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Der Rücken…!!!

In meiner Zeit bei der Antenne Tirol ist mir eines Tages etwas abstruses passiert: Nachdem ich einige Tage lang – meines Wissens grundlos – unter leichten Rückenschmerzen gelitten hatte, benötigte ich während der Live-Sendung Unterlagen aus der Redaktion. Also stand ich auf, meine Beine versagten mir jedoch den Dienst und fiel der Länge nach zu Boden. Dieses Spektakel blieb in einem gläsernen Studio natürlich nicht unbemerkt. Während sich einige köstlichst amüsierten, kam eine Kollegin in’s Studio und hatte, nachdem ich geschildert habe, um was es geht, mit drei Handgriffen die Schmerzen behoben. Es dürfte sich um einen eingeklemmten Nerv gehandelt haben, der meine Motorik beeinflusst hatte. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie dankbar ich der Frau war!!!
Aktuelle Studien haben ergeben, dass nahezu jeder zweite Deutsche und 60 % der älteren erwachsenen Österreicher unter Rückenschmerzen leidet. Doch ist Schmerz nicht gleich Schmerz. Deshalb ist es wichtig, bevor der Arzt, die Physiotherapie, der Ergotherapeut oder die Massage aufgesucht wird, den Herd zu lokalisieren, sich Gedanken darüber zu machen, welcher Art dieser Schmerz ist (Stich, Druck, Zug,…) und ob in den Tagen zuvor vielleicht eine atypische Bewegung gemacht wurde, die das Ganze ausgelöst haben könnte. In diesem heutigen Blog möchte ich etwas genauer auf dieses Thema eingehen – wer weiss, vielleicht sind einige nützliche Informationen auch für Sie dabei.
Der Arzt Ihres Vertrauens unterscheidet als erstes zwischen akuten, subakuten und chronischen Schmerzen. In allen Fällen ist eine körperliche Untersuchung empfehlenswert. Durch die Diagnose des Experten kann die Ursache herausgefunden und eine entsprechende Behandlung angesetzt werden.

.) Akute Rückenschmerzen
Dauert der Schmerz maximal 6 Wochen an, so wird dabei von einem akuten Schmerz gesprochen. Akute Schmerzen sollten durchaus ernst genommen werden. Sie weisen entweder auf eine Entzündung oder eine Verletzung hin. Wird dies nicht behandelt, kann es weitreichende Folgen haben.

.) Subakute Schmerzen
Dieser Schmerzzustand hält zwischen 6-12 Wochen an.

.) Chronische Schmerzen
Sollten sich die Schmerzen allerdings über mehr als 12 Wochen hinwegziehen, so bedeutet dies, dass sich bereits ein eigenes Krankheits-bild entwickelt hat. Der Schmerz wird zum täglichen Begleiter („Schmerz-gedächtnis“). Dies kann nicht nur zu körperlichen, sondern auch zu psychischen Auswirkungen führen. Hier ist eine tiefergehende Schmerz-behandlung unbedingt vonnöten.

