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Braunkohle – das stinkt zum Himmel

“Die Kommission hält es für wünschenswert, dass der Hambacher Forst erhalten bleibt.“
(Abschlussbericht der Kohle-Kommission)

Nach einem nahezu 21-stündigen Verhandlungsmarathon präsentierte dieser Tage die Kohle-Kommission Deutschlands das Ergebnis: Ausstieg aus der Braunkohle bis 2038, mit 27 von 28 Stimmen beschlossen! Wahrlich kein Grund zum Feiern! Schliesslich könnte der „Point of no return“ dann bereits schon überschritten sein. Von Nachhaltigkeit und Klimaschutz somit keine Spur – es ist eine Zumutung für unsere Kinder und Enkel. Deutschland hat sich zur Einhaltung des Klimaziels 2030 verpflichtet. Zudem müssen bis 2050 die CO2-Emissionen um 80 bis 95 % unter den Wert von 1990 gesenkt werden. Mit diesen Rauchbomben ist es wohl nicht möglich. Doch war es ohnedies zu erwarten, nachdem Grenzwerte und Tempolimits in Frage gestellt werden. Um es bildlich auszudrücken: Der Fussball wird noch weiter in Richtung des Tores getrippelt, doch keiner traut sich, den Torschuss abzugeben. Deshalb ist auch der Ausdruck des „historischen Kraftaktes“ (Ex-Kanzleramtschef und Vorsitzender der Kohlekommission Ronald Pofalla) ein Widerspruch in sich. Zudem sollte man sich nicht dermaßen überschwänglich selbst beweihräuchern, wenn zuvor tatenlos iim „politischen Wachkoma“ verharrt wurde, so Greenpeace-Deutschland-Geschäftsführer Martin Kaiser.
Schliesslich gehören kalorische Kraftwerke, die mit Braunkohle betrieben werden, zu den grössten Umweltverschmutzern unserer Zivilisation.
Braunkohle entsteht durch Druck und Luftabschluss aufgrund einer „Inkohlung“ der organischen Substanzen. Dabei sammeln sich abge-storbene Sträucher und Bäume im Moor an – Torf wird gebildet. Über-lagern nun zusätzlich Sedimente den Torf, so kommt es zum notwendigen Druck und dem Luftabschluss. Braunkohle besitzt einen wesentlich höheren Schwefelgehalt als Steinkohle. Daneben ist in der Rohkohle der Wassergehalt höher (bis zu 55 %). Zwischen 5 bis 20 % sind nicht brennbare Stoffe, die in Form von Asche entsorgt werden müssen. Braunkohle wird zu 90 % zur Stromerzeugung herangezogen, der Rest wandert als Briketts in private Öfen bzw. wird für die Herstellung von Montanwachs oder als Ersatz von Rindenmulch verwendet. Der Heizwert der getrockneten Braunkohle beläuft sich auf rund 1/3 jenes der Steinkohle. Entstanden ist sie vornehmlich im Tertiär (bis etwa 2 Millionen Jahre vor heutiger Zeit). Die deutsche Bundesanstalt für Geowissen-schaften und Rohstoffe schätzt das weltweite Braunkohle-Aufkommen auf rund 283,2 Milliarden Tonnen – davon 40,8 Milliarden in deutschen Landen. Bei gleichbleibender Förderung von 966,8 Millionen Tonnen per anno könnte alsdann der Bedarf bis zum Jahr 2300 gedeckt sein. Gefördert wird Braunkohle in Deutschland in der Niederrheinischen Bucht (RWE Power AG) sowie im Mitteldeutschen (MIBRAG) und Lausitzer Revier (LEAG) im Tagebau. In Österreich wurde im Bundesland Oberösterreich bis zur Mitte der 90er-Jahre auch untertage abgebaut. Der Energieträger hielt die komplette DDR am Laufen. Recherchen ergaben, dass seit 1949 250 Ortschaften deshalb abgebaggert und 80.000 Menschen umgesiedelt wurden. Die Bagger standen bis kurz vor Cottbus und Leipzig.
Bei der Verwendung dieser Kohle gibt es nun zwei ganz entscheidende Nachteile:

1.) Bei der Gewinnung im Tagebau wird die komplette Ökologie zerstört! SIe werden dies bei Vergleichsbilder des Hambacher Forsts gesehen haben. Alle Pflanzen- und Tierarten fallen den Baggern zum Opfer. Auch die Rekultivierung nach dem Abbau schafft anstelle eines über Jahrtausenden entstandenen Naturjuwels nur eine künstliche Landschaft, die ebenfalls wieder Jahrhunderte brauchen wird, bis sie sich erholt hat. Apropos Jahrhunderte: Auch das Grundwasser benötigt in etwa diese Zeit, bis es entsprechend verwendet werden kann. Der als „Abraum“ bezeichnete Bodenanteil aus Sedimentpaketen ist nämlich ein über Jahrhunderte gewachsener Leiter und Filter für das Grundwasser gewesen. Das komplette Grundwasser muss während des Abbaus abgepumpt werden („gesümpft“). Damit geht es alsdann dem Trinkwasser an den Kragen. Die Niederrheinische Bucht ist mit einer Fläche von rund 6.000 km2 die wichtigste Grundwasserreserve Nordrhein-Westfalens. Bereits heute schon sind mit 3.000 km2 rund zehn Prozent der Landesfläche NRWs durch die bergbaubedingte Absenkung des Grundwasserspiegels betroffen. Experten sprechen von einem „hydrologischen Infarkt“, sollte die Braunkohlenutzung unverändert bis zum Jahr 2045 weiter fortschreiten. Alleine im Jahr 2017 wurden nicht weniger als rund 562 Millionen Kubikmeter Grundwasser gesümpft. Auswirkungen waren nicht nur in deutschen (beispielsweise im Raum Mönchengladbach), sondern auch in niederländischen Brunnen zu spüren. Ein fatales Vorgehen, sollte sich der trockene Sommer von 2018 vermehrt wiederholen. Damit ein Eindruck entsteht, über welche Ausmaße wir hier sprechen: Bis Ende 2017 lag der Flächenverbrauch durch Braunkohle-Tagebau bei insgesamt 32.995 ha – nur im Rheinland. Rekultiviert wurden bis zu diesem Zeitpunkt 23.270 ha – der Rest ist noch aktuelle Betriebsfläche. Über 17.000 ha sollen bis 2045 bearbeitet werden. Dieser rekultivierte Boden braucht über Jahre hinweg besondere Pflege, da ihm die kompletten Nährstoffe des Humus entzogen wurden. Und Wasser! Bis sich hier wieder ein halbwegs funktionierendes Trennungs- und Sickerungssystem durch die natürliche Schichtabfolge gebildet hat, geht Jahr um Jahr vorüber. Bis dahin gelangt kontaminiertes Kippenwasser in die Grundwasserreservoirs.

2.) Der in der Braunkohle enthaltene Schwefel wird durch die Verbrennung zu Schwefeldioxid. Dieses war in den 70er und 80er Jahren entscheidend für den sauren Regen verantwortlich, da aus dem Gas in Verbindung mit Wasser Schwefelige Säure entsteht. Und der bislang im Boden gebundene Kohlenstoff wird als Kohlendioxid in die Atmosphäre abgegeben, ohne wie etwa beim Holz einen Ausgleich zu schaffen. Somit tragen diese fossilen Brennstoffe zu einem wesentlichen Teil am Klimawandel bei. Ausserdem sind in den Abgasen Schwermetalle (wie Quecksilber) und Feinstaub. In modernen kalorischen Kraftwerken können durch entsprechende Filter das Schwefeldioxid (zu 90 %) und die Flugasche (zu 99,5 %) herausgefiltert werden. Bleiben also neben den Schwermetallen vornehmlich der Wasserdampf, Stickoxide und das CO2. Moderne Braunkohleblöcke stossen pro erzeugter Kilowattstunde 980 – 1230 g Kohlendioxid aus. Im Vergleich dazu Gas- und Dampf-Kombi-Kraftwerke: 410 – 430 g CO2/kWh – das ist weniger als die Hälfte!!! Durch die CCS-Technologie könnte das CO2 vom restlichen Abgas getrennt werden. Im Jahr 2008 errichtete der Energiekonzern Vattenfall im brandenburgischen Schwarze Pumpe eine solche Versuchsanlage. Der dadurch entstandene Kohlenstoff sollte unterirdisch gespeichert werden. Das Resultat: Der Wirkungsgrad der Anlage war weitaus geringer als bei anderen vergleichbarer Grösse, der Kohlebedarf dadurch weitaus höher. Und schliesslich lehnten sich die Bürger des Ortes gegen die Lagerung des Kohlenstoffes auf.
Ein Beispiel gefällig? Das RWE-Kohlekraftwerk BoA 2/3 Niederaußern bläst nicht weniger als 32 Millionen Tonnen CO2 jedes Jahr in die Atmosphäre. BoA ist die Abkürzung für „Braunkohlekraftwerk mit optimierter Anlagentechnik“ – es handelt sich hierbei also um ein moderneres Kraftwerk, das dennoch pro Kilowattstunde 950 g CO2 ausstösst (alle Angaben: BUND). Und dann waren da noch die CO2-Emissions-Zertifikate. Nach Angabe von BUND soll der Konzern RWE dafür bis zum Jahr 2012 überwiegend nichts bezahlt haben – dennoch sollen die fiktiven Kosten an die Stromverbraucher weitergereicht worden sein. Das Problem der Stickoxide könnte durch den Einbau von Katalysatoren oder der Zufuhr von Harnstoff (wie beim Dieselmotor) zumindest um zwei Drittel gelöst werden. Derartige Katalysatoren sind seit den 1980er-Jahren ein ausschlaggebender Faktor für die Betriebsbewilligung von Steinkohlekraftwerken. Einzig: Es kostet sehr viel Geld! Deshalb versuchen die Kraftwerksbesitzer seit Jahren, die EU-Schadstoffgrenzwerte auf ein höheres Niveau zu bringen. Da kommt ihnen die derzeitige Diskussion über die Grenzwerte durchaus mehr als gelegen!

