieurskunst zu tun hat, als alle anderen bisher genannten: Bosch! Schliesslich belief sich bereits 1914 der Exportanteil auf über 30 %. Doch ausgerechnet hier gelten andere Regeln. Die Robert-Bosch-GmbH mit Sitz in Gerlingen erwirtschaftet jährlich einen Umsatz von rund 52,5 Mrd. €. Verantwortlich dafür zeichnen rund 306.000 Mitarbeiter und -innen. Pardon – demnächst sind es 3.500 weniger! Schliesslich wird das Solarwerk dicht gemacht. So leicht geht man mit dem Schicksal von Menschen um. Doch muss fairerweise erwähnt werden, dass es die erste grössere Entlassungswelle seit lang, langer Zeit im Unternehmen ist. Der Name Bosch ist mit der industriellen Geschichte Deutschlands verknüpft wie nur wenig andere. Die Visionen des Firmengründers Robert Bosch über Qualität und Zuverlässigkeit prägten auch die Kraft der Herkunftsbezeichnung “Made in Germany”. Das erfuhr sogar Robert Bosch jun. bitter am eigenen Leib: 1954 musste er den Sessel des Vorstandsvorsitzenden abgeben, da seine Kollegen aus dem Management ihm nicht zutrauten, die Qualitätsvorstellungen seines Vaters umsetzen zu können. Auch wenn seit damals kein Bosch mehr direkt die Geschicke des Unternehmens leitet, so verfügen die Nachkommen über 8 % der Firmenanteile – zugegebenermassen nicht viel, befindet sich aber die Anteilsmehrheit in der Robert-Bosch-Stiftung. Diese hält sich allerdings aus dem operativen Geschäft heraus. Mit nur einem Promille Anteil verfügt nämlich die Robert-Bosch Industrietreuhand KG über mehr als 90 % der Stimmrechte. Hier entscheiden acht Gesellschafter, wie der Hase zu laufen hat. Ehemalige oder noch aktive Vorstände anderer grosser Unternehmen, die vom langjährigen Bosch-Chef Hans L. Merkle ausgesucht wurden. Einziger verbliebener Bosch in diesem Gremium ist Christof Bosch, der sich jedoch vornehmlich um den Gutshof seines Vaters, Robert Bosch jun. kümmert. Produziert wird alles, was in irgendeiner Weise mit Technik zu tun hat: Vom Schlagbohrer bis zur Kaffeemühle! 2003 kam es zur Übernahme des Heizungsriesen Buderus – für 1,5 Mrd. €! Andere Gesellschaften oder Beteiligungen sind in nahezu allen Technologiebranchen zu finden – ob Steuerungssysteme oder Thermotechnik, ob Haushaltsgeräte oder Healthcare. Von Beissbarth über Blaupunkt, von Hawera Probst bis zur SB LiMotive Co. Ltd.
Wer jedoch gedacht haben sollte, dies alles ist ein deutschen Phänomen, der hat sich gewaltig geirrt. Deshalb hier zum Vergleich jeweils auch eine Familie aus Österreich und der Schweiz.
In Österreich befinden sich übrigens 80 % der Unternehmen in Familienbesitz – dies sind um 10 % mehr als im EU-Schnitt. Im Bereich der Grossunternehmen sind es immerhin noch 50 % (Frank & Keßler, 2009). Im Alpenstaat ist jedoch ein Trend zur Umwandlung in KGs bemerkbar, da die Nachfolgefrage zu einem immer grösseren Problem wird. Trotzdem besteht die höchste Dichte dieser familiengeführten Betriebe in Tirol und Vorarlberg (Egger, Handl, Schwarzkopf bzw. Alpla, Blum, Doppelmayer und Rhomberg). Stellvertretend möchte ich die Kristall-Dynastie Swarowski erwähnen. Zuletzt aufgrund von Massenkündigungen in die Medien geraten, gilt der Gitzersteinchenhersteller als DAS familiengeführte Unternehmen Österreichs. 2011 wurde mit rund 30.000 Mitarbeitern ein Umsatz von 2,87 Mrd. € erzielt. 1895 gründete der aus Südböhmen stammende Glasschleifer Daniel Swarowski das Unternehmen. Jedoch baute es erst Gernot Langes-Swarowski zwischen 1965 und 2002 zu jenem Imperium auf, das es heute darstellt. 2002 übernahm dessen Sohn Markus die Geschäfte. Der Konzern stellt neben Schmuckkristallen und Skulpturen auch optische Linsen (Swarowski-Optik KG in Absam) und Schleifmittel (Tyrolit Schleifmittel Swarowski KG in Schwaz) her. Daneben gibt es ein ganzes Firmen- und Beteiligungsgeflecht in Deutschland, Liechtenstein und 39 anderen Staaten auf allen Kontinenten dieser Welt. Mit dem Tyrolean Jet Service, der Filmproduktionsfirma Swarowski Entertainment, dem Verkehrsleitsystemhersteller Swareflex und der Parfumlinie Aura wird auch in anderen Gewässern gefischt. Grösster Einzelgesellschafter ist nach wie vor Gernot Langes-Swarowski mit 17 %.