Ein grober Fehler bedeutet der Griff zu starken Schmerzmitteln, sofern gar nicht bekannt ist, was tatsächlich dahintersteckt. Derartige Medikamente haben meist auch jede Menge Nebenwirkungen und verstehen sich möglicherweise mit anderen Arzneimitteln oder Gebrechen nicht (Kontraindikationen). Daneben können sie bei längerem Gebrauch Organe wie Magen oder Leber angreifen. Deshalb sollte zuerst eine ärztliche Untersuchung stattfinden – wenn die Medizinerin solche Mittel verschreibt, hat dies seinen Grund.
Um die richtige Therapie zu wählen, wird der Arzt im Vorfeld der Diagnose nach der Dauer und der Art der Schmerzen fragen (Anamnese). Danach erfolgt die Überprüfung der Beweglichkeit und der unterschied-lichsten Funktionen. Dazu zählt auch die Prüfung der Reflexe und anderer neurologischer Tests. Sollte dies zu noch keiner Diagnose führen, wird die Technik zu Hilfe genommen: Röntgen, Ultraschall, Computer-tomographie, Kernspintomographie – zumeist begleitend mit Blutunter-suchungen im Labor, damit eine andere Erkrankung ausgeschlossen werden kann. Nach den erzielten Ergebnissen erfolgt die Diagnose und anschliessende Behandlung.
Die Ursachen für Kreuzschmerzen sind vielfältig und können direkt mit unseren Lebensumständen zusammenhängen. Bewegungsmangel – aber auch übertriebener Sport, Übergewicht, eine zu grosse Oberweite, falsches Heben oder Tragen, Fehlhaltung bei der Arbeit und nicht zuletzt auch Stress zeigen sehr rasch Auswirkungen: Zumeist verspannen sich die ansonsten stützenden Muskeln, Bandscheiben nutzen sich ab oder es besteht eine Entzündung. Allerdings: 85 % der Rückenbeschwerden gehören zu den nicht-spezifischen Schmerzen.
Viele von uns gehen einer sitzenden Tätigkeit nach. Einer meiner Arbeitsplätze etwa bestand aus einem Konferenztisch, einem Bürostuhl und einem Laptop. Kam ich abends aus dem Büro, machte sich automatisch mein Rücken bemerkbar. Erst als ich den Stuhl in seine niedrigste Sitzhöhe stellte, wurde es besser, da ich nun gerade sitzen konnte. Zuvor war die Haltung gebeugt. In diesem Falle verspannte sich die ansonsten gut dehnbare Rückenmuskulatur – sie verhärtet. Durch die Reizung der darin befindlichen Nerven kommt es zu kleinen, aber sehr schmerzhaften Entzündungsherden. Nicht immer sind diese auch durch etwa Rötungen oder Schwellungen äusserlich erkennbar. Hier empfiehlt sich, den Arbeitsplatz ergonomisch einzurichten. Dabei ist der Bürostuhl enorm wichtig. Viele bevorzugen Sitzbälle. Dies ist eigentlich nur dann sinnvoll, wenn man sich damit auch bewegt, da die Muskulatur dadurch zur Arbeit gezwungen wird. Sitzt man steif darauf, wird durch die gerade Sitzhaltung und dem Nachgeben das Balles nur die Wirbelsäule entlastet bzw. die Pomuskeln trainiert (etwa der Gluteus maximus). Bei Computerarbeitsplätzen hilft auch ein Monitor, da sich jeder automatisch über einen Laptop beugt, wenn reinen solchen im Einsatz hat. Grundsätzlich gilt jedoch: Der Arbeitsplatz muss immer an den Körper angepasst werden – nicht umgekehrt! Zudem sollten öfters Pausen eingelegt werden, in welchen man sich im Gehen bewegt.
Auch Ausgleichsgymnastik wie Yoga oder Pilates bzw. natürlich Rückengymnastik können die Muskulatur zusätzlich stärken, damit diese ihrer angestammten Funktion wieder nachgehen können. Medikamentös werden in solchen Fällen zu Beginn Schmerzsalben verschrieben, die auch etwaige Entzündungen behandeln (wie z.B. Diclofenac, Ibuprofen). Allerdings sollte sich unbedingt die Ursache ändern – eine reine Symptombehandlung wirkt nicht wirklich nachhaltig.
Gleiches gilt für Ihre Matratze. Vergessen Sie nicht, dass Sie jeden Tag zwischen sechs bis acht Stunden im Bett verbringen (manche auch etwas mehr). Eine durchgelegene, zu weiche oder zu harte Matratze oder einfach nur die falsche sorgen nicht nur für wache Nächte sondern auch schmerzhafte Tage.
Oftmals ist die Ursache für Rückenschmerzen psychisch bedingt. Abgabedruck, Stress oder vielleicht gar die unterschiedlichsten Ängste können für viele körperliche Erkrankungen verantwortlich sein. Sie kennen den Ausspruch vielleicht von dem Schifahrer, der im Starthaus steht: „Das Adrenalin schiesst durch den Körper. Seine Augen sind starr und konzentriert nach vorne gerichtet. Jeder einzelne Muskel im Körper ist angespannt!“ Das geschieht jedoch nicht nur beim Profisportler. Jemand, der ständig unter Druck steht, mit dem Stress per Du ist, reagiert ebenso. Vielen Workaholics etwa sieht man dies an ihrer Körperhaltung an: Kein Bauch rein, Brust raus, Schultern zurück und Kopf nach oben!
Menschen, die körperlicher Arbeit nachgehen, werden zudem ein Lied davon Singen können – auch wenn die Arbeit vielleicht nicht mal so schwer ist: Falsches Anheben von Lasten oder Tragen derselben bzw. einseitige Bewegungen, da macht sich sofort das Kreuz bemerkbar. Das Anheben sollte grundsätzlich aus den Knien erfolgen. Beim Tragen ist ein gerader Rücken enorm wichtig, zudem sollte niemals einseitig getragen werden. Der volle Einkaufskorb kann durch eine Tasche auf der anderen Seite etwas leichter gemacht werden. Und die Männer haben eine Ausrede für eine zweite Kiste Bier! Bei einseitigen Bewegungen wie dem Laubkehren, dem Schaufeln etc. sollte der Rechen oder die Schaufel auch mal von der anderen Seite angepackt werden. Hält man sich nicht an derartige Tipps, so kann sich dies rasch äussern:

- Hexenschuss
Hier werden ein oder mehrere Wirbelgelenke blockiert oder ein Nerv ist gequetscht. Vor allem ein falsches Anheben kann dafür verantwortlich sein. Nach rund einer Woche sollten die Schmerzen von selbst wieder nachlassen.
- Bandscheibenvorfall
Bandscheiben sind kleine Fettpolster, die dafür sorgen, dass die Wirbelkörper nicht unmittelbar aufeinander reiben oder gegeneinander stoßen. Bei einem Bandscheibenvorfall wird das Gewebe dieser Bandscheibe zwischen den Wirbelkörpern immer mehr nach aussen gedrückt. Wird dadurch auch eine Nervenwurzel gepresst, so führt dies zu Schmerzen – in seltenen Fällen auch zur Schädigung oder dem Absterben des Nervs. Derartige Vorfälle haben zumeist eine jahrelange Vorgeschichte: Fehlhaltung, Abnutzung,… Zumeist reicht dann schon ein kalter Windzug, ein nasses T-Shirt im Sommer oder eine ungeschickte Bewegung. Der Schmerz schiesst urplötzlich ein. Normalerweise baut der Körper diese vorgefallene Bandscheibe selbst wieder ab. Eine OP ist nicht immer sinnvoll, da nach einem Jahr dasselbe Problem erneut auftauchen kann. Sollte nun ein Nerv dabei eingeklemmt werden, so kann dies zu Bewegungsstörungen und gar Lähmungen führen. Unter diesen Umständen muss operiert werden.
- Gereizter Ischias-Nerv
Ein schmerzender Ischias-Nerv ist das Feinste vom Feinsten für einen Masochisten. Die Schmerzen ziehen dabei vom Rücken über das Gesäss bis in die Oberschenkel und Füsse. Der Ischias-Nerv besteht aus mehreren im Lendenbereich der Wirbelsäule austretenden Nervenfasern. Falsches Sitzen, Heben oder Tragen und auch ein Bandscheibenvorfall – die Ursachen für diese teuflischen Schmerzen sind mannigfaltig. Ist „nur“ der Hüftmuskel („Piriformis“) verspannt, so kann dies mit leichten Dehnübungen recht einfach beseitigt werden. Auch die sog. „Stufenhaltung“ kann die Schmerzen beseitigen. Dabei liegt die Person mit dem Rücken auf dem Boden. Die Unterschenkel werden im rechten Winkel zu den Oberschenkeln auf einen Stuhl gelegt. Und schliesslich kann ein Wärmeumschlag oder Wärmepflaster, Infrarotbestrahlung oder ein Saunagang Entspannung bringen. Auch beim Ischias hilft – wie grundsätzlich bei allen Rückenschmerzen, leichte Bewegung (Spaziergang beispielsweise), damit sich die Muskulatur entspannen kann! Bettruhe ist falsch, da die Muskulatur dadurch zu wenig durchblutet bzw. sogar abgebaut wird. Sollten sich auch Taubheitsgefühle, Lähmungen oder plötzliche Inkontinenz dazu gesellen, muss sofort der Arzt konsultiert werden, der höchstwahrscheinlich zu einer Operation raten wird.