Diese Kraftwerke sind zumeist abbaunah errichtet worden. Dadurch kann auch die Prozesswärme nicht etwa als Fernwärme für Haushalte oder Betriebe verwendet werden (Kraft-Wärme-Kopplung) – der Wasserdampf wird ebenfalls ausgestossen, die Wärme entweicht ungenutzt. Bei Alt-Kraftwerken sprechen wir somit über einen Wirkungsgrad von gerade mal 30 %, bei BoAs von 40 %. Zum Vergleich: Jener eines Gas-Kraftwerkes mit dieser KW-Kopplung liegt bei über 80 %.
Klar – es gibt einige kleine Eingeständnisse. So sollen in den kommenden vier Jahren 24 Kohleblöcke vom Netz gehen, viele davon dürften eigentlich gar nicht mehr laufen. Einige davon sind älter als 50 Jahre! Nach Angaben des Energieverbandes BDEW sollen alsdann in den kommenden 20 Jahren 45 Gigawatt an derzeitiger Kohle-Leistung ersetzt werden. Dadurch leiste man einen wesentlichen Anteil zum Klimaschutz, weiss der Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung Stefan Kapferer. Auch bei der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie zeigt man sich zufrieden: Durch dieses Ergebnis könne man die Beschäftigten vor sozialen Härtefällen schützen. Alles eitel Sonnenschein! Doch kommt ein solcher Kompromiss um Jahre zu spät!
Kalorische Kraftwerke sind vornehmlich dazu bestimmt, Schwankungen bei den erneuerbaren Energieproduzenten wie Sonne und Wind auszu-gleichen. Der Kohlestrom-Anteil ging ohnedies die letzten Jahre zurück. Schliesslich muss es zu jeder Abschaltung Alternativen geben. Bedenkt man, dass bis 2022 die Atommeiler runtergefahren werden, besteht nach wie vor grosser Nachholbedarf an Ökostrom-Anlagen und Speicher-möglichkeiten. Beides war schlichtweg wesentlich teurer als der Kohle- oder Atomstrom, weshalb entsprechende Pläne immer wieder nach hinten geschoben wurden.
Ich möchte fairerweise hier nicht verheimlichen, dass ein ganzer Industriezweig mit sehr vielen Arbeitsplätzen von dieser Entscheidung betroffen ist (rund 21.000 bundesweit) So beschäftigt etwa RWE nur im Tagebau Hambach 4.600 Arbeitnehmer, 1.300 davon in der Förderung und 1.500 in der Veredelung der Braunkohle. Vor allem im rheinischen, dem mitteldeutschen Kohlerevier und Lausitz blickte man deshalb gespannt nach Berlin. Jetzt werden milliardenschwere Strukturwandel-Programme die riesigen Löcher in Mutter Erde stopfen und die betroffene Bevölkerung dadurch abfangen. Der Vorschlag der Kommission beläuft sich auf 40 Milliarden Euro.

https://www.youtube.com/watch?v=91kUj69_iZI

Der Kraftwerksbetreiber Vattenfall, aber auch der BayWa-Konzern haben nun angekündigt, so richtig in die Tagebau-Regionen zu investieren. Geplant sind riesige Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen, die etwa alleine in der Region Lausitz rund 40 Gigawatt Energie liefern könnten – das entspräche der Leistung von 40 Atomkraftwerken (Quelle: Handelsblatt). Dadurch könnten zudem tausende neue Arbeitsplätze entstehen. Auch der Ökostrom-Produzent Greenpeace Energy will hier mitmischen. Geplant ist der Ankauf des Rheinischen Reviers, die sukzessive Stilllegung und Installation von Wind- und Sonnenparks. Erwartete Gesamtleistung: 8,2 Gigawatt. Wieso gibt es derartige Projekte erst jetzt, kurz vor 12.00 Uhr???
Einen Text über Braunkohleabbau zu verfassen und dabei den Hambacher Forst aussen vor zu lassen, wäre ein nicht wieder gut zu machender Fauxpas. Deshalb hier noch einige Informationen, damit auch Nicht-Anrainer die wilden Proteste dort verstehen können. Der Tagebau in Hambach wird gerne als „das grösste Loch Europas“ bezeichnet. Im Jahr 1978 begann der Abbau in der Niederrheinischen Bucht bei Köln. Bagger der RWE Power AG graben seither auf einer Fläche von 85 Quadrat-kilometern bis zu 450 m tief in die Erde um das begehrte Gut zu fördern. Bis 2040 sollten nicht weniger als 2,4 Milliarden Tonnen Braunkohle gefördert werden. Das Erdmaterial über der Kohle (2,2 Milliarden m3) wurde zur Sofienhöhe aufgeschüttet, einer künstlichen Hügellandschaft von 10 Quadratkilometern und bis zu 280 m Höhe. Die Pläne von RWE sehen vor, nach dem Abbau einen riesigen See aufzufüllen. Dafür soll über eine eigens angelegte Pipeline Rheinwasser herangeführt werden, das jedoch zuerst aufbereitet werden muss. Wissenschaftler und Umweltschützer befürchten jedoch, dass der Kunstsee aufgrund der Schadstoffe der umliegenden Region mit der Zeit versauert. Auch hier einige Zahlen: Grösse 4.000 ha, Fassungsvermögen 4 Milliarden Kubikmeter (die doppelte Menge des Chiemsees), jährliche Wasserent-nahme vom Rhein 270 Millionen Kubikmeter.
Der Hambacher Forst beherbergt viele geschützte Pflanzen und Tiere, wie die Winterlinde, die Bechsteinfledermaus, den Springfrosch und die Haselmaus. Daneben ist immer wieder der ebenfalls geschützte Mittelspecht (Rote Liste II) zu hören und rund 2.000 Arten von Käfern und anderen Insekten zu finden. Biologen schliessen eine Wiederansiedelung in rekultiviertem Gebiet aus. Obgleich alle Kriterien der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie im Hambacher Wald erfüllt sind, wurden nur drei Gebiete mit einer Gesamtfläche von 155 ha als Natura 2000-Gebiete ausgewiesen. Die Naturschutzorganisation BUND geht deshalb hart mit der Landesregierung zu Gericht: Das sei rechtswidrig! Daneben habe es weder eine Umweltverträglichkeitsprüfung noch eine FFH-Verträglichkeitsprüfung gegeben.
Derzeit ruhen die Abholzungen aufgrund eines gerichtlichen Entscheides. RWE rechnet damit, dass ab Ende 2019 die Maschinen in der obersten Sohle still stehen werden. Dann hat nämlich die Abbruchkante den Waldrand des Forstes erreicht. Die tiefer gelegenen Sohle folgen rasch nach und nach. Wie es dann weitergehen wird, ist noch unklar – ein bestandsfester Gerichtsbeschluss des Verwaltungsgerichtes Köln wird nicht vor Ende 2020 erwartet. Auch die Kohle-Kommission hat empfohlen, den mehr als 12.000 Jahre alten Wald (erste urkundliche Erwähnung im 10. Jahrhundert während der Herrschaft Kaiser Ottos II.) nicht anzutasten. Stellt sich abschliessend nur die Frage, ob der Konzern auf die 4.100 ha verzichten will!!!

Lesetipps:

.) Unternehmen Braunkohle. Geschichte eines Rohstoffs, eines Reviers, einer Industrie im Rheinland; Arno Kleinebeckel; Greven 1986
.) Die Braunkohlenindustrie in Mitteldeutschland. Geologie, Geschichte, Sachzeugen; Otfried Wagenbreth; Sax 2011
.) Auf der Straße der Braunkohle: Eine Entdeckungsreise durch Mitteldeutschland; Hrsg.: Dachverein Mitteldeutsche Straße der Braunkohle; Pro Leipzig 2009
.) Stoffliche Nutzung von Braunkohle; Hrsg.: Steffen Krzack/Heiner Gutte/Bernd Meyer; Springer 2018
.) Das Bergbau-Handbuch; Hrsg.: Wirtschaftsvereinigung Bergbau; Glückauf 1994
.) Klütten und Kraftwerke. Impressionen aus dem Norden des rheinischen Braunkohlenreviers; Manfred Coenen/Volker Schüler; Sutton Verlag GmbH 2016
.) 50 Jahre mitteldeutscher Braunkohlenbergbau. Festschrift zum 50jährigen Bestehen des Deutschen Braunkohlen-Industrie-Vereins 1885–1935; Hrsg.: Deutscher Braunkohlen-Industrie-Verein; Knapp 1935
.) Braunkohle an Rur und Inde; Manfred Loenen/Volker Schüler; Sutton 2011

Links:

- www.braunkohle.de
- www.bgr.bund.de
- www.umweltbundesamt.de
- mwe.brandenburg.de
- www.bund-nrw.de
- www.group.rwe
- www.bergbau.sachsen.de
- www.et-energie-online.de
- kohlenstatistik.de
- www.umweltlexikon-online.de

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Lebensgefährlich für die Retter

Gleich zu Beginn möchte ich – um etwaigen Missverständnissen vorweg zu kommen – betonen, dass der Mensch diesen Planeten schon genug zerstört hat. Somit sind alle Massnahmen, die den Umwelt-Kollaps vermeiden helfen, zu befürworten. Dazu gehört auch die vermehrte Nutzung von elektrischer Energie – sofern sie denn nicht von Kohlekraftwerken hergestellt wird.
Als der Handy-Hersteller Samsung das Galaxy Note 7 auf den Markt brachte, veranstalteten die Verantwortlichen wahre Jubelgesänge. Schliesslich war es das leistungsstärkste Handy, das der Konzern jemals erzeugte – ein kleiner PC für die Hand. Da allerdings niemand gerne ein Kilogramm Gewicht beim Telefonieren an’s Ohr stemmen möchte, musste alles kleiner und feiner gemacht werden – auch der darin enthaltene Lithium-Ionen-Akku. Und das wurde nicht berücksichtigt: Gerade beim Aufladen (muss ja alles immer schneller gehen), war dieser Energiespeicher Extremverhältnissen ausgesetzt, die nicht spurlos an ihm vorbeimarschierten. Hunderte Akkus verschmorten beim Aufladen, andere auch ohne Einwirkungen von selbst. In zwei Fällen war höchste Gefahr angesagt: So geriet ein Smartphone im Flugzeug in Brand. Gottlob stand der Flieger noch am Boden. In einem anderen Fall lag das qualmende Handy auf dem Nachttisch – der Besitzer erwachte, als der komplette Raum bereits verraucht war. Samsung musste daraufhin 2,5 Millionen Handies zurückrufen. Lithium wird zumeist aus Salzseen in Südamerika gewonnen. Es ist das leichteste feste Element, kommt fast ausschliesslich in Salzverbindungen vor und ist unheimlich reaktionsfreudig. Bei der Herstellung von Lithium-Ionen-Akkus wird das Ausgangsmaterial oxidiert. Je flacher nun dieser Akku ist, desto grösser ist auch die Gefahr, dass bei der Herstellung ein Fehler geschieht, da im Zehntelmillimeterbereich gearbeitet wird. Bereits geringe Verunreinigungen reichen aus um einen Kurzschluss hervorzurufen. Und – gerät ein solcher Akku in Brand, so kann dieser nicht mehr gestoppt werden. Die Experten der Feuerwehr raten deshalb, das Gerät in einen Kochtopf zu packen, diesen sofort in’s Freie zu bringen und das Ganze abbrennen zu lassen. Es besteht nämlich zudem Explosionsgefahr! Nun werden Sie auch verstehen, dass eingeschaltete Handies im Flugzeug ein absolutes No-Go sind. Auch Sony machte vor rund 12 Jahren schlechte Erfahrungen mit Laptop-Akkus.