Die Schweiz schreitet mit 88 % der Unternehmen voran, die noch immer in Familienhand sind. Allerdings fallen wiederum die meisten davon in den klein- und mittelständischen Bereich, nurmehr 30 % der an der Börse gehandelten Unternehmen sind Familienbetriebe. In der Eidgenossenschaft gibt es zudem ein Novum: Die “vinkulierten Namenaktien”! Sie sichern den Familien mehr Stimmrechtsanteile als die normalen Aktien. Neben der Tetra Pak (Schweiz) SA und etwa die Hilti AG, wird auch die DKSH Holding AG durch drei Familien geführt. Diese operative Einheit der Diethelm Keller-Gruppe ist spezialisiert auf den Handel mit Asien. Sei es nun Technologie, Pharmazie, Waren für den täglichen Bedarf oder auch Rohstoffe – bei der DKSH sind Sie gut aufgehoben. Daneben wird auch Unternehmen der Eintritt in den asiatischen Markt erleichtert. Und: Dass hiermit viel Geld zu machen ist, zeigt sich in den Umsatzzahlen! Mit nicht einmal 26.000 Angestellten werden in 680 Niederlassungen in 35 Staaten (alleine davon 660 in Asien) 8,8 Mrd. CHF (2012) umgesetzt – netto!!! Dabei wurde das Unternehmen erst 2002 gegründet, als zur Diethelm Keller Holding auch die Siber Hegner Holding hinzustiess. Die Wurzeln jedoch reichen aufgrund des Rohstoffhandels bis ins 19. Jahrhundert zurück. Die DKSH ist seit März 2012 börsennotiert!
Diese Liste der erfolgreichen Unternehmerfamilien liesse sich beliebig weiterführen, auch in Branchen, die man hier gar nicht vermuten würde: Althoff (Zirkus), Egedacher (Orgelbau), McDonald (Fastfood – bis 1961) oder auch die Rothschilds (Banken). Es sind also nicht wenige, die durch Firmengeflechte eine unheimliche Macht ausüben. Dabei wird auch nicht davor zurückgeschreckt, diesen Einfluss durch Vermählungen zu vergrössern – ganz nach dem Motto “Gleiches zu Gleichem gesellt sich gut!”. Man lernt sich meist im Rahmen von Dinner-Parties bei offiziellen Anlässen (wie dem Weltwirtschaftsforum) oder beim Polo in St. Moritz kennen. Unsereins wird schwindelig, wenn er einmal im Jahr – immer zum Erscheinungszeitpunkt – einen Blick in die Liste der Reichen werfen darf. Denn: Mehr davon hat unsereiner leider nicht. Solche Listen gibt es viele – die wohl berühmteste stammt vom Wirtschaftsmagazin “Forbes”, die jedoch weltweit erstellt wird und nur wenig über Unternehmerfamilien aussagt. So ist etwa der Sultan von Brunei ebenso wie Bill Gates oder auch mit gebührendem Abstand die Gebrüder Albrecht vertreten. Mehr als amüsant ist u.a. die Tatsache, dass der Gründer des Unternehmens Bofrost, Josef Boquoi 2011 eine Unterlassungsklage gegen Forbes einbrachte – er wollte nicht mehr in dieser Liste aufgelistet sein. Die Klage jedoch wurde am Landgericht I in München abgewiesen.
Weitaus interessanter ist jedoch die Liste der 500 reichsten Deutschen, die vom Manager Magazin jährlich veröffentlicht wird. Sie wird seit Jahren von Karl und Theo Albrecht (Aldi) angeführt. An die Stelle von Theo Albrecht sind nun die beiden Söhne Berthold und Theo jun mit ihren Familien nachgerückt. Karl Albrecht (Aldi Süd) verfügte 2012 über ein Privatvermögen von 17,2 Mrd. €, Berthold und Theo jun (Aldi Nord) über 16 Mrd. Rang drei geht an die Familie Dieter Schwarz (Lidl) mit 11,5 Mrd. Auf den weiteren Plätzen folgen die Familien Otto (9 Mrd. – Otto-Versand, ECE-Gruppe), Susanne Klatten (8,9 Mrd. – BMW, Altana), Reimann (8 Mrd. – Otto-Versand, ECE-Gruppe) und Würth (7,2 Mrd. – Würth-Gruppe). Neben der Familie Reimann, die im laufenden Jahr auf 11 Mrd. geschätzt werden, ist Stefan Quandt (BMW) mit einem erwarteten Anstieg von 1,7 Mrd. der zweite Sieger. Neu im Klub der Milliardäre ist übrigens Wolfgang Marguerre (Octapharma), der es heuer auf 1,5 Mrd. schaffen dürfte. Tja und Verlierer wird höchstwahrscheinlich die Familie Rethmann werden, die von 6 auf 3,8 Mrd. fallen könnte. Norbert Rethmann ist einer der wenigen Selfmade-Milliardäre. Sein Imperium umfasst 920 Standorte mit nicht weniger als 40.000 Mitarbeitern und einem jährlichen Umsatz von 9 Milliarden € (Angaben: Handelsblatt). Er übernahm 1963 von seinem Vater ein kleines Fuhrunternehmen und machte dies zu einem Riesen-Entsorgungsmulti. Rethmann’s Vermögen basiert also sprichwörtlich auf Wertstoffen und Müll!

Verstehen Sie nun das Schwindelgehühl, das mich regelmässig bei solchen Zahlen überkommt???

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