Die Angst vor einer OP ist jedoch auch bei einem Bandscheibenvorfall oder dem Ischias in den meisten Fällen unbegründet. Das Skalpell ist grundsätzlich immer die letzte Lösung. Ansonsten bewirken Physio-therapie und/oder Massage wahre Wunder. Auch geeignete Übungen zur Stärkung der Rücken- und Bauchmuskulatur können bei einer Abnutzung der Bandscheiben („Scheuermann“) bereits ausreichen. Wie bereits angesprochen, können Medikamente auch die ärgsten Schmerzen lindern (etwa nichtsteroidale Antirheumatika). Doch sollten diese maximal ein bis zwei Tage genommen werden, andere nicht-verschreibungspflichtige 3-5 Tage. Bestehen die Beschwerden nach wie vor, führen alle Wege zum Arzt Ihres Vertrauens. Er kann dann auch andere Therapien anordnen oder durchführen:
.) Infiltrationen
.) Lokale Injektionen
.) Elektrotherapie
.) Hydrotherapie
.) TENS-Therapie (transkutane elektrische Nervenstimulation mit Reizstrom) …
Aber auch aus einem anderen Grund ist die Beiziehung eines Arztes empfehlenswert: Die Ursache von Rückenproblemen können ferner innere Erkrankungen sein. Etwa eine Nierenbeckenentzündung, Eierstockent-zündung, Tumor, Rheuma oder auch Osteoporose. Zudem kann ein verengter Wirbelkanal, brüchige oder poröse Wirbelkörper oder auch eine Stoffwechselerkrankung dahinterstecken. Hierbei ist es wichtig, die Grunderkrankung zu behandeln. Ist diese im Griff, verschwinden meist auch die Rückenschmerzen. Zudem – bei einem Unfall wie einem Sturz mit dem Rad oder auf der Treppe könnte möglicherweise ein Wirbel-körper zu Schaden gekommen sein, was eine Operation erforderlich macht.

Wichtiger Hinweis:

Dieser Blog ist kein Hilfsmittel zur Selbstdiagnostik und Selbstbehandlung! Grundsätzlich empfiehlt sich immer, die Meinung eines Mediziners einzuholen!

Lesetipps:

.) Rückenschmerz: Verbreitung, Ursachen und Erklärungsansätze; S. Schneider; GRIN Verlag 2007
.) Wirksame Hilfe bei Rückenschmerzen; Klaus-Dieter Thomann; Trias 1998
.) Lendenwirbelsäule. Ursachen, Diagnostik und Therapie von Rückenschmerzen; Jan Hildebrandt/Gerd Müller/Michael Pfingsten; Elsevier 2005
.) Rückhalt für den Rücken – das Programm gegen Kreuzschmerzen; M. Friedrich/H. Mezei; ´Verlagshaus der Ärzte 2009
.) Was für den Rücken gut ist; Dietmar Krause/Helga Freyer-Krause; Verlag im Kilian 2006
.) Nie wieder Rückenschmerzen; E. Gokhale; Riva Verlag 2013
.) Betriebssicherheitsmanagement nach BetrSichV: Leitfaden zur Umsetzung in den einzelnen Unternehmensbereichen; Gabriele Janssen/Volker Neuer; ecomed Sicherheit 2012

Links:

- www.gesundheit.gv.at
- schmerzkongress2018.de
- www.leitlinien.de
- www.dgnc.de
- www.dgom.info
- www.physio-deutschland.de
- www.oss.at
- www.medcenter.info
- www.rehaclinic.ch
- www.iqwig.de
- rueckenschmerzen.behandeln.at
- www.rueckenfit.net

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Das Geschäft mit dem Kranksein