https://youtu.be/dYq75w9WBJM

Diese Gefahren lauern inzwischen immer mehr auch auf den Fahrradwegen und Strassen. E-Bikes und E-Cars! Nun sollten sich Mann und Frau nicht unbedingt Sorgen machen, wenn sie mit ihrem E-Bike eine Tour unternehmen. Problematisch wird’s in diesem Falle erst dann, wenn die Akkus kleiner und leistungsfähiger gemacht werden, damit dadurch eine längere Reichweite oder weniger häufige Ladevorgänge ermöglicht werden. Trotzdem sind E-Bikes in Flugzeugen verboten. Sollten Sie also einen Radurlaub auf Mallorca planen, müssen Sie sich ein solches vorort ausleihen. Auch darf der Akku nicht mit Wasser oder sonstiger Nässe in Verbindung kommen – hier besteht die Gefahr eines Kurzschlusses. Führen Sie Ihr E-Bike auf dem Gepäck- oder Fahrradträger am Auto mit, so ist es empfehlenswert, zuvor den Akku zu entfernen. Und im Winter lagern Sie das Bike oder zumindest den Akku am besten im frostfreien Keller, denn auch extreme Hitze oder Kälte ist nicht gut für diese Energiespender. So kann Kälte beispielsweise eine sog. “Tiefenentladung” hervorrufen. Beim Ladevorgang besteht alsdann Explosionsgefahr. Apropos aufladen: Verwenden Sie zum Laden des Bike-Akkus immer die vom Hersteller mitgelieferten oder empfohlenen Ladegeräte und gehen Sie stets nach Gebrauchsanleitung vor, da der Akku ansonsten überladen werden könnte – auch hier besteht Explosionsgefahr.
Die grösste Gefahr jedoch besteht bei einem Unfall mit einem E-Car. Wird ein Akku beschädigt, kann er in Brand geraten oder gar explodieren. Deshalb sollten Akkus entsorgt werden, wenn sie auf den Boden gefallen sind. Ausserdem sind die Hochvoltnetze dieser Fahrzeuge für die Retter lebensgefährlich. Sie weisen eine Spannung von 350 bis 700 Volt auf – ein derartiger Stromschlag kann tödlich sein. Spezielle Schulungen sorgen dafür, dass Feuerwehrleute einen solchen Fahrzeugbrand bekämpfen oder technische Hilfe leisten können. Deshalb gestaltete sich auch der Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr von Bruchsal am 28. November 2016 derart schwierig. Ein Tesla Modell S ist mit hoher Geschwindigkeit auf der A5 in eine Baustellenabsperrung gerast. Der schwerverletzte Lenker konnte sich selbst aus dem Fahrzeug retten. Die Feuerwehr hingegen musste sich bei Tesla Amerika telefonisch kundig machen, ob die Hochvoltanlage noch in Betrieb ist bzw. wie das Problem gelöst werden könne. Die Amerikaner stellten den Kontakt zur Tesla-Niederlassung Frankfurt her. Dort wurde betont, dass auch beim grundlosen Auslösen eines Airbags die Hochvoltanlage sofort von den Batterien gelöst wird, damit das Fahrzeug spannungsfrei ist. Allerdings müsse das Fahrzeug wegen der Brandgefahr der Akkus im Freien gelagert werden. Die grösste Gefahr geht bei Hybridfahrzeugen von ausgelaufenem Benzin aus, das mit defekten Batterien reagieren kann.
Auch Ersthelfer müssen sich hierüber im Klaren sein, dass die Karosserie eines verunfallten E-Cars evt. unter Spannung stehen kann und extreme Brand- bzw. Explosionsgefahr besteht. Erste Hilfe ist für jedermann Pflicht – ansonsten macht man sich strafbar und gefährdet Menschenleben. Allerdings kann von niemandem verlangt werden, dass er dabei sein eigenes Leben auf’s Spiel setzt. So gehen auch Atemschutztrupps der Feuerwehr nur dann in ein brennendes Haus, wenn für sie die Gefahr nicht zu gross ist. Ist man sich als Ersteingetroffener am Unfallort nicht sicher, muss bei der Notfallmeldung sofort erwähnt werden, was das für ein Auto ist und ob es mit einem Zusatz wie “E” auf dem Nummernschild (in Deutschland) oder einem grünen Kennzeichen (in Österreich) bzw. einem anderen Hinweis bei der Typenbezeichnung gekennzeichnet ist! Der ADAC verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass normalerweise bei allen Hybrid- oder Elektroautos die Sicherheitsvorkehrungen im Auto verhindern, dass dieses nach einem Unfall unter Spannung steht. Eine dieser Vorkehrungen ist beispielsweise, dass das Bordnetz von der Hochvoltanlage getrennt funktioniert. Während das 12-Volt-Bordnetz ebenso wie bei Verbrennungs-Autos für elektrische Funktionen wie Lampen, Scheibenwischer, Heizung etc. zuständig ist, sorgt die Hochvoltanlage für den Antrieb. Derartige Leitungen sind stets orange! Bei dieser liegt die Masse nicht auf der Karosserie, weiss auch der TÜV. Dies verhindert, dass diese unter Spannung gesetzt wird. Dennoch gilt stets: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste!
Wie bei dem Unfall auf der A5 mit dem verunglückten Tesla bereits erwähnt wurde, ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass diese Hochvoltanlage beim Auslösen eines Airbags vom Netz geht, also von der Batterie gelöst wird. Zudem sollten Schmelzsicherungen in den Batterien garantieren, dass bei einem Kurzschluss kein weiterer Strom geliefert wird.
BMW schreibt, dass inzwischen weitaus mehr als 100.000 i-Modelle ausgeliefert wurden. Es sei noch kein einziger Fall bekannt, bei dem es durch einen Stromfluss zu Schädigungen von Insassen, Rettungskräften, Ersthelfern oder Passanten gekommen ist. Dennoch werden Feuerwehrleute für derartige technischen Einsätze speziell ausgebildet. Dies beginnt etwa beim Lesen der Rettungsdatenblätter, die online für jeden Fahrzeugtyp abgerufen werden können. Hier sind die Sicherheitsvorkehrungen und Handlungsanweisungen enthalten, wie ein elektrisches Antriebssystem deaktiviert werden kann, sollten erstere versagt haben. Das ist unter Umständen dann der Fall, wenn das Fahrzeug aufgrund des Unfalles stark deformiert ist und beispielsweise Hochvoltteile herausgerissen wurden.
Dennoch warnen Hersteller, die Autofahrerklubs und der TÜV: Ein Elektrofahrzeug ist nichts für Bastler! So werden die Pannenfahrer des ADAC und ÖAMTC eigens darüber geschult, wo sie hingreifen dürfen und wie man Unfallautos stromlos macht. Beim BMW i3 etwa kann im Frontkofferraum der Minusleiter der Batterie gekappt und der orange Stecker der Hochvolt-Rettungsstelle entriegelt werden. Im Tesla gibt es einen Notfallkabelsatz, der doppelt durchtrennt werden muss. Dies alles sollte allerdings nur jemand erledigen, der sich auch damit auskennt. Ansonsten – wie auch in den Rettungskarten zu lesen – muss stets davon ausgegangen werden, dass das Fahrzeug weiterhin unter Spannung steht.
Nächstes Problem ist das Abschleppen! Das Fahrzeug, das beispielsweise wegen Leistungsmangel liegen geblieben ist, wird grundsätzlich zur Gänze auf einen LKW geladen. Es darf nicht über die Achse geschleppt werden, da hierdurch eine Spannung aufgebaut wird, die in das Hochvoltsystem eingespeist werden könnte. So steht etwa im Rettungshandbuch des BMW i3, dass ein E-Auto nur in Schrittgeschwindigkeit und nicht weiter als 500 m geschoben werden darf. Deshalb muss ein Unfallfahrzeug zudem vor dem Wegrollen gesichert werden. Für den Tesla gilt ausserdem, dass er nur an vier dafür vorgesehenen Hebepunkten angehoben werden darf, da ansonsten die unter der Bodenplatte montierte Hochspannungsbatterie beschädigt werden könnte, die ansonsten bei Fahrzeugen, die ab dem März 2014 produziert wurden, durch Titan gegen auf der Strasse liegende Gegenstände “gepanzert” ist.
Besonders schwierig allerdings wird ein Unfall dann, wenn die Feuerwehr sägen muss um etwa Verletzte zu bergen oder das Fahrzeug stromtod zu machen, da beispielsweise der Frontkofferraum durch den Unfall blockiert wird. Hier gibt es im Tesla nur eine Stelle, wo mit der 12-Zoll-Kreissäge angesetzt werden kann.

https://www.focus.de/auto/videos/crash-rettung-im-bmw-i3-wenn-das-karbon-splittert-unerwartete-gefahren-bei-elektroauto-rettung_id_4060793.html

Ein in Brand stehendes E-Fahrzeug muss ebenso durch die Feuerwehr gelöscht werden. Nach Angaben der Prüfgesellschaft Dekra ist zwar die rasche Ausbreitung der Flammen weniger gefährlich als bei Vergaser-Fahrzeugen, bei welchen Treibstoff ausfliessen kann. Dennoch besteht immer wieder Explosionsgefahr. Gefährlich wird’s v.a. dann, wenn weisser Rauch aus dem Motorraum aufsteigt: Dann brennt zumindest eine der Batterien! Nun können Temperaturen von bis zu 1.200 Grad Celsius entstehen; die Abgase reagieren mit Flüssigkeit zu Flusssäure. Zudem können sich die Batterien auch nach erfolgter Brandbekämpfung erneut selbst entzünden. So geriet im letzten Sommer die Feuerwehr im schweizerischen Ermensee in Not. Ein Tesla stand nach einem Unfall in Vollbrand. Aufgrund der giftigen Gase war die Löschung nur mit schwerem Atemschutz möglich.
Beim Löschangriff übrigens zählt nicht das Wissen zur Bekämpfung eines Autobrandes. Vielmehr müssen die Richtlinien zur Brandbekämpfung elektrischer Anlagen eingehalten werden (beispielsweise die Abstände nach DIN VDE 0132). Zudem ist besonders viel Wasser und stets Atemschutz vonnöten. Der Hersteller Tesla betont in seinen Rettungskarten, dass eine Löschung schon mal bis zu 24 Stunden andauern kann. In Indianapolis krachte im Herbst 2016 ein Tesla mit überhöhter Geschwindigkeit gegen ein Baum. Augenzeugen berichten von einer Explosion, bei der Fahrzeugteile meterweise weggeschleudert wurden. Beide Insassen kamen um’s Leben. Anlass genug für zwei Appelle der Feuerwehren:
.) Die Besitzer dieser E-Autos sollten bedenken, dass diese anders zu fahren sind als Autos mit Verbrennungsmotoren
.) Die Hersteller müssen darauf gedrängt werden, die Hochspannung führenden Kabel einheitlich in der Karosserie zu verlegen. Müssen Verletzte herausgeschnitten werden, ist es allzu leicht möglich, dass mit der Säge oder der Bergeschere eines der Kabel durchtrennt wird. Ein tödlicher Stromschlag wäre für den Feuerwehrmann die Folge.

https://www.youtube.com/watch?v=A4kNwFIAUok

In Österreich waren zum Stand 31. Juli 2017 nach Angaben der Statistik Austria nicht weniger als 12.348 E-Autos zugelassen. Tendenz stark steigend, da es im Alpenstaat im Vergleich zur restlichen EU die meisten Neuzulassungen gibt. In deutschen Landen sind bereits über 300.000 Stromer unterwegs. Damit einher geht die Anzahl der Unfälle mit Hybrid- oder E-Autos. In der Schweiz beispielsweise verunfallten im Jahr 2016 nicht weniger als 250 dieser Fahrzeuge. Dies wird – wie etwa auch bei der Berufsfeuerwehr Wien – mit laufenden Schulungen berücksichtigt. Gleiches gilt übrigens auch für Gas- und Wasserstoffautos, die ebenfalls ein grosses Gefahrenpotential bei Unfällen darstellen.