Dieser Winter 2014/2015 hat es wahrhaft in sich. Eine der wohl heftigsten Grippe-Epidemien hat halb Mitteleuropa an’s Bett gefesselt. Schulklassen mussten zusammengelegt oder gar geschlossen werden, weil weder Schüler noch Lehrer zugegen waren. Verkehrslinien fuhren nurmehr alle zweiten oder gar dritten Takte, da doppelt so viele Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe krank gemeldet waren als in den Jahren zuvor. Und schliesslich mussten in den Krankenhäusern Notdienste geschoben und anberaumte OPs verschoben werden, da auch das medizinische Personal rekonvaleszent zuhause geblieben ist. Trotzdem möchte ich diese Zeilen heute nicht den Grippeviren bzw. -impfungen widmen, da ich dies bereits an dieser Stelle erledigt habe. Zu meinem eigenen Leidwesen musste ich dieser Tage eine ganz andere Erfahrung machen, die mich sehr stutzig werden liess. Die weiteren Recherchen in diesem Bereich liessen mich dann doch staunen!
Auch ich blieb nicht verschont. Ein nicht zu bändigender Hustenreiz verhiess nichts gutes. Als dann am folgenden Wochenende starke Kopf- und Gliederschmerzen sowie schlaflose Nächte und ein allgemeines Unwohlsein hinzukamen, begann ich mit Tee und der medikamentösen Chemiekeule mit der Bekämpfung einer starken Erkältung bzw. stellte mich auf die wirkliche Grippe, die Influenza, ein. Ein Arztbesuch gab mir die Bestätigung, dass die Medien wohl mit ihrer Berichterstattung recht behielten. Das übervolle Wartezimmer versetzte mich in eine Art Schockzustand. Mindestens eine bis zwei Stunden sollte es dauern. Da alles am Husten war, suchte ich fluchtartig das Weite! Was nämlich, wenn es doch nur ein Infekt oder eine Erkältung ist? Im Wartezimmer wirst Du sicherlich angesteckt und kommst für mindestens eine Woche nicht mehr hoch. Also erarbeitete ich zuhause eine Liste mit den Symptomen und fragte Dr. Google. Hier kam ich zur Erkenntnis, dass es sich um einen grippalen Infekt mit akuter Primär-Bronchitis handeln durfte, die durch Viren ausgelöst wird. Auch eine bakterielle Infektion ist möglich: Dabei heften sich die Bakterien an die bereits geschwächten Atemwege (“sekundäre Bronchitis”). Gottlob war dies aber nicht der Fall, sodass ich keine Antibiotika benötigte, die einen Arztbesuch unbedingt erforderlich gemacht hätten. Antibiotika gibt es fast ausschliesslich auf Rezept! Nach der Arbeit stattete ich der ersten Apotheke meinen Besuch ab. Ich beschrieb meine Diagnose und gab an, dass weder das bisher verwendete Grippostad C noch die Resyl Hustentropfen mehr wirkten. Die nette und hilfsbereite Dame hatte schnell die Lösung für mich parat – schliesslich war ich ja offensichtlich nicht der erste, der bei ihr anklopfte: Boxagrippal (anderer Wirkstoff als im Grippostad) und eine Riesenpackung Mucosolvan Hustensaft, mit dem ich sicherlich auch die nächsten zehn Jahre über das Auslangen finden würde. Beides zusammen rund 23,- €. Etwas heftig dachte ich mir, da ich mehr als die Hälfte des Hustensaftes sicherlich wegschütten müsste, weil er nicht in der vorgeschriebenen Zeit nach Öffnung verbraucht werden würde. Also bat ich um ein Alternativ-Produkt, das ebenso ein Abhusten mit anschliessender Gesundung ermöglichen sollte. Das aber war offenbar nicht wirklich so einfach, für die Apothekenhelferin. Nachdem sie einige Zeit ihren Computer zu Rate gezogen hatte, gab sie mir schliesslich Mucobene Brausetabletten. Und siehe da – aus über 13,- € für den Hustensaft wurden nurmehr 3,70 € für die Brause, die übrigens hervorragend wirkte.
Nun aber war mein gottlob noch funktionierender Killerinstinkt geweckt: Ist es möglich, dass auf dem Rücken von kranken Menschen Kohle gescheffelt wird? Lektion Nummer eins für Verkaufspersonal: Beginne immer mit dem Teuersten, Du kannst Dich ja dann irgendwo im preislichen Mittelfeld einigen – oder auch nicht! Dann hat aber der Chef nichts dagegen: Greift jemand sofort zu, hast Du zumindest gute Umsatzzahlen. Jetzt brauchte ich einen Vergleich. Am nächsten Tag, ebenso gleich nach der Arbeit, suchte ich eine zweite Apotheke auf. Der Apotheker zeigte sich genau so sehr bemüht und informierte mich auch prima, obwohl sich hinter mir bereits eine Schlange an ebenfalls nach Genesung heischenden Menschen gebildet hatte. Er fragte als erstes, wie lange ich den Husten denn schon hatte. Das wusste ich aus meinen Recherchen: Kommt es trotz Therapie nach 3-5 Tagen zu keiner Besserung, so sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden, da dann andere Ursachen dahinterstecken könnten – auch eine Lungenentzündung. Er gab mir einen Thymian-Fluidextrakt gegen den Husten und InfluASS-Tabletten zur Bekämpfung des Infektes! Kosten: Rund 14,- €! Ich befragte ihn nach Boxa-Grippal und Mucosolvan. Bei beiden meinte er, dass es ebenfalls eine Lösung wäre, er mir jedoch dies empfehle.
Soweit also zur Vorgeschichte. Ich für meinen Anteil nutze den Besuch in einer Apotheke, um mich zu informieren und dementsprechend auch ein guten Mittelchen gegen meine Wehwehchen zu bekommen. Schliesslich ist der Apotheker ein ebensolcher Spezialist wie etwa der Arzt. Der Arzt erstellt die Diagnose und die Therapie, der studierte Pharmazeut lernt während der drei Abschnitte seines Studiums (neun Semester Mindeststudienzeit) die Wirkstoffe kennen und wie sie für was eingesetzt werden können. Somit sollte ich mich also durchaus auf dessen Fachwissen verlassen können, ohne, dass das Gefühl aufkommt, zwar schon etwas wirksames gegen mein Unwohlsein zu erhalten, dabei aber nicht unbedingt das beste Produkt zu bekommen, sondern jenes mit dem höchsten Gewinnanteil. Der pharmazeutische und pharmakologische Spezialist verkommt dadurch immer mehr zum pharmazeutisch-kaufmännischen Assistenten (PKA) – dem normalen Verkäufer. Weshalb das so ist, war auch sehr rasch gefunden: Ende Februar sorgte eine Aussendung der österreichischen Apothekerkammer für eine kurze Randnotiz: Rund ein Drittel der alpenländischen Medikamenten-Tempel schreiben rote Zahlen! Kaum zu glauben, bei diesen Preisen! Vor einigen Monaten hatte mich eine Verwandte darum gebeten, etwas aus der Apotheke für sie mitzubringen. Sie hatte Probleme mit der Verdauung. Ich empfahl Sauerkraut, doch sie wollte etwas, das ohne Trompeten von Jericho zu einer Lösung führt. Ich folgte natürlich gerne ihrer Bitte, schaute auf dem Heimweg nach der Arbeit noch schnell in der Apotheke vorbei und bekam dort das werbewirksam vermarktete Dulcolax aufgeschwätzt. Zu diesem Preis könnte ich viele Löffelerlebnisse Rizinus haben! Eine ähnliche Erfahrung übrigens musste ich auch mit Jod zum Desinfizieren machen!
Weshalb also beklagen sich die Apotheker? Im Speziellen geht es hierbei um die von den Medizinern ausgestellten Rezepte. Im Jahr 2014 stiegen zwar die Arzneimittelkosten der österreichischen Krankenkassen um 4,7 % auf 2,481 Milliarden Euro. Berücksichtigt man aber die Inflation (also den allgemeinen Preisanstieg) und die Tatsache, dass mehr sog. “Hochpreiser” verschrieben wurden – das sind Medikamente, deren Preis bei mehr als 200,- € pro Packung liegt – so habe dies gerade mal einem Realzuwachs von 0,5 % entsprochen. Wohlgemerkt – dies gilt für Rezepte! Vielen meiner Bekannten und auch mir selbst ist es nicht nur einmal passiert, dass die Rezeptgebühr höher als der Warenwert war. So stieg die Zuzahlung in Österreich mit dem 01. Januar 2015 von 5,40 auf 5,55 €. In Deutschland beläuft sich diese Gebühr auf mindestens 5,- maximal jedoch 10,- €, da die Zuzahlung 10 % des normalen Verkaufspreises ausmacht. Generika sind in deutschen Landen übrigens von dieser Zuzahlung ausgenommen, sofern ihr Preis ein Drittel unter dem Festbetrag liegt. Es lohnt sich also durchaus, Preisvergleiche anzustellen. Und einen solchen möchte ich nun ebenfalls kurz mit Ihnen durchgehen.
Seit 2014 dürfen auch in Österreich rezeptfreie Arzneimittel in einer handelsüblichen Packungsgrösse über den Versandhandel vertrieben werden. Zuvor war es lt. Arzneimittelgesetz zumindest für einen inländischen Händler verboten. In Deutschland haben einige Jahre zuvor sofort auch einige Apotheker diese Liberalisierung genutzt und Ihre Homepage zur Online-Verkaufsplattform umgestaltet. Wer also auf die Beratung in der Apotheke, die auch schon mal dürftig oder kontrovers ausfallen kann, verzichten will, jedoch auch nicht irgendwelchen nachgemachten Medikamenten aus dubiosen Produktionen auf den Leim gehen möchte, kann durchaus bei solchen Versandapotheken bestellen. Aufgrund des starken Konkurrenzkampfes mit den Diskontern sind die Arzneimittel meist auch günstiger als direkt vorort. Und trotzdem bleibt der Gewinn beim Apotheker. Nicht jedoch zwischen dem Neusiedler und dem Bodensee! Bislang konnten nach einer EU-Richtlinie zwar EU-Apotheken im Alpenstaat zugelassene Medikamente nach Österreich versenden, jedoch war dies im Inland nicht gestattet. Der Apothekerverband wollte dadurch verhindern, dass Medikamente zum “Konsumgut” verkümmern, betont der Präsident des Österreichischen Apothekerverbandes, Dr. Christian Müller-Uri. So ist es auch ganz leicht zu erklären, weshalb die meisten Versandapotheken .at tatsächlich aus Deutschland oder Tschechien kommen, denn dort ist diese Form des Arzneimittelhandels schon seit Jahren gang und gebe. Vonseiten des Verbrauchers zudem mehr als attraktiv, da sehr viel eingespart werden kann. Allerdings: Vergessen Sie nicht auch die Versandkosten einzuberechnen. Vergleichen wir also einige der von mir angesprochenen Medikamente mit dem Angebot eines derartigen Anbieters (in diesem Falle eine tatsächlichen Apotheke in Hamburg mit einer diplomierten Fachapothekerin) genauer:

.) Boxa-Grippal FTBL 200 mg/30 mg – 20 Stück
AVP Apotheke Österreich: 9,75 €
Versandapotheke: 6,57 €

.) Mucobene LSB Tabletten 600 mg – 10 Stück
AVP Apotheke Österreich: 3,70 €
Versandapotheke: 2,48 €

.) InfluASS
AVP Apotheke Österreich: 3,80 €
Versandapotheke: 2,57 €

.) Thymian-Fluidextrakt – 100 ml
AVP Apotheke Österreich: 8,90 €
Versandapotheke: 4,73 € (vergleichbares Produkt Thymiverlan-Lösung)

Leider konnte ich die entsprechenden Produkte nicht in Deutschland entdecken. Zum Vergleich hier noch einige Mittelchen, die auch in Deutschland angeboten werden, damit ein unmittelbarer Vergleich möglich ist (die Versandapotheke ist ein und dieselbe – einmal für de-Kunden, einmal für at-Kunden):

.) ACC akut 600 mg Brausetabletten – 40 Stück
AVP Apotheke Österreich: 18.98 €
Versandapotheke für Österreich: 8,95 €
Versandapotheke für Deutschland: 8,95 €
AVP Deutschland: 18,98 €

.) Aspirin plus C Brausetabletten – 40 Stück
AVP Apotheke Österreich: 14,95 €
Versandapotheke für Österreich: 10,71 €
Versandapotheke für Deutschland: 9,79 €
AVP Deutschland: 16,65 €

.) Mucosolvan 30 mg/5 ml – 250 ml
AVP Apotheke Österreich: 14,65 €
Versandapotheke für Österreich: 9,84 €
Versandapotheke für Deutschland: 10,47 €
AVP Deutschland: 15,49 €

.) Grippostad C – 24 Hartkapseln
AVP Apotheke Österreich: 9,95 €
Versandapotheke für Österreich: 6.98 €
Versandapotheke für Deutschland: 5,71 €
AVP Deutschland: 10,98 €

.) Thomapyrin – Brausetabletten – 20 Stück
AVP Apotheke Österreich: 10,20 €
Versandapotheke für Österreich: 6.89 €
Versandapotheke für Deutschland: 7,18 €
AVP Deutschland: 10,09 €

.) Dulcolax – 40 Dragees
AVP Apotheke Österreich: 5,28 €
Versandapotheke: 3,26 €
Versandapotheke für Deutschland: 3,26 €
AVP Deutschland: 5,28 €