https://www.youtube.com/watch?v=XQelhFzK3Po

Dennoch raten die Hersteller und Befürworter der E-Autos zur Ruhe und Besonnenheit. Ist es zu einem Unfall gekommen und das Auto selbst brennt nicht, so sollten alle Insassen zuerst prüfen, ob sie irgendwo eingeklemmt sind. Wenn ja sollte sich der Verunfallte möglichst nicht selbst befreien, da dies Verletzungen noch schlimmer machen kann. Durch leichte Kopfbewegungen sollte auch auf Taubheit oder Schmerzen geprüft werden. Danach muss die Zündung ausgeschaltet werden. Heraushängende Kabel dürfen niemals berührt werden. Schliesslich muss das Fahrzeug verlassen und in gebührendem Abstand auf das Eintreffen der Rettungskräfte gewartet werden. Diese müssen als erstes darüber informiert werden, dass es sich um ein Hybrid- bzw. E-Mobil handelt.
Für Passanten gilt – wie bei anderen Unfällen auch: Die Unfallstelle zuerst absichern. Dann die Notrufnummer 112 wählen und den genauen Standort, Art des Unfalles und die Situation durchgeben. Das Fahrzeug sollte nach Möglichkeit nicht berührt (Achtung auch auf Lichtbögen!), Insassen an trockenen Kleidungsteilen herausgeholt werden. Solange das Fahrzeug nicht brennt, sollten keine Befreiungsversuche unternommen werden. Stark blutende Wunden allerdings müssen sofort verbunden werden, ebenso wie Notfallmassnahmen bei nichtansprechbaren Verletzten sofort durchgeführt werden müssen.
Ist das Fahrzeug in einem Fluss, Bach oder See gelandet, so gilt: Es ist bis zu einem Meter Tiefe für rund 60 Minuten wasserdicht. Für die Chemiker unter Ihnen: Knallgas (Elektrolyse-Reaktion) bildet sich erst, wenn das Auto für mehrere Tage im Süsswasser bzw. mehrere Stunden im Salzwasser liegt.
Ein Feuerwehrmann brachte es auf den Punkt: Jedes Auto ist bei einem Unfall gefährlich – egal ob Benziner oder Stromer. Sind bestimmte Massnahmen bekannt und werden im Notfall berücksichtigt, so steht einer möglichst sauberen E-Mobilität nichts im Wege!!!

Lesetipps:

.) Elektroautos – Deutschlands Zukunft?; Andreas Schröder; Independently published 2017
.) Wer kriegt die Kurve?: Zeitenwende in der Autoindustrie, Ferdinand Dudenhöffer; Campus Verlag 2016
.) Das Elektroauto – Mobilität im Umbruch; Marcus Keichel / Oliver Schwedes (Hrsg.); Springer 2013
.) Antriebe von Elektroautos in der Praxis; Robert Schoblick; Franzis Verlag 2013
.) Elektroauto – Wir reden nicht! Wir fahren schon!: Kleiner Radgeber zum Thema Elektroauto. Aus der Praxis! Für Ihre zukünftige Praxis; Marco Lorey; epubli 2015
.) Mein erstes Elektroauto: Praktischer Ratgeber für Einsteiger; Ernst Luthmann; Books on Demand 2017
.) Volk ohne Wagen: Streitschrift für eine neue Mobilität Stephan Rammler; FISCHER Taschenbuch 2017
.) Elektromobilität: Grundlagen und Praxis; Anton Karle; Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG 2016
.) Der Megatrend “Elektroauto”; Marius Dannenberg / Jamil Assadi; Kassel University Press 2011
.) Das Elektroauto: Bilder für eine zukünftige Mobilität Stephan Rammler (Hrsg.); LIT 2011


Links:

- www.opel-rescuecard.com/
- www.tesla.com/de_DE/firstresponders
- www.dekratechnologycenter.de/de/unfallforschung
- www.fahrzeugsicherheit-berlin.de
- www.technische-hilfeleistung.info
- www.retter.tv
- www.elektroauto-news.net
- elektroauto-tipp.de
- ecomento.de
- www.ff-michelhausen.at
- www.ifz-berlin.de
- www.stadt-zuerich.ch/pd/de/index/schutz_u_rettung_zuerich/fachschule_rettungsberufe.html
- www.lfs-bw.de
- www.ifs-ev.org
- www.ekas.ch
- www.nhtsa.gov
- www.sew-eurodrive.de
- www.vlotte.at
- www.autoumweltliste.ch
- www.wbzu.de

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Blackout – Der Horror!!!

Stellen Sie sich doch bitte mal zu Beginn dieser heutigen Zeilen folgendes vor: Ein Hacker hat sich Zutritt zum Stromnetz in Essen verschafft und schaltet die Lichter ab! Gut – ich höre schon die Ersten sagen: “Was geht mich Essen an, ich wohne hier in Kroatisch Minihof im Burgenland!” Nun ja – da kann man nur hoffen, dass das Netz Burgenland derartige Worst Case-Szenarien dermassen häufig durchgespielt hat, dass Otto Normalverbraucher davon nichts mitbekommt. Denn – so pervers es auch klingen mag: Es dauert gerade mal 17,7 Sekunden, um Mittel- und Westeuropa dunkel zu machen. Und das, das reicht nicht mal aus, um eine Kerze aus dem Schrank zu holen!
Nach Angaben der Bundesnetzagentur (BNetzA) gab es im Jahr 2012 alleine in Deutschland nicht weniger als rund 208.100 “Versorgungsunterbrechungen”. Dies führte zu einer durchschnittlichen Nichtverfügbarkeit von Strom im Ausmass von 15,91 Minuten für die Endverbraucher (in Österreich im Vergleich dazu im selben Jahr 34,73 min/in der Schweiz 34 min). Etwa 60 % der Ausfälle lagen unter einer Sekunde! Haben Sie in letzter Zeit einen etwas längeren Stromausfall gehabt? Ich laufe, wenn es passiert, als erstes zum Fenster um nachzusehen, ob es auch die Nachbarn erwischt hat. Dabei stolpere ich über die Couch, hau mir den Fuss an den Schränken an und demoliere zig Stühle. Ich wusste gar nicht, dass in meinem Wohnzimmer dermassen viele Stühle stehen. Erstes Durchatmen – ja, die Nachbarn haben in den letzten Minuten ebenfalls ihre Möbel verflucht. Es liegt somit nicht an der Elektrik meines Hauses. Also – Kerzen und die Taschenlampe geholt. Normalerweise ist das, was nicht gerochen, geschmeckt und gesehen werden kann, der Strom, innerhalb kürzester Zeit wieder da – mein Anbieter garantiert eine grosse Versorgungssicherheit, Gott sei Dank. Was aber geschieht, wenn dies mal nicht der Fall ist? Eine Zuleitung über einen anderen Versorgungsweg nicht funktioniert oder schlichtweg kein Strom mehr da ist??? In letzter Zeit taucht immer mal wieder die Frage auf: “Was passiert, wenn es zum Blackout kommt?” Mindestens acht Stunden, ja unter Umständen tagelang kein Strom. Keine Heizung, kein Herd, mancherorts auch kein Wasser, kein Fernseher, kein Handy! Eine solche Situation ist für die Betroffenen mit “Worst Case” gar nicht zu schildern – es ist schlichtweg eine Katastrophe!!! All jene unter Ihnen, die dies aufgrund etwa eines Naturereignisses schon mal mitmachen durften, haben mein grösstes Mitgefühl!
Am 4. November 2006 wurden zwei 380 kV-Hochspannungsleitungen bei Mark, südlich von Weener in Niedersachsen planmässig abgeschaltet. Alleine das reichte aus, um 10 Millionen Haushalte in Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien, Österreich und sogar Spanien gänzlichst ungewollt für zeitweise 120 Minuten lahm zu legen. Sogar in Marokko waren Auswirkungen spürbar. Die damals durch den Stromriesen E.On (heute Tennet TSO) betriebenen Leitungen mussten abgeschaltet werden, damit das Kreuzfahrtschiff Norwegian Pearl aus der Werft Meyer in Papenburg ausgeschifft werden konnte. Dem Ganzen voraus gingen Kommunikationsprobleme mit anderen Netzbetreibern wie Vattenfall und RWE, die dadurch nicht rasch genug umschalten konnten. Plötzlich waren 10.000 Megawatt weg! Als RWE zuschaltete, stieg die Stromstärke in der Leitung Landesbergen-Wehrendorf um 67 A an, was den Schutzschalter im Umspannwerk Wehrendorf auslöste. Nun folgte eine Kettenreaktion wegen Überlastung und Synchronitätsproblemen. Im Osten und Norden mussten Kraftwerke vom Netz genommen, im Westen und Süden Grossverbraucher abgeschaltet werden – hier kam es zu Ausfällen. In Österreich beispielsweise dauerte es mehr als eine Stunde, bis die Ost- und Westhälfte des Landes wieder synchron liefen. Dieses Beispiel zeigt wohl am ehesten, wie sensibel das europäische Stromnetz ist.
Nicht das einzige Beispiel: Am 28. September 2003 kam es aufgrund eines Lichtbogens zwischen der Leitung und einem Baum in der schweizerischen Gemeinde Ingenbohl zu einem Stromausfall. Kurz nach 03.30 Uhr gingen auch in Neapel und Vatikanstadt die Lichter aus. Die Leitung versorgte nahezu ganz Italien mit Strom aus Frankreich.
Bereits 1965 standen zirka 30 Mio Menschen im Nordosten der USA und in vielen Teilen Kanadas die Angst ihres Lebens aus. Ein defektes Relais in Ontario (Kanada) führte zum Ausfall und legte somit riesige Teile Nordamerikas lahm. Die Betroffenen befürchteten einen Atomkrieg. Erst nach sechs Tagen konnte das Relais ausgetauscht werden. Apropos USA: Im mächtisgten Land der Erde besteht die grösste Gefahr eines Blackouts, da das Leitungsnetz teils über Jahrzehnte hinweg nicht gewartet wurde.
Aber auch im reichsten Land der Erde ist man davor nicht gefeit. So fiel etwa am 22. Juni 2005 das komplette Eisenbahnnetz der Schweizerischen Bundesbahnen SBB aus, da aufgrund zweier Baustellen an der Autobahn A2 zwei von drei Zuleitungen abgeschaltet wurden. Sie versorgten die Zentralschweiz mit Strom aus den Stauseen in den Alpen. Die dritte 132 kV-Leitung schaltete sich wegen Überlastung selbst aus. Von einer auf die andere Sekunde fehlten plötzlich 200 MW, die auch durch die Zuleitung aus Deutschland nicht ausgeglichen werden konnten.
Das alles ist aber noch gar nichts. Am 31. Juli 2012 war es in 20 von 28 indischen Bundesstaaten plötzlich dunkel. 600 Millionen Menschen standen ohne Strom da. Der Grund war eine Überlastung des Netzes. Es war dies der bislang grösste Stromausfall in der Menschheitsgeschichte.