Soweit so gut. Diese Gegenüberstellung soll aufzeigen, dass lange Zeit in Österreich der Medikamentenpreis künstlich hoch gehalten wurde, da diese in den Apotheken verbindlich waren. Soll heissen, dass der Apotheker selbst – auch wenn er es gewollt hätte – gar keine Preisaktion hätte durchführen können. Die Gewinnspanne übrigens lag im Rezeptbereich bislang bei 18,2 %, sie ist zuletzt auf 16,4 % gesunken. Durch dieses Verbot des Versandhandels kamen auch die alpenländischen Apotheken in’s Hintertreffen – sie haben den Anschluss verpasst. Die Apothekerkammer will nach wie vor nur insoweit liberalisieren, als die Medikamente online bestellt werden können, dann allerdings in einer der 1.360 öffentlichen Apotheken abgeholt werden müssen. Ist das nicht kontraproduktiv? Muss ja nicht unbedingt so erfolgen, wie bei jener Apothekerin aus Bayern, die Billigmedikamente im EU-Ausland ankaufte und diese mit der Original-Rechnung an ihre Kunden weitergab (10 % Rabatt bei verschreibungspflichtigen und 22 % Rabatt bei freien Medikamenten). Vollkommen rechtens übrigens, wie das Bundesverwaltungsgericht Leipzig Mitte Februar als letzte Instanz urteilte (Az.: 3 C 30.13). Jedoch mehr als bedenklich. Die Medikamente wurden zuvor mehrwertsteuerfrei nach Ungarn geliefert und wieder rückgekauft – zum dortigen Mehrwertsteuersatz von 5 %. Steuerschonender Reimport! Im Jahr 2012 jedoch entschied der Gemeinsame Senat der Obersten Bundesgerichte, dass sich auch Versandapotheken aus dem Ausland an den deutschen Preisvorschriften zu orientieren haben. Die Rabattfrage liegt derzeit beim Europäischen Gerichtshof in Luxemburg. Zur Lage in Österreich meinte der dortige Verbandspräsident der Apotheker, Dr. Christian Müller-Uri:

„Unsere Apotheken treten seit Jahren auf der Stelle!“

Eine hausgemachte Situation? Auch bei der Verwendung von weitaus günstigeren Generika hinkt Österreich kilometerweit hinterher (obwohl sich hier die Situation etwas gebessert hat). Die Apotheken weigern sich nun, weitere Sanierungsmassnahmen der Krankenkassen mittragen zu müssen. Klar – muss betont werden, dass die Pharmazeuten für die Nahversorgung zuständig sind und auch schon mal Nachtdienst schieben. Allerdings wurde vielen Hausärzten am Land die Hausapotheke gestrichen, die für lukrative Zusatzeinnahmen sorgte. Nun weigern sich viele Mediziner, eine Landarztpraxis aufzumachen, da sie weitaus länger brauchen um die entstandenen Kosten einer neuen Praxis zu tilgen. Es gibt also weniger willige Landärzte, gleichzeitig hingegen Apotheken, die kurz nach Öffnung aufgrund roter Zahlen wieder schliessen müssen! Sinnvoll???

PS – wichtig:
Bevor Sie nun dem medikamentösen Kaufrausch verfallen und beim nächst besten Arzneimittel-Diskonter grossartig einkaufen, beachten sie bitte, dass gerade im Diskontbereich immer wieder nachgemachte Medikamente verkauft werden (bewusst oder unbewusst), die entweder keine Wirkstoffe, weniger Wirkstoffe oder gar Giftstoffe beinhalten. Viagra-Kopien oder die Abnehm-Tees aus China sind das beste Beispiel hierfür! Suchen Sie sich also am besten eine Versandapotheke, die es auch in natura gibt. Sollten hier Unregelmässigkeiten auftauchen, riskiert der Apotheker dadurch seine Zulassung. Das schwarze Schaf im Versandhandel hingegen ist binnen kurzer Zeit etwa in Polen wieder aufgemacht!

Links:

http://www.apotheker.or.at

https://www.gesundheit.gv.at

http://www.abda.de/

http://www.blak.de

http://www.heimversorger.de

http://www.apo-rot.at/http://www.apo-rot.de

http://www.pharmapoint.at

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