„Strom ist wie das Blut im Körper. Beides muss fließen, sonst bricht das ganze System zusammen.“
(Marc Elsberg)

Die Netzbetreiber versuchen stets, den als “n-1″ bezeichneten Zustand herzustellen. Dieser besagt, dass zu keiner Zeit mit einem Stromausfall durch beispielsweise Fehler bei Betriebsmitteln (Leitungen, Transformatoren oder Generatoren,…) zu rechnen ist. Er gilt für alle Netze der UCTE (Union for the Co-ordination of Transmission of Electricity), der Vereinigung der europäischen Netzbetreiber. Somit müssten schon zumindest zwei Ereignisse unmittelbar aufeinander treffen (Mehrfach- oder kaskadierende Fehler), damit dieses n-1-Kriterium nicht mehr besteht. Der Stromkreislauf alleine in Deutschland beträgt beinahe 2 Mio Kilometer. In den Wechselstromleitungen müssen die Elektronen 50mal pro Sekunde die Richtung wechseln (50 Hertz – Wechselstrom). Ca. 700 Gigawatt an Leistung fliessen jeden Tag durch das grösste einheitlich getaktete Netz der Erde, dem Synchronous Grid of Continental Europe! In Sekundenbruchteilen können allerdings alle Kraftwerke vom Schwarzen Meer bis zur Nordsee abgeschaltet werden. Dabei stehen v.a. die Atomkraftwerke vor dem Problem, wie sie ohne Strom die Brennstäbe kühlen sollen. Klar gibt es Notstrom-Aggregate. Ebenso wie in den Krankenhäusern. Doch ist der Sprit alle, schalten sich auch die Beatmungsgeräte aus, es kann nicht mehr operiert werden, die Patienten sterben den Ärzten unter den Fingern weg (so geschehen anno 2005 während des Wirbelsturms “Katrina” im Südosten der USA. Dort kam es zu Plünderungen und wegen mangelnder Hygiene zu Krankheitsausbrüchen. Würde eine derartige Ausnahme-Situation in Deutschland, Österreich oder der Schweiz anders verlaufen??? Wohl kaum! Die meisten Heizsysteme basieren inzwischen auf irgendwelchen Elektropumpen. Was geschieht, wenn im Winter für drei Tage der Strom ausfällt?

https://www.youtube.com/watch?v=p8wOV88ewIU

Das Büro für Technikfolgeabschätzung im Deutschen Bundestag (TAB) errechnete, dass im Rahmen eines Blackout innerhalb von 24 Stunden kein Geld mehr im Umlauf wäre. Nahrung, Wasser, aber auch Kommunikation und natürlich der Verkehr würden binnen kürzester Zeit zusammenbrechen. Das komplette Leben kollabieren. In Berlin heisst es, dass derartige Folgen eines Blackouts nicht beherrschbar wären. Und so nebenbei: Ein deutschlandweiter Stromausfall kostet pro Stunde ca. 430 Mio Euro.
Gründe für solche Situationen gibt es viele: Fehler in einem Kraftwerk, Beschädigung einer Leitung, Kurzschluss, lokale Überlastung. Für ein gewartetes System normalerweise keinerlei Problem: Ein Schalter wird umgelegt und die Versorgung erfolgt über einen anderen Weg. Je grösser allerdings das Netz wird, umso grösser ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass es geschehen kann. In den USA beispielsweise sind diese an der Tagesordnung, da mit der Privatisierung meist auch keine oder nurmehr geringfügige Wartungsarbeiten durchgeführt werden. Jenseits des grossen Teiches sind die Rendite der Gesellschafter wichtiger als die Versorgungssicherheit der Kunden.
Bei einem Stromausfall sind die Netzbetreiber natürlich mit Hochdruck damit beschäftigt, die Versorgung über andere Leitungen wieder herzustellen. Doch – sind sie dann überlastet, schalten die Sicherheitsmassnahmen diese sofort ab. Deshalb sollten bei einem Stromausfall möglichst viele elektrische Geräte ausgeschaltet werden – egal ob im eigenen Zuhause oder bei der Arbeit. Hierzu eine kleine Anekdote. Während meiner Zeit beim Radiosender Arabella Vorarlberg kam es öfter vor, dass ein Gewitter in der Nacht zu einem kurzen Stromausfall geführt hatte. Da jedoch die komplette Studio- und Sendetechnik auch des Schwesternsenders Antenne Vorarlberg auf nur einem Stromkreis hing, knallten zumeist die Sicherungen, wenn der Strom wieder da war, weil alle Geräte auf einmal hochfuhren. Nachdem auch die USV (Unterbrechungsfreie Stromversorgung) nur für eine begrenzte Zeit Saft lieferte, war es ab und an verdächtig still, wenn ich gegen 05.00 Uhr früh das Vorarlberger Medienhaus (heute “Russ Media”) betrat. Interessant übrigens zu wissen, dass in Deutschland – sofern der Stromausfall durch Netzüberspannung stattgefunden hat – der Netzbetreiber für Schäden etwa durch Schwankungen im Stromnetz haftet (Urteil des BGH). Dies gilt aber nur für Schäden zwischen 30,- bis 5.000,- € – und auch nur dann, wenn Sie nachweisen können, dass der PC dadurch die Lust an seinem arbeitsamen Leben verloren hat. Davon ausgeschlossen ist der indirekte Blitzschlag (Induktionsschäden bei Blitzeinschlag innerhalb von vier Kilometern)! Eine ähnliche juristische Auffassung gilt für Österreich: Liegt ein Verschulden des Netzbetreibers vor, so muss dieser für etwaige Schäden haften. Jedoch liegt es an dem Geschädigten, durch Fotos, Zeugen oder Sachverständigten die Schuld des Netzbetreibers zu beweisen. Unter einem Wert voin 1.000,- € gibt es vor Gericht ein vereinfachtes Beweisverfahren. In der Schweiz hingegen übernehmen die Netzbetreiber keinerlei Haftung für Schäden.
Neben den Blackouts unterscheidet der Experte auch folgendes:

- Netzwischer - Ausfälle über 15 – 50 Millisekunden infolge eines Blitzschlages, eines Erdschlusses oder eines Lichtbogens
- Schwarzfall (Station-Blackout) – der Stromausfall beispielsweise einer ganzen Fabrik aufgrund eines Defektes in der Zuleitung, eines Ausfalls des übergeordneten Stromnetzes oder eines Fehlers in der Anlage
- Spannungsabsenkung (Brownout´) – tritt zumeist bei Überlastung auf und führt bei vielen elektrischen Geräten zu ernstzunehmenden Schäden; ist jedoch im europäischen Versorgungsnetz eher selten
- Unterfrequenz – ist im eigenen Netz zu wenig Energie als verbraucht wird, so sinkt die Netzfrequenz, die Lastdifferenz wird vorerst noch durch die sich rotierenden Teile wie Turbinen aufrecht erhalten
- Lastabwurf – das Kraftwerk geht vom Netz, damit der Eigenbedarf an Strom gedeckt werden kann (wichtig v.a. bei Atom-Kraftwerken)

In den dreissig Jahren zwischen 1965 und 1995 traten solche grossflächige Blackouts nur ganz vereinzelt auf. Seit 2005 gibt es rund 14 derartige Ereignisse pro Jahr, wenn auch vielfach durch den Konsumenten gar nicht bemerkt! Ein grosses Problem sind dabei durchaus auch die Photovoltaik-Parks! Sie schalten sich plötzlich ein und plötzlich auch wieder aus. Das muss durch andere An- und Zuschaltungen kompensiert werden. Aus diesem Grunde fürchten sich stets die Verantwortlichen vor einer Sonnenfinsternis. Quatsch, höre ich nun viele unter Ihnen sagen, der Sonnenstrom macht nicht so viel aus! Irrtum!!! Der komplette Strombedarf von beispielsweise Baden-Württemberg kann an einem sonnig-sommerlichen Sonntag-Nachmittag nur durch Solarstrom abgedeckt werden. Nimmt die Sonneneinstrahlung kontinuierlich ab, können nach und nach die Kraftwerke wieder hochgefahren werden. Ist sie jedoch plötzlich weg, gibt’s ein Problem.

https://www.youtube.com/watch?v=NMWZwkv0qto

Nachdem die Instabilitäten im Versorgungssystem somit in den letzten Jahren zunehmen und ganz offen über reale Gefahren (“gesellschaftliches Multiorganversagen”) gesprochen wird, empfehlen Experten die Einrichtung einer Notversorgung. Es muss ja nicht ein eigener Notstromaggregator sein, doch können Kleinigkeiten das Leben immens erleichtern, wenn man vorzeitig drauf schaut, dass man’s hat, wenn man’s braucht! Zu Beginn steht natürlich die Bevorratung v.a. mit Trinkwasser, da gerade im städtischen Bereich ohne Pumpen gar nichts mehr geht (auch beim Abwasser). Lebensmittel sollten ebenfalls eingelagert werden, wie Batterien oder besser Akkus für Taschenlampen und Radio-Geräte, Kerzen etc. Empfehlenswert ist auch ein Spiritus-Kocher und Brennspiritus, damit Sie etwas erhitzen können. Bei längerfristigen Planungen ist ein kleiner Beistellofen neben der wärmepumpengestützten Heizung ganz und gar nicht verkehrt. Auch der Regenwassertank im Garten mit Handpumpe kann im Notfall schon mal Abhilfe beim Abwasser schaffen. In Österreich fordert inzwischen der Zivilschutzverband, dass strategisch wichtige Tankstellen mit einem Notstrom-Aggregat bestückt sein müssen, da auch die Spritpumpen mit Strom betrieben werden. Als Vorbild gilt Tirol, wo inzwischen 11 Tankstellen des Autobahnbetreibers ASFINAG und des Landes mit einem solchen Gerät ausgestattet sind. Berücksichtigen sollten Sie, dass auch die Türen und Bankomaten der Banken ohne Strom nicht funktionieren. Alsdann muss ohnedies die Hausapotheke auf dem aktuellen Stand gehalten werden: Grippe, Magen-Darm,Wundversorgung, …

https://www.youtube.com/watch?v=lwaar_s9zZ4

Experten haben berechnet, dass ein europaweiter Blackout bis zu vier Wochen andauern kann!!! Nach all den Warnungen nimmt es mich Wunder, weshalb dermassen viele Menschen dermassen unvorbereitet auf eine solche Situation sind. Auch ich lächelte mir eins, als die deutsche Bundesregierung dazu aufrief, eine Bevorratung für die nächsten zehn Tage einzurichten. Ich dachte mir, die Zeit der privaten Bunker im Keller sei vorbei. Angesichts der Recherchen und der daraus gewonnenen Eindrücke, werde nun auch ich mir wieder einen Lebensmittelvorrat und Akkus zulegen. Gottlob besitze ich einen Kachelofen und nicht wie viele der umliegenden Nachbarhäuser eine Erdwärme- oder Pellets-Heizung. Da darf gefroren werden, sollte es tatsächlich mal wieder zu einem Schneeereignis wie damals 2005 beim Münsterländer Schneechaos kommen.

Zuletzt die wichtigsten Forderungen des österreichischen Zivilschutzes zur Notfallvorsorge (stark angelehnt an die Broschüre des deutschen Bundesamtes für Bevölkerung und Katastrophenschutz):

1. Besonders gekennzeichnete, strategische Tankstellen müssen in der Lage sein Treibstoffpumpen und Kassen durch Notstromanlagen bei Stromausfall weiterlaufen lassen zu können. Dadurch können Einsatzfahrzeuge, Lieferwagen, PKW.s, Notstromanlagen solange der Tankvorrat reicht, weiter betankt werden. Treibstofffirmen müssen ab Tanklager Schwechat die Nachbefüllung der Tankstellen über Wochen sicherstellen können.

2. Stretegisch zentral gelegene Supermärkte, Apotheken müssen Notstromanlagen installieren um, solange der Vorrat reicht, verkaufen zu können.

3. Großhändler müssen über Notstromanlagen den Nachschub strategisch wichtiger Artikel an die Geschäfte über 3 Wochen sicherstellen können.

3. Jeder Haushalt sollte einen Notvorrat an Trink- und Brauchwasser, Not-Lebensmittel, Treib- und Brennstoff, Medikamente, Bargeld und Batterien anlegen, um notfalls eine Woche ohne Nachschub von aussen überleben zu können.

4. Gebäude, deren Wasser und Abwasserversorgung von Pumpen abhängig ist und nur elektrisch beleuchtete Stiegenhäuser haben, müssen Notstromanlagen nachträglich einbauen.

5. Gewerbliche Baugenehmigungsverfahren müssen länger andauernde Stromausfälle berücksichtigen und eine Notversorgung der Bevölkerung über Wochen sichern können.

6. Auf Gemeinde-, Landes- und Bundesebene sind Notfallkoordinatoren zu bestimmen, -Pläne zu erstellen und mit Übungen zu proben, um Blackouts ohne große Einbußen zu überstehen.

7. Sollte ein großflächiger landesweiter Blackout länger als 48 Stunden dauern, so muss sich jedes verantwortungsvolle Familienoberhaupt, das Vorsorge im Haushalt getroffen hat, gegen Plünderung, Raub und ähnlich grauenvolles Verhalten der Mitmenschen, die eben nichts unternommen haben, rüsten. Polizei und Bundesheer werden nicht in der Lage sein, die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten. Es wird einen Überlebenskampf jeder gegen jeden geben, der mit jedem Tag an dem es keinen Strom gibt, brutaler wird.

Lesetipps:

.) Was bei einem Blackout geschieht. Folgen eines langandauernden und großräumigen Stromausfalls; Petermann, Th. et al.; edition sigma Berlin 2011
.) BLACKOUT – Morgen ist es zu spät; Marc Elsberg; Blanvalet Verlag 2012
.) Überleben in Krisen- und Katastrophenfällen: Ein Handbuch für jedermann. Das Survival-Wissen der Spezialeinheiten; Lars Konarek; Stocker 2014
.) Das Handbuch für den Neustart der Welt: Alles, was man wissen muss, wenn nichts mehr geht; Lewis Dartnell; Hanser Berlin 2014
.) Energiewende ohne Blackout: Wird das Stromnetz zur Achillesferse unserer Gesellschaft?; Heinrich Gartmair; Books on Demand 2012
.) Terrorziel Europa: Was uns bedroht. Wie wir überleben; Friedrich Steinhäusler; Edition a 2011

Links:

www.power-blackout.info/
www.bundesnetzagentur.de
www.bbk.bund.de
licht-aus.jimdo.com/
www.netze-bw.de
www.entsoe.eu
www.next-kraftwerke.de/
www.zivilschutzverband.at
www.kiras.at
www.e-control.at
oesterreichsenergie.at
www.bmvit.gv.at
www.bfe.admin.ch
www.babs.admin.ch
www.elcom.admin.ch
www.strom.ch
www.power-blackout.info

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Eierkocher Laptop!?

Den heutigen Blog möchte ich mit einem kleinen Erlebnis der dritten Art beginnen, das ich so schnell wohl nicht vergessen werde. Die Geschichte trug sich an einem Samstagnachmittag zu – es regnete und offenbar hatten auch gerade die Götter einen gemütlichen Herren-Tag angesagt: Zeus schickte immer mal wieder seine gefürchteten Blitze zu den Sterblichen auf die Erde, Thor schwenkte dazu auch gleich mehrfach seinen grossen Donnerhammer! Es war also ein Nachmittag, an dem man es sich im heimischen Wohnzimmer so richtig gemütlich macht, ein gutes Buch zur Hand nimmt und das Radiogerät einschaltet! Hätte ich ja auch ganz gerne gemacht, nur sass ich selbst im Live-Studio einer Radiostation in Sterzing/Südtirol und machte Sendung! Plötzlich geschah etwas, das mich für einen kurzen Moment aus dem Konzept brachte: Aus der Elektronik des Sendeturms zischte ein blauer Blitz quer durch das gesamte Studio und verschwand in der Neonröhre oberhalb des Studio-Mischpults. Alter Schwede! Offenbar hatte ein Blitz in der Richtfunk-Antenne am Dach eingeschlagen. Es gibt nicht viele Momente, in welchen mir die Worte fehlen – aber das war einer dieser. Das Mischpult in einem Sendestudio ist jener Ort, wo auf kleinstem Platz die meiste Elektronik untergebracht ist und dementsprechend auch der meiste Strom fliesst! Was wäre geschehen, wäre der Blitz nicht in die Lichtfassung sondern zwischen die Regler und Knöpfe gefahren? Wir werden es wohl gottlob nie erfahren!
Das heutige Thema ist ein mehr als umstrittenes, zu dem es wohl jede Menge Wortmeldungen geben wird: Elektrische und Magnetwellen, Elektromagnetismus – landläufig auch als Elektrosmog bezeichnet! Als in meiner Nachbarschaft ein Mobilfunkanbieter einen Sende- und Empfangsmasten aufstellte, musste er zuvor unglaubliche Barrieren überwinden, schliesslich stellten sich die Anrainer allesamt quer! Jedoch haben nahezu alle von ihnen ein Handy, viele einen Laptop, der via Stick online verbunden ist und einige einen DVB-T-Empfänger sowie mehrere Radio- und Audiogeräte, die sich allesamt mit Fernbedienung ganz gemütlich steuern lassen. Ich selbst bin ein Gegner des Antennen-Wildwuchses und Befürworter der Mehrfachnutzung solcher Masten, wo sie nötig sind. Denn – Sie werden staunen, was heutzutage unser Körper aushalten muss, welch hohen Strahlendosen er ausgesetzt ist. Wo liegt bei Ihnen die persönliche Grenze dieser sog. “elektromagnetischen Umweltverträglichkeit” (EMVU)?
Rund um einen stromdurchflossenen elektrischen Leiter baut sich stets ein magnetischen Feld auf – ein Gleichfeld bei Gleich- bzw. ein Wechselfeld bei Wechselstrom. Zumeist ist es ein Wechselfeld, das sich statisch, nieder- oder hochfrequent zeigen kann. Wie nun dieses das biologische Leben auf der Erde beeinflusst, darüber scheiden sich nach wie vor die Geister. Eindeutig nachgewiesen ist die thermische Beeinflussung von wasserhaltigem Gewebe – es kann solcherart etwa in der Mikrowelle zum Kochen gebracht werden. Alles andere sind nicht eindeutig wissenschaftlich fundierte Befürchtungen, zu welchen es über 14.000 Veröffentlichungen gibt. So berichtete beispielsweise die US-Zeitung “The Atlanta Constitution” von Zahn- und Haarausfall bei Menschen, die im unmittelbaren Umfeld eines Funktelegrafen lebten. Das war 1911. Jene meiner Kollegen, die mit Hochfrequenztechnik zu tun haben (Sendeantennen für Radio und TV etwa) besteigen Sendemasten auch nur in Schutzbekleidung oder dann, wenn sie nach Möglichkeit ausgeschaltet sind, da bei einem männlichen Techniker vor allem zwei Regionen gefährdet sind: Das Gehirn und die Hoden! Schon Ende des 19. Jahrhunderts war es den königlich-bayrischen Beamten untersagt, sich im Umfeld des ersten öffentlichen Wechselspannungskraftwerkes in Reichenhall aufzuhalten.
Wie könnten nun derartige elektromagnetische Felder auf den Menschen wirken? Nachfolgend möchte ich einige Untersuchungen anführen, die so oder so zu einem Resultat führten – oder vielleicht doch nicht?
Bereits in den 90er Jahren, als nach und nach der Mobilfunk aufkam, waren die Handies noch alle mit einer fixen oder ausfahrbaren Antenne bestückt. Zurecht, lag doch ansonsten die Strahlenquelle direkt am Ohr und damit an den leicht zerstörbaren Nervenzellen des Gehirns jedes Einzelnen. In diesem Bereich führten die beiden Wissenschafter Leif G. Salford und Bertil Persson Untersuchungen durch, wonach unzählige abnorme Nervenzellen bei Ratten festgestellt werden konnten, die einem Elektromagnetfeld in einem ganz bestimmten Spektrum ausgeliefert waren (SAR 0,002 W/kg bis 0,2 W/kg). Mehr als interessant in diesem Zusammenhang: Wurde die Intensität noch höher, so gab es keinerlei Beeinflussung mehr! Die Forscher führten diese Erkenntnis auf die Blut-Hirn-Schranke zurück! SAR bedeutet übrigens “Spezifische Absorptionsrate” und bezeichnet jene Stärke, mit welcher elektromagnetische Felder durch ein spezielles Material aufgenommen werden. Im Falle des Mobilfunks kann es durch jeden nachvollzogen werden – durch die Erwärmung der betroffenen Stellen während des Telefonierens. Übrigens liegt der heutige Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation bei 2 W/kg. Je niedriger dieser Wert ist, desto besser für die Hirnzellen des Menschen. Das SAR im C- und D-Netz war sehr hoch – mit zunehmender Technologie sank dieser Wert. Für die Auszeichnung “Blauer Engel” des deutschen Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau- und Reaktorsicherheit darf der Wert von 0,6 W/kg bei voller Sendeleistung des Handies nicht überschritten werden. Die Untersuchungsergebnisse konnten allerdings nicht mehr nachvollzogen werden (Kontrollgruppe), weshalb diese Salford-Persson-Studie nicht als wissenschaftlich fundiert gilt. Eine zweite Untersuchung aus dem Jahr 1997 jedoch kam zu einem ähnlichen Ergebnis – allerdings erst ab einem SAR von 7,5 W/kg. Zehn Jahre später wiesen die Studien des schwedischen Karolinsk Institutet sowie der beiden Universitäten von Wayne und Uppsala (USA) den Zusammenhang der GSM-Strahlung und Schlafstörungen nach. Die Stärke der Spezifischen Absorptionsrate: 1,2 W/kg – also unter dem Grenzwert der WHO!
Heftige Kritik erntet hingegen die sog. “Naila-Studie”, da sie nicht einen Zusammenhang aufzeigt, sondern direkt derartige Magnetfelder als Ursache für Krebserkrankungen sieht. In der Studie wurden die Krebserkrankungen in direkter Korrelation mit der Nähe zu einem Mobilfunksender (400 m Umkreis) gestellt. Tatsächlich war in dieser Gruppe der Anrainer eine Zunahme der Erkrankung im Vergleich zu anderen Bewohnern festzustellen. Jedoch werden immer wieder Beschwerden von Anrainern eines solchen Sendemastens registriert – auch wenn dieser noch gar nicht in Funktion ist.
Soweit also zum problemlosen Umgang mit dem Handy! Kritiker warnen davor, diese Geräte intensiv zu nutzen, da die Wahrscheinlichkeit der Entstehung eines Glioms um 40 % höher ist als bei anderen. Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz weist jedoch alle Ergebnisse zurück, da bei jeder Studie irgendein methodischer Fehler den Verlauf beeinflusste (etwa beim Versuchsaufbau oder den Parametern). Eine unabhängige, reproduzierbare und signifikante Studie, die zudem unter realen Bedingungen durchgeführt wurde, gebe es derzeit nicht.
Aktuelle Forschungen werden vornehmlich durch die funktionelle Magnet-Resonanz-Tomographie (fMRT) unterstützt. Dabei werden die Amplituden der niedrigfrequenten Fluktuation (ALFF) und die fraktionale Amplitude niedrigfrequenter Fluktuationen (fALFF) erfasst. Dadurch kann die spontane Aktivität des Gehirns nachvollzogen werden. Da ich keine neurobiologische Abhandlung verfassen möchte, beleuchte ich dieses Thema nicht genauer.
Auch am “Institut für experimentelle Pathologie, Onkologie und Radiobiologie” in Kiew/Ukraine betont Igor Yakymenko, es stehe für ihn längst ausser Zweifel, dass Mobilfunkstrahlung Oxidationsprozesse in den Körperzellen auslöse, was zu einer Überproduktion von freien Radikalen führe. Durchleuchtet wurden insgesamt 80 Studien – in nicht weniger als 76 davon sei dieser Effekt zu beobachten gewesen.
Doch Elektrosmog entsteht nicht nur beim schnurlosen Telefonieren. Überlandleitungen, Richtfunkstrecken, Satellitenstrecken, Radio- und TV-Signale, wLANs,… Grundsätzlich gilt immer, dass – sollte eine elektrische Ladung auf einen Körtper treffen – sich dieser Stromfluss den Weg zum Boden (Erdung) sucht. Niederfrequente Ströme hingegen beschreiben einen Kreislauf im menschlichen Körper und können dabei vor allem Nerven- aber auch Muskelzellen stimulieren. Dabei sind Beeinträchtigungen des Nervensystems, des Hormonhaushaltes, der DNS und der Zellen durchaus möglich. Derartige niederfrequente Magnetfelder gibt es vor allem im Umkreis von Hochspannungsleitungen, warnt die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC).
Auch andere wissenschaftliche Ansätze gehen in eine ähnliche Richtung. So betont etwa der Grazer Schlafforscher Manfred Watzl, dass rund 25 % aller Österreicher(-innen) unter Schlafstörungen leiden (ähnliche Zahlen werden auch für Deutschland vermutet). Wichtig für den Erholungszweck des Schlafes sind die Tiefschlaf- und REM-Phasen. Hierbei spiele das “Bosshormon” (so Ulrich Warnke) Melatonin eine entscheidende Rolle. Es wird in der Dunkelheit produziert und während des Schlafes ausgeschüttet. Melatonin regelt die verschiedenen Stadien des Schlafen und hemmt das Krebswachstum. Diese Hormonproduktion wird offenbar durch Magnetfelder beeinflusst. So empfiehlt der Experte bei Problemen, das Bett in der Nord-Süd-Achse auszurichten, Metallbetten, Lattenroste aus Metall, Federkernmatratzen und natürlich Magnetfeldmatten gegen Alternativen auszutauschen. All dies kann die Ordnungsprinzipien der Magnetfelder kräftig durcheinanderschütteln, entdeckte Watzl bei verschiedenen Untersuchungsreihen am Landesnervenkrankenhaus Graz. Übrigens – wenn Sie messen möchten, ob sich in Ihrem Schlafzimmer ein solches negatives magnetisches Gleichfeld befindet, dann benötigen Sie nicht wirklich einen Wünschelroutengänger – es reicht ein Kompass. Einer meiner Bekannten klagt ebenfalls über Schlaflosigkeit. Hier dürfte die Ursache höchstwahrscheinlich am Sicherungskasten liegen, der sich im Nebenraum an der Wand zum Schlafzimmer befindet. Er siedelt probehalber in ein anderes Zimmer um – möglicherweise kann er wieder körperlich und geistig fitter in den Tag starten.

Bei solcherartigen magnetischen Wechselfeldern empfiehlt es sich ansonsten, einen Baubiologen zu Rate zu ziehen, der entsprechende Messungen durchführen und Empfehlungen aussprechen kann. So gibt es etwa Materialien, die eine selbstabschirmende Wirkung aufweisen (z.B. Lehm). Radiowecker, Nachttischlampe, Stromleitungen, Fernsehen etc. könnten die Schlafstörungen hervorrufen. Entfernen Sie diese nach dem Ausschliessungsprinzip – so kommen sie auf des Pudels Kern. Energetiker empfehlen zusätzlich unter dem Bett einen Bettvorleger aus original Schafswolle zu positionieren – er soll gegen mögliche Erdstrahlen helfen.
Die moderne Technik macht’s zudem möglich, ohne die lästigen Kabel mit dem Laptop im ganzen Haus drahtlosen Empfang zu haben – wLAN heisst das Gebot der Stunde. Diese hochfrequente Strahlung im Giga-Hertz-Bereich ist gemeinsam mit den Handies inzwischen für rund 99 % der Strahlungen im mitteleuropäischen Haushalt verantwortlich. Mancherorts wird diese gar noch durch sog. “Repeater” verstärkt. Sehr häufig aber sind die Netze dermassen stark, dass sie über die eigene Parzelle hinausreichen und auch vom Nachbarn genutzt werden könnten. Hier empfiehlt sich der Einsatz sog. “wLAN-Dimmer”. Übrigens: Die Mikrowelle arbeitet im Frequenzbereich von 1 bis 300 GHz – somit auch schon in jenen Bereichen, die Schnurlostelefone, Handies, wLANs etc. nutzen! Somit könnte das Babyphone beispielsweise auch zum Aufwärmen von Speisen verwendet werden! Sind Sie ständig einer solchen Strahlung ausgesetzt, so kann dies schon mal zu Kreislaufproblemen und Beeinträchtigungen der Gehirnfunktionen kommen: Konzentrationsschwierigkeiten, Depressionen, Kopfschmerzen, Migräne bis hin zu unruhigen Beinen, Rheuma, Auswirkungen auf die Nebenniere und die Fruchtbarkeit und schliesslich Tumore (etwa Leukämie). In der Praxis hat dies beispielsweise der Baubiologe Wolfgang Kessel am Seminarzentrum Schüberg in Ammersbek nachgewiesen. Seine Messungen ergaben eine Leistungsflussdichte von 2-3.000 µW/m². Die Ursache waren 8 wLAN-Repeater für gerade mal 25 Räume. Die Lehrenden, die ständig dieser Strahlung ausgesetzt waren, hatten sich zuvor über “Unwohlsein” beklagt. Um diese Strahlung zu vermeiden, sollten Sie Kabel verwenden und den wLAN-Router, die DECT-Basisstation oder das Handy bei Nicht-Verwendung ausschalten. Einerseits spart dies Strom, andererseits tut es ab und an gut, einmal nicht erreichbar zu sein!

https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=vSio-D2vW2c

Bei Magnetfeldern durch Stromleitungen empfiehlt sich der Einbau eines Netzfreischalters. Er kappt eine Leitung, solange ihr kein Strom entnommen wird. Wird ein Verbraucher in diesem Zimmer eingeschaltet, gibt der Schalter den Stromfluss wieder frei. Solcherlei Umbaumassnahmen muss aber stets der Fachmann vornehmen.
Wer nun denken könnte, dass nur wir Menschen unter dem Elektrosmog leiden, der irrt! So rief die Universität Vetsuisse in Zürich die eidgenössischen Bauern auf, sich an einer Studie zu beteiligen, die nachweisen sollte, dass auch Kühe ihre Last damit haben. Der Schweizer Bauernverband schloss sich dem an und empfahl seinen Mitgliedern, an dieser Umfrage teilzunehmen.

http://www.nunis.uzh.ch/index.php/534636?lang=de

Die Wissenschaftler möchten nachweisen, dass Strahlung die Qualität der Milch beeinflussen kann. So wurde im Vorfeld eine Untersuchung durchgeführt, bei welcher 10 Kuhe Handy-Strahlung ausgesetzt wurden. Verglichen wurden die Blutwerte vor und nach der Strahlung sowie einen Monat später! Nachgewiesen wurde die Beeinflussung jener Enzyme, die den ph-Wert der Milch beeinflussen. Die Umfrage ist inzwischen abgeschlossen, derzeit werden Messungen durchgeführt und ausgewertet.
Besondere Vorsicht ist übrigens bei Kindern geboten. So untersuchten im vergangenen Jahr die US-Wissenschaftler Morgan, Kesari und Davis die Auswirkungen der Mikrowellenstrahlung solcher Handies, Tablets etc. auf Kinder und Kleinkinder. Das Ergebnis war erschütternd: Die Absorption der Strahlung ist bei Kindern im Vergleich zu Erwachsenen im Gehirn doppelt, im Knochenmark gar um bis zu 10x so hoch. Deshalb können Grenzwerte, die für Erwachsene gelten, nicht auch auf Kinder umgelegt werden. Ergo: Keine Laptops, Tablets, Handies etc. für unseren Nachwuchs. Mikrowellen-Strahlung kann Störungen bei der Entwicklung des Gehirns hervorrufen, aber beispielsweise auch für ADHS verantwortlich sein.
Je mehr Sie also mit abgeschirmten Kabeln arbeiten, umso weniger Probleme haben sie! Zudem gilt, dass Geräte mit Akkus weitaus strahlungsärmer sind als ihre Kollegen mit Netzteil. Beachten Sie beim Kauf auch das IGEF-Prüfsiegel. Es wird durch die Internationale Gesellschaft für Elektrosmog-Forschung (IGEF) vergeben, ist ein in Deutschland eingetragenes Patent und zeichnet Produkte aus, die strahlungsarm sind oder vor Strahlung schützen. Vorsicht ist zudem geboten, da als erstes Rückversicherungs-Institut die Swiss-RE Schadensersatzansprüche bei nachgewiesenen gesundheitlichen Beschwerden im Zusammenhang mit der Mobiltelefonie im Rahmen der Produkthaftung ablehnt. Hier gilt die elektromagentische Strahlung neben der Nanotechnologie und den EDCs (“endocrine disrupting chemicals”) als potentiell höchstes Risiko. Warnhinweise finden Sie übrigens in der Bedienungsanleitung eines jeden solchen Strahlungsgerätes! Wieso dies allerdings enthalten ist, wenn doch die Industrie derartige Wechselwirkungen strikt zurückweist, das überlasse ich gerne Ihren Überlegungen!

Literatur:

.) “Stress durch Strom und Strahlung”; Wolfgang Maes; Auflage 2005
.) “Grundlage des Elektrosmogs in Bildern. Messung, Berechnung, biologische Auswertung. Umwelt und Medizin”; Andras Varga; Heidelberg 2002, ISBN 3-00-009180-7
.) “Machen elektromagnetische Felder krank? – Strahlen, Wellen, Felder und ihre Auswirkungen auf unsere Gesundheit”; Norbert Leitgeb; 3. Auflage. Springer, Wien 2000, ISBN 3-211-83420-6

Links:

http://www.elektrosmog.com/

http://www.elektrosmog-und-gesundheit.de

http://www.umweltbundesamt.de

http://www.emf-portal.de/

http://www.rls-hilfe.de

http://www.emf-portal.de

http://diagnose-funk.org/

http://www.scopemed.org

http://ohne-elektrosmog-wohnen.de/

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Stromtrassen – Highways des Hasses!

Als die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Supergau von Fukushima eine 180-Grad-Wende vollzog und plötzlich meinte, dass es auch ohne Kernkraft funktionieren sollte, wusste sie wohl noch nicht, welche Anstrengungen damit verbunden sein würden. Schliesslich galt es nicht nur, die Kapazität der AKWs auf erneuerbare Energien wie Wind, Sonne oder Wasserkraft umzulegen, sondern auch die dadurch benachteiligten Regionen nicht verkümmern zu lassen. Schliesslich haben die Energieriesen zwar ein Netz aufgebaut, allerdings wurde der Strom zumeist dort verbraucht, wo er auch produziert worden ist. So sind etwa Bayern und Baden-Württemberg nach wie vor zu rund 60 % vom Atomstrom abhängig. Welche Gefahren zudem ein solches länderübergreifendes Leitungsnetz haben kann, wurde spätestens 2006 bewusst: Nachdem E.on ein Hochspannungskabel über der Ems ausgeschaltet hatte, damit das Luxus-Kreuzfahrtschiff “Norwegian Pearl” passieren konnte, wurde das restliche nordwestdeutsche Netz offenbar dermassen überlastet, dass es zusammenbrach. In West- und Südeuropa kam es zum teilweisen Stillstand des Bahnverkehrs, die Strassenbeleuchtung fiel aus, Menschen blieben in den Aufzügen stecken und die Familie Schmidt zelebrierte ein Candlelight-Dinner. 10 Mio Menschen waren von diesem Ausfall in Deutschland, Frankreich, Belgien, Österreich, Italien und Spanien betroffen.
Nun gut – erfreulich ist es zu sehen, dass inzwischen gigantische Wind- und Sonnenparks entstehen, welche die bislang ungenutzte Energie der Natur verwenden, um damit Haushalte und Unternehmen mit Elektrizität zu versorgen. Fakt ist, dass die Atomlobby in der Vergangenheit zu mächtig auftrat. Atomstrom ist günstig – die Entsorgung der Abfälle übernimmt dann ohnedies der Steuerzahler, sodass billig verkauft werden kann. Deshalb wurden solch kostenaufwendige Projekte stets nach hinten verschoben – auch etwaige Probleme vielleicht aufgeworfen, jedoch dann gleich wieder verschmissen. So beschloss beispielsweise die grosse Koaltion bereits 2009 den Bau eines vorrangigen Netzes. Allerdings wurden bis Ende 2013 gerade mal 250 von 1.834 geplanten Kilometern gebaut. Anderes Beispiel: Zwischen dem Umspannwerk Görries bei Schwerin und dem Hauptabspannwerk Krümmel in Hamburg entstand eine 88 km lange “Windsammelschiene”. Während jener Teil in Mecklenburg-Vorpommern bereits 2010 fertiggestellt war, hingen auf den letzten 20 Kilometern an den Strommasten in Schleswig Holstein noch 2012 keine Kabel. Diskutiert wurde das Projekt allerdings bereits zehn Jahren zuvor! Ok – fairerweise muss erwähnt werden, dass nicht alles unbedingt auf den Schreibtischen der Politiker und Beamten liegen bleibt. Bei diesem Projekt musste der Betreiber 50Hertz garantieren, dass für jeden gefällten Baum drei neue eingepflanzt, die geschützte Haselmaus umgesiedelt und keine Fledermäuse-Nist- oder Schlafplätze zunichte gemacht werden. Auch die Notrufsäulen der Autobahnen waren gefährdet, da in diesen Leitungen Überladungen hätten stattfinden können. Hier mussten die Kabel getauscht werden.
Nichtsdestotrotz – es geht zu langsam! Ergo: Jetzt herrscht grosses Wehklagen. Schliesslich soll sich der Anteil aus Biomasse, Sonne, Wind und Wasser bis 2020 auf mindestens 35 % steigern. Die letzten AKWs (Emsland, Neckarwestheim, Isar/Ohu 2) werden zudem Ende 2022 abgeschaltet. Jetzt wartet die grosse Arbeit: Grundbesitzer müssen überzeugt oder abgelöst, geeignete Standorte zudem erstmal gefunden werden, denn was nutzt mir ein Windkraftwerk, wenn 350 Tage im Jahr Flaute herrscht oder der Photovoltaik-Garten zumeist im Schatten steht. Und – wie wird der Strom weitergeleitet? Diese Frage sorgt derzeit für die wohl heftigsten Diskussionen. Und das nicht nur an den Stammtischen. Experten sprechen von einer riesigen Stromtrasse, die den Windstrom der Offshore-Kraftwerke in der Ost- und Nordsee nach Süden bringt. Dort bläst zwar auch der Föhn – doch ist dies nicht wirklich ausreichend. Gehen wir deshalb in medias res!
Alleine in der Nordsee sollen in den kommenden zehn Jahren Windparks mit der Leistung von sechs AKWs entstehen. Diese sind auch dringend notwendig, da im selben Zeitraum im Süden Deutschlands sechs AKWs vom Netz genommen werden sollen. Im Alpenraum und dem Alpenvorland wird gegenwärtig viel mit Solarstrom ausgeglichen. Doch – was geschieht in der Nacht bzw. im Winter? Wie der Windpark bei Memmingen zeigt, kann dabei nicht wirklich auf die Windkraft vorort gesetzt werden, da für die Windräder einfach zu wenig Puste da ist. Das aber ist im Norden und hier v.a. vor der Küste anders. Hier weht immer eine steife Brise. Optimale Produktionsvoraussetzungen! Für die Weiterleitung des Wind-Stromes soll alsdann eine gigantische Hochspannungstrasse entstehen. Fünf Bundesländer werden durchzogen, 2.800 km Leitungen sollen bis 2022 verlegt, weitere 3.000 km optimiert werden! Die Kosten belaufen sich auf rund 20 Milliarden Euro. Hinzu kommen noch die Kosten für die Seeleitungen in etwa derselben Höhe. Das muss selbstverständlich der Verbraucher bezahlen. Die sog. “Netzumlage” beläuft sich auf derzeit rund 1/4 des Kilowattpreises. In Berlin spricht man von der “Hauptschlagader der Energiewende”, damit Herr und Frau Müller in Überlingen auch weiterhin durch einen Klick auf einen Schalter Licht im Wohnzimmer haben. Im Vergleich dazu umfasst nach Angaben der Bundesnetzagentur das derzeitige Stromnetz 1,74 Mio km. Erstmals wird für den Transport im grossen Stil die “HGÜ-Technik” (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung) mit 380 kV zum Einsatz kommen, auf 1.700 km wird noch auf die klassische Wechselstrom-Weitergabe gesetzt. Für dieses Mega-Projekt nun gibt es zwei Möglichkeiten:

1.) Die oberirdische Leitungsführung
Der Vorteil liegt darin, dass weniger Ablösen oder Enteignungen gemacht werden müssen. Die Stahlmasten haben eine Höhe von durchschnittlich 50 bis 75 m. Der Nachteil ist hingegen, dass aufwendige Wartungsarbeiten durchgeführt werden müssen. Bäume oder Eis können die Leitungen brechen. Zudem ist das Netz sehr anfällig gegenüber Blitzschlag.
2.) Die unterirdische Leitungsführung
Im Boden vergraben haben jene Regionen, die nicht mehr auf eine oberirdische Leitungsführung angewiesen sind, noch Strom, wenn die anderen bereits im Dunkeln sitzen. Zudem muss die Trasse nicht dermassen breit geführt werden. Nachteilig ist jedoch die Erwärmung des Bodens durch das Elektro-Magnetfeld (um rund 5 Grad – hier aber fehlen noch die Erfahrungswerte). Dies führt zu einer Austrocknung und Ernteausfall. Ausserdem sprengen die Bauarbeiten die Kosten. Hier müssten ähnliche Planungen und Arbeiten wie für den Strassenbau gemacht werden. Zudem müssten an den sog. “Muffen”, also den Verbindungen der einzelnen Kabel jeweils nach 50-70 Meter ein Zugang (Häuschen) errichtet werden, damit bei Schäden solche Verbindungen repariert oder unterbrochen werden können. Auch Wartungen bei Kurzschlüssen beispielsweise sind stets verbunden mit Grabungsarbeiten.

Der Netzbetreiber Amprion beziffert den Bau eines Kilometers Freileitung mit 1,5 Mio €, Erdleitung jedoch mit 10 Millionen! Beides führt zu teils heftigen Reaktionen. Einerseits soll die Umgebung durch Hochspannungsmasten nicht verschandelt werden, andererseits sollen möglichst wenige Grundbesitzer abgelöst oder enteignet werden. Ausserdem können die Magnetfelder beider Lösungen das menschliche Leben beeinflussen. Etwa bei Personen mit Herzschrittmachern oder Hörgeräten! Was also tun? In Berlin ist man sich indes einig: Zuerst muss ein neues Gesetz geschaffen werden, das die rechtliche Grundlage für all das darstellt! Derzeit zerbrechen sich viele gewiefte Juristen den Kopf über das seit 2011 geltende “Netzausbau-Beschleunigungsgesetz” und den “Bundesbedarfsplan”, der bis Ende des Jahres durch den Bundestag verabschiedet werden soll. Und gerade dies bringt die Volksseele aber sowas von zum Kochen! Schliesslich sind beide Trassenmöglichkeiten mehr als unpopuläre Massnahmen. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hat sich inzwischen gegen eine Trassenführung durch den Freistaat ausgesprochen – glatt hat er einen neuen Spitznamen weg: Popu-Horsti! Aber auch andernorts haben sich die Kommunal- und Regional-Volksvertreter ihrer ursprünglichen hehren Aufgabe nämlich das Volk zu vertreten, rückbesonnen und sprechen sich ebenso gegen eine solche Trasse aus. Doch: Wie soll dann das edle Gut in den Süden gelangen??? Enteignungen sind – auch bei Grossprojekten – zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen weniger gern gesehene Massnahmen, da mitunter sehr unpopulär. Artikel 14 des Grundgesetzes garantiert zwar das Eigentum – allerdings können Enteignungen zum Allgemeinwohl mittels Geldablöse durchgeführt werden. Betrifft dies nun offenes Land, ist es zwar bitter, aber verkraftbar. Führt allerdings die Stromtrasse genau durch Wohngebiet, dann stösst es sehr vielen sauer auf. Also wird stets versucht, ein Konsens zu finden. Doch dieses Mal wird dies nicht so einfach sein. Manche Politiker sprechen inzwischen bereits von offen gezeigten Wutausbrüchen der Bevölkerung.
Anlass dafür war die Präsentation der ersten Teilstücke der Stromautobahn “Südlink”. Die erste Autobahn führt von Kaltenkirchen (Schleswig Holstein) über 800 km nach Grafenrheinfeld (Bayern); die zweite Trasse von Brunsbüttel (Schleswig Holstein) nach Großgartach (BW); die dritte von Emden (Niedersachsen) über Osterath (NRW) bis nach Phillipsburg (Baden-Württemberg) und die vierte von Wehrendorf (Niedersachsen) nach Urberach (Hessen). Die Grobkorridore haben derzeit eine Breite von 15 Kilometern. Damit könnten Dörfer, Krankenhäuser, Naturschutzgebiete etc. umgangen werden.
Die Betreiber Amprion, Tennet, TransnetBW und 50Hertz hatten sich Unmut erwartet. Deshalb wurden die Ausbaupläne auch gestutzt. Aus 70 wurden 49 und zwei Seekabel gemacht. Allerdings bläst den Betreibern nach wie vor rauhester Seewind entgegen. Bis zum 10. Juli können Einwände eingebracht werden. Allerorts formieren sich inzwischen die Gegner und gründen Initiativgruppen.
Fakt ist, dass der Stromverbrauch leider nicht zurückgeht. Die Energiewende kann nur funktionieren, wenn jeder mitdenkt und spart! Denn – wie heisst es bei Amprion: “Wenn (das AKW) Philippsburg vom Netz geht, muss diese Leitung laufen!” Dieses Kernkraftwerk läuft noch einige Jahre – eilig haben es die Bayern, da 2015 Grafenrheinfeld dicht gemacht wird. Experten nun betonen: Je grösser das Netz, desto einfacher kann der Strom auch dorthin fliessen, wo er gerade gebraucht wird.

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